Wow!

Vom Mehringdamm zum Berghain. Es gibt ein paar irgendwie noch akzeptable Routen – die meisten (z.B. über Moritzplatz) nutze ich zumindest umgekehrt, da die Adalbertstraße immer noch einseitig am Kottbusser Tor gesperrt ist. Ob an dieser Baustelle irgendwas essentielles gebaut wird oder ob das nur ein Übergangsparkplatz für ausrangierte Maschinen ist, weiß keiner, aber es kann mir als Taxifahrer ja auch egal sein. Erzwungene Umwege bringen ja immerhin Geld – manchmal allerdings auch böse Worte.

Ich hab den auf seinem Smartphone herumtippenden Menschen gefragt, welchen Weg er bevorzugen würde. Übers Kotti oder doch lieber um den ganzen Baustellenhorror dort herum? Ihm war es völlig egal, er hatte keine Präferenzen. Also folgte ich dem kürzesten Weg. Am Kotti staute es sich tatsächlich ein wenig und für die Strecke hab ich niemals nach der nullten Stunde länger gebraucht als an diesem Abend. Aber der Fahrgast hatte es auch nicht eilig und so ein bisschen Ehrgeiz hab ich dann ja manchmal schon. Am Ende, nach ein paar halblebigen Scherzen meinerseits über den Verkehr erntete ich ein fast schon erschrockenes

„Wow!“

„Wieso wow?“

„Naja, bisher hab ich immer so 14 bis 15 € gezahlt.“

Auf der Uhr standen 12,20 €, ein ganz normaler und angemessener Preis.

„Aber ich bin auch noch nie übers Kotti gefahren.“

Nie? Ehrlich, liebe Kollegen?

11 Kommentare bis “Wow!”

  1. Busfahrer sagt:

    Wieder ein beitrag aus der preisgekürten Sash-Kategorie „Ehrlich währt …“

    Die Frage zum schluß: Gabs für den Ehrgeiz & Ehrlichkeit angemessenes Trinkgeld? 😉

  2. Dennis sagt:

    Ein paar Gedanken um Trinkgeld 🙂

    Lieber Sash,
    ich hätte gerne meine etwas zum Trinkgeld gewusst. Mir ist klar das für viele Branchen Trinkgeld ein wichtiger Bestandteil der Lohntüte ist. Aber ab wann gebe ich Trinkgeld?

    Nehmen wir doch mal obigen Fall. Fahrgast steigt bei dir ein, du fährst du kürzesten Weg und Fahrgast zahlt und steigt aus. Ich gehe mal davon aus das du „nichts“ weiter getan hast um ihn von A nach B zu fahren. Du warst freundlich und hast deinen Job getan wie du solltest. Also theoretisch nichts für da es Trinkgeld geben KÖNNTE?

    Bitte versteh mich nicht falsch. Ich bewunder deine Einstellung und deinen Job. ich könnte nicht jede Nacht auf der Straße sein. Ich kann die Trinkgeldmentalität nur nicht nachvollziehen. Wenn mit ein Taxifahrer auf dme Weg die Sehenswürdigkeiten erklärt, mir einige Dinge zeigt die ich noch nicht kenne, mir die Tür aufhält, oder das Gepäck schleppt. Dann möchte ich Trinkgeld verteilen. Aber wann MUSS/SOLLTE ich Trinkgeld geben.

    1.Ich steige ein, fahre 10km und steige wieder aus. -> Trinkgeld?
    2.Ich steige ein, fahre 10km der Fahrer fährt wie eine wilde Sau, steige aus? -> Trinkgeld?
    3.Ich steige ein, fahre 10km, der Fahrer erklärt mir auf dem Weg verschiedene Sehenswürdigkeiten -> Trinkgeld
    4.Der Fahrer verstaut mein Gepäck im Auto, holt es wieder heraus, ist sehr freundlich und zuvorkommend ->Trinkgeld

    Ich weiß meistens nicht ob Trinkgeld angmessen ist. Bei 1 bin ich mir nicht sicher. Ich meine das ist ne unkompliezierte Fahrt, keinerlei Probleme, wäre da ein Bonus für gute Leistungen denn angemessen?

    Bei 2. doch eigentlich kein Trinkgeld. Eigentlich MÜSSTE ich ja was dafür bekommen das so ein Idiot auf der Straße unterwegs ist,..

    Bei 3+4 sehe ich Trinkgeld durchaus als Belohnung für eine gute Leistung an. Macht doch der Fahrer mehr als er müsste.

    Ich hoffe du verstehst mich nicht falsch Sash. Aber ich bin mir manchmal echt unsicher, wann ich den „Bonus“ verteilen soll.

    Grüße und frohes Fest
    Dennis

  3. MsTaxi sagt:

    Grundsätzlich solltest du den Bonus immer dann verteilen, wenn du dich besonders zufriedengestellt fühlst durch eine Leistung. Das kann der Gepäckservice sein, die gute Unterhaltung, die man geführt hat oder aber der Fahrstil gefällt besonders gut. Das Ausmaß solltest du an deine finanziellen Möglichkeiten binden, nur ein Schelm gibt mehr als er kann.

    Im von dir genannten Fall 2 sollte es eher Usus werden, das man ohne Trinkgeld aussteigt und auch erklärt, warum kein Bonus erfolgt. Eckiger Fahrstil und Raserei gehen auch noch zu anderen Lasten als nur des Fahrgasts Nervenkostüms, das darf man dem Fahrer durchaus auch sagen.

