Günni, Wulle und ihr Schatzilein

Mal flott eine Winkerin in Lichtenberg aufsammeln. Fahrtziel Prenzl’berg, so weit, so gut. Die Straße kannte ich und bezüglich der Hausnummer wollte sie helfen. Und es wäre ja so super, dass ich gerade vorbeigekommen bin! In Anbetracht der später eingeworfenen Tatsache, dass es danach noch fast bis nach Pankow ging, war das eine lohnende Tour. Aber mehr Gespräch, als mir lieb war. Und das will was heißen!

„Weißte, ich bin auch ’n bisschen verrückt. Nix gegen die Mucke. AC/DC haben gut Songs, aber die Lautstärke da? BUMM BUMM BUMM! Ich halt‘ das nicht aus!“

„Ja, wenn’s zu viel ist …“

„BUMM BUMM BUMM!!!“

Ich dachte bis dato, ich hätte das mit der Lautstärke verstanden, aber ehrlich gesagt, war ich auf Metal-Konzerten, die nicht halb so unangenehm waren, wie diese 50-jährige, die mir nun „BUMM BUMM!“ ins Ohr schrie.

Und das war’s nicht. Da war einmal Günni, der sie verachtenswerterweise auf diese Party geschleppt hätte – und dann natürlich Wulle! Wulle, der immer „so derbe hässliche Weiber“ abschleppt. Sie mag ihn ja, aber als sie ihm dieses Mal dieses „Vieh“ vorstellen wollte, hat sie ihm auch ganz ehrlich gesagt, dass sie das nicht haben wolle. Und Ehrlichkeit ist eine Tugend, nur um das mal klarzustellen!

Holy Fuck!

Aber gut, die Sache mit Günni und Wulle war jetzt durch. BUMM BUMM BUMM, nur fall’s ich’s vergessen haben sollte.

Der Zwischenstopp erfolgte dann bei Schatzilein, der jetzt wegen der Schichtarbeit natürlich schläft. Dem hat sie nur kurz ein paar Scheine aus der Tasche gezogen, um bei Uschi („Kennste sicher, die Kneipe da am Eck!“) noch ein paar Bier zu Beruhigung zu trinken.

„Das BUMM BUMM BUMM geht mir nicht aus dem Kopp!“

Ich hab während des Stopps kurz überlegt, unbezahlt stiften zu gehen. Hab ich dann natürlich trotzdem nicht gemacht. Offenbar zu recht, denn sonst hätte ich nie erfahren, dass sie im Gegensatz zu den „Viechern“ von Wulle wenigstens erst saufen geht, wenn sie Schatzilein ein Brot für die Arbeit geschmiert hat.

Seems … legit?

Ich hake das mal unter „Milieu-Studie“ ab, ok?

9 Kommentare bis “Günni, Wulle und ihr Schatzilein”

  1. Roichi sagt:

    Macht ACDC jetzt Industrial?
    Das hätte ich denen nicht mal mit Axl Rose zugetraut.

  2. Ana sagt:

    So hat halt jeder seine Werte und Grenzen… :>

  3. Ich wußte gar nicht, dass die Opelz-Motoren so dröhnen bei der Fahrt… 😉

  4. Cliff McLane sagt:

    @Sash, ich hab mir’s gestern mittag nicht getraut, die eine Geschichte zu erzählen, weil die ist so Klischee, dachte ich, die kauft mir eh keiner ab. Aber ich schwöre, sie ist wahr.

    Also, damals in Berlin, da lud mich eine gute Freundin zu einer Party ein. Studentenparty. Was kann da schon schiefgehen?, dachte ich. Studenten, Bier, Kartoffelsalat, was halt so üblich ist. Kartoffelsalat war in den 90er Jahren das total angesagte Zeug, man hatte immer mindestens fünf Schüsseln, eine immer mit Knoblauch und meine immer mit … — aber ich schweife ab.

    So, da war ich also nun irgendwo im Prenzlauer Berg oder Friedrichshain, irgendwo da halt so, in einer Altbauwohnung, und es spielte leise Klassikmusik, und irgendwelche Architekten und Betriebswirte unterhielten sich, kein Scheiß!, wie sie denn damals in Bayern die Walhalla gebaut hätten. Zwei Typen wie ich rollten leise mit den Augen und deuteten Richtung Küche, dem traditionellen Treffpunkt der Anarchisten, wo wir Bier fanden und gemeinsam einen Joint rauchten.

    Die Feier wurde nicht besser, und die Freundin, die mich eingeladen hatte, entschuldigte sich bei mir, was ich sehr nett fand. Ich schlich mich also ohne mich zu verabschieden aus der Tür und stand da irgendwo auf einer Straße im Friedrichshain oder Prenzlauer Berg oder irgendwo im Osten halt … und da erschien mir ein Licht! Ein Licht am Ende der Straße! Ein Kneipenschild! Oh Ort meiner Sehnsucht! Normale Menschen mit normalem Bier!

    Ich ging also da hin, trat ein, setzte mich an einen einsamen Ecktisch und sprach zu der Wirtin, „Ein Bier bitte“. Die Wirtin berlinerte freundlich ob ich mich denn nicht an den Tresen setzen möge. Was ich aufgrund der freundlichen Aufforderung dann auch tat, nur am anderen Ende des Tresens saß so ein Dreigespann aus Wulle, Nulle und Knulle, die sich irgendwie nicht einigen konnten, wer denn jetzt zuletzt mit der Mulle … nun ja, wie auch immer.

