Morgen wieder …

Ja, morgen geht’s endlich mal wieder auf Tour! Da ich hier bei GNIT ja immer wenigstens noch ein paar Knochen reingeworfen habe, kam Euch die Auszeit von mir wahrscheinlich gar nicht so lange vor wie mir. Tatsächlich aber sitze ich ja wirklich seit dem 24. August zu Hause. Ich gehöre wirklich nicht zu den Leuten, denen ohne ihre Lohnarbeit die Decke auf den Kopf fällt. Und eigentlich sollte ich mir mehr Pausen gönnen. Aber es ist einfach so, dass ich mich immer recht schnell wieder zurück ans Steuer wünsche. Ich mag den Job nunmal. Nicht nur, weil ich damit meine Miete bezahle. Ich freue mich auf morgen, hoffe auf ein paar nette Leute und darauf, wieder irgendwas neues von Berlin oder von meinen Fahrgästen zu erfahren.

Aber heute ist der letzte „freie“ Tag. Wenn man so will. Wenn man wie ich nebenher etwas freiberufliches wie Schreiben macht, dann kennt man das irgendwann nicht mehr. Die letzte Woche, in der ich nichts für die Öffentlichkeit bestimmtes geschrieben oder dafür Notizen gemacht, recherchiert, Fotos gemacht oder etwas konzipiert habe? Vielleicht 2008. Einzelne 24-Stunden-Abschnitte wohl um meine Hochzeit rum, als ich krank und auf Reisen gleichzeitig war.

Ironie des Schicksals, dass ich jedes Mal, wenn ich mich entspannen will, ans Schreiben denke. 🙂

Ich war die letzten anderthalb Wochen nicht untätig. Mal abgesehen von den Blogs arbeite ich an einer Leseprobe für mein Buch übers Taxifahren. Das hab ich – außerplanmäßig – vorgezogen und es könnte damit jetzt recht flott gehen. Denn die Leseprobe ist für nicht weniger bestimmt als dazu, dass meine Literaturagentur (also quasi, noch fehlt meine Unterschrift.) sie Verlagen vorstellen kann. Wie man sieht: Hinter den Kulissen ist auch viel los …

Ändert aber nix dran, dass ich mich darauf freue, mich morgen endlich wieder hinters Steuer der 1925 zu klemmen. Zwei Tage Kurzurlaub an der Nordseeküste sind diesen Monat auch schon geplant, bis dahin sollten wir mal die 400.000 Kiilometer zusammenkriegen. 🙂

Party!

Wenn ich bei einem Fahrtziel mal richtig ahnungslos bin und mich z.B. wirklich nur aufs Navi verlasse, dann sage ich gerne beruhigend zu den Fahrästen, dass sie sich mal keine Sorgen machen sollen, da sie die ersten wären, die ich nicht ans Ziel bringen könnte. Das entspricht nicht ganz der Wahrheit, ein oder zwei solche Fälle gab es tatsächlich schon. Aber wenn ich das zu Kunden sage, dann weiß ich sicher, dass es dieses Mal nicht passieren wird.

Im Falle der beiden Mädels in der Marktstraße in Rummelsburg hab ich das nicht gesagt. Sie stiegen ein und wollten zum Blockdammweg. Das ist natürlich kein Ding, den kenne ich schon alleine, weil sich an der Ecke dort eine nachts geöffnete Erdgas-Tankstelle befindet, an der ich immer mal wieder tanke, wenn es sich anbietet.

Zur Tanke wollten die Mädels nicht, sondern zu einer Party.

Am Blockdammweg. Puh.

Also gegenüber des Blockdammwegs an der Köpenicker Chaussee muss hinter einer Mauer an der Spree ein Gelände sein, auf dem öfter Parties und Konzerte stattfinden. Ansonsten kam mir die Ecke bislang zu jeder Tageszeit reichlich tot vor. Insbesondere der Blockdammweg selber. Aber gut, natürlich sind in der Ecke viele Industrie- und sonstige Brachflächen. Platz für Party ist ja bekanntlich überall.

