Erstaunlich emotionslos (1)

Ich bin beim Thema Taxikosten sensibilisiert. Natütlich weiß ich besser als die meisten, wie gerade noch so angemessen unsere Dienstleistung bezahlt ist, aber auf der anderen Seite weiß ich ja auch, dass niemand gerne mal 30 Euro oder mehr liegen lässt, um einfach nur in einer Großstadt mit gutem ÖPNV von A nach B zu kommen.

Und dann war da die Kundin, deren Nagellack sicher Spuren in meinem Auto hinterlassen hat (ich hab’s ernsthaft nicht kontrolliert, das gebe ich zu), als ich an ihrer Adresse ankam, niemand da war, dann zum Wenden anfuhr und sie hinter einer geparkten Karre vorsprang, um mich eben mit den Fingernägeln aufzuhalten.

Aber ok, immerhin war die Kundin da!

Sie nannte mir eiskalt eine Adresse in locker 25€ Entfernung und bat mich dann, nochmal eine Runde um den Parkplatz zu drehen. Sie suchte offenbar nach einem Auto, aber ich will mich in die Story nicht reinsteigern Sie hat währenddessen viel russisch mit jemand anders am Telefon gesprochen, ich hoffe mal, es war nicht wegen mir.

Die Fahrt verlief weitgehend schweigend, dann kamen wir an der Zieladresse an, wo sie mich aus heiterem Himmel fragte, ob ich vielleicht kurz warten könne. „Höchstens drei Minuten!“. Sie wolle klingeln, ggf. jemanden anrufen, aber im Falle der Erfolglosigkeit weiter mit mir fahren. Na denn!

Da wir am Arsch der Welt in Mahlsdorf waren, war ich auch froh, dass sie die Fahrt erst einmal bezahlt hat und das nicht unter sehr fragwürdigen Bedingungen ablief. Ich hätte mir die Wartezeit natürlich bezahlen lassen können, aber eine Anschlusstour von hier war viel zu verlockend. Zumal ich im Falle eines nicht erneuten Wiederaufkreuzens nur drei Minuten verloren hätte, das Starten einer komplett neuen Tour – eventuell bis zurück zur Startadresse! – mir aber ein sattes Plus von mehr als sieben Euro beschert hätte …

Und so kam es dann auch: Sie kam zurück und nannte mir ein neues Ziel in Tiergarten. Was nach den 26 Euro bis dahin noch einmal 37 weitere bedeutete.

Und ja, sie war es, bei der die Sache mit den Plakaten passiert ist. Und sie war es auch, die es ernstlich geschafft hat, bei insgesamt 63,60€ auf der Uhr nur 40 Cent Trinkgeld zu geben, aber sei’s drum, so ist das Leben halt.

Am Ende war ich ja doch froh, dass ich sie fahren durfte, so ehrlich will ich sein.

2 Kommentare bis “Erstaunlich emotionslos (1)”

  1. DrAnubis sagt:

    Bin gespannt ob es noch einen zweiten Teil geben wird

  2. Sash sagt:

    @DrAnubis:
    Nicht mit ihr. Ich hatte einen anderen geplant, ihn aber dann erst einmal nicht fertig geschrieben, den nächsten dazwischengeschoben und inzwischen weiß ich nicht mehr ganz sicher einen mache. Wir sind also beide ähnlich gespannt. 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: