Immer neue Rekorde …

Gut, dass einige Kunden kein Trinkgeld geben, das kommt ungefähr jede Nacht im Taxi vor. Ist schade für mich als Fahrer, aber es ist nicht ohne Grund Trinkgeld. Und damit freiwillig.

(Und die Meinungen zu Trinkgeld allgemein gehen ja – siehe die Kommentare unter diesem Artikel – auch weit auseinander)

Nun eine Kurzstrecke (derzeit 4,00 €) mit exakt 4,05 € bezahlt zu bekommen, hab ich aber tatsächlich zuvor noch nicht erlebt. Mal nur 10 Cent auf den nächsten runden Betrag und einmal 11 Cent, weil der Fahrgast nicht mehr Geld hatte – passiert. Aber auf 5 Cent runter ist unter den Trinkgeldgebern in all den Jahren bisher bei mir noch nicht gegangen.

Ich seh’s positiv: Ich stelle mir vor, der Fahrgast hätte damit diese Fahrt von vor langer Zeit ausgeglichen. 😉

PS:
Ich weiß, ich gehe da nicht mit allen Kollegen konform. Viele sehen sowas als Beleidigung an. Dazu muss ich sagen: Natürlich KANN man ein extrem niedriges Trinkgeldmit entsprechenden Worten oder entsprechender Gestik beleidigend verwenden. Die Tatsache, dass jemand ein paar Cent mehr gibt als er muss, SIND aber nicht per se eine Beleidigung. O. g. Fahrgast war sehr nett und hat sich über die Fahrt gefreut, er hat vermutlich entweder nur sehr wenig Geld oder keinen Schimmer, wie viele Fahrten wir am Tag haben, bzw. was an Trinkgeld üblich ist. Wieso sollte ich ihn für sein Unwissen angreifen, wo er grundsätzlich doch offenbar gerne mehr gibt? Der kriegt das im Laufe seines Lebens schon noch mit. Ob er jedoch weiter gerne Trinkgeld gibt, wenn man es ablehnt oder ihm an den Kopf wirft, wage ich zu bezweifeln.

Geld zum Fenster hinauswerfen

Die Fahrt war nicht arg lang. Für eine Kurzstrecke hat es nicht mehr gereicht, aber am Ende standen dann doch nur bescheidene 8,00 € auf der Uhr. Meine Kundin hatte mich schon vorgewarnt, dass sie am Ziel klingeln müsste, um Geld zu bekommen. Hat mich nicht gestört. Sowas ist zumindest für mich als Nachtfahrer völlig normal.

Als wir da waren, bin ich ebenso ausgestiegen wie sie; obwohl ich ihr Gepäck als Sicherheit im Auto hatte. Als sie klingelte, war ich überrascht zu hören, dass sie die andere Person zu folgendem aufforderte:

„Schmeiß mir mal Geld fürs Taxi runter!“

Und tatsächlich kam der Zehner dann von einem Balkon geflattert.

Pragmatisch und nicht unsinnig. Hat mich zudem daran erinnert, dass wir in meiner ehemaligen WG mit dem Schlüssel für die Haustüre ebenso verfuhren. Natürlich mit Stoffanhängsel oder gar in einer Tasche.

Aber in diesem Fall musste ich vor allem des Wortspiels in der Überschrift wegen grinsen. 🙂

Dieses „Normal“

„Wie ist das denn so normal?“

„Normal stell‘ ich mir das ganz locker vor.“

„Ist das normal für Sie?“

Normalität ist etwas seltsames, wenn man sie im Taxi zu ergründen sucht. Insbesondere in einer Berliner Nachtschicht. Natürlich ist Taxifahren in vielen Belangen ein normaler Job. In manchen Dingen ist die Normalität da halt etwas stapazierbarer als jetzt vielleicht die eines Fließbandarbeiters.

