Erstaunlich einsichtig

Ganz locker die Warschauer hinuntergedüst bin ich, als mich ein auf die Straße gereckter Arm aprupt zum Anhalten zwang. Nicht in dem Sinne, dass ich den Arm sonst mit dem Wagen gestreift hätte – aber immer wenn ein Arm in die Fahrbahn ragt, quengelt in meiner Fahrertüre mein Portemonnaie und fordert mich auf, anzuhalten. Gar nicht so unclever, das Teil!

Drei Jungs stolperten zum Auto. Ungeachtet des frühen Abends bereits prächtig alkoholisiert schwang einer die Hintertür auf und polterte mit einer mir bekannten Frage in den Fond:

„Spandau?“

„Guten Abend erstmal.“

„Äh ja, guten Abend.“

In diesem Moment ging die Beifahrertüre auf, und ein vielleicht 20jähriger war etwas damit überfordert, dass die Tür schwingt und sich nicht zum Abstützen eignet. Vor sich hin murmelte er:

„Lass, lass mich mal machen. Ich bin, ich kann, ich bin besser im reden, ich bin ich verhandel besser!“

Na klasse. Festpreisverhandler!

„Was würdest du… sagen wir mal, ich muss nach Spandau! Was würdest du dafür nehmen?“

„Kommt drauf an, Spandau ist groß…“

„Rathaus.“

„Ähm, so ganz genau kann ich das jetzt nicht sagen, aber 25 bis 30 € würde ich mal vorsichtshalber sagen.“

„Hmm, könnwer nichn Fixpreis machen?“

„Nee, sorry, ist nicht erlaubt!“

„Aber…“

„Ich weiss, dass manche Kollegen das machen, aber das…“

„…is dann privat so?“

„…illegal.“

„Ok, danke und schönen Abend noch.“

Ob sie es noch bei einem Kollegen versucht haben, weiss ich nicht. Ist mir auch egal. Die Tour nach Spandau wäre natürlich super gewesen, aber so eine lange Tour mit ständigem Nörgeln über den Preis will ich mir eigentlich gar nicht mehr antun. Ich war ernsthaft positiv überrascht, dass sie so schnell aufgegeben haben. Und das sagt vor allem was über die anderen Anfragen aus.

10 Kommentare bis “Erstaunlich einsichtig”

  1. Nick sagt:

    “Lass, lass mich mal machen. Ich bin, ich kann, ich bin besser im reden, ich bin ich verhandel besser!”

    Ganz großes Kino!
    Besoffeneneloquenz rührt mich immer.

  2. joe rady sagt:

    Wie ist das eigentlich mit Festpreis?
    Ich nutze relativ häufig Taxidienste in Schweden (Göteborg). Da ruf ich vorher an, geb meine Flugnummer, den Flughafen und das Fahrtziel an. Das wird dann als Fastpriset abgerechnet (d.h. der Taxameter wird abgeschaltet). Es kommt dann noch dazu, daß das ganze als Rechnung an die Firma geht (kein Bargeld austausch zwischen Fahrer und mir, bis auf das Trinkgeld). Gibt´s sowas in DE eigentlich ?

  3. Nick sagt:

    Der Sash hat einen schönen Link an die Seite platziert, da sieht man auch Sondertarife in DE:
    http://www.hale.at/tarife/sondertarife.html

  4. Taxiblogger sagt:

    Für manche liegt ja Spandau schon außerhalb Berlins – und dann wäre ein Festpreis durchaus möglich… 😉

  5. Sash sagt:

    @Nick:
    Schön, dass es jemandem auffällt. Manche überlesen sowas ja gerne mal 🙂
    Ich find das auch immer toll.

  6. Sash sagt:

    @joe rady:
    Es gibt durchaus manche Sonderregelungen für Flughafenfahrten. Einen kompletten Überblick über Deutschland habe ich allerdings auch nicht. In der Regel zahlt man aber für diese Leistung auch mehr, als wenn man einfach ein x-beliebiges Taxi nehmen würde.

  7. Sash sagt:

    @Nick:
    Danke! Soweit hab ich mich ja selbst noch nicht vorgekämpft gehabt 🙂
    Wobei ich bezweifel, dass das alles ist, was möglich ist. Es gibt ja durchaus auch noch andere Modelle, die dann über Drittanbieter laufen. In Wirklichkeit ist es wahrscheinlich etwas unübersichtlicher und man hat als Fahrgast einige Möglichkeiten. Man darf ja auch nicht vergessen, dass z.B. nicht alles wo Taxi draufsteht, auch im normalen Sinne ein Taxi ist…

  8. Sash sagt:

    @Taxiblogger:
    OK, daran habe ich mal wieder gar nicht gedacht 🙂
    Aber eigentlich waren die zu jung, um sich noch an Vor-Groß-Berliner-Zeiten erinnern zu können.

  9. nadar sagt:

    @ Geschichte: Nenne doch spaßenshalber die Summe aus Schätzpreis für die Fahrt (natürlich großzügig aufgerundet) plus die mögliche Höhe der Strafzahlung, die in der Taxitarifordnung zu finden ist. 😛

    Einmal hab ich eine Gruppe Leute zum „Festpreis“ gefahren (ich wusste, dass der Betrag passt, Taxameter lief mit). Am Ende der Fahrt lag der Preis auf dem taxameter 0.20 EUR unter dem Festpreis. Was sagt eine Person aus der Gruppe?
    „Ööh, der $Mensch,_der_uns_immer_zum_Festpreis_färt, hat uns beschissen!“
    Soll man da lachen oder weinen?

    @ joe rady:
    Du kannst auch in Deutschland einen „Taxi- und Mietwagenbetrieb“ anrufen und einen Festpreis von A nach B vereinbaren. Der Unternehmer darf den (km-)Preis frei festlegen, wobei er sich natürlich ins eigene Fleisch schneidet, wenn er es zu billig macht.

    (Hm, den Kommentar schrieb ich vor drei Stunden und hab ihn noch immer nicht abgeschickt..?)

  10. Sash sagt:

    @nadar:
    Na, jetzt haste es mit dem Abschicken ja hingekriegt! 🙂
    Die von dir vorgeschlagene Preisaussage ist fies aber nicht schlecht. Bei richtigen Stressern könnte ich das mal versuchen.
    Zu deiner Geschichte: Weinen! Ganz klar weinen!

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