Zumindest jetzt noch (also vor einem Mindestlohn) ist es in Berlin so, dass Taxifahren nach Umsatz vergütet wird. Es gibt kaum Fahrer, die einen Grundlohn pro Stunde bekommen, einen reinen Stundenlohn gibt es so gut wie nirgends. Das erscheint den meisten Menschen aus anderen Branchen schwierig. Und ja, das ist es natürlich auch. Wir tragen selbst als angestellte Fahrer einen enormen Teil des Unternehmerrisikos und insbesondere in einer Stadt wie Berlin, in der man geradezu dem Glauben erliegen muss, jeder fürs Gewerbe verantwortliche Mensch hätte BSE im Endstadium, bringt es uns Fahrer dazu, uns für Hungerlöhne die Räder plattzustehen.
Auf der anderen Seite ist das nicht alles. Ich hab selbst schon mehrfach erwähnt, dass mir persönlich das Modell ganz gut passt, weil es einen Arbeitsanreiz liefert – und zudem gleicht sich am Ende alles aus.
Das heißt leider nicht, dass wir am Ende gut verdienen. Aber es heißt, dass man auf Wochen-, Monats- oder Quartalssicht doch durchaus auf ein halbwegs planbares Einkommen kommt. Während einer einzelnen Schicht kann einem das aber durchaus die Laune völlig verderben. (Andererseits kann es natürlich bei gutem Verlauf auch echt aufbauend sein!)
Der letzte Samstag war bei mir so ein Tag. Eigentlich hatten die Umsätze nach dem wirklich verheerenden Januar endlich wieder angezogen, aber ich hatte nur Pech. Auf der Straße war immer ein Kollege zwischen mir und den Winkern und am Stand hab ich nur die kurzen Touren abbekommen. Nach entsprechender Wartezeit versteht sich. So stand ich nach ungefähr viereinhalb Stunden bei mageren 32 € Umsatz. Ich rechne das gerne noch einmal durch, dann bleiben nämlich (32,20 / 4,5) * 0,45 = 3,22 € Bruttostundenlohn. Wenn man das am Ende netto betrachtet, helfen nicht einmal die eigentlich nicht schlechten 4,80 € Trinkgeld groß – ich war am Ende einfach bei rund 4 € Stundenlohn gelandet. Puh! Ich hab den Job wirklich gerne, aber ich nutze ihn auch, um meine Miete damit zu bezahlen. Und das lohnt sich nicht. So viel kann man gar nicht arbeiten …
Also hab ich – obwohl mir klar war, dass es sicher noch besser werden würde – beschlossen, Feierabend zu machen. Das ist natürlich rechnerisch unklug, aber ich bin auch nur Mensch und hab meine Laune, und die ist manchmal eben im Keller, sorry.
Eine Tour vom Ostbahnhof wollte ich noch mitnehmen. Und wie zu erwarten war, ging es bloß bis in die Straßmannstraße. 6,00 € Umsatz, und dafür hatte ich eine Dreiviertelstunde gewartet. Aber da kam die Sache mit der Unberechenbarkeit ins Spiel. Hatte ich die Stunden davor so lange an der Halte rumgegammelt, dass ich müde wurde, hatte ich nun auf dem Weg nach Hause Winker. Einmal für 5,50 € wieder in die umgekehrte Richtung. Von dort wieder auf die Heimat gezielt. 500 Meter weit kam ich, dann eine Kurzstrecke Richtung Kreuzberg. Dort hab ich umgedreht, dann bekam ich eine Fahrt nach Neukölln. Ein knapper Zehner. Und dort, keine 50 Meter weiter, ging es dann für ganze 15 € zum Alex nach Mitte. 40 € Umsatz und 4 € Trinkgeld. In einer einzigen Stunde! Stundenlohn zwanzigirgendwas oder so!
Ich bin da leider doof. Ich bin trotzdem heimgefahren. Obwohl es sicher nicht sinnvoll war. Aber trotz netter Fahrgäste war meine Arbeitslust hinüber. Und das ist für mich inzwischen ok. Glücklicherweise.
Allgemein aber gilt im Taxi mehr als anderswo, dass man den Tag nicht vor dem Abend loben sollte und ggf. Durchhaltevermögen braucht. Zumindest jetzt noch.
Der Mindestlohn wird einiges ändern, das kann ich mit Sicherheit sagen. Ich will mich nicht festlegen, ob daran alles positiv sein wird – aber es wird sich einiges ändern …