    Und mal ganz ehrlich: Die meisten Trinkgelder sind ohnehin keine Anerkennung besonderer Leistungen, sondern nur der Unwillen des Fahrgastes, mehr Kleingeld mitzunehmen als er mitgebracht hat. 🙂

  4. Ernuwieder sagt:

    „Aber ich bin mir manchmal echt unsicher, wann ich den “Bonus” verteilen soll.“
    Ich geb dann Trinkgeld, wenn die Leistung zu meiner Zufriedenheit erbracht wurde. Sollte der Dienstleister sich besonders hervorgetan haben durch ehrliche Freundlichkeit oder Zusatzleistungen gibts MEHR Trinkgeld; sollte er sich hervorgetan haben durch Unfreundlichkeit o.ä. war ich automatisch nicht zufrieden und dann gibts eben weniger bis garkein Trinkgeld oder sogar mal gemecker.

    Also für mich eigentlich ganz einfach, zumal ich das Trinkgeld immer gleich mit einkalkuliere nach dem Motto: Wenn ich schon eine vergleichsweise teuere Dienstleistung wie taxifahren oder essengehen in Anspruch nehme, kommts auf die paar EUR (im Verhältnis zum Preis) auch nicht mehr an.

    Es wirkt übrigens Wunder schon vorab Trinkgeld zu geben oder damit zu wedeln wenn man einen Zusatz- oder Sonderwunsch hat. Sonderbarerweise stimmt das die meisten Dienstleister versöhnlich und erhöht die Bereitschaft zur Sonderleistung auf nahezu 100%, wenn der Wunsch nicht völlig abstrus oder unverschämt ist.

  5. Busfahrer sagt:

    Ich stimme meinem Vorredner voll und ganz zu: „Ich geb dann Trinkgeld, wenn die Leistung zu meiner Zufriedenheit erbracht wurde. Sollte der Dienstleister sich besonders hervorgetan haben durch ehrliche Freundlichkeit oder Zusatzleistungen gibts MEHR Trinkgeld; sollte er sich hervorgetan haben durch Unfreundlichkeit o.ä. war ich automatisch nicht zufrieden und dann gibts eben weniger bis garkein Trinkgeld oder sogar mal gemecker.“

    Dazu ist hinzuzufügen, dass dies für alle Branchen gilt, von denen man weiß, dass Trinkgeld ein Bestandteil des Lohns ist und der Grundlohn bekanntlich gering ausfällt. Das ist ja in der TAXI-Branche leider hinlänglich bekannt…

  6. Sash sagt:

    @Busfahrer:
    Durchaus. Hab auch 15 € bekommen 🙂

    @Dennis:
    Also eine feste Regelung kann man da ohnehin nicht aufstellen. Schon gar nicht für alle Eventualitäten und Berufsgruppen. Ich schreibe ja beispielsweise auch immer, dass es mich aufregt, wenn Leute noch Trinkgeld kriegen, die sich wirklich scheiße verhalten, aber zunächst einmal würde ich Trinkgeld trotz allem in manchen Bereichen als „normal“ auffassen“. Taxifahrer, Kellner, Pizzalieferanten usw. usf. verdienen teilweise wirklich enorm wenig Geld. Da geht es nicht unbedingt darum, einen „Bonus“ für übermenschliche Leistungen zu verteilen, sondern auch mal zu zeigen:
    „Hey, ich weiß, Du kriegst nur 5,50 € pro Stunde und machst deinen Job trotzdem gut, also geb ich Dir noch einen oder zwei Euro mehr, die dein Chef Dir nicht geben kann oder will.“
    Ich geb zum Beispiel bei meinem Dönerladen auch mal Trinkgeld – und selbst wenn ich nur da bin, um mir eine Cola aus dem Kühlschrank zu nehmen, weil ich vor Mitternacht zu faul zum Einkaufen war.
    Insofern würde ich bei deiner Liste bis auf Punkt 2 (sofern es mich stört oder wirklich unangemessen ist) immer Trinkgeld geben, es allerdings in der Höhe variieren.
    Gerade beim Taxifahren: Wir haben recht wenig Kundschaft. Unter der Woche vielleicht 7 bis 15 Touren pro Schicht. Da fällt ein Kunde mit gutem Trinkgeld schon auf und wenn alle nur nichts oder 20 Cent geben, hab ich am Ende nicht einmal einen Kaffee davon. Deswegen: Ich würde einen Euro oder 10% durchaus immer mit einplanen und nur im Falle von unangenehmen Ereignissen darauf verzichten. Und die dort gesparten Münzchen den besonders vorbildlichen noch obenauf packen. 🙂
    (ich muss ehrlich sein, ich gebe inzwischen persönlich meist mehr Trinkgeld, da gewöhnt man sich als Dienstleister dran, aber ich fahre beispielsweise auch nicht jede Woche Taxi. Insofern sind bei mir eben 5 € für eine 20€-Tour bei angenehmen Fahrern auch kein Ding, das kalkuliere ich wirklich mit ein. Und ich hab komischerweise trotz klammer Finanzen nicht weniger Geld als früher.)

  7. Aro sagt:

    Ich hätte mich ja für die Mariannen entschieden.

  8. LGMA sagt:

    Sagst du wirklich „das Kotti“ ?
    Nungut, vom Tor her sicherlich nachvollziehbar, trotzdem find ich „der Kotti“, auf den Platz und das ganze drumherum bezogen irgendwie schöner 😉

  9. Sash sagt:

    @Aro:
    Kann man auch machen, ist aber ein klitzekleines Stückchen länger. Zugegeben: ein unerhebliches klitzekleines Stückchen.

    @LGMA:
    Ehrlich gesagt: ich mach das mal so und mal so. Ich bin mir da noch nicht so recht einig. Vor allem, weil ich z.B. bei „Schlesi“ niemals „der“ sagen würde.

  10. Aro sagt:

    Aber wirklich klitzeklein…

  11. Sash sagt:

    @Aro:
    Definitiv!

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