Taxistand Kulturbrauerei

Zu meinen regelmäßigen Standplätzen gehört auch die Kulturbrauerei. Dort ist leider wunderbar zu beobachten, wie Interessen von Stadt und Taxigewerbe auseinandergehen können und was das im Alltag für Stress bedeuten kann.
Da selbst Google Maps noch nicht ganz auf dem aktuellen Stand ist an dieser Kreuzung, müsst ihr eine meiner seltenen Zeichnungen ertragen. Bitteschön:

 

Die Kulturbrauerei-Haltesituation (+Elch) Quelle: Sash

An der Ecke Knaack-/Danziger Straße befindet sich ein Ausgang der Kulturbrauerei, hier durch das X links markiert. Da die Knaackstraße eine Einbahnstraße ist, bietet es sich für die Taxifahrer an, in zweiter Reihe vom Eingang bis weiter unten in der Straße auf der linken Seite zu halten. Die gewohnheitsmäßigen Halteplätze sind hier mit den Buchstaben A bis E gekennzeichnet, am Wochenende kann es schon mal bis zum Buchstaben R gehen 😉

Die Halte ist natürlich nicht legal, das hat sie mit vielen anderen gemein. Es ist auch tatsächlich relativ eng in der Knaackstraße, wenn dort eine Stange Taxen wartet. Nun hat man uns dort vor einiger Zeit etwas fantastisches geschenkt: Eine Taxihalte in legal. Diese findet sich auf dem Bild dort, wo TAXI geschrieben steht, und etwas ungelenk dazuwischengekritzelt sind die Halteplätze 1 bis 3. Abgesehen von meinem unklaren Verhältnis zur maßstabsgetreuen Zeichnung kann man sich jetzt wahrscheinlich bildlich vorstellen, wie es da aussieht, oder?

Sowohl die Macht der Gewohnheit, als auch Platzmangel und rationale Erwägungen sorgen nun dafür, dass die Halte eigentlich kaum genutzt wird. Zumindest Nachts. Zum einen eignet sie sich viel besser als einfache Ausfahrt von Position A. Auf A kann man quer zur Fahrtrichtung halb in den Eingang der Kulturbrauerei hineinstehen und dann über den eigentlichen Taxistand auf die Danziger fahren (das hat im Übrigen auch den Vorteil, dass man sich die oft rote Ampel am hier nur angedeuteten Fußgängerüberweg an der Danziger spart).

Die Kunden fallen einem quasi direkt ins Auto, und gut ist. Der Nachteil ist natürlich: Wenn die Cops das doch mal mitbekommen, ist man dank Halten auf der Straße, dem Gehweg und in einer Feuerwehreinfahrt wahrscheinlich ziemlich viel Geld los…
Ein guter Grund, die legale Halte zu verwenden, oder? Unter der Woche sicher, denn solange nur maximal 3 Taxen vor Ort sind, funktioniert das ganz gut. Sobald aber Taxi 4 dann entweder auf Position A oder B wartet, steigen alle (!) Kunden aus der Kulturbrauerei (und das sind die meisten) in dieses Auto ein, weil es näher ist. Mal ganz abgesehen davon, dass die Kunden wegen dieser Entfernungsphobie auch grundsätzlich eher Taxi 3 wählen – was zwar die Abfahrt schwieriger macht, aber so ist es eben…

Da ich dennoch nicht viel Lust auf Ärger mit den Cops hab, und mich gerne unter der Woche spät dort ans Eck stelle, wo man auch mal ein Weilchen warten kann, versuche ich tatsächlich, mitten auf der Halte, also eher in Position 2 zu warten. Sollte ein Kollege kommen, rücke ich kurz vor.
Dummerweise inspiriert das einige Kollegen, zu denken:

„Haha, ein Idiot! Der stellt sich soweit vom Eingang weg, da stelle ich mich doch auf Position A und räume die Kunden ab!“

Das ist weder ein Einzelfall, noch erfolglos. Man hat also die Wahl zwischen Pest und Cholera: Riskiere ich ein Bußgeld oder riskiere ich, dass mir eine Fahrt  – durchaus auch mehrmals 🙁 – weggeschnappt wird?

