„Drug dealers on the backseats“

Was man von Fahrgästen zu hören bekommt, ist bisweilen etwas seltsam. Ebenso wie im Internet – oder besser: den Medien im Allgemeinen – sollte man da nicht alles glauben. Tue ich auch nicht. Aber manchmal würde mich der Hintergrund dann doch interessieren.

Dieses Wochenende erst wurde mir von dänischen Touristen berichtet, dass bei ihnen manche Taxifahrer ein Problem mit Drogendealern hätten, die mit ihnen fahren und dabei ihren Stoff verticken würden. Und die Fahrer hätten zu viel Angst, sich dagegen zu wehren.

Klingt erst einmal abstrus und unnötig teuer, aber wenn man es sich genau überlegt, ist das keine blöde Idee. Erstens werden Taxifahrer (zumindest hierzulande) mit Kundschaft eher nachlässig von der Polizei behandelt. Zudem kommt man schnell von A nach B und ggf. in brenzligen Situationen schnell weg, ohne dass das eigene Kennzeichen registriert wird.

Ich wurde auch schon mal gefragt, ob ich mir nicht z.B. Botenfahrten vorstellen könnte …

Ist an der Sache mit Dänemark was dran? Das fände ich ja eine interessante Info.

PS:
Liebe Dealer da draussen: Bitte nicht! Je nach Art der Drogen bin ich Euch nicht mal schlecht gesonnen – aber wir Taxifahrer haben unsere eigenen Probleme und unser Job ist mit Drogendelikten schwer vereinbar. Und es ist nicht so, dass wir nicht wüssten, dass sich in eurem Gewerbe mehr Geld verdienen lässt. Wir haben uns trotzdem für dieses hier entschieden. Thanks.

Kollegen außer Rand und Band

Ich kann nur immer wieder sagen, dass ein Großteil der Taxifahrer da draußen einen guten Job macht und man hierzulande wirklich keine Panik haben muss vor übler Abzocke.

Und falls man sie doch hat, dann möge man sich daran erinnern, dass unsere Autos Ordnungsnummern tragen, die man auch von innen lesen können muss und dass man auch ohne gleich mit dem Taxifahrer einen Streit anzufangen eine Quittung verlangen darf, auf der Preis und Strecke vermerkt sind. Ich bin nicht so blauäugig zu glauben, dass einem damit niemals was passieren kann, aber der meiste Ärger ließe sich schon dadurch vermeiden, dass die Kunden ihre Rechte kennen und sie nutzen und ggf. einsetzen und sich beschweren.

Aber kaum dass ich derletzt so gelobt wurde, dass die Taxifahrer hier durchschnittlich übertoll wären, kamen zwei Leserzuschriften, die mich haben erschaudern lassen. Nicht Berlin, aber immerhin Deutschland, betrifft eine Fahrt, bei der mich der interessiere Leser auf Twitter gefragt hat, ob es denn sein könne, dass ein Taxifahrer Zuschläge für besonders übergewichtige Personen nehmen könnte.

Himmel, nein!

Von der allgemein ziemlich menschenverachtenden Logik mal abgesehen: entweder, das Auto hält die Fahrgäste aus – oder nicht.  Aber wenn es das tut, warum dann ein Zuschlag? Ich hab im Verlauf der Diskussion geschrieben, dass ich ja noch verstehen könnte, wenn ein anderer Fahrer (anders als ich – siehe hier.) aus Sicherheitsgründen bei nicht passenden Sicherheitsgurten ablehnt, aber ein „Du bist fett, das geht auf die Stoßdämpfer, ich mach mal 3 € extra“ geht natürlich nicht. Mögen mir besser informierte Kollegen ggf. Gegenbeweise erbringen.

Nicht ganz so widerlich aber ähnlich traurig war, was Hannes mir vermeldete. Hannes ist jener Leser, mit dem ich meine bisher längsten Taxifahrten hatte (Siehe hier, hier und hier), ein durch und durch sympathischer Mensch noch dazu. Er vermietet ein Zimmer seines Hauses gelegentlich an Durchreisende, was für selbige praktisch ist, weil er recht nah am Flughafen Schönefeld (ab ca. 2054: BER) wohnt. Er holt die Leute dort sogar selbst ab, weil viele LDS-„Kollegen“ sich „natürlich“ zu fein sind, Fahrgäste für nur 10 € zu befördern.
Nun ging neulich mal was schief, der Gast kam spät in Tegel an. Nicht in Schönefeld. Hannes schlug ein Taxi als Lösung vor und nannte als Preis „ca. 55 €“.

