Neues aus der Aussprachenwelt

Berlin. Wahrscheinlich immer noch die Stadt in Deutschland mit den meisten doppelten Straßennamen. Wahrscheinlich auch immer noch die Stadt mit den meisten Straßennamen überhaupt.

Beide Tatsachen sind für uns als Taxifahrer nicht leicht. Ich bin als Schwabe nun wirklich nicht der Mensch, der andere wegen unsauber ausgesprochenen Straßennamen verurteilt. Während der Arbeit allerdings könnte ich manchmal durchdrehen. Es mag ja für den durchschnittlichen bayrischen Dorfbewohner komisch klingen, aber es existieren in Berlin tatsächlich die Husemannstraße und die Hosemannstraße. Und wenn ich zweimal nachfrage, dann tue ich das, um den Kunden Kosten zu ersparen.

Heute allerdings wusste ich mit dem Straßennamen gar nichts anzufangen:

„Bossdem-Straße!“

Auf meine Nachfrage hin bekam ich gesagt:

„Boss. Temm. Straße!“

Da werden die Berliner Kollegen jetzt wohl auch dumm aus der Wäsche gucken. Mit einem Hinweis habe ich es dann allerdings gefunden. Und dabei handelte es sich um eine Querstraße:

„Buhlen-Straße!“

Na, wo sind die erfahrenen Köpfe des Gewerbes? Lasst es in den Kommentaren krachen!

Linktausch

Nicht erst seit der Verlinkung dieses Blogs bei bildblog geht der Name dieser Seite ein wenig durchs Netz. Verlinkungen lassen das Herz jedes Bloggers höher schlagen und so geniesse auch ich das. Es freut mich, wenn die Leute diese Seite für empfehlenswert halten.

Und wenn der Webmaster einer Seite sich dann bei mir meldet, und fragt, ob wir Links tauschen möchten, dann finde ich das zunächst auch immer gut. Solche Anfragen ehren einen, und im Grunde profitieren ja beide Seiten davon.

Meist allerdings lehne ich ab.

Warum das so ist, und warum ich das auch den vielen Bloggern empfehlen möchte, die es noch nicht auf die magischen 1.000 Besucher täglich gebracht haben, möchte ich gerne exemplarisch schildern.

Heute morgen bekam ich eine sehr freundliche Mail von H.H., der eine Taxi-Seite. Er bot mir an, seine Seite zu verlinken, er hätte meine schon verlinkt. Für einen Backlink versprach er einen „viel wertvolleren Link“, nicht nur unter den „Empfehlungen“, sondern auf einer seiner „Städte-Unterseiten“.
Wie wertvoll dieser Link ist, will ich nicht bewerten. Ich wollte die Seite nicht gleich auf Herz, Nieren und Zugriffszahlen prüfen – schätze aber, sie ist nicht so bekannt wie meine. Ist ja auch nicht schlimm!
Interessant ist allerdings, dass die „Empfehlungen“ wirklich nur auf der Hauptseite verlinkt sind. Also wirklich: Verlinkt! Nicht angezeigt. Noch dazu verlieren sich die Empfehlungen auf mehreren Unterseiten, und die Linksammlung dort zeigt mir an, dass sich dort ein buntes Sammelsurium an Seiten findet, von denen einzelne sich sogar damit rühmen, fiktive Geschichten zu erzählen.

Sorry, lieber Lieblingskontrahent, dieser Seitenhieb musste sein! 😉

Aber das ist ja nicht alles. Grundsätzlich finde ich die (grob zusammengefasste) Aussage „Und wenn sie mich nicht verlinken, dann entferne ich den Link wieder“ ziemlich unhöflich. Ich weiss, dass das Netz auch ein Geschäftsraum ist. Auch ich habe hier im Blog Flattr, Paypal und Amazon untergebracht, um den Reichtum zu erlangen, den ich mit Taxifahren nicht erreichen kann. Aber thematisch verwandte und interessante Seiten verlinke ich freiwillig, wenn ich sie für lesenswert halte, nicht als Gegenleistung.

