Mindestlohn

Taxifahren ist ja nun wirklich ein interessanter Beruf, und er hält für die dort angestellten einiges an Absurditäten und Überraschungen bereit. Ein besonders kurioser Fall hat sich neulich ergeben, als ich vier französische Puff-Besucher im Auto hatte, die mich nicht nur ermutigt haben, mich mehr ihrer Heimatsprache zu widmen (ja, sie meinten tatsächlich die Sprache!), sondern es auch bedauerten, dass es hier keinen Mindestlohn für Taxifahrer gäbe, so angenehm und nett wie ich und meine Kollegen doch bisher gewesen seien.

Balsam für die Seele. Zufriedene Kunden mit Wertschätzung fürs Gewerbe. Ich hoffe, ihr Umgang mit den Prostituierten ist ähnlich!

Aber dann das Wort: Mindestlohn!

Ich will ehrlich sein: Ich hab mich um das Thema immer herumgedrückt. Ich habe nach wie vor nur teilweise Ahnung von der Struktur des Gewerbes in dem ich arbeite (vor allem in anderen Orten!), und zudem übersteigt die Thematik in manchen Punkten meine Kompetenz bezüglich ökonomischer Zusammenhänge.

Aber einen unbedarften, naiven Blick auf die Geschichte möchte ich doch irgendwann mal werfen – also warum nicht heute? Ich stehe dem Thema auch nach allen Überlegungen immer noch ambivalent gegenüber, lasse euch aber gerne an meinen Überlegungen teilhaben. Über fundierte Kritik wäre ich dieses Mal im Übrigen besonders froh, ich kann mir vorstellen, dass ich einiges vergessen habe.

Derzeit werde ich – wie die meisten Taxifahrer in Berlin – ausschließlich nach Umsatz bezahlt. Eine Stunde ohne Kunden bedeutet für mich – brutto wie netto – einen Verdienst von 0,00 €. Ich verfluche natürlich die schlechten Januarschichten, bei denen ich nach 10 Stunden mühsam 80 € Umsatz zusammengekratzt habe und damit mit 3,60 € brutto pro Stunde in den Morgenstunden nach Hause schleiche. Gut, immerhin plus Trinkgeld, im Normalfall dann nochmal 40 ct pro Arbeitsstunde.

Die Vorstellung, garantiert 7,50 € – oder gar 8 oder 10 € zu bekommen, reizt mich wie sie jeden Arbeitnehmer reizt.

Das Problem ist die Struktur des derzeitigen Gewerbes. Der Gesamtumsatz der etwa 12.000 Taxifahrer in Berlin ist erst einmal nicht von uns abhängig. Es ließe sich sicher durch drehen an der Tarif-Preisschraube oder Werbung etwas bewegen, aber alleine durch die Einführung eines Mindestlohnes würde sich der Umsatz nicht erhöhen. Dazu ist es schlicht und ergreifend nötig, dass mehr Leute Taxi fahren.
Nun ist es so, dass die Taxifahrer in Berlin mit Sicherheit weniger pro Stunde verdienen als ein angemessener Mindestlohn fordern würde. Das liegt auch überwiegend gar nicht an irgendwelchen ausbeuterischen Chefs, die Margen sind in dem Gewerbe einfach nicht endlos hoch.

Die daraus folgende Logik ist im Prinzip simpel: Der erreichbare Umsatz wird unter zu vielen Beteiligten gesplittet – es sind zu viele Taxen auf der Straße. Darüber darf gestritten werden, aber letztlich müsste bei gleich bleibender Kundenzahl entweder die Zahl der Taxen ab-, und damit die Wartezeit der Kunden zunehmen – oder pro Kunde mehr Geld gezahlt werden. Was für den Kunden natürlich die Wahl zwischen Pest und Cholera ist, könnte man aus unserer Sicht so zusammenfassen: Wir verkaufen unsere Dienstleistung auf unsere eigenen Kosten zu günstig, eine Verbesserung für uns schadet zwingend dem Kunden.

Sicher nicht immer merkbar. Ob das Taxi nun 5 oder 6 Minuten zum Kunden braucht, interessiert nicht wirklich – ich möchte es nur anmerken.

Aber natürlich wäre ein Mindestlohn prinzipiell durchsetzbar. Und wünschenswert. Ich hoffe nicht, dass es ernstlich eine Mehrheit da draussen gibt, die der Meinung ist, es wäre ok, für 5 € pro Stunde einen Vollzeitjob zu machen – einen Vollzeitjob also, mit dem niemand eine Familie ernähren könnte. Der Nachteil in unseren Kreisen wäre aber auch ganz deutlich: Es würden Arbeitsplätze wegfallen!
Ehrlich: Ich finde es besser, wenige „gut“ bezahlte Arbeitsplätze zu haben, als etliche schlecht bezahlte. Viele gute wird indes auch Ver.di nicht herbeizaubern können, so sehr wir uns alle das wünschen würden.

