Guter Kilometerschnitt

Und dann war da der Kollege, der an der Halte mit einem mildtätigen Grinsen „jammerte“, dass er gerade über eine Stunde durch die Stadt gefahren ist.

„Und wofür? Für ’ne Kurzstrecke!“

Ich geb ja ungern an, aber da hab ich dann doch folgendes sagen müssen:

„Weisste, ich steh jetzt seit einer Stunde hier und hab immerhin auch 2 € verdient.“

Und das ist mehr, als der Kollege von der Kurzstrecke netto (oder auch brutto) haben wird. Diese Meisterleistung ist mir allerdings auch nur gelungen, weil die ungefähr 10. Anfrage an diesem Abend am Ostbahnhof nach dem Maria so lief, dass ich gefragt wurde, ich nett und freundlich den unkomplizierten Weg erläutert habe, und die Frau dann völlig überraschend meinte:

„Hey, kann ick dir’n Zwickel jeben?“

Ich hab es nicht übers Herz gebracht, nein zu sagen 😉

Noch nicht ganz…

Unter der Woche zieht es sich manchmal ein bisschen mit dem Arbeiten. Da kommt der „obligatorische“ Hunni nicht zwingend binnen 7 Stunden in die Kasse, manchmal erst nach 10, manchmal gar nicht. Ganz so schlimm lief es eigentlich nicht, als mein Kollege und ich uns am Matrix zufällig trafen.

Er war 8 Stunden unterwegs, ich 7. Er war trotzdem nicht sonderlich willig, noch ewig zu fahren und meinte:

„Die Tour noch, dann hab ich – hoffentlich – den Hunderter drin, dann fahr ich heim! Zum Generator würde mir reichen!“

Ich meinte auch:

„Ja, das kommt hin. Werd ich wohl auch so machen.“

10 Minuten später angelte ein Fahrgast mich weit hinten aus der Reihe und im Losfahren hörte ich meinen Kollegen noch sagen:

„Na dann hat’s ja noch geklappt. Schönen Feierabend!“

„Na, wart’s ab!“

rief ich hinterher.

3 Minuten später stand ich dann ein paar Wagen hinter ihm wieder am Matrix. Er hatte schon so ein süffisantes Grinsen im Gesicht, als zu ihm lief. Tja, er hat dann doch früher mit dem Hunni in der Kasse Feierabend machen können. Mein Fahrgast war nämlich ein ziemlich verstrahlter, wenn auch angeblich drogenfreier Feierwütiger, der sich rund um den Bahnhof völlig verlaufen hatte – er hatte mich ein paar Minuten vorher bereits angesprochen – und nun einfach entnervt war, und wollte, dass ich ihn zum Magnet fahre. Und das ist selbst für Kurzstreckenverhältnisse ein Witz.

Nach einer Kurzstrecke gefragt hat er sogar noch, ich hab ihm dann jedoch gesagt:

„Nee sorry, vom Stand aus nicht! Aber glaub mir: Das wird nicht viel teurer!“

Und so hab ich ihn mit 4,20 € auf der Uhr entlassen, wobei er sich wahrscheinlich noch monatelang selbst geisseln wird ob der Verstrahltheit, für den Weg ein Taxi zu nehmen. Naja, eigentlich hat er es ebenso wie ich mit Humor genommen…

Nachtrag (mit neidgetränkten Pixeln):

Die letzte Tour des Kollegen war – so hat er mir inzwischen berichtet – eine Fahrt zum Berghain. Wie erwartet war dort zu, also ging es zum Mac am Ostbahnhof was futtern. Bei laufender Uhr. Dann ging es nach Hause, und das war in diesem Fall Potsdam! 65 € hat der Kollege noch gemacht, die Sau 😉

Ein gutes Triple

Gerade an Tagen an denen es nicht so gut läuft unterhält man sich unter Kollegen auch mal ausführlicher. Man trifft sich einfach öfter am Stand, bzw. kommt gar nicht erst weg 🙁

So begab es sich neulich, mitten unter der Woche, dass Sash sich mit zwei Kollegen fernab jedes möglichen Kunden lauthals darüber beschwerte, wie mies das Geschäft läuft. Im einzelnen gestaltete sich das 2 bis 4 Stunden nach jeweiligem Arbeitsbeginn wie folgt:

Kollege T. hatte gerade mal zwei 7€-Touren zu bieten, Kollege J. kam mit 3 solchen immerhin noch ein paar Euro über das Ergebnis von mir, der ich eine fantastische 21€-Tour zu bieten hatte. Wir waren also alle nicht am Verhungern, aber an den Hunni in 8 Stunden hat keiner wirklich geglaubt. Da das Glück aber manchmal auch mit den Tüchtigen ist, kam jeder von uns noch ganz unterschiedlich zu seinem (natürlich nur finanziellen) Glück.