Und mal abgesehen davon, dass ich es gar nicht darauf anlege, dass meine Seite in einer Art Rufnummernverzeichnis (was an sich ja eine gute Idee ist) gefunden wird, ist mir eine weitere Kleinigkeit bitter aufgestossen. Ich zitiere hiermit von H.H.’s Berlin-Seite (die mehr oder weniger gleich zumindest für eine weitere Großstadt angelegt wurde):

„Da die Kosten für Taxis in Berlin recht verschieden sein können, lohnt es sich immer zu vergleichen. Am besten vereinbaren Sie mit dem Taxifahrer einen Festpreis.“

Da mich bei meiner täglichen Arbeit kaum etwas mehr nervt als immer wieder irgendwelchen Leuten zu erklären, dass es illegal ist, Festpreise in der Stadt zu machen, sehe ich es dreimal nicht ein, eine solche Seite zu unterstützen.

Meine Antwortmail liest sich komplett so:

„Sehr geehrter Herr H.,

ich danke ihnen für die Anfrage.
Wie jeder Blogger hätte ich gerne mehr Besucher auf meiner Seite, und
wie jeder Blogger bin ich einem freundschaftlichen Linktausch nicht
abgeneigt.
In diesem Fall möchte ich allerdings ablehnen und damit in Kauf nehmen,
dass sie meinen Link wieder entfernen.

In der Hoffnung, sie sind ernsthaft interessiert und schreiben nicht nur
wahllos Seiten mit dem Suchbegriff „Taxi“ an, möchte ich ihnen gerne
eine Begründung liefern:

Zum einen stellt meine Seite für das Angebot ihrer Seite keinen Mehrwert
da. Ich blogge über meine Erlebnisse als Taxifahrer, aber auch wenn ich
für mein Publikum meine Nummer angebe, so ist das in keinem Fall eine
adäquate Möglichkeit, in Berlin ein Taxi zu bekommen, da meine
Arbeitszeiten doch recht beschränkt sind.

Dann bin ich persönlich kein Freund von Links, die mit Bedingungen
einhergehen. Das mag geschäftlich Usus sein, nicht ohne Grund aber ist
meine Seite keine offizielle Geschäftsseite. Wenn sie meine Seite nicht
ohne Gegenleistung für empfehlenswert halten, dann verlinken sie sie
nicht. Das ist völlig ok.

Zu guter Letzt und zum ausschlaggebenden Grund:
Ich begrüße es, wenn das Netz informative Taxiseiten bereithält. Unser
Gewerbe benötigt dringend Offenheit und Transparenz! Aber ich werde
sicher keinen Linktausch mit einer Seite eingehen, die für Berlin
empfiehlt, mit den Fahrern einen Festpreis auszuhandeln.
Das mag jetzt vielleicht kleinlich klingen, aber in meinem Arbeitsalltag
besteht die größte Herausforderung darin, potenziellen Fahrgästen
klarzumachen, dass genau das – einen Festpreis aushandeln – illegal ist.
Zu ihren Gunsten gehe ich davon aus, das sie das aus Unwissenheit
geschrieben haben, möchte sie aber unabhängig von einem Linktausch als
offenbar am selben Thema interessierter Mensch darum bitten, sich
schnellstmöglich mit dem Berliner Taxitarif auseinanderzusetzen und
diese Fehlinformation von ihrer Seite zu entfernen.

Auch wenn ich ihrer Anfrage negativ entsprochen habe, möchte ich ihnen
viel Erfolg mit ihrer Seite wünschen.

Sash

PS:
Ich werde meine Leser vielleicht über diese Anfrage informieren und
meine Ablehnungsgründe offenlegen. Wenn ich sie erwähne, verlinke ich
selbstverständlich auch ihre Seite.“

Und wirklich: Das war eine der seriösesten Anfragen überhaupt!

