Mal wieder verschätzt…

Dass man sich bei Kunden verschätzen kann, ist klar. Ich denke, das haben auch Kunden schon mit Fahrern erlebt. Recht selten ist es dann allerdings, dass man Leute ins Auto gesetzt bekommt, die man nie und nimmer für Kunden gehalten hätte.

Während ich so am Lesen am Bahnhof war, schlichen ein paar Jugendliche um die Taxen und fragten hier und da die Fahrer nach irgendwelchen Preisen, die offenbar keinen Gefallen finden wollten. Daneben auf der Bank saßen zwei alte Penner und haben Bier getrunken, während gegenüber die Polizei sowas ähnliches wie einen Großeinsatz plante. Der Ostbahnhof wie er leibt und lebt an einem Wochenende.

Als ich nach einiger Zeit – die Jugendlichen waren schon weg – eine Zigarette rauchen wollte, standen plötzlich die beiden Suffköppe vor mir. Beide schwankend, irgendwo in den letzten 10 Jahren vor dem Rentenalter angekommen und offenbar ernstlich an einer Taxifahrt interessiert.

Gleich vorweg: Ich hab die herabwürdigenden Begriffe nur der „Dramatik“ wegen verwendet. Damit auch jeder weiss, wie man sich die beiden vorzustellen hat. Als sie dann bei mir waren, waren sie die Vorzeigekunden schlechthin. Wenn man über 2 Promille hinwegsehen kann. Der eine sprach mich an und fragte ganz nett, ob ich seinen Kumpel denn nach Neukölln bringen würde. Die Straße hat mir erstmal nichts gesagt, aber er hat dann das Krankenhaus Neukölln als Tipp gegeben, und damit war eigentlich so ziemlich alles klar.

Hinter mir versuchte indes der andere einzusteigen, was seiner Angeschlagenheit wegen eher schwierig war. Also hat sein Kumpel ihm geholfen (lag übrigens nicht daran, dass der kurz vor Koma war, sondern eher an Rheuma oder sowas).

Der Kumpel drückte mir auch gleich einen Zehner in die Hand,

„damit de weisst, wir woll’n dir nich verarschen!“

und selbst mein eigentlicher Kunde machte glaubhaft, dass er noch Geld dabei hat. Als ich gerade was zur Bierflasche sagen wollte, reichte er sie seinem fürsorglichen Freund und meinte

„Nimm du mal det Bier, ick hab jenuch!“

Also ging es irgendwann los, und ich hab einfach gleich mal gefragt:

„Also soll ich einfach über Kotti und Hermannplatz…“

„Nee, nee! Fährste mal… Elsenbrücke kennste?“

„Klar.“

„Ja, dann fährste am Besten da Dammweg oder so. Is schneller.“

Am Dammweg selbst kam er dann noch auf die hervorragende Idee, kurz über die Autobahn zu fahren, und insgesamt hat die Tour sicher 2 € mehr gebracht als auf dem schnellsten Weg. Unter diesen Umständen war der eine Euro Trinkgeld schon wieder recht viel.

Dazwischen lagen einige Minuten nette Unterhaltung und so kann man das Ganze als nicht schlechte, sehr angenehme Tour abtun. Trotzdem würde ich wahrscheinlich auch heute noch skeptisch gucken, wenn die Typen wieder mal anfragen…

Was der jetzt wohl denkt?

„Gott sei Dank isses so gelaufen!“

Mehr hab ich mir nicht gedacht. Ehrlich.

Ich war wirklich froh, dass ich eine nette Truppe an Bord hatte. Am Ostbahnhof eingestiegen, das Fahrtziel lag in Baumschulenweg. Die Truppe war zu fünft, gemischtgeschlechtlich, in Feierlaune aber zurechnungsfähig. Ein Deutscher, der ein paar Engländer noch zu sich eingeladen hat. Klasse Sache.

Dass ausgerechnet das Mädel in der Mitte etwas von „I’m sick…“ anfing zu erzählen, mischte das heitere Treiben dann ein wenig auf:

Blitzstop an der rechten Seite. Aufruf des Beifahrers, der links Sitzende möge aussteigen, Fluch auf die Kindersicherung, Hechtsprung des rechts Sitzenden und künstlerisch wertvolles Kotzen der Mittelsitzerin aus der rechten Tür. Kein Fleck im oder am Wagen! Perfekt! Wenn schon kotzen, dann doch so!

Man sollte meinen, es sei alles in Ordnung…

Weit gefehlt!

Die junge Dame, der ich mit stoischer Gelassenheit ein paar Blatt meiner Küchenrolle zum Abwischen gereicht habe, war mit der Situation geringfügig überfordert. Naja, überfordert… die ganze Sache war ihr so peinlich, dass sie in Tränen ausbracht, und sich geschlagene 5 Minuten geweigert hat, wieder ins Auto einzusteigen. Die Begründung ist dabei mehr als logisch ausgefallen: Was ich jetzt schließlich von ihr denken würde, und sie würde doch lieber ein anderes Taxi zur Heimfahrt nehmen.

Und dem Gedanken, dass ich mir jetzt ernsthaft auf den letzten 2 Kilometern krude Dinge über eine durchschnittlich ruhige junge Frau mache, die nach ein wenig zu viel Alkohol kotzen musste, war einfach nicht so leicht beizukommen. Dass das nicht angenehm ist, verstehe ich ja. Aber dieser Terz um ein paar Magensäfte, die niemanden irgendwie ernsthaft gestört haben… boah tragisch, echt jetzt!

Naja, sie hat es überlebt und 5 Minuten sind auch 2 €…

Die Krönung kam dann aber mit dem Trinkgeld. Der Mitreisende hinter mir flüsterte meinem Beifahrer zum Ende hin zu, er solle doch ein ordentliches Trinkgeld geben. Die Uhr blieb auf 17,10 € stehen. Der Beifahrer kramte in seinem Geldbeutel umher und förderte 16 € ans Tageslicht. Er reichte sie mir mit einem verschwörerischen Grinsen und meinte, ich solle einfach alles einstecken.

Mir war klar, dass er mich nicht verarschen wollte, und so tat ich mich etwas schwer mit der Aussage, dass da leider so oder so noch 1,10 € fehlen. Das hat ihn echt peinlich berührt, und dann hat er einfach noch einen Fünfer hinterher geschoben. Vielen Dank!

Netter Dialog zu diesem Zeitpunkt:

Fahrgast: „That was the cheapest taxi I ever took!“
Sash: „I guess you’re from England…“
Fahrgast: „Ireland. That’s the worst…“

Während nach und nach alle das Taxi verließen, ließ der Hintermann noch ein paar Münzen zum Beifahrer kullern und forderte ihn auf, mir diese auch noch zu geben. Der lamentierte, er hätte mir schon mehr als genug gegeben – wogegen ich gar nichts einwenden wollte. Dank des Drucks von der Rückbank legte er nochmals demütig 4 € in Münzen dazu, sodass ich letztlich mit 25,00 € von dannen gezogen bin, wo die Fahrt ohne alle Unwägbarkeiten gerademal 15 € gekostet hätte. Manchmal liebe ich meine Fahrgäste ja ein wenig…

PS:

Sollte irgendein Anwohner in Baumschulenweg sich über Schreie in den frühen Morgenstunden des 26. September 2009 gewundert haben: Das war nur die würdige Verabschiedung vom „best taxi driver ever“. Manchmal könnte man flennen vor Rührung, ehrlich! 🙂

Was war das denn eben?

Das beschreibt ziemlich gut die Gedanken unmittelbar nach dem endgültigen Aussteigen meines ersten Fahrgastes während der vergangenen Schicht. Wenige Minuten nach dem Losfahren am Straßenrand bei der O²-World eingesammelt, stürzte die Absurdität betrunkener Gedankengänge wasserfallartig in mein Taxi.

Der Kunde dürfte in meinem Alter gewesen sein und begann, während er sich in den Beifahrersitz fallen lies, in einer mir unverständlichen Sprache draufloszureden, mischte das aber mit bekannten Worten und als ich ihn fragte, wo es denn hingehen sollte, entgegnete er mit großen Augen:

„Du bist Deutscher?“

„Ja, bin ich…“

Das ist eine Scheiß-Frage! Immer wieder. Es mag ja sein, dass ein Großteil der Taxifahrer in Berlin seine Wurzeln in irgend einem anderen Staat hat, es ist mir aber immer wieder unbegreiflich, wie sich manche Fahrgäste – natürlich ohne „was gegen Ausländer“ zu haben, darüber freuen können, dass sie bei mir im Auto sitzen. Solche Gespräche würge ich entschlossen und schnellstöglich ab und lasse nie auch nur den geringsten Zweifel daran, dass ich der festen Überzeugung bin, dass die meisten nichtdeutschen Kollegen hervorragende Arbeit machen, und man die schwarzen Schafe leider nicht an der Nation festmachen könnte – und ich sowohl assige Deutsche als auch vorbildliche Türken als Kollegen kennengelernt habe. Lediglich beim Thema Sprachprobleme bin ich bereit zu akzeptieren, dass gewisse Standards erwartet werden können.