Für uns Fahrer ergäbe sich mit Einführung eines Mindestlohnes ein sehr zwiespältiges Bild:

Zum einen würde unsere Arbeitszeit endlich einen Wert bekommen. Das klingt seltsam, aber solange wir umsatzbasiert bezahlt werden, hat sie den natürlich nicht. Meinem Chef ist es bisher egal, ob ich eine oder zehn Stunden für 10 € Umsatz arbeite. Mein Lohn beträgt in beiden Fällen 4,50 € brutto. Wenn ich aber einen Mindestlohn kriegen müsste, hätte er natürlich ein Interesse daran, meine Arbeitszeit produktiv zu gestalten. Und da sind wir beim zweiten Punkt:

Zum anderen würde nämlich unsere Freiheit während der Arbeit darunter leiden. Ob das schlimm ist, muss jeder für sich selbst beantworten – aber natürlich wäre es plötzlich ein wirtschaftliches Risiko für den Chef, wenn der Fahrer lieber eine ruhige Kugel schiebt und damit am Ende nur 10 € pro Stunde einfährt. Im Übrigen etwas, das einem nicht nur durch Faulheit passieren kann, sondern auch mal durch Pech, die falsche Wahl der Halte etc.
Und wenn ich in 3 Stunden nur 5 € Umsatz gemacht habe, dann ist es ja nur zu verständlich, dass mein Chef wissen möchte, was ich bitte gemacht habe – immerhin müsste er mir dafür ja plötzlich mehr Geld zahlen, als er erhält…

Für uns würde sich also der Verdienst mit ziemlicher Sicherheit erhöhen, dafür kann davon ausgegangen werden, dass wir auch einen Mindestumsatz erbringen müssten, bzw. gewisse Einschränkungen in unserer Bewegungsfreiheit hinnehmen. Das mag bei einem freien Job wie Taxifahren Jammern auf hohem Niveau sein, aber ich mache den Job auch eher der Freiheiten, weniger des guten Verdienstes wegen.

Es droht aber auch noch Ungemach von ganz anderer Seite. Zum Beispiel die Selbstständigen. Von selbstständigen Unternehmern lässt sich kein Mindestlohn einfordern. Die stellen aber einen nicht unbedeutenden Anteil an Taxifahrern. In Berlin verteilen sich beispielsweise 12.000 Fahrer auf 5.000 Unternehmen. Dass da viele Unternehmen aus nur einem Fahrer bestehen, kann man sich denken – genaue Zahlen habe ich allerdings auch nicht. Fakt ist aber, dass Selbstständige einige „Vorteile“ haben. Nicht nur, dass ihr Lohn schlecht reglementiert werden kann: Auch ihre Arbeitszeit ist frei. Im Gegensatz zu Angestellten unterliegen sie keiner Beschränkung der Arbeitszeit, sie könnten theoretisch jeden Tag 24 Stunden fahren. Das ist insbesondere deswegen interessant, weil im Falle eines Mindestlohns die Schwarzarbeiter der Branche sich sicher darauf verlegen würden, statt wie bisher die Umsätze, nun eher die Arbeitszeiten kleinzurechnen. Die Selbstständigkeit wäre hier ein Ausweg, und wahrscheinlich würden sich sogar sehr lukrative Wege der Scheinselbstständigkeit finden lassen, um letztlich Fahrer unter dem gesetzlichen Lohn fahren zu lassen.

Insbesondere, wenn wegen des Mindestlohnes das Modell der umsatzabhängigen Bezahlung zugunsten eines Stundenlohnes flächendeckend eingeführt werden würde, würde dies auch die Fahrer dazu ermutigen, hier und da mal besser illegal ohne Uhr zu fahren.

Im Endeffekt würde das bedeuten, dass das System mit einem Mindestlohn nur funktionieren würde, wenn – mal rein kapitalistisch gesprochen – eine schnelle Auslese einsetzt. Entweder die Unternehmen würden ziemlich rigoros jeden Fahrer feuern, der zu wenig Stundenumsatz bringt – oder die Unternehmen, die das nicht tun, würden recht schnell von der Bildfläche verschwinden, weil sie pleite sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Selektionsprozess zu Ungunsten der ehrlichen Unternehmer ausfällt, ist nicht allzu gering, da schon jetzt Schwarzarbeit ein riesiges Thema in der Branche ist.

Worauf will ich hinaus?

Naja, wie ich sagte: Ich habe eine ambivalente Meinung!

Zum einen wäre ein Mindestlohn natürlich klasse, denn sobald man den Job macht, um vielleicht mehr als sich selbst halbwegs zu versorgen, verdient man da bisher zu wenig. Das zu ändern ist eigentlich dringend notwendig, und langfristig liegt sicher eine enorme Chance darin, dass nicht jeder Idiot Taxifahrer werden kann, weil auch die Chefs sich entscheiden müssten für die Leute, die ihren Job gut machen, vielleicht Stammkunden binden etc.

Zum anderen würde eine plötzliche Umsetzung auch Probleme bereiten. Es könnte sein, dass sich die Schwarzarbeit sogar noch mehr durchsetzt als bisher, dass unseriöse Kollegen in die Selbstständigkeit flüchten, und somit nicht nur das Ziel verfehlt wäre, sondern sogar Nachteile geschaffen würden. Ganz abgesehen davon, dass wir Fahrer wesentlich weniger Freiheiten hätten.

Nun stehe ich auf Freiheit mindestens genauso sehr wie auf ordentliche Entlohnung meiner Arbeit. Deswegen würde ich an dieser Stelle ein unverbindliches Fazit bevorzugen: Gerne ein Mindestlohn, aber bitte nur, wenn man sich gleichzeitig um die anderen Probleme des Gewerbes kümmert!

31 Kommentare bis “Mindestlohn”

  1. k-f sagt:

    Mindestlöhne sind auch ein ökonomisches Problem, da die zur Verfügung stehenden Einkommen erhöht werden. Dies kann dazu führen, dass die Kaufkraft ebenfalls erhöht wird, in dieser Folge erhöhen sich langfristig evtl. auch die Preise, so das am Ende der Effekt von Mindestlöhnen (die Schaffung von mehr Wohlstand) vollständig verpufft.