Liebe „kleine“ Blogger da draussen: Ich weiss, wie sehr es einen reizt, ein solches Angebot anzunehmen. Und vielleicht ist auch wirklich mal der Deal dabei, den man sich immer erwünscht hat. Aber vergesst das Nachdenken nicht! Was einen Blog gut macht, sind nicht gekaufte Links, sondern der Content. Wenn man es gut macht, wird das schon. Es mag dauern, aber es wird!

PS: Ich weiss, dass ich der Seite jetzt doch noch den Link gegeben habe. Das ist ok, soll Herr H. es sich auf seine Fahnen schreiben, so er möchte!
Ich wollte ein anschauliches Beispiel zeigen, und das war es wert.

Das Maria mal wieder

Ich war gerade dabei, ein wenig über mich selbst zu lachen. Im Radio erzählte der Sprecher etwas von den 17 Euro-Ländern, und dank der Betonung hatte ich mich zunächst gefragt, welche runtergekommenen Staaten denn jetzt bitte zu den 17-Euro-Ländern gehören würden.

Da trat ein Anzugträger an mein Auto heran und fragte mich, ob es hier etwa irgendwo einen Club namens Maria geben würde. Etwas anders formuliert höre ich die Nachfrage nach dem Club am Ostbahnhof ja recht regelmäßig. Wie auch in jedem anderen Fall war ich mir nicht zu fein, die 400 m Fußweg mit einmaligem Abbiegen zu beschreiben.

Der sehr nette Kerl bedankte sich höflich, zögerte dann aber doch.

„Sagen sie, könnten sie mich da auch hinfahren?“

„Klar, wenn sie wollen. Aber wegen des Einstiegspreises sind wir da auch gleich bei 4 Euro.“

Im Grunde sage ich das hauptsächlich, weil es mir als Kunde für die paar Meter echt zu teuer wäre. Aber just ein paar Stunden zuvor hatte ich eine nicht ganz so kurze Tour, genau 2 Kilometer, bei der ich am Ende der Strecke vom Fahrgast zu den 6,60 € zu hören bekam:

„Na das sind ja Preise! Für das Stückchen!?“

Der hier war locker.

„Na dann würde ich sie bitten! Ich bin ja so halb im Urlaub hier!“

Da ich gerade mal ein paar Minuten dort stand, lag mir selbst der Gedanke fern, mich irgendwie zu beschweren oder auch nur zu ärgern.

Die Fahrt selber war so kurz, dass es wirklich nichts besonderes zu berichten gibt. Ich zeigte ihm die nicht gerade einladend wirkende Tür im Zaun, die zum Club führt, und er kramte in seinem Geldbeutel, um die aufgelaufenen exakt 4,00 € zu begleichen.

Dass er das nicht mit 4,00 € getan hat, auch nicht mit dem üblichen Fünfer, sondern mit 7,00 € – das ist der Grund, warum es jetzt hier steht. Außerdem hab ich mir grinsend gedacht:

„Wenn du jetzt noch einen Zehner einfährst, gründest du ein 17-Euro-Land!“

😀

Standpunkt zur Prostitution

Kommentator hat anlässlich meines letzten Eintrages eine grundsätzliche Frage zur Prostitution gestellt:

@Sash (und andere Taxifahrer, so sie mitlesen und antworten wollen):

Ohne anmaßend oder moralisch sein zu wollen – und da bin ich ernst, ich bin wirklich nur interessiert:

Wie sieht es mit Deiner (Eurer) Haltung zum Rotlichtgewerbe aus? Prostitution ist immerhin “Veranstaltungsort” der schweren Jungs und leichten Mädchen – und leider auch für Zuhälter, Zwangsprostituierte und jeder Menge Gewalttäter, bis hin zur Verschleppung.

Ich wohne beileibe nicht im Elfenbeinturm – ich weiß und akzeptiere, dass es Prostitution gibt. Leider ist das ohne manche üble Begleiterscheinung nicht zu haben, siehe den vorigen Absatz. Ich weiß auch, dass “Trinkgeld” eine gute und notwendige Sitte ist, ich habe selber lange – und gut – in der Gastronomie davon gelebt, und 90 Euro sind eine echte Hausnummer, weil die eigentliche Dienstleistung erbracht ist, aber das “Handgeld” obendrauf kommt.

