Prozentuales

Nette Fahrt, gerne wieder – das könnte man über die kurze Tour vom Berghain zum Watergate sagen. Und lange gewartet hatte ich auch nicht darauf. Auf der Uhr standen 6,40 € – das übliche Klein-klein kurz nach Eintrittsbeginn. Da steigen einem nur Leute ins Auto, die nicht reingekommen sind und jetzt zu einem anderen Club ums Eck fahren. Neben ein paar Enttäuschten, die gleich ins Hotel sind (enttäuscht sind irgendwie immer nur Touristen, hab ich das Gefühl) war die einzige Ausnahme ein trotziger Typ, der allen Ernstes gemeint hat, er gehe dann jetzt eben in seiner Lieblingsabsturzkneipe in Weißensee die Sau rauslassen, da sei es „genauso lustig“ …

Nun aber kurze Tour, 6,40 €.

Ich war etwas überrascht, als mir meine Kundin 6,70 € in die Hand gedrückt hat. Niedrige Trinkgelder sind ja nicht selten – aber auf schiefere Beträge als 50 Cent runden wirklich nur ganz wenige auf. Die Erklärung kam umgehend:

„Ich geb immer 5%. Ich hab aber heute kein Kleingeld mehr …“

Damit hat sie wahrscheinlich die fehlenden 2 Cent gemeint, um die 5% vollzumachen.

Drücken wir’s mal diplomatisch aus: Wenn jemand es nötig hat, das Trinkgeld ernsthaft auf 2 Cent genau zu berechnen – dann kann ich’s eigentlich schon aus Gewissensgründen nicht annehmen. Und aus Mangel an Rotgeld im Portemonnaie könnte ich auf 5 Cent ja nicht einmal rausgeben! Das ist eine mittelschwere Tragödie, mindestens!

Gesagt hab ich natürlich nur „danke“.

35 Kommentare bis “Prozentuales”

  1. Marcel sagt:

    Trinkgeld, das ist für viele leider immer noch ein Fremdwort. In vielen Ländern ist jedoch der Tip bereits in die Rechnung integriert. In Prag z.B.

    Ich vermute auch, dass viele deshalb denken das Trinkgeld sei schon in der Rechnung enthalten.

    Ich geb immer was, auch bei Kurzstrecke.

    VG!

  2. hrhrurur sagt:

    @ Marcel

    Vorweg, ich gebe im Taxi, im Restaurant, usw immer Trinkgeld, wenn ich zufrieden bin. Bei meiner Lieblingsbäckereifachangestellten auch, wenn es passt und wenn ich ihn mal seh auch dem Müllmann und so.

    Trotzdem finde ich nicht, dass ich in irgendeiner Form dazu verpflichtet bin. Eigentlich sollte ich dem Chef genug bezahlen, damit er dann seine Leute anständig bezahlen kann. Wenn er das über ein Grundgehalt plus Umsatzprämie macht, ist das mit Verlaub seine Sache. Er kann seine Leute gerne mit 5% oder was der Schnitt so hergibt prämieren. Ich finde das Prinzip Trinkgeld grundsätzlich nicht so geil. Beim Hoeneß wird sich über Steuerhinterziehung aufgeregt und beim Trinkgeld(das ja im Gesamten auch keine kleine Summe ist) juckt es niemanden, wenn das nicht versteuert wird. Sowas hasse ich.

  3. ein Matthias sagt:

    Nun, dass in Prag von den Taxifahrern so einiges in die Rechnung integriert wurde, ging ja vor einigen Jahren oft genug auch durch die hiesige Presse.
    Da hat vermutlich die Stadt ganz gewaltig Einfluss genommen, um sich ihren Ruf bei den Touristen nicht weiter zu beschädigen.

    Überhaupt finde ich ein bereits in die Rechnung eingepreistes Trinkgeld etwas widersinnig. Da kann man doch den Taxitarif gleich so gestalten, dass auch etwas beim Fahrer hängenbleibt.
    Ein obligatorisches Trinkgeld ist kein Trinkgeld mehr.

    Diesen ‚Brauch‘ gab/gibt es auch auf Kreuzfahrtschiffen. Da war im Kleingedruckten ein quasi obligatorisches Serviceentgeld (meiner Erinnerung nach 7 Euro je Nacht) aufgeführt. So konnte man besser mit 399,- (oder so) werben.

  4. breakpoint sagt:

    „Wenn jemand es nötig hat, das Trinkgeld ernsthaft auf 2 Cent genau zu berechnen“
    Es zu berechnen ist ja etwas anderes, als dann tatsächlich exakt den berechneten Betrag zu geben.
    Und 64 zu halbieren, ist weder Kunst noch Aufwand.

  5. hrhrurur sagt:

    @Mathias:

    Eingepreistes Trinkgeld wird mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit versteuert… Ist aber letztlich eine mehr oder weniger versteckte Preiserhöhung.

  6. Radfahrerin sagt:

    Ich hab generell ne Frage dazu. Warum gibt man Prozentual Trinkgeld? Wenn ich länger im Café saß, aber nur einen Kaffee hatte, geb ich zum Ausgleich eher mehr Trinkgeld. Wenn ich sowieso viel Geld in dem Laden lasse, gebe ich weniger Trinkgeld.

    Bei Taxifahrten genauso. Wenn die Tour länger ist, verdient der Fahrer ja eh schon mehr dran, als wenn die Tour kürzer ist. Also gebe ich bei kurzen Touren eher auf den übernächsten Euro Trinkgeld oder runde auf den 10er auf. Bei langen Touren aber eher auf den nächsten Euro.

