Das erste Todesopfer

Das erste direkte Todesopfer zumindest. Wie viele ich dank meiner Arbeit schon auf dem Gewissen habe, lässt sich nur schwer ermitteln. Keine Ahnung, ob ein Opel-Mitarbeiter nach dem nervigen Einbau des Armaturenbretts der 1925 Selbstmord begangen hat, oder wie viel die Abgase im Rahmen meiner Personenbeförderung zum ein oder anderen Lungenkrebs in Berlin beigetragen haben. Wie beinahe bei jedem Job ist auch beim Taxifahren nur schwer zu erfassen, auf wie vielfältige Art man seiner Umwelt gerade das Leben versaut oder ggf. beendet.

Heute Nacht hab ich wohl tatsächlich eine Ratte erwischt. Und lustig finde ich das eigentlich nicht, ich kenne Ratten ja auch mehr als intelligente Haustiere, denn als die verrufenen Schädlinge. Vielleicht war es sogar eine sehr sympathische Ratte, die erst kurz zuvor einem Nazi in die Wohnung gekackt hat – immerhin hab ich sie auf der Weitlingstraße erwischt.

Absicht war es also nicht. Ich hab noch gebremst, als sie – gefühlt schneller als ich in der 30er-Zone – auf die Straße gerannt ist. Mit einem Schimmer Hoffnung hab ich gesehen, wie sie dann ängstlich mitten auf der Straße kauerte, denn so konnte ich sie wenigstens zwischen die Räder bekommen.

„Bleib ruhig sitzen, dann ist es in einer Sekunde vorbei und wir setzen danach einfach beide unseren Weg fort …“

Knackknack.

Da ist sie wohl nicht sitzen geblieben. 🙁

Die Sache mit dem Lesen

So wenig wie heute auf den Straßen von Berlin los war, kann ich nur sagen: O ja, gelesen hab ich heute Nacht viel! Meine Twitter-Timeline, aber auch Sommerhit von Tom Liehr. Nicht komplett, ich bin noch dran – aber wie bislang eigentlich alle Bücher von ihm (Ich verweise hier gerne auf meine Rezension zu Idiotentest) kann ich es jetzt schon guten Gewissens empfehlen.

Lesen will auch jemand anders ab dieser Nacht, nämlich ein Kunde. Aber nicht die Bücher von Tom Liehr – obwohl, zugegeben: DAS weiß ich jetzt nicht sicher. Aber eigentlich ging es um mein Buch.
Das Ganze begann mit der klassischen Frage:

„Hehe, Du klingst wie ein Student. Du studierst doch auch bestimmt, oder?“

Innerlich habe ich mir den Kopf zerbrochen und mir überlegt, wie ein Student wohl so klingen mag, ob das nun ein Kompliment oder ein Angriff war … am Ende musste ich das dann jedoch wie immer verneinen. So ganz locker lassen wollte der junge Mann aber nicht und quetschte mich weiter aus, ob ich denn außer Taxifahren nicht doch noch irgendwas anderes (er hat nicht „richtiges“ gesagt!) machen würde. Also hab ich gespielt kleinlaut gemeint:

„Ja, sicher. Und es ist noch klischeehafter als Studieren. Ich schreibe nebenher.“

Wie alle anderen bisher auch fand er das toll. Dass ich blogge und bereits ein eBook rausgebracht habe, hab ich gerade noch so unterbringen können, ansonsten hat er auf der kurzen Fahrt viel von seinem Kumpel erzählt:

„Der bringt jetzt auch sein erstes Buch raus – wobei mir immer noch rätselhaft ist, wie man ein ganzes Buch vollschreiben kann.“

Verstehe ich. Denke ich mir ja ehrlich gesagt auch immer wieder. Besonders bei Monumentalwerken über 1000 Seiten. Aber gut, er fand das jedenfalls voll dufte und am Ende der Tour verkündete er neben der Tatsache, dass er leider wirklich nicht mehr als die 20 Cent geben könnte, die noch auf den vollen Zehner fehlten, dass er mein Buch lesen würde:

„Auf jeden, Digger!“

Da bin ich ja mal gespannt. Er kennt weder meinen Namen noch den des Buches. Auch nicht den meines Blogs oder sonst irgendwas. Er hat sich nicht einmal die Konzessionsnummer des Taxis notiert oder sich eine Quittung geben lassen …

In seinem Fall war’s sicher nett gemeint und eine Art Entschuldigung dafür, dass es kein größeres Trinkgeld mehr gab. Aber ein bisschen verarscht kommt man sich nach so einer Aussage dann doch vor.