  2. Mariha sagt:

    Zitat Sash: Der erreichbare Umsatz wird unter zu vielen Beteiligten gesplittet – es sind zu viele Taxen auf der Straße. Zitat Sash Ende

    Im Großen und Ganzen stimme ich dir zu, die Taxianzahl in Großstädten ist viel zu bombastisch, in unserer kleinen Stadt sehe ich als Hauptproblem, dass viel zu viele Mietwagen unterwegs sind. Unsere Taxikonzessionen sind begrenzt, will aber jemand Mietwagen anmelden, werden die Genehmigungen ohne wenn und aber verteilt.

  3. Jenny sagt:

    Da nicht mehr Geld zur Verfügung steht, gäbe es für den Mindestlohn wohl nur eine Möglichkeit: die Umsatzbeteiligung sinkt. Das heisst dann: in schlechten Januar-Nächten würdest Du nicht nur 3,60 EUR pro Stunde verdienen, sondern 7,50 EUR. Was natürlich viel besser ist. In den tollen Dezembernächten, zu Silvester und an anderen Tagen, wo die Umsätze toll sind, dafür sehr viel weniger. Was viel weniger toll ist. Ändern würde sich nur die Verteilung über die Tage. Ich fürchte ja, gerade bei den Taxifahrern würde das keine echte Verbesserung bewirken.

  4. hellhound sagt:

    @Jenny: im Prinzip ist das Geld ja (meist) doch da. Guck Dir nur die ‚Luxusgüter‘ von vielen Chefetagen an. Wenn das etwas umverteilt werden würde, könnte es passen. Und ich rede nicht vom privaten Luxus! Bsp.: warum braucht eine Firma vier (4!) Geschäftsführer? Warum bekommen die Chefs dicke Autos gesponsort? Das kann man übrigens bis zu unseren Politikern weiterführen 😉 just my 2 cents

  5. Anon sagt:

    @hellhound: Es gibt auch Unternehmen mit wesentlich mehr Geschäftsführern. So steckt zum Beispiel jeder Gesellschafter einer OHG in der Rolle eines Geschäftsführers. Und dafür kann man gute Gründe haben. Die Funktion der Geschäftsführung ist jedoch unabhängig vom Gehalt.

    @Sash: Du solltest eine Taxigewerkschaft gründen. Da du dem Mindestlohn so ambivalent eingestellt bist, gehst du einen Kompromiss ein: Mindestlohn von Januar bis Juni, kein Mindestlohn von Juli bis Dezember. Klingt gut, nich?

  6. Knut sagt:

    Deine Schilderungen über die Auswirkungen eines Mindeslohnes finde ich sehr interessant. Wahrscheinlich würde es darauf hinauslaufen, dass in Zukunft eure Umsatzbeteiligung erst dann beginnt, wenn ihr euren Mindestlohn erwirtschaftet habt.

    Ohne jetzt Ahnung von euren Arbeitsabläufen zu haben würde ich aber mal vermuten, dass die Chefs euch nicht so sehr in euer Tagesgeschäft reinreden werden, sondern einfach nur die unrentablen Fahrer entlassen.

    Übrigens müssen die Umsätze keinesfalls sinken, nur weil die Preise durch die höheren Lohnkosten steigen. Denn schließlich wird es durch einen allgemeinen Mindestlohn auch mehr Kunden geben, die sich ab und zu einmal ein Taxi leisten können.

  7. Taxi 123 sagt:

    Mindestlohn ohne schädliche Nebenwirkungen im Taxigewerbe heißt Bedingungsloses Grundeinkommen und je länger ich mich mit den Thesen dazu beschäftige, desto mehr werde ich zum Befürworter. Es lief dazu auch eine E-Petition an den Deutschen Bundestag.

    https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=1422

  8. Nick sagt:

    Ach, die schöne Mär vom bedingungslosen Grundeinkommen.
    Wer allerdings meint, dass die Preise dann gleich bleiben (mal abgesehen von der ‚hohen Konsumsteuer‘), der sollte seine Fakten weiter aus den Büchern der Gebrüder Professoren Grimm ziehen.

  9. Kommentator sagt:

    Gerade die (zahlreichen!) ernstzunehmenden Befürworter des sog. „bedingungslosen Grundeinkommens“ sagen, dass alle volkswirtschaftlichen und sozialen Effekte einer Einführung erstmal nicht völlig und komplett zu überschauen und vorherzusehen sind…
    Aber seit wann ist „Überschaubarkeit“ und „Vorhersehbarkeit“ ein valides oder gar angewandtes Kriterium von Sozialpolitik? Ich erinnere in diesem Zusammenhang an (nur, weil es im Nachgang so lustig albern, aber leider auch todtraurig ist): „Die Rente ist sicher“: Ja, klar – aber welche Rente? In welcher Höhe?

    Ich bin auch, unter Betrachtung aller, auch meiner persönlichen Risiken, für ein… nee: für „das“ bedingungslose Grundeinkommen – weil (jetzt folgt meine persönliche Begründung – es gibt noch viel mehr gute Gründe, und sogar noch zahlreiche bessere) die zahlreichen Untiefen und Schmierigkeiten der Steuer- und Sozialpolitik nur weiter in den Abgrund einer abstürzenden und gelähmten Gesellschaft führen, incl. „starker Führer“ und solchem Mist.

