Wochenendlaune!

Die hab ich wirklich gerade. Im Arbeitssinne. Ich freu mich auf die Schicht, hoffe allerdings auch, dass es halbwegs gut läuft. Gestern war dank meines versäumten Schlafes leider nicht wirklich ein Staat mit mir zu machen, gerade mal die mir am Wochenende irgendwie minimal erscheinenden 150 € hab ich zusammengekriegt.

Heute soll es mal wieder richtig rocken, hab mir die 10 Stunden von 19 bis 5 Uhr als Minimum gesetzt. Mal sehen, was der Umsatz währenddessen so macht 😉

Weniger in Wochenendlaune wird wohl ein anderer Taxifahrer aus Berlin sein, der gestern einen seiner Fahrgäste an den Rettungsdienst weitergeben musste, da dieser aufgrund einer noch vor der Fahrt stattfindenden Messerstecherei ein bisschen zu viel saftete, um als Durchschnittskunde durchzugehen. Die Story hab ich allerdings bislang bloß bei Springer gefunden – einmal mit dem Verweis darauf, dass der Fahrer dem Fahrgast das Leben rettete, einmal mit der Angabe, dass keine Lebensgefahr bestand unter dem Symbolbild eines Rettungswagens aus Dortmund. Links dazu gibt es wie immer keine, als Dank fürs herzliche Bemühen des Verlags ums Leistungsschutzrecht und für all den anderen Unfug.

So, und für mich geht es gleich wieder auf die Piste!

Wer will, kann mir wie immer ein bisschen nachspionieren, vielleicht setzt aber irgendwann zwischen 4 und 6 Uhr der Akku dann aus. Das packt mein kleines Handychen nämlich selbst mit Zusatzpower nur sehr sehr schwer …

 

Hallo FDP!

Nein, was niedlich!

Der Bundestag verfehlt seine eigenen Klimaschutzvorgaben in Bezug auf die Limousinenflotte. So fahren die Damen und Herren Politiker eben weiterhin gerne schwere Limousinen, obwohl es meist nur um wenig Strecke geht. Um’s gleich vorweg zu sagen: das ist mir schnuppe! Ich fänd’s schön, wenn sie ein bisschen mehr ihre Vorbildfunktion wahrnehmen würden, aber wirklich wichtig sind die paar Autos eben allenfalls für die Presse. Genauso wie man über die Diäten der Abgeordneten meinetwegen moralisch diskutieren kann – einen Einfluss auf den Bundeshaushalt haben die paar Kröten am Ende kaum, so viel isses dann schlicht auch nicht.

Das war aber auch noch nicht der Knaller an der Sache. Es gab nämlich  einen Lösungsvorschlag, der nahe lag:

Warum nicht einfach öfter mal ein Taxi nehmen als bisher?

Jetzt könnte man irgendwelche Antworten von „Aber die brauchen immer so lange!“, „Mimimi, will einen eigenen!“ oder „Nee, nachher lande ich in ’nem Zafira!“ erwarten. Aber weit gefehlt:

Die kleine Spaßpartei FDP lässt verkünden,

„dass die Taxifahrer oftmals dazu neigten, Belehrungen politischer Art abzugeben.“

Also mal abgesehen davon, dass ich selbst als Taxifahrer allenfalls vom Fahrgast gewünschte politische Diskussionen aufgreife:

Liebe FDP,

da ihr offenbar alleine durch die wahrscheinlich brutalst radikalisierte Meinung der Berliner Taxifahrer gegängelt werdet, denkt auch mal drüber nach, ob vielleicht euer Programm daran schuld sein könnte. Ich hab hier zufällig einen aktuellen Brief von eurem Chef-Heinzelmännchen Rainer Brüderle rumliegen, in dem er erklärt, wie töfte wir doch hier gerade alle in Deutschland leben. Ein Haufen schnuffiges Finanzmarkt-Geblubber, aus dem am Ende wieder nur rauszulesen ist, dass mit der nächsten Steuersenkung sogar alles noch besser wird.

Ich meine, gut, Sie sind sich da wenigstens selbst treu, Respekt!

Aber mal im Ernst: Wir hier unten in den hellelfenbeinfarbenen Wagen, wir verdienen so wenig Kohle, dass uns Steuern am Arsch vorbeigehen! Ich hab dieses Jahr keine zahlen müssen, zu niedriger Verdienst. Und die Unsummen auf der hohen Kante (also im Kleingeldglas) hab ich bislang einfach noch nicht so wirklich in Aktien und Altersvorsorgen investieren können – entweder weil nix davon wirklich übrig war, oder weil es sich erst lohnt, wenn ich etwa dreimal so viel reinstecke, wie ich derzeit insgesamt zur Verfügung hab.

