Was ist eigentlich Fußball?

Also gleich vorweg: Was ich hier schreibe, bezieht sich keineswegs nur auf Fußball, sondern eher auf Sport im Allgemeinen. Und ich will auch niemandem sein Hobby madig machen, es hinterlässt mich jenseits aller bissigen Ironie tatsächlich ratlos.

Es war das Wochenende des Pokalfinales und ich verrate jetzt am Morgen sicher niemandem zu früh, dass Bayern verloren hat. Im Taxi ergab sich dieses Wochenende schnell die Frage:

„Und, für wen sind sie?“

„Eigentlich interessiert mich Fußball gar nicht so sonderlich …“

„WAAAS? Ja also nee, ohne Fußball könnt‘ ick nich leben!“

Und hey, ich hatte es mit BVB- und Bayern-Fans zu tun und entgegen der landläufigen Meinung von Fußball-Fans auch gar keine blöden, aggressiven oder sonstwie schlimmen Zeitgenossen. Antipathie kann ich mir nur sehr begrenzt unterstellen lassen, dennoch frage ich mich, ob die Welt eigentlich noch alle Latten am Zaun hat, wenn ich mich hier rechtfertigen muss, weil ich keinen Lieblingsverein habe.

Fußball ist zweifelsohne ein geiler Mannschaftssport, aber ebenso wie bei vielen anderen Sportarten komme ich nicht umhin, mich zu langweilen, wenn ich anderen Menschen dabei zusehen muss. Ich stelle es mir zwar toll vor, als Stürmer der Nationalelf ein Tor zu schießen oder als Rennfahrer ein Rennen zu gewinnen – aber was bitte hab ich davon, dass andere das tun?

Ich meine, ich kann mich gut in andere Leute reinversetzen. Das können sogar virtuelle Personen aus Romanen oder Filmen – ja sogar Computerspielen – sein. Aber Profisport mit ständig wechselnden Leuten? Wie kann man es fertig bringen, Menschen zu hassen, weil sie für eine gegnerische Mannschaft spielen, um sie anschließend zu bejubeln, wenn sie in „den eigenen“ Verein wechseln?
Was sollte mich dazu bringen, „für meine Heimat“ zu jubeln, wo doch alle Protagonisten heute hier und morgen dort spielen, und die meisten mit der Stadt, deren Trikot sie tragen, gerade mal eine Summe auf dem Gehaltsscheck und vielleicht drei einstudierte Antworten für die Pressekonferenz verbindet?

Ich hab noch nicht einmal was dagegen, all diese lästigen Fragen zu umgehen und zu sagen, dass Fußball ja letzten Endes auch eine Art Kunst ist, ein virtuoser Umgang trainierter Menschen mit einem Sportgerät. Aber mich ereilt da immer das Problem, dass ich im Grunde dann doch den Besseren den Sieg gönne – und das vermiest einem den Spaß am Spiel auch gewaltig, weil echte Euphorie nunmal nur aufkommt, wenn man einer bestimmten Truppe den Sieg von ganzem Herzen gönnt.

Ich versuche das manchmal bei Weltmeisterschaften, aber selbst wenn die recht zufällig ausgewählte Mannschaft (bei der letzten WM hab ich Uruguay genommen, unter anderem, weil ich es eindrucksvoll fand, dass das Land durchschnittlich mehr Internetbandbreite hat als wir hier in Berlin) am Ende gewinnt, ist das irgendwie nur dünn. Da kribbelt es mehr bei mir, wenn ich erfahre, dass dank Bildblog mal eben 8.000 Menschen einen Text von mir gelesen haben.

Wie gesagt: Ich gönne ja allen ihre Freizeitgestaltung und meine Interessen decken sich natürlich (und ganz offensichtlich) auch nicht mit einer Mehrheit. Aber wieso bewegt so ein Sportereignis so ungemein? Wenn ich beispielsweise sage, dass dieses oder jenes Kunstwerk mich irgendwie zutiefst berührt, dann weiß ich, dass damit irgendetwas aus meinem Leben angesprochen wird: Da hat jemand Worte, Bilder oder sonstwas gefunden, um einem Gefühl, das mir schon innewohnte, besser Ausdruck zu verleihen, als ich es könnte. Das kann es beim Sport aber doch kaum sein, oder? Geil – der hat den Ball genau so getreten, wie ich es mir vorgestellt hab!? Oder ist das so?

Ich meine: Feiern, saufen und mit guten Freunden ein paar Lieder gröhlen kann ich bei jeder WG-Party oder einem Konzert! Das macht zweifelsohne als wenig geistreiche Unterhaltung einen enormen Spaß, aber dazu braucht es keine überbezahlten Typen, die im Fernsehen auf und ab wuseln. Und im Gegensatz zu Lieblingsclubs kann ich einen Haufen Lieblingsbands haben. Im selben Genre, in derselben „Liga“, ja ich freue mich sogar, wenn sie was zusammen machen! Was bringt einen zu diesem Konkurrenz-Denken?

Mir ist klar, dass nicht immer „Hochkultur“ (was immer dieses blöde Wort aussagen will) sein muss. Mal feiern ohne nebenbei über wichtige Fragen aus Politik und Philosophie zu diskutieren, ist zweifellos nötig. Man muss auch mal den Kopf frei kriegen! Aber kann es sein, dass Sportler, Trainer, Vereine und all die anderen angeblich wichtigen Beteiligten dabei eigentlich nur ziemlich sinnloses Schmuckwerk sind, die im Grunde keine Sau interessieren müssten?

Oder mal noch tiefer gehend:

Muss man sich nicht eigentlich um Leute Sorgen machen, die behaupten, sie würden ihr Leben für einen Verein leben?

Natürlich hat jeder Interessen und Vorlieben, Idole und Vorbilder. Und alle haben eine Meinung zu diesem und eine Eistellung zu jenem. Aber was bewirkt, dass man sich verhältnismäßig „fanatisch“ mit Dingen beschäftigt, die sowohl für einen selbst, als auch kulturell keine wichtige Wirkung haben, die über die Angeber-Vitrine im Vereinshaus hinausgeht?

Wie gesagt: Da muss ich ernstlich passen.

Wäre schön, wenn die Antworten über „xy ist goilste, weil isso!“ rausgehen würden …

41 Kommentare bis “Was ist eigentlich Fußball?”

  1. Antara sagt:

    Ich bin nicht allein! Sash, Du wirst mir immer sympatischer. Ich kann auch nicht verstehen wie man sich so für ein Kinderspiel ausgeführt von überbezahlten Männer so begeistern kann.
    Und für mein Hobby muß ich mich immer wieder rechtfertigen, dabei bin ich im Gegensatz zum durchschnittlichen Fußballfan aktiv und kann selbst über den Verlauf entscheiden und lasse mich nicht nur berieseln. (Pen&Paper DSA)l

  2. Ich bin Fan von der Verlierermannschaft und ich kann der anderen sogar gratulieren, weil sie wirklich guten Fußball gespielt haben. Auch sterbe ich nicht, weil wir nicht Meister geworden sind. Was mir aber nie in den Schädel gehen wird, wie man so hasserfüllt und schadenfroh sein kann, wenn es nicht um die eigene Mannschaft geht.

  3. derschuki sagt:

    Ich kann dir nur 100% zustimmen. Vor allem, da das für mich kaum noch was mit Fußball zu tun hat. Da tritt der eine dem anderen auf den kleinen Zeh und es wird sich eine halbe Stunde in Position gewälzt damit die Kamera es gut einfängt. Und mal ehrlich: Da kriegt man Millionen aufs Konto für Ballspiele. Denen kann es doch egal sein ob sie gewinnen oder verlieren. Geld ist trotzdem da.

