Lieber Gas geben!

Er kam auf mich zugerannt. Ich wollte eigentlich abbiegen, in den Rotlichtbezirk, aber er kam mir zuvor. Er riss ungefragt die Tür auf, lies sich auf den Beifahrersitz sinken und meinte, ich solle ihn zu einer Hauptverkehrsstraße im Osten bringen. Alles klar. Ich bin dann gleich auf der Linksabbiegerspur stehengeblieben und hab auf grün gewartet.

„Mach bitte beide Türen zu.“

hat er gemeint. Ich war reichlich verdutzt und hab die Fensterheber betätigt.

„Bitte bitte, mach die Türen zu!“

Hat der gekokst? Auf was für Drogen ist der bitte? Die Türen sind zu!

„Fahr gradeaus!“

„Ähm, das ist dann aber ein ziemlicher Umweg!“

„Ist mir egal!“

schrie er fast und blickte sich panisch um. Ich folgte seinen Blicken und blieb an einem Typen hängen, der mit ziemlich grimmigem Gesichtsausdruck seine Faust wohlig in die offene Hand gleiten lies, bereit jemanden so richtig aufzumischen. Da ich nicht vorhatte, dass das in meinem Auto passiert, habe ich – aufmerksame Überschriftleser werden es erahnen – besser mal Gas gegeben.

Die Ampel für die Geradeausfahrt war noch grün, im Rückspiegel sah ich niemanden, der mir die Spur streitig machen wollte und in dem Moment war mir alles lieber als gemütlich aufs Abbiegen zu warten. Und ein Umweg – nicht, dass ich in der Situation dran gedacht hätte – lohnt sich ja auch finanziell…

Also sind wir mit quietschenden Reifen davon, und auf einem kleinen Umweg in seine Richtung gefahren.

Schon möglich, dass ich damit dem falschen geholfen habe, in so einer Situation bleibt leider etwas wenig Zeit für eine tiefergehende Analyse der Umstände…

Laut seiner Aussage haben ihn Prostituierte und zwielichtige Gestalten seit dem Geldabheben bedrängt und verfolgt – kann natürlich auch eine billige Ausrede gewesen sein, die ausspart, was er alles von den entsprechenden Personen wollte oder zu ihnen gesagt hat. Immerhin sind Auto und Fahrgast noch heil, Sash auch und ich halte das nach wie vor für eine positive Bilanz.

Hoffe nur mal, dass ich jetzt nicht auf irgendeiner roten Liste in der Branche stehe…

Closed

Die Überschrift ist eine dezente Andeutung, dass die Gespräche mit dem Kunden wie so oft in Englisch stattfanden. Ich hab ihn von irgendwo im nahen Osten (also Berlin zwischen Mitte und Lichtenberg) aufgegabelt und bis zum Kurt-Schumacher-Platz ans Hotel Bärlin gefahren. Irgendwas um die 20 € hatte ich auf der Uhr, einen Euro Trinkgeld gab es auch noch. So weit, so gut!

Als ich noch meine obligatorischen Notizen zur Tour gemacht habe, steht er wieder am Auto. Ich solle ihn in ein anderes Hotel bringen, die hätten zu. Den zugrunde liegenden Irrsinn hab ich erst einmal gar nicht geschnallt, weil ich fieberhaft überlegt habe, wo ein weiteres Hotel ist. Direkt gegenüber ist noch eines, ich hab ihn für eine Kurzstrecke eingepackt. Bevor wir allerdings angekommen sind, hab ich dann dennoch nachgefragt:

„Ähm, Moment mal! Sie haben da ein Zimmer und kommen nicht rein?“

Er bejahte, meinte er hätte keine Klingel gesehen, dumm gelaufen eben. Ich bin dann doch nochmal zum Ausgangspunkt zurück und bin mit ausgestiegen. Es fehlte zwar tatsächlich an irgendwelchen Hinweisen, aber neben der Tür hing verlockend eine Sprechanlage mit einem einzelnen unbeschrifteten Knopf.

In freudiger Erwartung, was ein unbekannter Knopf nachts um 4 alles auslösen könnte, harrte ich der Dinge, die da kommen mochten. Gekommen ist genau eines, nämlich die Stimme einer Frau aus der Sprechanlage:

„Ja bitte?“

„Könnten sie vielleicht die Tür öffnen? Der junge Mann hier hat ein Zimmer bei ihnen, spricht allerdings kein Deutsch…“

„Jetzt ist offen.“

Sieh mal einer an. Der Kunde war zufrieden und im Grunde waren die 4 €, um die ich ihn idiotischerweise noch erleichtert habe, auch ein nur Taschengeld im Vergleich zu einem zweiten Hotelzimmer.

Die goldene Dose Mitleid

…geht dieses Wochenende an den armen Tropf, der von einem Kaff etwas außerhalb von Berlin extra mit einem Kumpel in die Stadt gegurkt ist, damit dieser sich vor dem geplanten Disco-Besuch volllaufen lässt, um dann wieder mit dem Taxi heimzufahren. Der geplante Party-Abend bestand für ihn daraus, nach der Ankunft in Berlin einen Cheeseburger beim McDonalds zu essen und dann ins Taxi gezerrt zu werden. Besser geht es nicht!

Die silberne Dose Mitleid

…geht dieses Wochenende an den Typen, der eigentlich fett Party in der Disse machen wollte, aber nach zu viel Vorglühen bereits vor dem Eintritt in selbige einen Großteil seines Geldes in ein Taxi investieren musste, um menschenwürdig (das heisst: Mit Pausen zum Kotzen) heimgebracht zu werden.

Die bronzene Dose Mitleid

…geht dieses Wochenende an die unbekannte Person, die wahrscheinlich froh war, zwei Trunkenbolde für einen Abend los zu sein, und dann letztlich gezwungen wurde, die beiden mitten in der Nacht in den Gemütszuständen „leicht verärgert“ sowie „nicht mehr ansprechbar“ an einem S-Bahnhof abzuholen.

Der Sonderpreis für Contenance

…geht dieses Wochenende wie immer an Sash. Der wurde am Ostbahnhof von einem netten jungen Mann angequatscht, wie weit er ihn für 25 € bringen könnte. Später wurde sogar klar, dass das Budget 45 € sind. Sash hat völlig uneigennützig einen Festpreis von 40 € bis zum endgültigen Ziel ausgemacht, da der junge Mann ganz offensichtlich hilfsbedürftig war. Nachdem der Fahrgast während der Fahrt mehrmals zum Erbrechen neigte und dafür entweder planmäßige Stopps erbat, sowie auch gelegentlich ein Öffnen der Tür für ein adäquates Bremssignal hielt, wurde ihm dank eines grummeligen aber nüchternen Mitreisenden die Tour drastisch verkürzt. Obwohl der Fahrgast für den nunmehr verminderten Fahrtpreis von nur 24,00  € durchaus bereit schien, mal eben 45 € abzudrücken, kassierte Sash dank eines entsprechenden Hinweises keinen Cent Trinkgeld für die nervenaufreibende Fahrt…

Fakten, Fakten, Fakten…

1.
8,00 € ist für eine Winkertour ein durchschnittlicher, netter Betrag.

2.
2 € Trinkgeld können sich sehen lassen und liegen gut über dem Durchschnitt. Insbesondere diesen Monat.

3.
Das lauteste je persönlich vernommene Geräusch ist nun nicht mehr der Gitarrist von Hanns-Martin Slayer, der im Vorprogramm von Such a Surge anno wasweissich ziemlich einmalig den Headliner hat leise erscheinen lassen, sondern ein weiblicher Fahrgast von 4en.

4.
Schwarze Spitzen-Slips passen mal überhaupt nicht zu Leopardenlook-Satin-BH’s.

5.
Ich suche noch verzweifelt nach einer Ausrede für Ozie, warum ich 4. überhaupt weiss…

Manchmal verstehe ich die Leute, die einen Bürojob ohne Kundenkontakt machen und lieben. Selten, aber manchmal eben schon…

Fürstlich umsorgt

Als Dienstleister ist man ja irgendwie doch immer nur darum bemüht, es den Kunden recht zu machen. Wäre das nicht so, wäre es schlicht fies, dabei noch von Arbeit zu sprechen 🙂

Manchmal schlägt das Ganze jedoch fast ins Gegenteil um. Ich meine hier gar nicht die überbesorgten Kunden, die einen damit volllabern, wie leid man ihnen tut, dafür dass man für die schlechte Bezahlung zu so einer miesen Uhrzeit noch lauter stressige Kunden hat. Nein, manchmal läuft es einfach nebenher.