Und die Frage wird immer wieder gestellt. Angefangen von den Leuten, die gerade irgend was „total verrücktes“ machen und selbstverständlich absolut NICHT normal sein wollen; bis hin zu jenen, die sich versichern wollen, dass ihre Tour jetzt aber hoffentlich nicht zu sehr aus dem Raster fällt. Ob das jetzt die Länge der Fahrt, die Uhrzeit, die Themen der Gespräche oder das Fahrtziel angeht – überall die Angst oder Hoffnung, normal zu sein.
Aber auch im Gewerbe, beim Bloggen – selbst jetzt bei der unseligen Uber-Diskussion – überall wird erzählt, wie was jetzt „normalerweise“ ist. Und keine Frage: ich verwende den Begriff auch oft. Ist ja normal. 😉

Meistens ist das ja egal, weil es nur ein dahergesagtes Wort für häufig ist. Traurig finde ich halt, wenn sich eine Rentnerin fürchtet, mir die Schicht zu verderben, weil ich sie vom Ostbahnhof mit einem Stapel Gepäck bis nach Mahlsdorf bringen muss. Das passiert zwar viel zu selten, ist aber abgesehen vom überdurchschnittlichen Verdienst eine ganz normale Fahrt für mich. Ebenso wie um 5 Uhr morgens zwei verknallte Kerle vom Berghain zu Tom’s Bar zu fahren eine ganz normale Fahrt ist. Die Auslöser für diesen Eintrag waren zwei Jungs, Anfang dreißig, hackedicht aber lieb. Wegen eines Junggesellenabschieds in Berlin und auf dem Weg in ihr Hotel. Für mich völlig normal, hätte ich den beiden aber nicht sagen dürfen. Für sie war es nämlich der geilste Abend der letzten Jahre.

Trinkgeld ist von 0,00 bis vielleicht 5,00 € völlig normal. Was aber – und da kommen wir der Sache näher – nicht heißt, dass es deswegen uneingeschränkt selbstverständlich ist. Oder für mich kein Grund, mich zu freuen.

Ich glaube, im Dienstleistungsbereich geht die Spanne des „Normalen“ im Vergleich zu vielen anderen Jobs bis weit vom Durchschnittswert weg. Weil Dienstleister eben auf sehr unterschiedliche Kundschaft stoßen und zumindest im Taxi beispielsweise auch unsere Arbeitsweise stark ändern können. Mag die Durchschnittsfahrt im Gewerbe 12 € bringen, wird ein Flughafenfahrer noch Touren für 40 € völlig normal finden, während mein Tagfahrer vielleicht nicht mehr ganz so normal findet, was sich betrunkene Mädels auf dem Heimweg über ihre Freunde erzählen. Ich selbst bekomme schon Probleme, wenn Kunden mich fragen, wie lange ich normal arbeite.

Ich habe einen Facebooktroll, der mich seit Monaten fragt, wie viel man „normal“ im Taxi verdient, wann man „normal“ arbeitet, was einem „normal“ erlaubt ist und nebenbei natürlich, warum ich ihm darauf nach dreimaligem Klarstellen, warum das schwierig ist, nicht mehr antworte.

Deswegen sind die meisten Jobblogs meiner Meinung nach Dienstleistungsblogs. Weil unser „Normal“ manchmal weit in den „Skurril-Bereich“ der Leser reinragt.

Das Ganze hat aber eine weitere Dimension. Nämlich die, dass es genau das ist, was uns Dienstleistern den Job so schwer macht und unsere eigentliche Qualifikation sein sollte: dass wir Dinge irgendwie „normal“ handhaben können, obwohl viele Menschen da draußen das nicht finden. Ich weiß – und bin stolz drauf – dass mich als Dienstleister auszeichnet, dass ich mit betrunkenen Jugendlichen, knausrigen Oberlehrern, wehleidigen Rentnern und streitenden Pärchen umgehen kann. Ohne immer nur das Schlechte zu sehen, ohne die Leute für Dinge verantwortlich zu machen, für die sie nichts können. Und letzten Endes auch ohne daran selbst kaputtzugehen.

