Warum hab ich…

…warum habe ich ihn nicht einfach stehen lassen? Wahrscheinlich weil er kaum mehr stehen konnte. Nein, das wird keine Kotzgeschichte, aber dafür etwas (hoffentlich nicht!!!) sehr typisches…

Er fällt also ins Auto und meint:

„Vollgas!“

„Wohin denn?“

„Einfach Vollgas!“

Na das kann ja heiter werden…

„Also geradeaus?“

„Jjjja!? Hiierlng.“

Um es kurz zu machen: Die Kommunikation fiel schwer. Die Strecke, die er mit mir zu fahren gedachte, war allerdings nur rund 1,5 km lang und beinhaltete genau einen Richtungswechsel. Da war sogar das erträglich. Es ist zwar gar nicht so leicht „glich daaa vorne hinten bei den dem vor dem Ampel nee dahinten weissu weiter vorne neee stopp!“ zu halten, aber irgendwie habe ich auch das hinbekommen.

„Das macht dann 5.30 €.“

Verständnisloser Blick.

„Ich bekomme 5.30 € von ihnen.“

Verständnisloser Gesichtsausdruck, Versuch einer Kommunikation:

„Hmm!?“

In einem aberwitzigen Zeitlupentempo hat er dann seinen Rucksack geöffnet und ist in autistische Wühlversuche versunken. Ich bin ruhig geblieben, und habe meine Geldgier verflucht. Dann fischte er etwas aus seinem Geldbeutel und drückte mir Geld in die Hand: 5 Cent.

„Hm, das sind jetzt 5 Cent… da fehlen aber noch 5,25 €“, hab ich so diplomatisch wie möglich gesagt.

Er versteifte sich wieder in seinen Suchmodus und kramte weitere Münzen hervor. Damit kamen wir auf einen Gesamtbetrag von 2,03 €. Ich wies ihn mit meiner Engelsgeduld darauf hin, dass immer noch mindestens 3 € fehlen würden. Er drückte mir seinen Rucksack in die Hand mit einem Blick, den ich aus meiner Arbeit mit geistig behinderten Menschen kenne. Und das meine ich ernst, und keineswegs herabwürdigend – obwohl mir bewusst ist, dass seine geistige Umnachtung selbstverschuldet war. Er grinste mich auf eine debil-zufriedene Art an, und stieg aus, um zu pinkeln.

Ich hab seinen Rucksack kurz durchgeschaut, und ihn gleich gefragt, ob sein Geldbeutel etwa da drin sei.

„Hmmm!?“

OK, also Rucksack durchwühlt… aber nix gefunden. Super!

„Also, was machen wir jetzt? Hier fehlen noch mindestens drei Euro!“

„Hmm… l.. ll.. lllogger bleim!“

„Keine Sorge. Ich bin ziemlich locker. Aber ich mach das hier nicht nur aus Spaß an der Freude, sondern ich verdiene so mein Geld. Und wenn das Endergebnis dann „Ich kann leider kein Geld finden“ ist, dann ist das eben nicht so sonderlich erheiternd!“

„Lllogger… du weissss janich, ob der anne.. re nich nur Schbasss macht!“

„Und, war das ein Spaß?“

„Weissich nich.“

Nach dieser erschöpfenden Auskunft starrte er aus dem Fenster und schien auf eine Antwort von da draussen zu warten. Ich holte ihn wieder auf den Boden der Tatsachen zurück und meinte:

„Sie sollten das aber wissen! Wir sind hier nämlich die einzigen beiden, und ich weiss es nicht!“

„Hmm?“

Der zu dieser Aussage zugehörige Blick war dermaßen dämlich, dass ich mir wirklich überlegt habe, ob ich ihn nicht fotografieren sollte. Stattdessen habe ich gefragt:

„Und? Was nun?“

„Kmmml mt rüüübr!“

„Haben sie noch Geld in der Wohnung?“

„Geld???“

„Ja, Geld! Sie schulden mir noch 5,30 €!“

Bevor mich jemand fragt: Ich hab permanent darüber nachgedacht, ob ich nicht einfach mit den 2,03 € abzischen sollte. Ob es das wirklich wert wäre. Aber ich hab mir gedacht, dass ich ihn so nicht davonkommen lasse. Ich bin also mit ihm rüber gekommen und dieses Rüber war glücklicherweise eine Sparkasse. Tasche nach der Karte durchsuchen überspringe ich mal ganz dezent und bleibe gleich bei der PIN hängen. Er hat meine Warnung, dass PIN’s im Allgemeinen und bei der Berliner Sparkasse im Besonderen keine 7 Ziffern haben, natürlich ignorieren müssen. Also habe ich gefragt, ob ich behilflich sein könnte.

