Morgen wieder …

Ja, morgen geht’s endlich mal wieder auf Tour! Da ich hier bei GNIT ja immer wenigstens noch ein paar Knochen reingeworfen habe, kam Euch die Auszeit von mir wahrscheinlich gar nicht so lange vor wie mir. Tatsächlich aber sitze ich ja wirklich seit dem 24. August zu Hause. Ich gehöre wirklich nicht zu den Leuten, denen ohne ihre Lohnarbeit die Decke auf den Kopf fällt. Und eigentlich sollte ich mir mehr Pausen gönnen. Aber es ist einfach so, dass ich mich immer recht schnell wieder zurück ans Steuer wünsche. Ich mag den Job nunmal. Nicht nur, weil ich damit meine Miete bezahle. Ich freue mich auf morgen, hoffe auf ein paar nette Leute und darauf, wieder irgendwas neues von Berlin oder von meinen Fahrgästen zu erfahren.

Aber heute ist der letzte „freie“ Tag. Wenn man so will. Wenn man wie ich nebenher etwas freiberufliches wie Schreiben macht, dann kennt man das irgendwann nicht mehr. Die letzte Woche, in der ich nichts für die Öffentlichkeit bestimmtes geschrieben oder dafür Notizen gemacht, recherchiert, Fotos gemacht oder etwas konzipiert habe? Vielleicht 2008. Einzelne 24-Stunden-Abschnitte wohl um meine Hochzeit rum, als ich krank und auf Reisen gleichzeitig war.

Ironie des Schicksals, dass ich jedes Mal, wenn ich mich entspannen will, ans Schreiben denke. 🙂

Ich war die letzten anderthalb Wochen nicht untätig. Mal abgesehen von den Blogs arbeite ich an einer Leseprobe für mein Buch übers Taxifahren. Das hab ich – außerplanmäßig – vorgezogen und es könnte damit jetzt recht flott gehen. Denn die Leseprobe ist für nicht weniger bestimmt als dazu, dass meine Literaturagentur (also quasi, noch fehlt meine Unterschrift.) sie Verlagen vorstellen kann. Wie man sieht: Hinter den Kulissen ist auch viel los …

Ändert aber nix dran, dass ich mich darauf freue, mich morgen endlich wieder hinters Steuer der 1925 zu klemmen. Zwei Tage Kurzurlaub an der Nordseeküste sind diesen Monat auch schon geplant, bis dahin sollten wir mal die 400.000 Kiilometer zusammenkriegen. 🙂

Reden ist Gold!

Ich werde inzwischen ja doch in ziemlicher Regelmäßigkeit auf den Blog hier angesprochen. Ist ja klar, einige von Euch kommen ja auch extra am Ostbahnhof vorbei, um mich zu besuchen. 🙂

Wirklich lustig fand ich jedoch derletzt einen Kollegen, der sich zaghaft näherte und fragte, ob ich denn „der mit dem Blog“ sei. Nachdem ich das in Ermangelung wirklicher Begabung beim Lügen zugegeben hatte, meinte er:

„Meine Frau liest immer bei Dir. Seitdem will sie meine Geschichten gar nicht mehr hören. Find ich gemein!“

Ich möchte mich hiermit zum einen entschuldigen, zum anderen aber auch mal was loswerden:

Man erlebt als Taxifahrer viel. Sehr viel! Das sind nicht immer nur spannende Geschichten, da ist auch viel von dem dabei, was man als „Alltagsschrott“ klassifizieren könnte. Menschen erzählen uns von ihrem Alltag, von ihren Freuden, Sorgen und Nöten. Das ist vielfach belanglos. Selbst für Blogs wie GNIT (bei dem ich ja an Belanglosigkeiten nicht spare). Mafiabosse, Ehebetrüger, Prominente – kommt alles vor, ist aber doch im Vergleich zu Mensch XY auf der Straße selten. Und ich glaube, die meisten von uns sind froh, wenn sie zumindest einen Teil davon irgendwie loswerden können. Nicht unbedingt in Details – ich denke, da muss man sich als Fahrgast nicht viele Sorgen machen! – aber raus muss es manchmal.

Ihr kennt das sicher von Euren eigenen Problemen.

An dieser Stelle möchte ich mich deswegen bedanken. Bei unseren Partnern, unseren Freunden und ggf. auch unseren anderen Ansprechpartnern. Barkeepern zum Beispiel. 🙂
Und in meinem Fall natürlich Euch Lesern.

