So sollte es immer laufen …

Das denkt man sich natürlich öfter mal. Und wenn ich eines sagen kann, dann, dass z.B. die Freitagsschicht dieses Wochenende total unwahrscheinlich verlief. Ich war mit Unterbrechungen nur kurz draußen und hab verdammt wenige Touren gehabt. Die waren allerdings dermaßen überdurchschnittlich …

Vom Ostbahnhof hab ich in jener Nacht genau 3 Touren gefahren:

1.  Über Friedrichshain in den Wedding: 22,00 € + 3,00 € Trinkgeld.

2. Nach Teltow:  34,20 € + 5,80 € Trinkgeld.

3. Nach Petershagen: 40,20 € + 4, 80 € Trinkgeld.

Und ja: Das waren wirklich alle! Ich hab da keine der üblichen 6,80€-Fahrten unterschlagen. Dafür musste ich halt jedes einzelne Mal leer in die Stadt zurückgondeln. Der Kilometerschnitt blieb mit 0,73 € über die ganze Schicht sehr bescheiden. Aber irgendwas ist ja immer …

… und über den Berg ist es weiter als zu Fuß.

Manche Kunden sind nicht so gut darin, Geschenke anzunehmen. Wiederum andere blicken vermutlich einfach gar nicht mehr, was man sie fragt. So wohl auch dieser sehr nette Winker. Er hielt mich an der Danziger Straße an und es entspann sich folgender Dialog:

„Guten Abend, ich muss gar nicht weit.“

„Soll ich’s dann mit einer Kurzstrecke versuchen?“

„Nee, danke. Is‘ lieb – aber fahr besser geradeaus!“

0.o

Hey, die Kurzstrecke hat Einschränkungen, ja. Aber geradeaus fahren darf man mit ihr trotzdem. 😉

In dem Fall war es im Grunde wohl völlig egal. Auf der Uhr standen extrem kurzstreckentaugliche 4,80 € und ich hab einen Zehner bekommen. Bei der Großzügigkeit muss man wahrlich nicht mehr über Rabatte und Sparpreise nachdenken …

Von Cheffe gerettet

Es gibt ja so Tage, über die man besser nicht spricht. Gestern zum Beispiel. Erst greift Ozie im Übermut in den von der Familie geschickten selbstgebastelten Adventskalender und zieht ein Päckchen Trockenfrüchte heraus. Gut, ausgehend vom letzten Jahr hätte es sie schlimmer erwischen können. Ich begreife den Ernst der Lage dennoch und eile zu meinem eigenen Überraschungskalender. Da gibt es keine Früchte, da ist jeden Tag eine Praline drin. Schokolade, Glücklichmacher, diese Geschichten!
Als Dank spuckt das Pappschächtelchen eine Schokokugel aus, die auf dem Knisterpapierchen „Bratapfel und Vanille“ verspricht. Uff! Die Hoffnung nicht ganz aufgebend teile ich das Schicksalskügelchen mit einem etwas unsauber ausgeführten Messerschnitt. Spachtel, mampf, kau.
Prädikat: Naja, geht gerade noch so … und hat ungefähr 0,00% mit Bratapfel zu tun. Vanille lag immerhin vielleicht im Nebenzimmer, als das Ding kreiert wurde, das könnte schon sein.

Solche Momente im Dezember sind frustrierend. Ein Monat, der neben aus Kälte, Sturm und nicht ganz freiwilligen Weihnachtsfeiern auf der Haben-Seite fast ausschließlich Adventskalender zu bieten hat, kann so nix werden. Is‘ so.

In unserem Fall fruchten diese hinterlistigen Anschläge auf den Schokoladenhunger glücklicherweise nicht, denn uhrwerksgenau bekomme ich von meinen Chefs beim ersten Besuch nach dem ersten Dezember ein Kilo Pralinen geschenkt. Jedes Jahr. Das fünfte Mal jetzt, mein erster Arbeitstag dort war nämlich wierderum vorgestern vor fünf Jahren. Und nach zwei eiligst verabreichten Einheiten Walnuss-Marzipan-Schokolade sieht der Dezember doch gleich wieder besser aus. Da werden wir auch den Sturm Xaver ertragen können, der in den kommenden 48 Stunden das Land in Schach halten soll.