Kleiner Witz am Rande: Als ich mich mal ausnahmsweise als einziges Taxi auf Position A gestellt hab, kam prompt ein Kollege an, positionierte sich auf der 3 und beschuldigte mich, ein widerlicher Aasgeier zu sein…
Aber normalerweise entscheide ich mich gegen die rauhen Sitten und nehme es in Kauf, dass mir ein oder zwei Touren durch die Lappen gehen. So auch neulich. Es kam auch, wie es kommen musste: Ich stand 10 Minuten da, dann kam ein Kollege ohne mich eines Blickes zu würdigen zur Position A gefahren, lud binnen zweier Minuten Kundschaft ein und brauste (noch dazu über die rote Ampel hinweg) davon. Man gewöhnt sich dran, aber an dem Abend hat es mich echt gefuchst. Also hab ich mein Buch zugeschlagen und zu mir selbst gesagt, dass ich auf die Kundschaft hier scheiße und eine Runde durch die Stadt fahren werde. An der nächsten Ecke würde ich sicher eine gute Tour bekommen! So!

Danziger Ecke Prenzlauer (also 400 Meter weiter) sprang mir dann ein kleiner Mann ins Auto und wollte zur Deutschen Oper. Die Tour hat etwa 20 € gebracht, die Genugtuung war unbezahlbar 😀

Tariferhöhung/BBI

Was bisher eher gewerbeinternes Gemurmel und Gebettel war, scheint jetzt den Weg auch in die Presse zu finden: In Berlin wird an einer erneuten Taxitariferhöhung gebastelt. Bekannt ist mir das Thema schon länger, allerdings bedurfte es dank meinem Unwillen, mich durch die einschlägigen Gewerbevertretungsveröffentlichungen zu schlagen, des gestrigen Artikels des Taxibloggers, bzw. des von ihm verlinkten Artikels in der Berliner Zeitung, um mal genauere Infos zu bekommen. Meine Meinung zur ganzen Sache hat sich dadurch nicht maßgeblich gewandelt, ich bin erst recht strikt GEGEN diese Erhöhung!

Schon die Überschrift stößt mir bitter auf: „Taxifahrer wollen nachts mehr kassieren“. Damit sind wir schon beim Dreh- und Angelpunkt der ganzen Geschichte: Es macht einen schlechten Eindruck und noch dazu einen falschen.

Vielleicht kenne ich ja einfach die falschen Leute, aber sicher ist eines: Ich kenne niemanden, der für eine Tariferhöhung wäre. Kein Taxifahrer, kein Kunde und nicht einmal meine Chefs sind dafür! Und das nicht ohne Grund…

Unsere Gewerbe“vertretungen“ treten sich seit Jahren mit der immergleichen Milchmädchenrechnung auf die Füße und die Stadt Berlin nickt letztlich die Erhöhungen sogar ab. Ob nur teilweise oder vollumfänglich spielt kaum eine Rolle. Immer wieder wird vereinfacht gesagt darauf verwiesen, wie schlecht man im Gewerbe verdient, dann wird das aktuelle Einkommen (pro Tour oder pro Stunde) auf einen neuen Tarif hochgerechnet und dabei kommt dann das goldene Zukunftszeitalter des Taxigewerbes raus, weil unser Einkommen um genau den Prozentsatz der Tariferhöhung steigt. Super, nicht?

Dumm nur, dass sich das Spielchen so nicht ewig spielen lässt. Denn letztlich brauchen wir auch Kunden, die die Preise zahlen können und wollen. Und je weniger Kunden mit uns fahren, desto weniger verdienen wir. Ansatzpunkte zu einer verträglicheren Lösung gibt es verschiedene: Man könnte mehr Kunden gewinnen, indem man die Attraktivität unserer Dienstleistung erhöht. Sprich: Mehr Service.
Gleichzeitig könnte man die Zahl der Taxen etwas reduzieren, indem man die seit Jahren angedachten 6 (!) Planstellen beim LABO für Kontrolleure bewilligt. Denn nach wie vor haben wir ein enormes Schwarzarbeitsproblem in der Branche. Verschiedenste (leider nicht immer seriöse) Berechnungen zeigen, dass diese Kontrolleure am Ende mehr Geld einbringen als sie kosten, dennoch wird hier nix gemacht!
Zu guter Letzt könnte man aber mit stagnierenden Tarifen werben. Glaubt es mir: Die meisten Wenig- oder Nicht-Taxikunden haben Angst vor unseren Preisen. So mancher würde eher mal mit uns fahren, wenn er nicht dieses meist falsche Bild im Kopf hätte.