Und natürlich besagter Leserin, die zeitgleich Partnerin eines meiner Kollegen ist!

Ohne Euch würde uns Kutschern etwas ganz wichtiges fehlen. Nicht jeder von uns sagt das so, nicht jeder kann das. Nicht jeder will das sagen und manche brauchen es vielleicht wirklich nicht. Aber ich bin sicher, dass Ihr – wer immer Ihr seid! – sicher hier und da die ein oder andere Depression, den ein oder anderen Amoklauf o.ä. verhindert habt.

Das ist sicher nicht übertrieben.

PS: Liebe Leserin, ich weiß es zu schätzen, dass Du meine Geschichten magst. Aber dein Mann hat sicher mindest genauso viel zu berichten. Hör ihm zu, er hat es nicht leichter als ich – und sicher nicht weniger zu berichten! 🙂

Ausstattungsgedöns

Ich bin schon ganz hibbelig.

Ich hab mir – mal wieder – einen neuen Zusatzakku zugelegt. Diesen hier (Amazon-Ref-Link). Bei der Stromversorgung im Taxi bin ich ja irgendwie nie so recht auf einen grünen Zweig gekommen. Das liegt vor allem daran, dass

  1. der Zigarettenanzünder im Zafira unter dem Griff der Handbremse liegt und den Einsatz vieler größerer Stecker verhindert.
  2. ich mein Handy aus Diebstahlsicherungsgründen links vom Lenkrad habe.
  3. der Stromanschluss meines Handys auf der Oberseite ist und ich das Kabel irgendwie übers Armaturenbrett legen müsste
  4. ich das Auto nicht zu meinen Zwecken umbauen kann, sondern alles entfernbar bleiben muss.

 

Es gibt für alles eine Lösung, manchmal muss man halt ein wenig suchen. Grundsätzlich bin ich beispielsweise mit den MiPow, die mir nette Leser von meiner Wunschliste gekauft haben, gut gefahren. Tue ich immer noch. Aber da ich Akkus meist recht ungünstig nutze, lassen die halt auch schnell nach. Für Wochenendschichten muss ich den noch gut funktionierenden MiPow voll aufgeladen mitnehmen, sonst bringt er nix. Oft lade ich ihn im Auto nochmal nach und am Ende passiert es dann doch gelegentlich, dass ich ihn aufladen muss, obwohl er nur halb leer ist, etc. pp. Und wie man weiß: Das tut Akkus nicht gut. Darüber hinaus nutze ich mein Handy recht viel unterwegs, z.B. ist GPS immer aktiv. Für myTaxi und damit ihr mich stalken könnt. Für myTaxi wäre es sogar eigentlich gut, das Display immer angeschaltet zu haben, aber das konnte ich bislang auf jeden Fall vergessen.

Nun mal sehen, ob mit dem neuen Akku alles besser wird. Leistungsmäßig sollte ich damit mehr als nur eine Schicht schaffen, der Praxistest steht wie gesagt noch aus. *daumendrück*
Ich werde auf jeden Fall hier und da mal erwähnen, ob das Teil was taugt. Alle am Kauf Interessierten möchte ich aber vorab warnen: Das Ding ist größer und schwerer, als es auf den Bildern aussieht – für die Jackentasche ist es nicht geeignet!

PS: Eine neue Handyhalterung hab ich auch. Aber dazu gibt es morgen mehr. Kleiner Spoiler: Es gibt ein Gewinnspiel zum dritten Geburtstag von GNIT … 😉

Karma

Einen wunderbaren Sonntag allen GNIT-Lesern da draußen!

Meiner jedenfalls verspricht wunderbar zu werden: Ich hab mittelprächtig geschlafen, bin dennoch Stunden zu früh aus dem Bett gepurzelt und muss nachher arbeiten. Das ist vielleicht nicht der Optimalzustand, aber die gestrige Schicht war so schön, die wirkt noch ein bisschen nach. 🙂

Das es gut laufen würde, habe ich zwar von Anfang an gehofft, der Einstieg war dann jedoch eher so lala. Dass ich umgehend, also nach etwa drei Kilometern, eine Winkerin hatte, war schön. Ihr Wunsch hingegen schwierig:

„Ich müsste ungefähr zum Club der Visionäre und hab aber nur noch’n Fünfer …“

Das ist vom östlichen Ende der Boxhagener Straße schlicht nicht zu machen. Ich hab zwar glücklicherweise sofort daran gedacht, dass man über die Kynaststraße seit einiger Zeit wieder zur Elsenbrücke durchkommt, ohne eine blöde Schleife übers Ostkreuz machen zu müssen, gereicht hätte das aber allenfalls ansatzweise. Also hab ich erst einmal von mir aus eine Kurzstrecke vorgeschlagen. Muss ich nicht, kann man in so einer Situation ja aber mal machen. Geht ja auch um Dings, hier, ähm, zufriedene Kundschaft, genau!