Ich will ehrlich sein: ich hab das jetzt nicht ausgerechnet. Lasst es am Ende „ca. 60 €“ sein nach der letzten Tariferhöhung. Wie man es auch dreht und wendet: das ist eine lange Fahrt. Der Durchschnitt in Berlin liegt immer noch bei irgendwas um die 12 €, am Flughafen zwar deutlich mehr, aber Werte über 25 € würden mich überraschen. Ergo: es ist DIE Tour, die sich jeder Fahrer an jedem Tag zu jeder Stunde, die er da steht, erhofft. Die Ausnahmen nach Frankfurt (Oder) mal ausgenommen. Und was war?

Der Gast ließ Hannes wissen, dass er lieber im flughafennahen Hotel schlafe, weil der Taxifahrer 90 € gefordert hätte und sich das nicht mehr lohnen würde.

Prima, Kollegen!  Nur weil Ihr gerne ein paar Euro mehr Umsatz machen wolltet, sind dem Gewerbe 60 € und vermutlich zwei Kunden beim nächsten Besuch verlorengegangen! Wenn sie das auch noch rumerzählen, werden die Verluste schnell drei- oder vierstellig. Ich schreibe den „Mist“ mit der Kundenfreundlichkeit hier doch nicht, weil ich mir dabei geil vorkomme oder Moralapostel spielen will. Kunden zu verärgern kostet uns verdammt nochmal Geld! Uns allen, egal, wie wir das persönlich mit der Ehrlichkeit halten. Und gerade Ihr Deppen mit dem schielenden Blick auf Euer verschissenes Portemonnaie (=Geldbeutel, damit Ihr’s auch alle versteht!) sorgt für schlechteres Geschäft. Vielen „Dank“ und einen saftigen Getriebeschaden mit anschließender Sackrattendiagnose euch Wichsern! Schon alleine für die paar Euro Umsatz, die ihr mich kostet und die Stunde jährlich, die ich Kunden beruhigen muss, dass wir nicht alle solche Arschlöcher wie Ihr sind.

Ach, Kollege!

Kaum war ich am Sisyphos angekommen, winkte mich der Kollege von Position 1 ganz nach vorne. Ich war Achter oder so. Da ich den einzigen Großraumwagen fuhr, bin ich einfach mal vor, obwohl die Kommunikation eher hilflos verlaufen war über die Entfernung.

Vorne angekommen erwarteten mich jedoch keine fünf Leute, sondern zwei. Hä?

„Fahren Sie uns zum Ostkreuz?“

Im Grunde wäre ich gerne ausgestiegen und hätte dem Kollegen eine auf’s Maul gehauen. Dieses blöde Kurze-Touren-Ablehnen … ich entwickele da echt noch eine Allergie dagegen. Zumal das Ostkreuz als Fahrtziel ja echt immer noch 6,80 € bringt. Das ist nicht dicke Knete, aber zum S-Bahnhof Rummelsburg ist es knapp ein Euro weniger. Und was ich als Fahrer am Ostbahnhof schon alles für Fahrten hatte …

Auf der anderen Seite war es ja immerhin mal nett, dass er einen Kollegen besorgt hat, der die Tour macht. Lustig wäre die Situation sicher geworden, wenn er da auch auf einen Kurzstreckenmuffel getroffen wäre. Aber ich hatte die Kunden im Auto, eh kein Problem mit der Tour – und genügend Ahnung von Psychologie, um zu wissen, dass es der Kundenbindung eher weniger dienen würde, wenn ich jetzt Streit mit dem „Kollegen“ anzetteln würde.

Wie unberechenbar das Taxigeschäft ist – und wie unnötig damit das Ablehnen von kurzen Touren – zeigte diese Fahrt. Die beiden Mädels kamen trotz der kurzen Strecke lebhaft ins Gespräch darüber, ob ich sie nicht doch noch bis zum Savignyplatz mitnehmen sollte. Mal eben runde 10 km und fast 20 € mehr …
Erst im allerletzten Moment war klar, dass das nix wird. Schade, natürlich.

Da ich nun ja nicht weit gekommen war, hab ich eine Kehrtwende gemacht und bin wieder ans Sisyphos rangefahren. Mit Kundschaft. Und unvorhersehbar war das nicht. Eine Menge Leute winken da mal eben für eine Kurzstrecke. Als ob das nun mit 10,80 € auf 4 Kilometer in knapp 7 Minuten nicht schon eine hammergute Ausbeute gewesen wäre, stand ich nun am Sisyphos an zweiter Position. Und hatte binnen 3 Minuten schon wieder eine Fahrt. Dieses Mal für gute 20 €.

