Netter Versuch …

Im Gegensatz zu den zwei Touren davor waren die beiden Typen zwar eher etwas unangenehm, aber man muss ja als Dienstleister nicht mit jedem kuscheln. Ich hatte beim Auftrag zu der Absturzkneipe eigentlich eher einen Stammkunden erwartet, der seine kurze Tour gerne überdurchschnittlich gut bezahlt. Aber gut, nun zwei andere angetrunkene Kerle. Sie hatten eigentlich einen super Abend mit reichlich Bier hinter sich und waren trotzdem einfach nur unglücklich. „Weil’s so’ne Kneipe findeste ja nüscht mehr, nirjens!“

Also ich bin da halt mehr so der Typ, der sich freut, wenn er in einer guten Kneipe landet und dann eben genau nicht meckert, dass es „überall sonst“ nicht so toll ist.

Aber gut, es war also nur so mittel gute Stimmung, aber wie wir wissen: Es könnte schlimmer sein.

Und am Ende wurde ich regelrecht überrascht. Auf der Uhr standen 15,70€ und der zerknirschte Typ reicht mir einen Zwanni und meint gönnerisch:

„Machen wa zwanzig.“

Ich hab seinem Kumpel links aus dem Auto geholfen (Kindersicherung) und war beim Wiedereinsteigen etwas verwundert, dass der andere sich seither nicht bewegt hatte. Ich hab ihn fragend angeblickt, woraufhin er meinte:

„Ick krieg ja wohl noch Jeld.“

Wenn man mich fragt, dürfte man das mit dem Trinkgeld gerne mal standardisieren. Denn ja: Es gibt Leute, die so Dinge wie „Dann sind hier 20.“ sagen und damit meinen, dass ich den Rest behalten soll, andere hingegen wollen mir damit nur den Wert des Scheins (falls ich ihn nicht kenne?) erläutern und erwarten centgenaues Rückgeld. Und ich gebe weder gerne Trinkgeld zurück, noch möchte ich gerne als potenzieller Abzocker dastehen, wenn ich es einfach einstecke und das dann nicht so gemeint war. Aber er hatte doch eindeutig …

„Sorry, Ich dachte, Du hättest ‚Machen wir 20‘ gesagt!“

„Jaja, machen wa zwanzig, aber’ch hab Dir’n Fuffi jejehm!“

Mit dem billigen Trick kriegt man mich eigentlich nicht. Auch nach bald 10 Jahren folge ich immer noch dem Tipp einer Kellnerin, die bezahlten Scheine bis zum Abschluss des Such- und Wechselvorgangs NEBEN das Portemonnaie auf meinen Schoß zu legen. Ausnahmen passieren manchmal in Fällen wie hier, wo sich das gegebene Geld mit dem Gesamtbetrag deckt und der Bezahlvorgang damit abgeschlossen ist. Auch dann selten, aber hier bin ich ja z.B. gleich aufgesprungen, um die Tür zu öffnen. Mal abgesehen dass das Licht im Auto sehr hell ist und darauf achte, was ich bekomme, war das dieses Mal einfach:

„Nein, das war ein Zwanni!“

Er packte kurz theatralisch seinen Geldbeutel raus:

„Willste mir verarschen?“

Das Problem war:

„Pass mal auf! Im Gegensatz zu Dir hab ich überhaupt keinen Fuffi im Portemonnaie!“

Er hat dann nach meinem nur sehr kurzen Zeigen geknirscht „Na, dann gib ma halt fünf …“ gesagt, worauf ich ihm aber gleich ins Wort gefallen bin:

„Mit ein bisschen Glück kriegste genau die 4,30€, die ich hier abgezählt in der Hand halte, klar?“

Er hat sie genommen und ist gegangen.

Nun ist das nervig und in Anbetracht der Tatsache, dass das ein gängiger Trick ist, war ich ernsthaft am Überlegen, ob ich ihn nicht vielleicht doch überreden sollte, mir das Restgeld besser dazulassen, wenn er keine Zeit für Beamtenbesuch hat, aber da er es wirklich kein zweites Mal auch nur versucht hat und ich auch keinen Bock auf Ärger hatte, war mir das egal.

Was ich hier unter uns sagen kann: Selbst wenn er mir einen Fuffi gegeben hätte, wäre der ohne dass er es gemerkt hätte nicht mehr im Portemonnaie gewesen, denn Fuffis packe ich da gar nicht erst rein, die brauche ich als Wechselgeld quasi nie. Aber seht das bitte nur als unterhaltenden Hinweis, wie schnell ich den Vogel losgeworden bin. Er hatte mir einen Zwanni gegeben und ich habe auch jetzt zuhause keinen einzigen Fuffi in der Tasche. 😉

 

10 Kommentare bis “Netter Versuch …”

  1. Wahlberliner sagt:

    Ohje, was gibt es doch für Idioten….erst großzügig Trinkgeld versprechen, nur um sich dann als Betrüger herauszustellen, WTF? Das ist doch ein echtes Armutszeugnis! Wie erbärmlich…! Oder, um es mit jemandem, der mindestens ebenso erbärmlich ist, zu sagen: „So sad…“