Heute Morgen zum Beispiel:

Um 2.30 Uhr war mein Umsatz bereits dreistellig, was nach 6 Stunden Arbeit schon mal ok ist. Ich hab eine Runde mit Ozie gechattet und dabei sinngemäß verlauten lassen, dass ich ob des Wetters fertig bin, Hunger hab, bald Feierabend machen will und nur noch eine Tour fahren will, wenn mir niemand mehr vors Auto springt. Im Stillen hab ich noch gehofft, dass im Radio vernünftige Musik laufen sollte, wenn der CD-Player schon so senil ist, dass er bei jeder Platte nach wenigen Minuten meint, die kennt er nicht mehr. Und halbwegs umsatzstark aber in die richtige Richtung sollte es möglichst gehen, das Auto war schon betankt.

Das sind so die Situationen, in denen man dann im Normalfall nölige Kunden nach Spandau kriegt, die auf den Cent genau und auch noch ungern bezahlen und statt Musik zu wünschen über ein Klappern im Kofferraum meckern.

Aber nicht heute! Zunächst bekam ich sofort als Sechster am Matrix eine ganz liebe Fünfertruppe mit sehr frischlufthungrigen Australiern bis nach Wilmersdorf. 20 €, gute Laune und die Fenster immer ganz unten. Trotz des ersten zaghaften Sommerregens. Erholung pur!

Auf dem Rückweg hab ich eine Kurzstrecke zum Alex gekriegt. Richtige Richtung, und zudem haben mir die beiden netten Jungs am Ende noch was von ihrem eben erstandenen Essen aufgedrückt. Irgendeine Art türkischer Frühlingsrollen oder so. Sacklecker und ein guter Etappensieg gegen den Hunger!

Nun war ich fast am Abstellplatz, noch 2 km. Da winkte mich eine junge Frau heran, die zwar völlig entgegen der Richtung nach Kreuzberg wollte, aber mit guter Laune, Gesprächigkeit und einer ebenso ausgeprägten Liebe zu offenen Fenstern bei mir voll ins Schwarze traf und die 10 € zu den mit am lockersten verdienten in dieser Nacht gemacht hat. Und fast 2 € extra sind dann auch nicht zu verachten.

Die Oberbaumbrücke war inzwischen wieder frei (davor war da ein Straßenfest), und so hab ich mein Glück abermals auf dem kürzesten Weg versucht. Nix da. 5 Leutz hielten mich am schlesischen Tor an und wollten in die Rosenstr.

„CityStay Hostel?“

hab ich gefragt und war damit binnen einer Sekunde ihr Lieblingstaxifahrer 🙂

Sie wollten unbedingt alle Fenster offen haben und haben mich gebeten, möglichst laut Rock zu spielen. Danke! Laute Mucke, gute Laune, nette Partystimmung. Ausufernde Verabschiedung  für den besten aller Taxifahrer natürlich inklusive. Und immerhin auch nicht soweit vom Ziel weg. Jetzt aber los!

Ich bin über die Landsberger in Richtung Strokower Str. geschossen. Mein Kilometerschnitt war wieder prächtig und das ist der schnellste Weg. Scheiß auf kurz!

Und naja… ein Winker.

„Sach mal, darf ich mit Bier?“

„Klar, so lange es in Mund oder Flasche bleibt. Gibt nur Ärger, wenn was dreckig wird!“

„Ja, wow! Danke!“

War nicht weit, also hab ich gefragt:

„Kurzstrecke?“

„Ja Mann, nette Idee. Aber ich weiss nicht, ob es reicht. Aber wenn nicht, ich zahl dir natürlich auch den vollen Preis, ist ja klar!“

Hat gereicht. Bei offenen Fenstern. Er hat der Fairness halber dann doch den eigentlich anfallenden Normalpreis gezahlt, nur eben als Trinkgeld.