Stattdessen sollen wir nun also die paar verbleibenden Kunden noch mehr ausquetschen.

Als Nebenbegründung für die neuerliche Erhöhung muss ausgerechnet der Flughafen BBI herhalten, der nächstes Jahr eröffnet wird. Dort gibt es sowieso seit Jahren Streit unter den Taxifahrern aus Berlin und dem Landkreis Dahme-Spreewald. Beide dürfen dort laden und werden beim Nachrücken getrennt behandelt: Nach jeder Berliner Taxe rutscht ein LDS-ler vor, was unter den Berlinern für Unmut sorgte, weil es wesentlich weniger LDS-Taxen gibt, und die somit um einiges schneller drankommen.
Es gab dort schon Prügeleien um die Reihenfolge, böse Worte und Gezeter auf höchster Verwaltungsebene. Für die Kunden war das meist unsichtbar, sie hatten letztlich nur das Tarifproblem: Die LDS-Taxen haben bisher mehr gekostet. (Ich hab nur diese private Unternehmer-Seite als Quelle für den aktuellen LDS-Tarif gefunden, wer etwas besseres findet, kann es gerne in den Kommentaren verlinken!)

Dass dieser Zustand bescheuert ist, ist ja ein richtiges Analyseergebnis. Glückwunsch an die Beteiligten! Das Problem ließe sich mit einem gesonderten Flughafentarif lösen. Ob der jetzt höher oder niedriger oder einfach nur lustig ist, ist ja erstmal egal. Nun soll die Lösung aber laut Innungs-Chef Gawehn sein, gleich komplett den höheren LDS-Tarif zu übernehmen. Das würde einen echt abenteuerlichen Preisschub bedeuten.
Gawehn liegt aber nicht etwa nur was am höheren Kilometerpreis, er fände den LDS-Tarif auch an ganz anderen Stellen nett: Die kostenlose Minute Wartezeit könnte man streichen und einen Nacht- und Feiertagszuschlag kann man auch (wieder) einführen. Im Vergleich zu den LDS-Taxen sind übrigens in Berlin die ersten Kilometer teurer. Diesen Preis sollte man natürlich beibehalten. Ich hab im Artikel der Berliner Zeitung keinen Hinweis zum Gepäckzuschlag in LDS gefunden, würde mich aber nicht wundern, wenn Gawehn den auch übernehmen wollte…

Ich kann nur immer wieder betonen, was ich auch in Hinblick auf kurze Fahrten immer sage: Keine einzige Fahrt im Taxigewerbe ist nicht lohnend! Selbst die Kurzstrecke bringt uns genug Geld! Das, was unser Problem ist, ist die geringe Anzahl an Kunden!  Wir stehen bis zu 70% unserer Zeit in der Gegend herum ohne Kundschaft. Daran muss man was ändern! Der jetztige Tarif reicht aus, um ein Taxiunternehmen mit Gewinn zu führen, wir müssten nur ein paar mehr Kunden gewinnen, um ein vernünftiges Auskommen zu haben!

Sicher ist ein Inflationsausgleich gelegentlich notwendig, aber nicht so! Solange ich gelegentlich eine Stunde auf den nächsten Kunden warten muss, scheint es mir nicht gegeben zu sein, dass man die Preise erhöhen kann. Durch Auslassen einer Erhöhung würde Taxifahren genau der bösen Inflation wegen attraktiver für die Kundschaft, wir könnten es wirklich mal wieder probieren!

Der Regen…

Es ist ja ein gängiges Taxifahrer-Klischee, dass wir uns über Regen freuen würden. Da bin ich extrem geteilter Meinung. Zum einen bin ich tatsächlich ein Freund des Herbstes und kann dem derzeitigen Wetter also schon etwas abgewinnen.
Zum anderen habe ich aber schon so viele Regentage gehabt, die die potenzielle Kundschaft zwar ins Taxi getrieben haben, dafür aber den Rest der Welt veranlasst hat, gleich ganz zu Hause zu bleiben. Womit es sich finanziell wieder ausgeglichen hat.