Seinem Blick nach war immerhin sein Verständnis von Datenschutz noch recht ausgeprägt.

Naja, er hat Geld bekommen und war trotz allgemeiner Debilität auch gewillt, zu zahlen.

„Was krissn vmir?“

„Mindestens 5,30 €, obwohl ich eingedenk der Tatsache, dass wir hier jetzt seit einer Viertelstunde rummachen, gerne mehr verlangen würde…“

„Wieviel?“

„5,30 €!!!“

Er streckt mir einen Zehner hin und meint:

„Machse fünff!“

„Nein! Ich werde nicht fünf machen! Sie schulden mir 5,30 €!“

…und für den seelischen Schaden locker nen Zehner obenauf!

„Dann machse vier!“

Ich hab das als „Gib mir 4 € zurück“ interpretiert und war heilfroh, als ich den Kerl los war. Besoffen ist ja schön und gut – ich nehm auch meistens nur ein Taxi, wenn ich schon einen gelötet hab – aber ein Mindestmaß an Koordinationsfähigkeit und Einschätzungsvermögen sollte doch eigentlich schon dazugehören…

Drogen…

Da lief die Schicht gerade so schlecht. Ich wollte schon das Auto eine Stunde vor Feierabend abstellen und mich hier im Blog beschweren, wie scheiße die Welt  da draussen ist. Ich habe eine Halte passiert, die um 5 Uhr gefälligst leer zu sein hat, es aber nicht war. Keine hundert Meter weiter winkt eine Gestalt.

Mit Winken ist hier das Ganzkörperwinken gemeint, das gemeinhin ab einem Pegel von 2 Promille aufwärts unter ausgewählten Individuen auftritt. Der Winker meint, er bewege die erhobene Hand, wobei diese eigentlich recht ruhig bleibt, und der Rest des Körpers schwingt beachtlich. Achtet mal drauf, das gibt es echt öfter!

„Willelmsru Härdrschrase!“

„In die Herzstr. nach Wilhelmsruh?“

„Ja, Härdschrase, saichdoch! Willmsruuu!“

Hat mir erstmal gar nichts gesagt. Wilhelmsruh schon, aber man könnte es jetzt vergleichen mit einem Anhalter, der am Ortsausgang München einsteigt, und als Fahrtziel Sprockhövel-Gennebreck angibt. Kann man wissen, muss man aber nicht. Ich hab also nachgefragt:

„Wie schreibt man die denn, ich würde die gerne ins Navi…“

„Härdschrase…“

„Mit tz oder…?“

„Nää, wies Härds!“

„Ich finde hier aber nur eine „Hertzstr. mit tz in Wilhelmsruh“

„Näh, Herdschrasee!“

Da war mir klar: Entweder stimmt die Straße, oder wir sind sowieso in der falschen Stadt – und da könnte ich auch nichts dran ändern. Die erste Kreuzung (noch bevor das Navi einsatzbereit war) bin ich erstmal falsch abgebogen. Nicht schlimm, nur ein kleiner Umweg, und im Nachhinein betrachtet goldrichtig, da er noch an einer Tanke vorbei wollte, und dort eine war.

Nach dem kleinen Zwischenstopp – bei dem er immerhin nur Essen und keinen Alk mehr gekauft hat – vernahm ich von der Rückbank Schmatzgeräusche, wie man sie aus Tierfilmen kennt, die Löwen beim Gemeinschaftsverzehr von Antilopen zeigen.

„Naja, zufriedener Kunde – guter Kunde!“

…dachte ich so bei mir und bin einfach mal dem Navi nach Wilhelmsruh gefolgt. Ich war ja durchaus schon in Wilhelmsruh, allerdings noch nicht als Taxifahrer, sondern nur bei meinem „erheiternden“ Ausflug in die Zeitarbeit letztes Jahr. Die Hertzstr. geht direkt von der Hauptstr. ab, und so hielt ich an der Ecke, und fragte, in welche Richtung, ich denn jetzt in die Hertzstr. abbiegen müsste. Die Antwort war so vorhersehbar wie unnütz:

„Härdschrase, Willmsru!“

„Ja, da sind wir jetzt. Ich wollte nur wissen, wohin genau. Haben sie eine Nummer?“

„Nee, nur Hausnummer…“

„Ja super, und wie…“

„Fahr einfach mal…“ – und zeigte nach rechts.

