Mauerfall-Rekordsuche

Der Verkehr am 8. und 9. November war in bestimmten Teilen Berlins ja geringfügig eingeschränkt. Hat jemand noch länger für lächerliche Strecken gebraucht als ich? Würde mich mal interessieren. Also hier meine Rekorde:

8. November: Exakt 30 Minuten von Warschauer Straße/Revaler Straße bis Warschauer Straße/Mühlenstraße.

9. November: 21 Minuten zum Überqueren der Schillingbrücke.

Toppt das jemand oder hat sich die alte Grenze nur an Spätzugezogenen gerächt? 😉

So nicht, Berlin!

Ich hatte ja eigentlich auf einen guten Wochenstart gehofft. Das kann mal anders laufen, aber die vergangene Nacht hatte beinahe etwas surreales. Da hat mich die Stadt mal komplett getrollt. Oder irgendwas in der Art. Normal war das jedenfalls nicht mehr.

Fangen wir damit an, dass Cheffe mal wieder eine halbe Stunde vor meinem Weckerklingeln angerufen hat. Das ist erträglich, war aber insofern unnötig, als die Nachricht eigentlich nur war, dass das Auto fertig repariert ist. OK. Obwohl, Moment, so einfach war das alles nicht. Ich sollte die 72 von der Werkstatt abholen und den Schlüssel gleich dazu. Um deren Öffnungszeiten Rechnung zu tragen, hätte ich runde zweieinhalb Stunden früher aus dem Haus gehen müssen als geplant. Aber das ließ sich klären, ich habe ja auch einen Schlüssel bei mir. War jedenfalls so direkt in Anschluss an die letzte Tiefschlafphase ein überraschend quirliges Telefonat, über das ich dann jenes Telefonat vergaß, das ich eigentlich wegen des Wasserschadens mit meiner Wohnungsbaugesellschaft zu führen gedachte.

Aber gut, alles kein Beinbruch.

Dann kam das erwartete: Der Bahnstreik. Natürlich wäre eine S-Bahn-Verbindung zu unserer Werkstatt in Britz deutlich schneller gewesen, aber die S-Bahn und die Innenstadtlinien wollte ich meiden. Kostet 20 Minuten mehr, wäre aber sicher angenehmer. Das hat soweit auch gepasst, trotz dreimaligem Umsteigen. Dummerweise hab ich in Schöneweide einen Bus um eine halbe Minute verpasst. Was völlig egal war, denn er wurde umgehend – noch an der Haltestelle – in einen Unfall mit einem anderen Bus verwickelt. Nur Blechschaden, aber natürlich:

„Wat jetz‘ is‘, wat jetz‘ is‘? Nüscht is‘! Jar nüscht! Stehenbleiben und Abschleppwajen – dit is, Mäuschen!“

erklärte die am Crash unschuldige Busfahrerin einem fragenden Fahrgast eloquent.

Gut, egal. Ob der verpasste Bus jetzt einen Crash baut … das war mir wirklich egal. Dass ich erst den 10 Minuten später nahm, hatte wiederum handfeste Auswirkungen, denn so musste ich einem Stammgast leider eine 30€-Tour zum Schichtbeginn absagen.

Aber egal – läuft ja eh gut, Bahnstreik und so!

Am Auto angekommen, stellte ich fest, dass die gerichtete Stoßstange von blauem Tape gehalten wird. Ich bin noch unsicher, unserem Schrauber würde ich auch zutrauen, dass das die ganze Reparatur war. Ich frage heute besser nochmal nach. Außerdem war das Auto dreckig. Da hatte niemand Schuld dran, es hatte nur wohl die vergangenen Tage unter hartnäckigen Bäumen gestanden. Also erst einmal waschen!

Aber – richtig! – egal. Einfach bei meiner Stammtanke den Kärcher geschwungen und dann ab an den Bahnhof. Da gab es gut Beeinträchtigungen, da war viel Volk auf der Straße.

Nur wollte keine Sau Taxi fahren. Nach ewigem Warten bin ich leer weg gefahren und hatte noch eine Winkertour. Dann nach Festquatschen mit einem Kollegen nach einer Dreiviertelstunde warten eine Wahnsinnsfahrt bis zum Matrix. 5,80 € plus 20 Cent Trinkgeld, danach eine Winkerin, es lief langsam an. 25 € auf der Uhr …

Und dann stand an der Ampel neben mir plötzlich ein Autofahrer und meinte:

„Ey, mach ma‘ dein Licht an!“

„Ist an.“

„Nich‘ hinten!“

Und tatsächlich. Zumindest beide Rücklichter gingen nicht, die Bremslichter scheinbar auch nicht. Das ist nun wirklich ein bisschen arg wenig. Ich bin nochmal kurz zum Bahnhof rüber. Da kenne ich einige Kollegen, etliche mit Zafira.

