Antisemitismus im Taxi …

Die letzten Berichte hier aus Berlin sind nicht gerade schön. Nach dem einen öffentlichen Aufschrei verursachenden Angriff auf einen Rabbiner und nun einer Bedrohung eines Mitglieds des Zentralrates der Juden wurde die Tage offenbar auch eine jüdische Familie aus dem Taxi geschmissen, nachdem sie erklärt hatten, zur Synagoge zu wollen.

Ich bin kein Freund von Religionen und ich schließe da das Judentum mit ein. Aber das alleine ist definitiv kein Grund, jemanden aus dem Taxi zu werfen und in Anbetracht der deutschen Geschichte bleibt natürlich ohnehin ein bitterer Nachgeschmack. Ich teile dieses Mal nicht die Meinung meines sonst sehr geschätzten Kollegen Aro, dass es an der Zeit sein könnte, über eine Bewaffnung nachzudenken, sondern ich denke, dass man sich mehr darum kümmern sollte, endlich mal vernünftig miteinander umzugehen.

Leider schließen sich Vernunft und Religion aus.

„Die Krone der Schöpfung“, schon klar …

Autochen wieder heile

Diejenigen, die mir bei Twitter folgen, haben mitbekommen, dass ich gestern Abend gelinde gesagt ein wenig verstimmt war. Das Auto kreischte immer noch ziemlich nervig, der die letzten drei Tage fahrende Kollege hat nichts davon mitbekommen. Also bestand meine Arbeit gestern darin, die Kiste zur Werkstatt zu fahren.

Ein bisschen Hin und Her in der Firma sorgte dann dafür, dass ich heute ein bisschen wenig Schlaf bekommen habe. Naja, im Grunde haben die abgeschossenen Träume im Halbschlaf alles wieder wettgemacht 😉

Und gelohnt hat sich die Werkstatt auch – alle vier Bremsen wurden erneuert. Damit ist hoffentlich auch das Quietschen der letzten Beläge Vergangenheit.

Nun muss ich halt abermals bis nach Schöneberg runtergurken, um das Auto zu holen. Kein Vergleich zum Abstellplatz vor der Türe, den ich die letzten Tage immer hatte. Aber dann kann es wieder losgehen. Gerettet hat den Tag dagegen die Aussicht, nun doch auch die Rücktour von Leipzig machen zu können, und zwar bereits am kommenden Dienstag. Dieses Mal vielleicht sogar wirklich mit der 1925.

Naja, euch jedenfalls allen ein schönes Wochenende!

Heinrich! Mir graut’s vor Dir.

…und da saß sie nun in meinem Auto und wollte in die Heinrichstraße. Ich hatte zwar zunächst eine Idee, verwarf sie aber wieder, als mir mein Navi bedeutete, es gäbe eine zweite Straße dieses Namens. Kein allzu seltenes Problem.

„In welchen Stadtteil müssen Sie denn jetzt? Ich hätte Rummelsburg und Lichterfelde anzubieten.“

„Ähm, ich, ich glaube Lichterfelde.“

„Nur kurz zur Info: Rummelsburg liegt in Lichtenberg. Nicht, dass Sie mir das verwechseln!“

„Lichter …, Lichten …, Friedrichshain?“

„Nee, nicht wirklich, sorry. Lichtenberg liegt zwar direkt neben Friedrichshain-Kreuzberg, aber ob es deswegen das ist, was sie suchen?“

Abermals musste jemand telefonieren, um das Ziel zu ermitteln. Nur ging – Kunststück um 3 Uhr nachts – niemand ran. Wir hättem das Problem noch eine Weile weiter besprechen können, dann entschied sich meine Fahrgästin jedoch resolut für Lichtenberg. So denn. Zudem hatte sie angesagt, dass sie ggf. eben doch auch nach Lichterfelde mit mir fahren würde. Des Geldes wegen hätte ich um einen Irrtum beten sollen.

War dennoch richtig. Und irgendwie bin ich auch trotzdem froh drum.

Bleibt nur, abermals zu sagen: Wenn ihr in Berlin seid, dann merkt euch bitte auch den Stadtteil!

Nach Osten!

„Guten Abend, wohin soll’s denn gehen?“

„Bahnhof Friedrichstraße.“

„Kein Problem.“

Also los! Ist ja schön. Klare Ansage, das Ziel ist mir bekannt, perfekt!

„Gibt es andere Bahnhof wo ist in Nähe?“

„Ähm, hmm … der Ostbahnhof?“

Ich hatte den Winker unweit des Ostkreuzes mitten im Boxhagener Kiez aufgesammelt. Nun also der Ostbahnhof, gut. Liegt zwar wesentlich näher und ist damit keine so gute Tour, aber was soll’s?

