Die übliche unerwartete Fahrt

Manche Schichten ziehen sich wie Kaugummi. Das kann mitunter schon beim ersten Stopp an der Halte anfangen. Das Wetter ist nicht optimal. Es ist zu kühl oder zu regnerisch, um draussen stehen zu bleiben und zu rauchen. Bekannte Kollegen sind keine in Sicht, oder noch schlimmer: Welche, die man nicht mag sind in Sicht. Es zeichnet sich ab, dass man mit viel Glück binnen einer Stunde wegkommt, früher aber nicht.

Ich hab den gestrigen Schichtbeginn-Stopp am Ostbahnhof immerhin mit schönem Wetter anfangen können. Aber ich hatte wenig zu trinken dabei und auf dem langen harten Weg durch die Warteschlangenplätze ist mir selbst das Lesen im Spiegel zu stressig geworden. Vor mir sind ein paar Kollegen weggekommen, hinter mir auch, ich natürlich nicht. Irgendwann stehe ich hinter einem dieser Spezialfahrer, die die Leute schon anraunzen, wenn sie sich nicht farblich passend zu seinem potthässlichen Ford Mondeo gekleidet haben. Auch dieses Mal bekomme ich eine kurze Tour, nachdem er es zu gefährlich fand, den Fahrgast am Zielort kurz Geld holen zu lassen. Einen netten jungen Mann, der gleich vorweg Ausweis und Portemonnaie mit aller persönlicher Habe als Pfand angeboten hat. Aber klar, Schlesisches Tor, 6 €…

Die nächste Fahrt ist nicht höherpreisig, obwohl die Wartezeit wieder bei einer Stunde liegt, mit der ich so gar nichts anfangen kann. Twitter? Nix neues. Mein Blog? Nix neues? Spiegel? Nervt. Naja, dieses Mal gibt es wenigstens gut Trinkgeld zur Entschädigung.

Und so ging es weiter.

Irgendwann treibt es mich dann ans Matrix. Der Schock ist groß, ich kann mich trotz früher Anwesenheit nicht als Zweiter oder Dritter anstellen, sondern muss mit Platz 7 Vorlieb nehmen. Anderthalb Stunden hab ich dann einmal mehr gegen die Müdigkeit angekämpft, die sich langsam breit machte. Ich hab das Internet totgelesen und die Wartezeit wuchs bei gelegentlichem Vorrücken auf anderthalb geschlagene Stunden an.

Immerhin hat das Watergate zu, damit fallen Touren unter 5 € eigentlich weg. Die A&O-Hostels sind noch beliebte Ziele, 6 und 7 €. Oder bekomme ich doch das Pegasus – auch 7 €. Fast schon Luxus wären Generator (10 €) oder gar das Agon Aldea mit 15.

Überraschenderweise steigt mir ein deutsches Pärchen ein, fragt gar nicht nach einem Preis und gibt mir zu bedeuten, ich solle sie doch nach Schwanebeck bringen. Und mit dieser halbstündigen Fahrt für 32 € ging ein durchgängiges Gespräch einher und Zufriedenheit auf allen Seiten. Man soll den Tag eben nicht vor dem Abendprogramm loben…

Weitere Highlights waren später noch ein Kollege mit interessanten Geschichten, und einer, der beinahe den Dummheits-, Dreistigkeits und Geschwindigkeitsrekord des noch so jungen Monats auf einmal gebrochen hätte und ein pünktlicher Feierabend, bei dem ich mal wirklich nur 2 Minuten auf die Bahn warten musste. Ein paar Dinge davon erzähle ich ein anderes Mal.

8 Kommentare bis “Die übliche unerwartete Fahrt”

  1. Der Maskierte sagt:

    Fängst du jetzt auch schon mit dieser Cliffhängerei an?

    Solche Sitten wollen wir hier gar nicht aufkommen lassen, ja? 😉

    Wie heißt es so schön: Unverhofft kommt oft.

  2. Taxi 123 sagt:

    32,- € ist doch echt eine super Fahrt. Dafür muß ich bei uns schon das Pflichtfahrgebiet verlassen. Und leider kommt das nicht oft genug vor. Kurze Touren wiederum sorgen für Freudentränen in Chefchens Augen – wegen dem Kilometerschnitt 😉 .

  3. Sash sagt:

    @Der Maskierte:
    Unglaublich, wie schnell der Vorwurf kommt, wenn man mal schreibt, dass man was anderes später näher erläutern wird. Ich glaube, ich lasse den Halbsatz in Zukunft einfach weg… 🙂

    @Taxi 123:
    War bei mir auch aus dem Pflichtfahrgebiet raus. Schafft man zwar durchaus auch innerhalb Berlins, muss aber schon gut gewählt sein 🙂
    Und: Chefchen wird bei dir sicher auch nicht unbedingt begeistert sein, wenn der Schnitt zwar gut, der Umsatz aber mies war, oder?

  4. Der Maskierte sagt:

    @Sash:

    Da das ein gewisser Undertaker und auch ein Medizynischer bis zum Herzklappenabriss betreiben, muss jetzt nicht noch einer meiner liebsten Taxiblogger mit dieser Unsitte anfangen. 😉

    Also, lass den Halbsatz weg und nimm lieber im nächsten Eintrag Bezug auf die Vorgeschichte. Das schont meine angeschlagenen Nerven. 😉

  5. Sash sagt:

    Krank sein entschuldigt nicht für dauernd auf „aktualisieren“ klicken.

  6. Der Maskierte sagt:

    Tut es wohl! 🙂

  7. Ana sagt:

    „Irgendwann treibt es mich dann ans Matrix.“ Ich mit meiner Expertise im Zwischendenzeilenlesen frag mich rückblickend, ob Sash tatsächlich der freundliche laid-back Typ is, der sich höchstens mal über nen Kollegen aufregt der nen Kunden wegschnappt oder -schlimmer noch- schlecht behandelt.
    Als Taxifahrer hängt doch (zwar nicht direkt, aber irgendwie doch) die Existenz von der Anzahl der Fahrten ab.
    Sitzt du nach mehreren 3eur/Stunde-(äh…)Stunden wirklich noch mit der gleichen Arbeitsauffassung im Taxi die du uns hier vermittelst oder gibts dann doch innerlich Stress?

  8. […] letzten Kommentar von Ana wollte ich ein bisschen mehr Aufmerksamkeit schenken, deswegen beantworte ich ihn mal an dieser […]

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