Fürs Taxi geeignetes Essen

Man mag mich in diesem Punkt für ein Sensibelchen halten, aber mir ist irgendwie klar, dass nicht alles, was ich gerade gerne essen würde, ein Essen ist, das ich bequem im Taxi zu mir nehmen kann. Die Standzeiten sind oft unberechenbar kurz, zumindest ich habe keinen Tisch im Auto, an dem ich angenehm mit Besteck essen kann – und dann sagt man z.B. Döner auch noch nach, dass man ihn vor, während und erst recht nach dem Verzeher deutlich riechen kann.

Das alles muss nicht sein.

Natürlich gibt es auch unter den Fahrgästen empfindliche und weniger empfindliche – und was weiß ich schon, wen ich mit dem Geruch meiner Bonbons gelegentlich auf die Nerven gehe. Aber ich beschränke mich, wenn ich schon im Auto esse, weitestgehend auf Backwaren, und wenn sie belegt sind, dann gerne ohne viel Zwiebeln und Knoblauch. Und Essen zum Löffeln kommt mir nicht zwischen A- und B-Säule.

Wie gesagt: Da bin ich wohl ein Sensibelchen. Einen wirklich netten Kollegen zum Beispiel hab ich am Stand schon mehrfach dabei unterbrochen, ein Brathähnchen zu essen. Hähnchen. Im Auto. 0.o

Dieses Wochenende aber hat ein anderer Kollege den Vogel abgeschossen. Er klagte mir sein Leid, denn er hatte sich „so ne scheene Dose Brathering“ gekauft. Und dann hatten ihn Kunden beim Essen unterbrochen und er war beim Wegpacken so eilig gewesen, dass das alles ausgelaufen ist. Ins Auto, auf die Fußmatte. Brathering … im Taxi. Noch drei Berichte dieser Art und ich lege mir ein Fondue-Set zu, das über den Zigarettenanzünder befeuert wird. Kann man ja offenbar alles mal machen …

 

Das 800€-Wochenende (1) #800woche

Die letzten Schichten waren ereignisarm, da kann ich leider nix dran ändern. Ich hätte die Woche auch gerne mehr geschrieben. Umso mehr freue ich mich auf heute Abend und das Wochenende an sich. Dabei ist es kein leichtes Wochenende, ich muss immer noch ordentlich ranklotzen, um ein bisschen Kohle ranzubringen. Deswegen sind für dieses (4-tägige) Wochenende nicht weniger als 800 € geplant. Zugegeben: Umsatz plus Trinkgeld. Trotzdem wird es nicht unbedingt leicht erreichbar sein, ich bin schließlich auch nicht Superman und kann mich nach 9 Stunden Arbeit für 10 € mehr noch leicht für eine weitere Stunde motivieren …

Keine Ahnung, ob es dieses Wochenende halbwegs gut laufen wird.

Aber die Kohle muss reinkommen, koste es, was es wolle.

Natürlich schreibe ich das hier mehr, um mich selbst zu motivieren und verlinke hier gern nochmal den GNIT-Twitteraccount, wo ich über den Verlauf der „Aktion“, die eigentlich ja eher mein Job ist, unter dem Hashtag #800woche, aktuell berichten werde. Aber natürlich würde ich mich auch über Leser-Unterstützung freuen – ob mit Fahrten oder irgendwas anderem helfendem.

Ja, 200 € pro Tag sind so leicht nicht zu machen im Taxi. Trotz Ausnahmetouren und Glücksfällen. Vor allem jenseits der Freitags- und Samstagsschichten. Dieses Mal, am Monatsende, muss es trotzdem klappen. Ich hoffe, dass Ihr – wenn Ihr schon nicht helfen könnt – wenigstens bei Twitter mitfiebert. In Motivationsdingen bin ich nämlich zum Glück leicht beeinflussbar. 🙂

Das Schöne für Euch an einem arbeits- und spendenreichen Wochenende ist auf jeden Fall, dass ich einiges zu schreiben haben werde. Und das ist doch immerhin auch schonmal was, oder?

