Die Hoffnung …

…stirbt bekanntlich zuletzt.

Heute Nacht aber war da nicht viel zu machen, ehrlich.

Gut, ich könnte mich freuen, nebenbei in „Zwei, drei, vier: Wie ich eine Familie wurde“ von Maximilian Buddenbohm reingelesen zu haben. An und für sich eine gute Sache, denn in Puncto Alltagsgeschichten ist Buddenbohm für mich eines der kleinen großen Vorbilder für mich als Autor. Mein eBook „Papa, ich geh zum Zirkus! oder: Karriere – kann man das essen?“ hätte ich wahrscheinlich nie so geschrieben, hätte ich bei Buddenbohm nicht gesehen, dass man sowas kann, ja: darf.

Aber mal ehrlich: Als Fazit einer Schicht im Taxi wäre ein Link zu einem gelesenen Buch doch etwas dröge, oder?

Für einen Freitag lief es schlecht. Sehr schlecht. Mein Gesamtumsatz blieb zweistellig – was aber wiederum auch nur Teil meiner neuen Philosophie war, nicht zu arbeiten, wenn es hell ist. Ich hab seit Anbeginn meiner Taxifahrerei nicht gemocht, wenn es hell ist, also vermeide ich es nun. Das ist nicht unbedingt leicht in einer der kürzesten Nächte des Jahres, aber ich hänge dann tatsächlich lieber eine halbe Schicht mehr an. Haltet mich für bekloppt, denn das bin ich wahrscheinlich auch. 🙂

Das ein und andere Mal habe ich mich heute über meinen Job und mein Leben unterhalten – und bin immerhin nicht auf Ablehnung gestoßen. Also sollte das wohl passen …

Bleibt nur zu hoffen, dass heute in der Stadt mehr gefeiert wird als gestern. Aber Ihr macht das, da bin ich guter Dinge! 😀

Kleiner Hinweis in eigener Sache

oder: Warum man mich auf dem Handy gerade nicht erreicht

Ich habe das Kunststück fertig gebracht, meinen Handyvertrag zu kündigen und es zu verpennen, mir rechtzeitig einen neuen zuzulegen. Bei Facebook und Twitter haben alle meine Follower darüber schon lachen dürfen, der Rest von Euch darf das jetzt hier. Falls also irgendwer mich in den nächsten Tagen erreichen will, dann muss er das über andere Wege tun. ich hab vorübergehend eine Prepaid-Karte drin, und wenn ich die Nummer jetzt rausgebe, dann wird die Verwirrung doch bloß zu groß.

Meine alte Nummer bleibt, allerdings ist sie erst ab (voraussichtlich) 2. Juli wieder freigeschaltet. Bis dahin bin ich über Blogs, Mail, Twitter und Facebook zu erreichen. Ist ja nun nicht so wenig Auswahl.

Wer wissen möchte, wie ich das alles im Detail versemmelt hab und was dabei noch so alles passiert ist, der kann das auf meinem privaten Blog nachlesen:

Teil 1, Teil 2, Teil 3

 

#Neuland

Haha!

Ich weiß: #Neuland ist „nur so ein blödes Twitter-Meme“. Ja und nein. Es ist in Wirklichkeit etwas, das uns alle betrifft. Uns alle, die wir im Internet unterwegs sind. Und das hab ich auf Sashs Blog mal thematisiert.

Ihr lest hier einen Blog, also betrifft es auch Euch. Deswegen der Taxi-unspezifische Link.

Was das Taxifahren angeht, überlege ich mir sehr gut, was ich heute mache. Geld brauche ich, aber die Wettervorhersagen sind fürchterlich. 36°C soll es geben …Ob ich mich schwitzend und ächzend in den Kampf werfe, werdet ihr erfahren – aber nur, wenn obiger Link fleißig geklickt wird! 😉

Massenumsatz

BÄM:

70925-taxameter-by-nastasja-kleinjung

Amtliche Summe auf der Uhr. Quelle: Nastasja Kleinjung

Ja, so dürfte es nach der Schicht auch gerne mal bei mir auf der Uhr aussehen. 🙂

Geschickt hat mir das Bild clekis, aufgenommen ist es von einer Freundin. Dazu schrieb er folgendes:

Hallo Sash,

ich habe hier mal eine kleine Story für dich aus dem Großraum Köln:

