Verspätungsrekorde bei Kollegen

Ich hatte schon einige verpeilte Kundschaft, natürlich. Aber selbst ich hab die Augen aufgerissen, als ich diese Geschichte bei Taxiblog Bremen gelesen hab.

Bei den Druffis hat Bremen Berlin bis zum Gegenbeweis wohl erst einmal auf Platz 2 verdrängt … 🙂

(Gute) Wünsche

Trotz zweitägiger Sendepause sei hier erst einmal allen versichert: Ich bin wohlbehalten von der Weihnachtsfeier heimgekehrt. Und das wie immer zufrieden und zumindest dieses Mal mit wenig Lust, betrunken noch irgendwas lustiges zu bloggen, für das ich mich am Morgen danach rituell ohrfeigen muss. Immerhin …

Nein, im Ernst: Es war wie immer gut – obwohl ich dieses Mal tatsächlich öfter am Kicker verloren habe. Aber nur im Doppel, das möchte ich mal anmerken … 😉

Wie immer eine lustige Mischung aus neuen und alten Kollegen – und natürlich auch aus netten und „Man sagt halt hallo“-Mitarbeitern. Wie das halt so ist. Das Ende des Ganzen war gewohnt spät, aber immerhin hab ich’s noch mit der Bahn nach Hause geschafft. Ich hatte also einen netten Abend und alles ist ok. Auch wenn Christian bei einem Gespräch am folgenden Nachmittag ganz vorsichtig ein „Naaaa?“ ins Telefon geflüstert hat, ging es mir erstaunlich schnell wieder recht gut. 🙂

Und da sind wir beim Thema: Gut.

Überwiegend verlaufen die Taxifahrten hierzulande gut. Vielleicht nicht perfekt, aber gut. Und wie sieht das dann aus? Wie verabschiedet Ihr euch vom Taxifahrer oder der Taxifahrerin, was wünscht Ihr ihm oder ihr?

Ich frage das vor allem, weil mich mal interessiert, ob Leser eines Taxiblogs da anders sind als meine Kundschaft. (Deswegen auch die Antwortmöglichkeiten, die erfahrungsgemäß und erkennbar eher von Taxifahrern benutzt werden)

Was wünscht Ihr dem Taxifahrer, der Euch nachts gut heimgebracht hat?

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Ich muss jetzt noch ein wenig andere Dinge erledigen, aber ab Donnerstag geht es wieder auf die Straße. Und ich freu mich drauf! 😀

Ein Danke nach Oldenburg

Gestern sind über alle Kanäle Infos zu einem Fall in Oldenburg eingetrudelt und ich wollte das auch an die „Nur“-Leserschaft weitergeben. Während ich mich auf die Weihnachtsfeier im Betrieb freue und mit meinen Chefs bestens auskomme, wird in Oldenburg ein Taxifahrer entlassen. Gut, das mag vorkommen – und ist derzeit wegen des bevorstehenden Mindestlohns sogar recht häufig. Was die dortige Geschichte aber so unglaublich macht, ist der Grund.

Besagter Kollege hat eine gewalttätige Auseinandersetzung zweier Männer gesehen und eingegriffen. Er konnte den einen Typen verjagen, der dem anderen, am Boden liegenden, gegen den Kopf trat. Anschließend kümmerte er sich um Hilfe, nahm sogar kurzzeitig noch die Verfolgung des Täters auf. Ein erstklassiges Beispiel für Zivilcourage, ein Helfer in der Not? Sicher. Das zumindest scheint laut diesem Bericht auch die Meinung der Polizei zu sein. Vielleicht hat er gar ein Leben gerettet, obwohl er hätte vorbeifahren können. Solche Leute wünscht man sich, wenn man selbst mal in Bedrängnis gerät!

Sein Chef hingegen sah das ganz anders. Der Kollege war so mit Hilfe und am Ende mit der Zeugenaussage beschäftigt, dass er – irgendwie nachvollziehbar – keine Fahrtaufträge mehr annahm. Das reichte dem Chef – zumindest vorerst – für eine Kündigung. Und besagter Kollege ist nicht etwa erst nach drei Tagen wieder aufgetaucht und hat die Story als Entschuldigung gebracht. Nein, nachdem der Chef offenbar binnen kürzester Zeit einfach das Auto von einem anderen Fahrer abholen ließ, kam der mutige Kollege mit Begleitung der Polizei ins Büro, welche ihn über alle Maßen für seinen Einsatz lobte – und entsprechend überrascht war, dass dem Helden gekündigt wurde.