Schon gut, wenn man sich auf seinen Arbeitgeber in so wichtigen Fragen verlassen kann. 🙂

Gute Miene zum bösen Spiel

Als ich gerade an einer Ampel zum Stehen kam, öffnete er die Türe. „Also doch kotzen!“, dachte ich bei mir, während mein Fahrgast sich sehr unelegant aus dem Auto hangelte und beinahe auf die Straße gefallen wäre.

„Du musst kotzen? Soll ich rechts ranfahren?“

„Alles ok!“

Er taumelte ungelenken Schrittes davon, wobei das Ziel unklar war. Eine völlig verwaiste Straße in Tempelhof, außer einem Parkhaus kaum Spuren von Zivilisation zu erkennen. Ich stellte das Auto mit eingeschaltetem Warnblinker vollkommen illegal auf den Gehweg und stieg aus, meinen Fang betrachtend.

„Wo willst’n hin?“

„Verpiss Dich!“

„Na na, ich dachte, es soll nach Hause gehen!?“

„Leck mich, hau ab!“

„Du hast noch nicht mal bezahlt!“

In manchen Momenten werde ich von stoischer Gelassenheit übermannt. Ein betrunkener Fahrgast, der mich beschimpft und offensichtlich ohne zu zahlen abhauen will, gehört eigentlich nicht in die Liste der Situationen, in denen man sich gut fühlt als Taxifahrer. Aber der Typ war so blau, der war weder in der Lage, sich mit mir anzulegen, noch konnte er ernsthaft weglaufen. Und Geld hatte er auch genug dabei.
Die letzte Fehlfahrt war zwar erst 24 Stunden her, aber bei dem Knilch wollte ich nicht aufgeben. Er saß ja nicht grundlos im Taxi. Gut 10 Minuten zuvor wurde er von einem besorgten Freund ins Auto gesetzt, der mich anflehte, ich möge den Kerl doch bitte heil nach Hause bringen. Er steckte selbigem einen Fünfziger zu und ermahnte mich, ich solle ihm ja das Rückgeld geben. Für den offensichtlich desolaten Zustand des Fahrgastes war mir die Strecke von fast zehn Kilometern zwar eigentlich zu lang, aber was tut man nicht alles! Fürs Geld – und in solchen Fällen nicht zuletzt auch um zu helfen.

Ich setzte mich nun ins Auto, wendete und fuhr meinem Fahrgast hinterher, der inzwischen in einer Mauernische mehr oder weniger erfolgreich versuchte zu pinkeln. Warum er eben so sauer geworden war, war mir unbegreiflich, da er sich den ganzen bisherigen Fahrtverlauf ausschließlich bei mir dafür bedankte, heimgebracht zu werden. Und ich hoffte auf einen erneuten Stimmungsumschwung. Ich hielt provokativ direkt neben ihm, stieg aus, zündete mir eine Zigarette an und starrte ihn an. Das handhabe ich so nicht wirklich regelmäßig, wenn ich Leute irgendwo pinkeln sehe, aber es hat in dem Fall seine Wirkung nicht verfehlt. Er kam irgendwann unsicher aus seiner Nische hervor und fragte schüchtern, ob ich ihn heimbringen würde. Na also!

„Du bringst mich echt nach Hause?“

fragte er noch einmal, als er bereits im Auto saß. Ich antwortete ganz locker, als ob nichts gewesen sei:

„Ja klar. Die Bla-Keks-Straße 7 in Britz, dafür bin ich doch hier.“

Die blonde Locke, die ihm ins Gesicht hing, als er mich ungläubig anstarrte, ließ ihn etwas verwegen aussehen. Tatsächlich war ein Schönling aus dem Bilderbuch, dessen Look allerdings unter der fraglos zu langen Nacht bereits etwas gelitten hatte. Es war völlig klar, dass er sich einfach nicht mehr wirklich erinnerte, dass wir das mit der Adresse noch im Beisein seines Kumpels geklärt hatten. Diese kleine Straße in einem Wohngebiet hatte mir am Anfang auch nichts gesagt, es war das Navi, das uns bis hierher gebracht hatte und uns auch weiterbringen sollte. Für meinen Kunden war es aber offenbar eines der größten Mysterien der Menschheitsgeschichte, dass ein Taxifahrer ihn vom Pinkeln abholt und seine Adresse kennt. Hihi.

Zunächst murmelte er etwa eine Minute lang, dass er nicht wisse, was er glauben soll, dann revanchierte er sich für mein Anstarren. Und das tat er gut. Minutenlang. Ich hab nach einer Weile ernsthaft in Erwägung gezogen, dass er mich anbaggern wollte. Im Grunde war es in dieser Situation aber nicht schlecht, denn so lange er sich aufs Starren konzentrierte, schlief er nicht ein oder machte irgendwelche Dummheiten. Entsprechend schnell legten wir den zweiten Teil der Strecke zurück. Ich parkte das Auto in seiner schmalen Straße ein paar Meter entfernt in einer Einfahrt und überraschte ihn mit meiner hellseherischen Gabe ein zweites Mal, als ich ihm erzählte, er hätte 50 € in der Hosentasche. Obwohl die Fahrt trinkgeldlos blieb, kam dann zuletzt doch noch die Gewissheit, das Richtige getan zu haben. Mit zerknüllten 30 € Wechselgeld in der Hand schwankte mein Fahrgast an der geöffneten Türe umher, lehnte sich ins Auto, kippte fast hinein und sagte dann:

„Des‘ jetz‘ echt mal nett von Dir. Danke, echt jetz‘. Und sorry, dass ich jetz‘ so’n Arschloch war, sorry, ok?“

Wenn ich ihn mal wieder nüchtern treffe, dann erkläre ich ihm, dass das Taxameter ja auch weiterläuft, wenn er gerade schmollend und pinkelnd in einer Ecke steht. 😉

Auflösung

Ähm, ja. Meine Frage heute Morgen war wohl für die Frühschicht eines handelsüblichen Dienstags ein wenig zu schwierig. Hatte ich nicht erwartet, ganz ehrlich. Manche von Euch sind immer sehr schnell bei sowas.

Die Kunden, die mich übrigens in Lichtenberg rangewunken haben, wollten einfach nur zum S-Bahnhof Warschauer Straße. Gut, zwei Nachfragen meinerseits hat es auch noch gebraucht, bis ich das geblickt hatte. Aber ab da war das eine ziemlich gute Tour. Zugegebenermaßen ohne allzu viel Unterhaltung – aber das kommt ja immer mal wieder vor. 🙂

„Aber gerne doch!“

Es sind ja nicht immer die Fremdsprachenkenntnisse, die einem im Taxi weiterhelfen, sondern die Kenntnisse über die Aussprache im Deutschen. Gutes Beispiel mal wieder:

„Binge Esa of Assahasasse!“

Da kann man schon mal verzweifeln. Muss man aber nicht. Ist im Grunde fast perfektes Deutsch, es fehlen nur ein paar Konsonanten. Also, was hab ich mit den fünf Typen wohl gemacht?

Ich freue mich auf unterhaltsame Kommentare.

🙂

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

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Fehlfahrt

Vorwort:
Heute wird es länger, heute wird es unschön. Nun seid Ihr gewarnt. Viel Spaß!

„Fehlfahrten“ habe ich sehr selten – also Fahrten, die am Ende nicht bezahlt werden. Jetzt aber hat es mich am Wochenende mal wieder erwischt und es war zum Kotzen wie eh und je. Und ja, das war die Fahrt, die ich vor ein paar Tagen so kryptisch erwähnt hatte.

Im Nachhinein bleibt mir die Szene im Gedächtnis, wie die Kundin sich vor zwei weiteren Taxiinteressierten vordrängelte, um bei mir einzusteigen. Wie viel glücklicher wäre ich jetzt, im Nachhinein, wohl über die andere Kundschaft gewesen!

Aber angefangen hat alles ganz locker. Sie wolle zum Nöldnerplatz, sagte sie mir. Nicht betrunken, alles im Griff, super. Ich fragte sie, welchen der beiden gleichlangen Wege sie bevorzugen würde, sie wählte den schnelleren und alles war gut. Zumindest bei mir. Bei ihr eher weniger, denn in den folgenden Minuten erzählte sie unter anderem, dass ihr die Wohnung gekündigt wurde, und sie nun bei einem Kumpel pennen würde. Was eine Scheiße, Bedauern usw., das Übliche.