    Ist das nicht viel logischer?

  7. Marco sagt:

    @Radfahrerin: Meine Erklärung für das prozentuale Trinkgeld (die muss nicht richtig sein oder jedem einleuchtend sein):

    Im Café: Das Trinkgeld ist ja für die Bedienung. Die hat mit einem Kaffee recht wenig Arbeit (unabhängig davon, wie lange ich dafür den Platz blockiere), bekommt also recht wenig Trinkgeld. Wenn ich mehr bestelle, muss sie öfter laufen und kriegt mehr Trinkgeld. Damit ist natürlich nicht erklärt, warum nach der Prozent“regel“ in einem hochpreisigen Restaurant mehr Trinkgeld gegeben wird. Das ist höchstens damit zu erklären, das dass Trinkgeld evtl. doch nicht alleine für die Bedienung ist, sondern das gesamte Personal inkl. Küche sich die Trinkgelder teilt. In einem hochpreisigen Lokal steckt tendentiell auch ein höherer Gesamtaufwand hinter dem Zubereiten und Servieren der Speisen.

    Im Taxi: Naja, In Berlin (und anderen Städten mit umsatzabhängiger Bezahlung) ist das so. Bei Stundenlohn verdient der Fahrer gleichviel, bzw. er ist halt mit einer längeren Tour länger blockiert. Wenn er dann noch weniger Trinkgeld für die längere Tour kriegt, ist er doppelt gekniffen.

    Wie gesagt, keine zwingend logische Erklärungen. Wahrscheinlich ist die richtigste Erklärung: Weil es sich so eingebürgert hat.

  8. Carom sagt:

    @Radfahrerin:
    Was Marco sagt, und weil „plus 10% und dann auf den nächsten Euro (bei größeren Beträgen auf den nächsten 10er) aufrunden“ durch langjährige Übung fehlerlos und reflexschnell funktioniert. Sag mir einen beliebigen Betrag zwischen 1 und 1000 Euro, und ich sage Dir innerhalb einer Sekunde den Betrag mit Trinkgeld nach meiner Regel.

  9. Falcon030 sagt:

    @:hrhrurur „und wenn ich ihn mal seh auch dem Müllmann“
    Lustigerweise (oder eigentlich unschönerweise) darf genau der zumindest hier in Berlin nichts mehr annehmen (und hält sich da auch dran), obwohl ich jemandem, der bei Wind und Wetter dafür sorgt, dass mir und allen anderen Berlinern buchstäblich die Scheiße nicht bis zum Hals steht, als allererstes ein entsprechendes Tinkgeld geben und gönnen würde…

  10. Sam sagt:

    @hrhrurur:
    Tatsächlich sind die wenigsten Leute bereit, das Geld zu zahlen, dass man nehmen müsste, um Angestellte angemessen zu entlohnen.
    Der Mindestlohn für Angestellte in der Gastronomie liegt aktuell bei 8,50 € (Brutto), macht bei 40 Stunden/ Woche etwa ein Gehalt von 1500 Euro. Macht also irgendwas zwischen 1000 und 1100 Euro im Monat. Das ist (insbesondere, wenn man bedenkt, dass man eben nicht befördert werden kann, um somit mehr zu verdienen) nicht wirklich viel. Vor allem, weil viele Festangestellte meiner Erfahrung nach Alleinverdiener und -erzieher sind. Wolltest du vernünftiges Geld bezahlen, müsste das schon das Doppelte sein. Gehälter und Löhne machen zwischen einem Drittel und einem Viertel des Preises aus. Aus der 0,3l Cola für 2 Euro würde also die 0,3l Cola für 2,50€-2,70€ werden. Eine solche Preiserhöhung können sich nur sehr ausgesuchte Gastronomien leisten, ohne daran einzugehen, weil die Gäste ganz wegbleiben.
    Mit halbwegs spendablen Gästen kann man aber pro Arbeitsstunde nochmal 1,50€- 3,00€ machen (wenn man gesammeltes Trinkgeld durch alle teilt, also auch Köche etc., tut man das nicht, natürlich noch mehr, erhöht aber wieder die Personalkosten, weil der Koch kein Trinkgeld kriegt, aber auch nicht so viel weniger am Ende des Monats in der Tasche haben will als der Rest). Der Arbeitgeber (der oft auch nicht mehr verdient als seine Angestellten) wird entlastet, somit indirekt auch die Gäste, zeitgleich kriegen die Angestellten wenigstens einen halbwegs fairen Lohn und im Idealfall haben dabei alle ein gutes Gefühl (der Gast zeigt, dass er sich wohl gefühlt hat, der Arbeiter weiß, dass seine Arbeit geschätzt wird und der Arbeitgeber sieht auch nochmal was von dem Geld, für das er arbeitet).

    Natürlich gibt es Unternehmen, die ihren Angestellten aus reiner Habgier wenig bezahlen. In klassischen Niedriglohnbereichen wie Gastronomie, Taxi, etc. ist es doch aber oft eher so, dass nicht mehr gezahlt werden kann, wenn der Arbeitgeber ebenfalls etwas von dem Geld sehen will, für das auch arbeitet. Und natürlich wirken 50 oder 70 Cent mehr erstmal nicht schlimm, summiert sich über den Abend aber auch. Und wenn die Gäste nur noch 4 statt 5 Getränken nehmen, um die Preiserhöhung abzufedern, verdient der Arbeitgeber weniger als vorher, weil die Preisdifferenz komplett in den Lohn der Angestellten wandert.

