Es war heute morgen, 4 Uhr etwa. Eine Stunde noch, dann wollte ich das Auto waschen gehen. Auf meiner Uhr standen extrem magere 64,60 €. Nach acht Stunden Arbeit. Dadurch, dass es so wenige Touren waren, lag das Trinkgeld mit 5,10 € auch noch im untersten Bereich (ab 10 € aufwärts pro Tag ist ok).
Ich stand vor dem Watergate und hab mir gedacht: „Hoffentlich reicht das noch für zwei Touren. 80 € sollten am Ende ja schon als Minimum drin sein…“
Dann kam er raus: Ich hätte ihn nur knapp älter geschätzt als mich, und er setzte den Trend fort, nach dem alle an diesem Abend im Watergate überdimensionierte Brillen trugen. Er war schon etwas fertig, wollte in die Schönhauser Allee, nördlich der Danziger. Eine Tour, die in Ordnung ist. Irgendwas zwischen 10 und 14 €, ich sollte meinem Ziel also näher kommen. Zwischendrin wollte er noch bei nem FastFood-Schuppen anhalten. Der Mac am Frankfurter Tor schien irgendwie verlassen, also hat er gemeint, könnten wir den am S-Bahnhof Schönhauser Str. nehmen – ein paar hundert Meter Umweg inklusive.
Soweit, so gut. Mitten auf der Danziger bat er mich dann anzuhalten, weil er gegenüber noch etwas holen wolle. Hat sich um irgendein Erotik-Etablissement gehandelt, ist ja auch egal. Er hat mir als Pfand einen Fünfzig-Euro-Schein gegeben und gemeint, ich solle warten. Warum nicht? Die Uhr läuft…
Nach etwa 20 Minuten (also zwei Zigaretten später) kam er dann wieder raus und wir haben die Fahrt fortgesetzt. Vor dem McDonalds in der Schönhauser durfte ich auch nochmal 5 Minuten warten, und so sind wir am Ende bei 27,10 € gelandet. Damit hatte ich halbwegs akzeptable 90 € in der Kasse. Dann meinte er noch: „Mach mal 35!“
Meine ernstliche Begeisterung kommentierte er mit: „Ist nur fair. Wenn dich schon so’n Vollidiot den ganzen Abend aufhält…“
Das war dann auch die letzte Tour für den Tag. Ich habe also 40 Minuten gearbeitet, davon 25 Minuten bequem rumstehen können und eine Kippe rauchen, das ganze für 27 € Umsatz und 8 € Trinkgeld. Können mich nicht jeden Abend ein paar solcher Vollidioten „aufhalten“? 😉
Simply the Best (5)
Hier noch einmal Sashs eigene Rekorde beim Taxifahren. Der / die Neue(n) sind fett gedruckt.
Geld:
- Höchster Umsatz pro Schicht: 211,00 €
- Höchster Umsatz pro Tour (ohne Trinkgeld): 28,90 €
- Höchstes Trinkgeld pro Tour: 6,80 €
- Originellstes Trinkgeld: 4,90 € + 2 Flaschen Prosecco
- Höchstes Trinkgeld pro Schicht: 27,30 €
- Höchste Einnahmen pro Tour (inkl. Trinkgeld): 32,00 €
Touren:
- Die meisten Touren pro Schicht: 23
Strecke:
- Die längste Strecke pro Schicht: 188,0 km
- Die längste Strecke pro Tour: ca. 19,0 km
Zeit:
- Die längste Schicht (Pausen nicht eingerechnet): 11:30 Std.
- Die längste Wartezeit: 1:15 Std.
Trinkgeld mal vorbildlich
Es war die erste Tour am Samstag. Ein guter Tag zum Taxifahren, insbesondere spät in der Nacht. Noch aber war es früh am Abend und derselbe begann wie so viele mit Schlangestehen am Ostbahnhof. Ich finde das immer noch sehr angenehm, weil es eine vertraute Umgebung ist, ich gelegentlich die immer gleichen Kollegen dort treffe, und es außerdem einfach nahe an meinem Startpunkt liegt.
Der Fahrgast war ein Mann, für dessen Heterosexualität ich meine Hand nicht ins Feuer legen würde, was mich aber – das sollten zumindest meine Freunde wissen – eigentlich nicht einmal interessiert. Er kam von vier Wochen Afrika-Urlaub zurück, schwer bepackt und rückreisegeschwächt.
Das Fahrtziel lag nahe: Friedrichshain – mal wieder. Nicht einmal östlich der Warschauer (für die Berliner Leser). Als wir ankamen, stand die Uhr auf 5,10 €. Er meinte:
„Ich würde dir nen Zehner geben, wenn du mir beim Hochtragen hilfst…“
Unter uns: Ich würde das auch so machen – aber nicht weitererzählen!
Nun, das Angebot war nicht einmal so unfair. Seine Wohnung lag im vierten OG, und die Koffer erwiesen sich auf Dauer als recht schwer. Letzen Endes standen wir beide ausgezehrt und keuchend vor seiner Wohnungstüre, und da fragte er mich dann, ob ich Alkohol trinke.