Bei Kollege J. schlug es als erstes zu. Er bekam eine Tour vom Ostbahnhof „nach Eiche und zurück“. Noch dazu lohnenswert als zwei Einzeltouren mit nur ein paar Minuten unbezahlter Wartezeit. Was rund 55 € bedeutet. Ein nettes Trinkgeld soll auch noch dabeigewesen sein.

Kollege T. erwischte eine flotte Winker-Orgie vom Osten in den Westen und wieder zurück bis vors Matrix, von wo er abermals wegkam.

Mich selbst hatte es an dem Abend ganz absurd erwischt:
Zunächst hatte ich eine angenehme Tour, die jedoch schwer zu bekommen war. 3 Fahrer haben bereits die Fahrt für 30 € nach Königs Wusterhausen abgelehnt. Klar, lohnt sich nicht. Ich hab sie dann für 40 angenommen. Das ist zwar auch unter Niveau, aber immerhin darf man hier frei verhandeln und zudem hatten sie Fahrkarten für einen Zug 20 Minuten später. Irgendjemand muss das Geld ja ins Gewerbe schleusen… davon abgesehen habe ich am Ende trotzdem 50 € bekommen, und das hätte es auch nach Taxameter gekostet. Der Kilometerschnitt wäre damit schon am Arsch gewesen, aber zu allem Überfluss bin ich bis zum Treptower Park leer in die Stadt zurückgegurkt, um kurz vor der Elsenbrücke einen weiteren Fahrgast aufzunehmen: Nach Schönefeld. So kam ich dann auch auf 65 € Umsatz und 12 € Trinkgeld in rund 2 Stunden.

Wie heisst es so schön: Man soll den Tag nicht vor dem Abendprogramm loben? Stimmt schon irgendwie…

Neuer Rekord

Naja, es geht nicht um einen Rekord von mir, und froh darüber bin ich auch noch:

Ein Kollege hat es geschafft, binnen sechseinhalb Stunden Fahren einen Umsatz von 37 € zusammen zu bekommen. Nanu, denken sich die Taxler da: Das kann schon mal passieren, ist halt ein schlechter Tag gewesen. Stimmt auch. Aber wie viel Zufall muss sich an einer Ecke sammeln, damit man das mit 7 (sieben!) Touren schafft. Das ist ein Schnitt von rund 5,30 € pro Tour, das ist mit einem Startpreis von 3,20 € gar nicht so leicht zu erreichen. Respekt! 🙂

Alzheimerverdächtig / Sash im Taxi

Nach meinem fantastischen Trinkgeld neulich konnte ich mir auch ein Taxi nach Hause leisten. Seit ich den Job selbst mache, bin ich sicher vermehrt Taxi-Kunde, aber ich übertreibe es auch nicht. Zum einen leben wir in einer Gesellschaft, in der es gang und gäbe ist, dass man sich als Dienstleister die eigene Dienstleistung nicht zwingend ständig selbst leisten kann, zum anderen – und das kennen alle anderen da draußen auch – geht man stets mit einer teilweise ungebührenden Pingeligkeit an Dienstleistungen heran, die man selber kennt.

Ich habe als Kunde noch keinen Taxifahrer erlebt, der wie ich die Thaerstr. als Abkürzung von der Petersburger zur Landsberger oder umgekehrt nutzt. Das sind 40 Cent auf dem Taxameter, kein Weltuntergang. Auf den Strecken, die ich gelegentlich fahre, ist es die einzige Option, einen „geheimen Schleichweg“ zu nehmen. Aber ich selbst halte es eben so und da mache ich mir natürlich auch immer gleich Gedanken, wenn Kollegen es nicht machen.

