Nochmal zum Waterclub?

Manchmal ist das mit den Zielangaben der Leute so eine Sache. Ja, den „Waterclub“ neulich hab ich richtig identifiziert. Schwieriger wird’s, wenn die Leute das alles nur so ungefähr meinen.

„To the Watergate!“

„OK, no problem.“

Gut, eine kurze Tour vom Ostbahnhof, aber was soll’s?

„You know where all the bars are? Koperkikus?“

„Kopernikusstraße? Yes, but this is another direction from here.“

Wenn die Leute ins Vergnügungsviertel rund um die Simon-Dach- (und auch Kopernikus-)Straße wollen, nehme ich immer die Nordroute über die Grünberger, weil sie kürzer ist.

„OK, the bars!“

Hab ich also schnell noch den anderen Weg eingeschlagen.

You know that famous restaurant?“

„Which one?“

„At the Watergate, äh, it’s nearby … the ‚Warseraw Streer‘ maybe?“

„Warschauer Straße?“

„Yes, by the station. Isn’t that in Kreuzberg?“

OMFG! Man ist als Taxifahrer vielleicht manchmal ein bisschen pingelig mit den Ortsangaben, aber das hat schlicht keinen Sinn ergeben. Natürlich liegt das alles nicht weit auseinander. Aber bei einer Strecke von maximal zwei Kilometern machen anderthalb Kilometer eben schon was aus. Ich hab mich, da ich eh schon auf der Grünberger war, an die Aussage mit den Bars gehalten. Zum Watergate hätte ich sie auch bringen können, aber an der Ecke Grünberger/Simon-Dach waren sie glücklich und sind ausgestiegen. Also denn. Zu welchem Restaurant in welchem Stadtteil sie wollten und was das mit dem Watergate zu tun hat, habe ich nicht mehr rausgefunden. Hab ich ihnen so auch gesagt. Gab trotzdem glückliche Gesichter und einen Euro Trinkgeld. Manchmal ist raten halt doch besser als nix …

Kollgegen, quasi …

Da hab ich neulich rumgeschwafelt bezüglich Karma und so

Nicht ohne Grund.

Ich hatte eben eine weite Tour hinter mich gebracht, die mich schon erfreut hat. Bis in die City bin ich dann aber leer zurückgefahren. Sowas nervt zwar manchmal, aber Kilometer- und Stundenschnitt waren schon jetzt blendend. Also wayne?

An der Ecke Boxhagener/Neue Bahnhof huschten dann zwei Jungs schnell zu meinem Auto, während ich an der Ampel stand. Eine Kurzstrecke wollten sie. Zum Ostkreuz. Findige Berlin-Kenner und die paar Irren unter Euch, die immer schnell bei google maps die Straßennamen eingeben, bevor sie weiterlesen (heute hab ich’s mal für euch erledigt: Link), werden sich fragen: WTF? Das ist eine der wenigen Fahrten, die nach Normaltarif sogar günstiger als Kurzstrecke sein müssten. Abgesehen davon ist der Fußweg mit knapp 200 Metern deutlich kürzer als der mit dem Auto. Aber gut, über sowas freut man sich ja. Notfalls des Schnitts wegen.

Beim Losfahren bin ich dann etwas geknickt gewesen, als ich es auf der anderen Straßenseite winken sah. Das wäre sicher mehr als eine Kurzstrecke geworden … 🙁

Was für ein Glück ich in Wirklichkeit hatte, wurde mir etwa drei Minuten später bewusst. Die Jungs verließen mein Auto, gaben sogar einen Euro Trinkgeld. Währenddessen hatte ich wahrgenommen, dass vor dem Ostkreuz gerade drei leere Taxen gestanden hatten, die allesamt binnen einer Minute besetzt weggefahren sind. Hm …

Nachdem ich gewendet hatte und meine Fackel wieder angegangen war, bekam ich auch tatsächlich umgehend Fahrgäste. Drei LKW-Fahrer auf dem Heimweg von einer Betriebsfeier. Sehr rüder Ton, aber andererseits eine ehrliche Herzlichkeit untereinander. Lange nicht mehr so viele Schimpfworte gehört, aber das war am Ende ein fairer Preis. Ihre Fahrt war nämlich, ähm, sagen wir nicht mehr ganz eine Kurzstrecke: Karte der Tour (mit kleinen Änderungen bei den Zielorten natürlich).