Ich fuhr in die Straße und folgte dem Verlauf, immer darauf bedacht, ihn daran zu erinnern, dass wir bereits „am Ziel“ sind. Er sagte daraufhin etwas grob verwirrendes:

„Ja, mit Härdschrase könn wir jetz auch nich punkten!“

„Wie bitte?“

„Ich satte: Wir könn nich punkten mit Härdschrase!“

„Wo wir gerade dabei sind: Die Straße endet hier, soll ich doch in die andere Richtung fahren?“

„Jaja, fahr du mal!“

„Haben sie nicht wenigstens eine Hausnummer?“

„Da mussich mal telefoniern!“

Ich bin also mal rechts rangefahren, und während er eine Nummer wählt, wirft er plötzlich ein:

„Pestalozzistr. kannste mal eingeben!“

„Ähm, das ist dann aber ganz andere Ecke, oder?“

„Nee, gib mal ein!“

„Also Pestalozzistr.?“

„Nee, Härdschrase, Willemsru!“

„Aber da sind wir doch gerade. In der Hertzstr. in Wilhelmsruh!“

„Wir sinn? Ja, das is ja hier, merk ich grad! Was muss ich löhnen?“

Ich glaube, jede der drei oder fünf Pestalozzistraßen hätte die Tour noch mal um 5 € ergiebiger gemacht. Aber irgendwie war ich dann doch froh, heimfahren zu können…

Russen-Disco!

Steigen am Berghain drei Leute ein. Schon von der Besetzung her hätte mir klar sein sollen, dass das nicht gerade eine normale Fahrt wird. Die Protagonisten neben mir:

Dame 1, im Folgenden D1 genannt: Ende 20, blond, unauffällig

Dame 2, im Folgenden D2 genannt: Mitte 30, etwas verlebtes Gesicht, auffallend alkoholisiert, eher freizügig bekleidet

Herr 3, im Folgenden H3 genannt: Mindestens 50, ebenso alkoholisiert und Anzugträger

Gut gelaunt sind sie eingestiegen und haben als Fahrtziel „die Russen-Disco“ genannt. Sagte mir erstmal nichts. Auch als sie dann sagten, sie meinten das „CCCP“ am Rosenthaler Platz, wusste ich es nicht so recht, aber wie ich zum Rosenthaler komme, weiss ich ja. Nach ungefähr dreieinhalb Sekunden habe ich mich davon überzeugen können, dass die Manieren der drei nicht… sagen wir mal: der Norm entsprechen.

„Schmeiß mal die Scheiß-Sitzheizung an!“, tönte H3.

„Heh, des heisst „Muschi-Heizung“!“, korrigierte D2 ihn brüllend.

Sie fing dann auch gleich an zu reden:

„Geil, du hast’n CD-Player! Kannste des mal reinmachen!? Jetzt gibt’s hier mal echt geile Mucke! Mach mal lauter. Noch lauter. Nee, noch’n bisschen. Noch mehr. Dreh doch mal voll auf…“

Und ich hab tatsächlich nach jeder Bitte lauter gemacht. Hab ja nichts gegen Musik. Nicht mal gegen Elektro. Wie ich irgendwo schon einmal erwähnte: Für fünf Minuten kann ich mir alles antun!

Nun aber ging es los: Die ganze Fahrt über diskutierten sie nur darüber, wo sie nicht stattdessen hingehen könnten. Das Fahrtziel wurde mehrmals verschoben, aber immer wieder gleich korrigiert. Dank der Musik funktionierte das natürlich auch nur brüllenderweise. Irgendwann sprang dann die CD, wofür angeblich auch nur der Player was konnte, und selbst nach der Entnahme der Digitalscheibe und deren Begutachtung war klar, dass die natürlich vorher nicht so verkratzt war. Immerhin forderte niemand Schadensersatz, und wir stiegen um auf Radio in Lautstärke 10,5 (von 10). Der verstörendste Moment war dann zweifelsohne der, als es darum ging, ob sie jetzt in das Café oder die Disco wollen, und H3 sich lautstark für die Disco aussprach.