    Man darf gerne Angst haben vor Veränderungen – aber das entbindet nicht von der gesellschaftlichen Verantwortung und Verpflichtung, Veränderungen zuzulassen.

    Auf Sashs Fall gemünzt: Unternehmer, Angestellte und Kunden der Taxifirmen profitieren alle vom BGE – alle sind erstmal von einer gewissen Angst vor dem völligen Absturz gefeit. Alle – auch die Unternehmer.

  10. Sash sagt:

    @k-f:
    Dieses Problem ist natürlich zu vernachlässigen, wenn es nur ums Taxigewerbe geht. Aber auch bei einer allgemeinen Einführung wäre es doch interessant zu sehen, welche Preise sich genau erhöhen. Denn die normalerweise zur Ermittlung verwendeten Warenkörbe haben mit dem Niedriglohnalltag ja nicht immer viel zu tun.

    @Mariha:
    Ich will gar nicht zu sehr auf der Taxizahl rumhacken, denn es ist natürlich für die Kunden auch angenehm, immer schnell einen Wagen zu haben (und da kann es auch egal sein, ob das jetzt Taxi oder Mietwagen ist). Ich glaube persönlich, wir könnten durch Aufklärung und Werbung einige Neukunden gewinnen.

    @Jenny:
    Ja, die Möglichkeit einer sinkenden Beteiligung – oder einer erst ab Mindestlohn einsetzenden, wie von Knut erwähnt – gäbe es natürlich. Wenn man von gleichbleibendem Geld im kompletten Kreislauf ausgeht, würde es natürlich dazu führen, dass die „guten“ Fahrer weniger verdienen, um die „schlechten“ zu einem Teil mitzufinanzieren. Das ist im Grunde nichts anderes als in anderen Unternehmen auch, ob es so gut ankommen würde unter den Fahrern, ist aber fraglich.

    @hellhound:
    Das Problem ist, dass man die Leute nicht ins Taxi zwingen kann. Folglich müsste eine wie auch immer geartete Umverteilung entweder in Form einer Subvention an die Taxiunternehmen fließen oder es würde versucht werden, das durch höhere Preise zu erreichen. Beides kostet am Ende auch das Geld derer, die es sich nicht leisten können – die ärmeren Bürger. Und eine Unternehmensabgabe ans Taxigewerbe ist irgendwie auch absurd.

    @Anon:
    Und dadurch gehen dann endlich alle Unternehmen in der Branche pleite 🙂
    Was sollte ich davon haben?

    @Knut:
    Die wichtige Frage zu den Entlassungen ist aber: Wie lange dauert das? Dauert es zu lange, könnten viele Unternehmen das nicht durchhalten können. Wenn es schneller geht, fliegen wahrscheinlich auch eine Menge Fahrer zu Unrecht. Je nach Höhe des angesetzten Mindestlohnes würde die Trennung zwischen rentablen und unrentablen Fahrern unter Umständen an einer absurden Marke ansetzen. Zugegeben: Bei einem allgemeinen Mindestlohn steigt wahrscheinlich auch die Nachfrage – ich könnte mir aber auch da vorstellen, dass der Prozess Zeit braucht. Ich habe seit ich Taxi fahre auch mehr Geld zur Verfügung als früher, komme aber immer noch schwer davon ab, dass es jetzt doch totale Verschwendung ist, ein Taxi zu nehmen, und nicht mal kurz 20 Minuten auf die Bahn zu warten…

    @Taxi 123:
    Dass wir heute bis zu dem Punkt kommen, hätte ich nicht gedacht 🙂

    @Nick:
    Da sollte man auch nicht alle Vorschläge über einen Haufen kehren. Die Konsumsteuer finde ich auch nicht das angebrachteste Mittel, die Idee eines BGE hat dennoch auch ganz gute Aspekte.

    @Kommentator:
    Ich bin durchaus auch ein Befürworter, aber die Akzeptanz für die Idee hängt meist daran, wie man den Ist-Zustand bewertet. Das „große Experiment“ wird erst dann durchsetzbar sein, wenn der Mehrheit bewusst wird, dass es jetzt eigentlich auch nicht funktioniert. Aber durch all die offenen und verdeckten Subventionen des derzeitigen Modells ist es für viele noch zu sehr ein völlig utopischer Schritt.

  11. Aro sagt:

    Sehr interessante Überlegungen von Dir, Sash. Ich habe bei meinem Chef auch schon einen Mindestlohn eingefordert, was er natürlich abgelehnt hat. Als Folge bin ich nun auf der Suche nach ’nem anderen Job, auch wenn die relativen Freiheiten natürlich ein Grund zum Weitermachen wären.

    Einen Mindestlohn bräuchte man aber gar nicht, wenn die Taxikonzessionen endlich limitiert würden. 7500 Taxen sind einfach zu viel. Bei vielleicht 4000 wäre eine Versorgung immer noch gesichert und die Fahrer können sogar davon leben, weil sie einfach genug Umsatz machen.

    Die Alternative Tarifsteigerung würde uns dagegen wohl nicht viel bringen, weil die Erhöhung nicht allzu hoch ausfallen darf, damit sich überhaupt noch Leute ein Taxi bestellen.