    Da seh ich mir, wenn, lieber Frauenfußball an. Die spielen noch des Spieles und des Ehrgeizes wegen. Und zumindest mein Gefühl sagt mir, dass bei den Frauen noch welche mit nem bißchen was in der Rübe sind. Bei den Kerlen hab ich das Gefühl, ohne Fußball stehen die stammelnd mit nem Sammelbecher in der Fußgängerzone. Zu oft nen Ball auf die Rübe bekommen.

    Allgemein bin ich kein großer Sportfan. Aber wenn, dann schau ich mir eher American Football an. Da ist das ganze Team gefordert, unheimliche Taktik dahinter und keiner heult wenn er mal von 120kg Lebendgewicht umgeklatscht wird. Beim letzten Superbowl hat einer mitgespielt der hatte nen angebrochenen Fuß. Tape drum, spritzen rein, fertig. Nen Fußballer läg doch erstmal 3 Monate flach.

  4. rr sagt:

    Kann Dir nur zustimmen. Hab nie verstanden, was die Leute dran finden anderen beim Fußballspielen zuzusehen.

  5. Ich sagt:

    also mir gefaellt halt das gemeinschaftsgefuehl. wenn man wm mit 5000 anderen guckt und alle mitfiebern und jubeln ist das halt einfach geil 😉

  6. Oni sagt:

    Jo, ich kann an Sportübertragungen allgemein und Fußball speziell auch nichts finden. Meist passiert bei Fußball auch einfach zu wenig. Aber selbst bei Sprtarten mit mehr Action wie Handball oder Basketball habe ich wenig Interesse anderen dabei zuzusehen. Höchstens gucke ich mal Snooker, weil da Billiard auf einem beeindruckenden Niveau gespielt wird. Länger als eine halbe Stunde kann mich das aber auch nicht faszinieren.

  7. Oni sagt:

    Ach ja, dass man als Fußball-Totalverweigerer immer der Aussenseiter ist, damit muss ich wohl leben. Wobei es durchaus eine große schweigende Minderheit gibt die nicht auf der Fußball-Welle mitschwimmt.

  8. Will Sagen sagt:

    Ich war gestern Abend um 20.20 Uhr im Kino. Ich weiß seitdem, dass es durchaus noch mehr Leute gibt, denen Fußball egal ist. Das Kino war gut gefüllt, allerdings die obere Theke im Kino der Kulturbrauerei nicht: Da hatte man wohl keinen freiwilligen mehr finden können.
    Auch der Taxifahrer, der uns von der Warschauer Straße nach Hause fuhr, da wohl nach dem Fußballspiel keine S-Bahn mehr auf der Stadtbahnlinie gen Osten vorankam, wusste nichts zum Ergebnis des Spiels zu sagen.
    Mir wäre ja Fußball egal, wenn er mich nicht beeinträchtigen würde. Z. B. im Radio: Radio1 hat die m. E. geniale Sendung „Escape – das digitale Leben“ zugunsten zwei weiterer Stunden dieser idiotischen Fußballübertragungen im Radio abgesetzt. Ich sag nur: Sabine Töpperwien: „Tor in Duisburg“. In diesem Sinne.

  9. Petra sagt:

    „Fan sein“ hat nichts mit wirklicher Logik zu tun. Wie so vieles im Leben nicht. Ich bin auch kein Fußball-Fan, aber gestern wurde einfach packender Fußball gespielt. Es hat Spaß gemacht zuzusehen.
    Ich könnte jetzt allerdings einen ebenso langen Post schrieben übers Saufen. Warum so viele Leute meinen, dass es das Höchste, Tollste, Geilste (ich hasse dieses „Goil, eh!“) ware sich bis zum erbrechenden Überlaufen des Magens jedes Wochenende zuzuschütten.
    Was ist an Alkohol so toll??
    Warum trinkt man, bis man nicht mehr vernünftig reden kann?
    Warum gibt man damit an, wieviel man verträgt?
    Warum muss man sich den Menschen gegenüber schön trinken, damit man dann überhaupt jemanden in die Kiste bekommt für Wochenende?

    Jungs – Wenn Ihr mir das vernünftig erklären könnt, ohne „XY ist goilste Stoff, weil isso“, … ;o))

  10. Wolfy sagt:

    Fußball ist… einfach Fußball. 20 Deppen rennen hinter einen armen, geschundenen Ball hinterher, der niemanden etwas getan hat und treten ihn für mind. 90Minuten quer über den Platz. Wenn er Pech hat, prallt er an Pfosten ab, wird von zwei anderen Deppen mitten in die anderen 20 Deppen geworfen, während andere Deppen der Ballquälerei auch noch zu jubeln.
    Verachtenswert! So aus Ballsicht.

    Nein im ernst: Fußball ist ein Buch mit sieben Siegeln. Und da kommen noch mal einige hinter her, sobald EM oder gar WM los geht. Ich finde dieses Gehipe in dieser Zeit fürchterlich – und man hört nirgends wo mehr was anderes. Selbst die Leute, die sonst kein Fußball schauen, springen auf, weil „es eben die WM ist!“ und reagieren mit Unverständnis, wenn man sich keine mind. 90 Minuten vorm Fernseher langweilen will.

    Nebenbei: das Gehipe um Droge Allohlol verstehe ich auch nicht. Zumindest nicht um den trinkbaren – bei medizinischen drücke ich ein Auge zu. Aber ich trinke ja auch nicht. 😉

    PS:
    Dafür schaue ich eben Boxen. Irgendwie auch dämlich, zwei großen Männern beim Gesichtermatschen zuzusehen. Aber da kommt dann eben das Tier in mir durch *hrhr*

  11. nadar sagt:

    Zumindest teilweise könnte dieses Verhalten von Eltern/$Vorbildern induziert sein.
    Momentan habe ich öfter Umgang mit einigen Drittklässlern, die sich von Zeit zu Zeit gegenseitig „ihre“ Fußballmanschaften madig machen. Ich glaube nicht, dass die Kinder das nach reiflicher Überlegung und Reflexion tun, sondern das Verhalten einiger Erwachsener aus ihrem Umfeld kopieren (meines garantiert nicht :P).
    Wenn dieses Verhalten verinnerlicht und für die nächsten paar dutzend Jahre nicht hinterfragt wird, hat man vermutlich einen durchschnittlichen Fan.

    nadar,
    dem Fußball auch wurst ist

  12. Lisi-lu sagt:

    Es gibt erstaunlich viele Leute, denen Fußball schnuppe ist. Wir haben gestern mit unserem kleinen Kaff-Musikverein ein Konzert gespielt und die Halle war voll (!).
    Ich finde es auch wesentlich besser über die eigene Leistung zu feiern als über die einiger überbezahlter Superstars.
    Ein nettes Zitat eines Bayernfans: „Gut das ich hier bin, daheim hätt ich mich eh nur aufgeregt“

  13. Bernd K. sagt:

    Sehe das ähnlich wie du.
    Interessant wieviele Fußballmuffel sich hier rumtreiben 😉