Nachtrag Tag 1/4:
Die Schicht lief eher schlecht, dank Trinkgeld und noch mehr dank einer netten Leserin hab ich das Soll erfüllt. Die nächsten beiden Tage werden einfacher … hoffentlich. 😉

Nachtrag Tag 2/4:
Der Anfang war wie am Vortag, aber das dicke Ende hat’s rausgrissen. Hab die 200 deutlich übererfüllt, mit Trinkgeld fast noch den Vortag ausgeglichen. Zudem kamen Spenden … ähm: Wow!

PS: Wenn ich schon unverhohlen am Betteln bin: Auch meine Wunschliste ist weiter aktuell.

Neuer Rekord!

OK, ich will ehrlich sein: Das ist eine etwas übergeigte Überschrift. Den heute erreichten Rekord hab ich schon öfter gebrochen. Es geht darum, dass ich heute Nacht in 5:05 Stunden die 200 € Umsatz vollgemacht habe. Mein bisheriger Rekord von 5:40 Stunden stammt aus der Walpurgisnacht von vor drei, vier oder fünf Jahren. Ich weiß es nicht einmal mehr. Besser waren natürlich die ein oder andere Silvesterschicht oder gar die paar großen Fernfahrten. So gesehen gilt der Rekord natürlich „nur“ für „normale“ Schichten. Nichtsdestotrotz hatte sich die Marke in meinem Gedächtnis eingebrannt, weswegen die Nacht heute für mich echt super war. Zumal ich viel zu spät losgekommen bin, müde war, und somit mit dem Umsatz nicht einmal gerechnet hatte. Die Fahrgäste waren dabei leider sehr unspektakulär – und so schnell wie alles ging, hab sogar ich hier und da Ohren und Gehirn auf Durchzug gestellt und einfach die Leute von A nach B gebracht.

Auch wenn ich grundsätzlich skeptisch bei Tariferhöhungen bin: Sowas wie diesen Monat hatte ich bisher noch nicht. Es könnte gut sein, dass ich meinen Rekord für den besten Monatsumsatz seit ich Taxi fahre einstelle – und das bei nur 4 Arbeitstagen pro Woche. Wow!

Wie’s dann gestern weiter ging …

Nach dem Spamunfall gestern haben meine bessere Hälfte und ich erstaunt festgestellt, dass uns der Quatsch jeweils 4 Stunden Zeit gekostet hat. Unschön an einem Arbeitstag. Wobei, das ist ja auch so eine selten doofe Einstellung …
Naja, jedenfalls bin ich sehr sehr spät zur Arbeit losgekommen und von entspanntem Tagesbeginn konnte so ja auch keine Rede mehr sein. Ich bin jedenfalls etwas entmutigt in Richtung Firma gefahren, in den Stunden zuvor hatte ich ohnehin bereits die Sorge, die Schicht könnte ersatzlos gestrichen werden, weil uns das Problem bei GNIT bis nachts in Atem hält. Wäre nicht das erste Mal …

Es war fast 23 Uhr, als ich in Schöneweide den Motor startete und in der ersten Stunde passierte dann auch umgehend fast nix. Na vielen Dank auch! Ich rechnete nicht ernsthaft mit dem Hunni, den ich mir mal so als Wenigstens-etwas-Ziel ausgesonnen hatte. Auf fast schon wundersame Weise hatte ich den dann aber nach weiteren drei Stunden bereits eingefahren. 0.o

Olé! \o/

Und wie schön war erst, was dann kam. Ich hatte auf dem Weg zur Arbeit schon die Nicht-Panik-GNIT-ist-tot-Mails gecheckt und gesehen, dass eine Packstationssendung angekommen war. Und das konnte doch nur … und ich hatte recht. 🙂