Nun ist in anderen Städten und auf dem Land das Taxigeschäft anders als in Berlin. Da organisieren die Betriebe selbst die Fahrtvermittlung und die Unternehmen kämpfen gegenseitig um Kunden. Das ist eine andere Situation als hier. Und natürlich ist eine ungenehmigte „Pause“ da was anderes und die Fahrer stehen mehr in der Pflicht. Schön und gut. Aber der junge Taxifahrer dort hat vermutlich ein Leben gerettet, ein Verbrechen verhindert und getan, was viel zu wenige Menschen da draußen tun: Ungeachtet eigener Gefährdung einen Menschen beschützt. Es gibt keine – aber auch gar keine – Begründung, warum sowas mit einem Jobverlust bestraft werden darf. Und wenn es ein paar tausend Euro gekostet haben sollte (was hier sicher nicht der Fall war).

Sollte die Geschichte sich wirklich so zugetragen haben, dann möchte ich meinem Oldenburger Kollegen jedenfalls ein dickes Danke dafür ausrichten, dass er so gehandelt hat wie er gehandelt hat. Und seinem Chef so ungefähr die Situation herbeiwünschen, die der durch den Fahrer Gerettete inne hatte. Jetzt mal aus dem Bauch raus formuliert – natürlich wünscht man selbst Arschlöchern sowas eigentlich nicht.

Innerlich würde ich jetzt bei einem Shitstorm gegen das Unternehmen jubeln – aber ich möchte dennoch davor warnen. Ja, dem Chef die Laune und das Geschäft zu verderben, würde jetzt Spaß machen. Vermutlich würde man mit so einer Aktion am Ende aber mehr den Fahrern – eventuell also auch diesem einen besonders guten – schaden. Also ruhig Blut da draußen, bitte! Keine Namen und Adressen posten, wir sind hier nicht bei bild.de!

Ich würde mich über Infos freuen, ich würde z.B. auch gerne mit dem Kollegn selbst sprechen, falls ihn jemand kennt. Aber wenn es um persönliche Daten geht, dann bitte nicht öffentlich!

Ich freue mich jetzt erst einmal über mein Wochenende und darüber, dass ich solche Arbeitsverhältnisse bisher vermeiden konnte. Leider ist ja gerade beim Taxifahren keine Lösung, Kollegen aus anderen Städten ins eigene Unternehmen einzuladen. Sonst würde ich das natürlich tun.

Macht’s gut, Klaus und Moni!

Es ist schon ein paar Jahre her, da schrieb mich ein gewisser Klaus an und fragte nach, wie man das denn machen würde mit dem Bloggen. Er hätte da auch ein paar Geschichten, die er erzählen wolle. Klaus war ebenfalls Taxifahrer in Berlin, ebenfalls Schwabe wie ich – nur schon locker zwei Jahrzehnte vor mir hierher gekommen. Und insgesamt an Lebensjahren und Erfahrung reicher.

Ich kann mich nicht daran erinnern, ihm zum Schreiben einen wirklich guten oder hilfreichen Tipp gegeben zu haben. Vielleicht ein bisschen Zuspruch, mehr eher nicht. Sein cab-log (Was war ich anfangs neidisch auf den Namen!) wäre also sicher auch ohne mich aufgeblüht. Denn Klaus hatte wahrlich Geschichten zu erzählen und die Warnung, sie seien sprachlich „ungeschliffen“ niedergeschrieben, prangt eigentlich seit den Anfangstagen grundlos auf seiner Startseite.

