Zu perfekt, um blogbar zu sein

Da verspreche ich große Anekdoten vom ersten Mai vom Taxi-Rücksitz aus und dann hab ich mal wieder Dusel im Quadrat.

Ich laufe ja selten so viel durch die Stadt wie am ersten Mai, da kommt am Ende dann doch mal eine gewisse Fußlahmheit auf. Und die Fußlahmheit kombiniert mit Kreuzberg ist ein bisschen unpraktisch, weil die Polizei zumindest grob dafür sorgt, dass keine Autos irgendwo zwischen Schlesischem und Kottbusser Tor unterwegs sind. Wobei sich vortrefflich drüber streiten ließe, ob das zum Schutz der Betrunkenen auf der Fahrbahn passiert oder zum Schutz der Autos vor den Zündeleien der Betrunkenen.

Aber ebenso wie es auch nüchterne Leute am ersten Mai gibt (siehe den Autor dieses Textes), gibt es auch Autofahrer, die sich nach Kreuzberg verirren. Insbesondere Taxifahrer, schließlich sind in sämtlichen 11 Restbezirken an dem Tag nicht so viele Leute unterwegs wie hier.
Und während die Kilometer und letztlich auch die Meter unter den Füßen immer länger wurden, hielt plötzlich 5 Meter vor mir ein Taxi und spülte vier junge Tschechen in die nach Bier, Grillfleisch und Gras riechende Nacht. Und nicht nur, dass es ein fahrbarer Untersatz war, weit gefehlt: Ausgerechnet einer meiner nettesten Nachtschichtkollegen aus dem Taxihaus
Einer von vielleicht dreien unter den schätzungsweise 5.000 Taxen, die in dieser Stunde auf den knapp 900 km² Berlin unterwegs waren. Da kommen wir in die Wahrscheinlichkeitsregionen von Lottogewinnen. Dabei war es mir eigentlich bereits so egal. 10 Minuten zuvor hatte ich schon gesagt: Einfach das nächste Taxi. Meinetwegen einer, den ich danach anzeigen muss …

Aber nee, diese „Kollegen“ erwische ich dann irgendwie doch nie.

Wohl besser so. Für die zumindest. 🙂

Schlimm nur, dass ich bei meinen Lieblingskollegen nie das eingeplante Trinkgeld loswerde …

PS: Gruß an alle Leser, die mich im Laufe des Tages aufgespürt haben! Ihr wisst, wer ihr seid. Und ein spezielles Sorry an Hannes: Für ein Bier hat die Kondition gestern Abend nicht mehr gereicht. Ich hole es nach! 🙂

9 Kommentare bis “Zu perfekt, um blogbar zu sein”

  1. Jo sagt:

    Mein „tollstes“ 1.Mai-Taxi-Erlebnis hatte ich 1998 im Prenzl-Berg. Du weißt schon, damals als die Stadt um die Jahreszeit noch brannte. Ich bin mit der Familie heimgefahren und wir hatten vermutlich einen Stammgast vom „Henker“ als Fahrer. Der ging mit seinen Pöbeleien gegen die „Scheißchaoten“ auch soweit, dass man die „früher alle vergast“ hätte… Wir haben ihn dann anhalten lassen und uns lieber eine andere Droschke gesucht.

    (Im Übrigen hatten wir dann noch Stress, nach Haus zu kommen, weil wir durch zwei Polizeiblockaden mussten und unsere Ausweise noch nicht die neue Adresse aufwiesen. Zu guter Letzt sind wir dann noch elegant auf den letzten Metern einem brennenden Bauwagen ausgewichen und schließlich heil zu Haus angekommen. Für den ersten Fahrer in dieser Nacht hoffe ich es eher nicht.)

  2. Sash sagt:

    @Jo:
    Da freut man sich doch. Nicht.
    Ich bin aber auch froh, dass die albernen Krawalle gerade nicht so heftig sind. Die Schaukämpfe irgendwelcher Dumpfprolls sind zwar hier und da mal ganz lustig anzusehen, aber der Stadtteil wird von den Feiernden ja schon genug in Mitleidenschaft gezogen. 😉

  3. Franky sagt:

    Mensch Sash, du reagierst aber ganz schön dünnhäutig, wenn jemand deine Antifa nicht supi findet.

  4. Sash sagt:

    @Franky:
    Ich bin seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr in der Antifa. Ich hab bloß keine Lust auf Kindergartendiskussionen.

  5. Roichi sagt:

    Hey Sash.
    Kann es sein, dass du in Schweineöde mit einem Kumpel und einer Frau (vielleicht deiner Frau, kenn ich ja nicht) mit Rastafrisur unterwegs warst?
    Dann könnte ich dich gesehen haben. Irgendwo auf der Goethestraße.
    Ansonsten war das wohl ein anderer dir ähnlich sehender Typ.
    Hatte nur grad keine Zeit zu fragen.

  6. Hannes sagt:

    Bin wieder nüchtern.

    So viel, wie ich auf dein Wohl getrunken habe, müsste es dir jetzt richtig gut gehen.

    Leo hab ich heute morgen nur mit Pfeffis im Mund im Kindergarten abgeliefert. Er fragt mich, wann wir wieder mal Taxi fahren…

  7. Sash sagt:

    @Roichi:
    Kann gut sein. Aber ich hab einige Leute getroffen. Leser, alte Freunde aus Stuttgart usw. usf. Ebenso war ich mal hier, mal dort. Bahnhof, Wilhelminenhof, Goethe, Griechische Allee, Edisonstr. … mit Sicherheit kann ich es also auch nicht sagen. 🙂

    @Hannes:
    🙂
    Ich bin an dem Abend ja nach mehreren Kilometern laufen und 35 Stunden Wachsein völlig ohne Alkohol tot ins Bett gefallen. Aber ein bis drei Bier trinke ich jetzt noch (mehr ist wegen Arbeit morgen eher nicht gut) und erhebe mein Glas (das eigentlich eine Flasche ist) auf Dich.
    Ich hoffe, die Cops haben Euch halbwegs bald über die Brücke gelassen.
    Die nächste Taxifahrt hängt vermutlich mehr mit meiner Arbeitszeit zusammen, schätze ich. Aber ich würde mich selbstredend freuen – und das ist ganz sicher nicht geschäftlich gemeint!
    Kannst Leo gerne nochmal von mir grüßen.

  8. Bloggi sagt:

    „Zu perfekt, um blogbar zu sein“

    und du hast es doch verbloggt 🙂

  9. Sash sagt:

    @Bloggi:
    Mit kleinen Widersprüchen muss man leben können. 😉

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