Vielleicht, aber nur vielleicht, könnte es ja sein, dass Ihnen ein paar politische Belehrungen ganz gut tun würden …

Mit freundlichen Grüßen,

Sascha Bors, Berliner Taxifahrer

Dorfmetall!

Konzerte. Hach.

Ich weiß nicht, wie es der werten Leserschaft geht, aber für mich waren Rock-Konzerte immer das Maß aller Dinge in Punkto Freizeitgestaltung. Ich war schon in Discos und Clubs und hab an einem Abend eine sehr geile Performance eines Saxophonisten gesehen, der zu einem Elektro-Beat Improvisationen von sich gab. Ich habe ein oder zwei Klassikkonzerte gesehen, ebenso mit Fettes Brot und Eins Zwo guten Live-HipHop. Ich habe in einem New Yorker Schuppen Jazz vom feinsten verfolgt, war bei Pur in der Schleyerhalle und manchmal singe ich komische Sachen unter der Dusche. Aber Rock-Konzerte …

Die toten Hosen, die Ärzte, H-Blockx, Thumb, Dog eat Dog, No Doubt, Dritte Wahl, Simon Says, Sum 41, Revolver, Polluted Paradise, J.B.O., Censored Poetry, Green Day, Morgentot usw. usf. …

Egal, am Ende waren es doch die Stiefelabdrücke im Gesicht, die ein Konzert unvergesslich machten! Abgebaute Spannungen, Pogo, Action!

So gesehen war es mehr als nur schön, als mir am Wochenende ein nicht schwer als Metaller zu identifizierender junger Mann die Frage stellte, ob ich wüsste, wo das Blackland sei.

„Ähm, glaube ja …“

Keine Über- oder Untertreibung. Ich war mir ziemlich sicher, aber man irrt sich ja auch mal. Normalerweise hätte ich das alles nochmal recherchiert, aber neben dem Typen stand noch ein Pärchen, das auch gerne mitfahren wollte. Gut, deren Tour wäre nicht zu lang gewesen, aber man bemüht sich ja um die Kundschaft.

Kurz darauf war klar, dass der verstrahlte Ober-Metaller zumindest mal in die gleiche Richtung musste. Also haben sie sich das Taxi geteilt. Ich kann das für Fahrgäste grundsätzlich empfehlen, aber in der Realität kostet es mich als Taxifahrer dann doch manchmal Nerven (siehe Osama und Lisa ff.). Hier nicht.

Das Pärchen, ebenfalls auf dem Konzert gewesen, zahlte unproblematisch die Fahrt bis zu ihrerr Bude. Dann kam der Auftritt des Dorfrebellen:

„Ach, mein Dorf – offiziell Stadt – das ist ja so klein! Wie der Kreisel hier. Ich komm‘ quasi hier aus’m Kreisel, weisse Bescheid!“

Die Adresse war glücklicherweise richtig, so dass am Ende alle zufrieden waren. Inklusive mir. Und irgendwie stieg in mir das Verlangen, meine CD danach lauter zu stellen …

Taxi-„Chaos“ in den Medien

Also mal abgesehen davon, dass „die Medien“ es zum Thema „Taxi-Streit in Schönefeld“ immer wieder schaffen, aktuellen Entwicklungen hinterherzuhecheln und fast ein chaotischeres Bild hinterlassen als die Realität ohnehin schon,  war ich anlässlich des aktuellen Tagesspiegel-Artikels auch andersweitig verwundert. Er nutzt Schönefeld nur als Aufhänger und beschreibt die Regelungen einiger anderer Flughäfen, bei denen es auch „komisch“ ist mit der Taxenregelung zwischen den Städten und Landkreisen.

Ich stimme dem Journalisten Rainer W. During zu, dass viele dieser Regelungen zu Ungunsten des Kunden – und sogar der Umwelt (Leerfahrten, wie im Text erwähnt) umgesetzt werden. Und die Kindergärtnereien um Schönefeld will ich nicht verteidigen. Aber es wäre vielleicht schön gewesen, wenigstens einen kleinen (einen klitzeklitzekleinen!) Hinweis darauf zu geben, WARUM das so ist. Und das ist eine einfache Geschichte:

Die Pflichtfahrgebiete und die örtlichen Tarife.

