Taxicontent ist die Woche wenig angefallen. Und nachdem am Montag Weihnachtsfeier war, hab ich mich an den Rest auch nicht mehr erinnert. 😉
Beim Überlegen, wie ich mich hier zurückmelde, sind mir die Zigaretten ausgegangen, ich bin kurz raus und als ich wieder reinkam, hatte ich das Bedürfnis, mich über Adressenplanung zu beschweren. Denn vor meiner Haustüre stand ein verstörter Lieferant, der den Eingang, bzw. die Klingel zu unserem neuen Café im Haus nicht gefunden hat. Was kein Wunder ist, denn es residiert zwar unter unserer Hausnummer und liegt schräg unterhalb meines Zimmerfensters allerdings sind mein Zugang und der zum Café 150 Meter voneinander entfernt, weil selbiges auf der Rückseite des Wohnblocks liegt, es keine Lieferanfahrt hat und man deswegen einmal ums Haus in die Fußgängerzone muss. Und Ansagen wie „Die Nummer kenn ich nicht, aber is’n Café …“ hab ich auch schon gehört. Da stehste morgens um 5 Uhr ziemlich blöd da, wenn nicht gerade der ortsansässige hauptberufliche Auskenner Kippen holen ist.
Und ich hatte neulich auch so eine (wenn auch kurze) Suche: Die Lea-Grundig-Straße hier direkt ums Eck. Wenn man sich das gemütlich auf einer Karte anschaut, dann erkennt man schnell, dass sie dem Teil der Straße, der nur einseitig bebaut wurde, aufsteigende gerade Hausnummern gegeben haben und zusätzlich dem nördlichen Block, der von drei Seiten Lea-Grundig heißt, zur Abgrenzung ungerade Zahlen. Wenn man aber, und das war bei mir die Woche der Fall, auf der Suche nach Nummer 49 frohgemut von Anfang an die Straße geradeaus entlang fährt, ergibt sich folgende „fortlaufende“ Nummerierung:
2, 4, 6, 8 […] 44, 46, 48, 50, 52, 53, 51, 49, 47, 45.
Was bitte muss man rauchen, um auf die Idee zu kommen, dass nach der 52 noch ein Block mit den Nummern 53 bis 45 kommt? Und das wäre noch bei weitem nicht alles, was mir zu den Nummern dort einfallen würde. Ich bin nur weitergefahren, weil ich’s im Grunde aufgegeben hatte und Zeit brauchte, um das Navi zu programmieren. Bei sowas ist man um die Dinger froh, aber wie man am Lieferanten heute gesehen hat: Vor allen perfiden Ideen schützt einen das auch nicht.
PS:
In solchen Fällen ist man auch als Taxifahrer froh, wenn die Leute sich vor Ort auskennen oder entsprechende Hinweise bei der Bestellung geben. Bei der Fahrt in die Lea-Grundig hatte ich das Navi zu Beginn nur deshalb nicht an, weil ich eine Kundin heimgebracht habe. Dass sie dort erst drei Tage wohnt und noch nie von Süden aus in ihre Straße gefahren war, hab ich dann erst bei Nummer 38 oder so erfahren. 🙂
Die das geplant haben müssten alle noch nachträglich den Orden
‚Verdienter Desinformator des Volkes‘ ( am Bande) erhalten.
Es wirkt genau dann plausibel, wenn man aus Osten kommt und rechts immer ungerade hat und links immer gerade. Absteigend. Aber auch nur dann…
Die Berliner Hausnummern sind ja allgemein gerne mal für Verwirrung gut und ein Zeugnis der turbulenten Geschichte der Stadt. Für Interessierte gab’s dazu im April diesen Jahres einen sehr spannenden Artikel im Tagesspiegel, samt interaktiver Karte aller Berliner Straßen mit ihren verschiedenen Nummerierungssystemen:
http://www.tagesspiegel.de/berlin/datenanalyse-wie-das-chaos-bei-den-berliner-hausnummern-entstand/13426854.html
Das klingt ähnlich dämlich wie „unsere“ Nummerierung hier im Ort:
Ich wohne in einem Häuserblock an einem kleinen Platz (Schick mit Brünnchen und so) mit 16 Reihenhäusern drumherum. Nennen wir ihn mal „Brunnenplatz“. 12 dieser 16 Hauser sind vom besagten Friedrichplatz aus erreichbar.
