Im Taxi warten

So, Schluss mit Ostern – weiter geht’s mit GNIT!

Sie hat mich etwas schief angelächelt und ich hab die Scheibe auf der Beifahrerseite heruntergelassen. Mir war nicht entgangen, dass sie mit dem Kollegen vor mir schon geredet hatte und offenbar abgeblitzt war. Das macht immer misstrauisch. Sicher, es gibt auch viele Kollegen, die normale Kundenanfragen ablehnen, aber allzu oft sind es dann eben Fragen, die man auch selbst nicht positiv beantworten kann. Festpreise, Kurzstrecke vom Stand aus, Fernfahrten zu abenteuerlichen Kursen, die Mitnahme von mehr Fahrgästen als erlaubt etc…

Was nun mochte die Frau vor dem Berghain für mich bereithalten? Das hier:

„Du, sag mal: Kann ich vielleicht bei dir im Taxi warten? Meine Freunde kommen gleich und es ist so kalt…“

Zugegeben, sonderlich häufig passiert sowas nicht. Aber für alle, die das für eine reizvolle Idee halten, möchte ich hier erstmal sagen:

„Nein!“

Und erklären, weswegen.

Erstmal gibt es natürlich keine Regel ohne Ausnahmen und hier reagiert sicher jeder Kollege auch anders. Aber ihr wisst, ich bin kein egoistisches Arschloch und wenn ich nein sage, hab ich auch Gründe dafür. Genau genommen sind es zwei:

1) Freie Fahrzeugwahl
Wenn wir am Stand stehen, haben wir uns bereitzuhalten. Auf jeder Position am Stand könnte uns ja gleich ein Kunde einsteigen. Das ist sicher auf Platz 25 unwahrscheinlicher als auf Platz 1 und theoretisch kann man ja rausspringen, sobald einer kommt. Jein. Zum einen schleichen sich Kunden manchmal wirklich hinterrücks an. Zum anderen ist das mit dem Rausspringen zwar eine theoretische Option, aber aus Erfahrung weiß ich, dass die Leute nicht lange fackeln. Wenn der erwählte Taxifahrer schläft, liest, irgendwo auf dem Gehweg eine raucht, zu lange zum reagieren braucht oder sonstwie nicht Gewehr bei Fuß steht, laufen viele Leute weiter. Ebenso wenn bereits Leute an der Türe stehen – vom drinsitzen ganz zu schweigen. Und jeder Kunde, der vorbeirennt, kostet (zumindest theoretisch) erstmal Geld oder wenigstens Zeit. Da wir das nicht freiwillig machen, sondern um Geld zu verdienen – und unsere Chefs das nebenbei in der Regel auch von uns erwarten – ist so ein kostenloses Aufwärmen im Taxi nicht ganz so kostenlos für uns, wie es vielleicht zunächst erscheint.

2) Freizeit
Gerade wenn wir für eine Umsatzbeteiligung arbeiten, ist unsere Wartezeit komplett unbezahlt. Das alleine ist nicht schlimm, wir wussten von diesem Geschäftsmodell ja, bevor wir eingestellt wurden. Aber damit sind die Wartezeiten auch die Zeiten während der Schicht, die wir für uns haben. Ich mache in vielen Schichten keine einzige reguläre Pause, sondern nutze die Zeit am Stand zum lesen, schreiben, essen etc.
So gerne ich auch mit Menschen kommuniziere und so oft ich das auch während der Wartezeit z.B. mit Kollegen mache: Diese Zeit teile ich mir ein. Und nur weil irgendwer anders seine Zeit schlecht plant, möchte ich mir deswegen auch nicht immer beim Essen zugucken lassen oder anstatt zu lesen über Dinge reden, die mich nicht interessieren. Wenn jemand im Büro Kaffeepause hat, nutzt er die in der Regel ja auch nicht (gerne), um nochmal kurz für eine andere Abteilung die Netzwerkeinstellungen zu checken, oder?

