Trau Dich!

Menschen gibt es bekanntlich in unglaublich hoher Zahl und alle benehmen sich unterschiedlich komisch. Wir verhalten uns alle komisch, manche eben mehr und manche weniger. Und ein Spezialgebiet im Komisch-Verhalten ist eindeutig das Heranwinken eines Taxis. Nicht ohne Grund hab ich vor einiger Zeit einen Artikel darüber geschrieben, der so satirisch war, dass selbst Journalisten ihn nicht wirklich geblickt haben

Und so fuhr ich gestern an einem Mann mit etwas zerzaust wirkender Frisur vorbei, der an der Straße stand – mit einem Berg Gepäck. Ich sah ihn fragend an, er sah verstört aus und zurück und dann war ich auch schon vorbei. Naja vielleicht hatte er ein Taxi bestellt oder wartete auf jemanden. Dann wurde vor mir plötzlich ein Arm gereckt, ich hielt und hatte wenige Sekunden später die Information, dass meine eben gewonnene Kundin die Frau des reglosen Gesellen an der Kreuzung war, den wir doch bitte noch einsammeln sollten.

Kein Problem, aber verstanden hab ich es nicht wirklich. Gut, er schien fast kein Deutsch zu können, aber dann hätte er seine Frau ja immer noch zu sich winken können. Ja, man kann Taxis einfach so heranwinken und wir beissen auch nicht! Im Gegenteil: Wenn wir mal jemanden an der Angel haben, haben wir auch ein Interesse daran, eventuelle Kommunikationshürden möglichst schnell zu überwinden 🙂

Was dann folgte, war eine unspektakuläre Tour von knapp drei Kilometern, bei der ich mich nur noch kurz rückversichert habe, dass sie nicht eine andere Straße meinten. Gerade aufgrund des auch bei ihr nicht perfekten Deutschs befürchtete ich eine Verwechslung, die aber nicht gegeben war. Ab da war das seltsamste das laute Jammern der Katze, die endlich aus ihrem Korb raus wollte, den der Typ auf dem Schoß hatte. Aber für „laute Miao von Katze“ hab ich letztlich meine 80 Cent Trinkgeld bekommen, also was soll’s?

10 Kommentare bis “Trau Dich!”

  1. Tk sagt:

    Auch immer wieder schön :“Sind Sie frei ? “ nachdem man 2 Stunden als erster irgendwo rumstand . Meine Antwort darauf immer :“Nein bin verheiratet“.
    Und auf die Frage wo solls denn hingehen? Kommt auch oft das lustige „nach Hause“. Da kann man nur antworten „zu Dir oder zu mir? Kundschaft ist schon oft sehr putzig im Verhalten.

  2. Sascha sagt:

    Ich frage vorher jeden Taxi Fahrer ob er frei ist!

    Viele sind nämlich scheinbar ganz besonders schlau: Nimmst du nicht das erste Taxi aus einer Reihe oder erscheint einem die Tour zu unlukrativ, so macht der Fahrer auf einmal Pause oder wartet auf einen Kunden.

  3. elder taxidriver sagt:

    Das war für mich immer eine der härtesten Herausforderungen, auf die Frage ‚Sind Sie frei?‘ , siehe oben , k e i n e
    irgendwie lustige Antwort zu geben., sondern ‚Ja bitte, gern‘ zu sagen . Das mit dem verheiratet, traf nicht zu und fiel
    mir leider auch nicht ein. Einmal einfach den Gast respektieren.. fällt schwer, kann ich bezeugen.

    Und was das Winken betrifft, das Schönste ist immer, wenn man jemand erblickt, von dem man ‚weiß‘:
    Der braucht ne Taxe, aber dem ist das noch nicht so klar. Also langsam passieren und siehe da, schon hat man
    ‚gegriffen‘.

  4. Bernd K. sagt:

    Zitat „aufgrund des auch bei ihr nicht perfekten Deutschs“ Hach, was für ein Genitiv! 🙂

    Das mit dem „komisch verhalten“ liegt ja vor allem im Auge des Betrachters. Und am schönsten ist es, wenn man sich synchron oder rückblickend betrachtet und schmunzeln oder lachen muss.