So ein paar Idioten haben in der Nacht von Donnerstag auf Freitag ein Glasfaserkabel durchtrennt und dadurch dafür gesorgt, dass ein Stellwerk nicht mehr bedient werden konnte. So ein Stellwerk ist ja dafür da, dass die Weichen richtig liegen und die Signale entsprechend grün werden können. Also lief dadurch fast den kompletten Freitag der Zugverkehr in der Region eher mäßig – eben so, wie die Berliner es gewöhnt sind ;).
Besonders die Strecke nach Marienheide, eine Regionalbahnstrecke mit etwa 60km Länge, war betroffen, dort fuhr kein einziger Zug. Stattdessen – und nun kommt endlich der Bezug zu dir – fuhren dort wohl insgesamt 60 Taxen und 8 Busse im Pendelverkehr als sogenannter „Notverkehr“. Eine Freundin von mir musste an diesem Tag auch die Strecke fahren und „durfte“ daher eine der Taxen besteigen. Als sie entstieg, standen schon 620€ auf der Uhr – und als sie ausstieg, waren es dann knapp 710€, wie
du im angehängten Bild sehen kannst.

Ich hoffe, du erblasst nun nicht vor Neid, wenn du diese Zahlen liest, aber das ist doch sicher etwas, was sich jeder Taxifahrer mal wünscht, oder? Wie ist das eigentlich? Kann die Uhr überhaupt vier Stellen und damit dann die 1000€ anzeigen?

Wie eingangs erwähnt: Über sowas freut man sich. Ist jedenfalls ein ganz schöner Luxus, die Uhr einfach die Schicht über durchlaufen lassen zu können – und so hab ich die Aussage mal interpretiert. Damit kommt man natürlich zwingend besser weg als sonst irgendwie. Auf die Frage nach der Taxamteranzeige konnte ich leider keine befriedigende Antwort geben, denn meine erste Tour mit 1.000 € oder mehr lässt leider schon seit geraumer Zeit auf sich warten. Und meine Leser aufzufordern, in Berlin den Bahnverkehr stillzulegen, halte ich zum einen juristisch für gewagt, zum anderen dürfte ich diese Grenze auch unter besten Bedingungen nur schwer knacken. Ich müsste dazu über 750 km Fahrtstrecke zurücklegen, was bei einer 10-stündigen Schicht schon eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 75 km/h bedeuten würde – dass das in der Stadt nicht machbar ist, erklärt sich wohl von selbst, ohne gesondert darauf zu verweisen, dass auf 70% der Straßen in Berlin Tempo 30 gilt.

Es wird wohl von Taxameter zu Taxameter anders sein, ich vermute aber, dass sich eine vierstellige Zahl (vor dem Komma) wohl anzeigen lassen wird. Mein Taxameter zeigt beispielsweise den Gesamtumsatz auf 4 Stellen an. Was im Grunde aber schon albern ist, da die Kiste ja längst im sechsstelligen Bereich ist …

Erwischt!

Das Satire-Magazin „Der Kojote“ kann mit einer besonderen Meldung aufwarten:

In Berlin ist ein falscher Taxifahrer aufgeflogen, weil er den Weg ohne Navi fand!

Ich mag grundloses Genörgel über Taxifahrer aus verständlichen Gründen nicht. Aber ich denke, über sich selbst lachen zu können, sollte man trotzdem nicht verlernen. 🙂

Danke an Martin und Hans für den Hinweis, ich freu mich immer über interessante oder lustige Links zum Kommentieren.

Außerhalb der 1925

Ich bin ja nicht der einzige Fahrer da draußen. Deswegen – und weil ich seit geraumer Zeit keine erwähnenswerten Kunden hattte – möchte ich mal ein paar Links loswerden:

Daniel traf beispielsweise jemanden wieder, der ihn schon einmal kotzen gesehen hat.

Klaus stellt einmal mehr fest, dass das mit dem Umsatz am Ende irgendwie immer dasselbe ist.

Reinhold aus München hat Probleme mit der Werbung seiner Funkzentrale.

Selbst Mia aus meiner alten Heimat Stuttgart hat mal wieder Fahrgastgeschichten

Und auch sonst haben fast alle außer mir in letzter Zeit mal wieder was interessantes zu erzählen. Wer die Blogroll in meiner Seitenleiste bislang mit Verachtung gestraft hat, sollte es sich vielleicht nochmal überlegen. 😉

 

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

Abonniert doch den RSS-Feed von GNIT. Mehr von Sash gibt es außerdem bei Facebook und bei Twitter.

Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Temperamento germano

Als ich ins Licht trat, wollte ich meinen Augen kaum glauben:

„Eine Hauptstraße? Ehrlich? Was soll der Scheiß denn jetzt?“

Die Welt hatte sich eindeutig gegen mich verschworen, denn an dieser verfickten Stelle sollte der Bahnhof zum Umsteigen sein. Ich schwitzte, mein Reisegepäck hing mir schwer auf der Schulter und die Schmerzen in meinem Bein waren kurz vor der finalen Stufe „unerträglich“.
Bis vor fünf Minuten war die Sache noch einfach dumm gewesen, jetzt wuchs mir das alles über den Kopf. Fünf Tage zuvor war ich in Berlin aufgebrochen, das Ziel war zunächst ein Kaff im Rems-Murr-Kreis, danach ging es mit 20 Kids und 5 weiteren Betreuern nach Nordspanien. Eine Freizeit. Die Anreise kostete mich irgendwas um die 30 Stunden. Anstatt nun zwei Wochen Spiel und Spaß mit den Kindern zu genießen und eine schöne Zeit zu haben, hatte ich mich bereits am ersten Nachmittag am Strand verletzt.
Nachdem die ungefähr 105-jährige Ärztin am Campingplatz vor Ort mich aufgemuntert und via Behelfsdolmetscher (der gerne so ähnliche Worte wie Jacke und Hamsterkäfig verwechselte) eine Zerrung diagnostiziert hatte, wusste ich nun, ein paar Tage später, dass das Wadenbein durch war. Sauberer Bruch, soweit kein Problem – sagte zumindest der deutsche Arzt des Nachbarortes, nachdem er mich zweimal geröngt hatte:

„Wir müssen nochmal. Da hatte ich, hihi, wohl die Dosis zu niedrig eingestellt und sie sind ja schon etwas kräftiger gebaut …“

So sauber der Bruch auch war – und so angenehm die futuristisch anmutende verstellbare Schiene sein sollte: Ich hätte vielleicht voraussehen können, dass es sich mit einem gebrochenen Bein und zwanzig Kilogramm Gepäck nicht wirklich komfortabel durch die spanische Mittagshitze laufen lassen würde.

Da die Freizeit hauptsächlich aus sportlichen Aktivitäten bestand und ich zudem schon bei den rund 200 Metern zum nächsten Klo jedes Mal Höllenqualen litt, war mir ein frühzeitiger Heimflug organisiert worden. Am Tag des Barcelona-Ausfluges von ebendort. Nachdem ich mich von der Gruppe getrennt hatte, sollte ich laut Linienplan mit einmal Umsteigen zum Flughafen kommen. Zeit hatte ich ungefähr sieben Stunden, da war die Planung großzügig.

Und ja, da stand ich nun. Mitten in der Stadt auf irgendeinem Prachtboulevard, auf den ich gelangt war, nachdem ich versucht hatte, der spanischen Beschilderung zum Gleis der Flughafenlinie zu folgen. Meter um Meter bin ich einem endlosen Tunnel ins erlösende Licht gefolgt, nur um am Ende festzustellen, dass ich mich zwar tot fühlte, aber immer noch in Barcelona war. Und zwar offensichtlich weit entfernt von meinem Gleis. Wo ich stand, deutete nichts auch nur auf die Existenz eines schienengeführten Verkehrsmittels hin.

Also beschloss ich, mich an die straßengebundenen zu halten.

Ich winkte das nächstbeste Taxi heran und wurde mit einem unwahrscheinlich lauten und enthusiastischen Wortschwall auf Spanisch empfangen. Ich wollte eigentlich schnell einwerfen, dass ich nur deutsch und englisch spreche, aber ich musste mir den Monolog erst einmal anhören, bis ich unterbrechen konnte. Mein Gegenüber war eine zierliche kleine Frau mit langen schwarzen Locken, eher groben Gesichtszügen und einem geschätzten Alter von etwa 40 Jahren. Meinen Einwand, ich wäre leider nur ein Tourist aus Deutschland und könne allenfalls auf Englisch kommunizieren, beantwortete sie mit einem weiteren Monolog, der sich nach nur ungefähr anderthalb Minuten tatsächlich als etwas entpuppte, das sie für Englisch hielt. Aber was hätte ich erwarten sollen? Ich war ehrlich gesagt verdammt froh, dass sie mich überhaupt verstand. Meine Spanischkenntnisse waren zwar nach dem Studium des Linienplans zwar um 20% umfangreicher, was aber lediglich hieß, dass ich nun außer „dos cervezas por favor“ auch „aeropuerto“ sagen konnte. Wobei ersteres bei der Frau sicher auch lustig geworden wäre.