  14. Kira sagt:

    Hm. Da fühle ich mich als Fussballfänin, ja eine vom dem schwatzgelben Verein der gestern gewonnen hat, mal angesprochen eine Erklärung zu versuchen. Ich bin seit über 20 Jahren Fan. Wie ich dazu kam? Fussball war für mich als Ruhrgebietskind immer präsent. Und irgendwann ging ich mit zu einem Spiel… und mir hat es gefallen! Nein ich sterbe nicht wenn „mein“ Verein verliert. Auch nicht wenn ein andere gwinnt. Ich versteh diese „rituelle“ Feindschaft gegenüber anderen Vereinen nicht. Mit Fanatismus kann ich nie was anfangen – egal ob beim Sport oder anderswo. Leute die sagen sie leben für Ihren Verein haben auch in meinen Augen ein Rad ab. …und ich kenne einige davon. Warum also Fussball gucke oder Sport überhaupt? Es ist etwas, was ich nicht selber kann und auch nie können werde. Aber unheimlich gut finde. Also ist gucken für mich eine Ersatzhandlung? Wahrscheinlich. Gucken in der Gruppe ist ein Gemeinschaftserlebnis. Und als Rudeltier Mensch gefallen mit Gemeinschatferlebnisse, bei denen alle „mitfiebern“. Das Saufen und Rumprollen ist für mich dabei eine eklige Randerscheinung. Es gab Zeiten da fand ich meine Mannschaft auch unerträglich überdeutlich finanzorientiert – teure Diven einkaufen die keinen Bock haben zu spielen – hat den Verein ja auch fast ruiniert. Aber im Moment liefern die Jungs einfach nur eine tolle Leistung ab und ihre Freude am Spiel erscheint sehr ehrlich – sie machen Ihren Job klasse. Und das kann ich bejubeln. Sash – für eine klasse Leistung in egal welchem Job hat der Mensch ein Lob verdient. …und wenns auch noch unterhaltend geschieht dann schau ichs mir an und jubel ;-). Sollte ich also irgendwann in Deinem Taxi landen..bekommst Du von mir auch Applaus. bei guter Performance 🙂 Viele Grüße eine sonst stille Leserin

  15. Michi sagt:

    Bis vor einigen Jahren war ich auch noch Fußballfan. Irgendwann fand ich es aber nur noch langweilig.

    Ich kann es bis zu einem gewissen Grad verstehen, wenn man für einen Verein „brennt“. Wenn das aber so weit geht, dass man die Fans eines anderen Vereins abgrundtief hasst – und zwar nur aus dem Grund, weil sie eben Anhänger der „anderen“ Seite sind – hört mein Verständnis auf. Sport hat auch immer was mit Fairness zu tun, und Hass gehört da nicht mit hinein.

    Gibt es eigentlich irgendwelche ernstzunehmenden Zahlen, welcher Anteil der Bevölkerung sich wirklich für Fußball interessiert? Nach Medienpräsenz und Umsätzen gerechnet müsste hierzulande doch jedermann/frau fanatisch Fußball gucken. Ich bezweifle, dass dem so ist… Trotzdem wird allerorten ein Riesen-Spektakel darum veranstaltet. Ich habe nichts dagegen, wenn sich Leute dafür interessieren. Nur muss man damit dann gleich allen anderen Leuten auf den Nerv gehen?

    @Oni: Oh, noch ein Snookerfan 😀 Aber eine halbe Stunde lohnt doch gar nicht 😉 Ich liebe die stundenlangen Dramen, in denen es hin- und hergeht. Die WM kürzlich war daher Pflichtprogramm für mich.

  16. antagonistin sagt:

    Da hier von Diversem die Rede war: ich finde sowohl Fußball, als auch Saufen und Boxen grässlich. Sind in meinen Augen alles Events, bei denen die zuschauende, resp. trinkende Mehrheit damit beschäftigt ist, irgendwo zwischen Kontrollverlust und Dumpfheit die Errungenschaften der Zivilisation zu bekämpfen. Mehr als Unverständnis und Ekel löst das bei mir nicht aus. Und ja, ich bin davon überzeugt, das es nur einem winzigen Bruchteil der „Fans“ um den Sport an sich geht.

  17. Sash sagt:

    @Ich:
    Aber wie schaffst Du es, dich mit einer Mannschaft so zu solidarisieren? Dass es Spaß macht, wenn 5000 Leute das Gleiche Ergebnis wollen, ist mir schon irgendwie klar.

    @Petra:
    Wie gesagt: Dass Fußball auch schön sein kann, ist klar. Aber ohne das Versteifen auf eine Mannschaft macht es dann ja doch nur halb so viel Spaß. Und das Saufen? Alkohol ist eine Droge und wirkt direkt im Gehirn. Die sorgt quasi per Definition, dass man es gut findet. Ich nehme an, das ist die einzige wirklich gültige Erklärung. Aber trotz des ein oder anderen Vollrausches in meinem Leben verstehe ich einiges am Trinkverhalten anderer Leute nicht. Beispiele gibt es hier im Blog ja genug 😉

    @Kira:
    Jetzt müsste ich nur noch wissen, was gute Performance beim Taxifahren ist 😀

    @Michi:
    Ich finde das Wort Hass ein wenig zu stark. Mir geht es gar nicht um die ganz krassen Randerscheinungen. Mir fehlt tatsächlich der Grund, einer anderen Mannschaft (oder deren Fans) einen Sieg weniger zu gönnen, obwohl sie gut spielen …

    @antagonistin:
    Ich denke, damit tust Du schon einer Menge Leute unrecht. Ich finde die Idee von sportlichen Wettkämpfen eigentlich keine schlechte Idee. Ein bisschen besser als Krieg zumindest isses ja schon. 😉

  18. Ich sagt:

    das mit dem solidarisieren ist einfach: ich bin fuer die mannschaft mit den heissesten spielern 😀 und fuer deutschland, aber eigentlich nur, weil man das ja sein „muss“, wenn man beim rudelgucken spass haben will 😉

  19. Sash sagt:

    @Ich:
    Das kann ich beides (gut, ersteres vielleicht eher beim Frauenfußball 😉 ) nachvollziehen. Aber ich kann das wirklich nicht so einfach „weil muss!“. Wie gesagt: Ich weiß, dass es so mehr Spaß macht. Aber spätestens wenn die andere Mannschaft ein verdientes Tor schießt, denke ich mir immer: „Ja, gut. Musste wohl so sein!“
    Diese mehr oder weniger bedingungslose Liebe zu einer Mannschaft will sich bei mir nicht einstellen, ich betrachte das einfach (zu?) rational.

  20. doeble sagt:

    Jedem der Fußballfans nicht versteht kann ich die Lektüre von Nick Hornbys Buch Fever Pitch empfehlen, von ihm ist auch folgendes wie ich finde passendes Zitat.
    „Ich verliebte mich in den Fußball, wie ich mich später in Frauen verlieben sollte: plötzlich, unerklärlich, unkritisch und ohne einen Gedanken an den Schmerz und die Zerrissenheit zu verschwenden, die damit verbunden sein würden.“ – Fever Pitch. Ballfieber, die Geschichte eines Fans

    dieses Zitat hilft einem vielleicht auch noch zu verstehen was Fußball für die Fans bedeutet.