„Muss nur kommen in Osten!“

„Osten? Aber der Ostbahnhof ist auch westlich von hier. Wohin in den Osten müssen Sie denn genau?“

„Oh, weit in Osten. Bis Polen!“

OK, dass er dahin kein Taxi nimmt, konnte ich verstehen. 🙂

Happig

Wenn ich hier gelegentlich rumnörgel über große Scheine, soll das wirklich nicht klingen, als würde ich die aus Prinzip ablehnen oder es nicht verstehen, dass man es manchmal nicht kleiner hat. Passiert mir auch mal und man hat auch besseres vor als immer nur permanent nach dem passenden Schein in der Tasche zu suchen. Ich weise bloß – gerade weil ich mit GNIT ja inzwischen auch eine Menge Leute erreiche – darauf hin, dass uns das manchmal Sorgen machen kann.

An Tagen, an denen erwartungsgemäß viel Großgeld zu erwarten ist (am ersten und fünfzehnten, ggf. am ersten Wochenende danach) nehme ich auch etwas mehr Wechselgeld mit, um dem zu begegnen. Aber neulich hatte ich dann einen Schichtanfang, bei dem ich das zwar mit den Kunden geregelt bekommen hab, es aber doch nervig wurde.

Erste Tour kurz nach Kreuzberg rein: 7,60 €, machen ’se 8, kleiner hab ich’s nicht. Erster Fuffi.

Dritte Tour – noch keine 20 € Umsatz insgesamt – kommt der nächste: 8,80 €, machste 9!

Ich war sowieso fast zu Hause, also hab ich dort mal eben die zwei Fuffis kleingewechselt.  Alles wieder im Lot. Fahre ein bisschen rum, eine Kurzstrecke, danach wieder am Ostbahnhof. 5 betrunkene Jugendliche wollen einmal in die Manteuffelstraße. Dank Großraumzuschlag entlasse ich sie bei 7,50 € auf der Uhr, als sie mir beichten, dass sie alle nur noch Hunderter dabei hätten. Trinkgeld gab es keines. Der Typ, der dann einsteigen wollte, hatte auch nur einen Fuffi und hat auf meine Frage hin ziemlich verärgert ein anderes Taxi genommen.

Ich bin schnell zu meiner Tanke und habe ausnahmsweise bar bezahlt. Woraufhin der an der Tanke auch etwas sparsam geschaut hat und der Kollege (der mich kannte) schnell nach hinten ist und mir aus dem bereits abgezählten Geld im quasi schon verstauten Kassenbeutel den Hunni kleingewechselt hat.

Ich versuch’s wirklich – aber an dem Abend hab ich im Anschluss ein oder zweimal nachgefragt, ob das mit dem Fuffi jetzt wirklich sein müsste. Und siehe da:  nein.

Man kann darüber streiten, ob es sinnvoll ist, dass der einzelne so wenig Geld dabei hat. Aber es ist wichtig, dass die Mehrheit es so hält, da es immer noch zu viele Überfälle gibt und es im Falle des Falles nicht nur unseren Schaden begrenzt, sondern viel mehr auch die Anreize senkt. Ich fände es schön, meinem Chef nur große Scheine in die Hand zu drücken. Würde die Arbeit auch erleichtern – aber manchmal kommt man an Grenzen.

Richtig süß fand ich dann schon wieder die etwas unsicher wirkende Oma, deren Enkel mich herangewunken hat. Er meinte, die Fahrt wäre noch eine Kurzstrecke und hatte damit Recht. Oma war begeistert davon, dass das Taxi wirklich nur 4 € kostete und rundete wie die meisten auf einen Fünfer auf:

„Wo ich’s doch eh nur so groß hab …“

Ein Zwanziger. Niedlich.

Kleine Gastgeschichte über eine unmögliche Fahrt

Hallo Sascha

Ich bin zwar erst seit kurzem Leser.
Aber habe mich schon sehr festgelesen in Deinem Stoff.
Und immer wieder stelle ich fest, wie sich doch die Gedankengänge und Sichtweisen von Taxifahrern gleichen können.

Ich bin selbstfahrender Unternehmer in Dresden, der fast ausschließlich Nachts am Werk ist.
Die meisten die mich kennen, würden mich als beknackten Vollpatienten bezeichnen, der jeden Tag doch zu motiviert seinen Dienst macht, egal welches Geschäft gerade an liegt.
Wobei es glaub ich die beste Variante ist, um für jeden Kunden die beste Laune vorrätig zu haben, in dem man immer hochmotiviert seinen Dienst beginnt und macht.

Soviel zu mir…

„Es ist schon einige Zeit her, aber schön erzählt zu werden.

Es war eine Samstag Nacht, die durch einen Promi und Medien lastigen Boxkampf recht gut rockte.
Kurz vor4, das zweite Huhn (Schwan/200) war lange zu.
Ich wollte noch soviele Fahrten machen, bis mich eine in meine HeimPostleihzahl verschlägt. (soetwas kann auch mal den Dienst um 2std verlängern).
Doch beim zurück kullern zum Veranstaltungsort, winkte es doch zarkhaft am Straßenrand.
Gestopt und eingeladen.
Eine junge Frau an die 30.
Blond, recht gut aussehend
aber sie hatte verweinte Augen.

