Das mit dem Lohn …

(und andere Kleinigkeiten)

Abgesehen von Selbständigen und dubiosen Schneeballsystem-Betreibern sind Taxifahrer ja eine recht seltene Gruppe von Leuten, die ihren Lohn auf Provisionsbasis beziehen. Das ist nicht überall so und wird sicher auch nicht auf ewig so bleiben, aber derzeit ist das in Berlin eben das Modell der Wahl.

(Ich persönlich bin froh drum, aber ich hab es auch nicht so schwer wie viele Kollegen)

Naja, es war also Donnerstag. Der letzte Donnerstag natürlich. Ich habe mir mal wieder – wie so oft – kein Zeitlimit gesetzt, sondern wollte einen bestimmten Umsatz einfahren, damit es mir auf das reicht, was am Monatsende rausspringen soll für mich. Im Prinzip kommt es da zwar auf ein paar Cent nicht an, aber ich hab nunmal eine Art Statistik-Fetisch. Oder so. Ich wusste jedenfalls, dass ich an diesem einen ganz speziellen Donnerstag noch 7,70 € brauchen würde.

Und als mir am Kater Holzig dann endlich Fahrgäste einsteigen, realisiere ich, dass die Tour zum Matrix geht. Das könnte zu wenig sein. Allerdings nur, wenn man – wie so oft, ich geb’s ja zu – die illegale Abkürzung nimmt und gleich links in den Warschauer Platz abbiegt. Aber ich hatte nette, verständnisvolle Kundschaft, die das nicht verlangt hat. Am Ende der Tour standen auf dem Taxameter tatsächlich haargenau 7,80 €. 10 Cent mehr als „benötigt“.

Na, krasse Scheiße! Ich wollte eh um die Zeit rum Feierabend machen!

Natürlich ist mir aber nicht entgangen, dass binnen der paar Sekunden, die meine Fahrgäste zum Ausstieg benötigten, bereits drei Taxis besetzt von dort weggefahren waren. Und jetzt standen nur noch zwei da …

Also hab ich mich, irgendwie schweren Herzens, auch noch dort angestellt. Und: Tada! Meine Kundschaft hatte ich keine anderthalb Minuten später. Einmal zum Oranienburger Tor. Nun aber heim!

In der Torstraße dann Winker zur Samariterstraße. Nun aber heim!

Kurz darauf Winker bis in den Weitlingkiez. Nun aber … naja, dann auch wirklich heim!

Es war nur eine Stunde, die mich das Ganze gekostet hat. Der Umsatz war verhältnismäßig bombig. Die Stunden davor lag er bei einem Drittel davon, wenn überhaupt. Und schon kam mir die Schicht nicht mehr doof vor, schon war mein Stundenlohn wenigstens ansatzweise dort, wo gemeinhin ein Mindestlohn hingehört. So kann es gehen, so sollte es öfter gehen, so ist es aber leider nur selten.

Wenn ich als Taxiblogger mich genötigt sehe, sowas niederzuschreiben, dann denkt mal über die Stunden nach, in denen es nicht so läuft!

3 Kommentare bis “Das mit dem Lohn …”

  1. highwayfloh sagt:

    Hier ist der Unterschied zum Taxi zum LKW:

    Ich hatte vor zwei Wochen mal wieder unseren „Pseudo- Aushilfs-Disponenten“ … da war schon am Morgen der Tag gelaufen… Leerkilometer (gute Hundert) gefahren für nichts und wieder nichts und dann zum wohlverdienten Feierabend noch eine „dringende“ Nah-Fahrt aufs Auge gedrückt bekommen… die auch am nächsten Tag regulär hätte erledigt werden können…

    Schichtzeit war dann so ca. 12 Stunden (gutmütig gerechnet)…

    Allerdings hab ich dann am nächsten Tag entsprechend später angefangen…. seh ich nicht ein, dass ich mich verar**en lassen muss…

  2. Chris sagt:

    Ob Taxi-Fahrer, Kellner, Zimmermächen, Kurierfahrer und und und – Leute geizt nicht mit Trinkgeldern! Letztendendes gehts einem nur gut, wenns allen gut geht! Das ist eine wichtige Form der Anerkennung. Serviceorientierte Menschen müssen belohnt und motiviert werden so zu bleiben!

  3. Sash sagt:

    @highwayfloh:
    So isses mir damals im Behindertenfahrdienst auch öfter mal gegangen. Da waren die Schichtpläne übelst fragmentiert. Mit der Zeit hat man das in sein Leben eingebaut. Ich hatte zum Beispiel morgens eine zweistündige Tour und dann vier Stunden Pause. Unbezahlt. Ich bin oft erst um 2 oder 3 Uhr ins Bett und hab dann nach der Tour nochmal zwei Stunden gepennt. War auch toll, wenn dann der Anruf kam: „Könnten Sie vielleicht aushilfsweise in 10 Minuten da und dort sein?“
    Und, nicht zu vergessen: Mein Lieblings-Freitag. Mit Arbeit von 7 – 9 Uhr, 12 – 14 Uhr, 16 – 19 Uhr, 20 – 21.30 Uhr und 22.30 – 24 Uhr.
    Man muss aber ehrlich sagen, dass ich mir die Abendtour freiwillig aufgehalst hab.

    @Chris:
    Stimme Dir (natürlich! 😉 ) zu. Wobei es schon auch schade ist, wenn es das Trinkgeld erst zur Motivation bedarf.

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