Noch weiter!

OK, ganz ehrlich: So richtig in Schwung gekommen ist der Februar noch nicht und auch die Fahrgäste waren bisher, vorsichtig ausgedrückt, etwas blaß. Kurz ums Eck, Smalltalk, fertig. Das motiviert natürlich auch nur so mittel. Insbesondere wenn man als Nicht-mehr-Raucher schon aufgrund der Langeweile droht, rückfällig zu werden.

Deswegen kommt die Fahrgast-Story des Tages auch von einem Kollegen. Die Kundin muss man sich seinen Erzählungen nach nicht besonders auffällig vorstellen, sie wollte in eine Hauptstraße in einem südöstlichen Stadtteil. Nummer 60. Der Kollege tat seinen Dienst und war höchst erfreut, an der Straße vor Nummer 58/59 eine Haltebucht zu finden, insbesondere, da hinter ihm bereits eine Straßenbahn am Horizont aufkreuzte. Daraufhin rief die Kundin aber prompt:

„Nein, nein, nicht hier! Das ist noch weiter!“

Und natürlich fuhr der Kollege los. Was die Planer hier nicht alles mit den Hausnummern versemmelt haben … und vor der eigenen Haustür kennen sich die Kun …

„HAAALT! HIER!“

Beim Erzählen blickte der Kollege mich und zwei Kollegen über die Brillengläser hinweg an:

„Von hier bin ick jefahr’n und dann vielleicht bis … zu dem Pfosten da …“

und zeigte auf eine der Stützstreben des Ostbahnhofs, keine 6 Meter entfernt.

Sicher gehört es zum Job, die Kunden bis vor die Tür zu bringen. Andererseits ist das dann wieder so ein Fall, wo es am Ende heißt, dass wir Taxifahrer uns im Verkehr wie Idioten verhalten. Ich stell mir den nun blockierten Tramfahrer vor, wie er gesehen hat, dass das Taxi vor ihm aus einer Lücke fährt und dann nach 10 Metern auf den Schienen  anhält. Da muss man den Fahrer ja  für bescheuert halten. 🙂

PS: Und bevor jemand auf die selbe Idee kommt wie ich: Ich hab den Kollegen gefragt: Keine Gehbehinderung, kein Gepäck, noch nicht mal fortgeschrittenes Alter.

27 Kommentare bis “Noch weiter!”

  1. Taxi4wat sagt:

    Leider kein Einzelfall.
    Und du kannst sicher sein, wenn du nachts in einer engen Straße stehst, in der stundenlang kein Auto fährt: wenn dein Fahrgast mit Karte zahlen will und eine Quittung braucht, kommt garantiert einer, der mit seinem TöffTöff vorbei will.

  2. Och. Bei uns fahren die Leute mit dem Auto am liebsten bis in die Schiebetür. Bloß keinen Meter zu viel laufen! Und das sind normalerweise nicht die schwerstkranken oder bewegungseingeschränkten Patienten/Kunden…

  3. W. Örthersee sagt:

    Das erinnert mich an den Witz von der Dame die beim Arzt ihren unregelmäßigen Stuhlgang beklagt, worauf der fragt:

    ‚Wie ist es denn so?‘ Und sie:
    ‚ Mal um halb vier , mal um vier‘.

  4. Manne sagt:

    Im Grunde kann man da als Fahrer nur noch durchladen!!!

  5. Der Banker sagt:

    Moh, da krieg ich ja die Krise!

    Ich fühl mich am besten heimgebracht, wenn der Taxler auf einem Streifen vor 20m vor dem Haus ne Lücke findet, wo er sich hinräumen kann, damit ich in Ruhe das Geld zusammenkramen kann, Börse wieder verstauen, losschnallen, Tasche aufklauben und aus dem Auto stemmen… natürlich auch idealerweise genau vor der Tür, aber wenns halt nicht geht…

  6. Sash sagt:

    @Taxi4wat:
    Ach klar, wir sind ja die, die die einsamen Einbahnstraßen mit dieser Anziehungskraft erst beleben. 😀

    @gedankenknick:
    Ist ja von der Sache her auch ok. Ich lade die Leute ja auch nicht irgendwo in der Wildnis aus. Bei einer explizit praktischen Haltebucht ein paar Meter vor der Tür sind es aber im Normalfall die Kunden, die das wissen und einen darauf hinweisen, dass das praktisch wäre.

