Überraschend freundlich

Womit man es im Stadtgebiet recht selten zu tun hat, sind Drängler. Also zumindest, wenn man in den meisten Ecken irgendwo normal nahe der Höchstgeschwindigkeit unterwegs ist. Auf den Hauptstraßen in Berlin wird das Verkehrsgeschehen auch dadurch entschärft, dass einem mehr als eine Spur zur Verfügung steht.

Und dann war da der Audi-Fahrer hinter mir, der mehrmals Lichthupe gab und dicht auffuhr. Während ich das noch halbwegs gelassen genommen hab und mir überlegt hab, wie viel einfacher es wohl für ihn gewesen wäre, wäre er an mir vorbeigefahren … – nein, es war meine Kundin, die irgendwann gereizt rief:

„Was will der Arsch?“

Und da sind wir beim Punkt: Ich hatte mich bereits links eingeordnet, weil wir in ein paar hundert Metern links abbiegen wollten. Dass ich auf einer häufig blitzlichtbelasteten Straße, auf der 50 erlaubt war, nur lächerliche 48-52 km/h gefahren bin, hielt ich indes für kein großes Problem. Immerhin sollte doch gerade den eiligen Leuten bekannt sein, dass man innerorts vollkommen legal rechts überholen darf (im Gegensatz zum Überschreiten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit übrigens 😉 ).

Der nicht. Der hat gelichthupt, bis es selbst mir zu blöde war und ich kurz rübergezogen bin. Rechtliche Argumente helfen ja ohnehin nicht gegen einen verkürzten Kofferraum.

Und was macht der Typ, nachdem er vorbeigezogen ist? Nicht etwa den Vogel, den Finger oder sonstwas zeigen. Nee, er hat sich mit einem einzelnen Warnblinken höflich bedankt. Ich tippe auf Stimmungsschwankungen. 😉

37 Kommentare bis “Überraschend freundlich”

  1. Aro sagt:

    Sei froh, dass er nicht seine Polizeikelle gezückt hat!

  2. Cliff McLane sagt:

    Tippe auf Landei. Nummernschild muss nichts bedeuten, die fahren auch Leihautos, da steht gerne schon mal Hamburg drauf.

    Wie sagten wir damals in München? „Gott schütze uns vor Eis und Schnee, vor DAH und FFB.“

  3. Wahrscheinlich wusste er selbst nicht so genau, was sein Problem ist. So Vögel gibts hier auch immer wieder. Warum er nicht einfach rechts vorbei ist…Wenn ich es so eilig gehabt hätte, wär ich halt einfach an dir vorbei gefahren, Platz war ja offensichtlich. Allerdings erinnert mich das an ein älteres Ehepaar (soll heißen geschätzt zusammen über 170 Jahre alt), die ich mit dem Rettungswagen mal innerorts rechts überholt hab, mit 50, bei erlaubten 50 und deren Tempo etwa 45. An der nächsten Ampel scheißt mich die Alte zusammen, ob ich denn die Verkehrsregeln nicht kenne.

  4. Kessel sagt:

    Kann das sein, das das einer von Bringmeister war? I.d.R. fahren die dicht auf und drängeln. Mein Tipp: Anzeige!

  5. Jensiko sagt:

    Das ist der übliche Fahrstil in den ex-Sowjet-Ländern 😉

  6. Was ist denn ein Bringmeister?

  7. dingens sagt:

    Man kann auch mal wirklich in Eile sein und keine Ahnung von den lokalen Verkehrsbesonderheiten haben ohne ein komplett schlecher Mensch zu sein.

  8. Es ist keine lokale Besonderheit innerorts rechts überholen zu dürfen. Man muss also nicht drängeln, wenn man in Eile ist.