Als ich die Nöldnerstraße befuhr, fragte ich, ob ich links zum Platz abbiegen solle.

„Nee, hier geradeaus.“

Soweit nicht verwunderlich. Erst einen bekannten Platz ansagen, dann in eine der Straßen dort wollen – das machen viele Fahrgäste. Als ich nun aber bereits mehr als einen Kilometer am Platz vorbei war, fragte ich nochmal:

„Weiter geradeaus?“

„Ja, hmm, nee. Nöldnerplatz eben. Glaub, wir sind da schon vorbei.“

Ich hab innerlich ein bisschen geflucht, mir aber gedacht: Bleib ruhig wie sie. Der Umweg scheint sie nicht zu stören, also lass‘ gut sein. Ist ja mehr Geld, also was soll’s? Also hab ich versucht,  ihr eine genaue Adresse zu entlocken. Klappte nicht wirklich:

„Ich kenn‘ die nicht genau. Aber ich war ja schon x-mal da. Ich erkenn‘ das Haus dann schon.“

Und auch im weiteren Verlauf klang das alles gut. Sie sagte hier und da mal an, ob ich rechts oder links solle, allerdings auch allzu oft nahezu apathisch, dass ich geradeaus fahren solle. Als wir das zweite Mal nach einem Fehlstich den Platz ansteuerten, klingelten natürlich auch bei mir die Alarmglocken: Diese Fahrt führt nirgends hin! Brech das ab!

Aber jedes Mal, wenn ich dachte, dass die gute Frau unzurechnungsfähig ist, wirkte sie plötzlich wieder aufgeweckt und empathisch und machte klar, wie unangenehm ihr das sei, dass sie das nicht mehr so gut im Kopf hatte. Irgendwann kam sie dann mit der Nummer 4. Das Haus sei wohl die Nummer 4. Welche Straße? Nöldnerplatz! Aber da gibt es keine Häuser …

Also sind wir im Schritttempo die angrenzenden Straßen abgefahren. Mal hier lang, mal da lang und im Zweifelsfall immer weiter. Geradeaus natürlich, ist ja klar.

Hätte die normale Fahrt zum Nöldnerplatz etwa 11 € gekostet, standen nun langsam 20 auf dem Taxameter. Zudem war klar, dass allenfalls ihr Kumpel würde zahlen können. Wir waren zwischenzeitlich bis zum Bahnhof Lichtenberg und zum Ostkreuz gekommen, überall zuerst aufgeregte Freude über die richtige Richtung, dann Ernüchterung. Beim von mir schon fest entschlossen allerletzten Versuch ging es dann auf die andere Seite der S-Bahn. Victoriastadt also …

Da gerieten die Erinnerungen der jungen Dame dann allerdings wirklich ins Rotieren und sie lotste mich einen völlig hanebüchenen Weg entlang in die Kaskelstraße. Nicht zur Nummer 4, auch nicht zu einem der denkmalgeschützten Häuser. Eher so zweistellig und hässlich. Aber offenbar richtig. Ob ich mit hochkommen möchte, fragte sie mich – was ich in Ermangelung eines brauchbaren Pfandes annahm. Im heruntergekommenen Treppenhaus erklomm sie Stufe um Stufe, Stockwerk um Stockwerk, vorbei an Türen mit über 10 Paar Schuhen davor. Im vierten Stock dann lag das Ziel, die Tür war angelehnt. Sie bat mich, eben kurz draußen zu warten und ging für eine Minute hinein.

Meine Hoffnung war wieder da. Wir waren hier an einer Wohnung mit Namensschild an der Tür und drinnen wartete ein offensichtlich großherziger Mensch, der eine Obdachlose bei sich aufnimmt. Also was soll passieren?

„Du, des is‘ jetzt voll scheiße: Der Marcel ist nicht da und von dem wollte ich doch das Geld …“

eröffnete sie mir, als sie erneut in der Tür stand. Aber um einen Plan war sie nicht verlegen:

„Komm doch kurz rein und schreib mir deine Nummer auf. Dann bezahle ich das morgen. Echt jetzt!“

Jaja, und eine der lila Locken vom Weihnachtsmann gibt es als Trinkgeld dazu, schon klar!

