Confusing

Es war ein selten klischeehaftes Gegacker, als die vier jungen Damen eingestiegen waren. Ich stand auf der Warschauer Brücke, wo dank wunderbarer Baustellen inzwischen nachts um 1 Uhr nicht nur auf dem Gehweg, sondern auch auf der Straße Stau herrscht. Kaum dass die Mädels eingestiegen waren, plapperten wirklich alle gleichzeitig auf mich ein, es war schlicht überhaupt nichts zu verstehen. Die Namen von Straßen und Bahnhöfen, alles wild durcheinander. Irgendwo glaubte ich ein „Rehberge“ zu hören, dann aber wurde halbwegs verständlich „Ritter Butzke“ gesagt. Na also, das kenne ich doch!

(Den U-Bahnhof Rehberge auch, aber das nur nebenbei …)

Ich wendete also baldestmöglich und prompt baten mich die Damen, das Auto zu stoppen. Also eine, nein zwei von ihnen. Es war wohl tatsächlich so, dass zwei zum Ritter Butzke und zwei zum U-Bahnhof wollten. Völlig entgegengesetzte Fahrtrichtungen. Das freilich hatten sie nicht etwa zuvor geklärt, sondern taten es nun, wo ich auf der Brücke stand und auf halbwegs eindeutige Anweisungen wartete. Würde mir nicht einfallen, aber kann man ja mal machen. Bei laufender Uhr ist das auch für mich kein Problem.

Obwohl für mich der Bahnhof Rehberge eine bessere Tour bedeutet hätte, war es schon ok, dass mir am Ende die Ritter-Butzke-Fraktion blieb. Die anderen wollten schließlich insbesondere deswegen heim, weil sie schon einen über den Durst getrunken hatten. Was man von den beiden Partytanten neben und hinter mir nicht sagen konnte. Die hatten eindeutig noch mehr geplant und waren noch entsprechend fit. Nachdem wir die anderen losgeworden waren, bekam ich eine wirklich aufrichtige Entschuldigung für den Stress:

„I am so, soo, sooooo sorry for that, believe me! Soooooo sorry!“

„No problem, really. It was just a bit, you know, confusing. But that’s all, everything’s fine.“

Die folgende Fahrt über haben wir uns hauptsächlich über meine Englischkenntnisse und ihre Taxierlebnisse unterhalten. Und immerhin kann ich inzwischen relativ gut auf englisch erzählen, wie schlecht ich englisch kann. 😉

Im Ernst: Ich hab‘ eine gute Aussprache, aber mein Vokabular ist eben beschränkt. Aber es wächst – und damit auch das Lob der Fahrgäste. Faire Entlohnung sozusagen. Der Taxifahrer vom Flughafen aus hätte nur schlecht englisch gesprochen, viel schlimmer aber sei gewesen, dass er nicht wusste, wo sie hinwollten. Also hab ich den jungen Touristinnen mal eben die Taxi-Problematik in Schönefeld erläutert und dass das bedeutet, dass die Fahrer dort keine Ortskunde für Berlin haben müssen. Was im Taxi eben so unter Smalltalk fällt.

Das Trinkgeld am Ende war schlecht, sehr schlecht sogar, das muss ich zugeben. Was aber keinesfalls böse gemeint war, sondern eher der Unwissenheit geschuldet. Und dann mag ich das nicht so recht als Manko sehen. Denn zum einen hätten mich die beiden auf einen Drink eingeladen, zum anderen betonten sie, dass ich „the best taxi driver we ever met“ gewesen wäre und eine der Damen bestand darauf, mich mit einem High-Five zu verabschieden. Sicher, kaufen kann ich mir dafür nix. Aber solche Touren sorgen auf der anderen Seite dafür, dass einem die Arbeit gar nicht wie Arbeit vorkommt. Und fürs nette Quatschen mit fremden Menschen bekommen die meisten anderen auch nicht mehr als Anerkennung. Da sind vierfuffzig brutto zusätzlich doch eigentlich schon ok …

4 Kommentare bis “Confusing”

  1. Bernd sagt:

    Das schönste in deinem Beitrag ist dieser Satz: „Ich hab’ eine gute Aussprache, aber mein Vokabular ist eben beschränkt.“! Das hätte glatt von mir kommen können! 🙂 Mein Englischunterricht(fakultativ an Nachmittagen) war 1972 beendet. Seitdem habe ich 30 Jahre lang mit niemandem auch nur einen Satz in Englisch gewechselt. Jetzt geht´s aber ganz gut. Ich habe mal einem älteren amerikanischen Ehepaar etwas erzählt, was ich ziemlich flott daherplapperte. Die Antwort bzw. Nachfrage kam prompt: Genauso dahergeplappert, so daß ich kaum ein Wort verstand. Meine Kapitulation wurde dann lachend zur Kenntnis genommen mit der Meinung: Wer so schnell so gut spricht, der kann auch alles andere! Na schönen Dank! 😉

  2. Sash sagt:

    @Bernd:
    Bei mir geht es inzwischen wirklich ganz gut und inzwischen erweitere ich meinen Wortschatz halt mit Texten, Serien und Filmen langsam immer mehr. Aber im Vergleich scheint die Aussprache wirklich deutlich besser zu sein, denn ich wurde nun wirklich schon mehrfach für einen Nativ Speaker gehalten, was fast schon erschreckend ist, wenn ich mir meine Englisch-Noten während der Schulzeit durchlese. Entsprechend konsequent antworte ich den Leuten meistens:

    „Well, that’s just the training with all my customers. I always got bad grades in school, but I guess my english teacher would be proud of me now.“ 😀

  3. Roichi sagt:

    @ Sash

    Das kenne ich.
    Inzwischen geht das berufsbedingt auch super.
    Ist dann problematisch, wenn man irgendwelche Einstellungstests machen darf, und die Schulenglisch wolllen. Da steht man dann etwas dumm da: „So spricht doch niemand“.

  4. silverchaser sagt:

    Es gibt Standardsätze, die man auswendig lernen muss.

    „What is your Destination?“

    „Do you need a receipt?“

    Auf dem Weg zum Flughafen Tegel:

    „Do you know your departure gate or should I look on the board? I’m asking, because Airport TXL is a One-Way-System. If I choose the wrong Terminal, I must drive outside, turn around and choose it again.“

    etc.

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