    „Fußball ist die Konzentration des Lebens auf 90 Minuten. Darüber haben Wissenschaftler wahrscheinlich schon ganze Bücher geschrieben. Das Leben ist so wahnsinnig normal, wir haben alle nicht viel Geld, es passieren viele schlechte Sachen und manchmal auch ein paar gute Dinge, man muss einkaufen, Rechnungen bezahlen, beruflich weg – aber in den 90 Fußballminuten ist das alles egal und alles möglich. Beim Fußball liefert man sich mit dem kompletten Geist einer Sache aus, von der man das Ende noch nicht kennt. Und wenn es gut läuft, wird man sich so sehr freuen, dass man es nicht mehr vergisst.“
    von Thees Uhlmann

  21. K.T. sagt:

    Im Grunde genommen ist es die spielerische Natur des Menschen, die in Fußball in Erscheinung kommt und mich so begeistert. Wenn irgendwo im Globus Leute gelangweilt herumstehen und einer einen Ball -egal welchen- herausholt, wissen alle sofort, was sie jetzt gemeinsam machen können. Im Spiel muss man dann überlegen, wie man sein Ziel erreicht und die sportliche Leistung kommt natürlich noch dazu. Wenn diese drei Elemente sich auf dem Top-Nieveau realisieren, macht das Zuschauen einfach riesen Spaß. Mir tun jedes Mal die Spieler leid, die nach dem Spiel eine tiefgehende Analyse vor den Kamereras liefern müssen. Sie siend echt nicht der richtige Menschentypus dafür. Sie sind clever, witzige Typen und keine, die mit einer durchgedachten Analyse ankommen. Deshalb haben diese Komiker auch mehr Frauen als wir analysierende Langweiler. Der nagelneue Porsche spielt hier wirklich nur eine untergeordnete Rolle. Und dass die Fans Idioten sind, dafür können die Spieler nun wirklich nichts.

  22. „Ich stelle es mir zwar toll vor, als Stürmer der Nationalelf ein Tor zu schießen oder als Rennfahrer ein Rennen zu gewinnen – aber was bitte hab ich davon, dass andere das tun?“

    DANKE!

  23. Klaus sagt:

    Wenn man in seiner Kindheit und Jugend selbst sportlich aktiv war, ergibt sich ein allgemeines Sportinteresse von ganz alleine. Irgendwann
    setzt man seine Schwerpunkte in seinen Lieblingssportarten. Und eine Lieblingsmannschaft ergibt sich dann automatisch und ist sehr oft regional
    bedingt. Oder familiär/sozial geprägt.
    Dieses Fanbashing untereinander ist auch mich unverständlich und ein Grund dafür, Fußballspiele nicht einem Stadion zu verfolgen.
    Exzesse wie dein Zitat: “WAAAS? Ja also nee, ohne Fußball könnt’ ick nich leben!”  kann es eigentlich nur geben, wenn der eigene Lebensmittelpunkt zu einseitig gewählt wird.
    Mal ’ne Frage in den Raum geworfen: Könntest du inzwischen
    ohne Internet leben?
    Zum besseren Verständnis für dich: Ersetze das Wort „Fußball“ einfach mal durch das Wort „Internet“.
    Dass Fansein einer Mannschaft auch ganz anders sein
    kann, zeigt doch mein Foto vom Samstag.

  24. Michael sagt:

    Wenn ich die Posts so durchlese, scheint es ja sehr schwer zu sein, das „Fan-sein“ zu definieren. Ich versuche ebenfalls mal eine Erklärung zu bieten:

    Zunächst geht es grundsätzlich darum, dass man sich für etwas begeistern kann. Ob das nun eine bestimmte Musikart / Band ist, oder ein Hobby, ob man sich gerne mit Kunst beschäftigt, oder stundenlang Computerspiele spielt…. Ich denke, jeder kann sich für etwas begeistern. Wenn also jeder mal in sich geht und sich selbst fragt, warum begeistert mich etwas bestimmtes, dann wird man schnell die Antwort finden, weshalb sich viele (ich eingeschlossen) für Fußball begeistern. Natürlich lässt sich das Hobby Musik nicht direkt mit Sport vergleichen, auch ob man selbst aktiv ist (Band, Verein,…), oder nur passiv ist (Konzerte besuchen,…), spielt natürlich auch eine Rolle.

    Aber grundsätzlich entwickelt sich eine „Begeisterung“ für etwas meist schon sehr früh und hat auch mit dem Lebenslauf und dem Umfeld eines Menschen zu tun (siehe Post von Kira –> Ruhrgebiet). Bei Musikgeschmack ist es ja ähnlich… das Umfeld, Kumpels, Freunde hören eine bestimmte Musikart. Wenn es einem selbst auch gefällt, kauft man sich evtl. ähnliche Musik, recherchiert zu gleichartigen Bands, besucht auch mal ein Konzert. Vielleicht schließt man sich irgendwann einem Fanclub an oder schreibt einen Blog zur Musik 🙂 Beim Fußball hat sich das bei mir schon im Kindergarten entwickelt. Da kannte man schon Spieler, Gegner und Ergebnisse. Irgendwann besucht man ein Spiel, kennt sich immer besser aus…. Aber kennt Ihr das nicht von Musik? Beim ersten hören gefällt ein bestimmtes Album evtl. noch nicht….nach und nach kann es sich aber entwicklen. Man hört Dinge heraus, die man plötzlich toll findet, während andere nur den Kopf schütteln (insbesondere bei HeavyMetal der Fall). Genauso beim Fußball. Auch als Fan gibt es unendlich langweilige Spiele, aber mit der Zeit kann man Spiele und Spielverläufe regelrecht „lesen“. Man kann sich dann auch für Spielzüge, taktische Vorgänge usw. begeistern. Wenn man dann auch noch Gleichgesinnte trifft, oft ja auch im Alltag, wie z.B. im Büro (Tippgemeinschaften, die „Spieltagsanalyse“ nach dem Wochenende, gegenseitiges necken, wenn der Kollege einen anderen Verein toll findet, usw.), dann verfestigt sich das „Fan-sein“ natürlich auch noch. Zudem ist die Stimmung im Stadion natürlich toll (vgl. Musikkonzert) und die regionale Verbundenheit (meine Stadt ist in Europa bekannt und anerkannt,…).

    Ich hoffe, ich konnte ganz grob eine Erklärung liefern und meine Begeisterung rüber bringen 😉

  25. Neon sagt:

    Ich finds schön, wie du den Fußballfals, trotz deiner nicht vorhandenen Zuneigung ihren Freiraum für ihr Hobby gelassen hat. Jeder kann feiern was er will (Ausnahmen!), solange er niemandem seinen Willen aufzwingen will. Schöner Beitrag!

  26. S-Man sagt:

    Danke Sash. Vielen Dank für diesen Artikel. Unterschreibe ich so komplett.

    Ich möchte gern meine Erfahrung in dem Bereich loswerden: Ich bin in Cottbus aufgewachsen, nach außen (meistens) Großstadt, doch eigentlich ein kleines Kaff, vor allem für Jugendliche. Kein ernstzunehmendes Kino (solange ich da wohnte) – erst nach Eingemeindung eines in einem Vorort. Jahrelang keine funktionierende Schwimmhalle und wenn man nicht auf Chartmucke und Flatrate-Saufen steht in der Regel kein weiteres Freizeitangebot.

    Nur Fußball. Rot-Weiß sieht man an jeder Ecke, jeder gröhlt, etc. Als Kind und Jugendlicher ist man stark beeinflussbar. Ich ließ mich damals mitreißen (anno 1997, damaliger Regionalligist knipst Bundesligisten im DFB-Pokal der Reihe nach aus und steht im Finale – dann erstmals als Zweitligist). Die Euphorie riss einen mit. Irgendwann saß ich vorm Radio und hab die Übertragungen gehört. Später mit T-Shirt und Fan-Schal und irgendwann war ich alt genug fürs Stadion. Die ersten Male im Stadion waren grandios – die Stimmung, die Gesänge, die Freude. Als Kind hab ich die Besoffenen wohl ausgeblendet. Es wurden Menschen zugejubelt, die ein Haus nebenan hatten. Alles Einheimische.