Städte und Landkreise in Deutschland haben unterschiedliche Taxi-Tarife. Und das mit Grund. Wir Taxifahrer sind zwar privat organisiert, unterliegen aber als Teil des öffentlichen Nahverkehrs nicht nur manch besonderer gesetzlichen Regelung, sondern haben diesbezüglich auch einen Auftrag zu erfüllen: nämlich die Mobilität zu gewährleisten. Obwohl Taxifahren von der Sache her manchen immer zu teuer sein wird, sind die Tarife nichts, was wir uns ausdenken. Die werden ausgehandelt – mit den jeweiligen Städten und Landkreisen. Und das gibt sogar Sinn:

Deutschland ist ein vielschichtiges Land und irgendwie müssen wir alle darin leben. Das heißt im konkreten Fall: Sowohl die Taxifahrer und -unternehmer müssen von ihrem Beruf leben und die Bevölkerung muss sich die Taxen leisten können. Deswegen sind die Tarife jeweils auf die Gegebenheiten in der Region angepasst. Es ist einfach fairer als von Cuxhaven bis Berlin die gleichen Preise zu verordnen! Es ist schwer genug, bei den Tarifen die Balance zu halten und das wird ohnehin hier und da versemmelt – ein deutscher Einheitstarif würde in manchen Gegenden dafür sorgen, dass keiner mehr mit dem Taxi fährt, in anderen dafür, dass keiner mehr als Taxifahrer arbeiten würde.

Und wenn ein Flughafen, der „eigentlich“ zu einer großen Stadt gehört, in einem umliegenden Landkreis liegt, dann besteht da ein Interessenkonflikt. Und zwar nicht nur innerhalb des Gewerbes, sondern auch für die Kunden.

Bezüglich Schönefeld beispielsweise ist es so, dass die Tarife der Brandenburger Taxen (für die häufigsten Fahrten) höher sind als die der Berliner. Gleichzeitig geht ein Großteil der Fahrten nach Berlin, allerdings müssen die Brandenburger Fahrer keine Ortskundeprüfung für Berlin machen. Andererseits nehmen wir Berliner Taxifahrer den Brandenburgern natürlich jede Menge Fahrten weg, obwohl sie nicht in unserem Landkreis stattfinden – und wir müssen uns in Schönefeld selbst z.B. auch nicht auskennen. Je nachdem, wie die Lösung also aussieht, trägt ein Teil der Kunden oder ein Teil der Fahrer Nachteile mit sich herum. Die Leerfahrt für einen Brandenburger Taxifahrer von Nord-Berlin nach Schönefeld beispielsweise ist ärgerlich – soll er aber stattdessen lieber Kunden in für ihn fremdem Gebiet zu einem von den Kunden nicht gekannten Tarif befördern dürfen?

Ich hab da keine Patentlösung, präferiere im vorliegenden Fall tatsächlich eher eine Zusammenlegung des Gewerbes, aber es ist auch nicht so, dass „die Taxifahrer“ sich einfach bundesweit kabbeln ohne Sinn und Verstand. Zum einen stecken da ein Haufen Regelungen dahinter, für die wir nichts können, zum anderen ist viel Gekabbel dafür auch gerade im Sinne der Kunden.

Diese Betrachtungsweise vermisse ich im Tagesspiegel.

Auf den Tod nicht ausstehen …

kann ich ja die Kollegen, die ständig kurze Touren ablehnen. Die ganz besonderen Exemplare haben zudem ganz eigene Vorstellungen von „kurz“. Mir persönlich könnte das ja eigentlich total egal sein, wäre das nicht schlecht fürs ganze Gewerbe. Bei näherem Hinsehen sollte ja schließlich klar sein, dass kein Fahrgast plötzlich mal weiter weg fährt, bloß damit uns Taxifahrern das Geld reicht. Im Gegenteil: viele fahren nach wiederholtem Angepflaumtwerden gar nicht mehr und am Ende verdienen wir alle weniger – und nicht nur der besagte Kollege in dieser einen Stunde …

Irgendwie hab ich aber nicht die Hoffnung, dass alle Kollegen sich diesen offenbar so verdammt schweren Gedankengang mal erarbeiten.