    @W. Örthersee:
    Besser als gar keine Info.

    @Manne:
    Trifft auf deinen Kommentar leider auch zu.

    @Der Banker:
    Und da bist Du auch nicht alleine. Deswegen fand ich die Story auch wirklich verschärft. Weil sie so dermaßen an jeder Form von Zusammenleben vorbeigeht. 😉

  7. Mausflaus sagt:

    aber vielleicht stöckelschuhe…. oder angst im dunkeln.

  8. pantherpaul sagt:

    Also, es gibt da (zumindest für den Ortskundigen) die freundliche Frage: „Ist es Ihnen recht, wenn ich Sie hier rauslasse,
    hier haben wir gerade einen Parkplatz?!“ Hilft in den meisten Fällen.

  9. KaBo sagt:

    Ich nehm mir ein Taxi für teuer Geld, weil ich bis vor die Haustür gebracht werden will und nicht bis da, wo der Fahrer am schönsten halten kann.

    Nicht umsonst dürfen Taxis auch in zweiter Reihe halten

  10. Django sagt:

    @KaBo
    Das erinnert mich an den schwertrunkenen Fahrgast, der mich nach längerer Fahrzeit auf den freundlichen Hinweis hin, daß wenn ihn das zunehmend aufdringlichere Piepen stören würde, sich das leicht durch Anschnallen lösen ließe, vom Beifahrersitz angröhlte: „NEEE, WIESO? ICH ZAHL DOCH!!“ (Außerdem versuchte er die ganze Zeit vergeblich, sich eine Zigarette zu drehen, glücklicherweise waren wir bevor er das auf die Reihe kriegte schon am Ziel, dem inzwischen schon lange geschlossenen „Alptraum“ (Zielangabe beim Einsteigen: “ INN ALPTRAUUUMMM!!!“) angekommen, ansonsten hätte er sie 100% im Taxi gezündet…. Achso, unterwegs mußten wir kurz am Straßenrand anhalten und sein Kumpel steigt aus, bleibt in der geöffneten Tür stehen und pinkelt auf den Bürgersteig… Ich hab keinen Hund, aber kam mir in dem Moment irgendwie wie ein Hundehalter vor…. Naja, aber der Kunde ist ja König und zahlt ja auch teuer Geld und so…

    Und tatsächlich genau wie Du schreibst, dürfen Taxis nicht „umsonst“ in zweiter Reihe halten, habe dem Ordnungsamt schon einen netten Betrag zahlen dürfen, weil sie es unangemessen fanden, daß ich auf ein paar Minuten vor der Haustür auf meinen Fahrgast warten mußte, der seine krebskranke Oma aus der Wohnung holen wollte…. Die Polizei findet das auch öfters total genial und hilft im Zweifelsfall mit, daß Du nicht „umsonst“ in zweiter Reihe stehst…

  11. gedankenknick sagt:

    @KaBo:
    Jupps, wer zahlt hat recht! Privatversicherte brauchen auch nie ein Rezept, weil sie ihre Medis ja sowieso selber voll bezahlen… Wie, das Gesetz sieht das anders? Aber wer die Kohle hat..! Gell?

    Übrigens ist ja bekanntlich der Kunde der König. Aber schon mehrere (Ex-)Könige haben feststellen müssen, dass es zu Revolutionen kommt, wenn man als König zu sehr über die Stränge schlägt.

  12. Taxi 123 sagt:

    Wenn der Weg bis zur Haustür kürzer ist, braucht der Fahrer auch nicht soviel Zeit bis zur Tür! Evtl. noch die Treppe rauftragen und oben noch einen Kaffee trinken ist natürlich aufwändiger…

  13. ArmchairLawyer sagt:

    @Django: Warum wehrst Du Dich nicht? Wenn sich die Situation so zugetragen hat, wie Du sie schilderst, war das Knöllchen ungerechtfertigt und daher anfechtbar. Wenn Du natürlich irgendwelche entscheidenden Details weggelassen hast (z.B. dass Du mit dem Privatauto statt mit dem Taxi unterwegs warst, oder Du nicht einfach nur „in 2. Reihe“ gehalten hast, sondern die komplette einspurige Einbahnstraße dicht gemacht hast …)… tjoa.