Aber wie stehst Du (steht Ihr) persönlich dazu? Zum Gewerbe, zu dessen Begleiterscheinungen – und zum Geld, dass aus dem Gewerbe kommt?

Wie gesagt: Ich frage einfach nur nach der Haltung, nicht nach “Moral” oder so.

Ich kann jetzt erst mal nur für mich antworten, allerdings wäre ich über Kommentare von Kollegen ebenso erfreut.

Zunächst einmal ist die Frage nach dem Sexgewerbe nie ganz ohne moralische Aspekte zu sehen. Die Einstellung zur Prostitution hängt immer irgendwie mit den eigenen Vorstellungen zur Sexualität zusammen, schon weil die Grundfrage, ob Sex käuflich sein darf, viele moralische Vorstellungen verletzt.

Ich für meinen Teil bin entschieden gegen Sexismus, und gehe bei der Definition, was Sexismus ist, sicher weiter als die meisten. Dennoch nehme ich – wie beschrieben – auch Geld aus dem Gewerbe an. Und das nicht undankbar oder heimlich.

Der Grund ist folgender:

In meinen Augen hat die Prostitution eine Daseinsberechtigung. Sie ist nicht umsonst als „das älteste Gewerbe der Welt“ bekannt, und auch darüber hinaus wurde Sex schon immer zum Erwerb von Geld, Macht und dergleichen mehr verwendet. Offen und verdeckt. Und in meinen Augen ist es die bessere Variante, dies offen zu tun.

Es ist für mich wesentlich besser, einen Kunden, der möglichst schnell einfach nur Sex will, bei einer Prostituierten abzuliefern, als ähnliche Gestalten zu einem Club zu bringen, wo sie „geile Weiber“ zum aufreissen finden. Die Prostituierten wissen, was die Kunden wollen, wissen was sie selbst dafür verlangen können und in irgendeiner Form haben beide was davon. Da hab ich bei manchen Clubbekanntschaften größere Zweifel.

Dass das Sexgewerbe zu einem Teil, ja wahrscheinlich Großteil, von dubiosen Gestalten betrieben wird, bzw. dort mieseste Bedingungen vorherrschen, ist natürlich leider ein Fakt. Wenn ich über irgendeinen Laden wüsste, dass sie die Frauen misshandeln oder zum Sex zwingen, würde ich dort auch selbstverständlich keine Kunden hinbringen. Da könnten die mir ein Monatsgehalt zahlen und ich würde es nicht machen. Das Problem ist, ich weiss es nicht! Ich würde es gerne wissen, aber ich kann es nicht sicher sagen. Natürlich mache ich mir meine Gedanken, wenn man in einem Bordell nur 35 € für Geschlechtsverkehr zahlt. Und zu den Läden, bei denen man für einen Zehner mehr auch ohne Kondom „darf“, würde ich nie wieder Leute hinbringen.

Wie in vielen anderen Bereichen auch, ist es wahrscheinlich bei der Prostitution am Wichtigsten, die guten Läden zu unterstützen, sie zu empfehlen, wenn Nachfrage besteht. Ich kann es derzeit nicht. Es mag ein ungutes Zeichen sein, wenn ich als Fahrer schon 90 € für zwei Kunden bekomme, ich hoffe aber, dass die das auch machen, weil sie entsprechend viel von den Kunden verlangen, und damit auch die Frauen möglichst viel abbekommen. Vielleicht naiv, aber ich kann es nicht einschätzen. Das Gewerbe ist nunmal nicht gerade öffentlichkeitsgeil.

Ich persönlich kann mir Prostitution weder von der Kunden-, noch von der Anbieterseite vorstellen. Schon deswegen werde ich wohl nie umfassende Einblicke in diese Szene kriegen, ich muss mich also auch auf Gerüchte und Erzählungen verlassen. Ich habe aber keine moralischen Bedenken bezüglich des Gewerbes an sich, sondern im Gegenteil einigen Respekt vor den Menschen, die ihr Geld tatsächlich so verdienen (müssen). Im Arbeitsalltag komme ich mehr oder minder zwangsläufig mit allerlei Angehörigen der Betriebe in Kontakt, und bis auf wenige Ausnahmen hatte ich gar nicht mal das schlechteste Gefühl dabei.

