Neuer Trend

Was mir in letzter Zeit immer öfter auffällt, ist die Antwort

„Ach, nicht dafür!“,

wenn ich mich fürs Trinkgeld bedanke. Natürlich hab ich das hier und da schon mal gehört, aber in letzter Zeit hab ich das teilweise zweimal am Tag. Ist der Spruch in letzter Zeit irgendwo prominent in den Medien gewesen oder hab ich sonst irgendwas verpasst? 🙂

Wachmacher

„Orr, wenn’s hier nicht bald weitergeht, muss ich noch wegfahren, weil ich pissen muss!“

meinte derletzt ein Kollege am Stand. Scheiß-Situation, kennen vermutlich alle Taxifahrer.

„Aber ohne den blöden Kaffee kriegste die Nacht halt auch nicht durch. Ich bin ja nicht so der Kaffeefreund, aber was willste machen …?“

Ich gehöre zu den vermutlich am Besten angepassten Nachtfahrern da draußen. Ich mache das seit über fünf Jahren, ich wechsele meinen Schlafrhythmus selbst in meiner Freizeit nur sehr selten und bin zudem jung, bekloppt und fröhlich. Aber selbst ich nehme Koffein regelmäßig zu mir, um mich fit zu halten. Allerdings, so hab ich an diesem Abend wieder mal festgestellt, etwas pragmatischer als die Kollegen.

Sicher: sich mal auf einen Kaffee an der Tanke zu treffen ist toll, Gemütlichkeit bla keks. Aber, und diese Ehrlichkeit vermisse ich hier und da  sowohl unter Kollegen, als auch unter Berichterstattern: Koffein ist eine Droge und Kaffee nur ihre bevorzugte Darreichungsform. Natürlich kann Kaffee auch ein Genußmittel sein, ein Gaumenschmaus und eine Kunst, was die Zubereitung betrifft. Aber ja, es gibt auch die gemütlichen Pfeifenraucher in ihren Ledersesseln, die nicht viel gemein haben mit dem Ausmaß der Nikotinsucht hierzulande. Im überwiegenden Fall gehören die ersten ein bis drei Tassen Kaffee jeden Tag für viele Menschen einfach dazu und dienen dem Aufwachen.

Und deswegen sagte ich zu meinem Kollegen:

„Äh, wenn Dir nix am Kaffee an sich liegt: wieso dann nicht Koffein-Tabletten?“

Und er hatte nicht einmal eine Ahnung, dass es sowas gibt.

Ich will jetzt keine Werbung für eine Firma machen – obwohl es meiner Erfahrung nach nur eine zu geben scheint – aber das war wirklich DIE Entdeckung für mich. Eine Tablette statt zweier Kaffee. Von unsagbar blöden Schreibweisen wie Caffè (hat mal einer von Euch das ausgesprochen?) ganz abgesehen. Ohne Nebenwirkungen, die über die des Koffeins an sich herausgehen. Ohne Verschüttungsgefahr transportabel, handlich, bla bla bla. So wenig wie den meisten am Geschmack des Getränks liegt, ist es schon komisch, dass diese Tabletten immer noch eine Insider-Droge für Party-Druffis sind.

Wofür ich allerdings wirklich noch Werbung machen kann: Die Energie-Sticks von Abtei (Ref-Link zu Amazon). Die haben zwar nur einen Bruchteil des Koffeins, dafür – und das ist für uns Hardcore-Junkies nicht uninteressant – vor allem eine ordentliche Dosis Taurin und schmecken dabei nicht einmal wie wiedergekäute Gummibärchen, aka Energydrinks. Und sie sind ebenso leicht in der Handhabung. Wenn nicht sogar leichter – z.B. für Leute wie mich, die keine Tabletten schlucken können. Und die rocken auch ziemlich, zumindest bei mir. 🙂

Wenn Ihr – abgesehen von gesundem Tagschlaf – andere Konzepte habt, mit denen Ihr die Nacht gut durchrockt, dann freue ich mich über Hinweise.

Wenn’s nicht so recht will …

Ich hab gestern Abend irgendwie keine Lust gehabt. Und das nicht einmal wie sonst, weil der Umsatz scheiße war oder meine Laune am Boden. Nö, einfach keine Lust auf Arbeit. Soll – hab ich mal gehört – einigen da draußen öfter mal so gehen. Ich hab mir die Schicht und mich selbst von da an noch eine Stunde beobachtet und darauf geachtet, ob es besser wird.

