Uniform im Taxi?

Mich hat ein Satz in einem Kommentar von Ralf unter diesem Artikel nicht losgelassen:

„PS: Im übrigen finde ich Kettners Idee mit den Uniformen wirklich super. Mir fehlt da nur noch die Chauffeursmütze. Irgendwie stört mich dieses uneinheitliche und zum Teil ungepflegte Erscheinungsbild der Taxifahrer.“

Meine persönliche Meinung zum Thema ist recht klar. Ich war immer ein entschiedener Gegner von Uniformen und sehe gerade im Taxigewerbe keinen erdenklichen Grund, sie einzuführen. Es ist eine individuelle Dienstleistung, bei der zugegeben mit dem Fahrer die Qualität steigt und fällt – das hübsche Verpacken der Idioten in unserem Gewerbe sorgt meines Erachtens nach nicht für mehr Qualität, sondern lediglich dafür, dass sich manch Lackaffe mehr Verfügungsgewalt über uns verspricht.

Aber das ist meine Meinung. Die muss ja nicht jeder teilen. Deswegen würde ich gerne mal eure Meinung dazu hören. Davor möchte ich allerdings sagen, dass ich nicht glaube, dass es das zum Nulltarif gibt. Autofahren beansprucht Kleidung nunmal, und wenn man als Fahrer nicht mal eben auf die günstige Jeans im Schrank zurückgreifen kann, dann kostet das. Ob jetzt die Fahrer oder die Arbeitgeber… letzten Endes wird das irgendwann auf die Kunden umgelegt werden. Im Zweifel bei der nächsten Tariferhöhung. Das möchte ich zu bedenken geben. Deswegen:

Wäre es einen Aufpreis wert, wenn die Taxifahrer Uniformen tragen würden?

  • Naja, ordentlich aussehen muss sein, aber extra für Uniformen zahlen? Nee. (40%, 240 Votes)
  • Mir persönlich isses vollkommen egal, was ein Taxifahrer anhat, solange nichts raushängt. (39%, 236 Votes)
  • Für'n Rabatt darf sogar was raushängen 😀 (14%, 84 Votes)
  • Na sicher, schließlich macht es was her und man fühlt sich ernster genommen. (7%, 45 Votes)

Total Voters: 605

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Im Übrigen plant mein Chef auch die Anschaffung von Kleidung mit Unternehmenslogo. Das ist allerdings eine ganz andere Größenordnung als eine tatsächliche Uniform…

Der RTL-Taxitest

Taxitest? War da nicht eben erst was? Ach ja, tatsächlich!

Sowas ähnliches muss sich auch ein Praktikant bei RTL gedacht und das derletzt beim Mittagessen versehentlich ausgeplaudert haben. Was sie beim Sender jetzt genau dazu veranlasst hat, den mehr oder minder fragwürdigen Test des ADAC nachzuerzählen und durch Beimischung hirnlosen Humbugs das journalistische Handwerk zuzüglich der Taxifahrer in den Dreck zu ziehen, entzieht sich meiner Kenntnis.

Sollte nämlich der auf RTL gestern im Rahmen von „Extra“ ausgestrahlte „Test“ tatsächlich so geworden sein, wie sich das das sicher sehr sehr kompetente Team gedacht hat, dann müsste die Grundidee folgendermaßen ausgesehen haben:

„Wir tun so, als würden wir den Test vom ADAC machen. Dann filmen wir ein paar schlimme Taxifahrer und noch schlimmere. Einer vom ADAC darf sagen, wie schlimm die Schlimmen schlimme Ding tun. Hauptsache ist, dass am Ende Deutschland gut dasteht und wir brauchen Bilder von Taxischildern. Um Himmels Willen, vergesst die Scheiß-Taxischilder nicht!“

Und so saß ich also mit meiner besseren Hälfte Abends vor dem eiligst hervorgeholten Fernseher und sah mir das Unheil an…

Wir zeigen mal, wie schlimm das ist!