Auch das ist ein Grund – und der Hinweis muss immer und immer wieder sein – warum ich mich hier so in diesen an sich lächerlichen Kampf mit Uber stürze, obwohl ich selbst immer öfter lachen muss, wenn ich den Namen höre. Im Taxi- und Mietwagen-, aber auch in jedem anderen Dienstleistungsgewerbe hat man zu kämpfen. Damit, dass nicht alles normal und geregelt ist. Diese Firma – oder zumindest ihr Diplomatiegenie an der Spitze – stuft, was ich und viele Kollegen machen, als überflüssig ein. Weil das ja auch ohne Regeln hobbymäßig für noch weniger Geld erledigt werden könnte. Wie immer an den meist schwammigen und anzweifelbaren Aussagen aus dem Hause Uber ist auch daran zumindest mal so viel richtig, dass man es schlecht als komplett falsch verwerfen kann. Abends an seiner Lieblingsbar die Stammkunden einsacken und heimfahren kann jeder. Seinen Lebensunterhalt mit dem Heimbringen derer zu bestreiten, die in Läden rumliegen, die aus Gründen niemandes Stammkneipen sind, kann halt nicht jeder. Genauso wie beispielsweise nicht jeder in der Lage ist, mir meine Wut über einen unnötigen Internetausfall durch Pfusch an der Hotline zu nehmen und das Problem sachlich und schnell zu lösen.

Normal in der Personenbeförderung jeder Art ist es, auch mal auf Fahrten warten zu müssen. Oder unliebsame, weil schwierige Fahrten für wenig Geld zu machen. Nicht nur, dass niemand einem die nervigen Kunden ewig vom Hals halten kann. Nein, am Ende brauchen wir die auch noch, um unser Geld zusammenzukriegen. Die Belohnung sind dann Fahrten wie diese:

Winker am Mariannenplatz (halbwegs normal). Sechs Leute, die zufällig ein Großraumtaxi angetroffen haben (schon eher glücklich). Meine dritte Winkertour in Folge (Wahnsinn!).
Die Größe der Passagiere passte perfekt zu den komplizierten Platzverhältnissen (sehr selten!) und nach etwas Eisbrechen gelang uns eine flüssige Konversation (normal) in englisch (ebenso normal).
Die Familie kam aus Israel (normal), war allerdings hier, weil die Mutter in der letzten Sitzreihe hier in Berlin geboren war (in der Kombination eher selten) und sie nun mal auf den Spuren der Vergangenheit wandeln und entfernte Verwandte besuchen wollten. Die eine Hälfte der Leute war still (normal), der Vater war nach allen vorbereitenden Gesprächen ein geradezu anstrengender Berlin-Enthusiast, der bei jedem Haus wissen wollte, was da drin ist und dauernd schwer zu beantwortende Fragen stellte wie „Wo kann man hier abends noch weggehen?“ (grenzwertig normal). Am Ende kamen wir auf gute 15,80 € Umsatz (normal), alle waren bester Laune (normal), aber die Mutter gab mir keinen Cent Trinkgeld (bei so einer Tour eher selten). Während mich der Vater beim Zusammenklappen der Zusatz-Sitze weiter mit Fragen löcherte (nicht mehr wirklich normal), kam einer der Söhne an und steckte mir die 4,20 € Wechselgeld zu, bei der die Mutter sich offenbar nicht getraut hatte, sie mir zu geben (normal. Quatsch, war so unerwartet natürlich extrem geil!).