    Neben mich gesellte sich Kalle, der war knülle, und spendierte mir noch zwei Bier und zwei Korn und erzählte mir von seiner Zeit in der Fremdenlegion. Das kannte ich schon, jeder zweite Berliner Wehrdienstverweigerer erzählt dir was von der Fremdenlegion, die haben damals in den 70ern die falschen Pilze gegessen, die haben nämlich die Franzosen über Tegel abgeworfen, weißt du. Nee, nicht der Flughafen, Tegeler See, da wachsen die besten Pilze, weissu …

    So, es war Sommer, die Nacht war lau, und ich hatte keine Ahnung wo ich war, also: Taxi!

    Dit kam. Rasch. Die Wirtin, Gabi, glaub‘ ich, hieß sie, hat dafür gesorgt. Ich hätte sie gerne geküsst, aber sie war sehr damit beschäftigt, Wulle, Nulle und Knulle auseinanderzuhalten, die sich inzwischen wegen Hertha und Dynamo Dresden in die spärlich vorhandenen Haare gekriegt hatten.

    Ich fiel also seitwärts von rechts in den Wagen, hörte von links ein grunzendes Geräusch, das ich als „Wohin?“ interpretierte, und grunzte zurück, „Kreuzberg, Wrangelstraße“.

    Mein plötzlich wieder nüchterner Blick wandte sich nach links, und mein Gehirn erblickte einen Fleischklops, gegen den Meat Loaf vor Neid erblassen würde, nur er sang keinen Rock’n’Roll, sondern fragte nur: „Wotan?“. Dass er „Wo da?“ meinte, erschloss sich mir nicht, denn wer die Wrangelstraße kennt, der weiß, die ist nicht lang, also antwortete ich, „na irgendwo in der Straße halt“.

    Unter weiterem Knurren und Brummen, wobei ich nicht unterscheiden konnte, welche Geräusche vom Fahrer und welche vom Fahrzeug stammten, bewegten wir uns also Richtung Heimat, Richtung Kreuzberg. Wobei ich auch feststellte, dass ich mich tatsächlich im Friedrichshain befunden hatte. Das also erklärte die Schnöselparty und Wulle, Nulle und Knulle.

    An einer Ecke erblickte ich erneut ein Licht und ich befahl dem Fahrer, er möge anhalten, jetzt, sofort! Nach Entrichtung eines kleinen Obolus betrat ich den Palast meiner Begierden, und ich betete zum Fakir, dem Meister der Schwerter, er möge mir Fleisch absäbeln von dem allzu köstlichen Spieß, denn es hungerte mich gar sehr.

    Nebenbei fragte ich mich, wann ich den einen von den drei Joints geraucht hatte, die mir der vernünftige Mensch auf der Party mitgegeben hatte. Doch wohl nicht gar im Taxi?

    Nachdem ich nun also den köstlichen Döner verzehrt und ein osmanisches Efes Pilsener getrunken hatte, und die Nacht lau war und es dämmerte, begab ich mich zum Landwehrkanal um den Schiffen beim Schippern zuzuschauen. Dort gibt es Bänke, die sind sehr einladend, und da ich noch zwei Efes Pilsener eingeladen hatte …

    … weckte mich so gegen Mittag die Polizei.

    In der Jacke fand ich dann sogar noch den übrigen Joint. Und ohne Navi nach Hause.

  5. Ana sagt:

    Das klingt wie ein wundervoller Abend

  6. Benny sagt:

    Ich habe kein Wort verstanden aber egal.

  7. Sash sagt:

    @Cliff McLane:
    Ich fürchte, wir sind ein paar Jahre auseinander, aber: Hell yeah, was hätten wir gemeinsam eine gute Zeit haben können, als bei mir noch kein Führerschein zu verlieren war!

  8. the passenger sagt:

    @ Cliff McLane .
    warum sollte man Dir diese Geschichte nicht abkaufen? Klingt doch nach ’nem ganz normalen Abend 😉
    Eine Freundin von mir ist übrigens auch mal von der Polizei geweckt worden. Sie hatte ’nen Kater vom Vorabend; keine Aspirin mehr im Haus und kam auf die glorreiche Idee, einen Jack Daniels als „Kopfschmerzmittel“ zu trinken. Wie es so ist, es blieb nicht bei einem. Irgendwann wollte sie dann noch zu mir fahren; ist aber an der Bushaltestelle eingeschlafen. Da kam dann auch die Polizei. Ihr trockener Kommentar mir gegenüber dann: „Konter-Jacky mach‘ ich besser nicht mehr…“.

  9. Cliff McLane sagt:

    @ana, Sash, passenger et al.:

    Wie ich die Story oben hinbekommen habe, ich weiß es nicht. Ich hab das runtergeschrieben ohne Tippfehler und ohne Vorbereitung.

    @passenger,
    ist „Konter-Jacky“ die alkoholische Version von Counterstrike? — Weißt du was ich garantiert nicht mehr mache? In meinem fortgeschrittenen Alter habe ich mich überreden lassen, für einen Dartclub (Leute die besoffen mit Pfeilen werfen) den Ausschank in der Bar zu übernehmen. Auf Provisionsbasis.

    @Sash,
    > Ich fürchte, wir sind ein paar Jahre auseinander,
    Ja, scheint so, aber
    > Hell yeah, was hätten wir gemeinsam eine gute Zeit haben können
    Hell yeah, we’re having a frickin‘ good time always! Keep the faith!

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