Gemeinsam haben wir mein Gepäck in den Kofferraum ihres runtergerockten 124er-Mercedes gewuchtet, danach hab ich auf einem leicht ins gräuliche abdriftenden Fellbezug auf dem Beifahrersitz Platz genommen. Meine Fahrerin hat mir extra den Sitz weitestmöglich zurückgestellt, damit ich mit möglichst ausgestrecktem Bein sitzen konnte. Im Grunde konnte ich sowohl sitzen als auch stehen – geschmerzt hat vor allem das An- und Abwinkeln im jeweiligen Moment.
Ich erklärte ihr, warum und dass ich zum Flughafen wollte, was sie mit enthusiastischen Sätzen quittierte, die ich allenfalls zur Hälfte verstehen konnte.

Aber – und das muss man wirklich sagen – sie war nett und zuvorkommend. Aber eben auch sehr gesprächig.

Dass sie das „temperamento germano“ zu schätzen wüsste und deutsche Autofahrer bewunderte, war allenfalls halbironisch gemeint. Denn beim Fahrstil orientierte sie sich alsbald an deutschen Autobahndränglern der schlimmsten Sorte. Dass ich mehrere Stunden Zeit hatte, wusste sie – zumindest hatte sie vorgegeben, mich zu verstehen. An der Sache geändert hat das nichts. Hoffe ich zumindest. Denn sollte das, was mir in den folgenden 25 Minuten passiert ist, die harmlosere Variante sein, dann Hut ab vor allen, die den Normalbetrieb überlebt haben!
Dank des dichten Verkehrs war es kaum möglich, schneller als 100 km/h zu fahren, das jedoch tat sie konsequent. Ich hab, damals selbst auf dem Weg zum Taxifahrer, plötzlich einige erweiterte Kenntnisse über die Fahrphysik von Autos kennengelernt. Zum Beispiel wusste ich nicht, dass sich Spurwechsel auch tätigen lassen, wenn die auf der zu erreichenden Spur vorhandenen Lücken zweifellos kleiner sind als das Auto, das man in sie hineinquetscht. Und bezüglich Multitaskingfähigkeit lag die Dame auch weit vorn, immerhin beherrschte sie es, gleichzeitig zu hupen, zu drängeln, währenddessen zu bremsen und mir eine Zigarette anzubieten.

Ich bin kein schreckhafter Beifahrer, aber während der vielleicht knapp zwanzigminütigen Fahrt hab ich das Bodenblech auf der Suche nach einer Bremse soweit durchgetreten, wie es nur ging. Was die gute Frau nicht davon abbrachte, mir nebenbei und den Blick von der Straße nehmend zu berichten, wie sehr sie an den Deutschen schätzen würde, dass die so zivilisiert fahren würden. Nee, is‘ klar!

Abgesehen von der ein oder anderen Nahtoderfahrung hab ich die Fahrt aber in guter Erinnerung. Die Fahrerin half mir, wo es nur ging, war nett und bemüht und die 19 €, die das alles kostete, schienen zumindest mal nicht allzu überteuert zu sein. Ob ich damit richtig liege, weiß ich ehrlich gesagt bis heute nicht, da ich ja nicht einmal weiß, wo ich sie rangewunken habe.

Auf den Flug musste ich wie eingangs erwähnt ewig warten, erschwert durch die Tatsache, dass ich – das wird sicher eigene Blödheit gewesen sein, das ist mir klar! – in all den Stunden keine Uhr gefunden habe. Dass ich meinen Sitzplatz wegen meines geschienten Beines wechseln musste, mutete irgendwie absurd an, im Gedächtnis behalten habe ich aber eher den phänomenalen Start von Barcelona aus: Der Blick auf Meer und Küste, wenn das Flugzeug die erste Schleife fliegt, ist unbezahlbar.

In Berlin landete ich kaum anderthalb Stunden später in Tegel. Von dort aus hab ich kein Taxi genommen, sondern den Bus. Wahrscheinlich, weil es mir sicherer vorkam. Ein gebrochenes Bein war schlimm, sterben wollte ich dennoch lieber erst später …


PS: Ich hab die Tage viel um die Ohren und arbeite ausnahmsweise trotz Wochenende nicht. Nicht ohne Grund hab ich jetzt eine Geschichte von 2008 geschrieben. Wird die Tage also etwas ruhiger. Aber keine Panik: Ich komme wieder! 🙂