    Als dann die Professionalität mit dem Aufstieg in die 2. BL kam, wurde alles anders. Die Siege kamen nicht mehr häufig, es wurde rumgepöbelt, auf Menschen geschimpft, gern auf die Ausländer des Gegenteams. Die Augen bekam ich während eines bestimmten Ereignisses geöffnet. Ein ehemaliger Star der Cottbuser Mannschaft wechselte in ein Gegenteam, spielte mit und schoss ein Tor. Er wurde ausgebuht. War er früher im roten Trikot ein Held, war er jetzt ein Arsch. Dabei tat er genau das gleiche wie vorher. Früher wurde er für sein Können gelobt, jetzt gehasst. Das ging mir nicht in den Kopf rein. Wie Menschen sich so echauffieren konnten, nur weil das Trikot eben nicht rot sondern grün war.
    Das war das letzte Mal, dass im Stadion der Freundschaft war.

    Dazu kam der Punkt, den du ansprichst: Die ehemaligen, wirklich heimischen Spieler, bei denen man schon noch irgendwie sowas wie Lokalpatriotismus entwickeln konnte, verschwanden zugunsten von Osteuropäern mit unaussprechlichen Namen. Da war nix mit Lokalpatriotismus mehr. Die Spieler verband sicher nur wenig mit der Stadt, außer dem Vereinsvertrag. Irgendwann war der FC Energie Cottbus der Verein mit der höchsten Ausländerrate und die Menschen jubelten noch immer für „meinen Verein“. Doch was bejubelten sie? Ausländer haben die Menschen früher schon im Gegenteam aufs übelste beschimpft. Cottbuser gab es irgendwann nicht mal mehr in der Manager-Riege. Was taten die Menschen? Sie bejubelten Anonyme in den roten Trikots. Es ist egal, was da auf dem Platz passiert, solange einer was rotes anhat und das richtige Tor trifft. Wenn nicht, dann wird er doof angemacht.

    Und das war dann der richtige Grund, warum ich auch das Fußballwesen an sich nicht mehr leiden konnte. Ich war mittlerweile alt genug, um Intoleranzen und – ja, so hart möchte ich das ausdrücken – Faschismus zu erkennen. Jeder, der nicht das dachte, was alle anderen dachten, wurde blöd von der Seite angemacht. Jeder der nicht dem rot-weiß huldigte konnte an der falschen Ecke der Stadt durchaus auch mal direkt ins Krankenhaus wandern. Was anderes ist Faschismus? Und dieses Verhalten sieht man bis heute überall. Ich möchte nicht alle Fußballfans über einen Kamm scheren, aber allein, was ich am Samstag in Berlin erlebt habe, hat mir wieder gezeigt, dass ich Recht habe:

    Ich fuhr mit der S-Bahn durch die Stadt. Irgendwelche tollen Hengste in rot oder gelb stiegen zu, brüllten irgendwelche hohlen und menschenverachtenden Parolen durch die Züge, besoffen sich, meinten, dass Anstand und Gesetze für sie nicht gelten würden. Jüngste Kinder wurden übel beschimpft, weil sie nicht Dortmund mochten, obwohl sie vermutlich noch nicht mal was mit Fußball anzufangen wussten. Ich kam später am Europacenter vorbei. Der Vorplatz war ein Schlachtfeld. Müll, gröhlende und pöbelnde Menschen in gelbschwarz. Schlimmer als auf einem Volksfest – vor dem Spiel. Mittlerweile hat man fast Angst, an Fußballtagen mit der S-Bahn zu fahren. Es ist nicht nur so, dass man nicht in Ruhe gelassen wird, nein es ist sogar so, dass man sich aktiv davor schützen muss. Ja, auch ich habe meine Hobbies und Vorlieben. Aber wenn ich einem Standard-Fußball-Fan an normalen Tagen davon was vorgröhlen würde, wäre ich der Assi in der S-Bahn und würde womöglich verhaftet. Warum also muss das alles so unglaublich ausarten?

    Mir ist bewusst, dass der letzte Abschnitt wenig mit dem Fußball an sich zu tun hat. Aber meine starke Abneigung, mittlerweile vielleicht sogar Hass, ist vor allem darin begründet, dass der Fanatismus und die geförderte Intoleranz einfach in den letzten Jahren (seit der WM 2006) stark zugenommen hat. Intoleranz vor allem ggü. Nichtfans und natürlich anderen Fans. Allein in der WM2006 musste ich mich unzählige Male rechtfertigen, dass ich nicht ein Spiel gesehen habe. Nein, es interessiert mich nicht. Und nein, ich will in der Drogerie keine schwarz-rot-goldene Zahnbürste kaufen. Das ist blinder Fanatismus. Dem kann ich nichts abgewinnen.
    Dazu kommt dann der Fußball an sich: Ich kann dem Sport einfach generell nichts abgewinnen. Klar, wenn sichs mal ergibt, spiele ich gern mal mit um mich sportlich zu betätigen. Aber wie 20 Mann einen Ball stundenlang auf der Mittellinie hinundher schubsen, muss ich mir nicht wirklich antun. Es gibt spannendere Sportarten. Und selbst da schaue ich nur bedingt zu. Ist zugegeben eine eigene Meinung. Aber ehrlich: Abwechslungsreich ist wirklich was anderes. Dass zudem die Spieler trotz akuter Dummheit, die in Interviews – auch externen – gern ordentlich zur Schau gestellt wird – Millionen verdienen, um ihren Lieblingssport spielen zu dürfen, ist nicht ganz nebensächlich. Andere Menschen studieren jahrelang, leben von nichts, damit sie später tageintagaus hart malochen können, um ihre Familie zu finanzieren und/oder wichtige Dienstleistungen zu erbringen. Das Gehalt der Spieler ist derart unangemessen, dass es wehtut. Wie ein Vorkommentator schon schrieb: Ohne Fußball würden sie vermutlich in der Gosse sitzen. Wären das Politiker, würden alle aufschreien bei dem Gehalt. Der letzte Punkt im Fußball, und das sehe ich auch lokalen Plätzen, braucht man also nicht in den Profisport zu schieben, ist diese eklige Theatralik. Schaut man einem Spiel zu, merkt man, wie wenig da eigentlich noch der wichtigste Punkt im Sport zählt: Die Fairness. Da wird gepöbelt und getrickst, gefoult und reklamiert. Und am Ende wird stolz in der Vereinskneipe von der letzten „Blutgrätsche“ geprahlt. Halloo? Beim Sport geht es nicht zuletzt ums Miteinander, Förderung von Toleranz und Gerechtigkeitssinn. Es ist nur ein Spiel, warum hat irgendwer es verdient, mutwillig verletzt zu werden. Würde das im Straßenverkehr passieren, wären alle hellauf aufgeregt. Und auf der anderen Seite wird sich wegen nichts auf dem Rasen gewälzt, anstatt sich einander aufzuheben, abzuklopfen und weiter zu spielen.