    @elder taxidriver
    Die Diskussion ‘Sind Sie frei?’ hatten wir hier schon mal. Ist in der Regel doch nur ein netter Versuch mit minimalen geistigen Unkosten nicht ungefragt in ein fremdes Auto einzusteigen.
    „Der braucht ne Taxe, aber dem ist das noch nicht so klar.“ Das kenne ich auch aus meinem Leben als gelegentlicher Fahrgast. Die Überlegung (blitzschnell oder als Endlosschleife) „laufen, auf Bus warten, Taxi nehmen…“ Da ist dann ein freundlich winkender oder fragender Taxifahrer als Entscheidungshilfe nicht schlecht 😉

  5. Aro sagt:

    Ich frage ja den Busfahrer auch nicht, ob er frei ist, wenn er an der Haltestelle hält.
    Auf jeden Fall wäre das ein Thema für MAD! (Die Zeitung, nicht den Geheimdienst!)

  6. Bernd K. sagt:

    @Aro: mach doch mal! 🙂

    Ich gebe zu, am z.B. Bahnhof, wo sich meist mindestens ein halbes Dutzend Wagen die Räder eckig stehen, ist das weniger intelligent. Aber etwa an der Halte beim Rathaus meiner Stadt, wo nur sporadisch ein Taxi zu sehen ist und ich nicht sicher sein kann, ob er vielleicht bestellt ist oder sich gleich einen Döner gegenüber holen will, da würde ich schon mal fragen.

  7. Michi sagt:

    … er sah verstört aus und zurück

    Die Passage musste ich dreimal lesen, bis ichs begriffen hab 😀

  8. Sash sagt:

    @Tk:
    Ja, so ist das halt. Wir sind für die Kunden manchmal aber sicher ähnlich durchschaubar. 😉

    @Sascha:
    Die Ausreden hab ich bisher noch nicht gehört. Aber ich glaub’s unbesehen 🙁

    @elder taxidriver:
    So ging es mir in dem Moment auch und ich hab nur darauf gewartet, dass vielleicht die Hand ganz kurz zuckt oder er mir kaum merklich zunickt – aber da kam nix! Der war echt ein harter Brocken 🙂

    @Bernd K.:
    Wie ich bereits an Tk schrieb: Die Kunden sehen uns manchmal sicher auch so …

    @Aro:
    Ach was, die Sind-sie-frei-Frage hat nationale Priorität. Da geht es vielleicht um Drogen im Trinkwasser oder so. Monster-Verschwörung – da sollten sich alle Geheimdienste drauf konzentrieren 😉

    @Michi:
    Die war auch als Stolperstein gedacht. Aber ich fand es so am schönsten ausgedrückt und hab mich schon auf solche Rückmeldungen gefreut – weil es ja schon eine, vorsichtig ausgedrückt, seltene Formulierung ist 🙂

  9. Blogolade sagt:

    Der Artikel in der NOZ ist …ohne Worte… 😀

    „Sind Sie frei?“ ist sicherlich ein nicht gelungener Versuch, ein Gespräch, und sei es nur über das Fahrtziel, zu beginnen. Ich überlege gerade, wie ich einen Fahrer am Taxistand ansprechen würde und vermutlich käme da auch ein „sind Sie frei?“ oder „können Sie mich nach XY bringen?“ raus.

  10. Sash sagt:

    @Blogolade:
    Ist normal. Und hat sich auch eingebürgert. Ist auch nicht so, dass ich den Kopf schüttel, wenn jemand das fragt. Es ist nur von so einer hintergründigen Absurdität, dass man gelegentlich lachen muss, wenn man sich überlegt, dass man unfreiwillig eine Stunde irgendwo rumstand und dann stellt jemand diese Frage …

    Und die NOZ … naja, lieb gemeint, aber ironiebefreit.

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