Aber gut, das sollte gestern gar kein Thema werden. Der Kerl laberte erst einmal weiter, und zwar etwa wie folgt:

„Ja, zum Cookies, also Friedrich-Charlotten, Äh Alexander-Dingsbums…“

„Cookies? Friedrichstr. Ecke Unter den Linden?“

(Diesen Absatz überlesen jetzt die zartbesaiteten Seelen unter meinen Lesern am besten)

„Ja genau. WOW! Perfekt!!! Aber erst müssen wir auf meinen, ich meine dieses assige Spanier-Arschloch, diesen Pisser – also das kranke Wichser-Opfer da vorne… also dieser Gehirnamputierte Schwachmat muss auch noch mit!“

(Hier weiterlesen! Er hat nur etwas umständlich ausgedrückt, dass sein bester Freund noch mitfahren will)

Ich folgte seinem Blick und meiner blieb an einer schwankenden Gestalt hängen, die gerade dabei war, beim Pinkeln möglichst der flüchtenden Laterne hinterherzueilen, um sie mit dem warmen Strahl aus seinem Gemächt zu beglücken. Relativ unspektakulär fiel er ins Auto, und wir waren recht bald auf dem Weg.

Nach rund hundert Metern wollten sie Kurzstrecke fahren und glaubten meinen Beteuerungen nicht, dass es mir weder möglich wäre, noch auf Kurzstrecke umzuschalten, noch dass es so oder so nicht reichen würde. Aber: Kein Problem.

Ab hier verabschiedeten sich die Sinne meines Beifahrers völlig, denn nun kam wirklich nur noch Gestammel aus seinem Mund, das bei seiner Entstehung Neuronen nur aus der Entfernung gesehen haben kann. Ich wurde auf absurd freundliche Art bezichtigt, kein Deutscher zu sein. Dazu wurde ich auf kroatisch und italienisch zugelabert, und alles was ich auf meine Nicht-Reaktionen oder gar auf Verneinungen zum Thema zu hören bekam, war ein kurzer Abriss über türkische Marktverkäufer und die Taktik des Sich-einer-Sprache-Verweigerns. Und dass ich Italiener bin. Logo.

Nach einem Kilometer „durfte“ ich dann kurz anhalten, damit er seinem Kumpel hinten „eins in die Fresse geben“ kann. Hier war der Punkt, an dem ich für einen kurzen Moment fast die Beherrschung verloren hätte. Wenn er seinen Kumpel ernstlich geschlagen hätte, wäre die Fahrt hier beendet gewesen. Punkt. Das sich mir nun im Fond bietende Bild hatte aber eher einen komischen Anstrich, zudem wurde mir bewusst, dass bei aller naiven Brutalität des Sprachgebrauchs wesentlich wahrscheinlicher war, dass die beiden binnen der nächsten 5 Minuten zu kopulieren beginnen, als dass sich ernstlich jemand Verletzungen zuzieht.

Also gute Miene zum bescheuerten Spiel: 10 € sind 10 €!

Die Weiterfahrt erfolgte noch bevor das Taxameter in den Wartezeitmodus geschaltet hat. Den folgenden knappen Kilometer versuchte er mir zu erklären, warum dieser Depp hinter ihm wichtiger als seine Freundin ist, obwohl er nicht schwul ist. Die Kernaussage lässt sich völlig unsinnig damit zusammenfassen, dass eben erst die Familie, dann der Schwachmat und zuletzt „ist mir egal“ kommt. Herzlichen Glückwunsch an die Lebensgefährtin mit dem komischen Namen!