4 Hauser, darunter unseres, ist „andersherum“ gebaut: Nicht wie alle anderen mit dem Hauseingang und der Garage, sondern mit dem Garten zum Brunnenplatz. Was zur Folge hat, dass Hauseingang und Garage auf der anderen Seite liegen: In der Dingsdastrasse.
Also haben wir die Postadresse „Brunnenplatz 4“ – zu Fuss oder mit dem Auto muss man aber in die Dingsdastrasse, zu den vier Häusern zwischen den Hausnummern 12 und 14.
Du kannst dir vorstellen, was das jedesmal für ein Hallo ist, das jemandem zu erklären 😀
Nachtrag: Wenn man sich Fake-Strassennamen ausdenkt, sollte man dabei bleiben und nicht während der Erklärung zum richtigen Platznamen wechseln… ^^
Das Haus in dem ich wohne ist auch so ein Fall. Es liegt an einer Kreuzung zwischen K-Gang und G-Wall. Es gehört aber zur E-Straße, die auf der anderen Seite der Kreuzung anfängt, weil die Haustür diagonal über die Kreuzung zeigt. Auf einer Karte kann eins die Logik erkennen, aber wenn das Navi sagt „Sie haben Ihr Ziel erreicht“ wenn das Auto noch im G-Wall ist, ist das sehr verwirrend.
Dazu kommt noch, dass es die Hausnummer 2 hat. Natürlich haben die Nachbarhäuser im K-Gang und G-Wall auch beide die Hausnummer 2. In der E-Straße ist erst mal eine Lücke in der Bebauung und am anderen Ender der E-Straße gibt es auch nochmal die Hausnummer 2, die aber zu einer vierten Straße gehört die da abbiegt…
Ich hatte auch schon mal die Bullen im Treppenhaus, suchend nach jemand der im K-Gang 2 wohnte. Für Lieferdienste gebe ich immer „Ecke K-Gang“ an, das klappt meistens.
Der Cafébetreiber könnte natürlich für Lieferanten auch ein Schild an die zur Adresse passende Tür hängen, wo drauf steht, dass das Café einmal ums Haus rum ist…
Übrigens ist die verlinkte Karte lustig: Zoomt man einmal aus, steht da, wo fälschlicherweise Mehrower Allee steht, dann korrekterweise Lea-Grundig-Straße. Keine Ahnung, wo da der Fehler liegt (ich vermute ja fast eher in der OSM-Software selbst, als im Kartenmaterial…)
@Wahlberliner:
Das liegt an mir. 😉 Ich hab‘ nämlich vor ein paar Minuten den Straßennamen bei OSM korrigiert, nachdem ich den Beitrag hier gelesen habe. Allerdings werden die verschiedenen Zoomstufen nur nach und nach neu erzeugt; daher ist bei einigen im Moment noch die Mehrower Allee zu sehen. In spätestens ein paar Stunden dürfte alles einheitlich und korrekt sein. (Bis auf Sashs Anmerkung, die dann natürlich veraltet ist.)
Ach, da gibt es noch verwirrendere Nummerierungen. Zum Beispiel wohnte mein Onkel in einem Dorf, das vor noch nicht so wahnsinnig langer Zeit (als er dort hinzog) noch so klein war, dass die Häuser einfach durchnummeriert waren. Sie standen auch nicht besonders dicht. Nun hat man da nicht nur am Rand neu gebaut, sondern auch den Ort an sich verdichtet. Und dann nicht etwa die alten Hausnummern geändert, sondern einfach weitergezählt. Nun hat man da einen Haufen Häuser, die einfach in der Reihenfolge, in der sie gebaut wurden, durchnummeriert sind.