Die langen Schlangen von Taxischildern gab es gleich am Anfang, und nachdem uns eine bedeutungsschwangere Stimme bereits verkündet hat, dass viele Taxifahrer einen im Kreis fahren würden, „wie im Karussell“, konnten wir gleich am Flughafen Düsseldorf das Elend in Form eines nur mangelhaft verpixelten Taxifahrers sehen. Der fuhr dann die zweieinhalb Kilometer lange Strecke angeblich auf einem Umweg, der gleich 15 Kilometer lang war. Das Team hat ihn noch ein bisschen in die Enge getrieben und am Ende bot er einen schon mal grundsätzlich illegalen Pauschalpreis von 15 € an – was immer noch dem doppelten Normalreis entspricht. Dafür stellten sie ihn dann später am Stand zur Rede und kassierten das zu viel bezahlte Geld zurück. Soweit, so gut – selbst für die lustige Grafik mit dem Weg hat RTL offenbar die korrekten Entfernungen gegoogelt. Ein positives Beispiel für einen Fahrer sollten/wollten sie bis zum Ende nicht finden.

Anstatt dem eiskalten Betrüger, der die Sache offenbar sogar noch halbwegs lustig fand, eine Anzeige reinzudrücken, wurde irgendein Zuständiger kurz vor die Kamera gezerrt, der erklärte, dass man sich bei sowas am besten an die Zentrale oder die Ordnungsbehörde wendet. Der Fahrer, so er nicht auch nur ein gecasteter Praktikant von RTL war, hat sicher seine Lehre aus der Tatsache gezogen, dass er bei der betrügerischsten Fahrt aller Zeiten, bei der er auch noch von einem Fernsehteam erwischt wurde, am Ende tatsächlich das zu viel erhaltene Geld zurückzahlen musste. So zerknirscht, wie er am Ende des Beitrages lacht, tritt der Morgen aus Reue dem Kirchenchor bei. Oder den Hells Angels, je nachdem, wo besser gekocht wird.

Schnitt, Taxischilder, bedeutungsschwangere Stimme.

213% in Hamburg, schlimme Unlust in Düsseldorf

Von einem sonst eher Allgemeinplätze feilhaltenden Herrn Sauter vom ADAC-Verbraucherschutz wurde dann kurz erklärt, dass es in Hamburg am schlimmsten war, weil da ein Fahrer sogar mal 213% Umweg zusammengefahren hat – was irgendwie keine Wirkung entfalten will, wo gerade in Düsseldorf einer die 500% geknackt hat. Aber richtig: Das war ja ein eigentlich ganz anderer Test!

Nun wurde aber noch ein zweiter Flughafenfahrer gefilmt, der die Strecke zwar zu größter Zufriedenheit auf dem kürzesten Weg fährt, aber „ein Problem“ hat. Ich glaube, es fiel sogar das Wort „genervt“. Dummerweise haben sie nicht einmal einen O-Ton für diese Behauptung gefunden, denn der Kollege nahm es mit Humor und lachte sogar (verpixelt) in die Kamera, als er wortwörtlich sagte:

„Ich hab zwar nix dagegen, aber nach 3 Stunden tut das weh.“

Kunststück bei einer Tour unter 7 €. Unangemessen beschwert hat er sich zumindest in dem Ausschnitt nicht. Solche Sätze sage ich auch mal, wenn mich die Kundschaft auf die kurzen Strecken anspricht. Und dass die Knallchargen von RTL offenbar auf Skandale aus waren, kann man wohl als Fakt bezeichnen.

Die Problematik mit den kurzen Strecken wurde dann noch kurz erklärt, es kommen noch zwei drei zottelige unverpixelte Fahrer zu Wort und schon wird mit einem Teaser angekündigt, dass man erstmal abwarten soll, was sich die Taxifahrer im Ausland alles erlauben würden. Das Ganze ist nur echt mit Bildern von dicken streitenden Männern und schon hatten wir die Werbepause erreicht!

