Verdammte Achs‘!

Tja, da bin ich schon wieder! Hallo allerseits!

Eigentlich wollte ich jetzt ja gemütlich bei gar nicht mehr so kalten Temperaturen ein wenig durch die City cruisen. Aber scheinbar will das Auto das nicht so recht. Ich will nicht zu laut jammern: Es fährt noch.
Leider scheint mindestens ein Stoßdämpfer vorne endgültig den Geist aufgegeben zu haben. Dem Auto – und vor allem den Kunden – ist das wohl nicht länger zuzumuten 🙁

Puh, dann hoffe ich mal, dass unser Hausschrauber so kurz vor Weihnachten noch Zeit für die Möhre hat…

Und ich hätte bei 21 € Umsatz auch gleich zu Hause bleiben können!

Ortskunde-Fail

Das ich nicht ganz Berlin kenne, ist kein Geheimnis, und es ist bei einer Stadt wie Berlin auch nicht peinlich. Eigentlich. Die Lücken sind großflächig verteilt. Während ich Friedrichshain inzwischen relativ gut zu kennen glaube, werden die weißen Flecken in Charlottenburg größer, in Steglitz dominant und in Wittenau kenne ich eigentlich nur die Hauptdurchgangsstraße auswendig.

Das hängt natürlich damit zusammen, wo ich häufiger bin. Das Wissen wächst langsam, aber immerhin: es wächst.

Neulich kam ich allerdings nicht umhin, mich bei meinem Fahrgast zu entschuldigen. Die Straße, in die er wollte, war zwar klein – an prominenterer Stelle jedoch hätte sie nicht liegen können: Die Rosmarinstraße.

Zunächst war ich mir gar nicht sicher, weil ich seine Aussprache nur schwer verstehen konnte, aber wir haben uns auf „wie das Gewürz“ geeinigt. Und da stand ich dann: Ratlos in der Berliner Nacht. Mein Fahrgast erzählte mir was von wegen Friedrichstraße. Und ich war mir sowas von sicher, um die Friedrichstraße herum alles zu kennen. Dann hab ich das Navi genommen und mir ist fast die Kinnlade runtergeklappt. Die Straße liegt tatsächlich direkt gegenüber vom Cookies, keine 50 Meter von der mindestens zweitbekanntesten Kreuzung Berlins entfernt. Gut, sowie es aussieht, kann man sie nur so halboffiziell befahren – aber da bin ich doch bestimmt schon mal im Stau davorgestanden. Verdammt!

Naja, der Fahrgast hat es mir nicht sichtbar übel genommen. Selbst ein Trinkgeld gab es noch. Dann sind mir sofort – noch an der Ecke – aus dem Cookies zwei Leute ins Auto gestürmt und wollten zur Landsberger Allee. Da wusste ich wenigstens, wo ich hin musste 😉
Wir sind kurz auf das Thema Ortskunde zu sprechen gekommen und ich hab den Beiden  erzählt, dass ich die Rosmarinstraße bei der letzten Tour nicht kannte. Verständnislose Blicke. Dann die Frage:

„Wo soll denn die Rosmarinstraße liegen?“

Weihnachtsessen

„Es ist ja auch keine Weihnachtsfeier, sondern ein Weihnachtsessen…“

zitiere ich meinen Chef auf die Aussage hin, das so viele ziemlich früh gegangen sind.

Ach so…

Im Gegensatz zu den letzten beiden Jahren ist es dann aber doch noch zu einer gemütlichen Runde am Ende geworden, bei der auch einiges an Taxi-inkompatiblen Drogen (Alkohol, Nikotin) vernichtet wurde, was dann doch eine sehr angenehme Geschichte war.

Ja gut, ich bin ein bisschen betrunken, jetzt da ich diese Zeilen schreibe…

Wie soll das dann nächstes Jahr erst werden, wenn großes Firmenjubiläum mit expliziter Feier angesagt ist?

Ich bin jedenfalls einmal mehr der Meinung, im richtigen Betrieb gelandet zu sein, auch wenn wir nicht der Laden mit den dicksten Autos sind. Bezeichnend finde ich zum Beispiel, dass zum Weihnachtsessen nicht nur die angestellten Fahrer, sondern auch die P-Schein-Aspiranten eingeladen waren.