Ich hab Klaus öfter am Stand getroffen, und ein paarmal auch gemeinsam mit Aro abends in der Stadt. Da haben wir drei aktiven Berliner Taxiblogger unsere Reviere abgesteckt und auch sonst viel geheimnisvolles besprochen, was uns die Weltherrschaft sichern sollte. Vielleicht haben wir auch nur Bier getrunken und Geschichten erzählt, ihr werdet’s nie erfahren. 😉

Von Aro habe ich dann eben mitgeteilt bekommen, dass Klaus vor kurzem gestorben ist. Noch ein paar Tage vor seiner Frau Moni, deren Tod krankheitsbedingt offenbar erwartbar bevorstand.

Ich will nicht verschweigen, dass ich das von Aro erfahren habe, weil Klaus und ich zuletzt unsere Differenzen hatten und ich auch Moni nur aus seinen schillernden Erzählungen über sie kannte. Dass Klaus und ich uns wegen ziemlicher Kleinigkeiten in den Haaren hatten, hat aber nie etwas daran geändert, dass ich in ihm immer einen großartigen Kollegen, guten Blogger und netten Menschen gesehen habe. Und dass ich es jetzt unendlich traurig finde, dass er und seine Frau nicht die vielen Reisen fortführen oder Berlins schönste Winkel aufspüren können, wie sie es in den letzten Jahren mit unglaublicher Begeisterung getan haben. Dass es die beiden so plötzlich aus dem Leben gerissen hat, ist einfach nur unfair.

Ich möchte allen engen Freunden und Verwandten mein aufrichtigstes Beileid aussprechen.

🙁

PS: Aro hat ebenfalls über den Tod der beiden gebloggt und es freut mich zu lesen, dass er offenbar das cab-log als Erinnerung erhalten will. Vielleicht nutzt ihr die Chance ja, nochmal ein wenig darin zu stöbern und so einem der guten Berliner Taxifahrer und -blogger die letzte Ehre zu erweisen.

Nur ein Beispiel

oder

warum ich das mit der Tarifbindung für eine gute Sache halte

Dass wir Taxifahrer uns im Pflichtfahrgebiet an die jeweiligen örtlichen Taxitarife halten müssen, ist immer wieder Grund für Ärger. Wie immer, wenn’s um Geld geht. Da haben wir einmal die Kunden, die natürlich gerne weniger zahlen wollen und auf der anderen Seite die Fahrer, die mehr verdienen wollen.

Aber wär’s so schlimm, wenn beide das bekämen, was sie wollen?

Grundsätzlich natürlich nicht. Preisfindungsprozesse bei Waren und Dienstleistungen sind abgesehen von einfachen Grundregeln komplex und natürlich kann der Taxitarif wie jeder andere Preis in bestimmten Fällen falsch im Sinne von „nicht optimal“ sein. Für mich hat eine Fahrt mit 6 pöbelnden Jugendlichen auch einen anderen Wert als eine mit einem netten Rentnerpärchen. Selbst wenn sie am Ende ähnlich lang dauern und laut Taxameter gleich viel kosten. Und für den durchgefrorenen Kunden an Silvester ist das Taxi für die 8 Kilometer Heimweg sicher auch mehr wert als Samstag Abends, wenn man sowieso noch zu dritt unterwegs ist und die Bahn alle 15 Minuten fährt.

Andererseits finde ich es auch schön, dass mich die Fahrkarte der BVG nicht ausgerechnet im Berufsverkehr mehr Geld kostet, weil der Platz da besonders knapp ist und man nunmal zur Arbeit muss …

Kommen wir nun zum aktuellen Beispiel. Das betraf zwar nicht das Pflichtfahrgebiet und ist damit keine illegale Abweichung vom Tarif gewesen – aber der angesprochene Kollege hat ganz gut gezeigt, wie absurd eine freie Preisverhandlung unter Umständen laufen kann.

Er stand am Ostbahnhof und unterhielt sich mit einem anderen Taxifahrer, der beim Funk eine Vorbestellung erwischt hatte. Es stellte sich raus, dass es wirklich um eine gute Tour ging, nämlich eine bis nach Cottbus. Der wartende Fahrer schien schon sehr glücklich darüber zu sein, aber besagter Kollege redete ihm ins Gewissen:

„Du musst unbedingt mit denen reden. Sag denen, dass Du die Uhr hin und zurück anlassen musst. Da ist Spielraum, da kannst Du immer mehr rausholen als ausgemacht. Ich bin einmal für 500 € nach Cottbus gefahren, das lohnt sich, glaub mir!“

500 €. Das kann natürlich die übliche Angeberei unter Kollegen gewesen sein, aber selbst wenn es übertrieben war: An die 180 €, die ich vor geraumer Zeit mit gutem Gewissen für diese Tour genommen hab, scheint der Kollege wirklich nicht gedacht zu haben.