    Das ist leider alles nicht so einfach, wie man sich das manchmal wünschen würde.

  11. elder taxidriver sagt:

    Der Gedanke von ‚Radfahrerin‘ ist gar nicht schlecht, dass sie nämlich bisschen mehr gibt wenn sie lange im Café saß und nur eine Tasse Kaffee getrunken hat und eher weniger, wenn sie per se schon eine hohe Rechnung hat.

    Ich glaube Anton Kuh berichtet, dass es in den Wiener Caféhäusern , auch in Berlin, geduldet wurde von den Kellnern, wenn die armen Schlucker die die Schriftsteller oft waren, sich stundenlang bei einer Tasse Kaffee aufhielten, wenn sie dann beim Bezahlen das Trinkgeld für den Betrag den sie eigentlich verzehrt haben müssten, gegeben haben.

  12. Joey sagt:

    @Sam:
    Du hast eine eigenwillige Vorstellung von „angemessen bezahlen“. Für eine Tätigkeit, die nun wirklich keine Qualifikation ausser einem starken Arm um das Tablett zu tragen erfordert (und die daher auch so gerne von Schülern, etc. als Aushilfsjob gemacht wird) ein Gehalt von 3000 Euro?? Was ist mit den anderen „Geringverdienern“, die immerhin dafür eine Lehre machen, z.b. als Frisör? Sogar die „reichen“ Ärzte kriegen nicht besonders viel mehr als „Mindestlohn“/Einstiegsgehalt (haben zugegebenermassen aber nach oben mehr Potential), und die sind doch „etwas“ qualifizierter… Die Relationen müssen natürlich weiterhin stimmen, also einfach alles verdoppeln? Natürlich entsprechend auch die Preise, dann bleibt davon doch nix hängen…
    Ich finde auch, dass man als arbeitende Bevölkerung ein höheres Einkommen haben sollte, als in Sozialhilfe/Hartz4/etc. und das „Aufstocker“ (bei einer Vollzeitstelle) nicht sein sollten. Aber gerade in „qualifikationslosen“ Berufen ist ein Mindestlohn so extrem drüber bestimmt nicht sinnvoll. Wie du ja schon selber schreibst, muss dann der Arbeitgeber die Preise entsprechend steigern, und letztlich kannst du dann von deinem höheren Lohn doch nicht mehr kaufen. Mit dem Trinkgeld besteht zumindest eine Möglichkeit, gute Leistung aus Kundensicht zu belohnen, und wer eine schlechte Dienstleistung abliefert, kriegt halt nix. Was spricht dagegen, dass die Leute, die gerne mehr verdienen möchten, sich halt entsprechend zu qualifizieren müssen?
    Ob jemand Alleinverdiener, oder Alleinerzieher ist, sollte auf das Gehalt natürlich auch keinen Einfluß haben, die Leistung macht’s…

  13. OpaUnger sagt:

    Simpler Verhörer? Fünf Prozent/Fünfzig Cent

    Früher gab’s auch Leute, die aus gutem Grund schnell und nuschelig „Drei Liter“ gesagt haben.

  14. Taxi 123 sagt:

    @Joey: Leistung hat in diesem System absolut nichts, aber auch garnichts mit der Bezahlung zu tun. Sonst würden nämlich die Leute, die alles am Laufen halten deutlich mehr verdienen müssen. Wenn der Manager einer Firma Mist baut, geht er mit großzügigen Abfindungen zur nächsten, aber der Arbeitnehmer, der die ganze Zeit die Leistung gebracht hat, steht auf der Straße.

    Ansonsten: Sash! Da kann jemand rechnen und will das auch zeigen. 🙂

  15. hrhrurur sagt:

    @Sam: 2,70 zahlst du hier für ne Cola nur bei Mäckes. Dönerbude ist billiger, Restaurant teurer. Absolute Gastronomiepreise nennen geht meistens mach hinten los in überregionalen Gesprächen.

    Ich verstehe deine Argumente, drum gebe ich ja auch Trinkgeld. Aber das System mag ich trotzdem nicht.

  16. Joey sagt:

    @taxi123: Naja, mag sein, dass bei manchen „Managern“ die Proportionalität etwas verloren gegangen ist :-). Andererseits ist die tatsächliche „Leistung“ der Manager, halt auch von aussen nicht immer so richtig gut zu beurteilen. Vielleicht sind den Eigentümern einer Firma einfach andere Eigenschaften bzw. Leistungen der Manager wichtiger, als ein Mitarbeiter das für wichtig hält? Aber natürlich hat Bezahlung grundsätzlich mit Leistung, bzw. Qualität zu tun. Und insbesondere in den unteren Stufen der Hierarchie, worauf sich die Diskussion, die ja vom Mindestlohn ausgeht, bezieht, ist der Zusammenhang doch glasklar.