Ich hab der guten Frau das auch alles ganz nett erklärt und nebenher gleich mal mit dem Vorurteil aufräumen können, man dürfe uns nicht nehmen, wenn wir nicht an erster Stelle stehen. Zumal ich bereits auf Position 7 war, und damit sogar das erste Großraumtaxi. Sie Sie folgte mir redend, während ich vorgerückt bin, nach 2 Minuten kamen ihre Kumpels, nach 3 Minuten war ich erster und gleich danach weg. Sie ist dabei definitiv nicht erfroren 🙂

Werbung, Teil 132 (grob geschätzt)

Also nicht, was ihr jetzt denkt. Ich will hier gar nicht weiter drauf rumhacken, dass ihr mich bei den BOBs wählen sollt. Obwohl? Jetzt wo der Link schon… 😉

Wie ihr schon seht: Werbung kann tückisch sein, man kann sich gegen sie oft nicht richtig wehren. Das geht mir im Taxi nicht anders. Und abgesehen von der vielen Werbung, an der ich vorbeifahre, habe ich ja selbst welche am Auto. Das ist auch für mich ok, denn erstens muss ich sie selbst nur sehr selten sehen, zum anderen bin ich ja froh um jeden Cent, den die Firma so einnimmt.

Aber bitte: Was soll das denn?

Arm. Quelle: Sash

Ist DAS jetzt die Antwort der (einen) Funkzentrale auf die Konkurrenz durch myTaxi? Irgendsowas muss es ja sein. Nichts dagegen, die eigene App zu bewerben, aber:

„Ich fahre was Besseres.“?

Das miese daran ist, dass das jeder Mensch da draussen auf mich oder mein Auto bezieht – und das kann ich mal gar nicht leiden! Denn ich fahre nichts besseres als die Kollegen und ich bin auch nichts besseres als die Kollegen. Scheißegal, welche App wer mit wem benutzt oder welche Zentrale! Sollen sie doch draufschreiben „Besser fahren mit Funk Taxi Berlin!“ Ok, das hinterlässt wenigstens nicht so einen ätzenden Nachgeschmack.

Vielleicht sollte ich mal mit Cheffe reden, ob das wirklich SO sein muss.

Car2Go, Carsharing und so…

Jan hat mir vorher folgende Mail geschrieben:

Moin Sash,

ich bin zwar einer Deiner stilleren Leser, aber immerhin treu. 🙂

Jetzt habe ich aber doch mal eine Frage. Wie stehst Du als Taxifahrer eigentlich zu Angeboten wie Car2Go? Also Carsharing mit Autos, die ortsunabhängig sind?

Bin gespannt

Also zunächst wollte ich danke sagen, denn durch diese Mail ist mir wieder eingefallen, dass ich vor Jahren im Stuttgarter Bürgerbüro diesen tollen Satz „Das Fahrzeug ist ja standortgebunden.“ gehört habe – einer der Punkte, weswegen ich mich dazu entschieden haben, über belanglose Kleinigkeiten zu bloggen, die vielleicht erst beim zweiten Mal lesen lustig sind 🙂

Nun aber zum Carsharing:

Eine besonders von meinem Beruf abhängige Meinung hab ich dazu nicht. Ich denke mal, die Frage zielte darauf ab, ob ich diese Angebote als Konkurrenz zum Taxigewerbe sehe. Das tue ich nur zu einem kleinen Teil. Sicher wird hier und da mal eine Taxifahrt wegfallen, weil einer mehr sich an Car2go beteiligt. In der gesamten Menge schätze ich die „Gefahr“ allerdings gering ein. Es gibt Taxis noch, obwohl es Privatautos, Fahrräder, Flugzeuge, Züge, Straßenbahnen, Busse, Kutschen, Fähren und nun eben auch Carsharing gibt. Wie ich ja schon oft in diesem Blog geschrieben habe, besteht ein großer Teil der Dienstleistung Taxi in der Anwesenheit des Taxifahrers selbst. Wir werden beauftragt, wenn wir schnell vor Ort sein müssen, wenn der Fahrgast nicht fahrtauglich ist, wenn man ein bisschen reden will, wenn noch Gepäck getragen werden muss, wenn man keinen Parkplatz suchen will etc.

