Kein Geld verdienen …

Ich hatte gerade recht erfolglos eine Runde durch Mitte und Prenzl’berg gedreht, da signalisierte mir ein Arm, dass ich – nun ja: nicht arm bleiben würde in dieser Schicht. Hier an der Danziger war noch recht viel los, ein Döner-Spätkauf-Sonstwas-Laden hatte geöffnet, entsprechendes Publikum anbei.

Mein Winker war ein Kerl knapp über meinem Alter und er hatte zunächst eine Frage:

„Was machsn zun Bahnhof Warschauer?“

„Hmm, schätze mal, das ist so etwa ein Zehner. Vielleicht auch 12.“

„Nee, nee, nee! Nich ungefähr! Was machs DU mir für’n Angebot?“

„Das Angebot, für ca. 10 bis 12 € nach Uhr dahin zu fahren.“

Innerliches Grinsen. 🙂

„Was sachs’n zu acht?“

„Bis Bersarinplatz wär’s ok.“

„Ich willaber Warschauer!“

„Hab ich verstanden. Aber das kostet sicher zehn.“

„WILLS MA HIER VERARSCHEN? ZEHN EURO? BLEIB MAL LOCKER, DU GNOM! WILLSTE KEIN GELD VERDIENEN ODER WAS?“

In meinen Gedanken war das Fenster längst oben. Dann halt nicht. Da kam aber ein anderer Typ an und ging den potenziellen Fahrgast erst einmal recht rüde an:

„Was’n mit Dir Phase? Machste hier Taxifahrer dumm an?“

„Vapiss da! Geht Dir nüscht an!“

„Doch, doch. Ich glaube schon.“

Dann wandte er sich an mich und meinte:

„Guten Abend, Herr Taxifahrer. Würden Sie mich eventuell zum Berghain bringen?“

Ich warf einen Blick auf den entgeisterten anderen Typen und antwortete mit einem freundlichen Ja. Im Auto, nachdem wir losgefahren waren, meinte er dann:

„Ich wollte mir ja schon ein anderes Taxi ranwinken, aber dann hat der Depp mich so aufgeregt. Wissense, mein Bruder fährt auch Taxi, ich weiß, dass das nicht leicht ist. Und der Typ war ja mal unterste Kategorie. Ich hoffe, Sie können damit leben, dass ich Sie kurzerhand entführt habe.“

Das Ende vom Lied war, dass ich mit dieser Tour fast das Gleiche verdient hatte. Nur viel lockerer. Das Trinkgeld war zwar nicht viel, irgendwie bin ich dann aber doch dankbar … 😀

Glücklich Single

„Verpiss Dich!“

habe ich es noch durch den kleinen Spalt der Scheibe reinschwappen hören. Und das trotz Musik. Einen Moment später schnellte ein Arm hoch, ein junger Mann, ein bisschen Hipster-Style – ohne jedoch völlig abgespaced zu wirken. Weiter in Fahrtrichtung, immer weiter von uns weg, stapft sichtbar wütend eine Frau, außer dass sie recht groß und blond ist, kann ich nichts erkennen. Der Rückschluss, dass der traurig durch seine Hornbrille guckende Typ an meiner Tür der Adressat des unschönen Spruches war, schien irgendwie naheliegend.

Der Schnee knirschte ein-, zweimal bevor sich das Häufchen Elend auf die Rückbank schwang. Arg viel war nicht mehr los am Boxhagener Platz um halb vier.

„Wo darf’s hingehen?“

„Ach, is im Grunde egal …“

Ich wollte schon einen Einwand bringen, da fügte er schnell an:

„Sorry! Du musst natürlich wissen, wo wir hinfahren! Tut mir leid, ich wollte jetzt auch nicht meine schlechte Laune hier …, fahren wir doch einfach mal nach Mitte. Ich überleg noch, ob ich heimfahre, oder noch was trinken gehe.“