    Siehe z.B. http://www.verkehrsportal.de/board/index.php?showtopic=8231

  14. Django sagt:

    @ArmchairLawyer

    Hmm, Danke für den Link, vielleicht ist der in Zukunft mal nützlich, in dem Fall war der nette Betrag zum Glück nur ein mittlerer zweistelliger, was wiederum, genau wie bei einer entsprechenden Fehlfahrt (z.B. Kunde haut ab oder erweist sich unterwegs als unzurechnungs- und nicht zahlungsfähig), bedeutet, daß mir die Lebenszeit, die ich aufwenden müßte, um mir diesen Betrag (eventuell) zurückzuholen oder auch nur „Recht“ zu bekommen, in diesem Fall zu schade ist, bzw. verdiene ich mehr wenn ich mich diese Zeit ins Taxi setze… Ärgerlich ist es trotzdem…

  15. Joern sagt:

    Wir wissen nicht, ob es wirklich nur 6m waren (die Erinnerung des Fahrers, gerade beim Geschichten-Erzählen, wird wie bei jedem anderen auch zu Über- oder Untertreibungen) oder vielleicht eher 20m. Und wir wissen auch nicht, ob der Dame klar war, warum der Fahrer da angehalten hat (Verkehrsbehinderung, Tram usw.), ob sie überhaupt auf Strassenverkehr achtet, oder z.B. mangels Führerschein auch gar kein Auge für sowas hat.

    Ich halte das so wie KaBo: Wenn der Fahrauftrag bis Haus Nr. 60 lautet (und ich mangels Ortskenntnis nicht selbst einen sinnvollen Haltevorschlag mache), dann finde ich es nicht zuviel verlangt, wenn der Fahrer mich entweder auch dahin fährt.

    Oder wenigstens erklärt (manche Fahrer fragen sogar, „ist das ok?“), dass er bei 58 anhält, weil das vom Halten besser ist, weil er dann besser wenden kann, weil xyz. Tut er das nicht, sondern hält kommentarlos „irgendwo“, dann denke ich mir schon „na toll, schönen Dank auch“. (Auch wenn es sicherlich kleinlich wirkt und mir zu albern wäre, ihn die paar Meter noch fahren zu lassen).

    Wo zieht man da die Grenze – sonst könnte der Fahrer ja auch einfach den nächsten fußläufig erreichbaren Taxistand anfahren, weil das für ihn praktischer ist?!?!

    Aber ok, ich bin auch ab und zu betrunken und Privatpatient. Vermutlich habe ich da ein völlig überzogenes Bild von Kunde-ist-König, jedenfalls, wenn man so manchen Kommentar hier liest

  16. @Joern

    Vermutlich habe ich da ein völlig überzogenes Bild von Kunde-ist-König…
    Gemäß dieser Äußerung hast Du das wahrscheinlich nicht, im Gegensatz zu dem Kommentar von @KaBo, zumindest so wie ich ihn verstanden habe.

    Wo zieht man da die Grenze…?
    Das ist genau der Knackpunkt. Denn die Grenze kann man ja nicht nur in eine Richtung ziehen, sondern auch in die andere. Der Leistungsbezahler möchte sicherlich so viel als möglich für sein Geld – das ist auch legitim. Der Leistungserbringer möchte aber sicherlich auch nicht illegal handeln für die Bezahlung, und DAS sollte ihm der Leistungsbezahler zugestehen. Oder?

  17. MsTaxi sagt:

    [i]Der Leistungserbringer möchte aber sicherlich auch nicht illegal handeln für die Bezahlung, und DAS sollte ihm der Leistungsbezahler zugestehen. Oder?[/i]
    Nichtz nur zugestehen, sondern sich bewusst sein, dass er nichts verlangen kann, was illegal ist. Geschwindigkeitsüberschreitungen, weil ich morgens verpennt habe, Halten in Feuerwehreinfahrten, weil es für mich bequem ist etc., sind halt nicht drin, fertig.

  18. Joern sagt:

    Aber an welcher Stelle der Geschichte oder der Kommentare zB von KaBo wird denn hier was illegales verlangt?

  19. MsTaxi sagt:

    @KaBo geht davon aus, dass Taxis vor jeder Haustür zum Zwecke des Be- und Entladens in zweiter Reihe halten dürften. Dem ist aber nach Par. 12, Abs. 4, Satz StVO in dieser Absolutheit gar nicht so, mithin mag es illegal sein, der Einstellung eines Kunden „Ich will direkt vor der Tür aussteigen“ zu genügen.

