Gute Laune

Ja, ich dachte tatsächlich, ich hätte gute Laune. Ich hab das Auto abgestellt mit einem zufriedenstellenden Umsatz, ein paar blogbaren Fahrten und durchweg passabler Kundschaft. Nur mein Trinken hab ich versehentlich im Taxi liegen lassen, wollte aber deswegen nicht nochmal zurücklaufen. In solchen Fällen spare ich mir doch die Schlepperei hin und zurück und hole mir was an der Tanke, die zuverlässig jeden Tag meinen Weg zur Straßenbahn kreuzt.

Obwohl es mitten in der Nacht war, war ich nicht alleine. Ein Kollege stand mit seiner B-Klasse auch dort und kaum dass ich mich dem Nachtschalter näherte, sprang ein junges Mädel, vielleicht 20, aus dem Fond. Sie schaffte es vor mir zur Glasscheibe und sprudelte ein paar Wünsche herunter. Handykarten, Alkoholika, Zigaretten – was man so für einen Partyabend braucht. Dazu hier und da ein Scherz und ein wenig Geflirte mit dem Tankstellenmitarbeiter in der Kabine.

„So, das wäre alles?“

„Jepp.“

„Macht 80,04 €“

„Dann mach einfach 85. Ich hab heute gute Laune!“

Das war einer der ganz seltenen Momente, wo ich direkt nach Feierabend gerne mit dem Kollegen getauscht hätte. Ohne zu zucken und meinetwegen mitsamt des Zwergen-Autos.

Online-Welt

Irgendwas überrraschendes kann immer mal passieren während einer Taxi-Fahrt. So wie bei dieser. Dass ich zunächst bei der Schönholzer Straße an Pankow und nicht an Mitte gedacht habe, ist nicht schlimm gewesen. Das hatten wir gleich geklärt. Unterwegs verkündete mein Beifahrer auch schon, dass die Route wohl sinniger sei als die auf der Hinfahrt. Diesen Vorteil hatte ich allerdings schnell wieder verspielt. Gleich zwei Straßensperrungen hintereinander versauten uns die kürzeste Route derart, dass ich ziemlich wild durch die kleinen Gassen tingelte.

„Ja schade wegen den Umleitungen. Sonst hätte ich das ja vergleichen können – also ob es wirklich besser war als auf der Hinfahrt…“

„Was habt ihr denn auf der Hinfahrt gezahlt?“

„14 Euro.“

„14? Wow. Also da kommen wir sicher…“

„Naja, 14 hab ich gegeben. Wieviel das gekostet hat, weiss ich nicht mehr.“

„Ist ja sehr sinnig, Vergleiche anzustellen, wenn man den Ausgangswert nicht kennt.“

„Naja, ich hab gedacht, ich geb dir einfach weniger Trinkgeld, dann passt das schon. Oh, das hätte ich jetzt nicht sagen sollen, das war jetzt irgendwie nicht so nett, oder?“

„Mach dir mal keinen Kopf. Ich weise bloß darauf hin, dass ich blogge. Wenn mir jemand blöd kommt, kann ich damit also schon umgehen…“

„Oh, dann schreib bitte nix böses über mich! Ich lebe in einer Online-Welt!“

„Keine Panik! Wenn, dann sowieso nur anonym.“

„Puh! Kannst hier halten. Was macht das?“

„11,80 Euro.“

„Dann mach einfach mal 15!“

Nee Leute, so leicht kann man die Blogeinträge hier auch nicht verhindern, sorry! 😉

Sparen im Taxi

Ein netter Fahrgast, die Fahrtstrecke war Standard. Vom Ostbahnhof nach Neukölln. Er hatte sich von seinen Jungs frühzeitig losgeeist um pünktlich ins Bett zu kommen. Kurzer Dialog am Ende:

„So, dann wären wir bei quasi aalglatten 10 €.“

„Oh! Na dann machen sie mal bitte 12!“

„Das mach ich sehr gerne. Vielen vielen Dank!“

„Ach, ich hab ja so viel Geld dadurch gespart, dass ich so früh weg bin…“

Gefällt mir wesentlich besser als diese Preisdrückerei mit dem Argument, der Abend wäre bisher so teuer gewesen 🙂

Besprochen.

Man trifft ja nicht nur Leute in Feierlaune bei der Arbeit im Taxi. Ich versuche ja, die Quote recht hoch zu halten, aber man weiss ja nie, wie die Kunden so drauf sind. Manchmal trifft man auch auf ziemlich fertige Gestalten, die nicht nur Redebedarf haben, sondern auch sonst unter jeder Zuwendungsgrenze liegen und das wissen. Den wahrscheinlich schwierigsten dieser Fälle hatte ich Mitte letzten Jahres, das war die Geschichte mit Mike.