Natürlich kann man da nicht sicher sein, aber ich würde wetten, dass der Kollege mit seiner Tour und den vielleicht 5 Minuten Vorsprung nicht mehr als 30 € gemacht hat in der Zeit. Aber nach wie vor gilt: Ich bin ja der Idiot, der Kunden auch so kurze Wege fährt, die sie eigentlich laufen könnten/sollten. Nee, is‘ klar …

Fehler: Scheibe nicht gefunden!

So, in zwei Stunden startet die neue Arbeits-„Woche“. Eigentlich hätte ich ja gestern schon wieder auf die Straße gewollt, aber es kam mal wieder was dazwischen. Während ich schon frisch geduscht und fast bereit zum Losgehen war, klingelte gestern das Telefon und mein Chef teilte mir – für die Umstände ungewohnt heiter – mit, dass ich auf ein anderes Auto ausweichen müsste. Wer jetzt gleich mit den Augen rollt und sich fragt, was die alte Möhre nun wieder hat, dem sei gesagt, dass die 72 dieses Mal nix für kann.

Offenbar waren mein Tagfahrer und ein Radfahrer dergestalt im Verkehr aneinandergeraten, dass „friedlich“ nicht mehr das Wort der Wahl wäre. Ohne jetzt nähere Details zu kennen: eines scheint sicher zu sein: zu guter Letzt schlug der aufgebrachte Kontrahent meinem kleinen Taxi derart heftig auf die Frontscheibe, dass diese gesprungen ist. Nicht gleich aus der Fassung zwar, aber eben ausreichend, um einen Reparaturbedarf geltend zu machen. Hmm.

Einen Ersatzwagen hätte ich bekommen, aber wie die meisten von Euch wissen, sind das für mich, ingesamt, Hin- und Zurück, knappe anderthalb Stunden mehr Arbeitsweg. Und der Donnerstag ist eine halbe Schicht, die ich selten auf mehr als 5 Stunden ausdehne. Also hab ich abgelehnt und starte dann eben heute – wieder mit der 72 – ins Nachtleben. Muss jetzt halt entsprechend ein paar Euro mehr einfahren. Drückt mir die Daumen, dass der Schwan zusammenkommt! 🙂

Unfall des Jahres

Aber mindestens!

Um ehrlich zu sein: ich selbst habe gar nix davon gesehen. Aber der Kollege, mit dem ich mich unterhalten habe. Ich hatte ein bisschen Standzeit am Ostbahnhof, nichts ungewöhnliches soweit. Besagter Kollege fragte mich, wie das genau hier sei mit dem Vorrücken, er sei noch neu. Ich mag solche Unterhaltungen, einfach weil man sein doch nur begrenzt nutzbares Wissen als Taxifahrer mal an die weitergeben kann, die es wirklich interessiert. Ich hoffe dabei immer, vielleicht einer der Kollegen zu sein, der dafür sorgt, dass Neuanfänger das nicht als einen Ich-gegen-alle-anderen-Job kennenlernen.

Aber gut, bleiben wir realistisch: wir haben uns ein bisschen über die Halte und ein paar sonstige Kleinigkeiten unterhalten. Und da zuckte er auf einmal zusammen und fragte mich, ob ich das gesehen hätte. Hatte ich nicht, nur ein Knirschen hatte ich vernommen. Ist wohl wieder mal einer über Glasscherben gefahren … etwas, das in schöner Regelmäßigkeit am Ostbahnhof vorkommt, da der Platz unter anderem von vielen Vollhonks frequentiert wird, die die Bierflaschen nach dem Austrinken lieber auf der Straße zerdeppern, anstatt sie zum Wohle der unzähligen Flaschensammler irgendwo stehenzulassen.

Mit meiner Einschätzung lag ich auch richtig: es ist tatsächlich jemand über eine Flasche gefahren. Allerdings so ungünstig, dass das Glas unter dem Reifen derart unschön splitterte, dass ein zufällig vorbeigehender Passant eine Scherbe irgendwo mitten ins Gesicht geschleudert bekam.

Meine Fresse, die Gefahren der Großstadt lauern ja an Ecken, die selbst mir noch absolut unbekannt waren!

Ich hab die Szene nicht lange verfolgen können. Scheinbar lief da auch alles gesittet ab. Der Autofahrer, der von des Passanten Begleitern informiert wurde, eilte zu Hilfe, der Szenerie nach stand kein Streit im Raum. Wozu auch? Wer würde so eine groteske Situation auch als Absicht werten können?