Dieses Jahr ging es zum Essen nach Kaulsdorf, und eigentlich gibt es meines Erachtens nach nichts an dem Restaurant auszusetzen. Mal abgesehen davon, dass sie sogar einen Raucherraum haben, war das Essen gut, die Bedienung freundlich und sehr locker… ich hoffe mal, dass meine Chefs der Dienstleistung entsprechend angemessenes Trinkgeld geben 🙂

Ich genieße derweilst mal wieder ein Wochenende ohne Verpflichtungen, und das ist echt schön!

Kalt. Und irre.

Ja, der Wetterbericht ist doch inzwischen relativ genau geworden:

Kuschelige Kälte in Schildow, Quelle: Sash

Kuschelige Kälte in Schildow, Quelle: Sash

Der Aufenthalt außerhalb des Autos, so er nicht nur auf ein paar Minuten begrenzt war, war überhaupt nicht empfehlenswert. Ich hab die Schicht auch nur kurz gehalten, da der Abend mit Verwandtschaftsbesuch einfach wesentlich angenehmer war als die Vorstellung, bei diesen Temperaturen durch die Straßen zu fahren.

Aber ganz darauf verzichten wollte ich nicht. Und für viereinhalb Stunden Arbeit sind 130 € Umsatz auch ein ausreichendes Schmerzensgeld, in einem Monat stehe ich dafür 10 Stunden in der Gegend rum, und wärmer ist es deswegen noch lange nicht.

Aber just wenn man glaubt, man sei irgendwie irre, sich das anzutun, dann kommen Fahrgäste vorbei, die all das noch toppen. Hier reicht ein Dialog:

„Hallo, fahren sie uns zum KitKat-Club? U-Bahnhof… äh, Straße…?“

„Heinrich-Heine-Str…“

„Ja, richtig!“

„Klar.“

„Der andere vorher wollte nicht.“

„Wie? Wieso?“

„Ich weiß nicht, der hat wohl gedacht, mit uns stimmt was nicht. Nur weil ich kurze Hosen trag…“

Heizen

Wie ich die heutige Nacht in freier Wildbahn überleben soll, weiss ich noch nicht so recht. -14 bis -18°C wurden mir im Radio bereits angedroht. Bei Kälte bin ich eigentlich recht gelassen, aber insbesondere wenn man müde ist, kann es dann ja doch unangenehm werden. Das Auto ist irgendwie schon jetzt mit dem Heizen überfordert – was mich etwas erschreckt.

Andere Leute stellen es da besser an als ich und sorgen etwas vor.

In Kreuzberg stand ich an einer Ampel, als mich ein Typ mit mittelschwer leidendem Blick fragte, ob ich frei sei. Als ich bejahte, deutete er mir mit den Armen an, ich solle einmal ums Eck fahren.

Das ist eine Sache, die allerorten vorkommt, wobei ich mir manchmal schon meine Gedanken über die Leute mache. Einmal rechts ums Eck fahren entspricht auf dem Taxameter in der Regel 0,00 €. Manchmal o,20…

Wer da bereits um die einzelnen Meter feilscht…

Naja, ich will nicht zu hart sein mit meinen Kunden. Insbesondere dieser hatte einen guten Grund. Ums Eck stand ein Begleiter von ihm, anbei eine Monstrosität von einem Koffer. Ein knallroter Hartschalenkoffer in der Größe eines mittelprächtigen Sarkophagen. Das Einladen dieses Trumms gestaltete sich auch beinahe schmerzhaft, war das Ding doch mindestens 80 kg schwer.

„Uns ist der Koffer kaputt gegangen!“

fluchte der eine. Sie wollten nur eine Kurzstrecke, eigentlich hatten sie vor zu laufen. Bis dann dummerweise der Koffer den Dienst quittierte, und so ganz ohne funktionierende Rollen gar nicht mehr durch den Schnee zu bewegen war.

„Wir haben da Brennholz für den Ofen gesammelt.“

Geschätzte 3 Bäume.

Hätte ich vielleicht behalten sollen. Wer weiss, was heute Nacht so passiert…

Wieder im Einsatz

So, das Wochenende war einmal mehr ein verlängertes, aber man hat ja schließlich noch mehr zu tun, als nur zu arbeiten.

Heute sind die Schlagzeilen voll vom winterlichen Tief Petra, das halb Deutschland einen schönen Winter bescheren soll. In Berlin soll es wohl vor allem in den nächsten Nächten frostig werden. Das sollte auch eigentlich kein Problem fürs Taxifahren sein, sondern eher mehr Kunden bedeuten.