Abgesehen davon, dass mein Rücken inzwischen scheinbar am Sitz festgewachsen war, ging es mir nach diesen anderthalb Stunden wesentlich besser als davor. Jede Menge Fahrtwind, etwas Essen, ausschließlich nette Leute, ein bisschen Musik und nicht zuletzt ziemlich genau 50 € Umsatz in so kurzer Zeit in einer Nacht auf Montag haben es mir dann doch leicht gemacht, fröhlich Feierabend zu machen.

Muss mal wieder sein: Danke liebe Kunden! 🙂

Der Mike, der Sash und die Einsamkeit

Manchmal wird man wirklich auf eine harte Probe gestellt.

Ich hab sie mitten in Friedrichshain auf der Straße aufgegabelt. Auf dem Weg von nirgendwo nach irgendwo. Sie grinste ein wenig schief, fragte mich, ob es ok sei, dass sie nur eine Kurzstrecke fahren wollte und nannte ihr Fahrtziel. Es war nicht sonderlich weit, nur einmal abbiegen, rein technisch kein Thema.

Sie war schon etwas älter, blond, zierlich und hatte gewaltig einen im Tee.

Sie lallte ein wenig, holte mit den Augen weit aus, wenn sie einen neuen Satz begann, und das tat sie mit einer verblüffenden Frequenz. Aus irgendeinem nichtigen Grund sind wir auf meine 2 Meter Lebendgröße zu sprechen gekommen und da packte sie dann die Erinnerung.

„Weißt du, wissen sie, darf ich du sagen?“

„Klar, kein Thema!“

„“Naja, ich bin ja schon älter, da darf ich das. Du erinnerst mich an Mike.“

Das ist nicht gut, das ist gar nicht gut…

„Weisst du, Mike war ein Freund, den ich vor einem Jahr verloren hab.“

„Das tut mir leid!“

„Und naja, Mike war genau wie du. Der war auch so groß und kräftig und so gut gelaunt.“

Was antwortet man auf sowas? Mir ist nichts eingefallen. In was für einer Beziehung sie zu Mike genau stand, weiss ich bis heute noch nicht, aber getroffen hat es sie offenbar. Das Fahrtziel wurde nochmal ein paar hundert Meter verschoben, für einen letzten Drink in einer anderen Kneipe, und die letzten beiden Minuten wurden seit einiger Zeit die längsten zwei Minuten im Taxi für mich.

„Darf ich noch was sagen?“

fragte sie, als ich am Ziel anhielt.

„Aber selbstverständlich. Hektik lassen wir so spät nicht aufkommen. Ich bin auf der Arbeit, nicht auf der Flucht!“

Ich bin zu gutmütig, verdammt. Ich hab nen wichtigen Termin, ich muss weg, meine Frau ist schwanger, mein Kind stirbt. Aber nee, ich sage, ich habe Zeit 🙁

Und jetzt rast die Zeit bei allen bitte mal zurück zu all den peinlichen Situationen auf dem Pausenhof, im Klassenzimmer, im Schwimmbad, zu den Kindergeburtstagen in die Wohnzimmer von fremden Eltern. Zu jenen Momenten, in denen man man noch gar keine Ahnung hatte, was man eigentlich will, aber das jemand anders unbedingt mitteilen muss. Zu den Momenten, in denen man erstmals feststellt, dass Augen nicht nur zum Raus-, sondern auch zum Reinsehen da sind. Zu Momenten, die meist mit dahergestammelten Satzfragmenten à la „Du, weisst du, ich, ähm, du bist, ich, ich mag dich.“ enden. Oder mit dem anschließendem Wegrennen. Wenn ihr das vor Augen habt, dann könnt ihr euch vielleicht das Rumgedruckse von ihr vorstellen, die Kraft, die sie sichtbar angestrengt aufbringen musste, um folgendes zu sagen:

„Ich, ähm, ich wünsche mir schon lange mal wieder so einen Freund, wie Mike, wie dich!“