Das für sich ist ja wie gesagt nicht unbedingt dramatisch. Obwohl es mir in den Fingern juckt zu schreiben, dass eine bessere Bezahlung von uns Taxifahrern zwar Not tut, 500 € aber zumindest gefühlt die Grenze zum Wucher überschreiten. Wirklich bescheuert wurde es, als in diesem Moment drei junge Männer auf mich zutraten, da ich nicht ins Gespräch involviert war und mir ein „Angebot“ machten:

„Hey Digger, wir ham’n Deal für Dich: Wir geben dir 60 € und Du bringst uns nach Fürstenwalde. OK?“

„Hmm. Nö. Das ist zu wenig.“

Die Irritation der Jungs dauerte nur kurz, denn der Kollege von eben bedeutete ihnen umgehend, bei ihm einzusteigen. Er mache das schon.

Mich hat das nur bedingt gestört. Es war Samstag und ich hab in den drei Stunden, die mich die Fahrt gekostet hätte, eher so um die 80 € Umsatz gemacht. Bei einem Drittel der Kilometer und sicher mindestens dem Doppelten an Trinkgeld. 60 € waren schlicht zu wenig.

Ich glaube, ich bin halbwegs vernünftig bei der Preisermittlung, wenn ich sie ins Umland mal selbst bestimmen kann. Ich versuche darauf zu achten, dass sich der Deal für mich und meine Firma zumindest halbwegs lohnt, mache darüber hinaus aber auch möglichst niedrige Preise für die Kunden. Da kommen dann für Cottbus eben 180 € und für Fürstenwalde 100, oder ausnahmsweise auch mal 80 € raus. Und natürlich akzeptieren das manche Kunden, manche auch nicht. Den freien Markt beschwörend hat der Kollege zweifelsohne mehr rausgeholt. Er hat irgendwem 500 € für Cottbus aus dem Rücken geleiert und im Gegenzug die Jungs für 60 € nach Fürstenwalde mitgenommen. Kann man gut finden, hat ja jeder bekommen, was er will.

Auf der anderen Seite hat der Kollege jetzt zwei nicht sonderlich gute Kunden hinterlassen:

Der eine greift vermutlich nächstes Mal auf einen Hubschrauber zurück. Ich hab auf die Schnelle keine Preise gefunden, aber ich könnte mir vorstellen, dass man es mit ein wenig Glück schafft, 500 € für diese Strecke zu unterbieten. Wenn nicht, bleibt das Taxi als absurd teuer im Gedächtnis – was es im Vergleich zur Bahn auch mit mir gewesen wäre, nur halt wenigstens um die Hälfte günstiger. Auf jeden Fall aber ist das jetzt als total unberechenbar abgespeichert.

Und die drei Jungs werden in den nächsten Jahren nicht vom Glauben abfallen, dass 60 € nach Fürstenwalde für uns lohnend genug sind und alle anderen sie nur abzocken wollen. Cottbus wäre zu dem Tarif übrigens mit 120 bis 140 € erreichbar.

Und was außerhalb des Pflichtfahrgebietes legal möglich ist, trifft stellenweise eben auch für innerhalb zu. Natürlich könnte ich die ein oder andere Fahrt deutlich günstiger machen. Andere müsste ich dann halt teurer machen, denn mit den bisherigen Tarifen komme ich etwa auf Mindestlohnniveau, das abzusenken ist also keine Option. Ich könnte am Wochenende in der City Rabatte anbieten, das Pech mit teureren Fahrten hätten halt die Leute, die in den Randbezirken wohnen. Oder zur falschen Uhrzeit fahren müssen. Wenn ich mir die zugehörigen Szenarien ausmale, gewinne ich jedenfalls nicht den Eindruck, dass eine freie Preisgestaltung am Ende z.B. sozial schwache Menschen besserstellen würde und damit insgesamt fairer wäre. Denn ebenso wie die Kunden hätten auch wir Taxifahrer mehr Einfluss auf die Preise – und ein Wegfall der Beförderungspflicht würde damit zudem wohl auch einhergehen, denn was soll sonst passieren, wenn man handelt, sich aber nicht einigen kann?