Vor einiger Zeit hatte ich über das polnische Apfelbier geschrieben, dass ich als Trinkgeld bekommen hatte. Daraufhin hatte mir Super-Dauerleser Konrad (er liest seit der Taxischule hier mit!) angeboten, mir ein paar Dosen zu schicken, da er direkt an der Grenze wohnen würde. Und das hatte er nun eingelöst. Hach. Zunächst einmal durfte ich dann feststellen, dass er eine gesunde Ansicht vom Begriff „ein paar Dosen“ hat:

bierchen

Turmbau zu Babbela, Quelle: Sash

Neben den ohnehin beachtlichen 16 Dosen hat er mir nämlich auch noch je vier der beiden anderen Sorten der Firma mitgeschickt – einmal Himbeere (gruselt’s mich etwas vor) und einmal Birne-Chili (wo ich den Laden schon für die Idee umarmen könnte). Und als ob das nicht genug wäre, gab’s neben einem lustigen und netten Brief auch noch einen Frankfurter Kräuterlikör obenauf.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels werde ich mit einmal Apfel auf Konrad anstoßen. Danach ist allerdings Bettchen angesagt, denn die Natur meines Berufes verbietet es mir leider, heute mal eben auszuprobieren, wie viel von dem Zeug man hintereinander trinken kann. Schließlich will ich heute Abend fit und nüchtern sein. 😉

So endet nun also der Tag, der mit dem Horror von 25 Nachrichten à la „GNIT wurde gehackt!!!“ angefangen hat, äußerst entspannt mit einer halbwegs brauchbaren Kasse, einem kühlen polnischen Apfelbier und dem Wissen um die immer noch beste Leserschaft überhaupt. Habt Dank dafür! Und Konrad: Prost, auf die nächsten sieben Jahre! 😀

Reagieren im Straßenverkehr

Dank einer Bodenwelle und seiner schnellen Gangart tauchte er vielleicht 20 Meter vor mir erst im Scheinwerferlicht auf: Ein süßer kleiner Igel, ganz alleine hier draußen mit mir auf der B195 und voll auf Konfrontationskurs.

Ich hab dieses „richtig reagieren“ ja nirgends gelernt. Aber irgendwie klappt es dann halt doch meistens. Dabei hab ich noch nicht mal irgendwann ein Fahrsicherheitstraining gemacht. Nicht mal absichtlich, aber die drei Komponenten „Geld dafür“, „Zeit dafür“ und „dran denken“ sind während 13 Jahren Führerscheinbesitz einfach noch nie zusammengekommen.

Gut, wirklich brenzlige Situationen kommen auch nicht jeden Tag vor, aber ich habe das Gefühl, am Ende doch oft den richtigen Riecher oder zumindest mal Glück zu haben. Ich hab den Lenker nicht verrissen, als ich als Fahranfänger ohne Vorwarnung eine Ohrfeige von einer Taube bekommen hab, deren Flugbahn etwas zu dicht an meinem offenen Fenster vorbeiführte. Ein Cannstatter Fußgänger lebt nur noch, weil ich blind auf eine andere Spur ausgewichen bin, obwohl ich nicht wusste, ob dort jemand fuhr. Instinktiv hab ich lieber einen Blechschaden in Kauf genommen und es ging ohne alles aus, dass der Typ einfach auf die Straße gerannt war, wo dichter Verkehr bei Tempo 50 herrschte.

Dieses Mal hätte ich vergleichsweise wenig Ärger gehabt. So einen Igel würde die 2925 sicher verkraften. Ist ja nicht ganz das Kaliber eines Schäferhundes, der mit fernöstlicher Ausbildung so ein Opel-Taxi schon mal in den Ruhestand schicken kann
Nein, vermutlich wäre es ein lautes Knacken und ein unangenehmes Holpern für mich gewesen, mehr wohl aber nicht. Aber mal im Ernst: Wer will schon einen Igel erlegen? Für sowas haben wir in Berlin Füchse.

Wir waren wie gesagt alleine. weit und breit kein anderes Auto und die B195 lag dreispurig vor mir. Ich hab mich zwar weitgehend an die vorgeschriebenen 60 km/h gehalten, hab aber bei einem kurzen Antippen des Lenkrades gemerkt, dass ein wirklich sicheres Ausweichmanöver (der Igel war sich plötzlich auch nicht mehr sicher, wo er hinlaufen soll) mich eventuell wirklich ins Schleudern hätte bringen können. Also hab ich die Bremsen doch bis kurz vor Anschlag durchgetreten und durch sachtes Lenken versucht, den Herrn Igel genau zwischen die Reifen zu nehmen.