Und das nervt mich selbst ein wenig. Ich hab keinen Abstand mehr zu dieser Dienstleistung, ich kann nicht einfach darauf vertrauen, dass der Fahrer – das geheimnisvolle allwissende Wesen – alles richtig macht. Ich kenne die Strecke und ich bemerke es, wenn der Preis zu hoch ist, die Strecke zu lang, der Fahrer undankbar. Das raubt einem ein wenig den Spaß an der Sache. So wie „normale“ Kunden darauf hoffen, nicht wieder das miese Arschloch von letztem Mal zu erwischen, dass ihnen für eine 10€-Tour 25 € Festpreis aufgeschwatzt hat und dann nicht einmal die Straße gefunden hat und sich unterwegs über die zu kurze Tour beschwert hat, bin ich schon immer enttäuscht, auf Fahrer zu treffen, die ihren Job nur so halbwegs machen, um an ein paar Euro zu kommen. Obwohl das eigentlich noch ok sein sollte.

Ich habe also lange mit mir gerungen, ob ich es wirklich tun sollte. Denn auch wenn die Bahn gerade raus war und ich absolut null Bock auf Ersatzverkehr mit Umsteigen und langen Wartezeiten und Fußweg hatte, so hatte ich noch weniger Lust, ausgerechnet einem alten Griesgram mein Trinkgeld anzuvertrauen, das ich mit einem seligen Lächeln nach einer nicht ganz unanstrengenden Tour überreicht bekommen habe.

Aber: Oh Wunder, der Taxi-Gott meinte es gut mit mir!

Am Stand gegenüber des andel’s-Hotels (Ja, es heisst nicht Landels!) fand ich gleich einen Blogleser und Kollegen vor, der sich beim morgendlichen Kaffee mit einer Kollegin unterhielt. Und hier beginnt der Alzheimer-Part. Wie bei so vielen Kollegen habe ich auch hier schon wieder den Namen vergessen. Da ist das „Du“ im Gewerbe und im Internet schon wieder hinderlich. Es gibt (Gab? Ich hab ihn ewig nicht gesehen) z.B. auch einen Kollegen, den ich rund ein Jahr lang fast täglich am Ostbahnhof getroffen habe, der bis heute damit leben muss, dass ich von ihm immer nur als „Herr Ostbahnhof“ spreche, wenn ich ihn Ozie gegenüber erwähne. Keine Ahnung, wie er heisst!

Naja, wenigstens war das ein angenehmer Schicht-Abschluss! Es ist für uns Taxifahrer schließlich auch nicht selbstverständlich, dass ein Kollege müde und definitiv unstressig am Stand entlangtaumelt und einfach mal sagt:

„Na, bringst mich heim?“

Es folgte noch eine gemütliche Zigarette, ein bisschen Prahlerei mit den letzten Horror- und Luxuskunden und letztlich eine angenehme Heimfahrt, die mir an dem Tag locker die 14,20 € wert war. Bzw. die 17, die ich letztlich gezahlt habe. Ich kann nur hoffen, dass die Taxifahrten mit mir für meine Kunden ähnlich sind: Ein netter Typ, der einen gerne heimfährt, und bei dem ich – selbst wenn ich am Ende nochmal ansagen muss, wo man genau abbiegt – einfach das Gefühl hab, dass es das Geld wert war. Ich versuche, dass es so ist. Jeden Tag wieder, und oftmals mit Erfolg. Immerhin.

Überholen

Jede Branche hat so ihre Geheimnisse und ihre Verhaltensregeln. Mit dem Taxifahren ist es nicht anders. Die meisten nicht niedergeschriebenen Regeln sind aber auch hier Ansichtssache. Dass ein Fahrgast zum Beispiel zum ersten in der Reihe geschickt wird, halten viele für eine Notwendigkeit. Ich tue das nicht. Denn zum einen habe ich genügend Kollegen erlebt, die die Fahrgäste dann von vorne wieder nach hinten schicken, weil ihnen die Fahrt zu kurz ist, zum anderen ist es so oder so für die Kunden nicht schön, abgewiesen zu werden. Da bevorzuge ich die Ansicht, dass die Kunden schon einen Grund haben werden, warum sie mich ausgewählt haben und sich das unter den Kollegen irgendwann so oder so ausgleicht. Dass ich bei einer Nachfrage natürlich stets den Kollegen, der am längsten wartet als Alternative erwähne, ist natürlich dennoch Ehrensache.

