Müll und so

Dass im Taxi auch mal Müll liegen bleibt, ist an sich ja normal. Um ehrlich zu sein, verstehe ich es nicht, da ich eher so der Typ bin, der zwar Montag früh ein Wochenendbier in der Straßenbahn öffnet, aber regelmäßig die dabei anfallenden Kronkorken zu Hause aus der Tasche entsorgen muss. Aber andere sind da anders und empfinden z.B. das Neben-den-Mülleimer-Stellen einer Bierflasche als so anstrengend, dass sie das lieber den Taxifahrer erledigen lassen.

Und auch wenn ich das Auto regelmäßig durchsehe: Direkt bei Fahrtende steige ich schon verkehrsbedingt nicht immer aus und wenn dann was in den Seitentaschen der Türen z.B. landet, sehe ich es schlicht nicht.

Dass ich selten darüber schreibe, liegt aber durchaus daran, dass auch die Fahrgäste da in den letzten Jahren besser geworden zu sein scheinen. Zeitung, Konfetti, Gurke, eigentlich alles Schnee von gestern. Hier mal eine abgelaufene Fahrkarte, dort mal ein Stadtführer.

Und dann stelle ich nach einer fast absolvierten Schicht beim Rauchen vor dem Auto fest, dass jemand von hinten an meiner Kopfstütze ein Armband befestigt hat. Offenbar von der AOK, wenn man dem Branding glauben schenken will. WTF?

Beim Abnehmen des Teils hab ich dann festgestellt, dass es sogar Special-Effekt-tauglich ist:

PS: Entschuldigt die Video-„Qualität“. Das ist das erste Youtube-Video seit 5 Jahren und ich hab’s spontan und ohne weitere Einstellungen mal kurz mit dem Handy gemacht.

Die kleinen Pluspunkte

„Hallo, guten Abend!“

„Hallo. Äh, sind Sie Nichtraucher?“

„Da muss ich Sie enttäuschen. Ich rauche. Aber nicht im Auto. Sie können aber gerne einen anderen Kollegen …“

„Nein, ist schon ok. Sie sind immerhin ehrlich.“

„Vielen Dank! Aber ich muss natürlich auch anmerken: Ich hab keine Ahnung, was meine Kollegen so anstellen im Auto.“

Aber ja, Eis gebrochen, immer gut.

Die Fahrt war natürlich nur kurz und eigentlich sind wir auf das Thema nicht mehr zurückgekommen. Ich sollte Obama als Präsidenten bewerten. Logisch, was man als Berliner Taxifahrer halt so tun muss. Jaja, besser als Trump mag ja sein, aber die Drohnenangriffe etc. pp. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Das ist ein interessantes Thema, aber wenn man so oder so nur darauf hoffen kann, dass der Fahrgast einen wegen eines Lasters wenigstens zu 30% ok findet …

Da sich meine politische Meinung mit seiner immerhin in Sachen Feindbilder deckte, ging das glücklicherweise gut aus. Und entsprechend konnte ich es am Ende nicht zurückhalten:

„Jetzt aber nochmal zu der Raucher-Geschichte: War alles ok für Sie?“

„Ja. Ich meine, ein Bisschen habe ich es gemerkt, aber für mich war das noch in Ordnung.“

Ich will niemandem auf den Fuß treten mit der Aussage, aber mir ist durchaus bewusst, dass man bei Leuten, die einen so intensiv abklopfen, selten mehr als einen Blumentopf gewinnen kann. Und zwei Euro Trinkgeld entsprechen dem ziemlich genau. 😉

Kreatives Ansagen

Eltern mit Kind, zwei Uhr nachts.

„Meechte Enstbalackstraße.“

Die Ernst-Barlach hatte ich im Kopf, aber dass das einfach die Verlängerung der Dorfstraße ist, nicht mehr. Also hab ich kurz das Navi gefragt. E-R-, da kam dann von hinten eine Kinderstimme:

„H-C-A …“

„Was Du sagen?“

fuhr der Vater dazwischen.

„Ich buchstabiere rückwärts.“

Hilfreich wäre was anderes, aber auf die Idee kommen muss man auch erst mal! 😀

So schonmal nicht!