Aber die heutige Nacht war grandios! Zwar nur bis relativ kurz nach Mitternacht, aber davor stand die Nachfrage nach Taxen der an Silvester irgendwie nicht hinterher. Selbst am Ostbahnhof konnte ich letztlich eher keine Zigarette rauchen, sondern allenfalls bereits wartende Kunden einsacken.

Ich möchte gewiss keinen verregneten Sommer in Berlin. Das ist scheiße und die Stadt sieht dann echt trostlos aus! Aber gelegentlich ein Tag wie heute wäre schon ganz nett 🙂

Big Bad City | Berlin

Nicht selten hat man als Nachtschichtler die Frage nach der Angst. Die Fahrerinnen kriegen das sicher noch öfter zu hören als ich, aber letztlich ist die Frage für alle gültig:

„Haben sie keine Angst, nachts Taxi zu fahren?“

Ich habe hier und da schon fallen lassen, dass dem nicht so ist. Aber wieso? Und überhaupt: wie?

Ganz einfach: Ich bin Pragmatiker und Realist. Die Wahrscheinlichkeit, mit dem Auto tödlich zu verunglücken ist immer noch höher als die, in Berlin umgebracht zu werden. Vielleicht ändere ich meine Einstellung (ist ja letztlich doch eine Gefühlssache) nach einem gefährlichen Erlebnis, ja vielleicht wird mir die fehlende Angst auch einmal zum Verhängnis. Aber ehrlich: Abgesehen vom Verinnerlichen einiger elementarer Regeln ist es unnötig, sich darüber Gedanken zu machen.

Als Taxifahrer bin ich zugleich in einer guten und schlechten Position. Gut ist sie, weil ich immerhin ein Auto zur Flucht (oder gar als Waffe?) und den Funk und eine Alarmanlage zur Mobilisierung Dritter bei mir habe.
Dafür steigt die Wahrscheinlichkeit, dass mir was passiert natürlich, weil man weiss, dass bei Taxifahrern was zu holen ist und ich relativ wahllos fremde Menschen zu mir ins Auto lasse.

Aber Berlin ist eine verdammt große Stadt. Bei all den Horrormeldungen über Morde und Körperverletzungen darf man nicht vergessen, dass das auf einem Gebiet von 900 km² passiert, in dem fast dreieinhalb Millionen Menschen leben. Da sind eine Menge Widerlinge dabei, eine Menge Arschlöcher oder auch Psychopathen. Das lässt sich schon rein statistisch nicht vermeiden. Aber genauso gibt es hier dann doch hauptsächlich nette oder zumindest erträgliche Menschen und den ein oder anderen Helfer in der Not.

Und auf der anderen Seite möchte ich mal darauf aufmerksam machen, dass man im Gegenzug als Taxifahrer ja auch genau für die böse Berliner Nacht eine Hilfe sein kann. Wir sind doch das Transportmittel der Wahl für Menschen, die Angst haben, denen nach den schlimmen Meldungen des letzten Jahres auch die U-Bahn zu unsicher erscheint.

Ich hatte neulich eine Frau im Taxi, die mir erzählt hat, jemand hätte versucht, sie zu vergewaltigen. Mitten auf der Straße. Auf einer Straße, auf der ich tagtäglich nicht nur fahre, sondern sogar alleine entlanglaufe. Sicher gehen solche Dinge nicht spurlos an einem vorüber. Ebensowenig die vielen Berichte über Taxiüberfälle.

Aber letztlich ist diese Stadt nicht irgendein anonymes böses Etwas, sondern gerade in Punkto Verbrechen einfach die Summe der Menschen in ihr. Und jeder einzelne, der im Guten da draussen unterwegs ist in der Nacht, verbessert die Statistik und macht es auf vielfältige Art unwahrscheinlicher, dass etwas schlimmes passiert.
Ich habe großes Verständnis für die ängstlichen Leute da draussen und ich hoffe, dass ich als Mensch und als Anbieter einer Dienstleistung dazu beitragen kann, dass man sich in dieser fantastischen, kreativen, bunten und riesigen Stadt wohlfühlen kann.

Und ich vertraue darauf, dass es den meisten anderen nicht anders geht.