Und trotz viel nervigem Rumproleten darüber, dass die Fahrt ja wohl viel zu teuer sei, gab es am Ende einen ganzen Fünfer extra obendrauf. „Unter Kollegen“. So darf das ruhig laufen. Und nie vergessen: Ohne die Kurzstrecke hätte ich die Fahrt nie bekommen …

0.o

„We wanna go to the waterclub.“

„The Watergate?“

„Maybe.“

Na dann. Ist ja nicht so, dass Berlin nicht genügend Clubs am Wasser hätte …

Für Kenner

Am Ostbahnhof.

„Wir würden gerne nach Tempelhof.“

„Alles klar, wohin genau?“

„Erstmal Tempelhofer Damm, dann zeig ich das.“

„OK, kein Problem!“

„Aber ey, hier ähm, also über, über, durch Kreuzberg, ja? Die Kenner-Route!“

Mir wäre ehrlich nicht mal ansatzweise ein Weg eingefallen, der NICHT durch Kreuzberg geführt hätte. Aber ich war wohl Kenner genug, denn es gab gutes Trinkgeld. 🙂

Sportlich

Schichtende! Dachte ich zumindest.

Nach nur siebeneinhalb Stunden hatte ich die Obergrenze dessen, was ich einfahren wollte, erreicht. Sicher, ich hätte jetzt, da es gut lief, auch einfach noch zwei oder drei Stündchen dranpacken können. Aber es ist ja auch so, dass mehr Kundschaft auch anstrengt. Nicht der Kundschaft selbst wegen. Aber es ist natürlich ein Unterschied, ob ich in 8 Stunden nur 30 Minuten Pause habe, oder aber gleich 4 Stunden wie üblich. Und 8 Stunden am Steuer sind wirklich genug.

Meine Tour war vom Ostbahnhof bis nach Hellersdorf gegangen, eine von mehreren unverschämt langen Touren an diesem Wochenende. Auf dem Rückweg stellte ich die gute alte „Starfish“-Platte von Limp Bizkit ein paar Nummern lauter und hielt mich nicht immer ganz an die Geschwindigkeitsbegrenzungen, die die um 4 Uhr morgens natürlich verwaisten Baustellen auf der Landsberger Allee mir aufzwingen wollten. Dennoch sah ich den Arm eines Winkers emporschnellen und hielt – man lässt sich dann ja doch nix entgehen – zügig an. In die Weiß-der-Teufel-wo-Straße wollte mein jugendlich anmutender Fahrgast. Aber er legte bei meiner fragenden Grimasse gleich nach:

„Hier, Konrad-Wolf kennste?“

„Sicher.“

„Ist da ums Eck.“

Ja, scheiß doch die Wand an! Der Tag war so oder so schon perfekt gelaufen und jetzt sollte ich tatsächlich eine abschließende Tour bis kurz vor den Abstellplatz des Autos bekommen? Ja. Ich für meinen Teil war mit der Welt im Reinen. Mein Fahrgast nur bedingt.

„Weißte, bin ick ja jerade jeloofn.“

„Was?“

„Na, den Weg hier. Einssiebzehn.“

„Bitte was?“

„Einssiebzehn ha’ick jebraucht.“

Während wir unweit meiner Haustüre durch Marzahn brezelten, erzählte er mir dann, was Sache war: Er hatte mit einem Kumpel gewettet, dass er von Alt-Hohenschönhausen bis ans hintere Ende von Marzahn in einer Stunde und 15 Minuten laufen könnte. Und?

„Ha’ick mir verlaufen. Hier, da hinten! Wusst‘ ick nich‘, wo jenau ick da durchkomm‘. Einsfuffzehn hätte jelangt. Und einssiebzehn ha’ick jebraucht. Jetz‘ schuld ick ihm ’n Kasten.“

Das mit dem Verlaufen war natürlich blöd. Aber der Sportfreak wusste wenigstens zu unterhalten:

„Die Leute werden sich auch gedacht haben: Wat ’n Irrer!“

„Weil Du gelaufen bist?“

„Naja, im Suff. Und am Anfang mit Döner …“

Schätze mal, die Kalorien hat er nach rund 10 Kilometern locker wieder runter gehabt. 🙂

Mein Fahrgast hat mir daraufhin noch ein bisschen davon erzählt, was er sonst so läuft. Mir als Couchpotatoe wäre da schier unfreiwillig der Kiefer runtergeklappt. Da er in nächster Zeit noch was größeres vorhat, will ich keine Details nennen. Nicht, dass man ihn noch wiedererkennt. Aber ich sag’s mal so: Die Marathon-Distanz ist offenbar nicht für alle eine Grenze …

Ich hab mich selten so inaktiv dabei gefühlt, mein Auto ein paar hundert Meter weit zum Abstellplatz zu fahren. Aber gut, gegen das Gefül hat der Umsatz geholfen. 😉

Meinem Fahrgast jedenfalls wünsche ich noch ein paar weitere Rekorde. Verdient hat er sie sich, denn unter all den Irren, die mit einem Döner in der Hand besoffen 10 Kilometer durch Ostberlin laufen, war er sicher einer der sympathischsten. Oder so.