Carsharing schließt zweifellos eine Lücke im breiten Angebot der Mobilität heute, als Konkurrenz sehe ich sie nicht unbedingt. Da ist die Konkurrenz innerhalb des Gewerbes viel heftiger.

Und was halte ich nun davon?

Ich finde es persönlich eine gute Idee. Es stehen so unglaublich viele Autos in Deutschland einfach nur blöd rum und verrosten lange bevor sie wirklich ausgedient hätten. Wer für sich nicht jeden Tag und rund um die Uhr ein Auto braucht und es auch nicht liebevoll individuell zumüllen will, der ist doch ganz gut bedient damit.

Im Interesse der Umwelt wäre es ja zweifelsohne schön, die Zahl der produzierten Autos zu senken und diese dafür auch auszulasten. Da ist Carsharing sicher ein guter Ansatzpunkt.

Ob das Angebot nun für einen persönlich attraktiv ist, das muss natürlich jeder selbst wissen. Ich z.B. würde das für mich eher negativ beantworten. Ich brauche zum einen wahnsinnig selten ein Auto für größere private Touren – mir reichen da die Angebote der gängigen Vermietungen. Außerdem hab ich mit dem Taxi (wenn auch zeitlich eingeschränkt) ja für Kleinigkeiten wie Einkäufe notfalls eines zur Verfügung.

Also meiner Meinung nach gibt es daran nichts auszusetzen – auch als Taxifahrer nicht.

Ehemalige

Vier Rentner plus Gepäck – eine optimale Auslastung für mein kleines Autochen. Vor allem, wenn man dann noch einen Sash dazu packt. Zwei Adressen galt es anzufahren, keine davon sagte mir etwas. Hmpf. Dachte ich zumindest so bei mir. Die Alten waren deswegen aber keineswegs enttäuscht. Statt dem vollen Servicepaket mit der kommentarlosen Zielanfahrt gab es hier halt nur das kleine Paket mit Koffereinladen, Türaufhalten und Gespräch. Offenbar völlig ausreichend:

„Macht nüscht! Kanns ja nich‘ jede Straße in Berlin kennen!“

Das erste Pärchen war bald ausgeladen, das zweite wollte nach Schöneweide, nicht weit ab von der Adresse der anderen. Just kurz bevor wir die Hütte meiner Chefs passierten, fragte er, wo ich arbeiten würde, wo ich wohne, die üblichen kleinen Smalltalk-Themen. Wir hatten es dann kurz über lange innerstädtische Wege zur Arbeit und so stellten wir fest, dass wir beide mal im Behindertenfahrdienst gearbeitet haben. Zum Ende hin dirigierte er mich in großem Bogen in seine Straße, ich hab mir auf die Lippen gebissen bei dem Umweg.

„Is aba besser so: Kommste jeschickter wieder inne Stadt rinn!“

Ich mag ja so nette Kundschaft, manchmal isses einem dann aber auch etwas peinlich. Mich in Verlegenheit bringen wollte er aber offensichtlich nicht wirklich. Denn die Fahrt endete mit folgendem Dialog:

„Wat kriechste nu?“

„18,80 €.“

„Hier.“

Er reichte mir einen Zwanziger und einen Fünfer. Er bedeutete mit einem Händedruck, dass es so stimmt. Das ist mal ein amtliches Trinkgeld, wie ich es selten bekomme und wie selbst ich es nur selten gebe.

„Weißte, ick bin’n ehemalijer Kollege. Zweenzwanzich Jahre bin ick hier Taxe jefahr’n. Jetz‘ bin ick 78. Und ick find dit jut, wie du dit machst!“

Manche Momente im Taxi fühlen sich wie ein Ritterschlag an – dieser gehörte eindeutig dazu.