Die Erfahrungen aus zweieinhalb Jahren Nachtschicht bestätigen mich. Wie eingangs erwähnt: Ja, es gibt die Widerlinge und Psychopathen. In der Überzahl allerdings sind nette Spinner, betrunkene Philosophen, Partygänger, hart arbeitende Nachtschichtler und jede Menge Menschen ohne irgendein Interesse an üblen Taten. Das ist das Berlin, das ich kenne. Nicht das Berlin aus der B.Z.
Und in meinem Berlin lässt es sich überwiegend gut leben und ohne Angst Taxi fahren.

Spandau? Für fünfzehn?

„Hallo, kennen sie den Bahnhof Spandau?“

„Wieso?“

„Ja wie, wieso? Kennen sie ihn?“

„Klar, bin schon mal dort ausgestiegen.“

„Das klingt aber nicht sehr professionell.“

„Passen sie auf, was sie sagen!!!“

„Meinetwegen. Würden sie mich zum Bahnhof Spandau bringen?“

„Wollen sie mich verarschen?“

„Hallo, sie haben doch eine Beförderungspflicht…“

„Ich zeig ihnen gleich Beförderungspflicht!“

„Was kostet das? 15 €? Oder 20?“

„Moment mal…“

„Hm, isses also doch teurer? Hab ich mir fast gedacht…“

„Ich glaube, sie wissen nicht, wen sie hier vor sich haben!“

„Und ich glaube, sie wissen nicht, wo sie gerade stehen…“

Polizei, Taxistand

Einmal nach Spandau bitte! Quelle: Sash

Taxi, Tanke, Autobahn…

Mit den langen Fahrten beim Taxifahren ist es ja so: Je länger man wartet, desto geringer ist die Chance, eine solche zu bekommen und je mehr in der Stadt los ist, desto eher bekommt man eine Strecke nach außerhalb.

Die vergangene Woche war ja dank Fashion Week umsatzmäßig der Hammer. Es gibt einige Fahrer da draussen, die die Modemessen inzwischen als zweites Silvester bezeichnen, und das trifft es gewissermaßen. Ein normales Wochenende kann da manchmal kaum mithalten. Im Gegensatz zu sonst stehen dann tatsächlich mal die Kunden in der Gegend rum und nicht wir.

Das liegt wohl vor allem daran, dass die Besucher der Fashion Week unglaublich taxi-affine Kundschaft sind. Außerdem schmeißen sie übers Stadtgebiet verteilt eine Menge Parties, viele Clubs machen extra deswegen auf und wenn all das nicht reicht, dann führen die Taxifahrten in die Hotels, zu den Bordellen, zu anderen Kurzzeit-Sexualpartnern oder eben zu irgendeinem total tollen Event. Ob das nun eine Modenschau in der U-Bahn ist oder ein angesagter DJ, der nur Songs mit den Titeln von Kleidergrößen spielt, wen interessiert es? Hauptsache, man ist dabei gewesen 🙂

OK, ihr seht schon, ich bin jetzt kein riesiger Freund der ganzen Veranstaltung (hab ich neulich in meinem privaten Blog auch schon geschrieben), aber geschäftlich ist es der Hammer!

Und so traf ich letzte Woche einmal mehr am Ostbahnhof ein. Nicht, weil ich da eine schnelle Fahrt vermutete, sondern weil ich hoffte, da erst mal Zeit für eine Zigarette zu haben. So mehr oder weniger klappte das auch – und der zweite Kollege, der sich hinter mich stellte (natürlich bin ich als einziger dort gewesen, was glaubt ihr denn?) meinte auch gleich:

„Bleib mal bitte kurz stehen, ich will erstmal eine rauchen…“

Traumhaft. Dann aber kamen die zwei schweigsamen Zeitgenossen, die schon die ganze Zeit – ebenfalls rauchenderweise – am Stand rumgelungert hatten zu mir und verluden ihr spärliches Gepäck.

„Wo darf es denn hingehen?“

„Nach Schönefeld.“

„Zum Flughafen?“

„Genau.“

Na gut. Sie haben nicht einmal auf die Frage geantwortet, ob es eilig sei, und ganz so weit her schien es mit der deutschen Sprache bei ihnen nicht zu sein. Naja. So richtig freuen konnte ich mich über diese 30€-Tour ausnahmsweise kaum. Ich musste immerhin aus der Stadt raus, und so gesehen sah ich meinen Umsatz eher geschmälert als erhöht. Zumal ich meinen bombigen Kilometerschnitt auf der Rückfahrt zweifelsohne wieder kaputt machen würde…

Der Clou kam aber noch. Als wir auf der Autobahn waren, meinte der eine:

„Sag mal, was kostet, wenn du uns bringst zu Truck Stop?“

Äh, keine Ahnung!?