  12. taxiblogger sagt:

    Interessant wäre doch vor allem, mal zu betrachten, was geschieht, wenn die (nächste Bundesregierung) den gesetzlichen Mindestlohn einführt. Er existiert sonst fast überall in Europa und demzufolge auch in den dortigen Taxibetrieben.
    Es geht also weniger um ein akademisches Abwägen eines Für und Wider (das ist alles schon längst gelaufen), sondern darum, sich auf den Zeitpunkt der Einführung vorzubereiten…

  13. Sash sagt:

    @Aro:
    Ich bin auch absolut gegen eine Tarifsteigerung! Ich denke, dass unser Gewerbe nur zusätzliches Geld bekommen kann, indem mehr Kunden davon überzeugt werden können, dass wir eine brauchbare oder gar sehr gute Dienstleistung anbieten.
    Ob 4000 Taxen wirklich ausreichend wären… das kann ich gar nicht einschätzen. Unter der Woche allerdings könnte ich natürlich doppelt so viele Leute fahren, keine Frage.

    @taxiblogger:
    Ich denke ja auch, dass es irgendwann geschieht. Man kann nur hoffen, dass es wirklich die guten Firmen sind, die die Einführung überleben. Im Großen und Ganzen erwarte ich das aber zugegebenermaßen schon.

  14. Jenny sagt:

    @Sash: eine gute Voraussetzung mehr Leute vom Taxifahren zu überzeugen wäre auf jeden Fall ein Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs (wobei das in Berlin so im Vergleich schon sehr gut klappt), nach Möglichkeit zu günstigen Preisen. Wenn mehr Leute kein eigenes Auto mehr brauchen, weil sie mit Bus und Bahn genauso schneller oder schneller und günstiger unterwegs sind, dann investieren sie bei Bedarf eben auch mal in ein Taxi.

  15. Sash sagt:

    @Jenny:
    Ich bin durchaus für einen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs (zu dem ich ja auch gehöre), aber in einem Punkt möchte ich widersprechen:
    Die Leute wissen meist nicht, wie teuer ein Auto ist. Das ist komisch und unlogisch, aber es ist so! Die Reparaturkosten werden völlig ignoriert, für Sprit zahlt man ja nur „2 oder 3 mal im Monat einen Zehner“ und die nervigen Steuern sind ja nichts, wofür das Auto was kann…
    Das Auto ist der Deutschen liebstes Kind, und es ist wirklich schwer, sie davon loszukriegen. Die Kosten-Nutzen-Rechnung alleine erlaubt es kaum.
    Ich habe zwar durchaus Fahrgäste, die das auch so sehen, aber die sind in der Minderheit. Leider.

  16. Thomas S. sagt:

    Zum Bedingungslosen Grundeinkommen:

    Ich frage mich immer, warum all die Befürworter nicht einfach loslegen: einen Verein grünen, eine Satzung schreiben, jeder, der Geld verdient, gibt X% ab und jedes Mitglied bekommt YYY Euro ausgezahlt, jeden Monat. Wenn das alles aufgeht und die Leute plötzlich, von Sorgen und Nöten befreit, sowas von produktiv werden und arbeiten als gäbe es kein morgen, dann muss das doch aufgehen. Also, warum nicht? Seid ihr alle dafür aber nur dann, wenn alle zahlen, auch die, die gar nicht wollen?

  17. Marcus sagt:

    Sash isses nicht frustrierend wenn man sich soviel mit einem Thema Beschäftigt ( Mindestlohn ). Obwohl eigentlich schon von Anfang an klar ist, das sich zu über 90% sowieso nücht ändern wird?

    Mal ne Frage, zu dem Vorschlag von Aro…….verdient die Stadt Berlin nicht an jeder vergebenen Taxikonzessionen? Dann wären die ja folglich schön blöd diese zu limitieren.

  18. Sash sagt:

    @Thomas S.:
    Persönlich angepisst sein kann ich auch, finde es allerdings wenig angebracht. Die Idee hat durchaus einen Haken: Wovon finaziere ich dann die Abgaben für dieses komische Zweitsystem BRD, dass meine Anfragen nach Befreiung nur zu gerne unbeantwortet lässt?
    Und was wäre bitte neu daran, dass alle zahlen. Der große Vorteil wäre, dass sich keine Möchtegern-Benachteiligten melden könnten, die ausgerechnet denen, die schon jetzt kaum was haben, ihre paar Euro Hartz4 neiden. Ob die Rechnung aufgeht, kann ich nicht sagen. Diese Abwehrrreflexe aus Angst, irgendjemand könnte weniger arbeiten als man selbst, finde ich indes ziemlich entlarvend. Ich hab die ganzen nötigen Zahlen nicht, um das durchzurechnen, tut mir leid.

    @Marcus:
    Ach, gelegentlich zu diskutieren ist doch ganz nett. Und ob sich bei dem Thema nichts ändert, ist ja nicht ausgemacht.
    Und Berlin verdient nichts an den Konzessionen.

  19. Aro sagt:

    Wieso diese merkwürdig gereizten Antworten beim Thema Grundeinkommen? Mit ist jede Idee eines Systems recht, das gerechter ist als das jetzige. Denn sooo toll finde ich das nicht. Genausowenig wie die bisherigen Arten des Sozialismus, die man auch alle in die Tonne werfen kann. Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde auf jeden Fall die Unternehmer zwischen, unangenehme Arbeit angemessen zu bezahlen, sonst würde sie keiner mehr machen.

    Außerdem sehe ich das wie Sash: Natürlich soll darüber diskutiert werden. Sonst wird sie nie was verändern, jedenfalls nicht zum Besseren.