Daraufhin sprach D1 nämlich relativ leise jene Worte, die kein Mann jemals nicht verstanden hat – selbst wenn es sich um ein Flüstergespräch im Innern einer Flugzeugturbine bei Höchstlast handelt:

„Schade, ich wollte heute eigentlich noch ficken…“

Ob ihr’s glaubt oder nicht: Sowas ist nicht einmal sonderlich ungewöhnlich im Taxi. Verstörend wurde es in dem Moment, als ich daraufhin in den Rückspiegel gesehen habe, und in zwei schmachtende Augen blickte, die MICH fixierten. Warum passiert einem sowas eigentlich nur, wenn man gerade eine Beziehung führt, die man für nichts aufgeben würde? Hätte die nicht 4 Jahre vorher kommen können?

Ich hab dann total männlich darauf reagiert, und für den Rest der Fahrt nicht mehr in den Rückspiegel geschaut…

Sie sind dann schließlich an der „Russen-Disco“ ausgestiegen, und ich bekam immerhin über zwei Euro Trinkgeld. Aber von ihm – nicht, dass ihr jetzt denkt…

DIE Tour heute Nacht…

Die Schicht ist soweit ganz normal verlaufen. Ein bisschen mies zwar, weil Montag, dafür mit guten Trinkgeldern. Um 4 Uhr stand ich bei fast exakt 100 €, und 13 Trinkgeld lagen auch schon bereit. So gegen 5 Uhr wollte ich Feierabend machen. Ich stand vor dem Matrix.

Mein Kunde ist schon einige Zeit vor Fahrtantritt mehr oder minder negativ aufgefallen. Er war ziemlich heftig alkoholisiert, und das äußerte sich nicht nur im Schwanken, sondern auch dadurch, dass er z.B. ständig seine Jacke fallen ließ, und nicht zuletzt dadurch, dass er – offenbar mit seiner Freundin telefonierend – ins Handy schrie, dass er das Handy verloren hätte. Naja. Es gab viele Momente, in denen es aussah, als ginge der Kelch an mir vorrüber, aber nach kurzer Abwesenheit seinerseits war er plötzlich wieder da, etwas nüchterner, und befähigt, die Autotür ohne Beschädigung oder Inanspruchnahme fremder Hilfe zu öffnen.

Er telefonierte ohne Unterlass, ließ sich nur zu einem kurzen

„Stresemannstr. xy“

herab und turtelte und stritt munter weiter. Es war schon einmal beruhigend, dass er seiner Freundin versicherte, er habe genug Geld dabei. Irgendwann war das Telefonat beendet, es waren noch runde anderthalb Kilometer bis zum Ziel, da steckt er mir von hinten einen Fünfer zu und meint, ich solle das nehmen, er steige hier aus. Ich habe abgelehnt, weil

a) ich die Finanzen nicht während des Fahrens klären will

b) wir eh bald da waren

c) das Taxameter bereits 9,00 € anzeigte.

Ich hab ihm gesagt, dass die Fahrt insgesamt so um die 10 bis 11 € kosten würde, und wir dass dann am Ziel klären könnten. Er bestätigte, dass das eine gute Idee ist, und begann, sein Geld zu zählen. Am Ziel angelangt hat er natürlich festgestellt, dass er doch 3 € zu wenig hat. Seine Idee war naheliegend:#

„Ich ruf meine Freundin an.“

Was dann folgte, war etwas absurd. Vor seiner Freundin druckste er etwas herum, was etwa so klang:

„Schaatz, du komm mal runter. Weil die mich nicht gehen lassen wollen. Weil das… das ist wegen, weil ich das nicht zahlen kann!“

Wie auch immer: Freundin weigerte sich, blieb also nur noch eines:

„Dann heben wir was ab!“

Es folgte eine Art Diskussion darüber, wo die nächste Bank wäre, und so weiter. Er versprach mir ständig, zu zahlen, und ich wies ihn darauf hin, dass das Ding (Taxameter) natürlich weiterlaufen würde, wenn wir zur Bank fahren. Inzwischen haben wir immerhin schon 5 Minuten gewartet, ohne dass ich es wieder eingeschaltet hatte. Daraufhin ist er erstmal sauer geworden und hat gemeint:

„Mit so einem Scheiß fang ich gar nicht an. Hier! Dann mit Karte!“

Ich habe ihn kurz und deutlich darüber aufgeklärt, dass ich keinen Kartenleser an Bord habe, wir also wohl oder übel eine Bank suchen müssten. Erstaunlicherweise fand er die Idee dann plötzlich auch wieder total toll. Wo denn jetzt eine Bank sei? Keine Ahnung! Lösung:

„Ich ruf meine Freundin an!“

Dann sagte er mir, ich solle zur Möckernbrücke fahren, zur Post, da wäre die Postbank. OK, ich kann es noch als „meinen Fehler“ abtun, dass ich nicht wusste, wo an der Brücke die Post ist. Einmal über die Brücke gefahren, nach gelben Schildern und so gesucht… nix.