    Die Untergrenze sollte Hartz4/Sozialhilfe sein, das reicht zum überleben für diejenigen, die das selbst nicht erarbeiten können (bei einigen leider auch nicht wollen). Jemand der seinen Lebensunterhalt mit Arbeit selbst verdient, sollte da auf jeden Fall drüber liegen, wie gesagt, „Aufstocker“ halte ich für ein Unding, insofern bin ich nicht gegen einen Mindestlohn.
    Aber natürlich sollte jemand in einem Beruf ohne wesentliche Qualifikation (z.B. Straßenreiniger, Raumpfleger, Kellner, etc.) weniger verdienen, als jemand mit Ausbildung (Frisör, Krankenschwester), und die wieder weniger, als spezialisierte/weitergebildete Ausgebildete, etc. Und am oberen Ende stehen dann halt die „Hochqualifizierten“, sagen wir Facharzt, oder so. Alles immer noch auf der Hierarchiestufe der „Nicht-leitenden“ Angestellten.
    Natürlich nimmt die Anzahl der Leute, die den jeweiligen Beruf potentiell gut machen können, nach oben hin ab; die meisten Fachärzte könnten putzen gehen, aber wieviele Raumpfleger haben das Zeug, Facharzt zu werden? Ein paar bestimmt, aber sicher nicht die ganz große Masse. Da macht natürlich auch das Angebot den Preis.

  17. hrhrurur sagt:

    @ Falcon030

    Trinkgeld seh ich da ehrlich gesagt nicht immer nur monetär. Im Hochsommer hat bei mir noch niemand ein Eis ausgeschlagen und mein Lieblingsschaffner(Zugbegleiter klingt so förmlich, der Typ ist aber echt nett) steht schwer auf Lakritz und freut sich über eine ganz bestimmte handgemachte extra für ihn mitgebrachte Tüte mehr als über den Fünfer, den er sonst bekommen hätte und den das Naschzeug gekostet hat. Besser als der obligatorische Schein zu Weihnachten. Und man kriegt viel mehr Freude zurück.

  18. Volker sagt:

    Entschuldigt bitte, dass ich mich hier mal einmische. So sehr ich mit den vorhergesagten Meinungen übereinstimme ist mir doch etwas aufgestoßen was ich gerne richtigstellen möchte.

    Auch Joey, Sie haben mit vielem recht was sie anmerkten. Aber, Zitat:

    Joey sagt:
    Aber natürlich sollte jemand in einem Beruf ohne wesentliche Qualifikation (z.B. Straßenreiniger, Raumpfleger, Kellner, etc.) weniger verdienen,

    Der Kellner, die richtige Bezeichnung ist Restaurantfachmann/Frau ist ein Beruf für den man doch noch ein bisschen mehr lernen muss als die Tasse Kaffee an einen Tisch zu bringen.
    Für Leute die das interessiert hier mal ein Link :

    http://www.ihk-siegen.de/fileadmin/Geschaeftsfelder/Aus_und_Weiterbildung/Ausbildung/Ausbildungsplan/Restaurantfachmann.pdf

    Das ändert trotzdem nichts daran, dass diese Leute schlecht bezahlt werden wenn sie nicht das Glück hatten in einem Betrieb zu arbeiten der vernünftige Löhne zahlen konnte.
    Freundliche Grüße
    Volker

  19. ez sagt:

    Ich muss mich jetzt auch mal einmischen.

    Ich habe knapp 10 Jahre in einem sehr Trinkgeldabhängigen (~30%) aber auch angemessen bezahlten Nebenjob gearbeitet – und bei uns im Team war immer die sehr strtikte Maxime: „jedes Trinkgeld ist gutes Geld, für welches wir dem Kunden danken!“
    Wir haben uns da auch nicht über Rotgeld mokiert, da auch das in Summe besser war als kein Trinkgeld. Erst als ich nicht mehr in dem Job tätig war, habe ich mitbekommen, dass sich andere Gruppen der Trinkgeldabhängigen Berufe über gerigens Trinkgeld mokieren bzw. in meiner Heimatstadt in der Gastro z.T. als „das habe ich nicht nötig“ verschmäen – oder sich später im Kollegenkreis darüber lustig machen in der art „hätte dann doch besser gar nichts gegeben“.

    Ich verstehe das nicht.

    Der Kunde muss den Rechnungsbetrag zahlen – wenn er das tut, ist er ein Arsch.
    Wenn er wenig Trinkgeld gibt, ist er ebenfalls ein Arsch, meist noch über obigem, welchem man Unwissen andichten kenn.
    Wenn er wie im Ausgangsbeitrag begründet, wieso wenig gegeben wird, ist es ebenfalls negativ.
    –> also ist ein „guter Kunde“ nur, wer mindestens durchschnittlich Trinkgeld gibt.

    Ich finde das armselig.
    Was bricht einem Dienstleister ab, wenn ein geringes Trinkgeld mit einem Lächeln angenommen – und dannach wenn der Kunde weg ist die Klappe gehalten – wird?

    Wir hatten damals noch eine andere Maxime, welche von der Teamleitung äußerst strikt durchgesetzt wurde:
    „Niemals den Kunden spüren lassen, dass Trinkgeld erwartet wird!“

    Das Gesamtverhalten hat zu äußerst erfreulichen Trinkgeldergebnissen geführt.

  20. Sash sagt:

    Ui, gleich eine Trinkgeld-Mindestlohn-blakeks-Diskussion …
    Werd kaum zu allen was sagen können, aber:

    @hrhrurur:
    Ja, toll ist das System nicht, das darauf aufbaut, dass man Arbeitnehmer quasi als Pflicht noch zusätzlich finanziert. Ich hätte das Trinkgeld auch lieber auf dem Lohnzettel, denn trotz der Steuerfreiheit ist das ein Teil meines Einkommens, für das ich kein ALG, keine Rente – ja, noch nicht einmal im Urlaub was sehe.
    Auf der anderen Seite fände ich es schön, wenn sich Trinkgeld tatsächlich als nette Geste etabliert – denn egal in welcher Form, es ist immer auch für mich ein Anreiz, gute Arbeit zu machen. Hat im Übrigen den Nachteil, dass es auch nicht funktioniert, wenn die Leute immer dasselbe oder vor allem immer überhaupt welches geben …
    Wie man sieht: Hat alles Vor- und Nachteile.
    Und weil Du es bei Matthias nochmal anmerkst: Dir ist schon klar, dass mein Trinkgeld legal steuerfrei ist? (Ich weiß, nicht bei Selbständigen! Aber pauschal ist da erstmal nix dabei.)