Da mir die jungen Damen auch keine Hausnummer nennen konnten, hab ich ihnen gesagt, dass ich keine Ahnung hätte, wo dort genau eine Party sein sollte. Während eine der beiden optimistisch war und mir sagte, wir sollten einfach mal schauen, guckte die zweite verfinstert drein und fand es ganz offensichtlich eine absolute Frechheit, dass ich als Taxifahrer offenbar absolut untauglich war. Weil ich eine – ich zitiere hier kurz das andere Mädel – „eher so kleine und spontane, nicht wirklich angemeldete Party“ nicht kannte. Is‘ klar! Aber was soll’s? Ich hab mich mit der anderen prima verstanden und konnte das ignorieren.

Tatsächlich standen wir dann am Blockdammweg in tiefster Finsternis zwischen zwei Straßenlaternen. Während ich kurz davor war, mal kurz ein Telefonat über mein Handy zu erlauben (was man als Dienstleister nicht manchmal alles macht …), meinte Madame Finsternis jedoch, Musik zu hören – womit die Fahrt glücklich und erfolgreich beendet war, ohne dass ich rausgefunden hatte, wo die Party stattfand.

Manchmal ist das Glück ein nicht zu unterschätzender Begleiter.

Ich will solche Touren eigentlich nicht machen. Wenn das mal schiefgeht, dann ist völlig klar, dass ich der Depp bin. Entweder weil mir (je nach Situation zu Recht oder zu Unrecht) vorgeworfen wird, mich nicht gut genug auszukennen – oder weil ich im Zweifelsfall natürlich niemanden irgendwo mitten auf der Wiese aussetzen will, von wo aus es keinen Heimweg mehr gibt. Deswegen verlange ich eigentlich grundsätzlich irgendeine gültige Adresse, wenigstens aber sowas wie einen Club-Namen, der sich notfalls googeln lässt. Aber je nach Personal und finanzieller Lage lässt man sich halt auch mal breitschlagen. Man will ja helfen.

Schön, wenn’s gut ausgeht, weil die Musik so laut ist. 🙂

Reden ist Gold!

Ich werde inzwischen ja doch in ziemlicher Regelmäßigkeit auf den Blog hier angesprochen. Ist ja klar, einige von Euch kommen ja auch extra am Ostbahnhof vorbei, um mich zu besuchen. 🙂

Wirklich lustig fand ich jedoch derletzt einen Kollegen, der sich zaghaft näherte und fragte, ob ich denn „der mit dem Blog“ sei. Nachdem ich das in Ermangelung wirklicher Begabung beim Lügen zugegeben hatte, meinte er:

„Meine Frau liest immer bei Dir. Seitdem will sie meine Geschichten gar nicht mehr hören. Find ich gemein!“

Ich möchte mich hiermit zum einen entschuldigen, zum anderen aber auch mal was loswerden:

Man erlebt als Taxifahrer viel. Sehr viel! Das sind nicht immer nur spannende Geschichten, da ist auch viel von dem dabei, was man als „Alltagsschrott“ klassifizieren könnte. Menschen erzählen uns von ihrem Alltag, von ihren Freuden, Sorgen und Nöten. Das ist vielfach belanglos. Selbst für Blogs wie GNIT (bei dem ich ja an Belanglosigkeiten nicht spare). Mafiabosse, Ehebetrüger, Prominente – kommt alles vor, ist aber doch im Vergleich zu Mensch XY auf der Straße selten. Und ich glaube, die meisten von uns sind froh, wenn sie zumindest einen Teil davon irgendwie loswerden können. Nicht unbedingt in Details – ich denke, da muss man sich als Fahrgast nicht viele Sorgen machen! – aber raus muss es manchmal.

Ihr kennt das sicher von Euren eigenen Problemen.