Ein bisschen harmloser gestaltete sich die Frau in den 50ern, die ich neulich aufgegabelt habe. Aber nachdem ich für sie in Lichtenberg eine Vollbremsung hingelegt habe, war die gute Laune aus meinem Auto auch schlagartig verflogen – und das nicht nur, weil ich die Musik ausmache, wenn Kunden einsteigen. Sie nannte das Fahrtziel nicht gleich und wollte mir zeigen, wo es lang geht. Während wir allerdings über die erste Kreuzung fuhren, bei der Rechtsabbiegen für den kürzesten Weg sinnvoll gewesen wären, war sie längst am Erzählen, wie sehr sie ihr Asthma plagt und dass sie nur deshalb jetzt schon heimgeht. Abgefüllt war sie bis Oberkante Unterlippe, das Reden fiel ihr schwer, aber sie tat es mit ausladenden Gesten, großer Lust und nicht zuletzt einer gehörigen Portion Verachtung gegenüber allen Themen, die sie ansprach. Ihr Mann, das Asthma, die Kneipe, die Wohnung, die Stadt, die anderen Menschen und eigentlich die ganze Welt…

Aus kleinen Satzfragmenten bastelte ich mir in Gedanken eine Zieladresse, die mir dann auch noch überhaupt nichts sagte. Das Navi wusste mal wieder mehr als ich, und so kam ich immerhin nicht in die Verlegenheit ihren ziemlich wirren Routenansagen folgen zu müssen, mit denen wir zwar sicher auch in Friedrichshain gelandet wären, allerdings eher mit einem dreistelligen Betrag auf dem Taxameter oder gleich nach einer Rundfahrt an den größten Sehenswürdigkeiten des Kontinents vorbei.

Ein paar total unehrliche „Ja sicher“ meinerseits später war sie immerhin wieder soweit, einen Witz zu machen. Gut, da waren wir schon am Ziel, aber immerhin. Wir standen in einer Sackgasse und ich fragte, ob ich hier halten solle. Daraufhin lallte sie schwungvoll, dass ich sie gerne auch noch bis in den vierten Stock fahren könne. Na also 🙂

Aber ich hab von ihr einen neuen Spruch gelernt, mit dem man Trinkgeld ansagt. Sehr beliebt ist ja das „Machen se eine Rechnung über…“ oder ganz simpel „Machen se…“. „Der Rest ist für sie“ ist mir verständlich und auch wenn jemand einen Betrag mit 3 Ausrufezeichen nennt, ist das Wink mit dem Zaunpfahl genug. Sie reichte mir allerdings einen Zehner mit den Worten:

„Das haben wir alles besprochen.“

Was eine glatte Lüge war, denn neben ihrem Monolog hätten wir nicht einmal Zeit gehabt, sowas wie das Trinkgeld oder den Fahrpreis zu besprechen. Wir haben es ja nicht einmal bei der Route geschafft 🙂

Aber als ich im Portemonnaie nestelte, meinte sie abermals mit Nachdruck:

„Das haben wir besprochen!!!“

Nicht fragen. Kunde, König und so weiter…

Zweisamkeit im Taxi

Wie man hier bei GNIT ja recht umfangreich sieht, kann prinzipiell jede Fahrt unterhaltsam sein. Trotz der ebenso erhöhten Nervgefahr finde ich aber Fahrten mit Pärchen irgendwie erstmal verdächtig im Sinne von blogbar. Meist kommt etwas interessantes dabei heraus, wenn man sich als Dritter plötzlich in einem Personenverhältnis einfindet, das aus zwei Personen besteht. Wobei ich erwähnen muss, dass ich mich höchst ungern und selten in die Kommunikation zwischen den Leuten einmische.

Das absolute Highlight der letzten Zeit war ja zweifelsohne die betrunkene Fast-Braut, die ihre „Heiratsgründe“ so gerne der Polizei gezeigt hätte.