Aber es gibt eines, das im Grunde von fast allen Kollegen gleichermaßen geachtet wird:

„Wir überholen keine leeren Kollegen!“

So – leider ohne nähere Erläuterungen – wurde es mir am ersten Tag unmissverständlich mit auf den Weg gegeben. Aber schon die ersten zwei Stunden auf der Straße machen einem klar, was gemeint ist.

Als Taxifahrer ist man mehr oder minder immer auf der Jagd nach Kundschaft, Beute monetärer Art. Dadurch, dass wir keine festgeschriebenen Bereiche für die Jagd haben, fahren wir uns immer wieder gegenseitig vor den Wagen. Und wenn an der nächsten Ecke ein Kunde steht, bekommt ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit der erste in der (fahrenden) Reihe. Da ist das Überholverbot gewissermaßen schon eine Regelung, die für Verkehrssicherheit sorgt. Denn ohne würden die Taxen auf Deutschlands Straßen sich wahrscheinlich mörderische Rennen liefern, immer nur in Sorge, ja der Erste in der sich bewegenden Schlange zu sein. Mit dem traurigen Nebeneffekt, dass ausgerechnet die gesittetsten Fahrer die wenigsten Kunden hätten.

Wie bei allen Regelungen ist es ziemlich interessant, diese in der Realität zu beobachten. Ich bin selbst – ohne hier angeben zu wollen – einer der kollegialsten Fahrer da draussen. Wenn ich um mich an die Halte zu stellen wenden muss, ist klar, dass der Fahrer, der mir entgegenkommt, zuerst ranfahren darf. Wenn man eine solche Regel irgendwie fassen kann, dann am besten mit den Vorfahrtsregeln der StVO. Auf der anderen Seite gebe ich – wenn ich geradlinig angeschossen komme – durchaus auch gerne mal Signal, dass der Kollege doch kurz wenden und sich vor mir einordnen soll. Wenn es hochkommt, kostet mich dieses Verhalten 30 € im Jahr, das ist es mir ohne weiteres wert. Und vielleicht gleicht es sich so oder so aus. Dafür sind die Kollegen glücklich.

Auf offener Straße tut es hingegen natürlich manchmal weh. Gerade wenn man auf Kundenfang ist, fährt man auch mal ein bisschen langsamer als die StVO es zulassen würde, was natürlich die Kollegen hinter einem – die dank mir ja gerade sowieso kaum eine Chance haben – mal nerven kann. Ich bin hier eisern, überhole nicht. Aber ich kann es auch auf den Tod nicht ausstehen, wenn ein Kollege das tut. Fehler im Straßenverkehr erlaubt sich jeder mal. Da bin ich nachsichtig und lege es nicht gleich als Boshaftigkeit aus, was ja scheinbar ein großer Teil der Autofahrer macht. Beim Überholen eines Kollegen kann ich aber davon ausgehen, dass es mit Absicht geschieht. Und das kotzt mich an!

Natürlich sind wir nicht nur Kollegen, sondern auch Konkurrenten. Aber die Arbeit macht nunmal nur halb so viel Spass, bzw. ist doppelt so stressig, wenn man zusätzlich zur nicht allzu rosigen Geschäftslage auch noch Krieg gegen die eigene Fraktion führt.

Klar, manchmal muss man überholen, um ein Verkehrschaos zu vermeiden: Wenn man gerade auf unterschiedlichen Spuren ist, und es dort unterschiedlich schnell vorangeht vor allem. Aber dass ich mich da wieder zurückfallen lasse, den Kollegen vorbeiwinke oder gar schweren Herzens einen Winker für ihn stehen lasse, sehe ich als selbstverständlich an.