Aber was macht man nicht alles! Ich hatte inzwischen eine Dreiviertelstunde meiner Arbeitszeit verschenkt und zudem würde ich im Gegenzug ja auch ihren Namen notieren können. Das wird schon! Think positive!

Ich betrat die fast unbeleuchtete Altbauwohnung und fühlte mich mit dem Übertreten der Schwelle umgehend unwohl. Ich mag Altbauten nicht sonderlich, aber mit fahlem Licht und miserabel zusammengestellter Einrichtung wirkt das auf mich immer gleich wie eine Fabrikhalle oder ein Steinbruch. Beides keine Orte, in denen ich leben könnte.
Sie verschwand kurz im nur von einem Fernseher beleuchteten Wohnzimmer, einige beschwichtigende Worte flüsternd, kam dann wieder in den Flur und bat mich, die Küche zu betreten. Rissiges Linoleum am Boden, Kühlschrank aus den 80ern, ansonsten Ordnung und Sauberkeit. Eine einzelne leere Bierflasche auf der Fensterbank. Und das Licht ging nicht an. Die folgenden drei Minuten suchte meine Mitreisende in dem nur vom Flur aus notbeleuchteten Raum nach einem Stift, konnte aber keinen finden. Nicht in diesem Kästchen, nicht in jener Schublade.

„WAS IS!? WILLSTE JETZT AUCH NOCH DEN KÜHLSCHRANK LEERFRESSEN?“

polterte es in martialischer Lautstärke aus dem Wohnzimmer. Stimme, Tonfall und Genuschel ließen vor meinem inneren Auge einen voll sympathischen Kerl erscheinen: Zwei Meter groß, 50 Kilo Übergewicht, Glatze und 17 Bier intus. Na, was für eine heitere Gesellschaft!

„Nee, ich such nur’n Stift!“

„IM KÜHLSCHRANK, ODER WAS?“

Meine Fresse!

Letztlich war ich es, der zufällig einen Stift sichtete, und kurz darauf verlangte ich ihren Ausweis.

„Hab ich nicht mehr.“

„Irgendwas anderes?“

„Nix …“

Dass die Sache gelaufen ist und ich mein Geld nicht sehen würde, war klar. Von ihr konnte ich keinen überprüfbaren Namen bekommen und die Wohnung gehörte ihr ganz offensichtlich auch nicht. Obwohl ich damit drohte – für den Fall, sie rufe nicht an – stellte ich es mir erbärmlich vor, wie ich tags drauf mit den Cops vor der Tür stände und irgendein misanthropischer Hool brüllen würde:

„WAT’N WEIB? KENNICK NÜSCHT!“

Eine knappe Stunde Arbeits- und Lebenszeit waren das. Zur Entschädigung standen 25,80 € auf dem Taxameter und ich werde sie nie sehen. Denn natürlich hat sich die Frau nicht mehr gemeldet und sie wird es auch nie tun.

Ich habe gestern mit einem Kollegen am Stand gesprochen, der mir ein paar Jahre und damit ein paar Fehlfahrten voraus hat. Er hat mir gesagt, dass er das inzwischen lockerer sehe. Jeder müsse mal einstecken und den Ärger sei es eigentlich nicht wert. Und dass er nach Möglichkeit den Leuten immer folgendes mitgibt:

„Ich kann an der Situation jetzt nichts ändern. Ich bin nur ein armer Taxifahrer, der hier nachts auf der Straße versucht, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Sie bezahlen mich nicht für die Arbeit, die ich erbringe, also hab ich ihnen quasi Geld geschenkt. Stellen Sie sich ruhig bildlich vor, sie haben gerade mein Portemonnaie geöffnet und sich 25 € rausgenommen. Sehen Sie es als Spende von jemandem, der auch nur versucht, seine Miete zu bezahlen!“

Ein wenig theatralisch, wenn Ihr mich fragt. Aber der Kollege fügte, erstaunlich regungslos, hinzu:

„Und immerhin zweimal bisher hab ich dafür ein ‚Danke!‘ erhalten.“