Ich hab jetzt erst einmal durchgeatmet und versucht zu eruieren, wer da jetzt eigentlich wo was getestet hat. RTL? Der ADAC? 2 Fahrten in einer Stadt, die der ADAC nicht auf dem Monitor hatte, wurden mit den Ergebnissen des ADAC verglichen und untermauert… ich hab mir erstmal ganz groß das Wort „WIRR“ direkt unter dem Titel auf meinem Notizblock vorgemerkt. Aber ich hatte ja keine Ahnung, was noch kommen sollte…

Die spinnen, die Römer!

Die bedeutungsschwangere Stimme klang bereits nach den ersten Wehen als sie verkündet, dass man in Rom „einige dabei erwischt“ habe, dass sie… ich hab keine Ahnung mehr, bei was! Ist auch egal, denn das Hirn der für Content zuständigen Personen hat offenbar die Sonne in Italien schlecht vertragen und der „Test“ schlingert nun in einer einzigen Absurditätskurve durch das Flughafengelände der Millionenstadt. Etliche Minuten vergehen damit, dass Fahrer gezeigt werden, die aggressiv um Kundschaft buhlen und dabei „ganz andere Preise im Sinn“ haben als die eigentlich angesagten 40 € Festpreis in die City. Das wird ausgelatscht bis auf dorthinaus, und eher nebenbei kommt dann raus, dass diese Typen gar keine Taxifahrer sind, sondern Limousinen-Chauffeure, die sich als „Taxi“ bezeichnen und mit den „echten“ Taxifahrern wohl um die Kundschaft ringen.

Ich für meinen Teil vermute, dass man in Rom wie hier auch als Taxifahrer keine Werbung für sich machen darf, und die Taxifahrer ja eigentlich die seriöse Alternative zu diesen Typen sind, die aber irgendwie auch gar nicht so zu Unrecht aufgebracht sind. Schließlich  dürfen sie (weil sie keine Taxifahrer sind) ja legal höhere Preise anbieten und nun rennt da ein deutscher Underground-Reporter durch die Gegend und weist die anderen Touristen darauf hin, dass die richtigen Taxis eigentlich billiger wären und versaut ihnen somit ihr Geschäft. Ich würde ja gerne mal in einer Live-Sendung von RTL fürs ZDF werben und dann eine Doku über unverschämtes Schrott-Fernsehen machen, weil sie mich wegschicken.

Richtig falsch richtige Taxen mit dem falschen richtigen Tarif

Dann wird es richtig lustig. Nachdem sich das Kamerateam fast von diesen Limousinenfahrern verprügeln lassen hat, nahmen sie ein Original-Taxi und hier will der Fahrer nun auf einmal 60 € statt der zuvor erwähnten 40. Um nun noch weiter zu verwirren, weisen sie darauf hin, dass es durchaus auch bei den Taxis einen 60€-Tarif gibt – nämlich, wenn das Taxi aus einer anderen Gemeinde kommt. Muss eine ähnliche Geschichte sein, wie bei uns hier in Schönefeld. Da haben die LDS-Taxen auch einen anderen Tarif als wir und kein Kunde blickt das ernstlich.

Der Fahrer war aber doch direkt aus Rom und versuchte also zu Unrecht einen höheren Tarif zu nehmen. Immerhin ist er niedriger als all die von den Limousinenfahrern – und am Ende verzichtet der junge Wilde sogar auf den Zwanni. Fazit ist, klar: Auch die richtigen Taxifahrer bescheissen!

An dieser Stelle wird darauf verwiesen, dass Rom ja auch beim ADAC-Taxitest schlecht weggekommen ist und nur Ljubiljana noch schlimmer war. Dorthin war wahrscheinlich der Flug zu teuer für das Budget der knallharten Recherche-Sendung „Extra“… Wer weiss?

Fazit

Der „Test“ von RTL bestand also aus 3 gefilmten Taxifahrten. In deren Augen waren alle schlecht.

1. Fahrt in Düsseldorf: Der Fahrer fährt 500% Umweg, verlangt aber letztlich einen Festpreis von 200% des Maximalpreises, findet das lustig und wird aber ganz dolle bestraft, indem er 8 € zurückzahlen muss.