An dieser Stelle möchte ich mich deswegen bedanken. Bei unseren Partnern, unseren Freunden und ggf. auch unseren anderen Ansprechpartnern. Barkeepern zum Beispiel. 🙂
Und in meinem Fall natürlich Euch Lesern.

Und natürlich besagter Leserin, die zeitgleich Partnerin eines meiner Kollegen ist!

Ohne Euch würde uns Kutschern etwas ganz wichtiges fehlen. Nicht jeder von uns sagt das so, nicht jeder kann das. Nicht jeder will das sagen und manche brauchen es vielleicht wirklich nicht. Aber ich bin sicher, dass Ihr – wer immer Ihr seid! – sicher hier und da die ein oder andere Depression, den ein oder anderen Amoklauf o.ä. verhindert habt.

Das ist sicher nicht übertrieben.

PS: Liebe Leserin, ich weiß es zu schätzen, dass Du meine Geschichten magst. Aber dein Mann hat sicher mindest genauso viel zu berichten. Hör ihm zu, er hat es nicht leichter als ich – und sicher nicht weniger zu berichten! 🙂

Ausstattungsgedöns

Ich bin schon ganz hibbelig.

Ich hab mir – mal wieder – einen neuen Zusatzakku zugelegt. Diesen hier (Amazon-Ref-Link). Bei der Stromversorgung im Taxi bin ich ja irgendwie nie so recht auf einen grünen Zweig gekommen. Das liegt vor allem daran, dass

  1. der Zigarettenanzünder im Zafira unter dem Griff der Handbremse liegt und den Einsatz vieler größerer Stecker verhindert.
  2. ich mein Handy aus Diebstahlsicherungsgründen links vom Lenkrad habe.
  3. der Stromanschluss meines Handys auf der Oberseite ist und ich das Kabel irgendwie übers Armaturenbrett legen müsste
  4. ich das Auto nicht zu meinen Zwecken umbauen kann, sondern alles entfernbar bleiben muss.

 

Es gibt für alles eine Lösung, manchmal muss man halt ein wenig suchen. Grundsätzlich bin ich beispielsweise mit den MiPow, die mir nette Leser von meiner Wunschliste gekauft haben, gut gefahren. Tue ich immer noch. Aber da ich Akkus meist recht ungünstig nutze, lassen die halt auch schnell nach. Für Wochenendschichten muss ich den noch gut funktionierenden MiPow voll aufgeladen mitnehmen, sonst bringt er nix. Oft lade ich ihn im Auto nochmal nach und am Ende passiert es dann doch gelegentlich, dass ich ihn aufladen muss, obwohl er nur halb leer ist, etc. pp. Und wie man weiß: Das tut Akkus nicht gut. Darüber hinaus nutze ich mein Handy recht viel unterwegs, z.B. ist GPS immer aktiv. Für myTaxi und damit ihr mich stalken könnt. Für myTaxi wäre es sogar eigentlich gut, das Display immer angeschaltet zu haben, aber das konnte ich bislang auf jeden Fall vergessen.

Nun mal sehen, ob mit dem neuen Akku alles besser wird. Leistungsmäßig sollte ich damit mehr als nur eine Schicht schaffen, der Praxistest steht wie gesagt noch aus. *daumendrück*
Ich werde auf jeden Fall hier und da mal erwähnen, ob das Teil was taugt. Alle am Kauf Interessierten möchte ich aber vorab warnen: Das Ding ist größer und schwerer, als es auf den Bildern aussieht – für die Jackentasche ist es nicht geeignet!

PS: Eine neue Handyhalterung hab ich auch. Aber dazu gibt es morgen mehr. Kleiner Spoiler: Es gibt ein Gewinnspiel zum dritten Geburtstag von GNIT … 😉

Karma

Einen wunderbaren Sonntag allen GNIT-Lesern da draußen!