    Ich möchte hier einmal kurz zeigen, dass es auch anders geht: Ich habe jahrelang Ultimate Frisbee gespielt. Immer, wenn ich das erwähnte, wurde ich müde belächelt, weil sich die Leute einen gemütlichen Strand vorstellten und sagten: Aber Fußball ist doch viel anstrengender. Dass dem nicht unbedingt so ist, hat niemand begriffen. Die Toleranz war nie da, das vielleicht nachzuprüfen. Gott Fußball ist unfehlbar. Tatsächlich ist es der intensivste Team-Laufsport, den man finden kann. Und in den USA schon seit jahrzehnten etabliert ist, als die viertgrößte Sportart. Aber was ist so besonders daran: Sie wird ohne Schiedsrichter gespielt. Der Fairness-Gedanke ist so unglaublich stark ausgeprägt bei den Spielern, dass es unnötig ist, einen „Unparteiischen“ dazu zu holen. Fouls passieren, werden aber während des Spiels geklärt. Der Gegner wird mit Respekt behandelt und nach dem Spiel wird zusammen gefeiert. Es funktioniert. Das Regelwerk ist eindeutig: Jeder Konflikt wird von den beiden betroffenen Spielern geklärt, wenn nicht, gibts ne Wiederholung. Punkt. In der Realität ist das noch viel stärker. Turniere sind Events. Da ist es egal, welche Trikotfarbe man trägt, es wird zusammen gefachsimpelt, gefeiert, gelacht. Auf dem Spielfeld kann es hart zugehen, hinterher bemitleidet man gegenseitig seine Blessuren. Wer den Fairness-Gedanken nicht trägt und ohne Rücksicht auf Verluste spielt, wird vom Team ggf. nicht mehr aufgestellt, ja ist auf Turnieren im Extremfall nicht mehr erwünscht. Es geht: Sport und Fairness zusammen. Und da gibt es keine Dramen auf dem Spielfeld. Da schaut man Sport und kein Theater. Und wenn man nach 3 Turniertagen und vielleicht 12 Spielen à 40Minuten nächsten Morgen auf Arbeit muss, um sich das Fahrtgeld für das nächste Turnier hart zu erarbeiten, beklagt sich keiner. Die überbezahlten Profis auf dem Fußballfeld bekommen alles in den Arsch geschoben, und jammern trotzdem wegen jeder Kleinigkeit.

    Fazit: Ich mag Fußball als Spiel nicht, weil ich es schlicht langweilig finde. Ich mag Fußball nicht, wie es real ist wegen der Intoleranzen, Unfairness und dem Kommerzdenken. Ich mag Fußballspieler nicht, weil sie reich sind, aber eigentlich nichts dafür oder für die Gesellschaft tun (außer Sport, wofür andere bezahlen und Urlaub nehmen müssen). Ich mag fanatische Fußballfans nicht aufgrund ihres blinden und nicht begreifbaren Fanatismus, der Intoleranzen gegenüber den Mitmenschen und dem Gedanken, dass sie alles dürfen: (Fremde) Städte zumüllen, Unschuldige beschimpfen und bepöbeln und dafür noch Polizeischutz bekommen.

    Tut mir leid, aber das musste ich mal loswerden. Mein Werdegang vom Fußballfan zum -hasser.

  27. Ich sagt:

    Sash, ich bin keiner der den anderen die tore missgoennt. aber ich freu mich einfach, wenn „meine“ mannschaft gewinnt ^^

  28. Bernd K. sagt:

    So lasse ich mir auch als Fußballmuffel das Feiern gefallen – wenn nach einiger Zeit dann wieder Schluss ist.
    (Ein Polizist freut sich am „Plärrer“, der zentralen Nürnberger Verkehrsdrehscheibe, mit türkischen Galatasaray-Anhängern.)
    http://www.nordbayern.de/region/nuernberg/galatasaray-fans-feiern-auf-dem-plarrer-1.2069405

  29. Jens sagt:

    Bin auch mehr so ein Gelegenheits-Gucker. Ich fühl mich irgendwieein bisschen den Kölnern verbunden, weil ich da so lange gewohnt hab‘ – und weil ich immer schon ein herz für Verlierertypen hatte 🙂 –, aber gewinnen sollen die auch älligst nur, wenn sie den besseren Fußball spielen als der Gegner, alles andere wär unfair und unverdient.
    Da gibt es so einen Fan-Gesang den ich hasse: „Keiner wird es wagen unsern FC Köln zu schlagen“ – ach, wirklich? Und wieso sollen die das nicht „wagen“? Kriegen die dann einen auf’s Maul oder was? (Abgesehen davon, dass in der letzen Saison eine ganze Menge Mannschaften diese Wagemut hatten. 🙂 )

    Ich find die Stadion-Atmosphäre ab und zu mal nett und bin am Wochenende immer ein bisschen neugierig, wie der FC gespielt (bzw. wie hoch er verloren) hat, auch wenn ich nur selten in die Kneipe gehe oder das Radio einschalte, um es live mitzukriegen – vielleicht am Saisonende, wenn’s mal wieder um den Klassenerhalt oder den Aufstieg geht.

    Aber Leute, die so tun,als ob ihr ganzes Wohl und Wehe davon abhängt, in welches Netz eine Handvoll hochbezahlter Profis einen Lederball öfter rein schießt die verstehe ich auch nicht.

  30. Sash sagt:

    @doeble:
    Das kann ich alles für Dinge unterschreiben, die Spaß machen. Mir erschließt sich nur immer noch nicht, was an Fußball (also zuschauen! Selber spielen ist natürlich was ganz anderes!) Spaß macht.

    @K.T.:
    Ich fand deine Einleitung schön. Sie erklärt zwar mehr, warum man Fußball spielt, weniger warum man zuschaut, aber trotzdem sehr schön! 🙂

    @Klaus:
    Die Herkunft des Ganzen ist schon nachvollziehbar, klar. Und Fußball ist ja nun in Deutschland auch keine Randerscheinung, da wird man nunmal schnell herangeführt. So weit, so klar. Aber was es letztlich ausmacht, dass man die Sportschau als interessante Sendung betrachtet oder einen Sieg der Hertha einem Sieg des VfB vorzieht, das erklärt sich mir immer noch nicht.
    Was den Internet-Vergleich angeht, würde ich mich wehren. Das Internet als Kanal sehr vielfältiger Kommunikation, Kunst und Kultur ist wohl nicht wirklich gleichzusetzen. Du würdest sicher auch aufschreien, wenn ich dich bitten würde, das Wort Internet doch mal durch Wasser zu ersetzen, oder? Du hast zwar mit deiner Vermutung Recht: Ohne Internet würde ich niemals leben wollen, aber es ist auch weit mehr als ein Hobby von mir und meinem Freundeskreis, sondern bietet neben Unterhaltung auch einiges mehr.

    @Michael:
    Finde ich eine sehr anschauliche Beschreibung. Danke dafür!

    @S-Man:
    Wow! Wirklich sehr ausführlich 🙂
    Zwei Punkte würde ich allerdings anmerken wollen. Zum einen: Nicht jeder Fußballfan ist ja ein asozialer Proll. Ein guter Teil der von der beschriebenen Problematik ergibt sich aus der reinen Masse der Zuschauer. Gruppenweise sind Menschen eigentlich immer IQ-Grenzpreller. Zum anderen: Auch die Bezahlung der Spieler und der Kommerz ergibt sich ja erst aus der Menge. Ich finde es auch unverständlich, aber natürlich verdienen die Spieler nur deswegen so viel, weil sich auf der anderen Seite mit Fußball so viel Geld machen lässt.
    Der große Rest – Fanatismus, Fairness, Langeweile – beschreibt viel von dem, was ich mir auch manchmal denke. Danke!

    @Ich:
    Ja, aber mir fehlt ja auch die Möglichkeit, „meine“ Mannschaft zu finden/definieren etc.