„Ich ruf meine Freundin an!“

Im Verlauf des folgenden Gesprächs durfte ich dann sogar mit der Freundin selbst sprechen, die mir den – vielleicht peinlich unnötigen Tipp „Hochhaus“ gab, an dem das Logo der Postbank (ein paar Meter über Sichthöhe) prangt. Ist ok, ich fahre rüber.

Auf dem Weg meinte mein neuer Lieblingskunde dann:

„Des ist jetzt schon ziemlich arschlochmäßig!“

„Von mir???“

„Ja. Aber macht nix. Von mir auch…“

Aha. Na gut. Die direkte Einfahrt zur Bank habe ich verpasst, ich hab also etwa 50 Meter vom Eingang entfernt parken müssen und wartete darauf, dass er ausstieg. Tat er aber nicht. Er wollte heimgebracht werden. Geld hätte er auch genug. Also habe ich ihm erstmal erklärt, wie wir eigentlich in die derzeitige Situation gekommen sind. Er hat das dann auch verstanden, wollte aber nicht wirklich zur Bank. Also:

„Ich ruf meine Freundin an!“

Die hat jetzt natürlich die Welt gar nicht mehr verstanden, weil er nur sagte, dass er vorbeikommt etc. Er hat sie wieder an mich weitergereicht, und so durfte ich der guten Frau erklären, dass es eigentlich gar kein Problem gibt. Ihr Freund ist einfach nur voll und weiss nicht mehr, was er in der Bank machen soll.

„Der will mich verarschen!“

entfuhr es ihr, aber ich versicherte, dass er einfach nur zu betrunken ist. Dann kam von hinten:

„Ich hab meine Karte nicht dabei!“

„Du hast deine Karte – du hast sie mir vorher zum Bezahlen geben wollen!“

„Hier in diesem Auto?“

„Hier in diesem Auto!“

Also entbrannte auch noch eine Suche nach der Karte – eine vermutlich schwer an vergangenen Entscheidungen zweifelnde Freundin am Telefon inklusive. Immerhin lief das Taxameter dieses Mal weiter. Aber die Karte wurde gefunden, er hatte sich einfach mal spontan draufgesetzt. Und dann torkelte er zur Bank. Natürlich nicht, ohne mir vorher sein gesamtes Hab und Gut als Pfand auszuhändigen. Nicht, dass ich glaubte, er würde mich verarschen wollen – aber ich sah die Möglichkeit als gegeben an, dass er in der Bank vergisst, dass ein Taxi draussen wartet.

Nach ein paar Minuten kam er dann angerannt, und ich dachte mir bei einem Blick aufs Taxameter, er hat hoffentlich nicht nur 10 € geholt, sonst reicht die Kohle wieder nicht…

„Und? Geld bekommen?“

„Ja, zuviel!“

OK, Treffer. Mit der Antwort konnte selbst er noch überraschen. Beim Rückweg bemängelte er noch kurz, ich hätte auch anders fahren können (entgegen einer Einbahnstr. also), aber das war nicht aggressiv. Dann meinte er kurz vor dem Ziel:

„Ich geb dir das jetzt schonmal, ok!?“

Er drückte mir 50 € in die Hand und meinte:

„Das reicht, oder?“

„Ja. Mehr noch!“

„Ich hab dir was richtig krasses gegeben, oder?“

„Ja, allerdings!“

„50 € – des ist gut, oder?“

„Ja…“

„Stopp, ich steig hier aus! Passt doch, oder? 50 € sind gut, oder?“

„Ja…“

32,10 € Trinkgeld bei einer einzigen Tour. Ich habe innerlich schwer mit mir ringen müssen – aber obwohl ich ihm nicht gerade böse bin wegen der ganzen Geschichte: DEN Anschiss von seiner Freundin, warum er nach der Tour auch noch einem Taxifahrer 30 € schenkt – DEN muss er jetzt eben aushalten!