Ein bisschen Sorgen mache ich mir indes wegen des Autos. Dass die Heizung ein bisschen braucht, um auf Touren zu kommen, ist kein großes Problem. Ab -5°C mache ich den Motor sowieso nur versehentlich aus während einer Schicht – mit der Zeit passt es schon.

Aber schon bei den ersten Tiefsttemperaturen der letzten Wochen hat wieder mal die Zentralverriegelung einen Schlag weg gehabt – was mein Tagfahrer jetzt hat richten lassen. Noch ist es nicht so schlimm wie letztes Jahr, aber wir mussten die rechte hintere Tür immer von Hand abschließen, da die ZV das nicht hinkriegt. Wahrscheinlich ein kälteinduzierter Kabelbruch/Wackelkontakt. Jedenfalls vergisst man das natürlich auch mal – Gewohnheit und so – was ja jetzt nicht im Sinne des Erfinders ist. Wenn es dann wirklich wieder das ganze Auto betrifft, wird es aber richtig ärgerlich.

Naja, ich will den Teufel nicht an die Wand malen. Überwiegend freue ich mich des Wetters wegen 🙂

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

Abonniert doch den RSS-Feed von GNIT. Mehr von Sash gibt es außerdem bei Facebook und bei Twitter.

Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Kein Key(b)logger

Manchmal habe ich ein unglaubliches Talent, mir selbst und anderen Menschen das Leben schwer zu machen. In aller Regel mache ich das irgendwie wieder gut, und wenn es nur durch Knuffich-Gucken ist.

Ein bisschen schwerer hab ich es diesen Monat meinem Chef gemacht. Nicht nur, dass ich dank langer Krankheit kaum Umsatz eingefahren habe, nein ich hab es auch noch geschafft, meinen neuen Key fürs Taxameter zu ruinieren.

Mein Gehaltszähler, Quelle: Sash

Meine Gehaltszähler, Quelle: Sash

Seit ein paar Monaten habe ich (wie man auch auf dem Bild sieht) zwei Keys, auf denen ich meine Schichten speichern kann. Den zweiten Key habe ich mir von meinem Chef erbeten, da die Kapazität der Teile minimal ist (ein paar kb) und ich deswegen bei arbeitsintensiven Monaten zweimal im Büro abrechnen musste, um den Key-Speicher zu leeren.

Grundsätzlich besuche ich meine Chefs gerne, aber jede Abrechnung bedeutet für mich früheres Aufstehen, eine Stunde Fahrt mit der Bahn, und wirklich nötig ist es nur des Keys wegen. Entsprechend froh war ich um den zweiten.

Irgendwie hab ich ihn aber kaputt gekriegt. Laut meinem Chef als einziger Fahrer bisher. Die Dinger sind zwar recht teuer, aber man muss ihnen lassen, dass sie ihre Arbeit hervorragend machen. Mein Chef bestätigte mir, dass er noch nie Probleme mit den Teilen hatte, die Investition hat sich durchaus gelohnt. Dass mein einer nun hinüber war, war dann auch die Auswirkung roher Gewalt. Wahrscheinlich habe ich mich versehentlich draufgesetzt und dabei meinen Schlüssel in die Kontaktfläche gedrückt. Das Ding hatte eine Mords-Kerbe, und ich verstehe, dass sowohl mein Taxameter als auch der Leser im Chefbüro nix mehr von dem Teil wissen wollten.

Der finanzielle Verlust ist anscheinend mit 18 € noch erträglich, viel ärgerlicher ist es jedoch, dass mein Chef nun entweder die ganze Abrechnung für den letzten Monat von Hand machen muss. Naja, muss…

Er könnte auch ans Taxameter gehen und die Daten mit seinem Unternehmer-Key auslesen – darauf hatte er aber scheinbar keine Lust. Das Faszinierende daran: Ich glaube nicht, dass er die Abschreiber im Normalfall auf Stimmigkeit überprüft (sprich die von mir mit denen meines Tagfahrers abgleicht), somit hat er auf die Kontrolle verzichtet, ob ich ihm falsche Zahlen mitgeteilt hab – sprich: betrogen habe oder zu doof zum Addieren bin. Das Vertrauen ehrt irgendwie.