  20. Thomas S. sagt:

    Sash und Aro: Eben drum. Sowas ist extrem komplex, ein bisschen Zahlen schubsen und dann sagen „das passt, garantiert!“ wird’s nicht bringen. Also muss wohl der Praxistest her. Und den sollte man, denke ich, eher nicht dadurch erbringen, dass man das System zwangsweise einzuführen versucht, sondern am besten freiwillig. Wenn das ganze so super funktioniert, wie ihr glaubt: was hindert daran?

  21. Nick sagt:

    @Aro:
    Das Problem wären dann aber sicherlich wieder Ballungstage, an denen ja im Moment die Taxis schon relativ knapp waren (ich erinnere da mal an den Wintereinbruch).
    Die meisten westlichen Nationen sind eben Überflussgesellschaften.
    Da lässt man lieber doppelt so viele Taxis fahren, wie gebraucht, um sich die Kunden nicht zu vergraulen, falls mal keins sofort da ist.
    Das ist wie mit dem Joghurt im Supermarkt 😉

    @taxiblogger:
    Hier wird immer von allen anderen Ländern gesprochen, die einen Mindestlohn haben.
    Funktioniert er denn da? Löst er da die Probleme von Arbeitslosigkeit und Armut?
    Schauen wir doch mal in die USA, die seit 1938 einen gesetzlichen Mindestlohn haben.
    Dann schauen wir auf die Arbeitslosenquote und auf die Armut.
    Und dann schauen wir wieder nach Deutschland.
    Sicher gibt es das auch genau andersrum, trotzdem sollte man genau prüfen, ob ein Mindestlohn für Deutschland im Gros den Arbeitnehmern mehr Geld beschert, oder weniger Job.

    @Thomas S.:
    Völlig richtig. Viele denken, wenn es auf Milchmädchenbasis mal durchgerechnet wird, wird das schon alles funktionieren.
    Dass dann allerdings (stark vereinfacht) der Einkommensnullmeridian nur von 0 auf 1500 geschoben wird, wird glaube ich bei den Eurozeichen in den Augen oft vernachlässigt.

  22. Knut sagt:

    @Aro
    Es ist kein Zwang, dass unangenehme Arbeit bei einem Mindestlohn anständig bezahlt wird. Der Unternehmer hat oft auch die Möglichkeit zu automatisieren, um das dann teurere Personal zu sparen. Ein Beispiel dafür ist die Klofrau, die immer öfter durch teilweise selbstreinigende Toiletten wegrationalisiert wird.

    Thomas hat völlig recht, wenn er von einem überkomplexen System spricht, bei dem keine Vorhersage möglich ist. Deswegen sind Mindestlohn und BGE ja auch solche umstrittenen Glaubensfragen.

  23. Daniel sagt:

    Hm, ich fahre für einen festen Stundenlohn – was in den schlechten Monaten natürlich Sicherheit gibt, aber in Stresszeiten auch bedeutet, dass man für immenses Rödeln auch nur 6 Euro brutto bekommt.

    Wohin die Fixierung auf Stundenlöhne führen kann (entsprechende Kreativität der Arbeitgeber vorausgesetzt), möchte ich am Beispiel meines Kollegen Bernhard (Name von der Redaktion geändert 🙂 ) zeigen: der fuhr bei uns jahrelang für die firmenüblichen sechs Euro brutto in der Stunde. Dann verließ er die Firma recht spontan, weil ihm Taxi-Anderswo acht Euro geboten haben.

    OK, 33% mehr ist ja eigentlich ein schlagendes Argument. Nur: eine Stunde ist nicht gleich eine Stunde. Bei uns kam Bernhard beispielsweise für die Schicht von 14 bis 1 Uhr und hatte am Ende für diese Schicht (11 Stunden) 66 Euro brutto verdient. Klar soweit? Klar soweit.

    Taxi-Anderswo ist ja nun auch auf seinen eigenen Gewinn bedacht und zieht Bernhard also folgerichtig vom eher mäßigen Bahnhofsgeschäft unserer Kleinstadt ab. Vielmehr muss er sich am Ort rufbereit halten, also entweder daheim oder innerhalb der Stadtgrenzen. Kommt eine bestellte Fahrt, ruft Chef Anderswo ihn an, gibt ihm den Auftrag und vermerkt als Arbeitszeit die Zeit, die die bestellte Fahrt erfahrungsgemäß in Anspruch nimmt. Staus gehen also zu Bernhards Lasten. Die Wartezeit dazwischen wird ihm dort gar nicht bezahlt.

    Am Monatsende (wenn Bernhard fünf Tage die Woche arbeitet) blieben ihm bei Taxi-Anderswo also je nach Auftragslage zwischen 480 und 650 Euro netto dafür, dass er 55 Stunden die Woche für das Unternehmen parat stand. Bei uns war es auch nicht gerade ein Verdienst, der zu Freudenstürmen verleitet, aber netto vierstellig war er immer, wenn auch knapp.

    Die Folge von Mindestlöhnen wird neben solchen Aktionen meines Erachtens zudem sein, dass immer mehr Vollzeit-Arbeitsplätze zugunsten von 400-Euro-Jobs weichen, da man mit den Minijobbern flexibler ist, um ungewollte Lohnkosten in Schwachlastzeiten zu vermeiden.

    Klar hätte ich auch gerne sieben oder acht Euro brutto die Stunde – aber ich denke nicht, dass die so einfach ohne Verzicht auf andere, in meinen Augen wichtigere Freiheiten und Annehmlichkeiten des Berufs zu haben sind.