    @Bernd K.:
    Ja, man kann Fußball schön feiern, das stimmt zweifelsohne 😀

    @Jens:
    Das finde ich ja auch ok. So wie ich grundsätzlich ja ohnehin nichts „gegen“ Fußball hab. Aber wie zu Ich schon gesagt: Mir fehlt diese Verbundenheit und das macht all das Brimborium einfach erschreckend langweilig.

  31. Mapaed sagt:

    Namd,

    der zentrale Begriff beim Fantum dürfte „Identifikation“ sein. Identifikation mit etwas, Identifikation FÜR etwas.

    Und da gibt es die gesamte Bandbreite zwischen „selbstgesteuerter, selbst verursachter Identifikation“ und „Identifikation mit Leistungen anderer“.
    Bis hin zur Identifikation mit irgendwelchen „abstrakten Konzepten“.

    Was noch nicht einmal etwas mit Sport zu tun haben muss – das aber nur als Hinweis für die weiterführenden Gedanken.

    Im Sport gibt es die Individualsportarten – Sprint (100m), Schwimmen, Tennis und noch einige mehr.

    Und es gibt die Teamsportarten – bei denen mehrere Leute zusammenwirken sollten um Erfolgreich zu sein.
    Im einem gemeinsam erarbeiteten Erfolg liegt eine sehr hohe Identifikationskraft – „WIR“ haben gewonnen.
    Wenn das selbst erarbeitet / geleistet ist … es gibt wenig schönere Gefühle als als Team etwas erreicht zu haben.
    Nicht nur im Sport.

    Denn selbst bei den Individualsportarten wird da ja gerne ein „Wir-Gefühl“ übergestülpt – „tue es für Deutschland“ (oder jede andere Nation, Stadt, Region, jeden Verein …)

    Da wird dann die eigene Hoffnung auf Erfolg auf die Leistung von anderen „Projiziert“ – man hofft dass jemand der „eigenen Gruppe“, des „eigenen Teams“ die Erwartungen erfüllt.

    Die man nicht an sich selbst stellen kann – von denen die jeweilige Person aber hofft dass ein „Stellvertreter“ diese erfüllt.
    Der für die jeweilige Gemeinschaft aktiv wird.
    Zu der sich die jeweiligen Fans zugehörig fühlen – mit deren „Werten“ und Überzeugungen sie sich indentifizieren können. Im „Idealfall“ …

    Die sie auch „im Kleinen“ durchaus verteidigen – gerne gegen andere Gruppen.

    Deswegen kloppen sich Fussballfanatiker auch gerne mal.

    Da haben die „Fans“ endlich mal die „Chance“ selbst was zu tun, etwas für IHRE Gruppe zu tun.

    Auch wenn das nicht beim eigentlichen sportlichen Wettbewerb stattfindet – das Gefühl „ich habe etwas für meinen Verein getan“ ist definitiv vorhanden. Wurde die Identifikation (___nichtnurimSport) mit Leben gefüllt.

    Das muss ja nicht unbedingt nur „Kloppen“ sein – der „Wettbewerbsaspekt“ funktioniert ja auch über die Gesänge der Fangruppen im Fussballstadion – nicht umsonst als „Schlachtgesänge“ bezeichnet.
    Da ist dann die Lautstärke und die Kreativität der Gesänge entscheidend – nicht die sportlich erzielten Tore.

    Es ist aber immer noch „irgendeine“ Form von Identifikation mit – und Abgrenzung „gegen“ (etwas).
    Ein „wir gegen sie“, gegen eine wie auch immer geartete „andere Gruppe“.

    Egal wie ähnlich sich diese Gruppen sind – in jeglicher Form – es ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis sich einer (oder mehreren) Gruppe(n) zugehörig zu fühlen.

    Angefangen von der eigenen Familie, dem Freundeskreis, der Identifikation mit seinem Kiez, seinem Stadtviertel, seiner Stadt, seinem Bundesland, seiner Nation, seiner Religion, seiner Parteizugehörigkeit, seiner „Rasse“, seiner Hautfarbe, seiner ethnischen Herkunft, Vegetarierer, Veganer …. und was es da sonst noch an Myriaden an Identifikationsmöglichkeiten es sonst noch gibt.

    Es geht immer um „Identifikation“ mit dem „Profil“ der Gruppe, der Gruppen denen man angehört. Freiwillig oder unfreiwillig – letztendlich egal.
    Es gibt dann immer Menschen die „anders“ sind.

    Und es gibt Personen die sich über die jeweilige „Abgrenzung“ definieren.
    Definieren wollen – teilweise auch definieren „müssen“.
    Um das eigene Selbstbild, das eigene Ego aufrecht erhalten zu können.
    Selbst wenn „ausser der Identifikation mit der eigenen Gruppe nix funktioniert“.

    Womit ich da wieder bei der Unterscheidung zwischen eigener (sportlicher) Leistung und „Identifikation“ mit der Leistung anderer wäre … bei der Identifikation mit Erfolgen.

    Die nicht zwangsläufig wirklich (direkt) die eigenen sein müssen.
    Die aber als die „eigenen“ verstanden und wahrgenommen werden.

    „Panem et circensem“ … auch da war das „Konzept“ der „Identifikation“ schon aktiv … halt als Ablenkung für den Plebs … (womit ich bei den angedrohten „weiterführenden Gedanken“ bin“) … 😉

  32. Sash sagt:

    @Mapaed:
    Die Identifikation ist zweifelsohne der große Knackpunkt. Mir persönlich mag eine Identifikation bei etwas belanglosem wie einem sportlichen Wettkampf irgendwie nicht gelingen. Sicher ist mir auch mal ein Sportler sympathisch oder ich gönne einem kleinen Verein den Sieg, wenn sie z.B. gegen wesentlich stärkere Gegner spielen müssen.
    Für die Identifikation ist aber weiterhin erforderlich, Kritik zu übergehen, Fehler nicht so ernst zu nehmen, weil der große Kontext stimmt. Diesen großen Kontext, das wichtige Ziel, das auch mal eine Schwalbe oder ein Foul rechtfertigt, das finde ich beim Sport nicht. Als Spieler natürlich, als Fan eben nicht. Dazu sind mir Menschen, mit denen ich keine Beziehung unterhalte, zu weit weg, es ist mir zu unwirklich, mich daran direkt zu beteiligen oder mir deren Ziele gemein zu machen.

  33. leserin sagt:

    man muss nicht alles verstehen….
    aber wie man immer angeguckt wird, wenn man als weibliches wesen telefonieren oder schuhe shoppen nicht mag und als männliches wesen nichts mit fußball anfangen kann 🙂

  34. leserin sagt:

    fußballfans, lest das nicht:

    „Wenn ich beispielsweise sage, dass dieses oder jenes Kunstwerk mich irgendwie zutiefst berührt, dann weiß ich, dass damit irgendetwas aus meinem Leben angesprochen wird“

    tja, ‚fußballfans haben wohl keinen lebensinhalt und springen deshalb auf sinnloses ballgeschubse an‘ wäre die einfachste erklärung :P, ist aber NICHT ernst gemeint (wirklich nicht!, bevor steine fliegen). leben und leben lassen, wie gesagt – man muss nicht alles verstehen….