Sehr verbreitet ist unter Kollegen, die das nicht so sehen, z.B. auch die Angewohnheit, die Fackel auszumachen, vorbeizuziehen, und dann – wenn ich an einer roten Ampel halten muss – das Licht wieder anzumachen. Irgendwann werde ich mal anfangen, Buch zu führen über die Leute…

Dennoch bin ich ziemlich überrascht darüber, wie gut es im Grunde funktioniert. Die Momente des Ärgerns sind tatsächlich selten, und das ein oder andere Mal stellt man sogar fest, dass alles nur ein Missverständnis ist. Wie bei einem Kollegen neulich:

„Hat der mich überholt, und ich natürlich gleich hinterher! Zwee Ampeln weiter hatt‘ ick den und frach den, was dette soll und er sei ja wohl bekloppt von wegen überholen und so. Meent der mit’n Lächeln: Kollege, musst du Lampe anmachen, wenn du nicht überholt werden willst…“

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Weg beschrieben…

Ich bin etwas spät dran mit Bloggen, aber manchmal komme selbst ich zu gar nichts. Naja, gestern nach der Arbeit hatte ich einfach keine Lust, hab dann lange geschlafen, dann wieder Arbeit. Ist ja alles nicht so einfach.

Eigentlich bin ich auch jetzt müde, aber der ein oder andere Hardcore-Blogger da draussen wird es sicher kennen: Wenn man an der Tastatur sitzt und die ersten Sätze schreibt, ist es irgendwie gleich ein tolles Gefühl.

Naja, der gestrige (also genau genommen vorgestrige) Schichtbeginn ist zweifelsohne erwähnenswert. Trotz meiner ziemlich nervigen unterbewussten Angst vor Verantwortung, die dafür sorgt, dass ich mein Handy immer möglichst weit weg von mir platziere, hat Evelyn mich erreicht, um mit mir einen Termin für die Fahrt wegen ihrer Diplomarbeit auszumachen. Spontan tatendurstig geworden, habe ich ausgemacht, gleich zu Schichtbeginn da zu sein – damit ich mich wenigstens aufraffen kann, pünktlich loszufahren.

Mir war es ernstlich unangenehm, dass ich zwei Tage zuvor einen Abend lang unerreichbar war, und so bin ich zum ersten Mal seit ich den Job mache, auf eine Bahn gerannt. Das hatte ich aus meinem Leben völlig verdrängt. Termindruck für die Arbeit? Kenn ich ja gar nicht mehr!

Naja, zunächst hab ich – was selten ist, und sich auch mit den letzten Sätzen erklären lässt – meinen Tagfahrer getroffen, und hatte ausnahmsweise mal keine Zeit für eine gemütliche Zigarette und viel Gerede. Abgesehen davon: Die Umsätze sind gerade mau, übers Geschäft gab es also wenigstens nichts spannendes zu berichten.

Wider meiner Befürchtungen bin ich allerdings super-pünktlich am Schlesischen Tor vorgefahren. Kurz darauf rief Evelyn auch an und entschuldigte sich, sie würde ein oder zwei Minuten später kommen, sie hätte jetzt – Ironie – doch ein Taxi genommen. Also hab ich gewartet.

Kurz darauf schießt mein Kollege U. ums Eck, mit Evelyn an Bord. Die Welt ist ein Dorf.

Die Fahrt selbst war völlig ok, wenngleich ich einmal mehr gemerkt habe, dass bewusstes (also „erzwungenes“) Reden nicht mein Fall ist. Ich glaube Evelyn jetzt einfach mal aus psychologischem Selbstschutz, dass es wirklich gut / interessant oder was auch immer notwendig war, war. Ich hab allerdings insbesondere in den ersten Minuten mal eben meine Jacke durchgeschwitzt. Wer mich foltern will, interviewt mich…

Aber immerhin musste ich nicht das Aufnahmegerät die ganze Zeit über halten 🙂

Naja, das soll jetzt aber nicht wie eine Beschwerde klingen, denn ich finde das Projekt nach wie vor sehr interessant und ich hoffe sehr darauf, dass Evelyn daran denkt, was von sich hören zu lassen, wenn es Neuigkeiten gibt. Außerdem gab es noch ein Trinkgeld, das – soweit ich das jetzt noch rekonstruieren kann – immer noch unter die Top 10 in den anderthalb Jahren Taxifahren fällt.

Wirklich zum Verhängnis wurde mir indes die Empfindlichkeit des Aufnahmegerätes. Deswegen hab ich nach einem halben Jahr das erste Mal mein Handy ausgemacht. Wer weiss denn nach einem halben Jahr seine PIN noch???

Naja, Evelyn wird wohl inzwischen wieder in Österreich sein, ich bin nach einem Anruf bei Vodafone wieder in bekannt schlechter Qualität erreichbar und somit kann ich den Abend einfach mal als nette Erinnerung abtun.