Aber beim Stöbern in der Vergangenheit sind mir noch ein paar andere gute Sachen über den Weg gelaufen. Im Vergleich zu Kollege Carsten hatte ich zwar noch keine der Fortpflanzung dienenden Aktivitäten im Auto, aber darauf lege ich auch nur bedingt wert. Mir reicht es, was ich außerhalb so sehe… 😉

Mir wirklich im Gedächtnis geblieben ist natürlich das Ehepaar, das sich ein wenig ums Trinkgeld gestritten hat – was mir sehr zugute kam

Eine inzwischen fast schon von mir selbst vergessene Geschichte ist hingegen die vom Italiener, der seinen Gott auf Englisch verflucht hat, weil er an diesem Abend nicht zum Sex gekommen ist (und dessen Flehen scheinbar Gehör gefunden hat) und für alle Umherkommandierten unter den Liierten ist die Geschichte der total liebenswerten Unterstützung bei der Diät sicher ein Lacher.

Aber wie komme ich jetzt drauf? Bei einer völlig unspektakulären Fahrt eines wahrscheinlich noch viel unspektakulären Pärchens neulich in meinem Taxi unterhielten sich die beiden meist flüsternd. Das einzige, was ich verstanden habe, war ein von ihr regelrecht gezischtes:

„Bist du wohl ruhig! Oder willst du unseren Taxifahrer mit deinen lächerlichen Problemen belästigen?“

Wahrscheinlich wäre die Fahrt blogbar gewesen, wenn er es getan hätte 🙂

Kommst du mit?

Es gibt Fahrten, die sind für Taxifahrer entweder besonders stressig oder besonders nett. In meinem Universum sind die meisten davon einfach nett. Der Grund dafür ist simpel: Zum einen mache ich diesen Job mit fast all seinen Widrigkeiten gerne. Da bin ich ein Optimist. Ist kein Kunde da, freue ich mich, dass ich Zeit zum Lesen habe. Ist ein Kunde da, freue ich mich über das Geld. Ist die Fahrt nur kurz, freue ich mich, dass ich gleich wieder frei bin. Macht der Kunde Stress, freue ich mich, dass ich was zu bloggen habe…

Ich nehme nunmal gerne die Vorteile wahr und abgesehen davon, dass ich sicher nicht das finanzielle Maximum aus dem Job raushole, hat das erstmal keine negativen Auswirkungen. Eine Tour vom vergangenen Wochenende könnte als Vorzeigebeispiel dienen:

Ich stand in dritter Position am Ostbahnhof, als sich eine junge Frau durch mein Beifahrerfenster lehnt. Noch bevor ich irgendwas in die Richtung unternahm, war es mir erst einmal peinlich, dass ich in ihren Ausschnitt sehen würde. Selbsterfüllende Prophezeihung nennt man das wohl.

„Hi!“

„Hallo!“

„Ähm!“

„Oh, haben sie Gepäck?“

Ich saß immer noch im Wagen und schielte an Gesicht und Schultern vorbei auf ihren Rücken, konnte die Maße des Rucksacks aber nicht einschätzen.

„Nee, aber puh!“

Dass das kurios wird, lies sich unschwer erahnen.

„Fährste mich bis Ecke Grünberger?“

„Klar.“

OK, hätte eine der üblichen pseudopeinlichen Kurzstrecken-Anfragen werden können. Wurde es aber nicht. Sie schwang sich freudig und mit einem Übermaß an Energie ins Auto. Betrunken. Und zwar ziemlich!

„Das is, das is gut. Weil wenn weil ich hier… ich verkack das gerade alles!“

„Was denn?“

„Ich muss zur Ecke Grünberger und da wohn ich. Wie wir das mit deinem Geld machen, müssen wir mal sehen!“

Da greift oben genanntes: Nur eine kurze Strecke, also bin ich bald wieder frei. Sollte es Ärger geben, hab ich was zum Bloggen und zudem: Kurze Strecke, wenig Geld, wenig potenzieller Verlust! Also alles super! 🙂
Sie bemängelte es zwar, dass ich ihren Zustand komisch fand, verhedderte sich allerdings meist zwischen den Aussagen, dass sie mir für meine Hilfe „alles auf der Welt“ geben würde und dass „wir das mit dem Geld mal klären“ müssten.

An ihrer später und nach – für den kurzen Weg – relativ langer Diskussion ermittelten Adresse nannte ich dann den Fahrtpreis und sie bemerkte treffsicher:

„Ich bin in Taxi, oder? Scheiße ey, ist das krass!“

Das hat aber keine große Rolle gespielt, schließlich wollte sie mich ohnehin bezahlen 🙂
Geldbeutel war nicht vorhanden, folglich auch kein vernünftiges Pfand oder so. Aber die Lösung war offensichtlich:

„Kommst du mit?“

„Na klar.“

Ich parkte das Auto für eine Tour von 6,40 € mitten auf der Straße im Boxhagener Kiez, zweifelsohne locker 15 € Ordnungsgeld wert. Aber nee, das wollte ich jetzt sehen! Sie stolzierte voran, öffnete die Haustür mit einem beherzten Tritt und nach einem langen Flur, der Berlins umfangreichste Tag-Sammlung beinhaltete, gingen wir zum Hinterhaus, wo sie zunächst in einer dunklen Tür verschwand, um mir Sekunden später Licht anzumachen.