  9. hrururur sagt:

    Den hatte ich letztens auf der Autobahn hinter mir…

    180, links, zack hatte ich den Spacken hinter mir. Kam nicht auf die andere Spur ohne jemandem in den Sicherheitsabstand zu grätschen und entsprechend selber ziemlich in die Eisen gehen zu müssen. Hielt ich angesichts meines Tempos nicht für hilfreich. Vom Gas gehen hätte ja schon gereicht für einen Unfall… Irgendwann nach drei vier Minuten konnte ich dann rüber, er schießt vorbei, ich sortier mich gemütlich wieder nach links mit Sicherheitsabstand. Er geht etwas vom Gas damit ich halt dichter komm, er hatte da aber sicher noch 150 drauf. Als ich ihm dicht genug war, ist er VOLL in die Eisen gestiegen. Ich hatte schon mit so einer Arschlochaktion gerechnet, ist nix passiert, auch der nach mir hat die Situation rechtzeitig richtig eingeschätzt. Wir standen am Ende, also nicht bloß etwas angebremst. Bin dann nächste runter, da war zufällig die Autobahnpolizei. Der hinter mir ist freundlicherweise mitgekommen. Wir haben beide den Spacken angezeigt. Wurde gerade eingestellt, leider.

    Ich begreif das nicht. Und bei 180 noch weniger. Das ist doch kein Schleichen

  10. k k k k köpenick sagt:

    Ich denke das mit dem dicht auffahren ist ein Dauerbrenner und in postsowjetischen Gebieten, in denen der Bors verkehrt, durchaus nicht unüblich. Teile die Meinung des Users Jensico durchaus.

  11. Jensiko sagt:

    @k k k k köpenick

    Ich meinte eher, dass der Fahrer ein Russe gewesen sein könnte.

    Da ich in Georgien Taxi fahre und der Weg hierher durch Russland ging, kann ich mich noch ganz gut an diese Fahrweise erinnern. Selbst in der Stadt ziehen sie nicht rechts vorbei, sondern blinken, bis ihnen die Hand abfällt.
    Und dieses „Danke schön“ ist speziell in Russland genauso Pflicht. Da wird sich wenigestens noch bedankt. 😉

  12. Mickey sagt:

    „Irgendwann nach drei vier Minuten konnte ich dann rüber, er schießt vorbei, ich sortier mich gemütlich wieder nach links mit Sicherheitsabstand. Er geht etwas vom Gas damit ich halt dichter komm, er hatte da aber sicher noch 150 drauf. Als ich ihm dicht genug war, ist er VOLL in die Eisen gestiegen.“

    Warum bist du ihm denn dichter gekommen, wenn du den Sicherheitsabstand eingehalten hast?

    Und warum wurde das Verfahren eingestellt?

  13. Der Finanzberater sagt:

    @hrurururururur:
    Was schleichst du auch mit 180 auf der linken Spur. Dafür ist doch die mittlere, die kannst dir dann mit den „Ich fahre 105 und überhol den LKW innerhalb von 25km“-Typen teilen. Merke linke Spur >200 (Hier gilt dennoch Mercedes Benz hat immer Vorfahrt, auch mit 180?!), mittlere Spur 100-200 und rechte Spur <100.
    Welcome to Germany!
    Sarkasmus off

  14. Dr. Klaus Throphobie sagt:

    Ich denke die „Stimmungsschwankungen“ erscheinen schon nimmer so arg wenn man sich bewusst macht das links Blinken oder Lichthupe, in gebürendem Abstand gegeben, legitime Zeichen sind um seinen Überholwunsch anzuzeigen.

    Man darf nur nicht zu dicht auffahren und beides gleichzeitig machen.

    Das er in der Stadt nicht einfach rechts vorbeifährt ist aber immernoch *häh?*.

  15. Jenszrockt sagt:

    Also ich persönlich versuche eine Situation auf der Autobahn einzuschätzen, ob der Vordermann einscheren kann oder nicht. Tempomat raus, rollen lassen, Sicherheitsabstand einhalten, einscheren lassen, Tempomat rein, Fahrt frei. Bis ich blinke, die Lebensdauer der Glühlampen verkürze oder mein Leben durch 2m dichtes auffahren riskiere, muss schon viel passieren. Früher oder später kommt sowieso 130er Limit deswegen. In der Stadt ist mir das egal. Zur Not lasse ich denjenigen direkt vor einem Blitzer überholen indem ich rechts ran fahre.

  16. hrururur sagt:

    Mickey: Weil ich nicht “ gerade so“ den Sicherheitsabstand einhalte. Schon gar nicht bei so einem Spacken. Da kann ich dann auch dichter kommen ohne nicht mehr bremsen zu können.