Was lernen wir daraus? Nur weil das Wort „normal“ gefühlte hundert Mal in einem Blogeintrag vorkommt, muss der noch lange nicht normal sein. 😉

Wenn ich etwas wirklich gut unter Kontrolle hab, dann ist es meine Cholerik. Die hab ich so gut im Griff, dass die meisten Menschen, die ich kenne, abstreiten würden, dass ich Choleriker bin. Das natürlich nicht grundlos. Ich bin groß und stark und wenn ich ausraste, dann wird’s halt schnell teuer. Einer meiner ehemaligen Schulkameraden hat wohl noch heute eine Bleistiftspitze von mir im Bein stecken – und als das geschah, war ich in der dritten Klasse …

Wie gesagt: sowas passiert mir heute nicht mehr. Ich muss mich da auch nicht mehr groß zusammenreißen, ich nehme einfach viel mehr Dinge hin seitdem. Inzwischen kann man mich gefahrlos im Mensch-ärgere-dich-nicht besiegen und es schert mich nicht. Und im Job erst! Leute, die mich schneiden? Pffft … Leute, die ins Auto kotzen? Ja mei, wenn sie wenigstens nett waren …

Aber heute Nacht war ich kurz davor, einfach spontan einem Fahrgast von hinten den Schädel zu spalten. Notfalls mit meinem Haustürschlüssel.

Ich hab’s nicht gemacht, denn zum einen brauche ich meinen Schlüssel noch, zum anderen schien’s mir ein schlechtes Bild abzugeben für einen kundenfreundlichen Taxifahrer. Und wie gesagt: ich halte Lynchjustitz inzwischen als Reaktion auf manche Kleinigkeiten nicht mehr für die richtige Wahl.

Dass die Fahrt nicht die leichteste an diesem Abend werden sollte, war schnell klar. Vier verstrahlte Jugendliche mit McDonald’s-Tüten in den Händen, alle angetrunken. Aber ich will nicht unfair sein. Zwei von denen schienen schwer in Ordnung zu sein, keiner hat auch nur nach einem Preis gefragt, auch schon mal was. Die Ermittlung der Zieladresse erfolgte erst unterwegs, aber sie war davor hinreichend genau. Eine Tour nach Charlottenburg, vom Ostbahnhof aus immerhin ein Zwanni Umsatz.

Nun isses halt manchmal anstrengend. Dorf-Jugendliche aus Niedersachsen, die beim Wort Puff kichern müssen, aber voll ganz im Ernst nachher in einen gehen werden. Oder zumindest mal bis zum Schaufenster, in dem Alter reicht das ja schon, um sich die Hosen nass zu machen.

Auch wenn einer inzwischen krähte, dass er bloß 15 € bezahlen wollte, war das harmlos. Das selbe hatte er nämlich bei 5 € auf der Uhr auch über einen Zehner gesagt. Und tat es folglich bei 15 € wieder und wollte nun höchstens einen Zwanni bezahlen. Drauf geschissen. Dann fragte mich der eher schweigsame Typ auf dem Beifahrersitz, ob er vielleicht einen Happen essen könne. Obwohl einer von hinten gleich schrie:

„Nee, Du Depp! Nicht im Taxi! Vollpfosten!“,

hab ich einen auf „korrekter Typ“ gemacht, der ich laut Aussage des jungen Mannes hinter mir war (der, der immer nur 5 € mehr als bisher zahlen wollte):

„Eigentlich kein Problem. BigMäc wäre scheiße, soll ja sauber bleiben. Aber …“

„Cheeseburger?“

„Na klar, kein Thema.“

„Aber Alter, Dir is‘ schon klar, dass ich keine Gurken mag. Die nehm‘ ich runter und kleb‘ sie dir unter’n Sitz …“

Wieder der Kerl hinter mir. Die meiste Zeit lachten wir dann aber wieder, wie er versuchte, seiner Freundin im Hotel die Adresse zu entlocken, zu der sie jetzt fahren müssten. Um ganz ehrlich zu sein: die Jungs hatten mehr Humor als ich erwartet hatte und im Grunde verlief die Fahrt eigentlich vergleichsweise nett. Wobei anzumerken sei, dass mir bewusst war, dass nur arg ambitionierte Gesellen es schaffen können, nach 20 Minuten aus dem Matrix zu fliegen – was ihnen angeblich zuvor gelungen war. Nach kurzer Diskussion hielten dann wir mittig zwischen Hotel und Puff und ich bekam die 19,60 € Fahrtpreis großzügig mit einem Zwanziger bezahlt. Naja, immerhin. Und während die Jungs dann in Richtung Hotel (!) verschwanden, fand ich … tatsächlich eine Gurkenscheibe am Sitz hinter mir.

Kein großes Ding. Ich hatte gerade ein Tuch zum Abwischen in der Hand und das war eine Arbeit von vielleicht zweieinhalb Sekunden. Wahrlich ein Abgrund, in den ich sehenden Auges renne, wenn ich das Essen im Auto erlaube. Ähnliches hatte ich hier und da schon ohne es im Blog zu erwähnen. Nicht oft, aber  sicher schon zwei- oder dreimal.

Nein, was mich wirklich kochen lassen hat, war natürlich die Dreistigkeit. Denn ich denke, wir sind uns einig, dass purer Zufall eine mäßig glaubwürdige Option ist, wenn jemand androht, eine Gurkenscheibe an den Sitz zu pappen und am Ende eine Gurkenscheibe am Sitz pappt.

Ich schreibe im Internet. Ich bin durchaus gewöhnt daran, dass Leute mich für einen Idioten halten. Das passiert. Wahrscheinlich haben das jetzt einige Kollegen gelesen, die mich für blöd und unerfahren halten, weil ich die Jungs habe essen lassen. Andere vielleicht sogar, weil ich sie mitgenommen habe. Oder überhaupt am Ostbahnhof gestanden bin. Sei es drum, ich halte ja auch nicht alle Menschen da draußen für Reinkarnationen Einsteins.

Aber so ein Vollhonk, der sich was darauf einbildet, absichtlich meine Arbeit zu behindern, indem er an einer Stelle, an der ich ihn weder überwachen kann noch will, mein Auto zu verschmutzen – und sich für diese dümmlich-destruktive Meisterleistung vermutlich auf sich selbst einen runterholt – der hat schon außerordentliches Glück, dass ich ein paar Jahre Erfahrung damit habe, meinen Ruhepuls nicht für Gurkenscheiben zu überschreiten.

Entsprechend hab ich mich beherrscht. Und mir hilft der Gedanke, dass der Kerl in den nun folgenden 3 Tagen in Berlin eventuell an streitsüchtige Kollegen oder gewinnorientierte Prostituierte gerät. Oder dass ihn wahlweise der Blitz beim Scheißen trifft, den ich umgehend für ihn geordert habe.

Andere Winker …

Winker am Halteplatz sind so eine Sache. Ich fahre in der Regel nicht hin, wenn jemand nicht bis zum Halteplatz läuft und von dort aus winkt. Und das nun wirklich nicht aus Faulheitsgründen. Im Gegenteil: ich laufe den Leuten sogar lieber entgegen.

Der Grund ist simpel: auf die Distanz weiß ich einfach nicht, ob überhaupt eine Fahrt zustande kommt. Und wenn man einmal weg ist von der Halte … ich sag’s mal so: man trifft selten eine komplette Halte voller verständiger Kollegen, die einen wieder auf den alten Platz lassen. Und schon auf die Diskussionen dazu habe ich keine Lust.

