Versprechen und so …

War eine schöne Tour. Drei Jungs, zwei Mädels, ab zu einem kleinen Club in der Torstraße. Eine der Frauen arbeitete wohl dort und schwärmte in höchsten Tönen. Ja, voll sei es jetzt natürlich, aber dank ihr würden sie ja immerhin reinkommen, ein paar Freigetränke wären auch drin, usw. usf.
Die Stimmung war entsprechend gut, Trinkgeld gab es auch. Schön.

Direkt im Anschluss hatte ich dann die Fahrt mit den beiden jungen Damen zum Geldautomaten und bin somit keine zehn Minuten später wieder durch die Torstraße gefahren. Und siehe da: Winker! (Hatte ich im letzten Artikel ja bereits geschrieben)

„Guten Abend! Wo darf’s hingehen?“

„Wir … hey! Sie sind’s! Sie haben uns gerade hergebracht!“

„Oh, stimmt. Und der Club war nix?“

„Nee. Die wollten uns nicht reinlassen, obwohl die eine uns das ja versprochen hat.“

„Uhh, das ist doof.“

„Macht nix, die war eh komisch. Wir fahren jetzt zum Sky …“

Gut, kein langer Weg. Aber hey, in so einer Frequenz wären sogar Kurzstrecken ausreichend, um das nötige Geld zu verdienen. Bleibt noch zu erwähnen, dass die Tour der Jungs auch mehr Trinkgeld gab als die Hintour. Manchmal passt für mich auch dann alles, wenn es für die Kunden eher so mittel läuft …

Kürzeste Tour seit langem

Ich treffe manchmal Entscheidungen, die für mich selbst eigentlich nicht clever sind. Also finanziell.

Am Rosenthaler Platz haben mich zwei junge Frauen rangewunken und wollten wissen, wo die nächste Bank sei. Und natürlich nicht die Sparkasse, die mir sofort in den Sinn kam. Ich kann mir Banken nicht merken. Also vor allem nicht, welche jetzt welche war. Schön, dass die beiden so ein Vertrauen in mich hatten, denn eigentlich hatten sie schon in einer App nachgesehen und die spuckte die Commerzbank an der Panoramastraße aus.

Gut, das ist nicht weit. Allerdings blöd anzufahren von dort aus.

(Ihr braucht gar nicht bei Google Maps schauen. Obwohl die Straße im Herzen Berlins liegt – immerhin offizielle Adresse des Fernsehturms – kennt man sie da nicht. Die Commerzbank indes schon. 😉 )

Noch besser aber war, dass ihr eigentliches Fahrtziel die Bergstraße war, kein Kilometer vom jetztigen Standort entfernt, allerdings in die andere Richtung. Nun würde ich schon aus Umverteilungsgründen sagen, dass das Geld bei mir besser aufgehoben ist als bei der Sparkasse, dennoch ist es völliger Humbug, zur Vermeidung von (in dem Fall immer noch gruseligen 5 €) Abhebegebühren für sechs Euro Taxi zu fahren. Außerdem hatte ich echt gehofft, die würden dort auch die 2 € Obergrenze einhalten müssen …

Naja, letztlich hatte ich das Gespann dann nur für zweimal ein paar Sekunden im Auto und trotz Wartezeit vor der Bank (Yeah, 20 Cent!) standen am Ende 4,40 € auf der Uhr. Wer das jetzt für einen schlechten Deal hält, der unterschätzt den Einfluss des Glücks auf das unberechenbare Geschäft. Denn eine Minute später hatte ich bereits eine neue Tour …

„Ween is vorbej, iis vorbej!“

Die folgende Geschichte hat mir ein Kollege erzählt. Eine gleichermaßen beängstigende und doch auch irgendwie lustige Geschichte. Wie das Zitat in der Überschrift manchen bestimmt schon hat vermuten lassen: besagter Kollege spricht deutsch nur mit starkem Akzent. Wenigstens dieses Zitat musste ich lassen, den Rest des Textes schreibe ich in meiner Sprache runter, aber aus seiner Sicht. Das kann ich besser und es spielt eigentlich auch keine Rolle. Aber das Zitat war gesprochen so toll. Wie der Kollege an sich übrigens auch. Ich freue mich immer, wenn ich ihn am Stand sehe, weil er öfter mal interessante Dinge erzählt. Außerdem haben wir uns kennengelernt, als ich damals an Silvester mit dem Auto (quasi) liegengeblieben bin und er mich heimeskortiert hat, ohne mein Geld für die Fahrt anzunehmen. An Silvester! Aber eigentlich bräuchte ich seine Gutmütigkeit hier nicht so schmalzig einführen, man kann sie recht gut erahnen, wenn man die Geschichte liest … 😉

