Nein, normal bitte!

„Rechts die Hauptbahnhof bitte!“

„Äh, Hauptbahnhof oder Ostbahnhof?“

„Die, den genau hier. Ostbahnhof. Yaam.“

„Ach, zum Yaam! Kein Problem. Ich mach mal Kurzstrecke.“

Ich mache das nur noch selten, aber hier war das ja kein Ding. Rangewunken hat er mich an der Warschauer, Ecke Mühlenstraße. Das waren echt nur 1300 Meter gerade Strecke, lagen auf meinem Weg und der junge Kerl sah nicht nach viel Kohle aus. Ausnahmen bestätigen die Regel. Das allerdings trifft auch auf’s Verhalten der Fahrgäste zu …

„Nein, nein! Normale bitte!“

„Wie?“

„Nix kurze Strecke! Mache normale bitte!“

DAS hatte ich zwar wirklich noch nie, aber der Kunde ist bekanntlich König. Also hab ich die Kurzstrecke wieder rausgehauen und bin zum Normalpreis gefahren. Obwohl wir da schon ein paar Meter weg hatten, sind wir am Ende bei 5,20 € am rechten Fahrbahnrand stehen geblieben und mein Fahrgast hat sichtlich stolz die 5,20 € hingeblättert, die die Uhr nun anzeigte. Ich muss nicht alles verstehen, aber freuen darf ich mich hoffentlich.* 😉

*Für mich war das gar kein besserer Deal. An einem Euro Trinkgeld auf die Kurzstrecke hätte ich mehr verdient als an 5,20 € passend.

8 Kommentare bis “Nein, normal bitte!”

  1. der wahre jan sagt:

    Der dachte, Kurzstrecke sei teurer. Sozusagen als Strafe für´s Ranwinken und dann geringen Umsatz machen. Also hat er gebettelt, daß Du nicht die Taste drückst.

  2. Uwe sagt:

    Ich war gestern Nacht auch wieder mit meinem Taxi unterwegs. Wie immer hatte mein Freund sein Taxameter wieder nicht auf den neuen Tarif umgestellt. Fahrgäste freuten sich. Beste Fahrt war mit 6 Leuten von Tierpark in voller Verkleidung nach Steglitz. Der Kollege auf der Hinfahrt war 12 Euro teurer. Wie er das geschafft hat….. Immer wieder wundern sich die Leute, daß ich ohne Navigation fahre. Dann eine Fahrt von Krankenhaus Herzberge mit Patienten vom Arzt zur Taxe gebracht, mit der Bitte, ihn bis zum Fahrstuhl zu bringen. Er war wegen Alkohol eingeliefert und jetzt entlassen. Die Fahrt ging zum Bahnhof Lichtenberg in die nächste Kneipe und er lachte sich eins. Berlin, Berlin. Ein kurzer Beitrag von gestern Nacht vom Handy geschrieben. Ich fahre nur Sonnabend und bin immer wieder erstaunt.

  3. elder taxidriver sagt:

    Ein Kellner, zum Beispiel der immer kurz nach Hause fuhr mit der Taxe hat darauf bestanden, dass man den Normaltarif schaltete, aus einer Art Solidarität mit dem Taxi-Dienstleister. Es gibt auch Fahrgäste, die keine Kurzstrecke möchten, die auch nie irgendwo mit einem Billiger-Coupon zahlen würden und die keine Wert-Bons , Treue-Bons oder sonstwas an diversen Kassen haben möchten und die keine Happy-Hour Vergünstigungen in Anspruch nehmen. Die vermutlich solche Stätten in denen Happy Hour angeboten wird niemals aufsuchen würden täten.

    Das ist eben das ‚ Normale‘: Es setzt sich aus vielen kleinen Un-Normalitäten zusammen.

    Oxymoron: Wenn ein Nachtclub Treue-Bons vergibt.

  4. Wahlberliner sagt:

    Ich habe neulich von einem Freund mal wieder eine Taxigeschichte gehört, wo ein augenscheinlich krimineller Fahrer gründlich abgezockt hat: Von Schönhauser Ecke Bornholmer bis Prenzlauer Ecke Ostseestr., was eine ähnlich kurze Strecke ist, hat er über 9 (NEUN!) Euro bezahlt – und der Preis stand so auch noch auf dem Taxameter. Das Ding hat viel zu schnell hohgezählt, während der Fahrer selbst nur sehr langsam gefahren ist (wahrscheinlich, damit es nicht so auffällt, wie die Zahlen rasen). Leider wusste der Fahrgast nicht, dass er sich die Wagennummer hätte merken müssen, sich eine Quittung geben lassen, und dann den Taxifahrer bei der Innung hätte anzeigen sollen. Naja, jetzt weiß er es (weiß ich auch nur durch das Lesen von GNIT), und wird sich beim nächsten Mal eher zu helfen wissen (Er ist die Strecke schon öfter gefahren, meinte, das wäre ein Rekordpreis gewesen…sind ja auch nur irgendwas um 1000m).

  5. elder taxidriver sagt:

    Das gibt es vermutlich leider alles.

    Das traurige ist nur, dass sich auch kluge sympathische Leute sich oft in den Einzelheiten
    irren. Strecke, Preis und so weiter . Und leider ist die Verblüffung so groß und die Kraft sich irgendwas zu merken von der Taxe so klein dass man hinterher machtlos vis-á-vis steht, wie der Schwabe sagen würde. Immerhin reicht die Kraft später noch aus um es weiterzuerzählen. Und von Mal zu Mal wird es dann immer schlimmer. Nach dem schönen Kinderspiel Stille Post.

    Solche Erzählungen vor Gericht gehört, gelten als Zeugenaussagen. Und da gilt, so ganz grob der fifty-fifty-Lehrsatz.

  6. Wahlberliner sagt:

    @elder taxidriver: Ich nehme an, Du beziehst das auf meinen letzten Kommentar? Nun, die Wisbyer Straße, die der lang gefahren ist, ist nicht so lang. Ich schätze um 1000m, +/-200m vielleicht. Ich habe das aus erster Hand erzählt bekommen, der Betroffene selbst hat es mir erzählt, also dürfte der Verfälschungsfaktor nich sonderlich groß sein. Das einzige, was ich verfälscht habe, war, dass ich nicht mehr den genauen Centbetrag hinter der 9 weiß. Aber 9 Euro für diese Strecke ist wirklich nicht möglich, zumindest nicht innerhalb des berliner Taxitarifs. Oder, wie soll man das schaffen? Fährst Du von Schönhauser/Bornholmer bis Prenzlauer/Ostsee etwa über die Torstraße?

  7. elder taxidriver sagt:

    Lieber Wahlberliner,
    was sich auf Deinen Kommentar bezieht, ist der nur der Satz :’Das gibt es vermutlich leider alles‘.

  8. Aada sagt:

    Vielleicht hast du auf ihn auch nach wenig Kohle ausgesehen? 😉
    Scherz beiseite: Es scheint halt allgemein immer noch Kunden zu geben, die sich halt nicht nach dem Fähnchen, „Geiz ist geil!“, drehen. Ist doch schön!

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