Ortskunde bei Fahrgästen

Zwei Touren heute:

Tour 1: Ostbahnhof bis S-Bahnhof Hohenschönhausen.

„Bitte bring mich da irgendwie hin, ich wohn‘ erst seit kurzem in Berlin, da in Hohenschönhausen – und ich hab keinen Plan, wie ich da hinkomme und wo ich hier überhaupt bin.“

Tour 2: S-Bahnhof Hohenschönhausen bis Osloer Straße im Wedding.

„Wenn wir da sind, kann ich dir zeigen, wo ich genau hin will, aber ich hab keine Ahnung, wo ich gerade bin und in welche Richtung ich muss!“

Ich hab an meiner Ortskunde zweifelsohne noch ein paar Jahre oder Jahrzehnte zu feilen. Unter den Taxifahrern steche ich sicher nicht heraus, da will ich nicht angeben oder irgendwelche Lügen erzählen. Ich hab mich neulich erst wieder verfahren und demütig die Uhr ausgemacht, als ich es gemerkt hab – aber auch ohne das würde ich mich nicht einreihen wollen in die Riege von Vollidioten, die sich selbst Unfehlbarkeit attestieren. Aber gegenüber den Fahrgästen merkt man dann doch sehr schnell, was man mit dem Lernen auf die Ortskundeprüfung tatsächlich für eine Qualifikation erworben hat. Das jetzt – mit so bekannten Zielen – ist da sogar ein schlechtes Beispiel, aber es war so auffällig bei zwei direkt aufeinander folgenden Touren.

17 Kommentare bis “Ortskunde bei Fahrgästen”

  1. Sam sagt:

    Ich habe nie verstanden, wie man in einer Stadt wie Berlin nicht zurück finden kann. Dass ich irgendwo ohne Hilfe nicht hin gefunden habe ist mir auch schon passiert. Aber mit ein bisschen herumirren findet man immer einen Bus o.ä., der zu einer S-Bahn-Station führt und einmal im S-Bahn-Netz sollte man schon wissen, wo man ungefähr hin muss. So habe ich schon in der 2. Klasse vom Zoo/Aquarium nach Ahrensfelde gefunden (sehr zum Ärger meiner Klassenlehrerin, die mich natürluch IM Aquarium gesucht hat, ich dachte halt die wären schon zurück gefahren…^^)

  2. Simon sagt:

    Ich lese bei dir immer, dass alle Taxifahrer, bevor sie in Berlin auf die Straße dürfen, eine umfangreiche Ortskundeprüfung bestehen müssen. Wenn du dann mal eine Adresse nicht kennst, dann ist das irgendeine kleine Straße weiter draußen, aber bei manchen Kollegen frage ich mich, ob sie die Prüfung wirklich selber abgelegt haben oder nicht etwa ihr Bruder oder Onkel oder niemand…
    Vor zwei Monaten wusste mein Taxifahrer nicht, wie man von der Ecke Danziger-/Greifswalder Str. zur Jannowitzbrücke kommt. Das finde ich seltsam!

  3. Sash sagt:

    @Sam:
    Naja, ich würde aus meiner Sicht als Großstadtkind schon zustimmen. Aber in den meisten Städten wäre Hohenschönhausen irgendeine Nachbarstadt, die halt ans S-Bahnnetz der größeren Stadt angegliedert ist. Und wenn man dann von Kumpels mal mitgenommen wird und überraschend alleine heim muss, obwohl man erst kurz dort wohnt …

    @Simon:
    Naja, das ist aber auch eine Wahrnehmungsfrage. Würde ich hier alle Touren in Spandau und Steglitz niederschreiben, würde ich wohl in 80% der Fälle das Navi erwähnen. Da komme ich vergleichsweise selten hin und für Kollegen von Dort kann die Jannowitzbrücke ähnlich ungewohnt sein. Ich fass mir bei dem Gedanken auch an den Kopf, aber ich könnte dir gerade in Steglitz keine S-Bahn-Station und in Spandau keine einzige Bar nennen.

  4. sb sagt:

    Wenn es sich mal wieder ergibt, kann ich dir den S und U-Bahnhof Steglitz mal zeigen 😉 Mit Lichterfelde ist es schon komplizierter, da gibt es Ost, West und Süd, auch noch an zwei verschiedenen Linien. Den meisten Taxifahrern sagt meine Straße was, aber ich merke immer, wenn ich Südkreuz mir ein Taxi nehme, dass die sich oft detaillierter auskennen. Aber bei der Größe Berlins ist das auch verständlich.

  5. sb sagt:

    Ach ja, ich habe auch große Lücken, insbesondere im Osten, aber im Südwesten kenne ich mich ganz gut aus. Und solange ich eine S- oder U-Bahnstation finde, komme ich auch problemlos nach Hause.

  6. ednong sagt:

    Nun ja,
    du übst den Beruf des Taxifahrers aus. Und der schließt eben nicht nur das Autofahren ein, sondern auch das finden von Zielen, die die Fahrgäste/Kundschaft nennt.