Meiner jedenfalls verspricht wunderbar zu werden: Ich hab mittelprächtig geschlafen, bin dennoch Stunden zu früh aus dem Bett gepurzelt und muss nachher arbeiten. Das ist vielleicht nicht der Optimalzustand, aber die gestrige Schicht war so schön, die wirkt noch ein bisschen nach. 🙂

Das es gut laufen würde, habe ich zwar von Anfang an gehofft, der Einstieg war dann jedoch eher so lala. Dass ich umgehend, also nach etwa drei Kilometern, eine Winkerin hatte, war schön. Ihr Wunsch hingegen schwierig:

„Ich müsste ungefähr zum Club der Visionäre und hab aber nur noch’n Fünfer …“

Das ist vom östlichen Ende der Boxhagener Straße schlicht nicht zu machen. Ich hab zwar glücklicherweise sofort daran gedacht, dass man über die Kynaststraße seit einiger Zeit wieder zur Elsenbrücke durchkommt, ohne eine blöde Schleife übers Ostkreuz machen zu müssen, gereicht hätte das aber allenfalls ansatzweise. Also hab ich erst einmal von mir aus eine Kurzstrecke vorgeschlagen. Muss ich nicht, kann man in so einer Situation ja aber mal machen. Geht ja auch um Dings, hier, ähm, zufriedene Kundschaft, genau!

Und – ach! – was war die zufrieden. Obwohl ich ihr gesagt hab, dass es trotzdem nicht ganz reichen wird.

„Das ist in Ordnung, ich kann ja ein Stückchen laufen. Ich bin ja schon so froh, dass sie gerade jetzt hier vorbeigekommen sind …“

Konnte sie auch sein. Als das Taxameter dann mit einem Piepsen das Ende der Kurzstrecke verkündet hat, hab ich die Uhr ausgemacht und das Auto noch ganz gemütlich bis zur nächsten Ecke ausrollen lassen. Am Ende hab ich sie rund 2,3 km von fast dreien gefahren. Zum ermäßigten 2-km-Preis. Alleine ihrer Ansage nach hätte ich sie nach 1,1 km zum Normalpreis von 5,00 € vor die Türe setzen können – und jetz standen nach dem großzügigsten Dehnen aller Regeln sogar nur 4,00 € auf dem Taxameter.

Auch wenn ich’s die Kundschaft nach wie vor nicht merken lasse: Ich war ziemlich sauer, dass sie sich unter den Umständen tatsächlich den einen Euro noch hat rausgeben lassen. Das ermutigt einen nicht gerade, solche Ausnahmen mal zu machen … 🙁

An verbalem Dank jedoch sollte es nicht mangeln:

„Total geil, ehrlich! Ey, ich wünsch Dir noch eine super entspannte Schicht, nur nette Fahrgäste, viel Glück und alles. Hast jetzt echt was gut auf deinem Karma-Konto!“

Während ich mir insgeheim „Na hoffentlich!“ dachte, schien das tatsächlich genau das Richtige gewesen zu sein.

(Nie vergessen: Am Ende bestimmt jede Tour, wo man am Ende landet …)

Der Freitag war schon „halbwegs ok“ gewesen, ich war eigentlich zufrieden. Jetzt hab ich gestern aber bei anderthalb Stunden weniger Arbeitszeit und der gleichen Fahrtsrtecke über 50 € mehr Umsatz und das Doppelte an Trinkgeld gemacht. Ich hab wirklich obskurste Touren bekommen, überdurchschnittlich lang und mit spendablen Fahrgästen obendrein. Ich hatte fast die ganze Schicht gute Laune, war fit, und und und.

Kein Wunder, dass Menschen dazu neigen, an so einen Quatsch wie Karma zu glauben.


PS: Für alle, die es noch nicht dank Facebook mitbekommen haben: GNIT hat die Marke von 2000 Artikeln irgendwann in der letzten Woche gerissen. Dies hier ist Nummer 2016. Feuerwerk!!! 😀

Eile, wo keine sein sollte …

Vorbestellungen. Das sind alle Fahrten, wie ich sie mit Euch gelegentlich ausmache … die sind im Alltagstrubel manchmal schwierig. Also nicht die Fahrten an sich. Ganz im Ernst: Ich freue mich total, dass ich inzwischen so viele Touren mit Lesern hab, denn es ist ist z.B. schon mal eine große Sache, wenn man als Taxifahrer weiß, wann man unkomplizierte Fahrgäste hat. Denkt also nicht, ich wüsste das nicht zu schätzen!