Sicher: bei den meisten Kunden, die einen aus der Ferne heranwinken, gibt es einen Grund. Sie wollen ihr Gepäck nicht alleine stehen lassen oder können es nicht alleine tragen zum Beispiel. Da komme ich dann wie gesagt gerne als Fußgänger entgegen. Aber ja, manchmal hat man dann eine Tour, die man nicht machen kann. Keinen passenden Kindersitz an Bord, keinen Kartenleser, keine Ahnung wo das Ziel liegt. (Ist höchst selten, soll ja aber auch mal vorkommen)
Das alleine wäre ja noch ok. Die Statistik wirklich verderben dann die Spaßvögel, die einen vorwinken und dann eine Kurzstrecke haben wollen, weil man „ja nicht mehr am Stand steht“. Oder eine Wegbeschreibung wollen. Da kennt die Fantasie ja keine Grenzen. Und bei aller Nettigkeit: solche Aktionen kosten einen dann bisweilen über eine Stunde Arbeitszeit (man hat ja lange gewartet), da hört der Spaß halt auch mal auf.

Aber auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel. Dieses Mal hat beispielsweise ein voll besetzter Reisebus neben mir gehalten und der Fahrer hat mir bedeutet, ihn bis zur Bushaltestelle zu begleiten. Er hatte also eine oder mehrere Touren – da haben Busfahrer als Quasi-Kollegen dann doch ein wenig Vertrauensvorschuss.

Ich war gespannt, aber Touren von Bussen gehören am Ostbahnhof durchschnittlich eher zu den besseren. Die Tagesreisen, die die meisten von ihnen machen, werden oft von Rentnern gebucht, viele davon wohnen auch ein Stückchen weiter weg. Die klassische Tour geht dann etwa nach Pankow, Hohenschönhausen oder Mahlsdorf. Irgendwas zwischen 15 und 25 € Umsatz und liegen damit deutlich über dem normalen 8€-Stich nach Kreuzberg.

Ich sollte nicht enttäuscht werden. Zunächst leerte sich zwar der Bus ohne erkennbare Tendenzen der Passagiere, ein Taxi zu suchen. Dann aber kam der Fahrer selbst an und geleitete – Überraschung! – ein Pärchen Rentner zu mir. Nach Marzahn sollte es gehen, etwas weiter noch als bis zu mir. Über 20 € also, ein Jackpot für Leute, die nicht die ganz großen Hoffnungen haben.

Es war auch wie so oft eine angenehme Fahrt, wobei ich besonders lustig fand, dass der Mann teilweise völlig grundlos geflucht hat wie ein Kesselflicker.

„Sie haben eine Tagesreise gemacht?“

„Ja. War sehr schön. Aber dass das sooo lange daaaauuuuert – meine Fresse!“

Umso angenehmer war, dass sie wirklich gutes Trinkgeld gegeben haben. Bei 22,60 € auf der Uhr liegen 25 € nicht wirklich fern, sind es doch quasi glatt die 10 üblichen Prozent. Dann aber noch einen Zweier draufgelegt zu bekommen, ist immer wieder schön. Da kann man sich auch mal von der Halte wegwinken lassen. 🙂

Beliebt in 1,5 Kilometern …

Die Woche startete etwas hakelig bei mir. Nicht nur, dass ich am Donnerstag dachte, es wäre Mittwoch (*hüstel*), und entsprechend nicht aufs Arbeiten vorbereitet war (also launemäßig vor allem 😉 ) und ich gestern in einem langen Gespräch die Zeit etwas vergessen habe, bevor ich los bin: der Start in die Schicht war auch katastrophal: Nur wenige Touren, dafür dann aber auch richtig schön kurz. Dass das am Ende noch gut ausgehen würde hatte ich nicht gedacht.