So, ich hoffe, dass das eine angemessene Antwort war. Für alles weitere ist die Kommentarfunktion da.

Wenn das Glück außer Puste ist…

Das übliche Glücksspiel Taxifahren zeigte sich in meiner Schicht von seiner launischen Seite. Für eine Wochentagsschicht in den Ferien war sie zunächst eher gut, was mit zwei etwas längeren Touren zusammenhängt. Danach war aber erst einmal die Luft raus. Obwohl ich das Matrix erst sehr spät angefahren habe, stand ich dort eine geschlagene Stunde bei mittelschlechter bis weglaufenswerter Musik.

Dafür war mein Fahrgast dann ein sehr sympathischer. Ein junger Mann, Däne, mit guter Laune und recht wenig Drogen intus. Wir haben uns auf Englisch sehr gut unterhalten können, und die Tour sollte mit rund 11 € auch nicht allzu schlecht sein. Der Wartezeit wegen hätte es ruhig länger sein dürfen, aber nachträglich kann ich nur sagen, dass es so genau richtig war 🙂

Er wollte zu einem Hostel, das ich kannte, das zu finden aber auch so kein Problem gewesen wäre. Direkt an der Stelle, an der ich abbiegen musste um zu wenden, standen 2 Typen auf der Straße. Ich hätte an dieser Stelle hupen können, aber ich habe es gelassen. Sie winkten wie blöde und ich hab mich ein wenig geärgert:

Wenn ich meinen Kunden hier, 200 Meter vor dem Hostel, rausschmeissen würde, hätte ich gleich eine Anschlussfahrt!

Auf der anderen Seite hab ich mich auch gefragt, wie schwierig dieses Konzept mit den beleuchteten Dachschildern eigentlich ist. Wenn das Licht aus ist, dann sind wir besetzt oder bestellt. Das kann man sich doch merken, oder?

Als ich an der nächsten Ampel, keine 50 Meter weiter, aufs zweite Linksabbiegen wartete, stand einer der beiden schon wieder fast neben mir. Jetzt sind die meinem Auto hinterhergerannt! Argh! Deppen! Die Ampel war grün, ich trete aufs Gas und bin sie los.
Die Verabschiedung von meinem Fahrgast dauert nicht lange, ein kleines Trinkgeld gibt es noch und von mir ein zwei Sätze zu den Möglichkeiten, sich noch was zu Essen zu organisieren in der Umgebung.

Da reisst plötzlich der Typ von eben die Türe auf und fängt an meinen Fahrgast auf… ja, dänisch schätze ich, zuzulabern. WTF? Er hätte ja auch sagen können, dass er die beiden kennt – dann hätte ich sie gleich eingeladen! Es stellte sich raus, dass sie sich eigentlich nur flüchtig kennen, und es dem anderen durchaus auch darum ging, ein Taxi zu bekommen.

Im Laufe des kurzen Gesprächs kam auch sein etwas moppeliger Begleiter am Auto an, und mir wurde erklärt, dass sie gerne in einen Puff gehen würden. Na das war mal eine wunderbare Überraschung! Noch dazu kannte ich in direkter Umgebung keinen Laden, an dem ich schon mal war. Als dann auch noch feststand, dass sie nicht zu einem Billigladen mit Flatrate oder 35 €-Tarif wollten, hab ich die Chance gesehen, sie zu einem Laden zu bringen, der mir die Anlieferung auch entlohnt…

Und was soll ich sagen? Es hat geklappt. Die Jungs haben mir vor lauter Dankbarkeit satte 5,00 € Trinkgeld in mein zittriges Händchen geschüttet, und der „freundschaftliche“ Handschlag mit dem Türsteher ließ dann noch einmal zufällig 90 € an meiner Handinnenseite kleben. Damit war mir dann auch egal, dass der Umsatz diese Nacht nicht so wahnsinnig gut war – genau genommen lag er unter den sonstigen Zuwendungen 😀