Ach so, er hat mir als Rückgriff auf die Kurzstreckendebatte („Du willst keine Kurzstrecke machen, gib’s zu!“) auch noch einen Batzen Geld (geschätzte 500 bis 1000 €) unter die Nase gehalten, um zu zeigen:

„…dass wir solvent sind. Solvent! Verstehst du?“

Ich hatte eigentlich vor, über Unter den Linden zu fahren, aber am Molkenmarkt wurde ich höflichst gedrängt, doch links abzubiegen. Meinetwegen. Soweit ich weiss, schenkt sich das zumindest auf dem Taxameter einen dicken Nullinger, aber der Kunde – und ist er noch so doof – ist König! An der Ampel verbrachten wir dann rund eine Minute, was ausgiebig dazu benutzt wurde, einen anderen Autofahrer nach dem Weg zu fragen – was ich in Anbetracht der Tatsache, dass ich den Weg kenne, für ziemlich unverschämt halte. Schließlich kann man Routenvorschläge besser mit mir selbst klären, zudem lege ich es auch nicht darauf an, von anderen Autofahrern als Idiot betrachtet zu werden, der den Weg nicht kennt. Aber gut, das Duo war so verquer mit seinen Aussagen und verstieg sich bald darauf in italienische Beleidigungen des echt überfordert wirkenden sympathischen Verkehrsteilnehmers, dass wahrscheinlich alle Beteiligten froh waren, als die Ampel endlich grün wurde.

Dann folgte eine – für ihn offenbar kreischend komische – Abhandlung darüber, wie man den Namen Thomas als Schimpfwort gebrauchen kann.

Kurz nachdem ich von der Leipziger in die Friedrichstr. – ganz nach Geheiß der beiden Logikbomber im Gepäck – abgebogen war, stieg der „Spanier“ aus. Aber die Fahrt sollte damit noch nicht zu Ende sein.

Mein Beifahrer leitete mich an, zum Hintereingang des Cookies zu fahren.

„Hintereingang?“

„Ja, hat doch zwei Eingänge…“

OK, so gut kenne ich mich nun nicht aus – und man lernt ja gerne was neues kennen. Links in die Behrenstr., hinter dem Westin Grand rechts, nochmal rechts… und man steht in einer tiefgaragenartigen Lieferanteneinfahrt. Toller Zweiteingang. Er hat mich dann sogar nochmal zurücksetzen lassen, damit ich ihn ja nicht 5 Meter vom Eingang entfernt absetze.

„Das macht dann genau 11 €!“

„Warte mal… hab ich nicht!“

„Ich kann auch wechseln…“

Lieblos schmiss er einen Fuffi auf den Beifahrersitz. Einen Euro hatte er natürlich auch nicht, und so war ein Großteil meines Wechselgeldes mit der ersten Tour bereits weg. Und das ohne Trinkgeld – super!

Ich wende also in der Einfahrt, und bevor ich das vollbracht habe, steigt er auch wieder ein und meint:

„Bring mich mal zum Haupteingang!“

„Ey bitte, was soll das denn jetzt?“

„Ach komm, ich hab dir 13 € gegeben…“

„Nein, du hast mir 11 € gegeben – genau passend!“

„Ach so… warte: Ich geb dir 13! Bring mich mal zum Haupteingang!“

Das Taxameter war bereits aus, und da ich weder auf die 2 € verzichten wollte, noch Lust auf große Diskussionen mit diesem Dialoggenie hatte, hab ich ihn gegen die Aushändigung einer meiner beiden Wechselgeldmünzen also aus der Garage die 100 Meter ums Eck gefahren. Wenn’s hilft…

Ja, und dann stand ich da. Friedrichstr. Ecke Unter den Linden und fragte mich:

„Was war das denn eben?“

Bier? Unheimlich!

Was würdet ihr machen, wenn ihr in der Straßenbahn jemanden kennenlernt und ihr euch gut versteht? OK, da gibt es einige Optionen. Aber der nette Kerl macht euch ein unschlagbares Angebot: Aussteigen und bei der Dönerbude dort an der Haltestelle noch ein Bier trinken. Das nimmt man (sofern man Bier mag) in der Regel an. Und wenn man dann da sitzt, und der Gastgeber einen zum Tresen schickt, um Nachschub zu holen?

Ich mag altmodisch oder gutgläubig sein, aber ich würde es wahrscheinlich tun.