Schichtmäßig ja, denn ich bekam eine nette Leseranfrage zu einer langen Tour und hab die auch gemacht.

Aber nachdem ich wieder alleine im Auto war, hatte ich einfach keine Lust mehr. 🙁

Und dann hab ich mich darauf besonnen, dass Freiheiten ja keine sind, wenn man sie nicht auch gelegentlich ausnutzt und bin heimgefahren.

Gut, meine Chefs wird’s nicht freuen – aber Ärger wird’s auch nicht geben. Mal ganz abgesehen davon, dass ich mein Monatssoll ohnehin schon seit vorgestern drin hab und noch 5 Arbeitstage im Mai übrig sind … 🙂

Lucky

Also diese Schicht heute …

Wenn man den Kollegen glauben darf, dann lief es richtig mies. Ich aber hatte auf der anderen Seite mehr Leseranfragen, als ich mal eben abarbeiten konnte. Womit es dann am Ende so halbwegs gepasst hat. Vor vier Wochen wäre ich sogar froh um das Ergebnis gewesen, aber die letzte Zeit lief so gut … und außerdem war ich ja gestern nicht draußen.

Was ich schon mal geschrieben habe: es ist immer schwer mit Anfragen mitten in der Schicht. Heute hat das Jo mitbekommen, den ich erst achtmal weggedrückt und anschließend am Telefon nochmal abgewürgt und ihm gleichzeitig eine Absage erteilt habe. Das mache ich extrem ungern, aber zweiteilen kann ich mich auch nicht. Vierteilungen wiederum sind zwar historisch belegt, die Gesundheitsgutachten der Probanden lassen aber auch da eher Probleme für den Alltag erwarten.

So hatte ich auch dieses Mal vor einer Lesertour knapp eine Stunde Zeit. Gut, ich musste dazu sowieso raus nach Marzahn, da konnte ich wenigstens einen Zwischenstopp bei mir zu Hause als richtig echte und sogar arbeitsrechtlich korrekte Pause einlegen. Aber was das wieder an Leerkilometern einbringt!

Und dann winkte es tatsächlich. Auf der Landsberger Allee stadtauswärts. Kurz vor IKEA. 0.o

Richtung Osten wäre mir recht gewesen, im Grunde hoffte ich aber nur, dass es nicht in die Stadt zurückgehen sollte. Und dann fragten mich die zwei schon reichlich schwankenden Gestalten, ob ich das Lucky Inn kennen würde. Da muss man einwerfen: das ist eine fast schon unverschämte Frage. Das ist eine absolut unbedeutende Kneipe in einem Außenbezirk, die nicht einmal von einer öffentlichen Straße aus einsehbar ist. Ungefähr 125% der Besucher dieser Kneipe rekrutieren sich aus den drei umliegenden Hochhäusern. Wer soll diese Kneipe kennen?

Ich natürlich. Und: tue ich auch. Ich wohne nämlich ein Hochhaus weiter, knapp außerhalb des Einzugsgebietes. Aber wenn mir persönlich eine Kneipe in Torkelweite unheimlich ist, dann ist das ein ernstzunehmender Warnhinweis!

Die Tour war also in vielerlei Hinsicht perfekt: sie bedeutete für mich einen quasi inexistenten Umweg, füllte also einfach die ohnehin anfallenden Kilometer mit ein paar Euro. Darüber hinaus waren die zwei Burschen ausgesprochen ok dafür, dass sie bereits voll wie Wassereimer in der Monsunzeit waren, jeder noch Bier mithatte und sie auf eine Marzahner Absturzkneipe zuzusegeln gedachten.

„Ach, ihr Taxifahrer! Ihr habt’s ja ooch nich‘ leicht. Ick meine: wir uff’n Bau schimpfen ja schon wejen da Kohle!“

Die haben die schwärzesten Seiten des Jobs besser beleuchten können als jeder meckernde Kollege da draußen, das ist gewiss. Wenn man ihnen glauben darf, verdienen wir irgendwas um die 1,50 € brutto, werden jeden Tag ausgeraubt, angepöbelt und mit vollgekotztem Auto zurückgelassen. Also sinngemäß. Das hat dann ja nun auch nicht mehr sonderlich viel mit der Realität zu tun.

