„Moin! Wo soll’s denn hingehen?“
„Thaerstraße 19.“
„Alles klar.“
Für einen Moment hatte ich überlegt, ob ich noch irgendwas fragen sollte. Vielleicht nach der Schreibweise oder so. Aber hey, ich hab ihn in Weißensee aufgegabelt, die Thaerstraße lag in der richtigen Richtung und mit vier Kilometern auch in einer sehr typischen Taxi-Entfernung für volltrunkene Kundschaft, die man aufsammelt, nachdem sie schon mal in die richtige Richtung losgelaufen sind. Und ich kannte keine andere, ehrlich.
Kenne ich bis jetzt immer noch nicht. Keine Teerstraße, Tärstraße, Tehrstraße oder sonst etwas plausibles. Dennoch verkündete mein Fahrgast, als ich die Straße von Beginn an befuhr:
„Du weißt aber schon, dass Du völlig falsch bist!?“
„Wie, falsch?“
„Thaerstraße 19!“
„Ja. Die müsste gleich da hinten kommen …“
„Alter, ich wohn da. Die kommt nicht jetzt hier gleich!“
Also habe ich nun halt etwas verspätet versucht, alles klarzustellen:
„OK, wir sprechen von der Thaerstraße. T-H-A-E-R-Straße. In Prenzlauer Berg?“
(der untere Teil liegt meines Wissens nach in Friedrichshain, aber egal!)
„Ja, genau!“
„Dann sind wir hier richtig. Und zwar absolut. Hier ist die 23, dann kommt die …“
„OK, is‘ egal. Halt‘ hier!“
„Nicht noch bis vor die Türe?“
„Nee, is‘ jetzt egal. Was krisse?“
„11,20 €.“
Das kam jetzt etwas unerwartet. Denn um ehrlich zu sein: er erweckte immer noch den etwas unzufriedenen Eindruck eines Typen, der im völlig falschen Stadtgebiet ausgesetzt wurde. Muss ja nun auch nicht sein. Aber nach allen Regeln jener Kunst, die man gemeinhin Ortskunde nennt, waren wir wirklich dort, wo er hinwollte. Also zumindest 20 Meter entfernt davon. Aber er hat mich dadurch beruhigen können, dass er satte 3,80 € Trinkgeld gab. Das tut man ja gemeinhin nicht einfach so, um sich für eine völlige Fehlfahrt zu bedanken.
Und dann?
Ist der Töffel in die falsche Richtung gelaufen.
Ich hab hart mit mir gerungen, nochmal anzuhalten und ihm den richtigen Weg zu weisen. Aber wer weiß: Vielleicht wollte er auch eben nochmal zum Späti, zu einem Kumpel, was auch immer. Im schlimmsten Fall hatte halt noch ein zweiter Kollege am heutigen Morgen die Ehre …