Fast ein neuer Rekord …

Wenn ich ganz weit, bis fast zu den Anfangstagen meiner Zeit als Taxifahrer zurückgehe, dann komme ich auf ein noch ungünstigeres Weg-Preis-Verhältnis. Ich hab es damals nicht ohne Grund boulevardesk mit „Tarifwahnsinn in Berlin“ überschrieben.

Ähnlich weit sind heute Nacht drei Leute mit ihrer Kohle gekommen. Was aber einen handfesten Grund hat: Berlin.

Einige Clubs waren heute Nacht so extrem gut besucht – mir kommt mein Umsatz richtig lächerlich vor, wenn ich darüber nachdenke. Diese Menschenmassen! Als ich um halb eins heute Nacht vor dem Berghain war, war die Schlange so lang, dass man mit Picknickkörben wahrscheinlich Geld dort hätte verdienen können. Keine Ahnung, ob die Leute inzwischen alle drin sind. Am Sisyphos sah es nicht anders aus, nachdem sie erst mal aufgemacht hatten. Außerdem, und da kommen wir zu meiner Fahrt, am About Blank.

Die Dreiertruppe war schon etwas derangiert, sie waren zuerst im Kater Holzig, danach im Yaam. War offenbar beides nicht so ganz das, was sie suchten. Also hab ich sie um 4 Uhr morgens vom Ostbahnhof zum About Blank fahren sollen. Hab ich natürlich auch gemacht, bin ja schließlich Taxifahrer. Dort angekommen offenbarte sich uns eine Schlange, die bereits bis zur Bushaltestelle am Ostkreuz reichte. Da haben es sich die eigentlich schon recht fertigen Passagiere aber nochmal ziemlich gründlich überlegt, ob sie denn eigentlich wirklich in Feierlaune wären.

Die Antwort war – wenig überraschend: Eigentlich ja schon noch so ein bisschen, aber nochmal eine Stunde anstehen ginge gar nicht. Also sollte ich sie heimbringen. Das Ziel hörte ich gerne: Naumannstraße. Das wären schon vom Ostbahnhof aus irgendwas in Richtung 17 € gewesen, jetzt, nach einer Fahrt völlig entgegengesetzt dieser Richtung, hätte das die längste einer ganzen Serie langer Touren heute werden können.  Richtig: Hätte werden können.

Denn kaum wieder auf der Piste, fanden sie plötzlich, dass so wirklich richtig und ganz in echt nach Hause zu fahren vielleicht auch ein wenig übertrieben sei, nur weil vor dem About Blank eine Schlange war. Immerhin hatten sie noch Stempel vom Kater Holzig, und sooo schlecht war die Musik ja auch nicht.

So kenne ich Berlin: Hier überlegt man sich zwei- oder auch dreimal, ob man um 4 Uhr wirklich schon heim will.

Also ging es doch nicht bis nach Schöneberg, sondern „nur“ zum Kater. Quasi genau dieselbe Strecke wieder zurück. Plus ein paar hundert Meter. Am Ende waren sie knapp über einen Kilometer von ihrem Startpunkt entfernt und auf der Uhr standen 15,00 €. Aus meiner Sicht darf das ruhig immer so laufen, ich freue mich, wenn mein Kilometerschnitt gut wird – oder, wie heute nacht, zumindest besser.

Trinkgeld gab es bei der runden Summe keines mehr, aber was will ausgerechnet ich meckern? 😉

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Fast schon Lyrik

Man kann sich fast sicher sein: Mit Holländern im Auto hat man am Ende irgendwas fantastisches in Sachen Sprache erlebt. Hab ich auch alles schon mal geschrieben …

Nun also wieder ein paar Jungs im Auto, alle in Partylaune, das übliche Völkchen am frühen Morgen. Eine Winkertour für sieben Euro, grob vom Alex zur Richard-Sorge-Straße. Unübliche Adresse für Besucher, mal kein Hostel oder so. Glücklicherweise konnten die Jungs mir einen guten Tipp geben, wo sie genau hin müssen:

„Es ist eine Pink Bildung.“

Hab ich gefunden, war nicht schwer. 🙂