Von der Befürchtung getrieben, er wolle mir auf der Stelle was anbieten, habe ich mich – um nicht zu lügen – mit einem „Gelegentlich – bei der Arbeit nicht“ rausgewunden. Daraufhin ist er kurz verschwunden und mit zwei Flaschen Prosecco wieder aufgetaucht, die er mir in die Hand drückte und meinte: „Dann nehmen sie die noch!“
Und das war übrigens nur der Anfang einer echt guten Schicht…
Schmand-Rapper
Eigentlich kann ich nicht wirklich beschreiben, was an der Tour mit den fünf Jungs so geil war. Es waren ein paar angeheiterte Jugendliche, wie ich sie am Wochenende x-fach aufgabel. Wie viele andere haben sie sich überrascht gezeigt ob der Tatsache, dass „mein“ Wagen noch zwei zusätzliche Sitze versteckt hat – also auch nichts besonderes. Ich bin mit ihnen eine recht kurze Tour gefahren, vom Kotti zum Weekend am Alex. Während der Fahrt aber hat sich einer der Gesellen auf der allerletzten Bank dazu hinreissen lassen, die aktuelle Situation in Rhymes zu verpacken, was zwar manchmal peinlich war – weil es eben nur mittelmäßiger Freestyle war – zum anderen aber meine Laune enorm gehoben hat.
Ich kann leider den Style nicht ernstlich beschreiben, den der Kerl draufhatte, aber diese gleichzeitig rauchige und sonore Stimme mit den aberwitzigsten Texten hat die Fahrt echt enorm bereichert. Für mich zumindest. Ich glaube, seinen Kumpels war das mehr als peinlich.
Das Geilste aber war, dass eine der Textzeilen wörtlich lautete: „Wir gehen durch den Schmand…“
Für all die Overblog-Leser und zufälligen Besucher: Schmand ist ein gängiges Lebensmittel und als Wort auch sehr verbreitet für die Rückstände in diversen Rauchutensilien, von denen ich als Taxifahrer natürlich nicht einmal eine Ahnung zu haben habe. Das Geile an der Geschichte ist aber, dass sich in meiner alten WG das Wort Schmand extrem eingebürgert hat und dort als Wort für Verunreinigungen und ebenso Planlosigkeiten ein Eigenleben entwickelt hat. Deswegen hat mich diese Zeile so sehr erheitert – weil ich Schmand als wichtigen Teil meines Lebens kenne – und wenn es nur im Rahmen einer „Zeitverschmandung“ ist 🙂
Dachentdecker (2)

Vor den Treptowers an der Stralauer...
Deppen am Straßenrand…
Heute hatte ich wieder so einen Spezialisten im Auto…
Gleich vorneweg: Zu mir war er freundlich, hat sich nicht angestellt und auch akzeptiert, dass man nach anderthalb Monaten nicht jede Straße kennen kann.
Was aber echt Beachtung verdient, ist der Anfang gewesen – mal abgesehen davon, dass er so oder so ein Unsympath erster Güte war:
Ich stehe so dämlich am Ostbahnhof rum und denke mir nichts Böses. Ich bin das ca. 15. Taxi in der Reihe, stehe also mehr oder minder gegenüber den Eingängen. Als ich dort hinübersehe, starrt mich ein Typ an und fuchtelt wie wild mit den Armen, gleichzeitig hat er einen Gesichtsausdruck aufgesetzt, der etwa bedeuten sollte: „Kannst du blödes Arschloch mich vielleicht mal zur Kenntnis nehmen!!!???“
Obgleich mir klar war, dass ich zu nichts verpflichtet bin, bin ich ausgestiegen und habe gefragt, ob er etwa ein Taxi bräuchte. Er hat mich mehr oder minder angefaucht: „Na klar!!!“ Meine Gedanken sahen an diesem Punkt etwa wie folgt aus: „Du stellst dich also am Ostbahnhof an eine Bushaltestelle und guckst grimmig und hoffst, dass du damit ein Taxi bekommst? Zwanzig Meter links von dir steht das erste Taxi am Stand, und direkt gegenüber stehen einige, die ihre Wartezeit wie ich mit Lesen verbringen. Und du glaubst ernsthaft, dass das Beharren auf einem grimmigen Blick irgendwas ist, was dich an diesem Abend – oder die Menschheit in der Evolution – weiterbringt?“
Seine Koffer wollte er sich auch nicht tragen lassen, weil ihm die Plattenspieler darin zu wertvoll waren. Na gut, ich will mich ja nicht darum schlagen!
Die Tour ging dann nur kurz nach Friedrichshain rein, allerdings war die Strecke lang genug, dass er mir erzählen konnte, er könne da wo ich wohne nicht wohnen, weil ihm da „zuviel Pack“ lebe. Ich glaube, ich muss an dieser Stelle meine Meinung über die Bewohner Friedrichhains auch noch mal überdenken…
Ganz im Ernst: Lieber kleinlaute Nazis als von sich überzeugte Vollspacken von dieser Sorte! Widerlich!
Naja, er hat mir letztlich 70 Cent Trinkgeld gegeben, wovon ich mir einen Kaffee kaufen könne, „obwohl, für nen Kaffee reicht’s nicht ganz!“ – wie er dann selbst treffend bemerkte.
Ich hätte ihm die Kohle zurückgeben sollen, aber der Gedanke kam mir zu spät…
Dachentdecker (1)

Am Ostbahnhof