Das Problem haben wir in Berlin natürlich nicht exklusiv gepachtet, und so ist auch der Undertaker vom Bestatterweblog bei seinem Ausflug nach Köln an so ein eher weniger lustiges Exemplar unseres Berufsstandes geraten. Der „Kollege“ hielt es für nötig, an einer 10€-Tour rumzumaulen.

Dass das hier in Berlin für eine Taxifahrt so ungefähr der Durchschnitt ist, wissen inzwischen die meisten meiner Leser. Aber nur mal so als Beispiel: gestern war kein guter Tag für mich und bei Twitter hab ich auch ein bisschen rumgejammert – aber ich hatte gestern keine einzige Tour über 10 €. Eine punktgenau, alles andere war darunter. Und wie sehr hab ich wohl meine Kunden angeschnauzt dafür? Arg schlimm kann es nicht gewesen sein, denn ich denke, die 25% Trinkgeld gestern sprechen für sich. Da liegt mein Schnitt nämlich normalerweise bei rund 10%.

Ich find’s schön, dass Tom auch noch einen anderen Fahrer hatte, der das Bild wieder geradegerückt hat – und auch die Bestatterweblog-Leser da jetzt nicht eine falsche Vorstellung von haben. Und die Hinweise auf GNIT in den Kommentaren haben mich natürlich auch gefreut. 🙂

Und die Leser, die vom Undertaker herübergewuselt kommen, heiße ich hiermit auch ganz herzlich willkommen!

Medien und Taxen …

Wenn ich schreibe, dass ich GNIT auch gerne zum Informieren nutze, dann meine ich das ernst. Unwissen über dieses und jenes gibt es ja immer mal wieder und das ist auch nicht schlimm. Ich hab von der Arbeit von Imkern beispielsweise auch recht wenig Ahnung. Und oft sind das Kleinigkeiten – echt nix, wo es sich lohnt, drauf rumzuhacken. Aber man darf verwundert sein.

In einem Artikel der Berliner Zeitung über die London-Cabs hab ich mich durch eine Bildstrecke geklickt. Muss man nicht, mir war aber langweilig. Dann tauchte ein Foto auf, von einer S-Klasse vor dem Brandenburger Tor. Die Bildunterschrift besagt:

„Man trifft sie recht selten an, aber es gibt sie: Taxis auf Basis der Mercedes S-Klasse.“

Daran will ich gar nichts aussetzen. Es ist so. Es gibt sie, allerdings sind sie recht selten. Kein Wunder, die Kisten sind schweineteuer und die E-Klasse kann man eigentlich als luxuriös genug bezeichnen. Das Bild findet sich auch bei automobile.de in einer Bilderstrecke – mit selber Unterschrift. Das (inzwischen irgendwie einfach hingenommene) Kuriosum ist, dass das Bild sicher keinesfalls eine Abbildung der Realität ist, sondern offensichtlich ein gestelltes Pressefoto.

Sollte das nämlich Alltag sein, würde ich meinen Kollegen vor dem Adlon dringend mal empfehlen, den Spinner da wegzuschicken … mitsamt seinem Taxi. Ich zweifele die Ladeberechtigung dieses Autos massiv an – es hat nämlich ein Stuttgarter Kennzeichen. -.-

 

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Ein erster Schritt …

Ich finde es ja schön, dass auch bei visitberlin.de Werbung für unsere Dienstleistung gemacht wird. Auch dass grobe Preise angegeben werden – da ich so viele Kunden schon seltsame Preise habe nennen hören, tut Aufklärung hier sicher Not.

Aber warum werden solche Texte immer von faktenresistenten Idioten geschrieben?

Ja, einen Euro mehr gebe ich auch mal an, um sicher zu gehen, dass ich nicht doch über dem versprochenen Fahrpreis liege – aber 13 € vom Hauptbahnhof zum Alex? Da reichen 10 €! Zur Messe sind es nicht 16 – 19 €, sondern eher 13 – 15. Das soll jetzt nicht nach Wortklauberei klingen, da geht es um Umwege von mehreren Kilometern!

Insgesamt wirkt es ein wenig so, als würden auf der Seite einfach ziemlich wahllos Zahlen von Google Maps übernommen, ohne die Route wenigstens halbwegs von der „schnellsten“ zur kürzesten angepasst zu haben.

Sicher, die „Mafia“-Typen, die vom Flughafen 200 € in die Innenstadt verlangen, kann man damit ausbremsen. Mich ärgert trotzdem, dass unsere Dienstleistung einmal mehr teurer angepriesen wird, als sie eigentlich ist!