-.-

Sonnenschein-Paradoxon

OK, zugegeben: So richtig paradox isses nicht, aber es verwundert durchaus, dass jetzt mit steigenden Temperaturen auch wieder mehr Taxifahrgäste zu verzeichnen sind. Eine allgemeine Logik, die alleine im Wetter begründet liegt, ist aber auch nicht erkennbar. Denn witzigerweise liegen ja im Taxigewerbe der durchschnittlich beste Monat (Dezember) und der schlechteste (Januar) unmittelbar nebeneinander, meist im Winter. (Meteorologische Ausnahmen in den letzten Jahren zwingen mich zu dieser Relativierung)

Mich hat’s heute der Sonne wegen ein bisschen zu früh aus dem Bettchen gebrezelt, da dachte ich, ich könnte Euch optimale Zielgruppe doch mal fragen, wann ihr lieber ins Taxi steigt:

Im Winter, wenn es zu kalt zum Laufen und zu dunkel ist, um im Weg herumliegende Baugruben zu sehen – oder im Sommer, wenn man bei jedem Schritt ins Schwitzen gerät und wenn man im Taxi wenigstens gesehen wird?

Fahrt Ihr öfter Taxi, wenn es warm und hell ist?

  • Ich mag ja lieber Spaghetti Napoli. (50%, 237 Votes)
  • Da ändert sich bei mir nix. (27%, 127 Votes)
  • Nö, natürlich eher im Winter, wenn Laufen nervt. (18%, 87 Votes)
  • Sicher, da bin ich ja öfter unterwegs. (5%, 23 Votes)

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Über alles reden …

„Was krissn?“

„8,60 €.“

„Wir könn’n über alles reden, oder?“

Ach du meine Scheiße, nicht im Ernst, oder? Man sollte wissen, dass ich davor knapp – ok, wirklich nur ganz knapp – über eine Stunde am Ostbahnhof angestanden habe für die Fahrt.
Ich weiß, dass ich hier immer besonders uneinsichtig klinge, was den Fahrpreis angeht – aber das bin ich normalerweise ja auch nicht ohne Grund. Ausgerechnet während der Arbeitszeit hab ich eben das wenigste Geld zu verschenken. Denn da kostet es mich wegen des Verdienstausfalls quasi das Doppelte. Das stimmt zwar auch nur bedingt, schließlich kriegt mein Chef die Hälfte (wovon aber auch ein Großteil für laufende oder galoppierende Kosten rausgeht), es fühlt sich für mich aber zumindest so an.

Also hab ich etwas unbeholfen versucht, diplomatisch und direkt zugleich zu sein:

„Sicher, reden können wir über alles. Aber die 8,60 € hätte ich gerne vorher.“

Woraufhin mich die Antwort überrascht hat:

„Ja nee, dit is‘ ja klar. Aber wissense, mein Freund …“

Ich war wirklich lieb zu ihr, ganz ehrlich. Aber nach rund zwei Minuten war klar, dass sie (sturzbetrunken, gerade von einem Typen zum Taxi gebracht) sich Sorgen machte, ob ihr herzallerliebster Freund auch treu sei, schließlich wäre er heute mit ein paar Kumpels im Club und da wären sicher auch Mädels dabei.
Und ich Idiot hatte die Uhr tatsächlich schon ausgestellt. Folglich hab ich mich etwas kurz gefasst, was bei meiner Einstellung zum Thema glücklicherweise auch geht:

„Eifersucht ist Scheiße! Wenn Ihr euch vertraut, dann passt doch alles. Wenn nicht, dann ist das Problem nicht, dass einer von euch alleine weggeht. Wer hat Dich denn eben zum Taxi gebracht, kennt dein Freund den?“

Erstaunlicherweise habe ich – was bei diesem Thema leider zu selten ist! – Zustimmung erfahren:

„Nee, den kennt der nicht, das ist doch der Patrick, und der ist doch nur …“

„Ja?“

„Der ist doch nur heute, weil ich … meinste echt?“

„Hey, hey, hey! Ich misch mich sicher nicht in eure Beziehung ein!“

„Nein, ey, boah, aber mal echt ey! Nee, Du hast schon Recht! So mit Heimbringen is‘ ja jetze nich‘ so des Ding ey!“

Wow! Andernorts hört manch einer Groschen fallen, ich hab derweil Geräusche im Ohr gehabt, die entstehen müssten, wenn Dagobert durch seine Taler pflügt. Abgesehen von den 1,40 € Trinkgeld war das mit den Moneten in dieser Situation aber nicht die Rede wert. Und ob ich nun einen Abend, eine Beziehung oder gar nichts gerettet habe, weiß ich nicht.