Aber sie fanden es gut, dass ich den Job gerne mache und rundeten am Ende die aufgelaufenen 10,60 € obergroßzügigst auf 15 € auf. Was noch besseres hätte mir in dieser „Leerlaufzeit“ echt nicht passieren können. Und am Ende hätte ich sogar noch eines der verschlossenen Biere behalten können. Sogar meine Marke. DA hab dann sogar ich abgelehnt. Perfekter als perfekt ist dann ja vielleicht doch ein schlechtes Omen oder so … 😀

Fehler: Scheibe nicht gefunden!

So, in zwei Stunden startet die neue Arbeits-„Woche“. Eigentlich hätte ich ja gestern schon wieder auf die Straße gewollt, aber es kam mal wieder was dazwischen. Während ich schon frisch geduscht und fast bereit zum Losgehen war, klingelte gestern das Telefon und mein Chef teilte mir – für die Umstände ungewohnt heiter – mit, dass ich auf ein anderes Auto ausweichen müsste. Wer jetzt gleich mit den Augen rollt und sich fragt, was die alte Möhre nun wieder hat, dem sei gesagt, dass die 72 dieses Mal nix für kann.

Offenbar waren mein Tagfahrer und ein Radfahrer dergestalt im Verkehr aneinandergeraten, dass „friedlich“ nicht mehr das Wort der Wahl wäre. Ohne jetzt nähere Details zu kennen: eines scheint sicher zu sein: zu guter Letzt schlug der aufgebrachte Kontrahent meinem kleinen Taxi derart heftig auf die Frontscheibe, dass diese gesprungen ist. Nicht gleich aus der Fassung zwar, aber eben ausreichend, um einen Reparaturbedarf geltend zu machen. Hmm.

Einen Ersatzwagen hätte ich bekommen, aber wie die meisten von Euch wissen, sind das für mich, ingesamt, Hin- und Zurück, knappe anderthalb Stunden mehr Arbeitsweg. Und der Donnerstag ist eine halbe Schicht, die ich selten auf mehr als 5 Stunden ausdehne. Also hab ich abgelehnt und starte dann eben heute – wieder mit der 72 – ins Nachtleben. Muss jetzt halt entsprechend ein paar Euro mehr einfahren. Drückt mir die Daumen, dass der Schwan zusammenkommt! 🙂

Blaues Auto, blaues Auto!

(Alle, die den Film „K-PAX“ gesehen haben, haben jetzt eine Ahnung, wie man die Überschrift zu lesen hat)

Es war eine kurze Tour, Winker noch dazu, alles prima. Die Straße, zu der die Leute wollten, kannte ich aus dem Kopf, eine grobe Peilung, zwischen welchen Querstraßen das Ziel genau liegt, wurde mir auch vermittelt. Zudem die Hausnummer: 102. Gut, die alleine hilft ja nicht viel, am Nachmittag, an dem wir die in der Taxischule durchgesprochen haben, war ich ja bekanntlich nicht da. 😉

„Da steht so’n blaues Auto vor der Tür!“

meinte einer der Fahrgäste.

„Vadder! Du könntest auch die Kirche nennen oder die Kneipe gegenüber, das besetzte Haus oder …“

hieß es alsbald von der anderen Seite. Ich befuhr die Straße indessen, die Kirche sah ich schon und suchte mehr oder minder unauffällig nach der Nummer 102. War im Grunde bei so vielen Hinweisen auch nicht schwer zu finden. Nach ungefähr drei „Halten Sie einfach hier!“-Rufen bugsierte ich die 72 an den Straßenrand und nahm schon mal die ersten Münzen entgegen. Woraufhin „Vadder“ einwarft:

„Und siehste: Hier steht auch das blaue Auto!“

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Eine exklusive Panne

Heute Nacht habe ich meine Twitter-Follower mit zwei miesen Tweets etwas erschreckt. Und in der Tat war zwischenrein alles furchtbar. Hier die (sehr lange) Erklärung dazu, was da an der Tanke heute los war. Spoiler: es hatte was mit viel Blaulicht zu tun!