2. Fahrt in Düsseldorf: Der Fahrer fährt vorbildlich, macht allerdings den Fehler, dass er darauf hinweist, dass die kurze Tour sich bei der langen Wartezeit eigentlich nicht wirklich lohnt.

3. Fahrt in Rom: Der Fahrer fährt ohne Uhr und verlangt 150% des erlaubten Preises und ist ziemlich genervt. Am Ende bezahlen sie den vorgeschriebenen Preis und sind damit weit billiger als mit den ganzen anderen Chauffeuren, mit denen sie sich fast prügeln mussten (weil sie die Taxis verteidigt haben!).

Das Fazit aus diesem umfangreichen Taxitest über das Fahren in europäischen Großstädten ist damit nach RTL völlig logischerweise:

In Deutschland hat man es eigentlich recht gut mit den Taxifahrern, nur die Umwege sind nicht so toll. Im Ausland muss man bedeutend vorsichtiger sein!

Und nein, das habe ich mir nicht ausgedacht! Diese gequirlte Kacke auf dem Niveau von 5-jährigen Gehirnamputierten wird erwachsenen Menschen als informative Dokumentation aufgetischt. Ich bin heilfroh um jeden Beitrag, der sich kritisch mit unserem Gewerbe auseinandersetzt, ganz bestimmt. Aber so eine Bedienung blödester Kneipenklischees ist schlichtweg Volksverblödung. Eine vermeintliche Aufklärungssendung, die Betrüger davonkommen lässt, nicht einmal das Subjekt ihrer Nachforschung genau umreissen kann, reisserisch Bericht erstattet, das genaue Gegenteil von analytischer oder auch nur halbwegs durchdachter Arbeit ist und all das noch gelegentlich durch das mildtätige Lächeln von Birgit Schrowange so einlullend macht, dass auch die letzte Gehirnzelle einschläft, die kann ich nur als intellektuelles Abführmittel bezeichnen. Zeigt wieder Softcore-Pornos wie in den Neunzigern, dann komme ich vielleicht auch mal wieder in die Versuchung, den Fernseher anzuschalten!

Farbiges Geschwätz

Es ist schon praktisch, dass man mit dem Internet heutzutage ein Medium hat, mit dem sich auch ohne große Recherche ein paar Zuhörer sichern kann. Was ich als Blogger größtenteils rechercheunabhängiger Geschichten gut finde, wird an dem Punkt absurd, an dem Journalisten oder Branchen-Profis es erkennbar an Faktenkenntnis mangeln lassen. Insbesondere wo diese heute so  leicht verfügbar sind.

Da wäre zum Beispiel Norbert Kettner, Tourismusdirektor in Wien. Der reagiert auf gleich zwei verheerende Taxi-Test-Ergebnisse unter anderem mit einer Forderung nach einem einheitlichen Auftreten der Wiener Taxen. Zumindest lässt er sich so zitieren:

„Man kann niemanden vorschreiben, wie sein Taxi ausschaut. Ich glaube nur, was in Städten wie Berlin oder Hamburg funktioniert, muss in Wien auch funktionieren“

Ferner verkündete er, dass es in „den beiden deutschen Städten“ eine „freiwillige Selbstverpflichtung, wie ein Auto auszusehen habe“, gebe.

In dem Blödsinn stecken gleich zwei Fehler:

Erstens kann man Taxlern das natürlich vorschreiben. Und zweitens passiert genau das in Deutschland. Die BOKraft regelt das in §26 in einer an Eindeutigkeit nicht zu überbietenden Klarheit:

(1) Taxen müssen kenntlich gemacht sein
1. durch einen hell-elfenbein-farbigen Anstrich; als Farbton ist zu wählen RAL 1015 des Farbtonregisters RAL 840 HR des Ausschusses für Lieferbedingungen und Gütesicherung (RAL) beim Deutschen Normenausschuß,
[…]

Ich habe nichts gegen die einheitliche Farbgebung der deutschen Taxen. Ich finde die bunt zusammengewürfelten Flotten in den Bundesländern, die über die Ausnahmenregelung eine Quasi-Freigabe erreicht haben, nach wie vor nicht schön und auch wenn die Farbe bei Tageslicht vielleicht nicht sonderlich hübsch ist, bin ich froh, eine hellelfenbeinfarbige Kiste zu lenken.