Typisch DDR
Das erinnert mich an meine Fahrt zur Dolgenseestraße, mehrere Häuserblöcke mit dem gleichen Namen. Der Kundekonnte sich nur erinnern, dass es ein Neubaublock war 😀
@mosel:
Stimmt nicht, das gibts auch z.B. im Märkischen Viertel, das im ehemals französisch besetzten Sektor liegt.
STUTTGARTER ZEITUNG:
In Besigheim und in Bietigheim ( sprich: Bietighoim) gibt’s auch Hausnummernsalat:
Weil die Hausnummern dort nach dem Datum des Hausbaus vergäbe wore sinn.
Des tun die Retter im Einsatz gar net mög’n..
(Aus der Abteilung ‚Berlin, du bisch garnet so alloi wie‘ sch ellweil denksch‘)
Für uns Taxifahrer ist sowas schon blöd, für die Anwohner is es noch viel blöder. Wenn das bestellte Taxi zu spät oder gar nicht kommt, die gelieferte Pizza meistens kalt ist und man Pakete nach dem 3. eigenhändigen Abholen irgendwo nur noch in die Packstation liefern lässt, alles doof… wenn aber wegen so einem Mist im Notfall der Rettungswagen wertvolle Minuten verliert, ist es nur noch katastrophal.
Ich hab unlängst genau das mal mit einem Fahrgast diskutiert, der Rettungssanitäter von Beruf ist. Ich Dusseltier dachte doch, in diesen superteuren Autos wären irgendwie so Highend-Navis verbaut. Ja, Hustenkuchen, die gurken mit völlig normalen Navis wie Otto Sich-normal-Verfahrer durch die Gegend. Er meinte, wer in so einer Gegend wohnt, sollte im Notfall, sofern vorhanden, jemanden zum Einweisen vor die Tür schicken. Wenn man denn jemanden hat, hat man Glück…
Das wär doch die ideale Möglichkeit für NSA und CIA, sich selber zu finanzieren: Daten von Spionagesatelliten als Spezialnavisoftware verticken. 🙂
Ach, gibs in Kuhdorf auch – nur eben in kleiner. In einer Dorfstr. haben wir die Hausnummern 6 und 6a-f. Wer aber vermutet, dass das Alphabet gerade durch die Straße läuft, wird sich wundern. Die Buchstaben wurden nach Erstbebauungsjahr der Grundstücke vergeben, daher sieht die Reihenfolge ungefähr so aus: 6; 6e; 6c; 6a; 6f; 6b Hinzu kommt, dass die Hausnummern zum Teil sehr „kreativ“ angebracht und dann kaum zu finden sind – zur großen Freude jedes Menschen, der nach Feierabend im Dunkeln was vorbei bringen soll… 😉
Bei uns steht bei den meisten Dörfern ein „Lageplan“ am Dorfeingang. Man tut gut daran, ihn zu lesen, sonst findet man nix, da die Häuser wie schon weiter oben beschrieben nach Baueitpunkt nummeriert sind. In einer Reihe nebeneinader stehen da z.B. Die Häuser Nr. 1,13, 7 und 7einhalb (ja, wirklich einhalb), 3 und 22
Wohl dem, der im Notfall jeamnden hat der sich an den Ortseingang stellt um dem RTW den Weg zu weisen…
Ich war früher öfters in Berlin, eine für mich gebuchte Pension habe ich tatsächlich fast nicht finden können.
Die Straße war kein Problem aber die Hausnummern waren wild verteilt.
Eine Oma konnte mir weiterhelfen als ich schon aufgeben wollte (Handy gab es damals noch nicht).