Autos haben öfter mal Probleme. Das wird sich nie ganz vermeiden lassen. Glücklicherweise gibt es ja für alles Lösungen. Die paar Ausnahmen ohne Lösungen erfordern Glück. Und amüsantes Personal.

Nach Amusement war mir heute Nacht ziemlich. Die Schicht lief einfach so bombig wie schon lange nicht mehr. Auf runde 180 € hatte ich geplant und schon nach fünfeinhalb Stunden hatte ich 155 auf der Uhr. Ich dachte zwar darüber nach, an so einem schönen Tag mal mehr zu arbeiten als nötig, aber da nun wirklich nur noch 25 € fehlten, bin ich schon mal zur Tanke gefahren. Gerade in der zweiten, besseren, Hälfte der Nacht liegt der Schnitt oft jenseits von 1€/km und 50 bis 70 Kilometer runterzufahren, bevor ich das Auto abstelle, sind auch kein Problem. Ich möchte, dass mein Tagfahrer bequem eine Schicht damit fahren kann und das klappt auch so prima.

Was habe ich mich für diesen Schnellschuss verflucht. Denn als ich an meiner Stammtanke an der Holzmarktstraße war, sah die Schicht recht schnell nach Desaster aus. Ich hab die knapp 10 kg Erdgas getankt, die ich während der letzten 150 km verfahren hatte und hatte dann plötzlich ein Problem.

Wir rüsseln uns ein Problem. Quelle: Sash

Wir rüsseln uns ein Problem. Quelle: Sash

Denn kaum dass ich den Tankschlauch löste, vermeldete ein ziemlich forsches Zischen, dass Gas austritt. Nach einem kurzen Check war klar: am Auto, nicht am Schlauch. Das Ventil hatte sich einfach nicht mehr geschlossen und das eben getankte Gas freute sich über den unverhofften Ausgang. Kein Wunder, steht ja auch gut unter Druck, das Zeug. Nach ein bisschen Rumgedruckse und mehrmaligem Ver- und wieder Entriegeln war keine Lösung in Sicht: sobald ich den Schlauch ablöste, strömte das Gas aus dem Tank.

Ich – noch gut gelaunt – bin rein, hab das Gas bezahlt und mal gefragt, was ich jetzt machen soll. Ergebnis: Keine Ahnung. Und da es am Auto liegt, vielleicht am besten den ADAC anrufen. Nun ja. Das war schon recht lustig, weil die Festnetznummer nicht via Mobilfunk erreichbar ist, meine Chefs es gleich gar nicht waren, mein Handy sich wehrte … alles schon der Gute-Laune-Killer schlechthin.

Dann aber, bei allem gesunden Hass dem ADAC gegenüber, hatte ich eine wirklich nette Mitarbeiterin dran.. Also engagiert, lieb, lösungsorientiert, was man in so einer Situation braucht. Für mich war das alles reichlich blöd, denn ich weiß nicht einmal, ob meine Chefs dort Mitglieder sind, ich bin es nicht. Unser Unternehmen hat einen Abschleppdienst, mit dem es zusammenarbeitet, aber dass ich denen nicht mit einem Gasleck kommen brauchte, wusste ich auch. Entsprechend hat mir die nette Dame dann trotz aller Freundlichkeit sagen müssen, dass ich das schon vor Ort würde bezahlen müssen.

Puh!

Im Grunde nix dagegen. Ich weiß, dass ich das Geld von meinen Chefs wiederkriege. Ohne Wenn und Aber. Aber mit optimistisch geschätzten 200 € in bar auf Tasche war ich nicht sicher, ob das reichen würde. Naja, immerhin würde sich die entsprechende Werkstatt melden, bevor sie sich auf den Weg machen – inklusive Kostenvoranschlag. Und was hatte ich für eine Wahl?

Inzwischen hatte ich ein lockeres Gespräch mit dem Schichthabenden an der Tanke gestartet. Der war ebenso ratlos wie ich, aber uns war klar, dass wir uns besser anfreunden, da ich sicher noch ein paar Stündchen da sein würde. Darauf wurde ich am Telefon nämlich auch bereits hingewiesen: dass sie leider „sehr beschäftigt“ seien. Also erst einmal ein Kippchen, eine Pizza und ein paar abenteuerliche Überlegungen, wie das wohl ausgehen würde. Dann rief der Abschleppdienst an.