    Von daher finde ich eine Ortskundeprüfung schon sinnvoll, auch wenn es Navis gibt. Aber die können auch mal ganz krude irgendwas berechnen oder sich vertun, weil falsch hinterlegt – oder auch mal keinen Empfang der Satelliten haben. Und da sollte sich der Fahrer schon auskennen – wenn auch nur grob. Allerdings – ein nur: ja, wir sind in Berlin wäre dann ein wenig zu grob. 😉

  7. Ana sagt:

    Es reicht ja schon ein wenig Gewöhnung. Ich finde mich in Berlin zurecht, weil ich den BVG-Plan quasi auswendig kenn. Straßennamen oder vor Ort Himmelsrichtung sind absolut unlösbar, wenn nicht irgendein Bauwerk da steht das wieder auf den BVG-Plan verweisen kann.

    Die einen fahren Auto, die anderen eben BVG/Taxi. Ist doch auch ganz schön.

  8. chris sagt:

    Muss da Simon teilweise zustimmen.

    Letztens wusste ein Taxi am Ostbahnhof nicht sicher, wo das Upstalsboom ist.

  9. elder taxidriver sagt:

    Amt für Statistik Berlin Brandenburg

    Geöffnete Beherbergungsbetriebe in Berlin im Jahr 2013: 799 ( siebenhundertneunundneunzig)
    davon Hotels: 225
    Gasthöfe: 7
    Pensionen: 96
    Hotels garnis: 307
    Übrige Beherbergungsbetriebe: 164

  10. Anubis sagt:

    Als Kunde würde ich zumindest gar nicht so mit offenen Karten spielen um die zwei drei schwarzen Schafe die es nun mal gibt kein Futter zu geben

  11. chris sagt:

    @elder taxidriver

    Wenn man am Ostbahnhof steht, dann sollte man das Upstalsboom kennen.

  12. elder taxidriver sagt:

    Natürlich ’sollte man‘ das Upstalsboom kennen, wenn man am Ostbahnhof steht.

    Upstalsboom grüßt den Rest der Welt

    Ich wäre interessiert zu wissen wie viele ’sollte man‘-Fahrtziele es summa summarum für den Ostbahnhof gibt..

    Und wie viele ‚ sollte man‘ es für die anderen hundert oder zweihundert Halteplätze gibt.

  13. Sash sagt:

    @chris:
    Da muss ich nun wiederum elder taxidriver zustimmen:
    Ich denke, wir sind uns ja alle einig, dass mehr Ortskunde immer besser ist als weniger Ortskunde. Aber die Logik „Wenn man bei X steht, muss man Y kennen“ bedeutet, dass man alles kennen muss. Wir wohnen ja nicht an den Halteplätzen – selbst wenn man wie ich oft zum selben Stand fährt. Das Upstalsboom war als ich die Prüfung gemacht hab Teil des Ortskundekatalogs. Ob es das noch ist, weiß ich nicht. Wenn nicht, ist es halt ein recht unscheinbares Hotel fernab großer Hauptstraßen. Wenn wir die Anforderung wirklich zwingend stellen, dann darf ich mich an den meisten Halten nicht hinstellen, weil es bestimmt überall im Umkreis von einem Kilometer irgendeine „wichtige“ Einrichtung gibt, die ich nicht kenne – die aber jeder Anwohner für den Nabel der Welt hält, weil „das weiß man doch“.

  14. elder taxidriver sagt:

    Ich kenne wirklich Taxifahrer, die aus Angst in ihnen fremder Gegend mit Straßen-Unwissen ‚erwischt‘ zu werden, jedesmal in ‚ ihre‘ Bezirke wieder zurückfahren.

    Ein Maurer hat sich mal bei mir beschwert, dass ich in Waidmannslust eine Straße nicht kannte weil das ja mein Beruf sei und meinte, er würde alles wissen was seinen Beruf betrifft.

    ( Was er nicht wusste, ist, dass über die Hälfte aller Zivilprozesse in Deutschland Pfusch am Bau zum Thema haben..)

  15. @ Elder Driver:

    O, da muss ich grad schmunzeln, so gehts mir ein bisschen auch – ich meide den Bezirk Bremen-Nord wie der Teufel das Weihwasser. Seit meiner Ortskunde, hab ich schon fast alles vergessen. Liegt aber daran, dass man den Nordteil der Hansestadt, nicht wirklich zu Bremen zählen kann – Also klar, formell ist es Bremen und es liegt auch in Bremen…aber das ist so eine eigene Stadt in Bremen. Von restlichen Bremen will auch da so gut wie keiner hin…

  16. elder taxidriver sagt:

    Schmunzeln ist ok, steckt an..

    Wenn ich irgendwo war wo ich mich nicht so auskannte habe ich den einsteigenden Fahrgästen manchmal sofort zugerufen ‚Ich bin hier nur auf der Durchreise, bitte alles ansagen!‘. Fanden die ganz gut, wenn ich mich recht erinnere..( ‚So, wo kommen sie denn her?..)

  17. metro sagt:

    Jeder hat so seine Lieblingshalte. Beim Kollegen von mir wars Danzig/ Greifswald (da konnte er immer in seine eigene Bude glotzen und seine Alte überwachen). Der hieß bei uns auch nur Herr Danzig/Greifswald.
    Ich selbst stand gerne Adlon, wegen Bundestagsfahrten und der guten Aussicht…

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