Nicht alle Taxitarife sind super hierzulande. Ob für Fahrer oder Kunden. Und selbst für die besten Tarife gibt es natürlich irgendwelche Fahrten, für die selbst sie unsinnig sind. Die einen Tarife schwächeln dank politischer Interessen, die anderen dank ungenauer Datenlage. Irgendwas ist immer, wenn man sowas festlegt. Grundsätzlich halte ich die Idee aber für richtig.
Und – das darf man nicht vergessen – sie betrifft „nur“ Taxis, die öffentlichen Verkehrsmittel. Unserer Konkurrenz wird diese Preisbindung nicht auferlegt, auch wenn Spinner wie die Gesellen von Uber z.B. das bisweilen implizieren. Dass andere Fahrdienstanbieter meist nicht oder nur wenig günstiger sind, liegt schlicht an der Wirtschaftlichkeit und hat mit der Tarifbindung überhaupt nix zu tun.

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Das tägliche Lotto

„Jungs, nehmt Ihr uns mit?“

Ich hab gerade mit einem Kollegen geplaudert, den ich nicht wirklich kannte, hab mich entsprechend schnell aus dem Gespräch gelöst und der Dreiertruppe zugesagt:

„Logo.“

Ich stand ganz vorne, der Kollege war der einzig weitere. Die Kunden konnten sich nicht gleich entscheiden:

„Wo stei’n wir ein? Opel, Daimler, Daimler, Opel?“

„Mir egal, aber mach hinne! Es ist kalt!“

Ich hab auch gleich gesagt, dass sie sich’s aussuchen können – angetrunkene Jungs, die rummeckern, braucht ja niemand. Sie haben sich dann aber spontan doch für mich entschieden und sind zügig eingestiegen.

„Du weißt aber schon …“

begann der erste fast schon bedrohlich irgendwas einzuwerfen, so dass ich vorsichtshalber gleich das Schlimmste erwartet hab. Aber nee:

„… dass Du jetzt ’ne ganz schöne Strecke vor Dir hast?“

Und wo ging’s hin? Tatsächlich bis nach Falkensee – und der kürzeste Weg war auch nicht ihr Ding:

„Ach, fahr ruhig Heerstraße.“

Und auch sonst war das die definitiv beste Fahrt der letzten Wochen. Sie hatten einen im Tee, und einem war sogar schlecht. Aber das Verantwortungsbewusstsein in Person. Man kann sich immer mal vertun, aber der hat mich umgehend überzeugt, dass er sich eher eine Tasche zum Reinreihern häkeln würde, bevor er das Auto in Mitleidenschaft zieht. Er hat mir gesagt, dass er sich nur gerne an die Scheibe lehnen würde, aber eine Mütze aufhätte, und sie deshalb nicht verschmieren würde. Die Scheibe nicht verschmieren! Der Kerl hat mit dem einen Satz 80% der Normalkundschaft hinter sich gelassen. Aus irgendeinem Grund sind Taxischeiben ja besonders anziehend für die Fahrgäste. Würde man die Scheiben mal ein Jahr nicht waschen, würde man die Fingerabdrücke und DNA-Spuren einer mittleren Kleinstadt mit sich rumfahren. Und ausgerechnet einer, der mit „Mir ist schlecht!“ das Gespräch beginnt, achtet darauf. Noch dazu Dorfis, die zum Feiern in der Stadt waren …

Am Ende hab ich mit den dreien großzügig scherzend übers Ins-Taxi-kotzen gelästert, tatsächlich vernünftigen Gesprächen gelauscht und zuletzt einen Fünfziger bekommen, auf den ich nicht einmal mehr etwas rausgeben musste.

Was der Kollege für eine Tour bekommen hat, weiß ich natürlich nicht. Aber ich hab arge Zweifel an der Theorie, dass sie besser war.