Aber freiwillig ausgesucht habe weder ich mir das, noch mein Chef.

Und von einem Menschen in halbwegs fachkundiger Position wie Kettner mit einer lautstarken Meinung zum Thema kann man die 3 Minuten Recherche schon verlangen, würde ich mal sagen.

PS: Ich hab beim Lesen der Geschichte übrigens gedacht, dass Hamburg sogar eines der Bundesländer mit einer Freigabe wäre. Das hätte die Äußerung Kettners natürlich nochmal um Klassen lustiger gemacht. Dafür habe ich allerdings auf die Schnelle keine Hinweise gefunden. Falls dem aber doch so sein sollte, dann lacht für mich einmal mit 😉

Yeah!

Immerhin schon 200 Likes* hat GNIT nun bei Facebook!

Irgendwann sieht es noch nach richtig viel aus 😀

Ich freue mich natürlich über jeden erhobenen Daumen und wollte den Anlass schamlos nutzen, um einmal mehr darauf hinzuweisen, dass man mich dort auch persönlich, und auch bei Twitter und bei Google+ findet. Ein Blog ist ja nicht für alles die richtige Plattform.

*Kann sein, dass bei euch nur 199 angezeigt werden. Facebook ist sich da manchmal selbst nicht sicher 😉

Behinderter Link

Ich wollte nur mal drauf hinweisen, dass ich was über Behindertenparkplätze (und Behinderte) aus meiner Sicht geschrieben habe. Betrifft zwar eigentlich nicht das Thema Taxi (zumindest in meinem Text nicht), interessiert aber vielleicht doch den ein oder anderen.

Sashs Blog – Behindert

Andrea Berg und der Taxi-Test

So, ich werde heute nicht arbeiten. Schuld ist Andrea Berg. Deswegen hab ich auch jetzt am Abend noch ein bisschen Zeit zum Schreiben. Neben der überhaupt nicht taxirelevanten Tatsache, dass es heute Nacht spannend war, dem Internet beim Erwachen zuzusehen, als die Nachricht vom Tode Steve Jobs‘ die Runde machte, ist Taxicontent heute reichlich vorhanden.

Zum einen hätten wir da wie so oft eine Überfallsmeldung. Einen Kollegen hat es in Neukölln erwischt, worüber ich einmal mehr ratlos bin. Ich hoffe, er erholt sich schnell von dem Schock!

Und dann – natürlich! – der Taxi-Test des ADAC!

Ich hatte die Ankündigung schon in den frühen Morgenstunden gelesen, der Test selbst war allerdings noch nicht online. Folglich sind mir meine geschätzten Taxi- und Taxiblog-Kollegen Klaus und Frank mit ihren Artikeln zuvorgekommen, während ich entweder geschlafen oder mich über Andrea Berg geärgert habe. Aber wie üblich bei Taxitests kann ich mich auch dieses Mal nicht zurückhalten 😉

Ein paar erwähnenswerte Dinge findet man bereits im Artikel von Klaus, also seht da erstmal rein.

Am Anfang muss ich – wie bei jedem anderen Test auch – natürlich gleich wieder schreiben: Diese Tests sind nicht repräsentativ. Sie haben sich viele Gedanken um die Routen gemacht, sich logische Fahrtziele ausgedacht, sich getarnt und verkabelt – das ändert alles nichts daran, dass bei gerademal 10 Touren pro Stadt der Zufall in Form eines Idioten am Steuer das Ranking stärker beeinflusst, als es die äußerst genaue Prozentbewertung (mit 2 Nachkommastellen) am Ende Glauben macht.