    @ein Matthias:
    Stimme ich zu: Ein fixes Trinkgeld ist nichts anderes als eine versteckte Preiserhöhung bis hin zur Kundenverarsche. Halte ich überhaupt nichts von!

    @breakpoint:
    Man muss es in meinen Augen dennoch nötig haben, es zu berechnen. Klar geht das schnell – aber wozu? 0.o

    @Radfahrerin:
    Ich würde sagen, es ist beides ähnlich logisch oder unlogisch und es kommt immer auf die Geschäftssituation an. Die Fahrer, die z.B. über zwei Stunden am Flughafen warten, bekommen nur eine Tour, wo ich drei kriege. Im Schnitt. Dafür ist ihre Tour dreimal so lang. Nach deinem System haben wir beide gleich viel Gehalt, nur ich hab in 3 Stunden 6 € Trinkgeld, er einen … (das halte ich ungeachtet der Geber tatsächlich für ein stichhaltiges Argument, nicht zum Flughafen zu fahren)
    Ich will’s Dir nicht ausreden, aber es funktioniert pauschal eben nicht besser als andersrum – es hat nur andere Stärken und Schwächen.

    @Falcon030:
    Ich bedauere vor allem die Zivis. Die kriegen einen Mückenschiss an Geld und dürfen für die teils harte Arbeit zumindest offiziell auch nichts annehmen …

    @Joey:
    Die Schwierigkeit ist aber nicht so einfach beiseite gewischt. Niedriglohnjobs sind mitunter die härtesten. Zu sagen: Tja, sobald man eine Ausbildung dafür braucht, kriegt man mehr, wird dem Sozialgefüge hier langsam nicht mehr gerecht. Mir ist schon klar, dass ein Facharzt sich seine ellenlange Ausbildung nicht antun will, um am Ende nicht auch mehr davon zu haben. Und ja, es gibt auch die Leute, die wie ich sagen: Ich nehme das Minus auf dem Konto in Kauf für weniger Stress. Inwiefern das es jetzt rechtfertigt, an den untersten Anforderungen (ein ALG2-Empfänger macht’s ja auch für 3,20€/h) zu messen, was Arbeit wert ist.
    Vor allem, weil wir – und das hoffentlich unbestritten sinnigerweise – die Freiheit haben, uns einen Beruf auszuwählen. Denn theoretisch hätte ich mir ja bereits die Chance verwirkt, über den niedrigen Lohn im Taxigewerbe zu klagen: Ich hab schließlich Abi gemacht und „müsste“ eigentlich was besser bezahltes machen.
    Vielleicht ist es sinnvoll, dass es besonders gut, ja exorbitant gut bezahlte Posten gibt. Dass es einen Bodensatz gibt, halte ich in keinster Weise für zielführend. Und nein, damit meine ich nicht die Grenze zum ALG. Mit Vollzeit-Arbeit sollte man mindestens noch ein Kind oder den Partner zu einem Teil miternähren können – gerade, so lange es irgendwo, tiefgestapelt, Leute gibt, die das zehnfache verdienen.

    @OpaUnger:
    Hmm, interessante Idee. Darauf bin ich auch noch nicht gekommen! 😀

    @ez:
    Da stimme ich im Großen und Ganzen zu. Und ich hoffe mal, Du hast meinen Post nicht als derart albernes Hinterhergemecker verstanden. Kein Trinkgeld ist kein Problem und ich wünsche mir nichts mehr, als dass Kunden das mit dem Trinkgeld endlich mal vernünftig machen: Sprich es denen geben, die es verdient haben und es sich bei den anderen ganz sparen.
    Auf der anderen Seite ist Trinkgeld in einem solchen Job doch völlig selbstverständlich ein Gesprächsthema. Und hier eben z.B. auch. Ich ärgere mich über Kunden nur, wenn sie wirklich irgendwelchen Mist verzapfen, nicht weil sie „die eiserne Regel“ oder was auch immer gerade angesagt sein mag, missachten.
    Aber ich bekomme im Schnitt sehr sehr konstant irgendwas von knapp über 10% Trinkgeld im Monat. Die Kunden, die (geschätzt) 8% und weniger geben, sind absolut in der Minderheit – der Schnitt wird vor allem durch die vielen Touristen und jungen Leute gesenkt, die gar nichts geben. Ich schreibe hier über meinen Alltag und Dinge, die mir auffallen. Da sind 5% Trinkgeld und dazu die potenzielle Option, 2 Cent zur genauen Begleichung zu bekommen, einfach was besonderes. Und, ja: etwas besonders niedriges. Das auszusprechen bedeutet nicht per se eine Herabwürdigung.
    Ich bin einfach verwundert. Und ja: richtig verwundert. Denn ich als Geringverdiener runde meist weit auf und meine gelegentlichen finanziellen Sorgen sind garantiert völlig unabhängig von meinem Verhältnis zu Rotgeld. Ob ich’s verliere, finde, sammele – am Ende sind das Peanuts und ich mache mir als Mensch (nicht mal als Taxifahrer, Dienstleister und Trinkgeldempfänger) einfach Gedanken, wie jemand auf die Idee kommen kann, darum so einen Terz zu veranstalten. Das anders zu sehen, steht natürlich jedem frei – ich wollte nur klarstellen, dass ich mich sicher nicht beschwere. 30 Cent sind 30 Cent mehr als null – die Rechnung ist mir schon auch klar. 🙂