Und – ach! – was war die zufrieden. Obwohl ich ihr gesagt hab, dass es trotzdem nicht ganz reichen wird.

„Das ist in Ordnung, ich kann ja ein Stückchen laufen. Ich bin ja schon so froh, dass sie gerade jetzt hier vorbeigekommen sind …“

Konnte sie auch sein. Als das Taxameter dann mit einem Piepsen das Ende der Kurzstrecke verkündet hat, hab ich die Uhr ausgemacht und das Auto noch ganz gemütlich bis zur nächsten Ecke ausrollen lassen. Am Ende hab ich sie rund 2,3 km von fast dreien gefahren. Zum ermäßigten 2-km-Preis. Alleine ihrer Ansage nach hätte ich sie nach 1,1 km zum Normalpreis von 5,00 € vor die Türe setzen können – und jetz standen nach dem großzügigsten Dehnen aller Regeln sogar nur 4,00 € auf dem Taxameter.

Auch wenn ich’s die Kundschaft nach wie vor nicht merken lasse: Ich war ziemlich sauer, dass sie sich unter den Umständen tatsächlich den einen Euro noch hat rausgeben lassen. Das ermutigt einen nicht gerade, solche Ausnahmen mal zu machen … 🙁

An verbalem Dank jedoch sollte es nicht mangeln:

„Total geil, ehrlich! Ey, ich wünsch Dir noch eine super entspannte Schicht, nur nette Fahrgäste, viel Glück und alles. Hast jetzt echt was gut auf deinem Karma-Konto!“

Während ich mir insgeheim „Na hoffentlich!“ dachte, schien das tatsächlich genau das Richtige gewesen zu sein.

(Nie vergessen: Am Ende bestimmt jede Tour, wo man am Ende landet …)

Der Freitag war schon „halbwegs ok“ gewesen, ich war eigentlich zufrieden. Jetzt hab ich gestern aber bei anderthalb Stunden weniger Arbeitszeit und der gleichen Fahrtsrtecke über 50 € mehr Umsatz und das Doppelte an Trinkgeld gemacht. Ich hab wirklich obskurste Touren bekommen, überdurchschnittlich lang und mit spendablen Fahrgästen obendrein. Ich hatte fast die ganze Schicht gute Laune, war fit, und und und.

Kein Wunder, dass Menschen dazu neigen, an so einen Quatsch wie Karma zu glauben.


PS: Für alle, die es noch nicht dank Facebook mitbekommen haben: GNIT hat die Marke von 2000 Artikeln irgendwann in der letzten Woche gerissen. Dies hier ist Nummer 2016. Feuerwerk!!! 😀

Eile, wo keine sein sollte …

Vorbestellungen. Das sind alle Fahrten, wie ich sie mit Euch gelegentlich ausmache … die sind im Alltagstrubel manchmal schwierig. Also nicht die Fahrten an sich. Ganz im Ernst: Ich freue mich total, dass ich inzwischen so viele Touren mit Lesern hab, denn es ist ist z.B. schon mal eine große Sache, wenn man als Taxifahrer weiß, wann man unkomplizierte Fahrgäste hat. Denkt also nicht, ich wüsste das nicht zu schätzen!

Nun war es am Samstag so, dass ich mal wieder Jo am Telefon hatte. Der rief mich an und fragte an, ob ich eine Stunde später am Lichtpark sein könnte. Ich hab mal vorsichtig zugesagt, aber angedeutet, dass ich vielleicht später komme. Die Stunden davor waren das reinste Silvester, so guten Umsatz hatte ich lange nicht mehr. Für 9 Touren und fast 100 € Umsatz hab ich gerade mal 2:20 Stunden gebraucht. Entsprechend kam ich halt auch nicht einmal für eine Kippe aus dem Wagen, bzw. befürchtete, im nächsten Moment nach Hannover oder so abgewunken zu werden. In der Nacht schien zu diesem Zeitpunkt aus Taxifahrersicht irgendwie alles möglich zu sein. Und ja, da stört so eine Vorbestellung den Flow etwas.