10 Fahrten bedeuten (maximal) 10 Fahrer aus einem Pool von 10.000 bis 17.000.

10 Fahrten bedeuten (maximal) 10 Taxen von über 7.200 in Berlin zugelassenen Wagen.

5 Touren bedeuten 5 Touren von potenziell zig Millionen Touren auf tausenden mehr oder weniger bekannten Straßen.

Aber die pure Anzahl der Fahrten ist noch nicht mal der Hauptkritikpunkt meinerseits. Denn eigentlich sagt der Taxi-Test 2011 nicht aus, wie gut man in Berlin Taxi fährt, sondern wie gut man in West-Berlin außerhalb der Hauptverkehrszeit als männlicher englischsprachiger Geschäftsmann auf typischen Routen Taxi fährt, wenn man an einem Stand versucht, den dritten Wagen zu nehmen.

Das mag vielleicht (?) die Zielgruppe des ADAC sein, eine repräsentative Auswahl an Taxitouren ist dies jedoch keinesfalls.

Um es also vorweg zu nehmen: Es tut dem Image sicher ganz gut, aber ansonsten ist die Tatsache, dass Berlin auf Platz 5 gelandet ist, etwa so aussagekräftig wie die nun folgende Behauptung:

In Berlin ist es in den späten Abendstunden so dunkel, dass man zum problemlosen Lesen (als Geschäftsmann 😉 ) besser ein Licht benutzt.

Das stimmt meistens, aber es sagt weder etwas darüber aus, wann es in Berlin dunkel wird, wie dunkel es tatsächlich zu einem bestimmten Zeitpunkt ist, und was für ein Licht man nun selbst  zum Lesen braucht, weiss man gleich dreimal nicht. Und außerdem könnte es manchmal trotzdem hell sein!

Aber genug davon. An Ernsthaftigkeit mangelt es dem ADAC sicher nicht, das Gewerbe ist einfach zu heterogen, zu kompliziert zu bewerten, um es mit einem so einfachen Vergleich zu schaffen. An manchen Punkten ist es einfach – wie vor 2 Jahren schon – seltsam. Es ist nach wie vor toll, wenn ein Taxifahrer ein Restaurant empfehlen kann. Und umso besser, wenn er dieser nicht ganz einfachen Unterhaltung dann auch auf Englisch folgen kann (ja, im Test wurde Englisch gesprochen, kann man ja mal voraussetzen!). Inwiefern es jetzt aber vergleichbar ist, ob ein Taxifahrer in Berlin ein Restaurant empfehlen kann oder in Salzburg z.B., das wage ich zu bezweifeln.

Zufälligerweise konnten gerade in Berlin 5 Fahrer nur schlecht Englisch und – o Wunder! – 8 bzw. 6 Fahrer keine Sehenswürdigkeiten und Restaurants empfehlen. Ich vermisse hier zumindest den Denkansatz, dass da ein Zusammenhang bestehen könnte.

Ich kann die Forderung nach besserer Ausbildung der Fahrer nur unterschreiben, ein bisschen Realismus würde ich von den Prüfern allerdings auch erwarten. In Berlin existieren schon hunderte Hotels und tausende gastronomische Einrichtungen, die zumindest gefühlt ihre Besitzer, Namen und Standorte wechseln wie Hygienebeauftragte ihre Gummihandschuhe. Dabei nicht den Überblick zu verlieren, welcher Chefkoch gerade wo das Essen versalzt und entsprechende Empfehlungen parat zu haben, grenzt wahrscheinlich schon für Salzburg an enzyklopädisches Wissen – und Salzburg hat nur beinahe die Größe eines einzelnen Berliner Bezirks.

Wenn man sich ein bisschen tiefer in die unangenehm verschachtelten Ergebnisse und Forderungen des Taxi-Tests einliest, dann wird z.B. klar, dass sie bei 220 Fahrten „nur“ bei 21 ein K.O.-Argument gefunden haben, das es wert war, eine ganze Kategorie mit 0 Punkten zu bewerten – wobei ich immer noch einen Hinweis vermisse, ab wie viel Umweg, bzw. Mehrkosten es z.B. zu einer solchen Wertung kam. Nach wie vor sind auch die nur als PDF vorhandenen „Info-Grafiken“ nahezu wertlos oder wenigstens durch den ein oder anderen Fehler versaut. Klaus hat hier ja schon drauf hingewiesen, dass z.B. die Pflicht, einen Fahrerausweis mitzuführen gestrichen wurde. Ich weiss nicht, warum, finde es auch nicht sonderlich toll – aber Minuspunkte für die Nichteinhaltung einer nicht mehr gültigen Regel dürfen einfach nicht vergeben werden.