  21. Thomas sagt:

    „Auf der anderen Seite fände ich es schön, wenn sich Trinkgeld tatsächlich als nette Geste etabliert – denn egal in welcher Form, es ist immer auch für mich ein Anreiz, gute Arbeit zu machen.“
    ja… ich bin angestellt (im Süden Deutschlands, Bereich Werbung), komm auf Netto ca. 1200€. Kein Weihnachtsgeld oder Boni oder sonstwas. Da wäre ab und zu mal ein Trinkgeld vom Kunden oder vom Chef ne nette Motivation.
    Aber ich freu mich (ganz ehrlich) auch sehr über nette Worte von zufriedenen Kunden – was durchaus vorkommt.

  22. hrhrurur sagt:

    @ Sash

    Ja, ich weiß, dass es steuerfrei ist, aber genau das finde ich ja so doof… Ohne jetzt jemandem irgendwas nicht zu gönnen. Ich freue mich drauf nach dem Studium wieder Steuern zu zahlen. Und bei meinem angestrebten Beruf wird das tendenziell ein recht hoher Prozentsatz werden. Vielleicht bin ich nicht geldgeil genug für diese Welt, aber trotzdem ist es nicht die Aufgabe des Kunden den Angestellten quer zu finanzieren. Das ist Aufgabe des Chefs entsprechend zu kalkulieren. Wenn ich darüber hinaus was gebe, dann eben wirklich nur, weil ich besonders zufrieden bin. Ich zahle nicht dafür, dass jemand seinen Job macht, davon gehe ich schlicht aus.

    Und wer von mir kein Trinkgeld kriegt, der erfährt auch wieso. Wie soll er sich sonst verbessern?

  23. Ana sagt:

    Ich zahle nicht dafür, dass jemand seinen Job macht, davon gehe ich schlicht aus.

    Und wer von mir kein Trinkgeld kriegt, der erfährt auch wieso.

    Hihi, ich stell mir das grad vor.. „Gute Frau, sie haben Ihren Job zufriedenstellend, aber nicht herausragend erfüllt“

  24. Ana sagt:

    meh, warum steht da, dass ich blockquote benutzen kann, wenn das keine optische änderung bringt? :/

  25. bowser sagt:

    zum thema trinkgeld könnte ich die irrsten geschichten aus der gastro erzählen (gruppen die sich gegenseitig bescheißen und nur durch das gute trinkgeld von einem wurde die rechnung auf +23ct beglichen… )
    ich finde es vorallem in der gastro gerechtfertigt das trinkgeld aufzuteilen (bei mir sind immer mindestens 30% in die küche gegangen-ohne meine spülerin wäre ich oftgenung untergegangen) und das sollte auch so sein, man arbeitet ja schließlich in abhängigkeit.
    an guten abenden bin ich oft nachts noch mit dem taxi heim und hab immer mindestens einen 5er gegeben einfach weil ich profitiert hatte und die netten taxifahrer die ich immer erwischt habe ihre sache gut gemacht haben und sich total gefreut haben.
    anders ist es bei freunden aus der gastro wenn ich bei denen bin runde ich meisten mindesten 1€ + centbetrag auf, die wollten das dann oft nicht (dann lass ichs halt aufm tisch liegen..)

    der trinkgeld rahmen zwischen 5 und 10% ist einfach eine empfehlung zur orientierung für den gast/leistungsnehmer, welche natürlich unter aber auch überbedient werden kann.

  26. kistenfrosch sagt:

    Also über die 5 Cent hätteste echt noch dankbar sein dürfen! Ganz ehrlich. Dafür bekommste im nächsten Kiosk schon einen Kirschlutscher, eine weiße Zuckermaus oder einen Colakracher!! Das muss doch reichen für ne Nachtschicht! Mit gutem verhandlungsgeschick bekommste vielleicht sogar einen Zigarettenstummel vom Obdachlosen deines vertrauens! *ironie wieder aus mach*

  27. hrhrurur sagt:

    @Kistenfrosch

    Für fünf Cent kriegst du hier vielleicht n Gummiteddy, die Sachen am Naschistand gehen erst bei zehn Cent los. Ich bin ein bisschen neidisch…

    @Ana

    Das Zitieren hat geklappt.

    Und es ist eher so, dass es entweder mehr oder weniger viel Trinkgeld gibt oder echt was zu meckern. Ich möchte nicht, dass der Oberkellner seine Mitarbeiterin vor meinen Augen zusammenscheisst, weil sie ihm den Arsch gerettet hat, zum Beispiel. Und das tue ich dann auch kund. In dem Fall sogar in der gleichen Lautstärke wie er vorher und nachdem er angefangen hat sich zu verteidigen auch mit dem Bedauern, dass ich in Zukunft wieder gehen werde, wenn er Schicht hat, weil mir sowas den Abend versaut. Alleine schon, dass er mich nicht bittet etwas leiser zu sein oder sich entschuldigt oder so, sondern direkt auf Verteidigung schaltet, fand ich in der Preiskategorie doppelt blöd. Sowas muss man nicht anstandshalber mit Trinkgeld belohnen.