Kurz und einfach

Auf der Straße für eine kurze Fahrt (meinetwegen auch eine Kurzstrecke) herangewunken zu werden, ist klasse. Das kann man gar nicht oft genug betonen. Alles ist besser und lukrativer, als sich am nächsten Stand die Räder platt zu stehen. Dass manche „Kollegen“ so ein Drama daraus machen, wenn Winker „in die falsche Richtung“ wollen, begreife ich einfach nicht.

Dennoch gerät man manches Mal ins Zweifeln, ob einen die Kundschaft nun irgendwie verschaukeln möchte. So kam es z.B., dass ich an der Straßenecke Modersohnstr. / Rudolfplatz Winker gefunden hab. Zwei Jungs, leicht verplant, ein bisschen schief dreinschauend, aber für Berliner Nachtschwärmer ausgesprochen fit.

„Einmal in die Korinnter Straße 22 bitte!“

wurde mir erklärt, nachdem die beiden ins Auto gekraxelt waren.

Aha. Humorvoll hätte ich mit „File not found“ antworten können, denn diese Straße gibt es nicht. Glaube ich zumindest zu wissen. Aber aufgrund der Ecke in der ich die beide aufgegabelt hatte, schien es sehr wahrscheinlich zu sein, dass sie zur Corinthstraße wollten. Das war so gesehen noch ein einfacher Fall. Just bezüglich dieser Straße – wahrscheinlich der ungewohnten Schreibweise wegen – hatte ich schon Anfragen von der „Zorintstraße“ bis hin zur „Korlinkstraße“. Wer den Einfallsreichtum bei Straßennamen in Berlin, und damit die vielen doppelten und ähnlichen Namen, auch nur erahnen kann, versteht vielleicht, warum ich das immer schnell korrigiere. Die könnten bei der nächsten Fahrt ja überall im Großraum Berlin-Brandenburg landen 😉

„Ihr meint sicher die Corinthstraße!“

„Äh? Ja? Kann sein.“

„Seid ihr euch bewusst, dass das nicht gerade weit ist?“

„Ja, tut uns auch…“

„Keine Sorge, ich bring euch da gerne hin – aber das ist nur hier einmal links ab, und…“

„Ja Mann, die haben uns ja hier abgesetzt! Aber jetzt finden wir es nicht!“

„Kein Problem. Die Hausnummer kenn ich jetzt nicht auswendig, also machen wir mal Kurzstrecke. Dann reicht das mit vier Euro.“

„Ja, passt! Bring uns einfach heim!“

Heim? So sehr zu Hause kann es nicht gewesen sein, denn der Weg ist wirklich nur… naja. Seht es euch an:


Größere Kartenansicht

Also bin ich nach links in die Corinthstraße eingebogen…

Bis die beiden gemerkt haben, wo sie sind, hat es eine wahrscheinlich neue Rekordzeit von etwa 8 Sekunden ab Einstieg gedauert. Viel Geld für ein paar Meter nur, selbst Trinkgeld gab es ja noch – aber eine wichtige Erkenntnis: Aus dem Taxi heraus sieht die Welt manchmal gleich ganz anders aus 🙂

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Antwort vom TVB

In meinem letzten – bei bildblog verlinkten (wow!) – Eintrag habe ich neben dem ganzen Schmu im Artikel bei bild.de auch thematisiert, dass ich mich via Mail an den TVB gewandt habe, um bezüglich des etwas verunglückten Zitates von Boto Töpfer eine Stellungnahme zu bekommen. Die Mail war sehr direkt, und ich hab – gerade als bildblog-Leser – natürlich die Möglichkeit mit eingeschlossen, dass das Zitat falsch sein könnte. Meine Mail sah ungekürzt wie folgt aus:

Guten Abend,

sicher ist ihnen der unschöne Artikel bei bild.de über unsere Branche nicht entgangen.