Nun war es am Samstag so, dass ich mal wieder Jo am Telefon hatte. Der rief mich an und fragte an, ob ich eine Stunde später am Lichtpark sein könnte. Ich hab mal vorsichtig zugesagt, aber angedeutet, dass ich vielleicht später komme. Die Stunden davor waren das reinste Silvester, so guten Umsatz hatte ich lange nicht mehr. Für 9 Touren und fast 100 € Umsatz hab ich gerade mal 2:20 Stunden gebraucht. Entsprechend kam ich halt auch nicht einmal für eine Kippe aus dem Wagen, bzw. befürchtete, im nächsten Moment nach Hannover oder so abgewunken zu werden. In der Nacht schien zu diesem Zeitpunkt aus Taxifahrersicht irgendwie alles möglich zu sein. Und ja, da stört so eine Vorbestellung den Flow etwas.

Aber gut, ich bin ungehindert zum Ostbahnhof gekommen, wo ich endlich meine Nikotinsucht befriedigen konnte. Hätte ich mir was wünschen können, hätte ich jetzt eine Tour nach Pankow oder Marzahn bevorzugt: Irgendwas, wo man nachts schnell Land gewinnen kann, aber natürlich mit möglichst maximalem Umsatz. Dass dies die letzte Tour vor der Bestellung sein würde, war klar, deswegen wünschte ich mir, zu der guten Zeit alles rauszuholen, was geht.

War natürlich Fehlanzeige. Eine Fahrt zum A&O-Hostel in der Köpenicker. Eigentlich das einzige Fahrtziel (neben ein paar Privatgebäuden und dem Magdalena), das den Anspruch erheben konnte, noch zwischen Ostbahnhof und Lichtpark zu liegen. 4,80 €. Hmm …

Jetzt hatte ich wie zuvor immer noch eine halbe Stunde Zeit. Na super! Was tun?

Ich hab mich fürs Magdalena entschieden. Dort stand nur ein einziger Kollege, da hatte ich die Hoffnung, schnell noch eine Tour zu bekommen. Was keine schlechte Einschätzung war: Kaum dass ich mich angestellt hatte, stieg mir eine junge Frau ein. Bei mir, nicht bei dem Kollegen vor mir. Ich hatte für einen Moment die Vermutung, es läge am Auto. Der Kollege nämlich fuhr einen Mercedes W124, also mit beinahe garantiertem Mindestalter von 20 Jahren. Tatsächlich war meine Kundin wohl vor allem zu strack, um überhaupt zu bemerken, dass zwei Autos vor dem Club standen.

Das allerdings fiel mir erst später an dem Telefonat auf, das sie führte. Sie sagte mir mit recht klarer Aussprache den Wismarplatz an – immerhin eine der Adressen in Berlin, die nur einmal existieren. Und zwar recht nahe, im Boxhagener Kiez. Nochmal 7 oder 8 € mehr und garantiert pünktlich zurück! Yeah! Herrlich, wenn mal alles läuft wie geplant.

Während der Fahrt hatte ich dann ein wenig Sorge, dass sie sich den Abend in Form aller Getränke nochmal durch den Kopf gehen lässt. In Kurven purzelte sie fast auf meinen Sitz rüber und am Handy führte sie minutenlang ein Gespräch, das ich in einem einzelnen Satz wiedergeben könnte:

„Ey, wenn ihr nicht gleich heimkommt, penne ich schon, weil ich müde bin.“

Das war’s. In der Praxis lief das eher so ab:

„Yo, kommse?“

„Steif! Da penn ich schon.“

„Wann kommse?“

„Nee, bin müde, ich penn gleich.“

„Kommse noch?“

„Echt? Das‘ aber zu spät.“

„Willse nich‘ noch … aber wenn, dann gleich. Bin müde.“

„Wann wärse dann da? Oh nee, da penn ich sicher schon.“

„Kann meine Augen kaum aufhalten, aber was is‘? Kommse noch?“

Ich meine: Immerhin war sie schnell beim Reden, die Fahrt hat ja keine 6 Minuten gedauert …

Am Ziel angekommen freute ich mich: Hach! Noch knapp 20 Minuten, um zum Lichtpark zu fahren, sprich: bei gemütlicher Fahrweise allerhöchstens 10 Minuten Wartezeit. Und immerhin würde es für eine Kippe reichen.

Das inzwischen wirklich übertrieben zerstört wirkende Etwas sah mich aus großen Augen an und meinte:

„Duhu, des‘ jetz‘ kacke und des tut mir auch voll leid und so, aber ich hab wohl kein Geld mehr bei …“

Na holla die Waldfee! Da wurde die Zeit plötzlich wieder eng. Ich hatte keinen Kartenleser, sie kein Geld zu Hause, also was nun? Ich war schon dabei, ihr desillusioniert meine Daten aufzuschreiben und ihre zu verlangen (den Gedanken, sie mit Beschimpfungen vor die Tür zu setzen hatte ich glücklicherweise verdrängt), als die eigentlich ja immer erste Option mir wie Schuppen von den Augen fiel: Bankautomat!

Ich hab sie darüber aufgeklärt, dass ich mir das Wenden, Rumfahren und Warten aber bezahlen lassen würde. Mehr als verdient in dem Fall, ganz ehrlich. Der Automat war zwar keine 50 Meter entfernt, aber in solchen Fälle halte ich DIREKT davor. Ich will mir nämlich besser nicht ausmalen, wie es aussieht, wenn ich betrunkenen Mädels hinterherrennen muss. Nachher wirft mein Hemd noch Falten, die mich dick aussehen lassen …

Ich, total im Stress und ständig auf die Uhr schauend, verpeilte das alles natürlich. Statt das Taxameter wieder zu starten, drückte ich erst einmal auf die Zuschlagstaste (tue ich beides verhältnismäßig selten, da sitzt der Automatismus auch nach über 4 Jahren noch nicht so richtig). Ups. Scheiß Hektik, ehrlich!

Ich hab den Gedanken beiseite gedrängt und es einfach mal so stehen lassen. Dafür hab ich die Uhr vor dem Automaten gestoppt. Ob ihr dortiger Aufenthalt – ich hab Blut und Wasser geschwitzt, ob ihr drei Anläufe für die PIN reichen – jetzt 40 oder 60 Cent gekostet hätte, werde ich nie erfahren. Entweder hat sie 10 Cent zu viel oder 10 zu wenig bezahlt. Hat mich da ganz ehrlich auch nicht mehr gejuckt. Und ich denke, bei solchen Beträgen muss man nicht kleinlich sein. Da komme ich Fahrgästen bisweilen gröber entgegen, ganz ehrlich.

Aber was will man sagen: Es ging alles gut aus. Mit 50 Cent Trinkgeld hat sie zwar nicht gerade Branchenrekorde gebrochen, aber im Grunde konnte ich froh sein. Es gab noch einen Euro oben drauf und rechtzeitig am Lichtpark war ich auch.

Und, was war? Logo: Bestellvirtuose Jo kam mit 10 Minuten Verspätung raus … 🙂

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Falsch, falsch, falsch!

Lustige Gesellen hatte ich mir da ins Auto geladen: Ein Vierertrupp, vermutlich Belgier. Ihr Deutsch war gut, man hat halt einen sehr starken Akzent bemerkt. Der Altersschnitt dürfte irgendwas um die 45 betragen haben, der Promillepegel lag glücklicherweise darunter. Ausgelassene Stimmung unter erfahrenen Berlin-Besuchern, eine feine Sache.