„Alles klar. Stress gehabt?“

„Und wie …“

Während er erzählt, wird er merklich kleiner, sein Allerweltsdrama nimmt ihn schwer mit. Wenn man ihm Glauben schenken darf, dann war er mehr oder weniger gegen den Willen seiner Freundin mit ein paar Kumpels was trinken. Nichts wildes, ein paar Stunden gepflegter Spaß in einer kleinen Bar hier ums Eck. Ein paar Cocktails, ein paar Bier und dazu etwas altmodisch Kartenspiele. Später seien sie zum Billard gewechselt, lässt er mich wissen, die Laune gut, der beste Abend seit langem. Er käme mit seiner Freundin nicht oft dazu, auszugehen. Selbige, offenbar leicht reizbar und eifersüchtig bis zur Grenze der Paranoia, hatte da offenbar schon lange beschlossen, mal nachzusehen, ob er nichts unredliches treiben würde. Er hatte brav via Foursquare bei der Bar eingecheckt, ihn zu finden, war so schwer also nicht. Ganz dem schlechten Drehbuch des Lebens folgend, hat sie die Bar wohl betreten, als er gerade im alkohollastigen freundschaftlichen Überschwang seine Mitspielerin beim Billard umarmte, da sie die letzte Kugel stilvoll ins passende Loch versenkt hatte. Was seine Freundin darin gesehen hätte, könne ich mir ja vorstellen …

Sie hätten noch eine Weile miteinander geredet, eigentlich auf Versöhnung aus. An irgendeiner ungünstigen Stelle will er dann – „mehr oder weniger, so genau weiß ich das nicht mehr“ – angemerkt haben, dass sie nunmal einzusehen habe, dass er auch mal eine gute Freundin in den Arm nimmt, die er – „nur mal nebenbei, Schatz!“ – auch schon viel länger kennen würde.

Autsch.

Das Ergebnis verteilte sich nun auf mein Taxi und die nächtliche Ruhe Friedrichhains.

Wir waren inzwischen in Mitte, da bat er mich um einen Richtungswechsel nach Norden.

„Is‘ noch Prenzl’berg, sieht aber schon aus wie Pankow!“

sagte er über seine kleine Nebenstraße. Nach Hause also.

„Mal im Ernst, warum ist das immer so schwierig?“

„Kann ich nicht sagen, sorry. Ich kenne weder deine Freundin, noch die Problematik an sich …“

„Haha, schon klar: glücklicher Single! Ich ab heute auch wieder, mein Freund! Ich auch wieder!“

Ich hab überlegt, ob ich ihm die Wahrheit sagen sollte: dass ich verheiratet bin und deswegen trotzdem nie so einen Stress bezüglich Eifersucht hatte. Dass ich das Ganze für ziemlich dämlich halten würde und er seine Freundin mit gutem Recht ziehen lässt. Aber das war sicher nicht das, was er gerade hören wollte. Also schluckte ich es runter und schwieg.

„Musste noch lange?“

wechselte er aprupt das Thema.

„Nee, ich mach bald Feierabend.“

„Willste auf’n Bier mit hochkommen?“

„Nee, sorry. Bald ist nicht sofort. Und im Taxi gilt nullnull, logischerweise.“

„Schon klar, Du hasses auch nicht leicht, was?“

„Ach …“

„Halt, hier! Was macht das?“

„Fünfzehnachzich.“

„Dann, dann … mach einfach 25 draus! Ich hab eh nur’n Fuffi!“

„Boah, wow!“

„Is‘ schon ok, wenn sonst schon alles Scheiße ist!“

Ich hab von dem Geld am Ende noch eine Schachtel Kippen für Ozie gekauft, damit sie nicht morgens gleich wieder raus muss. Die kleinen Nettigkeiten. Im Gegenzug konnte ich – nach ewiger Wartezeit – am Ende der Schicht ein paar ziemlich betrunkene Mädels fahren, wobei eine es auch nicht lassen konnte, mich im Anschluss an die Tour zu umarmen. Ganz ohne jetzt irgendwelche Konsequenzen fürchten zu müssen. Sieht so aus, als hätte ich dieses Trinkgeld nicht wirklich verdient.

Groß vs. zügig

Ich wollte gerade mit dem Landeanflug auf den Ostbahnhof beginnen. Setze ich also den Blinker auf der Andreasstraße und: zack! Da winkte er! Ich also schnell rüber – und was wollte er? Im Prinzip auch nur mal schnell rüber. Ins Watergate. Bei guter Ampelschaltung eine Sache von zweieinhalb Minuten, die Streckenfindung ähnlich kompliziert wie das Lokalisieren der Nase in Gérard Depardieus Gesicht.