  24. Aro sagt:

    @Daniel
    Klar, die Frage ist, wieviel einem die relativen Freiheiten wert sind. 100, 200 Euro?
    Heute Abend ist das Auto kaputt gegangen, normalerweise müsste mir mein Chef den Lohn trotzdem zahlen – nicht so im Taxigewerbe.

  25. Nick sagt:

    @Aro
    Ich weiß nicht wie es bei dir ist, aber bei Sash liest man ja z.B. häufig mal, dass er sich dann doch da und da noch Tage freigenommen hat, mal früher oder mal später angefangen hat.
    Das sind sicherlich auch Freiheiten im Taxigewerbe, die andere Arbeitnehmer nicht haben.

    Wenn man z.B. hier bei uns ggü. in der Gepäckaufbewahrung arbeitet, morgens im schlimmsten Falle deutlich verschläft und den Laden nicht rechtzeitig aufmachen kann, können die Leute ihr dort gelagertes Gepäck im schlimmsten Fall nicht mitnehmen.
    Wir hatten das hier einmal, da musste dann irgendwann ein Mitarbeiter der BFG kommen, das Ding aufmachen und die Gepäckstücke kostenlos und nach dem Motto ’nehmense was se brauchen‘ rausgeben.

    Da hat jeder Job irgendwie seine Vor- und Nachteile.

  26. Aro sagt:

    Ja, über diese Freiheiten schimpft mein Chef auch ständig. Aber er weiß, dass er das schlucken muss. Als ich ihm vor einigen Monaten mitgeteilt habe, dass ich dann und dann eine Woche Urlaub nehme, hat er mich später gebeten, wenigstens pro forma zu FRAGEN, und nicht nur mitzuteilen – zumindest, wenn Kollegen dabei sind 😀
    Allerdings gibt es auch Betriebe, da wird das ganz streng gehandhabt und bei einem solchen habe ich auch mal gearbeitet (zwei Wochen…). Die verlangen soagr eine Arbeitszeit von 12 Stunden, obwohl nur 9 Stunden pro Schicht erlaubt sind.

  27. Sash sagt:

    @Thomas S.:
    Ich möchte mich nicht in die Theorie versteigen, dass das auf jeden Fall und total super funktioniert. Ich halte es für eine bedenkenswerte Sache. Die Berechnungen dazu sind komplex, das müssen zweifelsohne Leute ausrechnen, die Ahnung davon haben.
    Der Praxistest im kleinen Rahmen scheitert aber eben an dem, was ich „Zweitsystem“ nannte: Ein (stark begrenzter) Test kann schwer herausfinden, wie sich die Preise und die Lohnzahlungen entwickeln, zudem müssten die Leute erst mal aus allen anderen Verantwortungen entbunden werden. Wenn wir vom BGE reden, muss das komplette Abgabensystem umgekrempelt werden – man muss ja nur mal über das riesige Paket „Rente“ nachdenken, um festzustellen, wie groß das Ganze ist.
    Und die Verschiebungen wären sowohl in die eine, wie auch die andere Richtung schwer zu erahnen. Entwickeln sich die Löhne nun nach oben, weil keiner mehr arbeiten muss? Oder eher nach unten, weil weniger Zuverdienst reicht? Oder ist es branchenabhängig?
    Du hast Recht: Einfach ist das sicher nicht, mit Milchmädchenrechnungen kommt man hier nicht ans Ziel. Die Frage, ob man nach seriöser Berechnung bereit ist, das Experiment einzugehen, hängt gleichermaßen von vielen Faktoren ab – und nicht zuletzt von der Frage, ob uns eine Änderung nötig erscheint. Und genau da entzünden sich derzeit noch die hitzigen Debatten. Wer der Meinung ist, eigentlich laufe es gerade doch ganz brauchbar – der wird schwer zu überzeugen sein, dass ein Wechsel lohnt. Ich teile diese Meinung eben nicht. Ich glaube nicht, dass es derzeit funktioniert. Es wird an allen Ecken Geld verpulvert, um irgendwie zu verhindern, dass alles kollabiert – und trotzdem gibt es auch heute schon (bzw. noch) massenhaft Armut in diesem an sich reichen Land. Deswegen überwiegt bei mir der „Was haben wir zu verlieren?“-Gedanke. Wobei ich durchaus auch persönlich einiges zu verlieren hätte.

    @Nick:
    Ballungstage sind zweifelsohne ein wichtiges Thema bei der Geschichte. Aber es lohnt mitunter, die Ansprüche zu vergleichen. Was ist wichtiger: Dass ein Taxi in 10 Minuten da ist, und nicht erst in 30 – oder dass die Fahrer ausreichend verdienen?
    Und ich bin durchaus der Meinung, dass es in beide Richtungen Grauzonen gibt, über die man diskutieren kann. Aber wie du selbst schreibst: Wir sind eine Überflussgesellschaft.
    Ich persönlich bin auch froh, dass ich mir hier an jeder Ecke schnell ein Taxi winken kann, und ich hatte auch als Fahrer genug Fahrten, wo es letztlich eilig war. Vielleicht geht es aber trotzdem nicht. Vielleicht muss man tatsächlich eine halbe Stunde früher aufstehen, wenn man eilig zum Flughafen will – oder einen Rettungswagen rufen, wenn das Kind schneller als erwartet kommt.
    Und zu den Freiheiten: Klar, die sind mir persönlich was wert! Ich verzichte durchaus bewusst auf Geld, indem ich diesen Job mache. Im Behindertenfahrdienst mit festen Touren kannte ich das auch, dass ich mich todkrank zur Arbeit geschleppt habe, weil ich nicht drei Familien den Tag versauen wollte. Und dazu musste ich ihre Kinder eben abholen, weil nicht mal meine Kollegen so früh schon gearbeitet haben und Ersatz hätten organisieren können.