    Bsp.: Bei uns will sich die Stadtverwaltung die Erlaubnis zum Einfahren in die Fußgängerzone außerhalb der Lieferzeiten, um Personen mit Schwerbehindetenausweis abzuholen, vergolden lassen durch einen jährlichen Obolus. Seitdem kriegen Arztpraxen außerhalb der Lieferzeiten erklärt, „Taxi vor die Tür und Person etwa aus Praxis abholen, ist nicht mehr, beschweren Sie sich bitte bei der Stadtverwaltung.“

  20. @MsTaxi:
    „Verlagen“ kann man vieles. Ich kann z.B. verlangen, dass ein Taxi mich mit Überlichtgeschwindigkeit befördert. Ich bezweifel aber schwer, dass z.Z. irgendein Taxifahrer weltweit das schafft. Nicht mal mit uber-natürlichen Möglichkeiten. Deswegen erwarte ich das als (Taxi-)Kunde auch nicht wirklich. 😉

    @Joern:
    Ich bin so frei, @KaBos Aussage nochmal gekürzt wiederzugeben: Ich [bezahle] teuer Geld, weil ich [etwas] will und nicht [nur das, was der Bezahlte machen] kann. 1a schwarz-weiß. Wir waren alle nicht dabei, aber ich bezweifel jetzt mal, dass die StVO eine Ausnahme für Taxis macht, wenn es um das (bewußte) Herbeiführen einer Gefahrensituation im Straßenverkehr geht. Leider beantworte ich aber SW-Aussagen nicht mit differenzierter Argumentation, sondern einfach mit SW-Gegenaussagen. Finde ich trotzdem fair. 😉

    Bist Du selber ein „Leistungserbringer“? Wirst Du regelmäßig aufgefordert, illegal zu handeln, und damit Deine Berufserlaubnis zu riskieren? Ich schon – durchaus auch aus lauteren Motiven. Trotzdem kann ich dafür mein komplettes Berufsleben verlieren, was den Anfragenden meist gar nicht bewußt ist. Wenn ich es dann erkläre ernte ich im Schnitt nur Unverständnis – man verlange doch gar nichts schlimmes von mir und da könne ich doch mal ein Auge zudrücken, ist ja nur EIN MAL. Jo, solche Anfragen habe ich je nachdem zwischen 1x in drei Tagen und 6x an einem Tag.

    Mich würde interessieren, ob @KaBo auch bereit wäre, die Strafe für sein von ihm durch Bezahlung erkauftes – gegebenenfalls strafwürdiges – Verhalten zu übernehmen. Gewöhnlicher Weise wird durch „Kunde=König“ dann aber argumentiert: Das hätte der Leistungserbringer aber (besser) wissen müssen. Dafür bin ich ja nicht verantwortlich, dass der Leistungserbringer sich nicht an die Gesetze hält. Ich bin doch nicht Schuld, wenn ich sage „Mach dies und das!“ und das ist dann illegal, wenn der das WIRKLICH macht! Wo zieht man da die Grenze?

    @Problem:
    Im übrigen bin ich der Ansicht, dass der §1 StVO auch außerhalb des Straßenverkehrs viel mehr Anwendung finden sollte. Wichtig zu beachten dabei ist das Wort “ gegenseitige „.

  21. W. Örthersee sagt:

    Gestern Nacht im Gesetzestext

  22. Joern sagt:

    Mir fehlt sicherlich die Erfahrung eines Taxifahrers bei der Beurteilung einer durchschnittlichen Haustüre. Wenn ich mir meine eigenen Wohnungen der letzten Jahre, aber auch Freunde usw. vor Augen führe, kann man durchaus bis vor die Haustüre gefahren werden, ohne dass der Taxifahrer verbotswidrig in eine Fußgängerzone einfahren und eine Feuerwehrzufahrt und eine Einbahnstraße blockieren muss.

    Von daher lese ich in seiner Aussage immer noch keine Aufforderung zu irgend was illegalem raus?!?! Und ich sehe auch auf den konkreten Fall bezogen keine zwingend illegale Handlung (der vorausschauende Fahrer hätte in der Lücke ja einfach warten und die Tram durchlassen können)?!?!