Also hab ich ihn schnell eingesackt. Es ging wirklich schnell. Die Ampeln sprangen mehr oder minder vor uns auf Grün und wir hatten nicht einmal die Möglichkeit, uns zu unterhalten. Er hatte gerade Leute heimgebracht, die es schon etwas übertrieben hatten – und jetzt hatte er keinen Bock mehr auf Laufen. Das war es dann schon mit Infos.

Im Grunde hätte er auch eine Kurzstrecke verlangen können, aber wozu Sie ihm aufschwatzen? Es war ihm sichtlich egal, was es kostet. Das hat man nach unserem zügigen Ankommen umso mehr bemerkt. Er meinte gleich, dass er hoffe, die 6,00 € noch klein zu haben,

„ansonsten muss ich halt …“

und wedelte mit einem Fünfziger. Ich war ehrlich und hab gesagt, dass das schon geht, ich aber froh wäre, wenn er es kleiner hätte. War nicht mein erster Fuffi in der Nacht. 3,20 € hat er in klein zusammengekriegt, dann war Ebbe. Er nahm’s pragmatisch:

„Dann gib mir einfach nur auf 10 raus!“

Gesagt, getan, danke und tschüss! 🙂

Was mich wundert: ich hatte das jetzt über die Jahre schon ein paar Mal, dass Leute die Fahrten dann extra rund machen. Das stört mich natürlich kein Bisschen und ich will es niemandem ausreden. Kleiner Funfact aus meinem Portemonnaie aber: mir mangelt es nur höchst selten mal an Münzen! Die braucht man ständig. Wenn ich 44 € Wechselgeld abdrücken muss, dann stören mich die 40 – nicht die 4. Anstatt der Münzen sind es nämlich die Scheine, die in überschaubarer Zahl nur vorhanden sind …

Mit anderen teilen …

„Ist der Bus gerade raus?“

„Bus?“

„Dachte nur. Von hier zum Bahnhof fährt ja auch ein Bus, da fahren die Leute selten mit dem Taxi.“

„Ach, keine Ahnung. Ich fahr nicht so oft mit Bus und sowas. Ich fahr lieber Taxi.“

„Hey, mich als Taxifahrer freut’s! Wollte nur mal nachfragen.“

„Ja, weisste: mein Geld reicht mir. Und was ich übrig hab, das geb ich dann halt an andere. So Taxi, Kellner und so. Immer teilen.“

Wow. Ein Mensch, der genug Geld hat. Ist mir lang nicht mehr begegnet. Ich mustere den Typen. Vielleicht 25 Jahre alt, von Stil her eher HipHop als Business. Also entweder Musik, Internet oder Drogen: anders konnte ich es mir nicht wirklich erklären.

(Ach kommt! Jeder hat so seine Vorurteile. Und nach Pornos sah er halt auch nicht aus. 😉 )

Und er war wirklich nett. Die Fahrt war genau genommen kürzer als eine Kurzstrecke, eine solche hatte er ohnehin nicht verlangt.

„Dann wären wir bei 6,40 €.“

„Ja, dann, hier, ne? Denke, 10 ist ok.“

Mein Danke hat er kaum mitbekommen. Er ist umgehend reingesprintet. Sah aus, als hätte er es eilig gehabt, sein Geld weiter unter die Leute zu bringen.

Drei auf einen Streich (1)

Ich hatte zweifelsohne schon vertrauenserweckendere Kundschaft im Auto gehabt. Immerhin brauchte ich keine Sorgen zu haben, dass er irgendwelchen größeren Ärger macht: er schien nüchtern genug, um seine Fluchtmöglichkeiten einschätzen zu können. Und er ging an Krücken. Ich bin gleich aus dem Auto raus, ich hatte ohnehin viel zu viel Zeit mit Rumstehen vergeudet, sicher eine gute Stunde!