    Nur um mal ein Beispiel zu nennen.

  28. Daniel sagt:

    Generell: Ich find es auch nicht gut, dass Trinkgeld vorausgesetzt wird.
    Ich hab einen Bürojob – und mir gibt auch keiner Trinkgeld als Motivation, dafür dass ich meinen Job gut mache.
    Ein Taxifahrer hat den Job mich von A nach B zu bringen – warum soll er dafür mehr bekommen als den üblichen Tarif? Einem Busfahrer gibt ja auch keiner Trinkgeld. Generell sollten eher die Löhne so hoch sein, dass keiner auf Trinkgeld angewiesen.

    ABER: Ich kenne natürlich die Realität – und weiß dass viele aus niedrigeren Lohnbereichen auf Trinkgeld angewiesen sind. Daher gebe ich eigentlich auch immer (außer bei ganz schlechten Erfahrungen) in Taxis, Restaurants, etc. Trinkgeld (meist auf den nächsten bzw. übernächsten Euro aufgerundet, bei äußerst positiven Erlebnissen mehr, bei negativen auch mal nichts) – würde es aber dennoch begrüßen wenn sich die Mentalität dahingehend ändert, dass man den Leuten eben ein vernünftiges Gehalt bezahlt, und Trinkgeld eine Ausnahme wird.

    Komme gerade aus den USA zurück – da ist es ja noch extremer – 15% – 20% „Tip“ werden im Restaurant, bei Taxifahrten, etc. erwartetet. Ist dort auch üblich dem Zimmermädchen 1-2$ Trinkgeld zu geben, etc.
    Hab ich dort auch immer gegeben, in der Regel sogar mehr, wann will ja im Urlaub eh nicht auf jeden Cent achten, und vor allem in den Restaurant ist es mir auch wirklich leicht gefallen, da der Serviceunterschied (vor allem in Restaurants) um Welten besser ist als in Deutschland – egal in welchem Restaurant – sobald mein Glas weniger als 1/3 Inhalt hatte kam die Bedienung von sich aus und hat ein neues gebracht bzw. Nachschub angeboten – aber ok, ich schweife ab 😉

    Die Grundbezahlung dort ist aber im Vergleich zu Deutschland noch mieser – und wie gesagt, das System gefällt mir gar nicht, der Kunde sollte den Preis für die Dienstleistung bezahlen der verlangt wird, und für die angemessene Bezahlung der Arbeitgeber zuständig sein.

    Dann noch ne Story zur Bezahlung von Taxifahrern (Zwar fast OT, aber ich denk ist evtl. doch für dich bzw. den ein oder anderen Leser interessant):
    Hab mal in nen Fahrpreisrechner eingegeben was mich die Fahrt zum Flughafen (etwas mehr als 15km ) kosten würde: Ergebnis: Knapp 30 Euro.
    Fand ich etwas viel. Da es ja eine lang im voraus geplante Fahrt war, hab ich mal spaßeshalber bei nem Minicar angefragt. Der bot mir die Strecke zum Festpreis von 20 Euro an – da hab ich dann zugesagt.
    Abholung hat auch pünktlich geklappt. Der Fahrer war auch nett, aber Fahrstil eine Katastrophe (z.B. konsequent auch auf der Schnellstraße immer auf der linken Spur, dafür blieb er konstant leicht unterm Tempolimit, was zur Folge hatte dass er mehrfach Lichthupe bekam und rechts überholt wurde). Mal abgesehen von den Defiziten im Fahrstil und mangelnder Ortskenntnis (was kein Problem war, den Weg konnte ich ihm sagen), wirkte er ganz freundlich, daher hab ich mal dezent nachgefragt ob er eine Ortskundeprüfung ablegen mußte und was er so verdient. Antwort: Ortskundeprüfung hat er nicht, und er bekommt 5 Euro die Stunde – fand ich schon recht schockierend. Ob brutto oder netto hab ich nicht gefragt, wobei das wohl keine große Rolle spielen dürfte. Er sagte aber, im Vergleich zu anderen Jobs die er schon machte sei er wenigstens sozial versichert – und er bekommt auch die Wartezeiten bezahlt.
    Den Wert fand ich schon etwas schockiert – dagegen wirken die Zahlen die du immer postest von deinen Umsätzen ja richtig hoch. Werde wohl künftig auch auf diese Art von Transport verzichten – frage mich aber, wie das legal sein kann – immerhin haben die „euch“ (also Taxis) ja um über 30% unterboten (den Service allerdings auch, ich fahr nicht oft Taxi, aber so nen miesen Fahrstil und mangelnde Ortskenntnis hatte ich bisher bei keinem Taxifahrer erlebt), also versauen die euch ja die Preise, und nehmen euch die eh schon zu wenigen Fahrgäste ab.
    Oder anders gefragt: Warum muß ein Taxifahrer eine aufwändige Ortskundeprüfung machen, warum werden Konzessionen nur streng limitiert vergeben, wenn scheinbar jeder ankommen kann und zum Dumpingpreis ein Minicar unternehmen hochziehen kann?