Ich hatte neulich wieder Stress mit Fahrgästen. Unglaublich! Ich hatte ein Pärchen eingeladen. Er schon sehr betrunken, hat nicht einmal mehr sein Hemd richtig angehabt. Seine Frau schien noch ganz in Ordnung zu sein. Die Fahrt ging in [ein Dorf vor Berlin], viel über die grüne Wiese. Ich hab noch nachgefragt, ob ich wirklich den kürzesten Weg nehmen soll oder doch lieber über die Hauptstraßen.

Als wir ein paar Minuten im Auto saßen, merkte ich schon: o je, die Frau ist betrunkener als ich dachte! Und auf einmal beschimpft sie mich, dass ich falsch fahren würde. Ich hab ihr dann gezeigt, welchen Weg ich fahre und sie war fast dabei, wieder ruhig zu werden, als ihr Mann – vielleicht weil wir uns vorne „gestritten haben“ – auch anfing, auszuticken. Er rüttelte an meiner Kopfstütze und verlangte, dass ich anhalte und schlug nach mir.

Ich hielt an, renne zur hinteren Tür, um den Spinner rauszulassen, da tritt er mir erst einmal die Tür entgegen. Er ist nicht sonderlich stark gewesen und betrunken war er auch, aber ich wollte ja wirklich nur, dass er endlich aussteigt – und da erwischt mich dann auch noch ein Faustschlag von ihm. Ich will ihn zu Boden schmeißen, einfach damit ich wegfahren kann, aber er zieht an meiner Jacke und während er fällt, zieht er sie mir dabei über den Kopf und hält mich weiter fest, so dass ich auf ihn drauffalle.

Da liegen wir dann. Mein Fahrgast im Schnee und ich auf ihm drauf. Aber ich kann nicht weg, weil er weiterhin die Jacke festhält und ich mit meinen Händen quasi da drin gefesselt bin.

Dann springt mir plötzlich seine Frau auf den Rücken und will – genau wie ich eigentlich! – dass ich ihren Mann loslasse. Das war natürlich eine total beschissene Situation, aber ein bisschen lustig fand ich’s dann trotzdem, weil es so absurd war. Irgendwann hab ich meine Arme dann aus der Jacke ziehen können und die Frau abschütteln. Die beiden sind dann weg und ich hab die Polizei gerufen.

Da wir aber schon ein paar hundert Meter in Brandenburg waren, musste ich ganze 40 Minuten warten, bis zwei Streifenwagen aus irgendeinem Dorf weit weg Zeit hatten. Eigentlich wär’s mir egal gewesen, ich hab die vor allem geholt, damit nicht meine Fahrgäste auf die blöde Idee kommen, mich zuerst zu beschuldigen, sie angegriffen zu haben oder so. Du hast Recht, das Geld für die Fahrt will ich natürlich schon auch haben, aber eigentlich rege ich mich da gerade gar nicht mehr drüber auf. Ich kenne die ja. Ich hab ja ihre Adresse und ich hab sie gestern sogar auf der Straße vorbeilaufen sehen. Aber was soll ich machen? Bei uns sagt man: Wenn eine Schlägerei vorbei ist, ist sie vorbei! Rache oder sowas ist Scheiße, ich warte jetzt mal ab.

So hat sich das Ganze angeblich zugetragen. Ein bisschen ungenau geschildert ist es zum einen von mir, zum anderen weiß ich auch nicht, ob das alles so stimmt. Natürlich nicht. Also falls jemand das auch mitgekriegt hat: Das ist natürlich kein objektives und wörtlich zu lesendes Protokoll.

Und ebenso wie ich es gut finde, wie locker der Kollege das sieht, muss ich doch auch anmerken, dass es schon scheiße ist, dass einem solche Torfköpfe das Leben schwer machen, während man versucht, sie für vielleicht 6 € Einkommen sicher nach Hause zu bringen. Und natürlich hat mein geschätzter Kollege das auch nicht einfach so mal in der Mittagspause weggesteckt, sondern anschließend Feierabend gemacht und sich am folgenden Tag freigenommen, bevor er wieder arbeiten gegangen ist. Ob er das je ersetzt bekommt? Ich vermute mal eher nicht. 🙁

Völlig falsch!