  23. @Joern:
    Wenn ich mir meine eigenen Wohnungen der letzten Jahre, aber auch Freunde usw. vor Augen führe, kann man durchaus bis vor die Haustüre gefahren werden, ohne dass der Taxifahrer verbotswidrig in eine Fußgängerzone einfahren und eine Feuerwehrzufahrt und eine Einbahnstraße blockieren muss.
    Scheint keiner an einer Hauptverkehrsstraße zu wohnen. Scheint keiner zur Hauptverkehrszeit nach Hause zu kommen. Die Geschichte mit den Äpfeln und den Birnen? Vielleicht sind aber auch alle Straßen und Haustüren gleich (gut erreichbar), und ich wußte das bisher zumindest nicht.

    Ich gehe schwer davon aus, dass der Fahrer einen guten Grund gehabt hat, verkehrsbedingt zwischen 5 und 25m von der fraglichen Haustür entfernt zu halten. Der Fahrgast hat dann (laut Anekdote) gemeint, die Hausnummer sei noch (wesentlich) weiter entfernt – was in Berlin bei der zum Teil völlig chaotischen Hausnummernführung gerade an Hauptverkehrsstraßen kein Wunder sein muss. Also scherte der Fahrer wieder in den fließenden Verkehr, weil ihm suggeriert wurde, es wäre noch eine größere Entfernung bis zur avisierten Hausnummer. Dabei wartete er NATÜRLICH NICHT auf eine ganz besondere Verkehrssituation, sondern achtete auf den fließenden Verkehr. 5-25m später wurde ihm gesagt: „Halt, hier!“ An dieser Stelle konnte er nicht mehr verkehrssituationsgerecht halten, er blockierte den fließenden Verkehr und (unter Bezug auf die Tram) könnte man das sogar als „Herbeiführen einer Gefahrensituation“ interpretieren.

    der vorausschauende Fahrer hätte in der Lücke ja einfach warten und die Tram durchlassen können Genau das hat der Fahrer ja versucht, als er in die Haltelücke einscherte. Dann wurde er aufgefordert, (wesentlich) weiter zu fahren. Ein vorausschauender Fahrer versucht dann, am potentiell weit entfernten Zielpunkt eine ähnlich günstige Haltemöglichkeit vorausschauend zu finden. Dabei rechnet der vorausschauende (und nicht etwa der hellsehende) Fahrer wahrscheinlich nicht damit, dass der Zielpunkt ca. 5-25m hinter seiner vorausschauend sinnvollen Haltestelle liegt – in einem Bereich, den er vorausschauend wahrscheinlich als „nicht sinnvoll zum Halten“ betrachtet haben dürfte… Deswegen wäre es sehr schwer gefallen, „die Tram einfach durchzulassen.“ Zumal – in diesem Zusammenhang – der werte Fahrgast wohl bei länger 30s Abwartezeit (zum Durchlassen der Tram) angemerkt hätte, dass der Fahrer hier ja gerade nur unnütz in der Gegend rumsteht und das Taxameter trotzdem weiterläuft. Unabhängig von allen diesen Argumenten und des weiteren unterstelle ich mal, dass der Fahrer, hätte der Fahrgast Gepäck gehabt, dieses dem Fahrgast über die 5-25m zu befördern gern geholfen hätte – da gehe ich mal von Sash als Vergleich aus. 😉

    Also zusammengefasst: Der Fahrer hat genau DEINER Forderung nach vorausschauender Fahrweise erfüllt, als er 5-25m vom Zielpunkt entfernt den fließenden Verkehr verließ, um den Fahrgast sicher für alle (Fahrgast, Fahrer und div. andere Verkehrsteilnehmer) aussteigen zu lassen. Die alternative Forderung ist dann also, lieber die letzten 5-25m zu fahren, um dann verkehrssituationswidrig und unter Gefährdung diverser Verkehrsteilnehmer den Fahrgast aussteigen zu lassen, da es einem Fahrgast (ohne Geheinschränkung und ohne Gepäck) natürlich nicht zugemutet werden kann, ca. 5-25m zu Fuß zurückzulegen, um alle Verkehrsteilnehmer (inc. des Fahrgasts) vor einer Gefahrensituation zu schützen. Vor dieser Logik kapituliere ich mal und ziehe meine Mütze…

  24. Joern sagt:

    @gedankenknick:

    Nur zur Klarstellung: Ich unterscheide sehr wohl zwischen dem Fall, um den es hier geht, und der allgemeinen Aussage „ich zahle für das Taxi mehr als für den Bus, dafür will ich auch, dass es mich vor die Haustüre fährt“.

