Ich kann nur immer wieder sagen, dass ein Großteil der Taxifahrer da draußen einen guten Job macht und man hierzulande wirklich keine Panik haben muss vor übler Abzocke.
Und falls man sie doch hat, dann möge man sich daran erinnern, dass unsere Autos Ordnungsnummern tragen, die man auch von innen lesen können muss und dass man auch ohne gleich mit dem Taxifahrer einen Streit anzufangen eine Quittung verlangen darf, auf der Preis und Strecke vermerkt sind. Ich bin nicht so blauäugig zu glauben, dass einem damit niemals was passieren kann, aber der meiste Ärger ließe sich schon dadurch vermeiden, dass die Kunden ihre Rechte kennen und sie nutzen und ggf. einsetzen und sich beschweren.
Aber kaum dass ich derletzt so gelobt wurde, dass die Taxifahrer hier durchschnittlich übertoll wären, kamen zwei Leserzuschriften, die mich haben erschaudern lassen. Nicht Berlin, aber immerhin Deutschland, betrifft eine Fahrt, bei der mich der interessiere Leser auf Twitter gefragt hat, ob es denn sein könne, dass ein Taxifahrer Zuschläge für besonders übergewichtige Personen nehmen könnte.
Himmel, nein!
Von der allgemein ziemlich menschenverachtenden Logik mal abgesehen: entweder, das Auto hält die Fahrgäste aus – oder nicht. Aber wenn es das tut, warum dann ein Zuschlag? Ich hab im Verlauf der Diskussion geschrieben, dass ich ja noch verstehen könnte, wenn ein anderer Fahrer (anders als ich – siehe hier.) aus Sicherheitsgründen bei nicht passenden Sicherheitsgurten ablehnt, aber ein „Du bist fett, das geht auf die Stoßdämpfer, ich mach mal 3 € extra“ geht natürlich nicht. Mögen mir besser informierte Kollegen ggf. Gegenbeweise erbringen.
Nicht ganz so widerlich aber ähnlich traurig war, was Hannes mir vermeldete. Hannes ist jener Leser, mit dem ich meine bisher längsten Taxifahrten hatte (Siehe hier, hier und hier), ein durch und durch sympathischer Mensch noch dazu. Er vermietet ein Zimmer seines Hauses gelegentlich an Durchreisende, was für selbige praktisch ist, weil er recht nah am Flughafen Schönefeld (ab ca. 2054: BER) wohnt. Er holt die Leute dort sogar selbst ab, weil viele LDS-„Kollegen“ sich „natürlich“ zu fein sind, Fahrgäste für nur 10 € zu befördern.
Nun ging neulich mal was schief, der Gast kam spät in Tegel an. Nicht in Schönefeld. Hannes schlug ein Taxi als Lösung vor und nannte als Preis „ca. 55 €“.
Ich will ehrlich sein: ich hab das jetzt nicht ausgerechnet. Lasst es am Ende „ca. 60 €“ sein nach der letzten Tariferhöhung. Wie man es auch dreht und wendet: das ist eine lange Fahrt. Der Durchschnitt in Berlin liegt immer noch bei irgendwas um die 12 €, am Flughafen zwar deutlich mehr, aber Werte über 25 € würden mich überraschen. Ergo: es ist DIE Tour, die sich jeder Fahrer an jedem Tag zu jeder Stunde, die er da steht, erhofft. Die Ausnahmen nach Frankfurt (Oder) mal ausgenommen. Und was war?
Der Gast ließ Hannes wissen, dass er lieber im flughafennahen Hotel schlafe, weil der Taxifahrer 90 € gefordert hätte und sich das nicht mehr lohnen würde.
Prima, Kollegen! Nur weil Ihr gerne ein paar Euro mehr Umsatz machen wolltet, sind dem Gewerbe 60 € und vermutlich zwei Kunden beim nächsten Besuch verlorengegangen! Wenn sie das auch noch rumerzählen, werden die Verluste schnell drei- oder vierstellig. Ich schreibe den „Mist“ mit der Kundenfreundlichkeit hier doch nicht, weil ich mir dabei geil vorkomme oder Moralapostel spielen will. Kunden zu verärgern kostet uns verdammt nochmal Geld! Uns allen, egal, wie wir das persönlich mit der Ehrlichkeit halten. Und gerade Ihr Deppen mit dem schielenden Blick auf Euer verschissenes Portemonnaie (=Geldbeutel, damit Ihr’s auch alle versteht!) sorgt für schlechteres Geschäft. Vielen „Dank“ und einen saftigen Getriebeschaden mit anschließender Sackrattendiagnose euch Wichsern! Schon alleine für die paar Euro Umsatz, die ihr mich kostet und die Stunde jährlich, die ich Kunden beruhigen muss, dass wir nicht alle solche Arschlöcher wie Ihr sind.