„Moin! Wo soll’s denn hingehen?“

„Thaerstraße 19.“

„Alles klar.“

Für einen Moment hatte ich überlegt, ob ich noch irgendwas fragen sollte. Vielleicht nach der Schreibweise oder so. Aber hey, ich hab ihn in Weißensee aufgegabelt, die Thaerstraße lag in der richtigen Richtung und mit vier Kilometern auch in einer sehr typischen Taxi-Entfernung für volltrunkene Kundschaft, die man aufsammelt, nachdem sie schon mal in die richtige Richtung losgelaufen sind. Und ich kannte keine andere, ehrlich.

Kenne ich bis jetzt immer noch nicht. Keine Teerstraße, Tärstraße, Tehrstraße oder sonst etwas plausibles. Dennoch verkündete mein Fahrgast, als ich die Straße von Beginn an befuhr:

„Du weißt aber schon, dass Du völlig falsch bist!?“

„Wie, falsch?“

„Thaerstraße 19!“

„Ja. Die müsste gleich da hinten kommen …“

„Alter, ich wohn da. Die kommt nicht jetzt hier gleich!“

Also habe ich nun halt etwas verspätet versucht, alles klarzustellen:

„OK, wir sprechen von der Thaerstraße. T-H-A-E-R-Straße. In Prenzlauer Berg?“

(der untere Teil liegt meines Wissens nach in Friedrichshain, aber egal!)

„Ja, genau!“

„Dann sind wir hier richtig. Und zwar absolut. Hier ist die 23, dann kommt die …“

„OK, is‘ egal. Halt‘ hier!“

„Nicht noch bis vor die Türe?“

„Nee, is‘ jetzt egal. Was krisse?“

„11,20 €.“

Das kam jetzt etwas unerwartet. Denn um ehrlich zu sein: er erweckte immer noch den etwas unzufriedenen Eindruck eines Typen, der im völlig falschen Stadtgebiet ausgesetzt wurde. Muss ja nun auch nicht sein. Aber nach allen Regeln jener Kunst, die man gemeinhin Ortskunde nennt, waren wir wirklich dort, wo er hinwollte. Also zumindest 20 Meter entfernt davon. Aber er hat mich dadurch beruhigen können, dass er satte 3,80 € Trinkgeld gab. Das tut man ja gemeinhin nicht einfach so, um sich für eine völlige Fehlfahrt zu bedanken.

Und dann?

Ist der Töffel in die falsche Richtung gelaufen.

Ich hab hart mit mir gerungen, nochmal anzuhalten und ihm den richtigen Weg zu weisen. Aber wer weiß: Vielleicht wollte er auch eben nochmal zum Späti, zu einem Kumpel, was auch immer. Im schlimmsten Fall hatte halt noch ein zweiter Kollege am heutigen Morgen die Ehre …

Umgekehrt geht’s auch!

Dadurch, dass Taxifahren so eine Allerweltsdienstleistung ist, kommt es natürlich nicht nur vor, dass ich mal im Auto eines Kollegen lande, sondern umgekehrt auch mal Kollegen bei mir. Und auch erstaunlich viele „Kollegen“. Ich hab in den Anfangstagen dieses Blogs schon mal den Verdacht geäußert, dass es ein weit verbreitetes Hobby in Berlin sein muss, Taxifahrern vorzulügen, selbst Taxifahrer zu sein. Was einem da aufgetischt wird. Von „Was soll am Uhrausmachen illegal sein?“ bis „Ick vadien‘ inne Taxe ja meene dreifünf netto!“ hab ich alles schon gehört. Von den lustigen Routenvorschlägen ganz zu schweigen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich gucke vielleicht manchmal etwas kritisch, wenn wie neulich drei Leute einsteigen und mich mit „N’Abend, Kollege!“ begrüßen.