    Eingestellt wurde es offiziell, weil ich es nicht beweisen konnte. Wie denn auch? Mein Gefühl sagt mir aber, dass es inoffiziell andere Gründe gab

  17. Mickey sagt:

    Du hast doch einen Zeugen gehabt. Bisher war das ausreichend.

    Andererseits ich sollte auch mal vor Gericht als Zeuge aussagen, wurde darauf verzichtet, weil der Angeklagte einen umfassendes Geständnis abgelegt hat.

  18. hrururur sagt:

    Ich sag ja: Ich glaube inoffiziell gab es andere Gründe. Irgendwelche anderen Verfahren nicht gefährden oder so was

  19. Mickey sagt:

    Tja, es ist ein Unterschied, ob jemand eine Strafe bekommt, weil er einsichtig ist oder das Verfahren eingestellt wird, weil es das Gericht für unwichtig hält.

    Letzteres ist natürlich ein Skandal.

    Kann es sein, dass du bei der Polizei hysterisch reagiert hast? Du kannst nur gewinnen, wenn du Ruhe bewahrst. Ich sage das deshalb, weil eine hysterische Reaktion vom Gegner als „Ach die übertreibt doch nur. Da war gar nichts. Und der Zeuge? Wie will der denn etwas gesehen haben?“ ausgelegt werden kann.

  20. Ana sagt:

    Mickey braucht nen eigenen Blog.

  21. Heike Weisst- Stümpel sagt:

    Bei meinem letzten Unfall bin ich gar nicht aus meinem Auto ausgestiegen, einfach Warnblinke an, Schnittlauch anrufen, und den Unfallgegner mit einer starren Maske des Grauens beäugen.

  22. Schnittlauch? Was machst du denn so beruflich? Vielleicht fallen mir dazu auch ein paar nette Bezeichnungen ein.

  23. Heike Weisst- Stümpel sagt:

    Ich bin im Import-Export Segment.

  24. Heike Weisst- Stümpel sagt:

    und viel auf der Bahn unterwegs, deswegen kenne ich meine Pappenheimer.

  25. Mickey sagt:

    Der Mickey hat nen eigenen Blog :p

  26. hrururur sagt:

    Mickey: Ich bin zwar eine Frau, aber deswegen nicht hysterisch. Stinksauer, ja… Aber nicht hysterisch. Ich will doch was von denen!

  27. Mickey sagt:

    Hast du dir das „Stinksauer sein“ anmerken lassen?

    Polizeibeamte sind neutral. Wenn die den Eindruck bekommen, dass das auf persönliche Ebene ausgetragen wird, dann ist deine Chance recht gering.

  28. hrururur sagt:

    Liest du eigentlich was du schreibst?

    Ich werde die Tage mal wieder da ab fahren und fragen, ob ich mich falsch verhalten habe, okay?

  29. Mickey sagt:

    Das kannst du gerne machen, bringt dich aber nicht weiter 😉

    Ich habe doch nur nach Details gefragt, weil das Auftreten gegenüber Polizeibeamten eine wichtige Rolle spielt.

    Ist doch ok, wenn durch dein Erlebnis gereizt bist, wäre ich innerlich auch. Nur zeigen würde ich es nicht. Bringt nur Nachteile. Der wichtigste Nachteil: Mangel an Glaubwürdigkeit.

  30. hrururur sagt:

    Wenn mir jemand Minuten nach sowas völlig relaxt wäre, als käme er gerade vom Wellness, dann würde mir das spanisch vorkommen. Den beiden Bünabes in meinem Freundeskreis btw auch. Hab extra gerade gefragt

  31. Mickey sagt:

    Selten so oft im Kreis gedreht.

  32. hrururur sagt:

    Selbsteinsicht ist der erste Schritt zur Besserung…

  33. Mickey sagt:

    Wenn du persönlich Polizeibeamte kennst, hättest ja die anrufen können.

  34. oni sagt:

    Mickey, du bist ein erstklassiger Besserwisser und Herrklärer. Lass es einfach, was du hier machst ist weder nett noch konstruktiv.

  35. Emrah Baskin sagt:

    Abonniert, schöner Blog

  36. Sash sagt:

    @Emrah Baskin:
    Danke. 🙂

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