Sie meinte nach dem Krieg wurden die Neubauten durchnummeriert und manche Baulücken wurden erst nach Jahren geschlossen.
Grüße
Martin
@Sash: Ist jetzt zwar komplett OT, aber wenn ich deinen privaten Blog aufrufen will kommt seit sagen nur ein „Internal Server Error“ – hast du den eingestellt?
In meiner Strasse war in der Vergangenheit alles ganz einfach. auf der einen Strassenseite beginnt die nummerierung mit 1, es folgen die ungeraden zahlen. auf der anderen Strassenseite liegt zuerst ein friedhof, dann kam nach einer 90°-Kurve ein brachliegendes Gelände, und nach einer Weile begann die Nummerierung an unserem Haus mit der 2.
Blöderweise bleiben brachliegende Gelände oftmals nicht in diesem Zustand.
Seit Anfang 2016 wurde auf dieser Wiese nun ein Neubaugebiet aus dem Boden gestampft (in untenstehendem Google-Maps-Link noch im Bau befindlich, mittlerweile fertig).
Jetzt ergibt sich daraus folgende Neunummerierung: der tote Arm der Finkhütte, der bis zum Gymnasium führte (dieses gehört aber zu einer anderen Strasse) führt jetzt zu den Hausnummern 2a – 2e. An der eigentlichen Finkhütte folgen nun nach der Kurve am Friedhof die Hausnummern 2f – 2j. DANN folgt ein Haus mit der Hausnummer 2, dieses zählt aber nicht zur Finkhütte, sondern zu einer unscheinbaren neuen Kurzstrasse durch das Gebiet (Amselweg). DANACH wiederum kommt der immer schon dort befindliche Block mit den Hausnummern 2, 4, 6 und 8.
Wir haben hier momentan so RICHTIG Spass mit sämtlichen Liefer-, Paket- und Pizzadiensten. Ich selbst habe bereits einen Pizzaboten im Treppenhaus der 2 und eine Paketbotin vor der Tür abgefangen, die jeweils zu einer 2 mit Buchstaben wollten.
(Fun Fact am Rande: der o.g. ursprünglich unbebaute tote Stichweg zur Rückseite des Gymnasiums hat vor einigen Jahren mit grossem Brimborium einen eigenen Namen in Ehren eines verdienten Mitbürgers der Stadt bekommen. Irgendjemand kam dann auf die Idee, sich dessen Vita genauer anzusehen – dabei kam heraus, dass er gar nicht so toll war 😉 und ein paar Monate später wurde alles – leise und kleinlaut – wieder rückgängig gemacht)
ups, das wichtigste fehlt:
https://www.google.de/maps/@53.5078059,10.4871989,348m/data=!3m1!1e3
ach so … um das ganze nicht zu sehr zu vereinfachen, hat man die dichte Hecke, die einst die Wiese von der Strasse trennte, stehen lassen, so dass es auch noch äusserst schwierig ist, die Hausnummern 2f – 2j abzulesen. einzig die – falsche – Nr 2 ist gut zu sehen 😀
Erklär mal Postboten, dass die 40 gegenüber der 90 liegt und die Nummerierung dann links direkt weitergeht, rechts aber erst nach 500 Metern Grünfläche, Feldwegen und Kurve die 41 kommt. Was haben die hier in der Strase schon geflucht ^^
Ich bin immer noch fasziniert von der Lichtenberger Straße an der Grenze von Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg. Nördlich des Strausberger Platzes ein nördlich offenes Hufeisen, das am Platz der Vereinten Nationen mit der 5 auf der westlichen Straßenseite beginnt, dem gegenüber die 16 liegt. Südlich gibt es auf der östlichen Straßenseite ein zweites Hufeisen, nach Süden offen. Westlich mit den Nummern 17 und 18, östlich schließlich mit allen restlichen Hausnummern ab 20. Alles klar?