Vier Pfund

Die italienische Reisegruppe, die am Berghain das Auto von mir und das eines Kollegen enterten, hatten durchaus etwas zu bieten. Sie wollten zu einem nicht unbekannten Bordell im Westen Berlins. Eine gut und gern 25 € schwere Tour, alles andere als Durchschnitt vom Berghain, wo sich die Fahrten meinem persönlichen Gefühl nach 80:20 auf 15€- und 7€-Touren aufteilen. Die Zielangabe war allerdings auch etwas seltsam, denn wer bitte fährt freiweilig eine halbe Stunde durch die ganze City, 15 Kilometer, zu einem Puff? Das ist ja fast so irrsinnig, wie in Paderborn zu behaupten, man gehe in den Puff, um cool zu sein 😉 (Link zu Torsten auf taxi-blog.de)

Beim Artemis ist man das als Taxifahrer gewöhnt. Die haben einen guten Ruf, machen sogar auf Bussen Werbung und werden oft ganz gezielt von Touristen aufgesucht. Aber jener Laden? Fernab der City, kurz vor Spandau?

Was mich bei Bordell-Touren erst einmal am meisten interessiert, ist eigentlich die Frage, ob der Laden seine Eintrittsgelder als „Trinkgeld“ für uns Taxifahrer springen lässt. Das ist natürlich nicht legal und meiner bescheidenen Erfahrung nach auch gar nicht so lohnend für die Clubs, wie sie vielleicht denken. Eine Menge Leute haben gerade bei käuflichem Sex sehr klare Vorstellungen, wo sie hinwollen. Aber so wird es gehandhabt. Je nach Laden variieren die Verdienstmöglichkeiten allerdings enorm. Neben dem Artemis gibt es einen Haufen kleiner Läden, die gar nichts geben, dann geht es über 5 und 10 € pro Person hoch bis in die Königsklasse, wo teilweise 40 € pro Person + 10 € pauschal und bei abermaliger Anfahrt sogar Prozente der Einnahmen ausgezahlt werden. Welchen Stellenwert das Ganze hat, kann man sich überlegen, wenn man mal eine ordentliche Wochenendschicht mit ca. 120 € netto beziffert und sich dann überlegt, dass man dafür nur eine Tour mit 3 Leuten in den richtigen Laden braucht.

Und ich hatte an jenem Abend 4 an Bord.

Aber über den Laden wusste ich wirklich nichts. Ich hätte die Jungs ja gerne im Sinne der gut zahlenden Bordelle überredet, doch nicht so viel Geld fürs Taxi auszugeben und lieber schneller woanders hinzufahren. Das war in dem Fall aber nicht nur wie sonst auch unmoralisch, sondern quasi unmöglich, da ein Teil der Gruppe in einem anderen Taxi saß.

Ausgerechnet dessen Fahrer allerdings hat – für alle Beteiligten! – die Situation gerettet. Denn er hielt an einer Ampel neben mir und fragte mich, ob ich mir sicher sei, dass der Laden noch existiere. Er wäre zwar vor einem Jahr das letzte Mal dort gewesen, da hätte es aber geheißen, sie würden umziehen…

Puh.

Das mussten wir erst einmal unseren Fahrgästen verklickern. Und bevor jetzt jemand was Böses von uns Taxlern denkt: Zum einen stimmt das, was mein Kollege gesagt hat. Beim Schreiben dieses Artikels hab ich nachgesehen: Der Club ist umgezogen. Zum anderen haben wir sie dann definitiv zu einem der allernächsten – wenn nicht DEM allernächsten Puff gebracht. Dass wir dort auch für unsere Mühen entlohnt wurden, ist da nur ein netter Nebeneffekt gewesen.

Und so sind die Jungs paarungswillig im Haus verschwunden und eine Minute später wurde ich bereits höflich gefragt, wie viele ich gebracht hätte.

„Vier.“

„Dann gib mir mal’n Pfund.“

Ein Zwanziger für ihn, zwei Fünfziger für mich. Diese Art Geschäft, wenn auch halbseiden, gefällt mir dann doch am Besten.