http://www.bild.de/BILD/regional/berlin/aktuell/2011/01/28/grosser-berliner-taxi-test/branche-in-der-kritik.html

Als Berliner Taxifahrer und zugleich Blogger bin ich immer interessiert an derartigen Meldungen. Interessant an diesem Artikel fand ich die Worte, mit denen Herr Töpfer mit Verweis auf den TVB zitiert wurde:

„Dass keine Fahrt über Umwege gelaufen ist, ist verwunderlich. Denn gerade bei Kurzstrecken haben wir oft Beschwerden von Kunden.“

Dass es diese Beschwerden gibt, weiß ich aus meinem Arbeitsalltag nur zu genau, von einem Branchenverbandssprecher aber ausgerechnet Verwunderung über Ehrlichkeit zu hören, irritiert.
Nun ist die Bild nicht gerade für seriöse Berichterstattung bekannt und ich wollte deswegen anfragen, ob

a) dieses Zitat richtig ist und

b) dieses Zitat so für sich stehen sollte, oder aus einem größeren Zusammenhang gerissen wurde.

Für den Fall, dass dieses Zitat richtig ist, würde ich mich über eine Erklärung freuen, weswegen man einer bekannt reisserisch berichtenden Zeitung so einen negativen Satz vorlegen musste.

Ich wäre erfreut, ihre Antwort in meinem Blog rund ums Taxifahren

http://www.gestern-nacht-im-taxi.de

zitieren zu können.

Vielen Dank im Voraus,

Sascha Bors

Erfreulicherweise erreichte mich heute Nacht noch eine Antwort, und zwar von Herrn Töpfer persönlich. Sie ist sehr ausführlich, mitnichten eine Standardantwort, und am Besten ist es wohl, sie auch hier zu zeigen. Ich wollte sie zunächst ausschnittsweise zitieren, da sie sehr lang ist und z.B. auf das Thema Schwarzarbeit weiter eingeht als es im Zusammenhang mit dem Zitat notwendig wäre. Ich habe aber nun beschlossen, die Mail zunächst unkommentiert stehen zu lassen, damit sich jeder selbst ein Bild davon machen kann, gerne auch öffentlich unter Einbeziehung der Kommentarfunktion. Ich werde Herr Töpfer noch einmal persönlich kontaktieren.

Bitte sehr:

Sehr geehrter Kollege Bors,

vielen Dank für Ihre Mail vom 1.2.2011 an den TVB.

„Dass keine Fahrt über Umwege gelaufen ist, ist verwunderlich. Denn gerade bei Kurzstrecken haben wir oft Beschwerden von Kunden.“ In dieser Äußerung werde ich richtig zitiert.

Das Interview fand unangemeldet am Telefon statt und war von sehr kurzer Dauer. Der Interviewer war verwundert, dass ich das für die Berliner Taxifahrer gute Testergebnis nicht mit Begeisterung quittierte. Daraufhin machte ich die zitierte Äußerung.

Meine Verwunderung richtete sich zunächst auf den Aspekt, ob das Testergebnis vom Interviewer selbst richtig verstanden worden war. Denn ich kannte den Test selbst nicht und musste mich also auf die Interpretation des Interviewers verlassen. Dieser versicherte mir, dass kein Fahrer Umwege gefahren sei. Wie ich später im Testbericht las, ist der „unerfahrene Fahrer“ aber für 29 € von der Sonntagstr. zum SXF gefahren, Kollege Cengiz T. für 31,20 €. Offensichtlich ist dem Interviewer also nicht klar geworden, dass Cengiz einen Umweg von 1,7 km gefahren ist – nicht ganz unerheblich zu Lasten des Kunden. Und auch der „freundliche Fahrer“ ist 1,2 km Umwege gefahren – und das, obwohl der Beste in dieser Dreierrunde sich erstmal in einer Sackgasse verirrt hat und dabei gewiß auch unnötige Strecke verbraucht hat. Ich denke, meine Verwunderung ist hier also angebracht.