Die andere Option habe ich gestern kennengelernt: Man kann auch überstürzt aus der Bude fliehen, ca. 2 Kilometer weit laufen, und dann – aus Angst, dass die anderen einen einholen – ein Taxi anhalten, das einen noch weiter weg bringt. Spuren verwischen, sozusagen…

Der junge Mann stand ziemlich unter Stress, als ich auf sein Winken hin angehalten habe. Ich dachte zunächst, er wolle trampen, deswegen war ich etwas skeptisch. Ist nämlich – nur mal so als kurzer Einschub – eine ziemlich komische Situation, wenn man einer Gestalt wegen anhält, und die dann sagt:

„Das is’n bisschen blöd jetzt, ich wollte eigentlich trampen… sie können mich sicher nicht mitnehmen… umsonst meine ich…“

Naja, der junge Mann jedenfalls wollte irgendwie weg. Sein Fahrtziel lag etwas außerhalb seiner finanziellen Reichweite, aber wir haben eine gute Alternative gefunden, wo ich ihn stattdessen absetzen kann, sodass er mit der Bahn gut weiterkommt. Ich hab ihn zwar direkt an einer Bahnlinie aufgegabelt – aber wenn er verfolgt wird? Naja…

Insgesamt scheint es ein Fall gewesen zu sein, in dem offenbar einfach die falschen Drogen genommen worden sind. Denn ich konnte es mir nicht verkneifen, meinen Stammdöner im Laufe der Nacht noch zu besuchen, um den Fall mal anzusprechen. Wie zu erwarten war: Die anderen haben nichts gemacht, es hat ihn auch niemand verfolgt, alle haben brav ihr Bier getrunken…

Hoffe, ich konnte ihm dennoch irgendwie helfen… oder so.

Die spinnen, die Briten!

OK, im letzten Eintrag habe ich bereits auf die beste Tour des Abends angespielt. Hier kommt sie also…

Es begann mehr als nur üblich. Ich stand am Matrix fünfzehn Minuten an und aus dem ewigen sich langsam drehenden Karussell der möglichen Kunden blieb bei mir ausgerechnet ein etwas fertig wirkender Engländer stehen, der seinen Slang wahrscheinlich in einem pakistanischen Untergrund-Viertel der englischen Hauptstadt gepflegt hat. Es hat gut eine Minute gedauert, bis mir klar war, dass er wirklich nur ins Generator wollte, und nicht etwa wissen, wie teuer es wird, oder einige andere Dinge.

Na gut! 27 € Umsatz wollte ich noch machen – das sind schon mal knapp 10. Steigen sie ein!

Die Tour verlief nach einer kurzen Sprachlosigkeit ausgesprochen heiter, und so erfuhr ich dann, dass er nur zwei Tage in Berlin ist, und das vor allem den Grund hat, dass er davon ausgegangen ist, dass Berlin Scheiße ist. Und jetzt – immerhin nach einem Besuch im Matrix! – war er der Meinung, dass das eine so geile Stadt ist, dass er auf jeden Fall wiederkommen will irgendwann. Dann aber mit Freundin und vielleicht sogar mit Übernachtung in einem richtigen Hotel. Seine Begeisterung kannte kaum Grenzen, und mir als überzeugtem Zugezogenen gefiel das. Irgendwie schade, dass die Tour so kurz war.

Am Generator angekommen drückte ich auf Kasse und die Uhr zeigte wie gewohnt 9,40 € an. Er drückte mir einen Schein in die Hand und wollte aussteigen. Ich wollte ihn schon einstecken, als mir etwas aufgefallen ist:

„Hey, wait wait wait! This aren’t 10 Euro!“

Und seine (fucking) Antwort war:

„I know! It’s fine! Have a nice Night!“

Also hab ich den Fuffi eingesteckt…

Fuck it, fuck it, fuck it! 40,60 € Trinkgeld bei DER Standard-Tour mit DEM Standard-Touri schlechthin! Ich hab die letzten Wochen echt einen guten Lauf, scheint mir…

Und wie üblich: Ich zocke nach wie vor keine Besoffenen ab! Der Typ war natürlich angetrunken, aber in bester Verfassung und er wusste genau, was er tat! Glaubt mir, ich bewahre die Leute gerne vor Dummheiten – aber mehr als sie darauf hinweisen muss ich nun auch nicht!

Horror ist kein Ausdruck…

Ich möchte hier eine Geschichte eines Kollegen wiedergeben. Sinngemäß und ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Er hat es mir nicht erst gestern erzählt, also habt Nachsicht.