Den Weg die etwa 3 Stockwerke hoch verbrachte sie mit gelegentlichen Nachfragen, wer ich eigentlich sei und einem formschönen Flug auf die Schnauze. Tat ihr auch alles furchtbar leid und außerdem war sie dankbar, dass ich ja so nett sei. Na dann…

An ihrer Wohnung angekommen schloss sie erstaunlich fehlerfrei auf. Ich verharrte im Hausflur, bzw. auf der Türschwelle. Die Tatsache, dass sie mir Geld schuldete, hätte ich sicher als Berechtigung zum Eintritt in die Wohnung sehen können, aber ich weiss die Privatsphäre in meiner eigenen zu sehr zu schätzen, um ihr wegen 6,40 € auf die Pelle zu rücken. Unnötig.

„Komm rein!“

Ich betrat eine dieser typischen liebenswürdig chaotischen WG-Wohnungen. Abgeratzt bis zum Geht-nicht-mehr, aber auf urige Weise sehr gemütlich. Eine Wohnung, wie man sie vor den Eltern verstecken muss, vor den Freunden aber damit prahlt. Nun standen wir beide in ihrer Küche, ein paar Fliegen schwirrten um die 4 verlorenen Tomaten in einer Discounter-Pappbox auf dem Herd, und sie fragte mich abermals, wer ich eigentlich sei und vor allem, weswegen ich hier bin. Wahrscheinlich hätte ich sagen können, wir hätten uns im Club kennengelernt und wären zum Vögeln hier. Die drei Gründe, die dagegensprachen waren zweifelsohne: Meine Freundin, die mir auch nicht alles durchgehen lässt, mein Auto im Parkverbot und sowas ähnliches wie Moral.

Ich hab ihr also gesagt, dass ich der Taxifahrer bin und noch ein wenig Geld bekommen würde. Sie öffnete ihre Hand, legte dabei ein paar Münzen frei und fragte, wie viel es sei.

„6,40 €.“

„Und… und warum hab ich die dir nicht gleich gegeben?“

Wenn ich das mal wüsste 🙂

„Und was krieg ich jetzt von dir?“

„Leider nichts. Das Geld ist für die Fahrt hierher gewesen.“

Ein bisschen betrübt drückte sie mir 6,50 € in die Hand und umarmte mich.

„Weisst du, du bist ganz schön nett.“

„Ich versuche mein Bestes.“

Ein nettes Grinsen und dann schnell weg!

„Warte warte, ich mach dir das Licht an!“

Und so standen wir dann im Treppenhaus und sie forderte mich auf, sie nochmals zu umarmen. Ich hab ja auch Grenzen. Aber warum nicht? Ist ja dann doch ganz nett 🙂
Nach einer dritten Umarmung und einem Kuss hab ich mich dann aber gelöst und ihr von ein paar Stufen weiter unten noch eine gute Nacht gewünscht. Sie hatte sich noch nicht so recht mit unserer völlig überraschenden Trennung abgefunden, streckte sich theatralisch  mir hinterher und wiederholte, wie verdammt nett ich doch sei. Damit das nicht noch ausartet, bin ich aber wirklich los und hab mein Auto aus dem Parkverbot befreit, bevor die Cops es registriert hatten. Puh!

Aber auch wenn es nur 10 Cent Trinkgeld waren. Verkraftbar wäre das ja auch noch gewesen 🙂

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Nass dank Fahrrad

„Das ist aber wirklich sehr nett, dass sie mir da helfen!“

„Überhaupt kein Problem. Wie schon gesagt: Bisher hab ich alle Fahrräder ins Auto reingekriegt, aber es ist jedes Mal eine ziemliche Fummelei. Könnten sie mal da vorne…“

Ächz!

Großraumtaxen sind was Tolles, aber manchmal sorgen sie auch für Arbeit, die dem E-Klasse-Fahrer erspart bleibt. Für Fahrräder hat mein Zafira sowas ähnliches wie eine Mustergröße. Ich hab bisher wirklich jedes reingekriegt mit umgelegter Rückbank – aber das System, wie jetzt gerade dieses eine dort hineinbugsiert werden kann, das darf man jedes Mal neu erfinden.