Jedenfalls hatte ich mich mal wieder zum Ostbahnhof verirrt, was dieses Mal daran lag, dass dort wenige Taxen waren. Sonst wäre ich bereits zum Berghain rübergefahren. Dann geben mir zwei Touris einen Hostel-Namen, den es so nicht gibt, korrigierten sich aber langsam bis hin zu ihrem wirklichen Ziel, das Plus-Hostel, das am Warschauer Platz liegt. Beim ökonomisch sinnvollem Stoppen an der Ecke Stralauer/Warschauer also gerade einmal 5,40 € bis 5,60 € Umsatz. Eine Fahrt von rund anderthalb Kilometern, in diesem Fall sogar ohne auch nur eine Sekunde Wartezeit an einer Ampel. Nun ja, wenigstens schnell wieder frei …

Wie ich es geschafft habe, binnen der paar Sekunden so sympathisch zu sein, dass einer der Beiden 1,40 € Trinkgeld für viel zu wenig hielt und extra nochmal einen Zweier rauszukramen, würde ich allerdings jetzt noch gerne wissen. Denn DEN Trick sollte man sich merken! 😀

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Das mit dem kleinen Finger …

Jaja, reicht man ihnen den kleinen Finger, dann wollen Sie die ganze Hand …

Es ist schön, wenn man sich Stresser am absoluten Ende einer absolut grandiosen Schicht einfängt. Dann tut es nicht so weh, falls es wirklich schief geht. Ich hatte dank Biermeile und Leserfahrten „den Sack zu“, wie einige meiner Kollegen diesen Zustand nennen, wenn man den angestrebten Umsatz bereits eingefahren hat. Aber nicht nur das. Ich hatte glatte 25 € über Soll, darüber hinaus aber selbst bei leerer (weiter) Heimfahrt einen bombigen Kilometerschnitt, eine auch für Normalbürger akzeptable Arbeitszeit und dank viel Trinkgeld, ausschließlich netten Fahrgästen und einer kurz vorher eingelegten Kippenpause die beste Laune, die ich so während einer Schicht aufzubringen in der Lage bin.

Ich war also zu 100% auf dem Weg in den verdienten Feierabend, als es durch die Nacht hallte:

„HALT MAL AN, TAAAAXIIIIII, MAAAAAANNN!“

Ach, was soll’s? An einem anderen Tag würde ich eine Stunde auf sowas warten. Drei junge Kerle in hautengen Hemden, nicht mehr komplett nüchtern, aber erstaunlich fit für die Uhrzeit. Sie wollten zum Hermannplatz. Da ich gerade aus der äußerst südwestlichen Ecke der Stadt kam, war das für mich bezahlte Heimfahrt. Gut, nicht ganz der Weg, den ich einzuschlagen gedachte, aber absolut richtige Richtung. So denn!

Kurze Zeit später kam dann die Frage nach einem Festpreis auf, die ich abgewatscht habe. Sie haben das halblebig akzeptiert und sich nun dem Gesang irgendwelcher Lieder gewidmet. Ich hab’s ganz sicher nicht genossen, aber ich hab auch einfach keine Ahnung, was sie gesungen haben. Da ich ihre Sprache kein bisschen beherrschte, hätten das für mich sowohl Fußball-Schmähgesänge oder Kinderlieder sein können. Irgendwann meinte dann einer, dass sie nur noch 12 € hätten. Obwohl ich zuvor bereits „ungefähr 15 €“ angesagt hatte.

Nun, was tun? Sie waren schon wieder am Singen. Ich hab für mich die Lage sondiert. Ich hatte es mit drei kraftstrotzenden jungen Kerlen zwischen 20 und 25 zu tun, die laut eigener Aussage „die Party erst starten“ und noch zum McDonald’s wollten. Ergo: sie hatten Geld, egal was sie erzählten. Ich war zwar „satt“, aber auch nicht gewillt, sonderlich große Zugeständnisse zu machen. Wenn ich schon lautstarkes Singen und Rumhampeln ertragen muss, dann bitte zu meinen Konditionen. Sie bei 12 € irgendwo in unbekanntem Terrain abladen wäre sicher scheiße für die Stimmung gewesen. Bei aller guten Laune: um mich mit denen im Dunkeln anlegen, waren mir 3 € zu wenig. Also hab ich die Uhr einfach weiter laufen lassen, denn am Hermannplatz ist es immerhin mal hell und belebt. Und im schlimmsten Fall hätte ich ein paar Euro als Fehlfahrt abzurechnen. …