Auf dem Gehsteig am Taxistand bemerkte ich dann, dass ich den leicht angeschlagenen Zausel um locker zwei Köpfe, wenn nicht mehr, überragte. Ich bot ihm Hilfe an, sofern er sie benötigen würde und er drehte mir den Rücken zu:

„Na, erstmal muss dat Dingens ab. Vorsicht, is richtich schwer.“

Er rollte die R’s leicht, seine Sprache hatte einen norddeutschen, hamburgerischen Einschlag – ohne allerdings gleich einen kompletten Dialekt zu imitieren. Ich griff nach dem ausgebeulten lilafarbenen Adidas-Rucksack, der bereits zu klimpern anfing, als mein Fahrgast sich noch aus den Trägern herauswand. Ich musste an meinen grünen Schulrucksack denken, der hatte 2002 nach der letzten schriftlichen Abiprüfung ein ähnliches Verhalten an den Tag gelegt, damals befanden sich etwa 15 Flaschen Bier darin. So ähnlich war es jetzt wohl auch, der ungefähr 50-jährige Mann grinste verschmitzt, er hätte noch eingekauft, „zu essen und trinken“.

Ich wuselte zu meinem Sitz, um ihm seinen nach hinten zu stellen. Er packte die Krücken und sein steifes Bein in den Fußraum und meinte unmittelbar nach dem Einstieg:

„Biste heut noch lang unterwegs?“

„Wahrscheinlich. Schätze mal, so bis um 6 Uhr  etwa.“

Ich dachte mit Schrecken daran. Die Schicht verlief unterirdisch, aber ein paar Kröten wollen dann ja eben doch verdient sein. Eines jedenfalls war klar: in dieser Nacht würde ich alles annehmen!

„Dat klingt gut, gut. Ich müsste um 4 Uhr, oder vielleicht 4.15 Uhr noch nach Lichtenberg zum Bus.“

Für einen Moment habe ich meine Zusage bereut. Seine jetztige Fahrt ging schon einmal in die Richtung – zum Boxhagener Platz – was jede einzelne Fahrt auf sicher unter einen Zehner schrumpfen ließ. Außerdem roch er etwas unangenehm. Aber wie gesagt: Januar, hauptsache Kohle! Außerdem schien er nett zu sein und er schien mich zu mögen …

Mit nur 6,60 € auf der Uhr ließ ich ihn am Boxi raus, für diesen Tag recht feierliche 1,40 € Tringeld hat er noch obenauf gepackt. Er erklärte, duschen, essen und etwas schlafen zu wollen und wollte dann am frühen Morgen zum Fußball. Na denn.

(Fortsetzungen kommen noch diesen Vormittag!)

Der merkt das nicht …

Die gesperrte Oberbaumbrücke. Inzwischen hat mir diese Baustelle sicher gut 100 € extra an Umsatz gebracht. Dass ich fortan bei einigen längeren Touren einen Umweg machen müsste, war mir ja von Beginn an klar – was ich nicht erahnt hatte, war, dass tatsächlich gerade die ganz kurzen Touren ziemlich beliebt sind. Und die lohnen sich eben wirklich.

Und nun wieder: ein junges Pärchen in der Warschauer äußert den Wunsch, zum Watergate gebracht zu werden. Ich setze da immer gleich vorsichtshalber eine Beileidsmiene auf, denn eine für alle perfekte Lösung gibt es halt nicht. Entweder ich bringe sie nur zur Brücke und für mich ist es eine Tour mit grob geschätzten 4,40 € Umsatz – oder ich fahre bis vor die Tür, was den Kunden für die Ersparnis von 150 Metern Fußweg schnell mal 6 bis 7 € mehr kostet. Wer freut sich da wirklich?

Aber auch hier:

„Nee nee, bring uns mal bis vor’n Club! Das is‘ ja auch nicht so wild. Er hier merkt das eh nicht!“

Lustig, so eine Ansage im Vorfeld zu machen, ganz offensichtlich auch noch, weil der junge Mann wohl zu zahlen hatte. Der zeigte sich allerdings tatsächlich nur mäßig interessiert daran, was er zu zahlen hatte, er löcherte mich lieber gleich bezüglich des Geschäfts, weil er selbst Taxifahrer als Aushilfe in einem kleinen Landkreis war. Ich schlage also den ewigen Haken über die Elsenbrücke, wir unterhalten uns und alles ist prima. Am Ziel angekommen gibt es 20% Trinkgeld und ich meine zum Spaß noch, dass das jetzt ungefähr so viel Trinkgeld gewesen sei, wie normalerweise der Fahrpreis (eine Übertreibung, aber sonderlich ernst waren wir nicht miteinander), da ruft die Freundin wieder dazwischen:

„Ach was, das hat der doch gar nicht mitgekriegt, dasss das ein Umweg war!“

Ich bin mir sicher: wenn der Kerl wirklich häufiger Taxi fährt, dann ist ihm das aufgefallen. Dieses Denken in Karten wird man so schnell nicht wieder los …

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

2013, endlich!