Sie wollten zu einem der Hotels an der U-Bahn-Station Güntzelstraße. Hmm, ja, da war was. Schon eine Weile her, dass ich in der Ecke bewusst war, vor allem aber hab ich die U-Bahnen noch weniger im Gedächtnis wie die Straßen. Aber dann fiel mir wieder ein, dass das an der Bundesallee liegen müsste.

Der ein oder andere erwartet vielleicht Wunderdinge von uns, tatsächlich hat man auch mal Lücken im Stadtplan, erschreckend große – selbst wenn das Ziel wie hier nicht weit draußen liegt. Ein schlechtes Gewissen hab ich da nicht, mich quatschen am Ostbahnhof auch regelmäßig Kollegen an und fragen nach dem Berghain oder dem Fritz-Club. Man weiß noch etwa, wo das war, aber bei den letzten 500 Metern guckt man lieber nochmal …
Ich bin das Risiko eingegangen und hab mal grob in die Richtung gezielt. Hab kurz vor dem Ziel dann Güntzelstraße/Bundesallee als Ecke ins Navi eingegeben. Denn irgendwo konnte man da doch … es meldeten sich Erinnerungsfetzen aus der Ortskundeprüfung:

„Krrz … Prager Platz … krrrrz … Prinz…krrrz“

Winzige, an sich unbedeutende Abkürzung, aber wenn schon, dann richtig! Ich folgte meinem Navi, als ein Räuspern vom Beifahrersitz kam. Der weiße Schnauzbart unter den tiefen Augenringen meines Fahrgastes schmatzte irgendwas.

„Alles ok?“

„Ja, ist der falsche Weg, aber ok.“

Für derartige Gelassenheit bin ich eigentlich ja dankbar, aber ich war in dem Moment selbst verdammt unsicher. Ich hatte die zwei Minuten davor schon überlegt, ob die Güntzel- nicht doch bis zur Martin-Luther durchgeht und dort die Haltestelle ist …
Das ist natürlich Blödsinn und mit etwas mehr Ahnung vom U-Bahn-Netz hätte ich das auch gewusst. Aber ich fahr ungefähr zweimal im Jahr U-Bahn, und meist nur mit der U1. In dem Kiez dort hab ich vor Ewigkeiten das letzte Mal Leute abgesetz, vielleicht war es sogar mein Ausflug mit Jo damals (das Foto ist am Bayerischen Platz aufgenommen, Jo hat aber seinen Artikel leider nicht mehr online), bei dem ich letztmals dort im Viertel war. Also WTF?

Ich hab mich irgendwie überreden lassen, umzukehren. Was Unsinn war. Am Ende der Barbarossastraße stand ich auf der Martin-Luther und wusste, dass ich falsch bin. Falsch. Falsch, falsch, falsch!

Die Uhr hatte ich peinlichkeitshalber schon ausgemacht und ich hab mir meine gute Laune bewahrt. Obwohl ich mich geärgert habe. Furchtbar. Zum einen darüber, dass ich mir unsicher war. Sonst hole ich bei so viel Unsicherheit immer gleich noch mehr Infos ein. Zum anderen aber darüber, dass meine Fahrgäste es total witzig fanden, dass ich mich verfahren habe – ohne ihre Bitte, umzukehren, wäre ich auf dem kürzesten Weg an ihrem Ziel gelandet.

Im Nachhinein war es spitze: Die Kundschaft war ausgelassen, hab großzügiges Trinkgeld und es wird allenfalls irgendwo in Belgien oder so eine kleine Anekdote über einen verpeilten Taxifahrer geben. Viel besser als miese Laune, kein Trinkgeld und die herkömmlichen Arschlochlegenden. Wenn ich jetzt bloß noch wüsste, wie ich verhindern kann, mich so beeinflussen und dann vom Ergebnis runterziehen zu lassen …

Hier noch eine Karte vom letzten Wegabschnitt für die Nicht-Kollegen unter Euch:


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