Die beste Tour des Abends

Naja, in der heutigen Nacht war ich nicht so wirklich ein Glückspilz. Ich hab eigentlich ganz ordentlich Touren bekommen, aber es waren immer kurze Strecken. Irgendwann nach 7 Stunden hatte ich mich dann langsam zu meinem Hunderter Umsatz durchgekämpft. 98 € nach 14 Touren – das ist mies. Am Berghain stiegen dann zwei junge Leute ein, Männlein und Weiblein, offensichtlich aneinander interessiert. Oder so. Sie war in einem eher bedenklichen Zustand, er eher fitter. So die übliche „Die hab ich abgefüllt und jetzt geht es zu mir nach Hause“-Tour…

Dachte ich.

Ich stellte alsbald fest, dass er nur des Englischen, sie und ich des Deutschen und Englischen mächtig waren. Viel zu sagen hatte sie dabei nicht, denn sie war wirklich in einem üblen Zustand. Am augenscheinlichsten wurde das in der ersten Kurve, nach der ich mich des Geräuschs wegen sowohl um ihren Kopf, als auch um meine Scheibe hinten links sorgte. Ich kann Entwarnung geben: Allzuviel gemerkt hat sie davon offenbar nicht.

Er wohnte in einem Hotel nahe der Samariterstr., eine der üblichen 8€-Touren in dieser Nacht. Bevor wir dort ankamen, nannte sie mir jedoch als Fahrtziel eine Str. in Prenzlberg, naja, eher schon Pankow. Zunächst wurden sie sich nicht einig, so stoppte ich an der Haltestelle Samariterstr. und gab den beiden Zeit zur Diskussion. Dann war klar: Wir fahren zu ihr. Na gut, mir sollte es recht sein!

Die Gespräche während der Fahrt bestanden zum einen aus der stetigen Nachfrage ihrerseits, ob ich auch wirklich zu ihr fahren würde, und aus seinen Versuchen, abzuchecken, ob er nicht vielleicht wenigstens bei ihr noch zum Zug kommen würde. Die Antwort fand ich ganz amüsant:

„No. I think, my boyfriend wouldn’t, oh I’m sooo fucking tired!“

Aber ihr treuer Freund seit einer Stunde, ein offenbar gläubiger Italiener, nahm das hin – und das, obwohl er das Taxi zu zahlen hatte. Naja, er kam dafür in den Genuss einiger Küsse, die ich zumindest der Geräuschkulisse nach als recht innig beschreiben würde. Was da wohl der „boyfriend“ gesagt hätte… Naja, sie ließ sich dann ein paar Meter vor ihrer Haustüre absetzen, um noch frische Luft zu schnappen, was wiederum in Bewegungen mündete, die alles andere als ungefährlich aussahen. Zudem war unklar, ob sie ihren Schlüssel zu benutzen in der Lage ist…

Jedenfalls bat mich ihr Zeitvertreib, ihr vorsichtig hinterherzufahren, damit wir sichergehen können, dass sie auch heil ins Haus kommt. Respekt. Ich hätte das von mir aus auch gemacht – aber das gestaltet sich ja mitunter schwierig, wenn das Taxameter läuft und ein Fahrgast hinten drin sitzt.

Eine Minute später war sie tatsächlich weg, und ich durfte nun den Weg zurück mit ihm antreten. Ein bisschen genervt war der gute Mann zwar schon, aber er hat es mit Humor genommen, und seinem Gott ein paar englische Flüche entgegengeschmettert, sowie die Bitte, dieser soll wenigstens an diesen Abend und seine Gutmütigkeit denken, wenn sie sich mal treffen. Fand ich irgendwie irre komisch, ich kann mir nicht helfen.

Wir haben uns hier und da über dies und das unterhalten, und als wir ankamen, standen 25,50 € auf der Uhr. Ein wenig derb ist es zwar schon, nach so einer Tour kein Trinkgeld zu bekommen, aber irgendwoher muss ja der miese Ruf kommen, den Italiener in unserer Branche haben. 🙂

Aber gut. Er stieg aus, und ich habe nochmal nach hinten gesehen, ob irgendwas liegen geblieben ist. Tatsache: Ein goldener Ring! Ich fragte ihn, ob es seiner sei, woraufhin er wieder die Arme gen Himmel riss und seinen Gott fragte, ob das das Geschenk für diesen Abend sei?

Da die beiden ihre Nummern ausgetauscht haben, habe ich – entgegen aller guten Vorsätze – beschlossen, jetzt nicht den Ring einzufordern. Irgendwie glaube ich, dass die beiden sich über einen Grund freuen, sich wiederzusehen…

Die grünen Männchen…

Ich habe ja schon (noch im alten Blog) angekündigt, dass es ein paar Dinge zu erzählen gibt. Darunter sind einige schöne, aber eben auch dieses jenes hier, was mich gelinde gesagt… ankotzt.