Aber ich hab mir am Ende dann doch die Frage gestellt, wie das denn jetzt wohl juristisch aussieht. Soweit ich weiß, bin ich als Autofahrer durchaus dran, wenn ich jemandes Klamotten verunreinige, weil ich durch eine Pfütze heize. Und prinzipiell müsste das hier das selbe sein, oder? Und WTF?

Also falls da ein paar Kenner mitlesen, wäre ich wirklich sehr interessiert. Schon alleine, weil ich da ja auch täglich rumfahre …

Wechselgeld mal andersrum

Ich hab ja schon oft geschrieben, dass wir Taxifahrer nicht viel Wechselgeld dabei haben. Ich finde das selbst nicht toll, aber dank der immer noch ungefähr täglich stattfindenden Überfälle – alleine in Berlin – ist es sinnvoll. Für den einzelnen Fahrer natürlich kein Bisschen, für die Kunden noch weniger – aber eben in der großen Masse. Je erfolgloser Taxiüberfälle sind, desto eher wird ihre Zahl zurückgehen – man muss nicht studiert haben, um diese Idee nachvollziehbar zu finden.

Und nun stand ich an der Tanke und hab mit der üblichen lahmen Geschwindigkeit Erdgas in den Tank der 89 pressen lassen. An der Säule gegenüber hielt ein mir unbekannter Kollege, und wie man halt so ist: man grüßt einander. Daraus wird in der Regel nicht einmal Smalltalk, aber jener Kollege fragte mich dann was, was ich ungelogen noch kein einziges Mal bisher gehört habe:

„Sach ma‘, brauchste vielleicht kleine Scheine?“

Natürlich isses angenehm, zur Abrechnung beim Chef nicht nur Fünfer mitzubringen. Aber Taxifahrer, die ihre kleinen Scheine gerne, freiwillig und ohne Anfrage gegen große tauschen … das war wirklich ein Novum für mich. Aber hey, einen Fünfziger kleinwechseln wollte ich so oder so an der Tanke … 😉

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Warum ich lieber Busfahrer wäre

Die wirklich eingefleischten Leser – insbesondere die, die auch mein eBook gelesen haben – wissen es ja: Dass ich im Taxi gelandet bin, war eher Zufall. Bereits ein paar Jahre, bevor ich das erste Mal auf dem Fahrersitz in einem hellelfenbeinfarbenen Auto Platz genommen habe, habe ich einen Bus gelenkt. Nur für rund eine Stunde, als Teil meiner Bewerbung bei der SSB in Stuttgart. Damals bin ich leider nicht unter die Top 5 der zighundert Bewerber gekommen, es ist also nix draus geworden.

Ich hab der Geschichte durchaus ein wenig nachgeweint, denn zumindest die großen Kisten zu fahren ist ja schon eine geile Sache. Und bepöbelt und ausgeraubt wird man zumindest in Berlin ebenso wie als Taxifahrer.

Und nun musste ich gestern in Deutschlands ehrlichstem Nachrichtenmagazin „Der Postillon“ lesen, dass Busfahrern genau das geboten wird, was uns Taxifahrern so bitter fehlt: Nachschulungen zum Unfreundlichsein.

Schließlich ist das eine Schlüsselqualifikation, die auch uns Taxifahrern viel zu oft abgeht. Ja, ganz ehrlich: ICH BIN JA SELBST ZU NETT! Aber während ich es einfach nicht übers Herz bringe, Leuten ein verächtliches „Die paar Meter kannste loofn, Opi!“ zu entgegnen, werde ich nicht etwa von irgendwem im Gewerbe unterstützt. Im Gegenteil: Hier werden noch „VIP-Taxifahrer“ geschult, am Ende haben die Touristen nicht mal mehr Angst, in ein Taxi zu steigen. Wo soll das nur hinführen? Da haben es die Busfahrer offensichtlich besser. Ich als Taxifahrer lerne das Motzen und Meckern wohl nicht mehr.

Vielleicht wäre der Job im Taxi ja was für den im verlinkten Artikel erwähnten Max Wanneke, der sich nicht mal das Lächeln für die Kamera abgewöhnen konnte …

PS: Einen schönen Gruß an all die mitlesenden Busfahrer hier! Wir sitzen zwar nicht wortwörtlich im selben Boot, aber wir haben letzten Endes doch immer eines gemeinsam: wir sind besser als unser Ruf. 🙂