Das kann mir auch egal sein, schließlich war ich in dem Fall nur der Taxifahrer. An meiner These halte ich jedoch fest:

Nichts, aber auch ums Verrecken gar nichts ist gut an Eifersucht. Nicht teilweise, nicht ein bisschen und schon gar nicht nur in diesem oder jenem Fall. Und – man verzeihe mir den arroganten Einschub – ich bin mir aus Erfahrung dabei absolut sicher. 🙂

Aber fühlt Euch frei, mich zu überzeugen.

Zu perfekt, um blogbar zu sein

Da verspreche ich große Anekdoten vom ersten Mai vom Taxi-Rücksitz aus und dann hab ich mal wieder Dusel im Quadrat.

Ich laufe ja selten so viel durch die Stadt wie am ersten Mai, da kommt am Ende dann doch mal eine gewisse Fußlahmheit auf. Und die Fußlahmheit kombiniert mit Kreuzberg ist ein bisschen unpraktisch, weil die Polizei zumindest grob dafür sorgt, dass keine Autos irgendwo zwischen Schlesischem und Kottbusser Tor unterwegs sind. Wobei sich vortrefflich drüber streiten ließe, ob das zum Schutz der Betrunkenen auf der Fahrbahn passiert oder zum Schutz der Autos vor den Zündeleien der Betrunkenen.

Aber ebenso wie es auch nüchterne Leute am ersten Mai gibt (siehe den Autor dieses Textes), gibt es auch Autofahrer, die sich nach Kreuzberg verirren. Insbesondere Taxifahrer, schließlich sind in sämtlichen 11 Restbezirken an dem Tag nicht so viele Leute unterwegs wie hier.
Und während die Kilometer und letztlich auch die Meter unter den Füßen immer länger wurden, hielt plötzlich 5 Meter vor mir ein Taxi und spülte vier junge Tschechen in die nach Bier, Grillfleisch und Gras riechende Nacht. Und nicht nur, dass es ein fahrbarer Untersatz war, weit gefehlt: Ausgerechnet einer meiner nettesten Nachtschichtkollegen aus dem Taxihaus
Einer von vielleicht dreien unter den schätzungsweise 5.000 Taxen, die in dieser Stunde auf den knapp 900 km² Berlin unterwegs waren. Da kommen wir in die Wahrscheinlichkeitsregionen von Lottogewinnen. Dabei war es mir eigentlich bereits so egal. 10 Minuten zuvor hatte ich schon gesagt: Einfach das nächste Taxi. Meinetwegen einer, den ich danach anzeigen muss …

Aber nee, diese „Kollegen“ erwische ich dann irgendwie doch nie.

Wohl besser so. Für die zumindest. 🙂

Schlimm nur, dass ich bei meinen Lieblingskollegen nie das eingeplante Trinkgeld loswerde …

PS: Gruß an alle Leser, die mich im Laufe des Tages aufgespürt haben! Ihr wisst, wer ihr seid. Und ein spezielles Sorry an Hannes: Für ein Bier hat die Kondition gestern Abend nicht mehr gereicht. Ich hole es nach! 🙂

Mein Feiertag

So, der erste Mai steht vor der Türe.

„Wie sieht’s aus? Fährste am ersten?“

„Nö, wie jedes Jahr.“

„Is‘ wohl besser so, nich‘ dass de Ärja kriechst mit all de Chaoten …“

Das ist jetzt der fünfte erste Mai in der Firma und mein Tagfahrer weiß immer noch nicht, dass ich wohl auch einer von „de Chaoten“ bin – im Übrigen einer derjenigen, der immer am ersten Mai mit dem Taxi heimfährt, also als Kunde. Hat sich eher zufällig eingebürgert, ist inzwischen aber festes Ritual. Und auch wenn ich nach den unerträglich langen Tagen (also wirklich Tag, mit Sonne und so) ins Taxi falle, rieche ich sicher nicht unbedingt nach Blümchen und Frühlingswiese – die Fahrer, die mich trotzdem mitnehmen, haben es aber definitiv nie bereut. Wenn ich fertig oder wie letztes Jahr auch etwas angetrunken bin, dann bin ich trotz leerer Haushaltskassen doch immer ein Freund davon gewesen, großzügig aufzurunden. Am ersten Mai gebe ich jedenfalls – sobald auch nur der Hauch einer Berechtigung besteht – ein Trinkgeld, das ich selbst verbloggen würde.