Obwohl ausgerechnet diese Kunden überhaupt nichts gegeben hatten, war mein Trinkgeld in dieser Schicht damit bei knapp 100 € und ich hab meine Sachen gepackt. Man soll ja Schluss machen, wenn es am schönsten ist 😀

Die Wahrheit über Festpreise im Taxi

Sie nerven!

Kollege Albert und ich hatten neulich mal wieder das Vergnügen mit ewig herumlamentierenden Typen, die uns überreden wollten, sie für einen Festpreis nach Spandau zu bringen. Egal, was wir sagten, es half alles nicht. Und am Ende hat sie dann ein „Kollege“ irgendwo von hinten in der Reihe mitgenommen…

Wie sind die allgemeinen Regeln zu Festpreisen?

In aller Regel ist ein Festpreis innerhalb unserer Pflichtfahrgebiete nicht erlaubt. Natürlich gibt es Ausnahmen wie z.B. die Kurzstrecke in Berlin oder spezielle Flughafen-City-Preise in anderen Städten. Ganz allgemein ist es jedoch so, dass sich der Preis für eine Taxifahrt nach der Strecke und dem Zeitaufwand bemisst – was das Taxameter uns freundlicherweise vorrechnet.
Taxis sind eine Form des öffentlichen Nahverkehrs und als solche an einen Tarif gebunden. Das alles ist gesetzlich festgelegt und auch wenn es viele (unwissende) Meinungsäußerungen zum Thema gibt, sind wir in diesem Punkt nicht so frei, wie das Gewerbe an und für sich erscheinen mag.

Warum machen dann manche Taxifahrer Festpreise und andere nicht?

Ganz ehrlich: Weil manche Taxifahrer Idioten sind und andere nicht.
Zum einen gibt es die Abzocker, die Festpreise gerne annehmen im Wissen, dass der Preis laut Taxameter günstiger wäre. Glaubt mir: Wir können Fahrten teilweise sehr genau einschätzen, auch wenn die Zählweise des Taxameters für Kunden manchmal undurchsichtig und unberechenbar erscheint.
Dann gibt es die Verzweifelten: Da die meisten Taxifahrer nach Umsatz bezahlt werden, haben sie auch was davon, eine Tour zu fahren. Manch einer, der befürchtet, ohne diese Tour noch lange unbezahlt zu warten, nimmt auch gerne mal eine Fahrt zu einem niedrigeren Preis an.
Das besondere Völkchen der Schwarzfahrer kommt dann noch dazu: Als Angestellter bekommt man nur rund die Hälfte pro (im Taxameter) verbuchter Fahrt, als Selbständiger muss man für jeden (protokollierten) Umsatz Steuern zahlen. Wenn man „die Uhr“ auslässt, kann das für ganz passable (Neben-)Einkünfte sorgen.
Ich vermittle gerne ein gutes Bild von uns Taxifahrern, Tatsache ist aber, dass ein Festpreis in der Regel nicht einfach akzeptiert wird, damit der Kunde ein besseres Gefühl hat oder weniger zahlt. Meist geht es schlicht ums eigene Geld und im Zweifelsfall wird der Chef oder der Staat beschissen bei dieser Rechnung. Da kann man geteilter Meinung zu sein, aber so ist es.

Ich will aber wissen, was ich bezahlen werde! Wie soll ich das ohne Festpreis denn machen?