„Vorher war da ja ein Kollege mit so einem Bus, aber der wollte gar nicht auf mich hören. Dabei hätte man das dort wahrscheinlich einfach reinschieben können…“

teilte sie mir mit einem bedauernden und nicht einmal bösen Tonfall mit. Sie war etwa Ende 40 und hatte nach eigenen Angaben in diesem verregneten Sommer bereits eine zweiwöchige Fahrradtour absolviert, ohne ernsthaft nass zu werden. Und jetzt Berlin. Es war eine der kältesten Juli-Nächte, so ca. 12°C, sie war den ganzen Tag unterwegs mit Bahnverspätung und allem Tralala. Der Himmel schüttete sich seit 2 Tagen hemmungslos aus und sie hatte einfach keine Lust, die letzten 5 Kilometer noch mit dem Rad durch die teils zentimetertiefen Pfützen der Hauptstadt zu fahren.

Bei ihrer Aussage zum Kollegen musste ich an eine andere glückliche Kundin denken, die mir strahlend berichtet hat, dass sie letztes Mal „bei totalem Sauwetter“ einen Taxifahrer getroffen hat, der ihr Rad mehr schlecht als recht – aber besser als gar nicht – in den geöffneten Kofferraum seiner Mercedes-Limousine gestopft hat, um sie halbwegs trocken ans Ziel zu bringen.

Obwohl ich hier zum Verladen meist unter der schützdenen Heckklappe dem Regen entkam, war die Dankbarkeit meiner aktuellen Kundin etwa ähnlich umfassend.

„Sagen sie, was kostet denn so ein Fahrrad dann extra?“

Ich hab mal ziemlich frei die Tarifordnung zitiert:

„Ein Gepäckstück, das nicht in den Kofferraum passt, kostet einen Euro extra.“

„Oh, das ist ja viel zu wenig!“

Ein wenig innerlich vor mich hinfluchend, warum dieser blöde Lenker sich jetzt gerade an den Rücksitzen verkeilen musste, hab ich nur vielsagend vor mich hingemurmelt:

„Wenn es sich weiter so wehrt, dann haben sie vielleicht Recht…“

Aber ich hab mir die Zeit genommen, sie daraufhin kurz anzulächeln und zu sagen, dass das schon ok ist.

Und siehe da: Irgendwann hatten wir das geschafft. Das Rad war verstaut, und abgesehen von der bangen Frage, ob es da auch je wieder rauskommen würde, waren wir erst mal glücklich mit dem Ergebnis. Also ging es rein ins warme Auto, Tür zu und dann haben wir zugesehen, dass wir Land gewinnen. Das Fahrrad war verkeilt genug, damit nicht einmal der Gepäckkorb klapperte, und so konnte ich trotz Regenwetter den Weg ins Herz Neuköllns auch zügig zurücklegen. An der angesagten Adresse angekommen, bedeutete sie mir in ziemlicher Demut, ich solle doch bitte bitte erst mal im Auto bleiben. Sie macht jetzt erst mal die Tür auf bei sich, dann könnten wir da gleich ohne allzu nass…

Ich bin ausgestiegen und hab den Kofferraum geöffnet. Wie gesagt: Unter der Klappe ist es ja auch nicht feuchter als im Wagen selbst und ich wollte mir mal ansehen, wie wir dieses Etwas aus dem Wagen bekommen, das irgendwie entfernt an einen eingebauten Überrollkäfig erinnerte. Zu meiner Überraschung ließ sich das Rad mit 2 Handgriffen sanft und endgültig aus den Eingeweiden meines Autos rausoperieren und kaum dass sie die Türe des Hauses offen hatte, stand ich mit dem Fahrrad bei ihr.

„Oh, das ist aber… das hätten sie doch nicht… wie viel bekommen sie denn jetzt?“

„Die Uhr steht bei 10,80 €, mit dem Zuschlag wären wir dann bei 11,80.“

„Oh Mein Gott, das ist ja wirklich viel zu… also nee!“

Mein Grinsen hab ich sorgfältig verstecken müssen. Das gibt 15. Locker! 🙂

„Machen sie mal 20!“

Wow! Und da sag mal einer, dass sich Service nicht doch lohnt. Damit war auch der Typ aus dem letzten Artikel wieder völlig vergessen.

„Na, sie sind ja jetzt auch ganz nass geworden wegen dem Fahrrad…“

Das hätte ich ja auch nie erwartet bei einer Schicht im strömenden Regen 😉