„Da bei Aral.“

„Wo ist die denn genau?“

„Autobahn A10.“

„Welche Richtung, so weit draußen hält sich meine Ortskenntnis in Grenzen…“

„Richtung Frankfurt/Oder, so 30 km nach Schönefeld.“

Ich hab die ganzen Frei-vereinbaren-Geschichte aus der Taxiordnung mal nicht so genau genommen. Der Taxameterpreis wäre so oder so mein allerunterstes Angebot gewesen (Taxi nach JWD kostet in Berlin mehr als in der Stadt), insofern hab ich es nach dem Tarif überschlagen:

„Na, dann sind das komplett etwa 65 €.“

Und sie haben angenommen. Kurzzeitig war mir das gar nicht mehr so geheuer, denn irgendwo ins Umland gelotst zu werden – noch dazu in ziemlichem Widerspruch zum ersten Ziel – war irgendwie strange. Führen die beiden was im Schilde?
Aber binnen weniger Minuten haben sie mit einem Freund telefoniert, und dabei hab ich dann so sinngemäß rausgehört, dass sie nun eben direkt zur Tanke kommen. Offenbar ist ihnen der Kumpel quasi mit dem Auto entgegen gefahren. Puh!

Sie haben sich dann direkt an der Tanke rausschmeißen lassen und der Preis war mit 50,60 € auch bei weitem nicht so hoch wie erwartet. Alles kein Problem! 🙂

Und auf dem Rückweg bin ich froh gewesen, die Ruhe weg zu haben. Als vor mir einer in Zeuthen durch so eine „30 km/h von 22 – 6 Uhr“-Zone gezuckelt ist, dachte ich mir:

„Ach, sei locker! Tempomat und gut is…“

Und einen Kilometer später haben sie gelasert. Und der Blick des Polizisten hat ganz deutlich gesagt:

„Hier ist noch nie ein Berliner Taxifahrer so langsam gefahren!“

Was auch nicht stimmte. Später hab ich einen Kollegen getroffen, der fast zur selben Zeit mit Kundschaft ebenfalls dort vorbeigekommen ist.

„Und da warnt die mich noch: Hier stehen se öfters. Und dann standen die da echt…“

Außerdem hat von meinen Kollegen auch niemand in der Zeit mehr Umsatz gemacht als ich… Wenn mal alles so läuft, wie es sein sollte 😀

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Taxi-Kurzstrecke in Berlin

Die hier bei GNIT schon oft erwähnte Kurzstrecke für Taxifahrten ist eine Besonderheit des Berliner Taxitarifs. Ebenso wie die BVG und die meisten anderen Verkehrsbetriebe für den öffentlichen Nahverkehr einen Sondertarif für kurze Fahrten anbieten, haben wir Taxifahrer hier den Kurzstreckentarif für unsere Kunden.

Wer nur eine kurze quasi-tabellarische Zusammenfassung haben will, findet diese am unteren Ende des Artikels.

Die Meinungen zur Kurzstrecke gehen stark auseinander, das Wissen darüber ist außer bei den regelmäßigen Nutzern gering. Aber selbst langjährige Taxikunden offenbaren gelegentlich Wissenslücken bei diesem einfachen Auszug aus der Taxitarifordnung.

Oft genug ist beispielsweise am Taxistand die Begrüßung folgende:

„Sagen sie mal, wie ist das jetzt? Könnte man da nicht auch mit der Kurzstrecke irgendwas machen?“

„Steigen sie mal kurz aus und schauen sie nach, ob sich meine Räder drehen. Wenn ja, dann gerne!“

Die Kurzstrecke ist in Berlin der einzige Tarif neben dem Normaltarif. Alle weiteren Besonderheiten werden hier über Zuschläge geregelt. Entsprechend ihrer Sonderstellung hat sie auch gewisse Eigenheiten.
Bei der BVG gilt für Kurzstrecken eine Beschränkung der Fahrtstrecke, gemessen in Stationen. Im Taxi gibt es eine solche Begrenzung ebenfalls. Sie liegt bei 2 Kilometern.