Das Taxameter zählt keine Fantasiebeträge. Man kann es einschätzen. Auch wenn man das als gelegentlicher Kunde nicht unbedingt sehr gut kann: Wir Taxifahrer können das. Natürlich nicht unbedingt auf den letzten Cent genau, aber doch oft sehr akkurat. Und wenn es am Ende um den einen Euro geht, bleibt immer noch die Option, die letzten 500 Meter zu laufen.
Vor allem die verängstigten Wenignutzer von Taxen können doch am wenigsten einschätzen, wie hoch der Preis eigentlich sein müsste. Seid froh, dass es die ehrlichen Taxifahrer gibt, die ggf. auch mal sagen:

„Nein, ein Zehner Festpreis ist nicht drin, aber wir kommen laut Uhr sowieso nur auf acht Euro.“

Aber eine Ausnahme wird doch mal drin sein, oder? 😉

„Keine Regel ohne Ausnahme“ sagt ein bekanntes Sprichwort. Natürlich trifft das auch hier zu. Meist haben wir technisch die Möglichkeit, die Uhr während der Fahrt auszumachen und natürlich wird sowas auch mal von aufrichtigen Taxifahrern gemacht, wenn sie erkennen, dass ein Notfall vorliegt. Aber – und das hab ich auch zu den Festpreisverhandlern mit ihrer Spandau-Tour gesagt:

„Was macht euch zu einer besseren Ausnahme als die drei vor euch, die mich dasselbe gefragt haben?“

Taxifahren ist nicht günstig, aber auf der anderen Seite werde ich dennoch nicht reich damit. Die Verbilligung, die immer und immer wieder (in mancher Nacht fünf mal…) gefordert wird, ist nichts weiter als eine Bitte um eine Verringerung meiner Einkünfte. Da können wir schon finanziell nicht ständig nachgeben. Und ich persönlich hebe mir den kleinen eventuell vorhandenen Spielraum lieber auf, um irgendwann mal in einer kalten Regennacht einen frierenden Obdachlosen vom Wald zu einer Notunterkunft zu bringen als bei irgendwelchen Typen eine Ausnahme zu machen, die zwei Tage vor Monatsende ihr ganzes Geld versoffen haben und keine Lust haben, 20 Minuten auf die S-Bahn zu warten. Da ist man dann auch aus Überzeugung unnachgiebig!

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Der ewige Krieg…

Scheint, als könnten wir uns langsam wieder an Plusgrade gewöhnen. Trotz meinem Hang zur winterlichen Jahreszeit freue ich mich darüber. Der Frühling ist einfach eine zu schöne Jahreszeit, kaum etwas daran, das nicht schön ist: Erträgliche bis angenehme Temperaturen, ein Wiedererwachen der Natur und der ein oder andere Sonnenaufgang zur Arbeitszeit. Mit einem Wort:

Hach.

Uns Autofahrer in Berlin erwartet nun allerdings auch wieder der Anstieg des Fahrradaufkommens, was nach wie vor gemischte Gefühle hervorruft. Genau genommen hat mich in meiner Frühlingsvorfreude vorgestern diese Polizeipressemeldung wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: Gefahrenbremsung wegen Radfahrer – Mehrere Busfahrgäste verletzt.

Wer hier länger mitliest, weiß dass mir dieser Kleinkrieg zwischen Fahrradfahrern und Autofahrern auf die Nerven geht. Ich als Taxifahrer bin ja ebenso Mitglied einer Gruppe von Verkehrsteilnehmern, denen gerne besondere Rüpelhaftigkeit im Straßenverkehr nachgesagt wird, ich verstehe also durchaus, dass es enervierend ist. Noch dazu sind bei dieser Posse um richtiges Verhalten im Straßenverkehr ausgerechnet zwei der beklopptesten Lobbyverbände in Deutschland involviert, die ich für fast jedes Statement in die Tonne kloppen könnte:

Auf der einen Seite der ADFC, der grundsätzlich nicht wahrhaben will, dass es eine Menge Probleme im gemischten Verkehrsraum gibt und Schuldzuweisungen an Radfahrer grundsätzlich damit zurückweist, dass die Autofahrer ja mindestens genauso schlimm sind und spezielle Kontrollen für Radfahrer natürlich willkürliche Gängelung sind, während Autofahrer ja viel zu selten mal geblitzt werden würden und so…

Der ADAC als Autofahrervertretung indes wartet mit seiner absurden Haltung auf, schnelles und unkompliziertes Autofahren sei ein Grundrecht und schon beim Aufstellen von Geschwindigkeitsbegrenzungen einen Abgesang auf die deutsche Automobilindustrie anfängt, wenngleich es eigentlich um Unfälle mit Fahrradbeteiligung ging.