  29. kistenfrosch sagt:

    @daniel doch das dürfen sie. Das sind ‚Mietwagen mit Fahrer‘ und somit nicht an Taxi Tarife gebunden. Aber hier bei uns müssen auch die eine Ortskundeprüfung machen!! Und haben ebenden nNachteil das sie nicht an halteplatzen stehen und auf Gäste warten können. Die leben also nur von den bestellten fahrten was wohl den miesen verdienst erklärt. Wobei…. ich mit festgehalt im taxi verdiene net viel mehr 😉

  30. Sash sagt:

    @daniel:
    Naja, ich erwähne hier ja auch nicht jede Stunde, in der ich mal gar keine Fahrt hatte – und die Umsätze musst Du ja eh noch halbieren, um auf meinen Lohn zu kommen. Im Schnitt liegt der zwar mit 8 bis 9 € durchaus deutlich höher. Wenn ich aber mal einen nur mäßigen Donnerstag oder Sonntag habe, dann bin ich da ganz schnell im selben Bereich. Letztes Beispiel:
    2. Juni: 5 Stunden Arbeit, 53,80 € Umsatz. Macht 24,21 € brutto. Plus 4,90 € Trinkgeld …
    Der wichtigste Unterschied zwischen Taxi und Minicar ist rein rechtlich mal, dass die reine Privatanbieter sind und deswegen wesentlich weniger Pflichten – aber, wie kistenfrosch ja auch schon angeschnitten hat – weniger Rechte haben. Wir dürfen unsere Preise nicht frei bestimmen, die Minicars dürfen das. In manchen Städten ist die Konkurrenz da auch wirklich hoch, hier in Berlin ist das nicht so. Was vermutlich an der Größe liegt. In Kleinstädten klappt es halt ganz gut, mit 5 bis 10 Autos auf den Markt zu drängen und damit dennoch flächendeckend verfügbar zu sein. In Berlin müsste man wohl erst einmal in 500 Autos investieren und verschiedene Firmensitze betreiben, um bei den Anfahrtszeiten mit Taxen mithalten zu können.
    Das mit dem Preisdumping ist so eine Sache. Da gibt es durchaus Anbieter, die das halt dadurch kompensieren, dass sie billigere Autos nehmen – die meisten sparen dann halt gleich an anderen Stellen noch weiter. Und die Taxitarife sind ja schon (zumindest prinzipiell) so ausgehandelt, dass beide Seiten – Fahrer und Kunden – damit leben können. Da sind solche Unterschiede natürlich wirklich arg fragwürdig …

  31. elder taxidriver sagt:

    Was noch fehlt:

    V o r h e r Trinkgeld geben.

    Nicht gerade im Taxi , aber auch, eher im Restaurant, Hotel, wenn es darauf ankommt einen guten Platz zu bekommen, ein Zimmer oder so.

  32. elder taxidriver sagt:

    Verhaftet wegen zu hohem Trinkgeld.

    Das berichtet Max Horkheimer in seinem Buch ‚Notizen und Dämmerung‘. Ein junges Paar steigt in einem First-Class-
    Hotel ab. Gut gekleidet und mit passendem First-Class Auto. Man möchte drei Wochen bleiben. Die erste Woche ging gut vorüber, sie blieben meist im Zimmer, machten ein paar Ausflüge in die Umgebung und fielen wenig auf.

    ‚Dann beging der junge Mann einen Fehler: Er gab dem Portier für eine geringe Besorgung ein übermäßig hohes Trinkgeld. Dieser wurde stutzig, ging der Sache nach und entdeckte den Tatbestand. Der junge Mann war wegen einer Unterschlagung verfolgt. Am gleichen Abend wurde er verhaftet. In dem Hotel verkehrten Fürsten und Millionäre; der Portier
    bekleidete den Posten seit vielen Jahren. Sie und er hatten das richtige Maß. Dem jungen Mann erschien die freundliche Dienstfertigkeit des Portiers , die in Wahrheit Routine war, nicht als selbstverständlich, wie dem echten Mitglied der herrschenden Klasse. Er war die Fülle von Ehrerbietung , Liebenswürdigkeit, Beflissenheit, welche der Privilegierte in dieser sonst so furchtbaren Gesellschaft auf allen seinen Wegen erfährt, noch nicht gewohnt. er verriet sich durch den dankbaren Impuls und durch die mangelnde Achtung vor dem Kleingeld, welch letztere selbst der großzügigste Reiche beweist:.. „Etwas kann da nicht stimmen“.‘, dachte der Portier und er hatte Recht..Ein Hotelportier geht selten fehl.‘

  33. Sash sagt:

    @elder taxidriver:
    Vorher hatte ich auch noch nicht. Ich wirke offenbar schon so serviceorientiert genug. 😉
    Und bezüglich der Geschichte: Sehr interessantes Beispiel zur Fachkompetenz in unterschätzen Berufsständen …

  34. Lucy Lu sagt:

    Ich finde, Trinkgeld geben ist auch eine Frage der Ehre. Hallo, ich blamiere mich doch nicht, in dem ich da ein paar Cent abzähle?? Es geht doch auch darum, dass ich als Kundin mich gutfühle, wenn ich aus dem Taxi steige. Ich unterhalte mich gern mit Taxifahrern und vor ein paar Jahren hat mir mal einer erzählt, dass er 4 Euro Stundenlohn kriegt – und damit zählte er schon zu den Besserverdienern unter seinen Kollegen! Seitdem gebe ich mindestens 2 Euro Trinkgeld, manchmal 3 oder 4. Bei der Kurzstrecke einen Euro. Es sei denn, der Fahrer ist total unfreundlich, was mir aber in Berlin so gut wie nie passiert. (Ich fahre öfters morgens vom Prenzlberg nach TXL.)

  35. Sash sagt:

    @Lucy Lu:
    Sowas freut mich immer zu hören. 🙂

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