War ich bis dato am Boden zerstört ob der Tatsache, dass ich mir diesen Stress vor Erreichen meines Schichtziels eingehandelt hatte, war das der Punkt, an dem meine Laune ins Positive kippte. Denn der Typ am anderen Ende der Leitung – auch er ein echt netter Kerl, dafür dass es Samstag Morgen um 2 Uhr war – sagte mir frei raus, dass er nicht den Hauch eines Lösungsansatzes hätte. Natürlich würde er mir gerne jemanden schicken, aber der hätte dann halt keine Ahnung und wäre sowieso in frühestens zwei Stunden erst da. Ich solle doch besser bei der Tanke („Die verkaufen das Zeug doch, die kennen da sicher wen …“) mal nachfragen oder gleich die Feuerwehr anrufen. Er warf ein, dass sie das auch mal gemacht hätten – bei einem Unfall allerdings – da hätte die Feuerwehr dann vor Ort abgesperrt und abgewartet, bis der Tank leer war. Wenn es für mich ok wäre, würde er den Auftrag damit stornieren …

WTF?

Ich meine, ich hatte ja extra dort angerufen, weil es mir die letzte Option zu sein schien. Da ein „Da wissen wir auch nicht weiter!“ zu hören, hatte ich nicht erwartet. Das konnte ich nicht mehr ernst nehmen, ehrlich. Das wäre meinem Blutdruck gar nicht gut bekommen. Also hab ich mit der Tankstellenbesatzung ratlos um die Wette geguckt. Ich meine, immerhin habe ich deren Tankschlauch ja immer noch als Abdichtung verwendet und eine Säule blockiert, war damit ja auch deren Problem.

Nun muss man mal einwerfen, dass die Idee des Ausgasenlassens, die der Typ am Telefon genannt hat, schon plausibel klang. Auch wenn es blöd ist, dass das Erdgas im Tank unter Druck steht: das Zeug ist echt nur minimalst gefährlich. Das würde sich nicht einmal entzünden, wenn ich den kompletten Tankinhalt im Innenraum meines Opels ansammeln würde. Dass da was passieren würde, wenn ich mit der Kiste ums Eck fahre, war eigentlich so gut wie unmöglich. Aber – wie einer der weiteren Beteiligten später sagen sollte:

„Wenn dann halt doch einer mit der brennenden Kippe neben dem Auto langläuft …“

Ach ja, die weiteren Beteiligten. Es kam wirklich, wie es von da an kommen musste:

"Ihr Haus brennt? Egal, wir müssen uns um die 72 kümmern!" Quelle: Sash

„Ihr Haus brennt? Egal, wir müssen uns um die 72 kümmern!“ Quelle: Sash

Für die augenscheinliche Undringlichkeit sehr flott hatte ich eine komplette Löschwagenbesatzung zur Lösung des Problems vor Ort. Nur waren die ähnlich ratlos. Eine halbe Stunde zuvor hatte ich es ja auch erst mit Leuten von der Tankstellenbesatzung:

„Was sollen Sie machen? Zuschweissen?“

🙂

Aber ich habe eindeutig nicht den Humor der Berliner Feuerwehr. Der erste – ganz klassisch schnauzbärtige – Typ, kündigte an, dass gleich Kollegen kämen, die „behaupten, sich mit sowas besser auszukennen, naja“ und jene Kollegen ließen dann via Funk gleich von sich hören:

„Warten Sie kurz. Und vielleicht besser keine rauchen nebenher …“

„Kollege, wir sind hier an einer T-A-N-K-S-T-E-L-L-E!“

quäkte es zurück. Noch besser war es, als die Besatzung vor Ort war:

„Im Zweifelsfall kontrolliert abbrennen!“

meinte einer der Uniformierten und grinste mich an. Wie toll es ist, in einer furchtbar nervigen Situation nur nette Leute um sich zu haben! Im Ernst: ADAC, Werkstatt, Tanke, Feuerwehr – sogar die natürlich ebenfalls angerückte Polizei! Allesamt lockere Nachtschichtbesetzung mit Sinn für Humor.