Ich habe meinen Tag wie so oft am Ostbahnhof gestartet. Davor wollte mal wieder kein Winker meine Dienstleistung beanspruchen. Sodenn! Stand ich da also in Position 4 und habe gewartet. Dann traten rechts an mein Auto zwei Gestalten, und insbesondere mit dem männlichen Part des Gespanns hatte ich eine seltsame Art Blickkontakt, die ich zwar vehement nicht in die Kategorie „Flirten“ packe, aber letztlich etwas davon hatte. Er kam zum Auto, redete noch mit ihr, und dann stieg sie als erstes quasi ein mit den Worten

„Ich hab gehört, ich kann mir das Taxi aussuchen!?“

„Natürlich können sie das, ICH freue mich jedenfalls, wenn sie mit mir fahren…“

war so in etwa das, was ich gesagt habe. Er meinte dann: „Wieviel macht das denn nach Haselhorst?“ Es kam das Übliche: Ich hab gesagt, noch weiss ich das nicht so genau, er meinte daraufhin: der Kollege hätte 35 gesagt. Ich meinte: Nee, eher weniger… Dann Zieladresse ins Navi und dann war klar, dass es deutlich weniger ist, und sie sind endgültig eingestiegen.

Dass meine Kollegen das aber auch immer wieder versuchen müssen…

Also hatte ich zu Schichtbeginn eine 25-Euro-Fahrt, die auch super-locker lief. Er war selbst mal Taxifahrer, spielt jetzt nebenher in einer Country-Band (war eine Country-Messe in der Stadt) und so weiter und so fort. Einfach geil! Bis zum Jakob-Kaiser-Platz!

Dort war ich erst das zweite Mal in meinem Leben, und so habe ich mich verspätet auf die richtige Spur eingeordnet. Kein Thema, ein Kollege hat mich vorgelassen, alles easy. Ich gurke so durch den Kreisverkehr, sehe eine Ampel, sehe gelb, gebe Gas, und schon waren wir auf dem Siemensdamm. Noch knapp 4 km, der Großteil ist geschafft. Ich war gerade dabei, mich mit meinen Fahrgästen über Verhaltensweisen im Straßenverkehr zu unterhalten, eben darüber, dass ich nicht wie Henker fahren muss, nur weil ich damit Geld verdiene, da entdecke ich etwas fast schon vergessenes im Rückspiegel:

„STOP“, rot leuchtend, aus einzelnen Dioden bestehend, aber unverkennbar. Die Bullen!

Bin ich also spontan der Verkehrssituation angepasst mal kurz über zwei Spuren nach rechts gewechselt und habe angehalten. Ungeachtet der Gefahr, dass sie es als Gefährdung einstufen, wenn einer aussteigt, der sie um einen Kopf überragt, habe ich das Fahrzeug verlassen und bin mit gutem Gewissen auf die Cops zugelaufen. Sie forderten alle möglichen Papiere (das Übliche plus P-Schein) und erklärten mir mit ernster Miene, dass ich über Rot gefahren bin.

Ich kann hier nur versichern, dass mein Erstaunen nicht gespielt war!

Der Rest war Larifari, wenigstens habe ich mich mit meinen Fahrgästen erheiternd über den unerwarteten Halt (sie haben auch kein Rot gesehen) unterhalten können. Dabei sei insbesondere zu erwähnen, dass ich meinem Beifahrer den Verzehr von Flaschenbier erlaubt habe, und er nun langsam dringend für kleine Königstiger musste, aber – Problem!

„Wenn ich mich jetzt hier an den Busch stelle, dann muss ich auch gleich noch 25 € zahlen…“

Naja, er hat es noch bis zu Hause überlebt, und wenn ich nicht mit Widerspruch oder dergleichen durchkomme, dann habe ich mal eben spontan 3 Punkte gesammelt, und 3/4 der Schicht umsonst gearbeitet.