Ich glaube, es gibt keinen richtigen Satz in dem Moment. Meiner hat wenigstens funktioniert:

„Das glaube ich ihnen gerne. Wenn Mike so ein guter Mensch war. Aber glauben sie mir: Es gibt einen ganzen Haufen gute Menschen hier draußen.“

„Früher hatte ich viele Freunde wie dich, große, die mich beschützt haben. Es ist komisch. Ich bin jetzt 50, ich weiss ja, dass das nicht mehr so einfach geht.“

„Machen sie sich doch nicht ausgerechnet heute einen Kopf deswegen. Schlafen sie erstmal ihren Rausch aus, und dann sehen sie weiter!“

Ich bin eine Niete im Körbe austeilen. Aber dieses Mal ging es ja ganz gut aus… abgesehen davon, dass es kein Trinkgeld gab. Nach ein paar weiteren Halbsätzen ist sie dann nämlich ausgestiegen, nicht aber ohne ein letztes Kompliment:

„Du siehst wirklich gut aus!“

Jetzt wo ich das schreibe, geht es runter wie Öl, aber in der Erinnerung habe ich es kein bisschen genießen können. Ich war letztlich froh, als sie weg war. Um sie tat es mir leid, aber ja, es gibt sie, diese Momente, in denen es im Taxi einfach zu eng wird. Viel zu eng.

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Eierlikör

Ich selbst werde zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung wahrscheinlich gerade dabei sein, einen ordentlichen Rausch auszuschlafen und einen unschönen Kater auszubrüten.

Welcher Zeitpunkt könnte passender sein, um zurückzublicken auf eine Fahrt in den letzten Wochen, die eindrucksvoll gezeigt hat, welch kuriose Auswirkungen Drogen haben können.

Zum einen musste ich auf der Oberbaumbrücke recht scharf bremsen, da ein junger Mann die Straße in bedenklichem Zustand zu überqueren gedachte. Er hatte zwar vor, mich zunächst passieren zu lassen, aber seinen Bewegungen nach war das für mich zu riskant. Ein Ausfallschritt seinerseits, und er wäre mir direkt vor dem Auto gelandet, und so hielt ich und gab ihm ein Handzeichen, er möge gehen.

Er war reichlich irritiert, wirkte fast schon verärgert darüber, dass ich seiner Koordinationsfähigkeit ganz offensichtlich nicht traute, schwang sich dann aber dennoch mit seiner Eierlikör-Flasche über die Straße und erreichte den Gehsteig unbeschadet.

Das ist Nachts in Berlin keine seltene Geschichte. Man tut als Autofahrer wirklich gut daran, mit wachsamem Blick durch die City zu cruisen. Dann ist das halb so wild, und man erlangt mit der Zeit eine erstaunliche Mildtätigkeit gegenüber Drogenopfern und Verkehrssündern aller Art. Sehr hilfreich bei dem Job.

Was die Fahrt aber so absurd machte, war die Tatsache, dass mein Fahrgast – ein junger Mann, den ich am Matrix aufgegabelt habe – mit der Geschichte gar nicht klar kam. Zunächst wirkte auch er eher verärgert (allerdings über den Typen, der da so frech auf der Straße rumsteht), dann aber hat sich seine Laune schlagartig verbessert.

Die Tatsache nämlich, dass der Kerl Eierlikör dabei hatte, hat ihm sehr zu schaffen gemacht. Minutenlang hat er sich kaputt gelacht, dass es tatsächlich Leute – und dann auch noch unter 60 – gibt, die sich tatsächlich mit Eierlikör betrinken. Er kam überhaupt nicht mehr klar, und bis zum Ende der Strecke (war ’ne ganz ordentliche Tour) gab es kein größeres Thema mehr als dieses. Selbst als ich eine Anekdote über andere Betrunkene erzählt habe, gelang es ihm nicht, am Ende auf den Satz zu verzichten:

„Und dann ist er wohl heim und hat sich (*prust*) ne Flasche Eierlikör, Eierlikör!, geschnappt. Haha…“

Schon interessant, was einem plötzlich witzig vorkommen kann…