Dass das Ganze im Wesentlichen ungefährlich ist, bestätigte sich zwar (die Messgeräte der Feuerwehr zeigten bereits 10 Zentimeter (!) jenseits des Ventils keine gefährliche Gaskonzentration mehr an), aber wie oben erwähnt: wenigstens irgendwo zum Abgasen abstellen, wo keiner dran vorbeilaufen kann, das wäre schon gut …

Also begann die Suche nach einem Stellplatz. Ich wusste keinen, die Feuerwehr auch nicht so wirklich – und der nette Polizist, der zu seiner Wache nach Hause telefonierte, bekam offenbar auch eine Absage von Cheffe. Irgendwie wollte niemand ein explosionsgefährdetes Taxi übergangsweise beherbergen. Na sowas aber auch!

Und dann – jetzt kommt die Sache mit dem Glück – meinte der Feuerwehrmann, der immer noch gelegentlich am Tank rumgenestelt hatte:

„Ich glaube, es hat aufgehört!“

Alle Einsatzkräfte sprangen hinzu, die Messfühler wurden ausgestreckt, kritische Blicke durchzuckten die Nacht. Und tatsächlich: Nix. Nullkommanull, babbela, die 72 hatte fertig. Der Einsatzleiter, sichtbar erleichtert, begann eine Theorie zu spinnen, nach der vielleicht nur etwas zu viel Druck auf der Zapfsäule gewesen wäre, und all das bisher ausgeströmte Gas nur aufgrund eines Überdrucks ausgetreten sei. „Nur eine Theorie“, wie er extra betonte. Aber es könne ja sein. Unsere kleine Melange aus Polizisten, Feuerwehrmännern und einem Taxifahrer erlangte langsam Einigkeit. Klang soweit ja schon irgendwie … realistisch. Dem Entdecker des Phänomens wurde auf die Schulter geklopft:

„Dann sag ich mal: Gute Arbeit, haste jut jemacht!“

Mir wurde bedeutet, doch baldestmöglich eine Werkstatt aufzusuchen und bis dahin gelegentlich mal zu checken, ob nicht doch noch mal Gas austritt. Mit anderen Worten: nach anderthalb Stunden völliger Ratlosigkeit seitens aller Beteiligten konnte ich einfach weiterfahren. Und, das muss man nachträglich mal sagen, vermutlich zu Recht. Und das mit der Werkstatt kommt, ist ja keine Frage:

„Sie würden jetzt nicht hier um mein Auto rumstehen, wenn mir das am Arsch vorbei ginge! Und sorry im Übrigen, dass ich sie deswegen von anderen Einsätzen abgehalten habe!“

„Entschuldigen Sie sich nicht! Ich sage sonst gerne, dass wir ein Schweinegeld mit sowas verdienen, aber unter uns: das ist ja leider auch nicht wirklich so!“

Hatte ich das mit dem Humor in der Runde schon erwähnt? 🙂

Richtig großartig war dann wirklich am Ende der Einsatzleiter, der sagte:

„Ja nun, dann würde ich wohl sagen, dass wir das wohl am Besten abtun als unwissentlichen Fehlalarm seitens des Melders. Hier ist nix mehr zu tun, aber sie wussten es nicht besser. Dann kostet sie der Einsatz nix und wir müssen keinen Bericht anfertigen.“

Und bevor ich mich angemessen bedanken konnte – obwohl das am Ende ja eigentlich der Realität entsprochen hat – nahm mich einer der Polizisten nochmal beiseite und erklärte mir väterlich:

„Das soll jetzt nicht heißen, dass er ihnen nicht geglaubt hat. Er sieht jetzt bloß zu, dass sie der Einsatz nix kostet!“

Für so einen Ausgang des Ganzen lasse ich mich auch gerne mal in der Auffassungsgabe unterschätzen. 😉

Und am Ende hab ich halt eine Stunde länger als geplant gearbeitet und mein Soll weit übererfüllt. Was für eine fucking bekloppte Schicht!

PS: Von meiner Seite aus ein wirklich fettes fettes Danke an alle Beteiligten! Ich war schwer gestresst von dem Mist, runter mit den Nerven und hier und da sogar außergewöhnlich unlustig. Aber jeder einzelne hat – ungelogen – in jedem Moment ein bisschen mehr dafür gesorgt, dass ich nach der Kacke eigentlich bessere Laune hatte als vorher. Wenn nur alles immer so laufen würde …

PPS: Und dann kommt man heim und fühlt sich gleich nochmal besser … 🙂