    Der Fall, um den es hier geht, ist entweder a) unnötig kleinlich/albern/dreist, sich die paar Meter noch fahren zu lassen (wenn es Absicht war), oder b) dumm gelaufen (vielleicht hat die Dame die Entfernung einfach nur falsch eingeschätzt).

    Beides hätte der Fahrer aber durch Kommunikation vermeiden können. Ich frage mich gerade, wie das Anhalten ablief – Schweigen? Aus heiterem Himmel „Macht 16,80 Euro“? Bei einem halbwegs freundlichen Fahrer würde ich denken, dass er (alleine schon als Überleitung aus der Stille heraus, wenn vorher keine Unterhaltung stattfand) sowas wie „so, wir sind im Prinzip da, ich halte ein paar Meter vorher, weil … – macht dann 16,80 bitte“ oder so sagt.

    Bei der allgemeinen(!) Phrase „bis vor die Haustüre“ bleibe ich dabei, dass das ein legitimer Anspruch des Kunden ist, der mit Anstiftung zum Blockieren von Rettungswegen und Gefährden und sonstigem Illegalen nichts zu tun hat. Und der darum in den meisten Fällen auch grob erfüllt werden kann (und wenn der Fahrer das nicht kann, dann wenigstens eine Erklärung liefert).

    Aber nun gut, wahrscheinlich lebe ich (und die Taxifahrer, die mich mehrfach auf Hauptstraßen tagsüber vor der Tür abgesetzt haben, ohne dass davon die innere Sicherheit gefährdet wurde) einfach in einer anderen Welt als Du. Das hätte mir bei Deinem Vorurteil über Privatpatienten schon auffallen müssen…

  25. @Joern:
    Ich denke, wir sind gar nicht so weit auseinander, wir betrachten das ganze nur aus konträren Blickwinkeln. Kommunikation kann helfen – volle Zustimmung – aber tut es leider nicht immer. Das sage ich als Mensch, der regelmäßig von denjenigen Menschen nach bereits 2 Worten im Satz unterbrochen wird, die mich vorher gebeten haben, ihnen komplizierte Sachverhalte zu erläutern. Muss nicht so laufen, tuts manchmal aber leider doch.

    Übrigens, mein Vorurteil gegen Privatpatienten trifft z.B. mich selber, ich bin (auch) einer… 😀 Aber das ganze funktioniert z.B. auch bei Frauen mit „der Pille“ oder bei gesetzlich versicherten Patienten mit Codeintropfen gegen Reizhusten: Wieso brauche ich denn da ein Rezept, die muss ich doch sowieso voll bezahlen! Hätte ich jedes mal für diesen Spruch einen € bekommen, würde ich Dir ne Taxifahrt bis vor Deine Haustür spendieren.

    Aber am Rande – wohl nur die wenigsten Taxi-Fahrgast-Anekdoten werden für so eine (verallgemeinerte) Diskussion zwischen uns sorgen; so wie die allermeisten privat und auch gesetzlich versicherten Patienten die Reihenfolge Rezept -> Arzneimittel spielend beherrschen. Insofern wünsche ich schon mal ein auf der Straße vor der Haustür verkehrsruhiges Wochenende. 😉

  26. Martin sagt:

    Ich (seit 17 Jahren Taxler in Wien) verweise in solchen Situationen gerne auf das dort herrschende Halteverbot.
    Gruß nach Berlin!

  27. @Joern:
    Na bloß gut, dass ich mit dieser Bloggerin nicht (mal) bekannt bin:
    https://aponettesplauderei.wordpress.com/2017/02/11/geben-sie-mir-das-schon-mal-vorab/
    https://aponettesplauderei.wordpress.com/2017/02/13/oberfrech/

    Und dass diese Einträge nach unserer Diskussion stattgefunden haben ist ein – wohlgemerkt für mich – lustiger Zufall. Aber scheinbar bin ich nicht der Einzige mit solchen Problemen… 😉

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