„Kollege?“

„Ja sicher. Ick kenn Dir ja ooch, steh hier manchmal mit mein‘ Mercedes.“

Um ehrlich zu sein, hab ich ihn nicht erkannt. Aber das muss nix heißen, so schlecht, wie ich mir Gesichter merken kann. In dem Fall hat es nämlich trotzdem gestimmt. Obwohl schon Januar war, war ihre Firmenfeier-Ausrede plausibel; ich hab ihr Unternehmen gekannt und sie hatten eindeutig Ahnung vom Job und kannten sich in der Stadt aus. Und das ist einfach eine tolle Combo. Mal ganz abgesehen davon, dass sie nicht die kürzeste Strecke haben wollten und ohnehin schon eine dieser im Januar herbeigesehnten längeren Touren mit zwei Haltepunkten zu bieten hatten:


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„Don’t worry, be happy!“

Der Januar ist eigentlich ein guter Monat, um sich gelegentlich mal wieder jenes titelgebende Lied von Bobby McFerrin reinzuziehen, das dieses Jahr im übrigen seinen 25. Geburtstag vermelden kann. Und spontan daran denken musste ich nach einer eigentlich sehr bescheidenen Tour. Die Räder am Ostbahnhof fast eckig werden lassend hatte ich ewig auf einen kleinen Stich für die üblichen Sechsirgendwas zum Boxhagener Platz gewartet.

Dann – einer dieser Taxifahrer-Blitzeingebungen folgend – bin ich nicht auf einem der kürzesten Wege zurückgefahren, sondern hab einen kleinen Abstecher nach Kreuzberg gemacht. Einen wirklich kleinen, nur einmal die Köpeniker wollte ich langfahren. Und siehe da! Winker! Tatsächlich war es eben jene Tour, die ebenfalls nicht sonderlich spektakulär war. Bis zum nhow-Hotel wollte das amerikanische Pärchen. Keine Kurzstrecke, juhu! Immerhin ein bisschen mehr Umsatz. Am Ende standen 5,60 € auf der Uhr.

Und wie bin ich jetzt auf Bobby McFerrin gekommen?

Als ich das Wechselgeld auf den Zwanziger rausgesucht habe, den ich bekam, meinte mein Fahrgast spontan:

„Don’t worry ‚bout the coins!“

Und auch wenn Geld nicht alles ist: An solchen Tagen machen 4,40 € Trinkgeld dann halt doch auch ein wenig happy. 😉

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Die bessere Wahl

„Was nimmste nach Lichtenberg?“

„Wohin genau?“

„Hier, der komische Platz da an der Möllendorff …“

„Muss ich mal schauen. Vielleicht ’n Zehner.“

„EY JUNGS, DER MACHT ‚N ZEHNER!“

Und dann stehen da plötzlich sieben Leute. Das sind die Momente, wo man ein bisschen Selbstbewusstsein und Durchhaltevermögen braucht. Sicher, es ist Januar und man ist als Taxifahrer froh um jeden Euro. Und sechs Sitze hat mein Auto ja immerhin. Aber sieben? No way! Und noch dazu: Mit den Großraumzuschlägen war ein Zehner als Fahrpreis sowieso ad acta zu legen. Sorry Jungs, findet mich meinetwegen blöd, aber so isses nunmal!

Das war in dem Fall aber erst einmal gar nicht das Problem, sondern, dass die Jungs sich gar nicht einig geworden sind, ob sie jetzt auf die Bahn warten oder ein Taxi nehmen wollten.

Und dann stand da doch tatsächlich noch eine weitere potenzielle Kundin. Mitten in Friedrichsfelde, nachts um zwölf, einfach so. Die traute sich zwar nicht, die vorlaute Truppe Jugendlicher zu bedrängen, aber da konnte ich ja mal nachhelfen. Ihre Fahrt war sogar noch etwas weiter, auch wenn zunächst nicht klar war, ob sie bis ganz nach Hause oder nur zur U-Bahn fahren würde. Aber auch jenseits des Geldes war es schön, dass sie am Ende in meinem Auto saß. Die Kids konnten sich die Zeit ganz gut miteinander vertreiben, sie hingegen war wirklich etwas verloren und hatte zudem einen anstregenden Arbeitstag auf Probe hinter sich und war heilfroh, endlich da wegzukommen.

Ich verteidige die Kosten unserer Dienstleistung immer wieder, aber das war wieder einer dieser zwei Fälle im Jahr, bei denen ich trotz eigenem Hungerlohn ein Auge zugedrückt und die Uhr schon anderthalb Kilometer vorher ausgeschaltet hab. Freiwillig, einfach weil es ihr weit beschissener ging als mir und sie – obwohl sie so oder so noch Geld holen musste – bereits einen Kilometer vorher ausgestiegen wäre, um den Rest zu laufen, obwohl sie das kaum noch konnte. Und, um ganz ehrlich zu sein, ein bisschen hat sicher auch eine Rolle gespielt, dass sie mich vor den nervigen Preisverhandlungen mit den Kiddies gerettet hat 😉