  35. Sash sagt:

    @leserin:
    Ja, manchmal fühlt man sich wie ein Außerirdischer. Vor allem als Taxifahrer beim Pokalfinale – und ich hab extra 15 Kilometer Abstand zum Stadion gehalten 😉
    Deine spaßige Theorie trifft zweifelsohne nur auf einige Leute zu, aber ja: genau solche hatte ich im Auto.
    Ich denke mir dann auch manchmal: Naja, du hast ja aber auch deine festgefahrenen Interessen. Abgesehen vom Schreiben würde mir da aber nichts einfallen. Und schreiben ist wiederum Ausdruck des wahrscheinlich einzigen globalen Hobbies schlechthin: Kommunikation. Schließlich geht es im Fußball letztlich auch um Kommunikation im weitesten Sinne.
    Insofern muss ich anmerken: Ja, ich halte die Leute, die wirklich für Fußball leben, für wesentlich beschränkter. D.h. natürlich nicht, dass irgendwer blöd ist, weil er gerne Kicken guckt. Aber für einen umfassenden Lebensinhalt ist jedes noch so große Stadion zu klein.

  36. Bernd K. sagt:

    @leserin: so schlecht finde ich diesen Vergleich nicht. Der Eine ergötzt sich an einem Kunstwerk im Museum, der Andere bei einem Fußballspiel. Manche können beides geniessen. Je nach Betrachter sind dabei Intellekt und Emotion unterschiedlich stark beteiligt. Wobei der Intellekt beim Fußball nicht immer den kürzeren ziehen muss, denke ich. Kommt auf den Betrachter an.

    @Sash: Kommunikation als wahrscheinlich einziges globales Hobby schlechthin zu bezeichnen dürfte an der Definition von Kommunikation etwas vorbeigehen. Komm. oder, allgemein, menschliche Interaktion ist doch ein menschliches Grundbedürfnis. Und ob das dann beim schreiben, lesen, Musik machen, Musik hören, Schach oder Fußball spielen passiert, ist doch eigentlich zweitrangig. Für einen umfassenden Lebensinhalt reicht grundsätzlich die monomanische Beschäftigung mit einem Thema nicht aus. Auch wieder egal ob Musik, Schach, Fußball etc. Ein wenig schauen über den Tellerrand hinaus gehört schon dazu.

  37. Sash sagt:

    @Bernd K.:
    Ja, Kommunikation ist natürlich ein Grundbedürfnis. Und wer der Meinung ist, die nötige Kommunikation alleine über Fußball („mein Leben ist der Verein“) decken zu können, begrenzt sich damit in unvorstellbarem Maße. Mehr wollte ich nicht sagen, der Ausdruck „globales Hobby“ war sicher ungünstig, da hast du Recht.

  38. Kat sagt:

    Danke Sash, du sprichst mir aus der Seele. Bei uns hat das Drama seit gestern nun endlich ein Ende und ich hoffe, dass meine Freunde und Bekannten wieder normal werden. 😉

    Viele Grüße, Kat

  39. S-Man sagt:

    @Sash: Ja, natürlich. In beiden Punkten hast du recht. Nur leider gehen die normalen Fans stark unter. Oder andersrum: Wie immer bemerkt man nur die negativen Leute. Natürlich: Alljene, die mich mit ihrem Fußball in Ruhe lassen, gegen die habe ich gar nichts. Das möchte ich auch noch einmal klar stellen. Nur ist es einfach total häufig zu beobachten, dass auch die nettesten Leute fanatisch werden, wenn Deutschland in der WM spielt. Ich musste mich damals – wie gesagt – vor irgendwelchen Omas rechtfertigen, warum ich jetzt lieber im Wald klettern gehe, als mit DAS Spiel anzuschauen. Das ist der Punkt: Man kann sich dem gar nicht entziehen, weil irgendwie gefühlt jeder Fußball mag. Ist dann aber toll: Der Wald ist zu solchen Events immer schön ruhig 😀

    Und klar: Die Sache mit dem Geld ist ein Teufelskreis. Keine Frage. Nichtsdestotrotz ist dem Fakt aber nichts entgegegen zu setzen: Zumeist (wenn man von Interviews und allgemeinen öffentlichen Auftritten und Spielgebaren ausgeht) hirnlose Menschen verdienen für ihr Hobby mehrere Normal-Lebensgehälter im Jahr während andere dafür jahrelang schuften/lernen/studieren und trotz harter Arbeit nur am Existenzminimum leben. Sicherlich nicht zuletzt der Platzwärter des Stadions.

  40. ultra sagt:

    ich denke, man kann das fan-dasein mit dem verliebtsein vergleichen.
    fans sind – sicherlich in unterschiedlichen abstufungen – permanent in ihren verein verliebt. ähnlich irrational, wie man manchmal als verliebter agiert, agieren auch fans in einer art und weise, die für außenstehende alles andere als normal wirkt.

    übrigens lautet das stichwort hier verein. was interessieren mich die meisten spieler? sie sind mittel zum zweck, nicht mehr, aber auch nicht weniger. was interessieren mich traditionslose manager? die sollen ihren job machen und meinen verein voran bringen. diese protagonisten gab es vor 15 jahren, als ich meinen verein liebte, noch nicht, und wird es auch in 15 jahren nicht mehr geben, wenn ich meinen verein noch immer liebe. den fußball an und für sich liebe ich übrigens auch, er ist nicht nur mittel zum zweck, ganz im gegenteil. schließlich stand ich bereits mit vier jahren auf dem bolzplatz und habe täglich gekickt.

    mit der vereinsliebe einher geht für mich der lokalpatriotismus, bezogen auf die stadt oder region, manchmal sogar nur auf den stadtteil. ein patriotismus, der positiv und negativ zugleich ist. positiv, weil er alle mit einschließt. ob schwarz, ob weiß, ob türke, kroate, serbe oder deutscher. bist du für den verein, gehörst du dazu. wirst du verteidigt. negativ, weil er die anderen der anderen vereine ausschließt. egal, um wen es sich handelt. und weil die anderen ob ihrer vermeintlichen „schwächen“ gedemütigt werden.

    denn zur liebe gehört immer auch hass. hass auf die andere stadt, die andere region, den anderen stadtteil, die anderen generell. auch hierbei gibt es unterschiedliche abstufungen, wie man diesen hass empfindet (manchmal auch, ob überhaupt) und ob und wie man ihn auslebt.

    diese mischung macht es, die mich jeden tag, jedes wochenende aufs neue fasziniert. gemeinsam mit mitstreitern, die zu brüdern werden, gegen die feinde, die außerhalb eines spieltages sogar freunde sein können. vielfältigste gefühlswelten, emotionen, lebensentwürfe, die gemeinsam eine einheit für den verein bilden. ihn zu triumphen schreien. mit ihm bei niederlagen weinen. und ihn mit inbrunst gegen alles andere verteidigen. die erfahrungen, die man als fan macht oder machen kann, übertreffen das meiste was man imstande ist sich vorzustellen. an den kollektiven jubelschrei, wenn der titel gewonnen ist oder die nachbarstadt im derby besiegt wurde, da kommt keine droge ran. ich spreche aus erfahrung.

    mittlerweile, nach fast 15 jahren mittendrin, mit gutem job, familie, häuschen etc., da denke ich sicherlich in vielerlei hinsicht differenzierter als zu beginn. manchmal schüttle ich auch den kopf über mich selbst. aber wenn ich mich frage, ob es das wert war – dann sage ich ja, das war (und ist) es wert.

  41. […] gehört denn eigentlich dazu zum Fußball-Fan sein? Dank Sash wissen wir ja was dagegen spricht Zurück zu meiner Ausgangsfrage. Man sollte den Sport mögen und auch ein bisschen was […]

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