  2. Daarin sagt:

    Ich muss leider sagen, ich hatte schon den umgekehrten Fall. Ich bin mir immer sehr sicher was ich wem gebe, ich passe da genau auf, aber die Kassiererin im Supermarkt wollte mir nur auf 20 Euro rausgeben obwohl ich ihr 50 gegeben habe. Als sie es dann Ewigkeiten nachzählen musste um zu dem Ergebnis zu kommen dass sie einen Fehler gemacht hat und ich dann doch mit der Stimme (und nur damit) etwas nachdrücklicher geworden bin, alleine weil ich zehn Minuten auf sie warten musste, ist sie auch noch patzig geworden und hat mir sehr laut gesagt ich solle sie doch nicht so anschreien. Es waren zwei Freunde mit mir im Laden, eine davon hat gesagt sie ist auf diesen Teil der Geschichte erst aufmerksam geworden als die Dame anfing zu schreien-

    Ich muss allerdings auch sagen, hätte ich mich tatsächlich geirrt, das Trinkgeld hätte ich dir doch nicht abgenommen…

    Ach ja… die Ansage du sollest ihm 5€ rausgeben ist kein Versuch dich zu betrügen?

  3. Aro sagt:

    Ich habe mir schob lange angewöhnt, bei allen Scheinen deutlich zu sagen, was das für einer ist. Falls sich jemand wirklich mal irrt, fällt ihm das auf (ist schon vorgekommen).

  4. Sash sagt:

    @Wahlberliner:
    Ich musste schmunzeln … 🙂

    @Daarin:
    Ach, er hat halt grob nach dem Fahrpreis geschielt, mir erscheint meine Antwort da deutlich genug.

    @Aro:
    Das ist mir noch zu stressig. Das ist jetzt ja auch der vielleicht zweite Fall in zehn Jahren.

  5. mm. sagt:

    Erst ein großzügiges Trinkgeld (zum fetten Betrugsminus), aber nachdems aufgefallen ist, alles an Wechselgeld (plus n Bissl mehr, kann man ja versuchen) zurückfordern? Was für ein dreistes Arschloch.

  6. Sarmy sagt:

    Man, ich muss gestehen ich würde da Schweißausbrüche bekommen! Wie beweist man das nun wirklich, wenn der Fahrgast sehr sicher ist… wie klärt man sowas? Ich meine Polizei rufen bringt nichts, was sollen die machen? Jeder 50er könnte ja vom Fahrer selbst sein. Echt gut reagiert das man beweist das man gar keinen 50 Euroschein besitzt.

  7. Marco sagt:

    @all: Ja, entweder war er wirklich sehr dreist, dass er nach fehlgeschlagenem Betrugsversuch noch das eigentlich schon gegebene Trinkgeld zurückgefordert hat.

    Da ich aber ein großer Fan von Hanlons Rasiermesser bin, halte ich auch – ich betone auch, selbstverständlich ist auch die unglaubliche Unverschämtheit möglich, vielleicht sogar wahrscheinlicher – für möglich, dass er nach wie vor überzeugt war, einen Fuffi gegeben zu haben. Als er dann aber von Sash das Portemonnaie ohne Fuffi gezeigt bekam, sah er keine Möglichkeit mehr, zu seinem Recht zu kommen und er fühlte sich, ohne dass er genau wusste, wie es geschehen konnte, über den Tisch gezogen. Und dann wollte er eben nicht zusätzlich zu den 30€, um die er sich betrogen fühlte, auch noch Trinkgeld geben.

    Nur eine alternative Möglichkeit, den Vorgang zu erklären.

  8. Sash sagt:

    @mm.
    Oder ein besoffener Idiot. 😉

    @Sarmy:
    In diesem Fall wäre ich das erste Mal bereit für eine Durchsuchung gewesen.
    Und mal im Ernst: Panik ist da wirklich unangebracht. Es geht im allerschlimmsten (!) Fall um 30 verlorene Euro. Und das ist nicht so trivial, wie es klingt. 30€ sind eine Menge Geld für mich, für dich, für viele Leute. Aber wegen 30 Euro ist noch keiner gestorben, hat keiner Insolvenz anmelden müssen oder sein Leben beenden. Mal abgesehen davon, dass selbst im sehr unwahrscheinlichen Fall eines Rechtsstreits (den ich wegen sowas eher nicht anfangen würde – ergo: 30€ zahlen) hätte man ja noch mindestens eine 50-50-Chance (Da ich das Geld angeblich bereits hatte: Stichwort Beweislast beim Kläger).
    Das ist das Gleiche wie mit den Überfällen: Was ich nicht alles für panische Kollegen habe, die welche Waffen und Strategien auch immer haben, während ich mir denke, dass der höchste fucking denkbare Verlust der einer einzigen Schicht sein könnte. Das ist nicht toll und natürlich würde ich je nach Situation entscheiden, wie ich reagiere – aber der höchste anzunehmende Schaden ist lächerlich und kein Grund, sich übertrieben Sorgen zu machen.

    @Marco:
    Das entspricht ziemlich genau meiner Einschätzung.

  9. Hans Olo sagt:

    Ich hab das auch immer so gemacht wie du. Den Schein erst in die Geldbörse gepackt wenn ich ohne Fahrgast losgefahren bin.

    Probleme gab’s eigentlich nur zwischen Zehnern und Fuffis, weil die nachts im funzeligen Autolicht schon mal für Besoffene gleich aussehen können.

  10. Sash sagt:

    @Hans Olo:
    Wie man sieht: Ich mache Ausnahmen. Aber hey, bisher ist es immer gutgegangen. 🙂

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