Aber gut, ich bin ungehindert zum Ostbahnhof gekommen, wo ich endlich meine Nikotinsucht befriedigen konnte. Hätte ich mir was wünschen können, hätte ich jetzt eine Tour nach Pankow oder Marzahn bevorzugt: Irgendwas, wo man nachts schnell Land gewinnen kann, aber natürlich mit möglichst maximalem Umsatz. Dass dies die letzte Tour vor der Bestellung sein würde, war klar, deswegen wünschte ich mir, zu der guten Zeit alles rauszuholen, was geht.

War natürlich Fehlanzeige. Eine Fahrt zum A&O-Hostel in der Köpenicker. Eigentlich das einzige Fahrtziel (neben ein paar Privatgebäuden und dem Magdalena), das den Anspruch erheben konnte, noch zwischen Ostbahnhof und Lichtpark zu liegen. 4,80 €. Hmm …

Jetzt hatte ich wie zuvor immer noch eine halbe Stunde Zeit. Na super! Was tun?

Ich hab mich fürs Magdalena entschieden. Dort stand nur ein einziger Kollege, da hatte ich die Hoffnung, schnell noch eine Tour zu bekommen. Was keine schlechte Einschätzung war: Kaum dass ich mich angestellt hatte, stieg mir eine junge Frau ein. Bei mir, nicht bei dem Kollegen vor mir. Ich hatte für einen Moment die Vermutung, es läge am Auto. Der Kollege nämlich fuhr einen Mercedes W124, also mit beinahe garantiertem Mindestalter von 20 Jahren. Tatsächlich war meine Kundin wohl vor allem zu strack, um überhaupt zu bemerken, dass zwei Autos vor dem Club standen.

Das allerdings fiel mir erst später an dem Telefonat auf, das sie führte. Sie sagte mir mit recht klarer Aussprache den Wismarplatz an – immerhin eine der Adressen in Berlin, die nur einmal existieren. Und zwar recht nahe, im Boxhagener Kiez. Nochmal 7 oder 8 € mehr und garantiert pünktlich zurück! Yeah! Herrlich, wenn mal alles läuft wie geplant.

Während der Fahrt hatte ich dann ein wenig Sorge, dass sie sich den Abend in Form aller Getränke nochmal durch den Kopf gehen lässt. In Kurven purzelte sie fast auf meinen Sitz rüber und am Handy führte sie minutenlang ein Gespräch, das ich in einem einzelnen Satz wiedergeben könnte:

„Ey, wenn ihr nicht gleich heimkommt, penne ich schon, weil ich müde bin.“

Das war’s. In der Praxis lief das eher so ab:

„Yo, kommse?“

„Steif! Da penn ich schon.“

„Wann kommse?“

„Nee, bin müde, ich penn gleich.“

„Kommse noch?“

„Echt? Das‘ aber zu spät.“

„Willse nich‘ noch … aber wenn, dann gleich. Bin müde.“

„Wann wärse dann da? Oh nee, da penn ich sicher schon.“

„Kann meine Augen kaum aufhalten, aber was is‘? Kommse noch?“

Ich meine: Immerhin war sie schnell beim Reden, die Fahrt hat ja keine 6 Minuten gedauert …

Am Ziel angekommen freute ich mich: Hach! Noch knapp 20 Minuten, um zum Lichtpark zu fahren, sprich: bei gemütlicher Fahrweise allerhöchstens 10 Minuten Wartezeit. Und immerhin würde es für eine Kippe reichen.

Das inzwischen wirklich übertrieben zerstört wirkende Etwas sah mich aus großen Augen an und meinte:

„Duhu, des‘ jetz‘ kacke und des tut mir auch voll leid und so, aber ich hab wohl kein Geld mehr bei …“

Na holla die Waldfee! Da wurde die Zeit plötzlich wieder eng. Ich hatte keinen Kartenleser, sie kein Geld zu Hause, also was nun? Ich war schon dabei, ihr desillusioniert meine Daten aufzuschreiben und ihre zu verlangen (den Gedanken, sie mit Beschimpfungen vor die Tür zu setzen hatte ich glücklicherweise verdrängt), als die eigentlich ja immer erste Option mir wie Schuppen von den Augen fiel: Bankautomat!

Ich hab sie darüber aufgeklärt, dass ich mir das Wenden, Rumfahren und Warten aber bezahlen lassen würde. Mehr als verdient in dem Fall, ganz ehrlich. Der Automat war zwar keine 50 Meter entfernt, aber in solchen Fälle halte ich DIREKT davor. Ich will mir nämlich besser nicht ausmalen, wie es aussieht, wenn ich betrunkenen Mädels hinterherrennen muss. Nachher wirft mein Hemd noch Falten, die mich dick aussehen lassen …

Ich, total im Stress und ständig auf die Uhr schauend, verpeilte das alles natürlich. Statt das Taxameter wieder zu starten, drückte ich erst einmal auf die Zuschlagstaste (tue ich beides verhältnismäßig selten, da sitzt der Automatismus auch nach über 4 Jahren noch nicht so richtig). Ups. Scheiß Hektik, ehrlich!

Ich hab den Gedanken beiseite gedrängt und es einfach mal so stehen lassen. Dafür hab ich die Uhr vor dem Automaten gestoppt. Ob ihr dortiger Aufenthalt – ich hab Blut und Wasser geschwitzt, ob ihr drei Anläufe für die PIN reichen – jetzt 40 oder 60 Cent gekostet hätte, werde ich nie erfahren. Entweder hat sie 10 Cent zu viel oder 10 zu wenig bezahlt. Hat mich da ganz ehrlich auch nicht mehr gejuckt. Und ich denke, bei solchen Beträgen muss man nicht kleinlich sein. Da komme ich Fahrgästen bisweilen gröber entgegen, ganz ehrlich.

Aber was will man sagen: Es ging alles gut aus. Mit 50 Cent Trinkgeld hat sie zwar nicht gerade Branchenrekorde gebrochen, aber im Grunde konnte ich froh sein. Es gab noch einen Euro oben drauf und rechtzeitig am Lichtpark war ich auch.

Und, was war? Logo: Bestellvirtuose Jo kam mit 10 Minuten Verspätung raus … 🙂

Umsatzzahlen im Sommerloch

Sommerlöcher gibt’s ja bekanntlich überall. Warum nicht auch mal beim Taxifahren? Der Juli ist seit ein paar Stunden Vergangenheit und im Gegensatz zu den letzten – vor allem meinen ersten zwei – Jahren hat sich das Geschäft ein wenig verhaltener gegeben. Ihr wisst, dass ich nach Möglichkeit nicht über meinen Umsatz jammere, schon alleine, weil er pro Stunde meist höher liegt als der der Kollegen (weil ich eher die lukrativen Schichten fahre).

Da sich bei GNIT gerade aber viele Neuleser tummeln, möchte ich gerne mal aufzeigen, wovon wir reden, wenn ich übers Geld spreche. Sind ja hier nicht bei der NSA. Mein Artikel zur Frage „Wieviel verdient ein Taxifahrer?“ ist ja aus dort genannten Gründen sehr schwammig geblieben bei Zahlen. Also gut, Butter bei die Fische, meine Zahlen aus dem Juli:

Ich habe 0,96 € pro Kilometer eingefahren, das ist also mein eher unguter (weil unter 1:1 liegender) Kilometerschnitt. Pro Stunde hatte ich 1,55 Touren zu durchschnittlich 10,56 €. Mein Umsatz pro Stunde lag damit bei 16,33 €, daraus abgeleitet ergibt sich ein Bruttostundenlohn von 7,35 €. Nicht verschweigen möchte ich natürlich das Trinkgeld, das pro Stunde immerhin 1,91 € betragen hat, pro Tour also 1,23 €.

Die Zahlen sind wie gesagt meine. Das ist kein Durchschnitt durchs Gewerbe, es gibt sowohl Kollegen, die drüber; als auch welche die darunter liegen. Unser Erfolg hängt von so vielen Faktoren ab, dass sich da ein Vergleich ohnehin verbietet. Das schreibe ich vor allem für die mitlesenden Journalisten hier … 😉

Zu guter Letzt aber möchte ich noch eine Zahl erwähnen, die immer wieder überraschend schön ist und meine am Tage fahrenden Kollegen sicher beim genauen Nachrechnen zum Weinen bringen wird: Während meiner Schichten habe ich im Juli eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 17,02 Kilometern pro Stunde gehabt. Und, ja: Inklusive Standzeiten!

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Wochenende

Zunächst einmal herzlich willkommen am vermutlich heißesten Tag des Jahres 2013 in Berlin!

