Mitten im Wald …

Nein, ok, ganz ehrlich: es war nicht mitten im Wald. Aber es sah für mich so aus.

Ich war im Urlaub. Und wenn ich im Urlaub bin, dann neige ich dazu, mich in Situationen zu begeben, in denen ich ein Taxi brauchen könnte. Das kam bei mir mit der Zeit. Irgendwann lernt man, dass Taxen einen aus jeder Ecke wieder heimbringen. Kostet im Notfall halt mal einen Zehner mehr. Den hatte ich am vergangenen Sonntag glücklicherweise. Ich hab Urlaub bei der Familie gemacht und das hatte wie so oft zur Folge, dass ich kaum dazu gekommen bin, Geld auszugeben. Egal, wie groß der Blödsinn war, am Ende blieb mir für den letzten Abend reichlich Geld.

Das ließ sich selbst in der Kneipe nur schwer ändern – bei einem Bierpreis von 1,45 € kein Wunder. Glücklicherweise bin ich erst auf ein paar gute Dartspieler getroffen, gegen die ich bei guter Laune ein paar Getränke verlieren konnte; dann auf eine Truppe, die wahrscheinlich nicht halb so verstrahlt war wie ich an dem Abend. Aber ausgerechnet nach der Wahl neben meiner Familie mit lauter Leuten rumzuhängen, die sich nicht für Politik interessierten, war ziemlich deprimierend. Und just als die Kneipe dabei war zu schließen, stand plötzlich eine Truppe eher alternativ aussehender Gestalten in der Tür, um noch ein oder zwei Dinge mitzunehmen. Nachdem ich erst einmal einen ausgegeben hatte und mir sicher war, dass es nicht bloß ein paar Nazis in schlechter Verkleidung waren, hab ich eine Großladung Bier geordert und mich den Jungs angeschlossen.

Mit zwei Taxen sind wir dann irgendwohin gefahren, wo ich noch nie zuvor gewesen bin (Kunststück in einer mir weitgehend fremden Stadt bei Nacht), woraufhin ich über Stock und Stein durch den tiefsten Wald (der wie oben angeschnitten wohl nicht so wirklich tief war) zu einer Wagenburg, bzw. eher Wagensiedlung geleitet wurde, wo ich die nächsten Stunden bei amüsanten Unterhaltungen und guter Musik bei schummrigem Licht in einem Bauwagen mit echt total netten Leuten verbracht habe. OK, lange Rede, kurzer Sinn:

Am Ende wurde mir in den frühen Morgenstunden bewusst, dass ich irgendwie – egal wie prall ich auch bin – heim sollte. Eigentlich wollte ich sogar früh aufstehen … nur war ich mitten im (tiefsten, jaja …) Wald. Also haben mir zwei der Jungs ein Taxi gerufen und sind mit mir im Dunkel der Nacht zu einer Lichtung gewankt. Und was soll ich sagen: Da stand dann nach 5 Minuten auch ein Taxi. Ein echtes. Nur nicht in hellelfenbein, aber das ist in Niedersachsen ja so üblich.

Ich hab mir für einen Moment überlegt, was ich mir wohl denken würde, wenn ich der Taxifahrer wäre: Ein Haufen nur so mittel vertrauenswürdiger Leute bestellt mich in den Wald, und dort setzen sie mir einen schwarz gekleideten und ziemlich betrunkenen Typen ins Auto. Zwei Meter groß und zumindest mal nicht mehr ganz dicht wirkend. Dem Dialekt nach auch noch Tourist.
Ich hätte natürlich das Gleiche getan wie der Kollege: Er hat mich freundlich begrüßt, mir den Sitz zurückgestellt und das Taxameter angeschaltet. Besser so eine Tour als gar keine!
Und dann kam der Moment, wo mir klar wurde, dass ich gar nicht im Wald bin. Binnen einer Minute nämlich waren wir wieder in bewohntem Gebiet. Während der Kollege mir sanftmütig erklärte, dass das „hier draußen eigentlich alles nette Jungs“ seien, standen wir quasi schon vor der Türe. Zu einem Preis, für den ich in Berlin nur vom Ostbahnhof zum Berghain fahren würde …

Hatte ich eingangs erwähnt, dass ich noch ein paar Euro über hatte? Die hatte ich ab da nicht mehr. Und irgendwo in Cux rennt jetzt ein Taxifahrer rum und erzählt ungläubigen Kollegen, dass er über 100% Trinkgeld von einem betrunkenen Touristen bekommen hat, der gemeint hat:

„Ihr habt aber echt einen beschissenen Tarif hier oben …“

🙂

10 Kommentare bis “Mitten im Wald …”

  1. Quacki sagt:

    HAHA! Großartig. Du hast den Kollegen wirklich im Ungewissen gelassen? Ist natürlich klar, dass das die lustigere Option ist 😉 Vielleicht bekommt ja der CUX-Taxiblogger das raus, welcher Kollege das war.

  2. Daniel sagt:

    Warst du in Cuxhaven unterwegs und in der Kneipe Hexenkessel ?

  3. Landei sagt:

    Ich sollte das mit dem Taxi nur so aus Spaß an der Freude doch mal versuchen. Fragen, die zu klären wären: Kommt überhaupt eins hier raus gehfahren – und wenn ja, wie lange braucht es? 😀

  4. SaltyCat sagt:

    @landei: die erste Antwort ist aller Voraussicht nach ja. und die dritte Frage lautet, wieviel Anfahrt wird man dir berechnen? (bevor jemand aufschreit: eigene Erfahrung beim Rufen eines Taxis zum Kreuzberg)

  5. Sash sagt:

    @Torsten Bentrup:
    Du warst nicht dabei, also grins nicht so! 😉

    @Quacki:
    Ach, kann schon sein, dass ich was gesagt habe. Aber großes Thema war es nicht …

    @Daniel:
    Wohnst Du in einem Bauwagen oder spionierst Du mir nach? 😉

    @Landei:
    Klappen wird das sicher. Bei schwierigen Adressen könnte es halt zu mehrfachen Nachfragen kommen. Sonst ist – wie SaltyCat ja auch schreibt – alles eine Frage des Preises und der Zeit …

  6. Landei sagt:

    Also sollte ich zumindest keins rufen, wenn ichs eilig habe… 😉 und das „h“ bei gefahren sollte da natürlich nicht hin *ups*
    Falls es also mal soweit kommen sollte – ich werde berichten.

  7. Taxi 123 sagt:

    Sash, wenn Du öfter 100% Trinkgeld gibst: Hier in der Provinz ist der Tarif auch nicht wirklich schön und einen Wald finde ich für Dich schon! 😉

  8. nadar sagt:

    Sehr hübsch!
    *überallevierbackengrins* 😉

  9. Daniel sagt:

    Also einen Bauwagen habe ich nicht (leider) und dir nach spioniert habe ich auch nicht 😉

    Aber den Angaben zufolge ( Kneipe mit güntsigem Bier ) könnte es der Hexenkessel gewesen sein.
    Ich arbeite im Zugbegleitdienst und wir fahren Cuxhaven an und ab und zu lauf ich mal in meiner Pause beim Hexenkessel vorbei.

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