Aber gestern: Kein einziger Zafira! Was eine Rolle spielte, da in meinem Auto offenbar alle Ersatzlampen aufgebraucht waren. Das kontrolliere ich nun auch nicht jede Woche. Aber gut, Lampen kann man notfalls irgendwo kaufen – und die hinteren sind ja noch halbwegs austauschbar. Ein Kollege meinte aber auch, ich solle mir keine großen Hoffnungen machen. Dass alle Lampen gleichzeitig durch sind, sei doch unwahrscheinlich. Eher wär’s eine Sicherung. Wie praktisch, dass ich auch keine Sicherungen dabeihatte und immer noch kein Kollege mit Zafira da war. Zu zweit haben wir dann eine halbe Stunde lang versucht, in der Bedienungsanleitung wenigstens die richtige zu finden, um deren Dahinscheiden zu bestätigen – aber nicht einmal das gelang uns. Als der Kollege erster war, hab ich mich verabschiedet. Ein kaputtes Rücklicht kann man ja mal machen – aber gänzlich ohne Heckbeleuchtung war mir etwas zu viel.

Was ein Scheißtag: Anderthalb Stunden Anfahrt, drei Stunden auf der Straße und 12 € brutto verdient.

Aber immer wenn man denkt, es geht nicht mehr … winkt es.

Ich hatte die Fackel schon aus, ich wollte die Kiste einfach abstellen, um am nächsten Tag – also heute – das mit der Werkstatt zu klären. Aber die Winkerin stand an der Landsberger, das würde schon noch gehen. Vermutlich in die Richtung, in die ich eh fahren wollte. War ja Zeit, dass das Glück sich noch meldete!

Was hätte an dem Punkt noch passieren sollen? Vielleicht eine betrunkene Bulgarin, die kein Deutsch oder Englisch spricht, kein Ziel angeben kann und erst durch die Polizei wieder aus meinem Taxi entfernt werden konnte? Sowas?

Ja, genau. Genau das ist dann passiert. Die Frau stieg ein, redete auf mich ein und wir verstanden voneinander maximal 5 Worte. Sie hatte eine Adresse oder so auf ein Blatt gekritzelt, bei der mein Navi schon nach dem zweiten Buchstaben nur eine einzige Straße gefunden hat. Eine völlig falsche. Noch dazu in Spandau. Die Frau hatte offenbar ein dringliches Problem, aber wir hatten so wenig gemeinsames Vokabular, dass ich bis jetzt nicht weiß, ob jemand ihren Freund erschlagen hat oder sie wissen wollte, wo sie um die Uhrzeit noch was zu essen kriegt. Dass in ihrem Vokabular auch „Policia“ vorkam, war dann letztlich mein Glück – sie schien tatsächlich Gefallen daran zu finden, dass ich die Polizei hole. Den Ausstieg aus dem Taxi verweigerte sie bis dahin aber. Genau das, was ich an dem Abend noch gebraucht hatte. Hat am Ende gut 25 Minuten gedauert.

Als die Polizei da war, war alles prima. Also ja, die Polizisten konnten auch kein bulgarisch, aber sie ist ausgestiegen und hat weitererzählt. Das ist sicher für alle Beteiligten noch eine lange Nacht geworden. Und ich hab Blut und Wasser geschwitzt, dass die Cops bei meinem Wegfahren nicht merken, dass mein Auto hinten keine funktionierenden Lichter mehr hat …

Nun also heute Abend nochmal kurz zur Werkstatt und/oder zur Firma, alles weitere wird schon klappen. Und so einen Tag wie gestern findet man eh nicht zweimal pro Jahr, da kann ich wohl beruhigt davon ausgehen, dass es einfach besser wird heute.

Los, Woche …

dann zeig mal, was Du draufhast!

Ich hab zwar ein reichlich unentspanntes Wochenende (mit einem Wasserschaden) gehabt, bin aber dennoch ziemlich voller Vorfreude, was die Arbeit angeht. Zum einen hab ich wirklich keinerlei verwertbare Taxigeschichten der Vorwoche mehr rumliegen, zum anderen werden meine kommenden Schichten wohl im Zeichen des Lokführerstreiks stehen. Wie vor kurzem. Jetzt in den frühen Morgenstunden ist zwar noch nicht absehbar, wie stark z.B. die Berliner S-Bahn betroffen sein wird – aber natürlich haben wir prinzipiell mit fast jeder ausfallenden Bahn mehr Kundschaft. Man muss nicht gleich an Silvesterumsätze denken, aber auf ein gutes Wochenende hoffe ich natürlich.

Bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass es halt auch bei den Taxis eng werden kann und man mal warten muss. Jetzt rocken halt wir und die BVG mal wieder für ein paar Tage die City. Irgendwas ist ja immer. 🙂

Unerwartetes von Cheffe

Ich hatte eine Idee, die ich selten habe: Warum nicht vielleicht schon morgen statt erst am Donnerstag mit der Arbeit beginnen? Damit habe ich Christian gestern im Büro etwas überrascht. Natürlich wäre das vor allem toll gewesen, wenn ich das Auto gleich hätte mitnehmen können.

„Die 72 ist in der Werkstatt.“

„Oh Shit, was hat sie denn?“

„Ach, nix. Ich wollte nur, dass sie vorne wieder ordentlich aussieht.“

Also wird wohl derzeit sowohl die Zierleiste angebracht, es werden aber wohl auch – und das ist der größere Act – die Träger der Stoßstange nochmal zurechtgebogen, damit sie wieder gerade sitzt. Ich hätte auf beides verzichten können, aber schön ist es natürlich trotzdem.

Und dann hab ich unerwartet noch eine gute halbe Stunde bei Andreas im Büro verbracht. Wir haben es über alle möglichen Sachen gehabt, von Uber bis zu Sitzkontakten. Wie immer ein interessantes Plaudern, eher unter Kollegen als von Chef zu Angestelltem. Unter anderem ging es schon der Aktualität wegen um den Mindestlohn. Ist in der Branche ein großes Ding und immerhin haben schon Fahrer ihre Kündigung erhalten deswegen. Oder von sich aus den Arbeitgeber gewechselt.

Ich hab von Andreas (obwohl wir vorher das Wichtigste schon vorher geklärt hatten) dann einfach mal den noch nicht endgültig bestätigten neuen Arbeitsvertrag zugeschickt bekommen, der ja zwangsläufig bald kommen musste. Und auch wenn ich daraus jetzt nicht zitieren werde (das sind eben Firmen-Interna und ich bin nur Angestellter), kann ich doch nur einmal mehr sagen, dass ich weiß, warum ich für genau diese Firma arbeite. I like. Insbesondere mit dem inzwischen langjährigen Hintergrundwissen, wie die Vertragsdetails dann genau umgesetzt werden. Ich bin trotz geringer Zweifel immer noch positiv überrascht.

Ich komme als Taxifahrer – und das ist ganz ohne Zweifel eigentlich ein positiver Punkt des Jobs – nur selten wirklich in Kontakt mit meinen Chefs. Abr genau an diesem Punkt denke ich mir jedes Mal wieder, dass das eigentlich schade ist, weil sich meine Laune auch nach sechs Jahren immer noch nach jedem Besuch in der Firma bessert.

In unserem Gewerbe läuft eindeutig zu viel schief. Umso mehr ist es schön zu wissen, nicht Teil daran zu haben. 🙂

Behind the scenes

Ich hab die letzten Tage ein paar Halloween-Fotos bei Facebook und Twitter gepostet, hier ist noch ein kleines Feature dazu. Schließlich haben wir nicht nur fünf Fotos gemacht.

Als erstes sei mal festgehalten, dass wir tatsächlich Kürbisse ausgehöhlt haben für den Spaß:

Fies gemessert: Kürbi. Quelle: Sash

Fies gemessert: Kürbi. Quelle: Sash

Zugegeben, künstlerisch begabtere Kürbisschnitzmeister finden sich sicher zuhauf – aber für den allerersten Versuch konnte sich Kürbi echt sehen lassen. Und ganz ehrlich: Er sollte am Ende ein Taxifahrgast werden – dazu muss man keine besonderen ästhetischen Ansprüche erfüllen.

Keine 500 Meter von unserer Haustüre weg haben wir dann einen halbwegs ruhigen Parkplatz genutzt, um die Fotos zu machen. Innen und außen – und aus hundert Perspektiven. Ein paar Bilder von Kürbi werde ich vielleicht nächstes Jahr noch rausholen können …

Die 72 – nur echt ohne Zierleiste vorne! Quelle: Sash

Die 72 – nur echt ohne Zierleiste vorne! Quelle: Sash

Im Übrigen war das alles absolute Teamarbeit. Ozie hat weit mehr als die Hälfte aller Aufnahmen gemacht. So auch das „Selbstportrait mit Kürbis“:

Wieder ein schwieriges Bild für Gesichtserkennungssoftware … Quelle: Ozie

Wieder mal ein schwieriges Bild für Gesichtserkennungssoftware … Quelle: Ozie

Wir wollen aber ehrlich bleiben: Am Ende gab es bei unserem Ausflug auch Dinge, die wir von Anfang an planten, mit Photoshop (in unserem Fall eher Gimp) zu lösen. Kürbisse, die ins Taxi kotzen, sind nämlich eigentlich genauso eklig wie Fahrgäste, die das tun. Deswegen sah das tatsächliche Setting so aus:

"Und ich kotze jetzt auf die Folie?" – "Ja, Kürbi!" Quelle: Ozie

„Und ich kotze jetzt auf die Folie?“ – „Ja, Kürbi!“ Quelle: Ozie

Beim zweiten Saisongemüse waren wir dann schon geübt. Das ging recht flott und das Teil sah sogar im „Rohzustand“ schon ziemlich überzeugend aus:

"Heinz?" – "Ja?" – "Dein Kürbis ist da!" Quelle: Ozie

„Heinz?“ – „Ja?“ – „Dein Kürbis ist da!“ Quelle: Ozie

Trotzdem blieb am Ende noch einiges Herumexperimentieren mit der Beleuchtung:

Von hinten viel weniger spooky: Taxi-Kürbi. Quelle: Sash

Von hinten viel weniger spooky: Taxi-Kürbi. Quelle: Sash

Die wirklich guten Fotos sind außer dem einen von gestern wie gesagt auf der Facebook-Seite von GNIT und dem @_GNIT_-Account bei Twitter gelandet. Und dorthin wollte ich Euch auch gerne nochmal einladen. 🙂

Halloween anyone?

Ich muss mal sagen: Das mit der Nacht heute lief wie erwartet gut. Die ersten zweieinhalb Stunden hätte ich mir zwar sparen können – dafür waren die sechs danach einfach nur gut. Wenn man die Nacht so einteilen würde, hätte ich im ersten Zeitraum etwa 8 € Umsatz pro Stunde gemacht, um zweiten dann 30 €. Warum ich letzteren irgendwie besser fand, liegt auf der Hand, oder? 😉

Wie erwartet war Berlin voller Parties zu Halloween – aber den eigentlichen Umsatz hab ich wohl dank des S-Bahn-Ersatzverkehrs zwischen Ostbahnhof und Lichtenberg gemacht. Geschminkte Fahrgäste sind mir erst ins Auto gefallen, als ich die Heimfahrt schon mehr als nur geplant hatte. Und das hat mich dann doch etwas gewundert. Reihenweise verkleidete Menschen überall in der Stadt und ich krieg keine davon ab, um ein bisschen was zu bloggen – das ist schon fies.

Und wie die letzte Tour bewies: Es lohnt sich. Immerhin hab ich mein Auto auf den letzten paar Kilometern mit einer angehenden Bierbrauerin verbracht – das sind doch die Geschichten, die man hören will, wenn man nachts in Berlin Taxi fährt!

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

Abonniert doch den RSS-Feed von GNIT. Mehr von Sash gibt es außerdem bei Facebook und bei Twitter.

Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Start-Stopp-Talk

Durch einige Jura-Blogs ging heute die Nachricht über ein Gerichtsurteil (Link zum lawblog), das die Straffreiheit vom Telefonieren am Steuer bestätigt, wenn das Auto an der Ampel dank Start-Stopp-Automatik den Motor selbst abgestellt hat. Ist vielleicht hilfreich für einige Schnelltelefonierer. Tatsächlich hält sich das Gericht damit einfach an den Wortlaut des entsprechenden Paragraphen, der das Benutzen eines Telefons bei laufendem Motor untersagt.

Auf der anderen Seite sagt auch Udo Vetter in seinem Eintrag nochmal, dass umgekehrt eben auch auf öffentlichen Parkplätzen das Telefonieren bei laufendem Motor trotzdem verboten bleibt. Etwas, das bei strenger Kontrolle gerade uns Taxifahrern das Leben nicht unbedingt leicht machen würde. Schließlich verbringen wir meist viel Zeit stehend. Ob auf Kunden wartend in zweiter Reihe, oder am Taxistand. Oft – gerade im Winter oder wenn das Vorrücken recht schnell geht – durchaus mit laufendem Motor. Und unsere Telefone bedienen wir auch regelmäßig – zum Beispiel zur Fahrtannahme via App.

Da würde ich sagen, wäre eine Änderung schön. Schließlich soll das „Handyverbot“ Unfälle verhindern – die meines Wissens nach nur selten durch unbewegte Fahrzeuge verschuldet werden. Aber was weiß ich schon …