Das ist jetzt mal sehr oberflächlich ausgedrückt, ich hab mir keine O-Töne besorgt, aber das war so der Grundtenor, der mir in den letzten Jahren aus der Presse entgegengeschwappt ist.

Ich stelle das deswegen voran, weil ich im Grunde als Wort zum Frühling ausrufen möchte:

Radfahrer, reißt euch bitte am Riemen!

Denn diese Aussage ist, so ernst sie gemeint ist, keine Rechtfertigung für blödes und gefährliches Verhalten von Autofahrern, kein Hass auf Radfahrer, sondern sie soll nur genau eines ausdrücken:

Reißt euch bitte am Riemen!

Wir hatten doch alle irgendwann mal so eine Art Verkehrsschulung. Auch ohne Führerschein. Und auch wenn wir alle viel vergessen haben, so halten wir uns doch einfach an § 1 der StVO, der vollumfänglich dieses aussagt:

(1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.

(2) Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, daß kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.

That’s all. Vom ein oder anderen kleinen Fehler mal abgesehen erwarte ich nichts anderes von den Leuten um mich herum und das sind auch die Regeln, an die ich mich zumindest halte, sobald ich sie vielleicht woanders mal übertrete.

Wir wollen alle ans Ziel, alle möglichst schnell und stressfrei. Das jedoch geht nicht für jeden unbegrenzt. Wir müssen aufeinander Rücksicht nehmen – und zwar gegenseitig. Niemand ist per se böse, weil er ein bestimmtes Fahrzeug bevorzugt, wir müssen diesen Krieg nicht führen, es geht eigentlich wesentlich gelassener. Ich versuche, meinen Teil dazu beizutragen und ich freue mich über jeden, der es auch tut. Auch wenn er letzte Woche aber mal einen total miesen Radfahrer/Autofahrer/LKW-Fahrer/Fußgänger oder Großtankerkapitän gesehen hat!

Warum richte ich mich an die Fahrradfahrer?

(Wenn es mir doch so egal ist, was jemand fährt…)

Ganz einfach: Mit euch hab ich den meisten Ärger! Wenn es mit anderen Autofahrern mal knallt, dann ist es in der Stadt meist ein bisschen Blechschaden und wenn ich nicht schuld bin, kostet mich das nichtmal viel. LKW-Fahrer sind nachts zu selten auf der Straße unterwegs, als dass sie mir oft gefährlich werden und die oben erwähnten Großtanker kreuzen meinen Fahrtweg nur, wenn ich ohnehin ganz andere Probleme habe. Die Fußgänger sind zwar Nachts auch oft wandernderweise auf der Straße unterwegs, allerdings im entsprechenden Zustand meist recht träge – und sie treten fast immer an Stellen auf, wo ich sie erwarte (vor Clubs und Bars beispielsweise).

Fahrradfahrer aber sind ggf. auch unter Drogen noch flott unterwegs und schießen an jeder x-beliebigen Kreuzung irgendwann mal in Sekundenbruchteilen auf die Fahrbahn. Und wenn dabei wirklich mal was passiert, dann hab ich die Sauerei mit der Leiche und ich bin mir sicher, dass sich so ein Trauma nicht von einem richterlichen Freispruch beeinflussen lassen wird.

Deswegen.

Und hey: Ich bin es gewohnt, noch schneller zu sein als ihr und kann mich trotzdem an Ampelphasen halten. Ich trinke gerne mal ein Bier, verzichte dennoch darauf, wenn ich Auto fahre. Und ich bin auch schon Fahrrad gefahren. Ich weiß, dass ein Licht bezahlbar ist und dass man ohne Bierflasche mit einer Hand wirklich total easy und für alle sichtbar einen Richtungswechsel anzeigen kann. Ist auch gar nicht so peinlich, wenn es alle machen 😉