„Wenn Du schon die Körperform eines Fußballs hast, dann tunnel‘ dieses Scheiß-Taxi!“,

hab ich ihm in Gedanken zugebrüllt und bin mit immer noch rund 50 km/h über ihn drüber gerauscht. An dem Igel zog vermutlich sein ganzes Leben vorbei und zudem hat ihn vielleicht ein evolutionärer Geistesblitz getroffen, der ihm sagte, er solle sowas wie eine Lebensversicherung im Igelreich erfinden.

Ich hab kurz die Augen zusammengekniffen und auf das unschöne Knacken gewartet. Aber es lief alles gut. Während ich vorerst weiter bremste, sah ich im Rückspiegel bereits, dass mein gestachelter Freund nach einem Moment der Schockstarre, wo dieses hässlichfarbene Ding über ihn hinweggesegelt war, wieder zu Kräften fand und eifrig weiter in Richtung gegenüberliegender Straßenseite wuselte. Es hat also wieder mal gereicht. o/

Manchmal sind die kleinen Freuden ja auch gleichzeitig die ganz großen. 🙂

Spontan verlängerte Touren

Nach Alt-Stralau, vom Ostbahnhof aus quasi nur geradeaus. Manchmal freut man sich – gerade nach nur kurzer Wartezeit – über solche Fahrten extremer Einfachheit. Auch verkehsmäßig, ist man abends ja in Stralau, bevor man gucken kann. Doch dann:

„Och nee, echt jetzt?“

maulte meine Kundin. Aus Gründen. Vor uns schob sich das schon vorher vorhandene Blaulicht zusammen, die Stralauer Allee wurde genau vor unseren Nasen in genau unsere Fahrtrichtung abgesperrt. Mir hat’s durch einen kurzen Haken über Warschauer, Revaler und Modersohnstraße immerhin knapp 2 € extra gebracht, aber so aus der Rourine gerissen werden, ist nicht immer erfreulich.

Viel schlimmer aber war’s natürlich für die Beteiligten des Unfalls, wegen dem abgesperrt wurde. Was die Polizei dazu schreibt, klingt wirklich überhaupt nicht gut. 🙁

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Da macht man sich doch gerne mal zum Müller!

Ich hatte Glück nach meiner kurzen Pause zu Hause. Am S-Bahnhof winkte Kundschaft. Na denn …

„Müller?“

„Wie bitte?“

„Müller?“

„…“

„Wurden Sie für Herr Müller angefordert?“

„Oh, nein, sorry. Dann kommt der Kollege sicher …“

„Alles kein Problem! Na, dann nehmen Sie halt diesen Herrn hier mit!“

Und er wies hinter sich, wo sich ein weiterer Fahrgast bemerkbar zu machen versuchte. Glück muss man haben!

Die Fahrt ging in den Norden Marzahns, eine Tour für knapp einen Zehner. So auf dem Silbertablett serviert sehr schön, aber ohne große Emotionen. Der Fahrgast war müde, sagte außer seiner Adresse kaum was … nun ja. Und dann stand ich da, in Marzahn-Nord, und wollte in die Innenstadt. Auf dem Weg wollte ich dann – hey, da standen eben zu nachtschlafender Zeit zwei Fahrgäste! – nochmal am Bahnhof vorbeischauen. Als ich heranrollte, sah ich … Herrn Müller, der auch schon wieder fleißig winkte.

Er erschrak ein bisschen, als er erkannte, dass schon wieder ich das war, aber ich fragte dann doch mal nach, ob er denn wirklich bis jetzt keine Info bekommen hätte. Je nach Zentrale kann es soweit draußen schon eine Weile dauern, aber ich war zwischenzeitlich ja auch mehr als zehn Minuten unterwegs gewesen. In dem Moment bekam Herr Müller dann die SMS, dass leider gerade kein Wagen verfügbar wäre.

„Na, da haben Sie ja Glück, dass ich gerade zufällig in der Nähe war …“,

scherzte ich und hab den fürs lange Warten erstaunlich gut gelaunten Herrn Müller mit einer sehr gemütlichen 20€-Tour bis nach Karlshorst gebracht. Quasi genau meine Richtung. Wie fast jeder Kunde. Und es gab sogar knackige 5 € Trinkgeld obenauf. Für irgendwas, was sich wie „Kulanz“ oder so anhörte … 😉