Kollege T. stand mit Kollege S. hintereinander an einer Halte. Es stieg eine größere Gruppe auf beide Wagen verteilt  ein. Getrennt nach Männlein und Weiblein – offenbar kurz nach einer „gruppendynamischen Diskussion“. Eine der Frauen – die bei T. im Wagen saßen – meinte:

„Hey Süßer, fährste uns nach Weisstenicht3“

Der Kollege meinte schon zu mir:

„Wat bitte? Aber geht ja noch weiter…“

Sie hatten offenbar die selbe Adresse wie die Männer im anderen Taxi bei S., und so fuhren sie meist mehr oder minder Konvoi. Verloren haben sie sich dennoch gelegentlich. Ist bei zwei erfahrenen Taxlern ja auch nicht seltsam. Die kennen beide den Weg, da kann man sich sicher sein.

„Auf einmal steigt die Alte über den Sitz zu mir nach vorne…“

Naja, weil T. das bedenklich fand, rief er bei S. an und fragte, wo er denn sei.Irgendwo ums Eck, kein Problem also. Damit aber nicht genug. Die Dame startete gewisse Annäherungsversuche…

„Hat die die Lehne hochgeklappt… ick sie natürlich wieder runter…“

Irgendwann standen dann die beiden Taxen an der Ampel nebeneinander. Was dann folgte, gebe ich auch im Original wieder:

„Und auf einmal knutscht mich die Alte auf die Backe!“

Daraufhin haben sich wohl die Ereignisse überschlagen. Die Männer bei S. im Auto haben das natürlich gesehen und sind scheinbar völlig ausgerastet. T. ist gleich rechts rangefahren, um den Spuk zu beenden. Dasselbe tat S. Daraufhin entwickelte sich wohl ein hitziges Verbalgefecht, bei dem die Typen T. drohten, ihn zusammenzuschlagen. Die Drohung der beiden Kollegen mit der Polizei wurde scheinbar auch nicht für voll genommen, und irgendwann sind sie dann wohl von selbst wieder ein wenig runtergekommen.

Insgesamt ist wohl nicht viel passiert, aber die Story toppt bisher alles, was ich an miesen Touren hatte…

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Offenheit…

…ist ja quasi eine Schlüsselqualifikation heutzutage.

„Gnädige Frau, bringen sie mich bitte zur Fickzentrale! Ich bin der Sash, dass da sind meine notgeilen Anhänger, und ich hab heute sowas von dicke Eier… bin ich froh, dass ich nachher noch ficken kann. Und da drüben, also das… das ist eine FICKGARANTIE! Da werd ich mir aber sowas von… Endlich!“

Würde ich so bei einer Taxifahrerin einsteigen? Natürlich nicht. Ist aber so ziemlich genau das, was ich mir heute anhören durfte. Nur vom anderen Ufer. Ehrlich gesagt, finde ich den Umgang der meisten Schwulen mit ihrer Sexualität beeindruckend. Im Positiven Sinn. Nicht nur (aber sicher auch), weil ich Homosexuellen in Anbetracht ihrer (immer noch andauernden) Unterdrückung in so einem Fall Mut zugestehen muss, sondern weil ich es grundsätzlich nicht schlimm finde, Sexualität als einen Teil des Lebens zu betrachten, und selbigen somit auch benennen zu können. Folglich habe ich auch kein Problem mit deutlichen Ansagen. Noch dazu war in diesem Fall ja CSD, also kam die Feierlaune natürlich auch noch dazu. Aber wirklich an der Grenze war dann die Aussage:

(Minderjährige bitte erblinden!)

„Ich hab mir den Aaaaafter auch schon eingecremt. Das ist so eine lange wirkende Creme, weisst du?“

Meine Antwort hat wenigstens seine Mitreisenden erheitert, ich habe damit nur klargestellt, dass er das für mich nicht hätte tun müssen:

„Das ist ja nicht schlecht, sonst wäre das ja völlig umsonst gewesen…“

Aber da man solche Aussagen schnell mal in den falschen Hals bekommen kann: Ich möchte hier echt mal eine Lanze für meine schwule Kundschaft brechen: Ich hab zwar schon viele Dinge von ihnen erfahren, die mich als Hetero nur begrenzt interessieren, aber ich habe mich niemals bedrängt gefühlt. Mal abgesehen davon, dass ich auch schon eine Menge übles Geschwätz von sexuell anders orientierten Menschen abbekommen habe. Die Schwulen waren bisher immer (und da zählt auch der Meister von heute – abgesehen von seiner Wortwahl – dazu) angenehme Kunden, die sich zu benehmen wussten. Noch dazu waren es meist lustige und interessante Leute. Also versteht das hier nicht als Klischeegelaber über Schwule.