Da stand ich nun. Der Weihnachtsmann hat sich mit seinen zwei Bier aus dem Beifahrersitz geschält und eine Vierertruppe Kiddies stand schon ganz hibbelig wartend vor dem Taxi und hoffte darauf, dass ich sie nicht stehen lassen würde. Wäre mir natürlich nicht in den Sinn gekommen. Als der Zeitpunkt gekommen (also der Weihnachtsmann gegangen) war, platzte einer gleich raus:

„Haste den Unfall gesehen?“

Ich folgte seinem Finger, drehte mich um und tatsächlich: auf der anderen Straßenseite stand ein Auto, dessen Motorhaube eine formvollendete Symbiose mit dem nächstliegenden Laternenpfahl vorzubereiten schien. Während sie ins Auto krabbelten, erzählten sie mir jedenfalls, dass da ein besoffener Typ dringesessen hätte und sie gerade als Zeugen für die Cops noch dableiben mussten.

An dem Punkt war mir klar, dass ich heim musste. Ich hatte hier vor vielleicht 10 Minuten den letzten Kunden eingeladen. Ganz definitiv genau hier – und ich hab von dem ganzen Tara auf der anderen Seite der Straße nix mitbekommen. Vielleicht war ich müder als gedacht. Ich hab noch so vor mich hinüberlegt, dass der Kerl jetzt wohl froh gewesen wäre, ein Taxi genommen zu haben – selbst wenn er von Warschau gekommen war: Totalschaden, Führerschein weg … in Anbetracht dieses Verlaufs sind unsere Dienste dann eben doch ein Schnäppchen. Aber gut …

„Wo soll’s hingehen, Jungs?“

„Marzahner Promenade 35, kannst uns aber am Döner rauslassen. Ich zeig Dir dann, wo Du genau …“

„Danke, weiß ich. Und danke für die Fahrt! Ich wollte gerade Feierabend machen und ich wohne in der Promenade in der 26. Ich kenn den Döner, der liegt fast vor meiner Haustüre, super Sache!“

Und das war es wirklich! Sowas kommt schon öfter mal vor, aber immer noch selten genug, dass man sich darüber freut! 🙂

Die Jungs waren auch gut drauf und haben es trotz dreisten Nachfragens, ob wir in Anbetracht der Dinge nicht den Preis halbieren können, nie den Bogen überspannt. Im Gegenteil: sie haben sich selbst nicht wirklich ernst genommen, sondern angefangen, mir obskure Dinge wie das Rasieren meines Kopfes anzubieten, wenn ich ihnen einen Nachlass gewähre. Und die Einladung auf einen Döner und anschließendes Trinken bei ihnen in der Bude wirkte sogar glaubhaft. Da ich nun aber seit sechseinhalb Stunden am Sitz festgewachsen war und wirklich nur meine Ruhe wollte, hab ich dankend abgelehnt.

Ich hab in Sichtweite zum Dönerladen geparkt, kurz den nötigen Papierkram erledigt und die Wertsachen aus dem Auto geräumt. Um 7.35 Uhr hab ich den Wagen zugeschlossen, in meine Tasche mit dem Trinkgeld gegriffen und nach einem überprüfenden Blick, ob die Jungs bereits auf dem Heimweg sind, meine Schritte zum Döner gelenkt.

Hab mir drei Feierabendbier eingepackt und mit den Angestellten kurz über die Silvesterschicht getratscht. Und dann, als ich zu Hause vor meinem Schreibtisch mit einem bereits reichlich angenagten Feuerzeug ein Bier geöffnet habe, habe ich den Vorhang aufgezogen, am Nachbarhaus in der Franz-Stenzer-Straße die Spiegelung des Morgenrots betrachtet und leise zu mir gesagt:

„Na denn 2013, herzlich willkommen!“