    @Knut:
    Beim Thema Mindestlohn wäre der Hang zur Automatisierung natürlich ein Problem – wobei ja gerade viele schlecht bezahlte Jobs nur schwer von Maschinen gemacht werden können bisher (fahren, kellnern, meist auch putzen, Haare schneiden…) – das sind ja meist zwar „einfache“ Aufgaben, die sich aber dennoch nicht leicht maschinell umsetzen lassen.
    Im Falle einer BGE-Einführung wäre eine weitgehende Automatisierung hingegen wünschenswert.

    @Daniel:
    Oh, das mit den Stunden kenne ich auch noch 🙂
    Arbeitsbeginn: 7 Uhr. Feierabend 23.30 Uhr, Arbeitszeit: 7 Stunden…
    Ich persönlich mag die umsatzbasierte Bezahlung, auch wenn es bedeutet, gelegentlich umsonst zu arbeiten. Dafür stellt sich in stressigen Zeiten Entspannung beim Blick in den Geldbeutel ein. Und glücklicherweise lande ich auch meist über 6 € brutto pro Stunde, auf den Monat gerechnet sogar immer.

  28. Daniel sagt:

    @Aro:

    Mit den kaputten Autos habe ich in meiner Firma nun ein enormes Glück. Da wir nicht nur Taxis, sondern auch Behindertentransporter, Reisebusse und eine Tankstelle betreiben und nicht ein Fahrer fest an ein Auto gekoppelt ist, darf ich tatsächlich jeden Tag zur Arbeit erscheinen. Wenn mal absolut wenig zu tun ist, werden halt ein paar unserer schülerbefördernder 400-Euro-Jobber daheim gelassen, damit das festangestellte Personal (also auch ich) etwas zu tun hat. Ist noch weniger zu tun, bleibt halt auch noch eine Tankstellenaushilfe zu Hause, um die Arbeit zu verteilen. Will sagen: mein Chef verlangt zwar von mir pro Woche 55 Stunden, aber er bezahlt die auch und gibt mir auch sicher etwas zu tun. Wenn ein Auto in der Werkstatt ist, interessiert das mich persönlich nur sekundär bis tertiär…

    @Sash:

    die umsatzbasierte Bezahlung würde sich für mich sicher auch rentieren – ist aber, da ich kein reiner Taxler, sondern ein „Mischling“ bin, eher branchenunüblich (spätestens von einem typischen Tagesausflug mit dem Reisebus hätte ich liebend gerne auch nur 25% des Fahrpreises 😀 ) – zudem haben wir einen derart hohen Anteil an Rechnungsfahrten (Kranken-, Behinderten- und Schülerbeförderungen beispielsweise), dass ich abends in der Regel nicht weiß, wieviel Umsatz ich gebracht habe. Gestern hatte ich beispielsweise grandiose fünf Euro Bar-Umsatz, war aber dennoch elf Stunden ganz gut beschäftigt…

  29. Bergfreunde sagt:

    Auf den Pichincha (4698 m ue.M.) wie einst Alexander von Humboldt um 1802…

    Ich lese häufig Ihr Blog und finde es immer sehr interessant. Dachte, es sei an der Zeit, ich lasse Sie das mal wissen, machen sie weiter mit ihrer großartigen Arbeit…

  30. o sagt:

    hallo,
    toll das es fahrer gibt die sich ernsthaft gedanken machen.
    ich stehe auf der anderen seite, habe angestellte fahrer.
    ihr habt eure antwort schon selber gegeben. eine schlechte schicht mit
    80 euro und 10 stunden arbeitszeit ist nicht zu bezahlen. der fahrer hat 85 euro verdient, 7 prozent gehen an den fiskus, diesel, funk, berufsgenossenschaft, abnutzung durchsicht, versicherungen usw.
    nur an diesen tag zahle ich mehrere euros drauf.
    in berlin sind solche schichten keine seltenheit. nun rechnet euren jahresurlaub und ein paar krankentage dazu, nach zwei monaten gibt es kein arbeitnehmer mehr. mein fahrer weden ordentlich bezahlt, bekommen natürlich zuschläge und sind fleißig. sind sie sehr fleißig verdienen sie natürlich mehr.

  31. Rentner sagt:

    Hallo,seit etwa 40 Jahren fahre ich Taxi in Hamburg bei dem gleichen Unternehmen.Mein Einkommen bis zur Einführung des
    Euro war gut bis sehr gut.Nach Einführung des Euro ging mein Einkommen stetig nach unten.Die Kaufkraft der DM war hin.
    Mein Lohn war auf 40% des Umsatzes vereinbart.
    Nach Einführung des ML haben wir folgende Vereinbarung:
    Umsatz bei 8 Std. 140 Euro =68 Euro für mich.Bei 40% vom Umsatz wären es 56 Euro.Die Diff.wird gezahlt.
    Umsatz bei 8 Std. 180 Euro =68 Euro für mich.Bei 40% vom Umsatz wären es 72 Euro.Die Diff.wird gezahlt.
    Mein Umsatz beträgt ca.600 Euro bei 4 Arbeitstagen a.8Std.=272 Euro brt.für mich entspricht 45,3 % vom Umsatz.
    Entspricht 8,50 Euro/Std. Damit kann jeder leben gem.der Gesetzesvorlage .

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