Obwohl es gerade einmal kurz nach sieben Uhr ist, schwitze ich bereits, und das wird sich voraussichtlich nicht mehr ändern heute. Ob ich überhaupt schlafen kann bei dem Wetter, bleibt abzuwarten. Des Wetters wegen alleine hab ich schon lange rumüberlegt, ob ich heute arbeiten soll, am Ende hat es doch meine kleine 1925 für mich entschieden. Die war die ganze Woche nicht völlig fehlerfrei unterwegs. Auch wenn es letztlich nur das Quietschen war, das blieb: Jetzt bleibt die Kiste stehen, bis ich sie am Montag wieder zu unserem Schrauber bringen werde!

Ich selbst bin manchmal ein wenig überkritisch, was Fahrzeuggeräusche angeht. Kein Wunder, schließlich weiß ich nach einer sechsstelligen Anzahl an Kilometern ja, wie die 1925 „normal“ klingt. Aber als sich heute morgen um kurz vor halb sechs meine letzte Kundin mit schmerzverzerrtem Gesicht die Ohren zuhielt, als ich neben ihr bremste, stand für mich fest, dass hier Schluss ist. Für die Schicht war es das ohnehin, aber das ist ein anderes Thema, zu dem ich gleich kommen werde. Heute ist also Ruhetag, was mir ehrlich gesagt auch gut passt. Immerhin bin ich diese Woche schon am Mittwoch das erste Mal ausgerückt, noch dazu mit extra frühem Aufstehen. Wenn man bedenkt, dass ich das nur noch als 50%-Job mache, sollte das ohnehin genug sein. Vom Wetter mal ganz zu schweigen.

Aber gut, die heutige Schicht.

Lief bombig. Nicht rekordverdächtig, aber ich war immer froh um eine Zigarettenpause, bzw. darüber, überhaupt mal das nassgeschwitzte Hemd vom ledernen Fahrersitz lösen zu können. Da ich derzeit wegen meines zeit.de-Interviews viele neue Leser habe, will ich auch kurz anmerken, was „gut“, bzw. „bombig“ hier in Berlin im Taxigewerbe heißt:

Ich hab in 8 Stunden ziemlich genau 200 € Umsatz gemacht. Ein Rekord wäre es gewesen, wenn ich weniger als fünfeinhalb Stunden dafür gebraucht hätte. Auf der anderen Seite hab ich am Freitagabend 8 Stunden für nicht einmal 110 € Umsatz runtergerissen. Und wer jetzt neidisch guckt, sollte sich vor Augen halten, dass Umsatz nicht gleich Verdienst ist. Mein Verdienst liegt am Ende bei rund 50% der oben genannten Zahlen – Trinkgeld schon eingerechnet.

Natürlich hätte es heute – wie immer – auch besser laufen können. Bestes Beispiel war mein eigentlich letzter geplanter Stopp am Ostbahnhof: Ich wurde gefragt, ob mein Auto ein Großraumtaxi sei, was ich bejahte. Dann aber musste ich verneinen bei der Frage, ob ich das bestellte wäre. Wie so oft fragte die potenzielle Kundschaft dann, ob ich sie nicht fahren könnte. Hätte ich machen können, wäre nur unfair dem wohl gerade auf dem Weg befindlichen Kollegen gegenüber. Also hab ich die Truppe vertröstet und in Aussicht gestellt, dass der Kollege sicher gleich kommt. Man ist ja kein Arschloch.
Aber ich hab auch gesagt, dass ich vorraussichtlich ja noch ein paar Minuten da bin, falls er wirklich nicht auftauchen sollte.
Dann kam das Fiese: Mein Gegenüber wollte von mir wissen, was es nach Dallgow-Döberitz kosten würde. Zwar nicht meine Richtung, aber eine verdammt lohnenswerte Umlandfahrt! Sicher um die 40 € …
Ein bisschen hoffen, dass der Kollege nicht kommt, wollte ich noch – da hatte ich dann aber schon andere Kundschaft. Ein sehr sehr liebenswerter Kerl, sicher 15 Jahre älter als ich, für sein Alter aber drei Hausnummern zu cool. Wir hatten ein glänzendes Gespräch, die Tour hat sehr viel Spaß gemacht – leider ging sie eben nur für 6,20 € zum Frankfurter Tor. Dort hab ich umgehend Kehrt gemacht und bin zum Bahnhof zurück. Aber die Jungs waren natürlich schon weg …

So kann es dann halt auch gehen am Ende einer guten Schicht. 🙁