So wie es die netten Kunden an Weihnachten und Silvester machen, weil wir ja „ach je“, selbst jetzt noch arbeiten müssen. 🙂

Ich hab keine Ahnung, wie mein Schlafrhytmus bis morgen sein wird, aber egal: Wenn mir nicht eine handfeste Krankheit in die Quere kommt, bin ich sowohl vormittags zugegen, um das blöde Nazipack vor der Haustüre meiner Chefs wegzujagen, als auch in den Abendstunden bei der revolutionären Mai-Demo in Kreuzberg. Hat ja jeder so seine Feiertagsvorhaben.

Dass ich mich natürlich besonders freuen würde, irgendwen von euch ausgerechnet bei einer Anti-Nazi-Aktion kennenzulernen, versteht sich von selbst. Ansonsten wünsche ich insbesondere allen Berlinern einen gutgelaunten und feierintensiven ersten Mai!

Kommet zuhauf, fahrt mit dem Taxi, wo es nur geht – und nie vergessen:

Kein Sex mit Nazis!

Aber wem sage ich das? 😉

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Wen braucht man für Musik im Club?

Im Notfall einen Taxifahrer.

Die vielleicht lustigste Fehleinschätzung bezüglich Taxen ist die, dass man sie selber garantiert nie braucht. Viele von euch Lesern sind – wie ich auch – bemüht, Taxifahrten möglichst zu vermeiden. Schließlich kostet Taxifahren ein Schweinegeld und das haben wir alle nicht sonderlich locker sitzen. Aber selbst wenn man beispielsweise ein treues Rad besitzt, kann es mal passieren, dass man ein Taxi braucht. Ob man nun seiner Mobilität beraubt wurde, müde oder bequemlichkeitsversessen ist: Es gibt ja eine Menge gute Gründe, am Ende doch mal ein Taxi zu rufen.

Und das soll nicht einmal Werbung sein, das ist die Realität. Wir sind wirklich nicht da, um ausschließlich Leute zu transportieren, die zusätzlich zu einem fürstlichen Gehalt auch die Taxifahrt nach Hause vom Chef gezahlt bekommen, sondern einfach als Fortführung des öffentlichen Nahverkehrs, wenn Busse und Bahnen mal nicht mehr, bzw. nur noch selten und nicht mehr überall fahren. Oder wenn man bis vor die Tür muss – ich hatte ja sogar schon Obdachlose im Wagen

Und so kam es dann, dass ich am letzten Wochenende eine offensichtlich nicht ganz unentscheidende Rolle gespielt habe, als es um die Beschallung des Fritz-Clubs ging. Leider leider war der Anlass nicht etwa die in meinem CD-Player rotierende Discover My Soul von H-Blockx, sondern dass ich als erster an der Halte am Ostbahnhof stand.

„Einmal in die Sonntagstraße. Und vielleicht dann auch wieder zurück.“

„OK, gerne doch. Die Rückfahrt ist noch nicht sicher?“

„Doch, auf jeden Fall.“

„Dachte nur, wegen dem ‚vielleicht‘ …“

„Nee, muss schnell ein Netzteil besorgen für den DJ!“

„Im Fritz?“

„Ja. Der Laptop will nicht mehr lange. Früher hat man ja mit Platten aufgelegt – oder mit CD’s – aber jetzt sind das halt die Probleme …“

„Stimmt, den Stecker am Plattenspieler konnte man schlecht vergessen.“

„Ja, und jetzt muss der Techniker halt mit dem Taxi kurz mal …“

Es war eine überaus nette Tour. Seinen Sprint in die Wohnung hab ich genutzt um zu wenden und am Ende sind wir auch mit den 15 Euro locker hingekommen, die er bereits für die Fahrt gekriegt hatte. Den Rest durfte ich behalten (immerhin 2,60 €) und hatte bislang selten das Gefühl, dass jemand das Trinkgeld für so selbstverständlich erachtet.

OK, einen gab’s, aber bei dem war das anerzogen.

Ein Netzteil also. Na gut. Öfter mal was neues. Aber wenn ich ehrlich bin: Nach der Konzertanlage schockt mich das auch nicht mehr wirklich … 😉