Ach ja, für alle, die immer noch an Fairness glauben:

„Da müssen sie als Taxifahrer besonders drauf achten, die Polizei hat da ein Auge drauf!“

Bevor jemand das falsch versteht: Wenn es rot war, dann: Fuck it, scheiß drauf, war ein Fehler, stehe ich für gerade! Kein Thema! ABER: ALLE Verkehrsteilnehmer müssen sich nach den Regeln richten – und ggf. entsprechend bestraft werden. Ich trage so oder so ein mehrfaches Handicap:

  1. Ich fahre wesentlich mehr als Otto Normalspritverbrenner
  2. Ein Fahrverbot kostet mich nicht nur Freizeit, sondern verdammt viel Geld
  3. Mein P-Schein (sprich: meine berufliche Existenz) ist schon ab ca. 8 Punkten in Gefahr, nicht erst ab 14

Insofern finde ich es nicht gerade angebracht, dass ich auch noch mit verschärfter Kontrolle zu rechnen habe – wenngleich mir klar ist, dass ich auch eine besondere Verantwortung trage. Aber wenn ich schon durch meine Anwesenheit etliche Besoffene vom Fahren abhalten kann, dann würde ich mir doch wünschen, wenigstens nicht härter drangenommen zu werden als der Rest. Fair ja, aber Sonder-Beobachtung von Taxlern halte ich für kontraproduktiv, ehrlich!

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Schreihälse

Hier noch als Nachtrag eine Geschichte von Samstag, die die meisten Kollegen belustigt hat:

Ich bin am Hinterausgang des Ostbahnhofs entlanggegurkt, weil die Polizei den Haupteingang und die Halle dicht gemacht hat – die Festnahme von dem Bombenspinner aus Rudow. Stehen da ein paar Typen auf der Straße und brüllen wie blöd. Unsympathisch waren sie mir von Beginn an, aber an dieser Stelle habe ich mich nicht nur an meine Beförderungspflicht erinnert, sondern auch festgestellt, dass ich – wenn ich wegfahre – auf dem Rückweg eh wieder an den Typen vorbei gemusst hätte. Also hab ich gute Miene zum bösen Spiel gemacht und die Leutz einsteigen lassen. Der Lautstärkepegel in meinem Auto stieg spontan von vielleicht 40 auf 130 Dezibel, zudem auf unangenehme Art und Weise, da die meisten der gebrüllten Worte Abkömmlinge der Vulgärsprache stellten, mit denen sich meine Fahrgäste offenbar bevorzugt anzureden pflegten. Mich hat das insofern nicht gestört, als zwischen all den „ARSCHLOCH!!!“, „WICHSER!!!“ und „DU MONGO!!!“ durchschimmerte, dass sie zum einen nur Kurzstrecke fahren wollten, zum anderen meiner Wenigkeit gegenüber keineswegs feindlich gesinnt waren, sondern die gruppendynamische Diskussion eher privater Natur war.
Das kam mir sogar zugute, weil einer der vier sich offenbar unbemerkt von mir eine Zigarette anzünden wollte – was natürlich nicht erlaubt ist – er dafür aber sofort Schelte von seinen Kollegen kassierte. Nach etwa hundertfünfzig Metern Fahrtweg und ebensovielen gefühlten Beleidigungen bat der eine schon darum, aussteigen zu können, er würde lieber laufen. Die anderen dementierten, und da hab ich dann kurz klargestellt:
„Jungs, ich mach ja gern, was ihr wollt, aber: EINIGT EUCH!“
Daraufhin haben sie sich zwar nicht ernstlich eingekriegt, aber es war klar, dass sie alle bis Ende der Fahrt an Bord bleiben wollen. Das Ziel war übrigens das „Spindler und Klatt“, ein Schuppen, der mir zwar nicht gerade sympathisch ist, dem ich diese Art Gäste dann allerdings auch nicht gönne. Nach vielleicht 4 Minuten Fahrt kamen wir an, und dann folgte der letzte kuriose Akt: Die Bezahlung. Nicht, dass sie nicht zahlen wollten! Aber wer jetzt wieviel zahlt…
Sie haben mir dann 4 € gegeben, also immerhin 50 Cent Trinkgeld. Hat mir gereicht, ich war froh, die Knaben aus dem Auto zu haben. jetzt hatte aber einer von denen die – an sich großartige – Idee, mir noch einen Euro Trinkgeld zu geben. Er hatte nur keinen! Also hat er den nächstbesten aus der Runde gefragt, der allerdings nicht so angetan war von der Idee…
Um es kurz zu machen: Am Ende hätten die sich beinahe vor dem Club geprügelt wegen der Frage, ob ich noch einen Euro Trinkgeld bekomme. Ich habe ihn nicht bekommen, aber das war mir sowas von egal, das glaubt ihr gar nicht…