„wo soll es den hingehen?“

„ich brauch was zum pennen“

„Also Hotel?“

„ja“

„Willst Du morgen irgendwo hin fahren, da wäre ein Hotel am Bahnhof ja sinnvoll“

„ähm ja will morgen nach Berlin, is mir egal“

Da ich den Job nun schon eine weile mache, bin ich ja weder zimperlich noch Geschäftsuntüchtig.

„Berlin???
Ich kann Dich auch glei nach Berlin fahren.. Ist in 1,5std erledigt“

„Nach Berlin fahren???
Jetzt???
Was kostet das???“

„300euro“

„okay dann überrasche ich meinen Freund glei.
Müssen wir aber an einer DeutschenBank halten.“

Gesagt getan.

Als wir dann auf der Autobahn so dahin flogen.
Wurde sie dann entspannter und fing an zu erzählen.
Was sie denn in Dresden macht.
Sie war mit ihrem Vater bei dem besagten Boxkampf.
Und nach irgendwelchen Streitigkeit und Außeinandersetzungen.
Ist sie dann da geflüchtet und spazierte schon mindestens 1std allein durch Dresden, ohne sich auch nur ein Stück auszukennen oder gar wieder zu finden.
Bis dann das Licht am Ende des Tunnels erschien,
Mein Taxilicht,
Welches ja nun das HappyEnd der Nacht bescheren sollte.

Nach viel Bla und Blub über Gott und die andere Welt, nach etwas mehr als 1std, näherten wir uns doch schnell dem Schönefelderkreuz.
„Berlin ist gleich gefunden…
In welche Ecke möchtest Du denn?“

„naja…
Eine Straße kann ich Dir nicht sagen“

„ja is ja kein Problem, jede Straße kenn ich in Berlin auch ni.
Aber sicher kannst Du mir den Weg zeigen.“

„ähm…
Ich weiß nur…
Es sind drei Haltestellen mit der Straßenbahn vom Alex aus, und an der dritten Haltestelle ist ein NettoMarkt“

Jetzt werden viele denken:
Oh Gott LottoSpiel…
Scheiße das findet der ni…
Und der Berliner Taxifahrer fährt in Gedanken jede Linie ab…

Aber
Gut das ich mal drei Jahre in Berlin gelebt hab.
Hab da sogar meinen Führerschein gemacht.
Was auch der Grund ist warum ich gern nach Berlin fahre.
Ich liebe den Berliner Verkehr.
Obwohl das für Sonntag morgen gegen um6 egal ist.
Den da ist Berlin so ruhig wie jedes andere Dorf auch.

Also runter von der Autobahn
Adlergestell
Treptower Park
Vor bei am Ostbahnhof
Zum Alex

„na da fangen wir mal an…“

(sorry fals Straßennamen nicht ganz passen)

Erster Versuch:
Linie Richtung Schönhauser Allee
Dritte Haltestelle kein NettoMarkt

Also auf Anfang

Zweiter Versuch:
Dritte Haltestelle kein Netto

Dritter Versuch:
Richtung Greifswalder
Dritte Haltestelle Netto? NEIN!!!

Und nochmal Alex

Irgendwie eine Linie Richtung Landsberger Allee
Dritte Haltestelle
JA ein Netto
Also Links rein

„jetzt muß es der Block sein nach dem Kindergarten.
Da habe ich drauf geschaut.“

Siehe da…
Da ist ein Kindergarten und dahinter der Block der muß es sein.

„ja hier, genau“

„na da geh mal klingeln“

„na muß ich mal guggen
Ich weiß 6etage, aber er wohnt bei einem Kumpel und ich weiß ni wie der heißt“

Also wir zum Klingelbrett
Zehngeschoßer
Berlin Sonntag früh um kurz nach 6
Und dann nur Russische Namen an der Klingel.
Man kann es als „Russisch Roulette“ bezeichnen

„ähm pass auf!!!
Du klingelst!!!
Ich setzt mich wieder ins Auto“

Sie hat die richtige erwischt.
Und ihr Freund hat sich echt riesig gefreut.

Aber wie heftig muß der Vater mit ihr umgesprungen sein,
Das sie völlig allein und auch planlos davon irrt.
Und am Ende auch noch Ziellos nach Berlin fährt.

Mich hat es gefreut
Es gibt nix besseres als jemanden zu helfen ob über kurz oder lang.
Und dafür belohnt zu werden.

Und so segelte ich beflügelt wieder Richtung Dresden.

Vielen Dank für die Aufnahme meiner Geschichte in Deinem Blogg.

Liebe Grüße vom Taxi Spockie aus Dresden

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Kleine Umfrage zum Trinkgeld

Ich verweise zwar ohnehin immer gerne auf die Seite meiner Chefs, heute tue ich es aber mal wieder aus Gründen: Ich hab eine kleine Umfrage zum Trinkgeld-Geben dort gestartet und würde mich freuen, wenn ein paar meiner Leser daran teilnehmen.

Und Lesen und Liken dürft ihr die Artikel ruhig auch. Ich schreibe nämlich auch dort fürs Publikum und nicht nur für meine Chefs. 😉