Wie in den Bussen und Bahnen der BVG Einschränkungen bezüglich Umsteigen etc. damit einhergehen, ist die Kurzstrecke im Taxi in Berlin auch etwas beschnitten von der Nutzbarkeit. Die wichtigste Regel werden die meisten kennen: Nach Kurzstreckentarif fahren kann man nur, wenn man sich ein Taxi heranwinkt. Bei Bestellungen oder Fahrten von einem Taxistand aus ist dieser Tarif nicht wählbar. Dann lohnt er sich nämlich mitunter nicht für die Fahrer, und erfunden wurde der Tarif nicht als Geschenk, sondern um zusätzliches Geld in unsere Kassen zu spülen.

Eine weitere, eher unbekannte Einschränkung ist, dass man keinen Zwischenstopp auf einer Kurzstrecke einlegen darf. Da der Preis pauschal ist, wird hier keine Wartezeit berechnet. Es ist hoffentlich verständlich, dass ein Taxifahrer nicht mal eben eine halbe Stunde irgendwo wartet, ohne diese Arbeitszeit bezahlt zu bekommen. Ich hab es einmal zu Beginn versehentlich gemacht und lege keinen Wert auf Wiederholung.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist eigentlich bekannt – wird aber dennoch oft vergessen:
Man muss als Kunde die Kurzstrecke vor Fahrtbeginn konkret wünschen. Mal abgesehen davon, dass wir Taxifahrer was zu lachen haben, wenn die Leute sich den Begriff nicht merken können (siehe PS ganz unten), hat das handfeste Gründe:
Erstens können wir das Taxameter mitten in der Fahrt nicht von einem Tarif auf den anderen umstellen. Zweitens: Die Kurzstrecke hat Einschränkungen und die Kunden alleine wissen gleich zu Beginn, ob die mit ihrer Fahrt vereinbar sind.
Zudem: Es ist nicht der Normaltarif. Die Kurzstrecke ist ausdrücklich eine Vergünstigung für besondere Einschränkungen. Wenngleich es Gerüchte gibt, dass wir Taxifahrer in Berlin jeden Kunden darauf hinweisen müssten, dass es die Kurzstrecke gibt: So ist es nicht und wir haben ja auch nichts davon. Im Gegenteil: wir verdienen weniger Geld, wenn wir weniger Umsatz machen.

Entsprechend gibt es leider auch Kollegen, die Kurzstrecken komplett ablehnen. Das ist natürlich nicht rechtens. Wenn ein Kunde eine kurze Fahrt von der Straße weg und ohne Zwischenhalt mit einer Kurzstrecke fahren will, dann müssen wir das auch machen!

Und wenn es mal doch länger wird?
Gar kein Problem: Wenn man die 2km-Marke überschreitet, schaltet das Taxameter nach einer kurzen Umschaltphase einfach in den Normaltarif um. Das heisst, für einen kurzen Moment läuft die Uhr sehr schnell, um dann nach ein paar hundert Metern auf normale Geschwindigkeit zu wechseln. Die meisten Taxameter kündigen dies übrigens mit einem Piepsen an.
Wer eine längere Fahrt vorhat, fällt eben auch im Taxi nicht mehr unter Kurzstrecke. Aber das ist ja bei der BVG nicht anders.

Die Kurzstrecke ganz kurz:

Update: Seit dem 30.6.2015 kostet die Kurzstrecke 5,00 €.

Die Tabelle lautet jetzt entsprechend:

Was? Bis zu 2 Kilometern Taxifahren.
Was nicht? Taxi vom Stand, Taxi bestellt, Zwischenstopps.
Wieviel? 5,00 € pauschal.
Wann? Wenn man ein Taxi heranwinkt.
Wie? Vor Fahrtbeginn sagen, dass man eine Kurzstrecke möchte.

PS: Da die BVG offenbar so eine Art gedankliches Patent auf die Kurzstrecke zu haben scheint, weichen Fahrgäste gerne mal auf andere Formulierungen aus. Zum Beispiel Kurztarif, Kurzfahrt, Friedrichshain-Special-Preis, 2-Kilometer-Preis, dieses Pauschalkurzding, Kurz-Sonder-Taxi, Billig-Tarif, Ranwink-Preis, 5€-Taxi, Fünfertarif etc.