Das Endergebnis ist das übliche: Es hängt fast immer vom Fahrer ab! Na was für eine Überraschung…

Für den ADAC scheint der Taxi-Test eine angenehme Möglichkeit zu sein, sich kundennah zu geben. Zum einen ist dabei einmal mehr eine Ansammlung an (glücklicherweise?) gelegentlich bestätigten Vorurteilen herausgekommen. Siehe hierzu den ersten Satz zur Methodik:

„Jeder kennt sie aus eigener Erfahrung: Taxifahrten, die alles andere als ein Vergnügen sind.“

Diese wurden ausstaffiert mit großen Worthülsen wie „GPS-Gerät“ und „Mystery-Shopper“ verarbeitet in kleine Alltagsanekdoten, die für sich gesehen episodisch bleiben und garniert mit zusammengegoogelten Fakten, die bis zur Unbrauchbarkeit verwässert wurden, einen Taxi-Test ergeben, der dem Taxikunden überhaupt nichts im Alltag bringt. Aber überall verlinkt wird. Wie hier.

 

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Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Papa Immobil

Ein nicht ganz reales Gespräch…

„Guten Abend, brauchen sie ein Taxi?“

„Aha, Unfall. Ich verstehe. Mit dem Glaskasten dahinten? Kommen sie vom Karneval und haben sich als Schneewittchen verkleidet?“

„Tut mir leid! Ich meinte ja nur wegen dem Kleidchen.“

„Nein, ich hab sie nicht für eine Frau gehalten. Um Gottes Willen! Obwohl der Lidschatten und die Klunker am Kleid ja…“

„Gott beleidigen? Ich bitte sie. Ach, der Stock kostet aber einen Euro extra. Den krieg ich so nicht in den Kofferraum. Da müssen wir uns sowieso überlegen, wie wir den verstauen. Nicht, dass mir noch die Scheiben rausfliegen. Können sie da ihre Mütze drüberziehen?“

„Mir egal wie die heißt, falls sie was anderes dabeihaben um es etwas abzudämpfen, wäre es ja auch ok. Sowas wie Kondome, bloß dicker eben.“

„Was haben sie denn plötzlich gegen Kondome? So sehr solten sich sich in ihrem Alter aber nicht mehr aufregen! Is ja gut! Dann vielleicht einfach festhalten?“

„Wie, sie wollen winken? Sie haben sich hier schon einen denkbar schlechten Platz ausgesucht, um im Nachthemd umherzutapsen. Sehen sie mal, die Leute zeigen schon alle auf sie!“

„Wer sind sie? Aha, der 16. Naja, mein Nachbar nummeriert seine Katzen auch nur durch.“

„Nein, ich wollte sie nicht beleidigen. Aber bitte, sie wollen mitten in einer Menschenmenge ein Taxi anhalten, haben nur ein Hemdchen an und eine Waffe dabei. Sie reagieren empfindlich auf meine Nachfragen und ich weiss nicht, von welchem Trachtenverein sie kommen, aber für mich sieht es aus wie eine Mischung aus Gespensterkostüm und Kukluxklan-Outfit. Beides nicht mein Ding. Wo soll es eigentlich hingehen?“

„Zum Olympiastadion? Wer spielt da heute? Wollen sie so zu Hertha oder wie?“

„Ja das kostet gut 15 Euro. Sagen sie mal, ihr Hemd hat doch gar keine Taschen, oder?“

„Wie? Is klar: Die Merkel zahlt das, wenn wir da sind? Sowas irres hab ich echt noch nie gehört. Sorry, da suchen sie sich mal einen anderen, sie Spaßvogel!“