Kurz vorher bemerkte einer der drei, dass die Uhr bei 14,80 € stand und erinnerte sich in jeder Hinsicht falsch, dass wir 15 € ausgemacht hätten. Nun ja:

„Ach ja, ist ja nicht mehr weit. Also mach‘ ich hier mal aus, ok?“

Ja, ich hab das nur halb freiwillig gemacht. Aber besser so als mit Stress. Und immerhin waren das jetzt schon 3 € mehr als vorher. 😉
Die letzten 500 Meter sind wir dann also so gefahren, was soll’s. Der Schnitt war wie gesagt ohnehin bombig. Und auch wenn ich gerne stur bin beim Preis: ich muss ja nicht in unklaren Situationen Stress provozieren. Und wirklich schlau geworden bin ich aus den Typen nicht.

Das Drama am Ziel hatte ich jedoch nicht vorhergesehen, jetzt, da wir uns „auf 15 € geeinigt“ hatten.

Vom einem Typen bekam ich einen Fünfer. Von einem zweiten vier Euro. Und die sechs vom Dritten? Nicht. Der beschwerte sich und sagte, es sei sein Fünfer gewesen, den er dem ersten gegeben hätte. Der wiederum versuchte mir klarzumachen, dass er mich ja bezahlt hätte und ich mich gefälligst an den anderen zu wenden hätte.

Um es klar zu machen: keiner hat sich getraut, mich nicht zu bezahlen, sondern einer von ihnen hat versucht, seinen Kumpel in die Scheiße zu reiten. Da ein ewiges Hin-und-Her nicht fruchtete, hab ich eingeworfen, dass es mir wirklich vollkommen scheißegal sei, wer jetzt wem was schulde, dass bei mir aber 6 € offen seien.

Und obwohl der eine bereits gesagt hatte, ich solle die Polizei holen, um den Kumpel anzuzeigen (WTF? Wer geht mit solchen „Freunden“ feiern?), hab ich einfach mal der primitivsten Küchenpsychologie vertraut und darauf gewettet, dass ich bei der Sache nicht der Verlierer sein würde:

„Jungs, macht mal halblang! Ihr wollt feiern und ich bin Euch entgegengekommen! Ich hab die Uhr vorher ausgemacht, obwohl ich das nicht gemusst hätte! Und jetzt wollt Ihr mich hier abziehen? Was läuft bitte bei Euch schief? Klärt das mit der Kohle doch später untereinander und fickt nicht mich, der ich nichts damit zu tun hab, ok!?“

Ich hab noch nicht einmal aussteigen müssen, wirklich mit der Polizei drohen oder sonstwas. Ich hab die „total coolen“ Jungs, die mir ein paar Minuten zuvor „fetten Gangsta-Rap“ vorgelegt hatten, einfach nur bei dem gepackt, was sie für essentiell wichtig in ihrem peinlichen Biotop halten: der Ehre.

„Ihr würdet euch wegen 6 € gegenseitig die Bullen auf den Hals hetzen? Und mich abzocken? Na herzlichen Glückwunsch!“

Gut, ich muss zugeben: Trinkgeld gab es keines. Und ja, ich hab 500 Meter umsonst zurückgelegt. Aber von Möchtegern-Posern geknickt 6 € gereicht zu bekommen … ich will mich im Nachhinein nicht über den Unterhaltungswert dieser Fahrt beschweren. Und so lange ich nicht solche „Freunde“ habe, lache ich ggf. auch über solche Fehlfahrten. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass ich in der Nacht insgesamt weniger Stress hatte als diese drei anschließend beim McDonald’s. Die streiten wahrscheinlich zur Stunde noch rum, wer das einsame Gürkchen auf diesem oder jenem Cheeseburger bezahlt hat  …