Der zweite Aspekt meiner Verwunderung richtete sich auf die Frage, ob das Testergebnis mit drei Fahrten auf sechs verschiedenen Strecken repräsentativ sein kann. Diese Frage richtete ich auch an den Interviewer, der meine Bedenken als unverständlich abtat. Sie haben in Ihrer Stellungnahme zum Taxi-Test sehr gut begründet, dass dieser Test natürlich nicht repräsentativ sein kann und daher wertlos sein muss! Auch hier scheint mir meine Verwunderung gerechtfertigt zu sein.

Ich bin also nicht über die Ehrlichkeit der Taxifahrer verwundert. Die allermeisten sind sicherlich bemüht, auf dem kürzesten Weg wie vorgeschrieben den Fahrgast zu befördern. Ich bin über das Zustandekommen und die Auswertung des Test verwundert, denn leider gibt es zuviele Kollegen, die nicht wie vom Interviewer behauptet den kürzesten Weg fahren – siehe Sonntagstraße – SXF. Das zeigt uns auch der Beschwerdeeingang im TVB, den wir sehr genau auswerten. Fahrten von TXL zum Ku-damm für 35 € sind da keine Seltenheit. Es sind diese Fahrten und diese Kollegen, die uns Taxifahrer in Misskredit bringen. Und beim nächsten Mal fahren wir dann nicht mehr, sondern der nette Neffe mit seinem neuen Auto, mitgesponsort durch die Tante, nimmt uns diese Tour dann weg!

Abschließend noch eine Bemerkung zur Schwarzarbeit, die natürlich bei solchen Tests überhaupt nicht erkannt werden kann. Das haben Sie völlig richtig geschrieben! Mit Schwarzarbeit verbinden die meisten Interviewer das Fahren ohne eingeschalteten Taxameter. Diese Form von Schwarzarbeit ist ja nur ein kleiner Teil des Problems, den die meisten Fahrer auch ablehnen und daher nicht praktizieren.

Das Problem Schwarzarbeit bedeutet ja für alle sauber abrechnenden Taxifahrer und Unternehmer eine unerträgliche Wettbewerbsverzerrung, da hier Steuern und Sozialabgaben von leider viel zu vielen Betrieben kleingerechnet werden. Es ist schon ein Unterschied, ob ein Unternehmer für ein zweischichtig gefahrenes Taxi 700 € jährlich an die Berufsgenossenschaft überweisen muss oder nur 175 €. Während der Ehrliche noch die 525 € einfahren muss, liegt der Verkürzer schon am Strand und genießt den Urlaub. Wohlgemerkt, der Verkürzer hatte die gleiche Lohnsumme wie der Ehrliche! Nur angegeben hat er sie nicht. Rechnet man diese Wettbewerbsverzerrung auf alle Sozialversicherungszweige um und bezieht auch noch alle Arten von Steuern ein, die zu zahlen sind, haben Sie, ich und alle sauber wirtschaftenden Kollegen einen Wettbewerbsnachteil von 5000 – 6000 € im Jahr. Bei mehreren Taxen in einem Betrieb muss man diese Beträge sogar noch multiplizieren.

Obwohl wir also als Taxifahrer alle den gleichen Job machen, spielen alle Beteiligten in zwei unterschiedlichen Ligen, was den Ertrag angeht. Eine unerträgliche Ungerechtigkeit. Diese Art des massiven Betrugs geht Gott sei Dank nicht zu Lasten des Fahrgastes und so wird der Fahrgast auch nicht wegbleiben. Deshalb sollten wir offen im Taxigewerbe über das Problem Wettbewerbsverzerrung reden. Wir im TVB tun dies.

Ich hoffe, ich konnte Ihrer Bitte um Erklärung zum Interview entsprechen. Sie können auch gerne meine Stellungnahme in Ihrem Blog zitieren. Ganz besonders würde ich mich freuen, wenn Sie mich im TVB ansprechen würden, falls Ihnen etwas stinkt. Kritische Kollegen wie Sie sind im TVB immer sehr willkommen!

Mit kollegialen Grüßen

Töpfer