„Ähm, aber hier jetzt rechts, oder?“

„Ja.“

Endlich. Ich war mir ja von Beginn an sicher, dass sein Weg nicht der kürzeste ist, aber nachdem wir die zwei besten Möglichkeiten schon lange hinter uns hatten, war’s nun echt an der Zeit. Und da raunt einer seiner Kumpels hinten:

„Wie die alle den P-Schein kriegen … ich versteh’s nicht.“

Aber ja, ich hatte zuvor den Fehler gemacht, zuzugeben, dass mir ihre Straße nix sagt.

Deswegen, Jungs, falls Ihr mitlest: Man kriegt den P-Schein nicht, wenn man die Straße vor der eigenen Wohnungstür kennt, sondern wenn man gelernt hat, dass der kürzeste Weg von Marzahn nach Friedrichsfelde nie auch nur einen Meter die B1 entlang führt, auch wenn’s Montag Mittag um 13 Uhr die schnellere Strecke sein mag!

Gegen vier Leute anreden war mir aber zu doof. Und die etwa 10% mehr Umsatz weiß ich ja durchaus zu schätzen. 😉

Naja, immerhin höflich …

Eine Kurzstrecke, nicht gerade Zeit für tiefgehende Gespräche. Und wir waren immerhin schon soweit, dass meine Kundin, die meine Dienste spät nachts mit Luftballons in der Hand in Anspruch nahm, loswerden konnte, dass und warum sie unsere Kanzlerin mag, das mit der erneuten Kandidatur aber trotzdem kritisch sehen würde. Und dann:

„Aber wir müssen nicht über Politik reden, schlag Du mal ein Thema vor! Was interessiert Dich? Aber nicht Musik, da kenne ich mich nicht aus, obwohl: Belehr mich eines besseren!“

„Ähm, uff.“

„Was ist gerade dein Lieblingssong? Also nicht all-time, jetzt gerade!“

„Das ist ja noch schwerer! Ich bin gerade bei Musik nicht so …“

„Na, na, na, Du bist Taxifahrer. Du hörst die ganze Nacht Radio.“

„Ähm, also … ich will jetzt nicht noch langweiliger wirken als ich ohnehin bin, aber wenn ich Radio höre, dann Inforadio.“

„Ach komm, Du bist nicht langweilig! Du … Du trägst ’ne interessante Mütze zu einem interessanten Bart.“

0.0

PS: Ich hab’s am Ende noch geschafft, Pluspunkte zu sammeln, weil ich bei ihrem Kurz-Quiz „Kennst Du mehr deutsche Bundeskanzler als Kardashians?“ erfolgreich zugunsten der Kanzler abgeschnitten habe.

Kleinere Selbstverständlichkeiten

„Brimsmiause?“

„Sicher. Was sonst?“

„Annenarscherweld?“

„Nö, da war ich heute schon.“

Angst vor Umwegen kann ich ja noch nachvollziehen. Aber einfach mal woanders hinfahren ist dann doch eher diese übliche sehr sehr sehr seltene Ausnahme, die mal nach 1.000 Missverständnissen oder bei jedem 500sten Betrungsversuch erst passiert. Bei allem Negativen, was ich natürlich auch hier und da mal anreiße, würde ich doch zu allererst sagen: Nur keine Panik! Es ist wirklich so, dass Taxifahrer in aller Regel einfach zu der Adresse fahren, die ihnen angesagt wird. Ehrlich!

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

Abonniert doch den RSS-Feed von GNIT. Mehr von Sash gibt es außerdem bei Facebook und bei Twitter.

Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Grundlos Taxi fahren, natürlich! ;)

„Bringse mich U-Bahnhof HasteimKopfStraße?“

„Sicher. Dafür sind wir ja da.“

„Aba, aba nur weil U-BNahn assi is, verstehtste?“

„Äh, nein?“

„Na wejen die Besoffenen. Alle druff, voll schlimm und so.“

„Ist ja auch egal. Für sowas sind wir da: Leute sicher heimbringen.“

“ N‘ Scheiß! Ich komm schon alleine heim, is‘ nur wegen den Druffis, verstehste?“

Äh. Ja, vielleicht oder nein!?

„Issmir auch egal. Du bist Taxifahrer, Du kennst das mit den Druffis ja auch gar nicht!“

 Natürlich nicht. Und ich bin sehr froh, diesen Fahrgast trotz meiner Unkenntnis heimgebracht zu haben. 😉