Sonnenschein-Paradoxon

OK, zugegeben: So richtig paradox isses nicht, aber es verwundert durchaus, dass jetzt mit steigenden Temperaturen auch wieder mehr Taxifahrgäste zu verzeichnen sind. Eine allgemeine Logik, die alleine im Wetter begründet liegt, ist aber auch nicht erkennbar. Denn witzigerweise liegen ja im Taxigewerbe der durchschnittlich beste Monat (Dezember) und der schlechteste (Januar) unmittelbar nebeneinander, meist im Winter. (Meteorologische Ausnahmen in den letzten Jahren zwingen mich zu dieser Relativierung)

Mich hat’s heute der Sonne wegen ein bisschen zu früh aus dem Bettchen gebrezelt, da dachte ich, ich könnte Euch optimale Zielgruppe doch mal fragen, wann ihr lieber ins Taxi steigt:

Im Winter, wenn es zu kalt zum Laufen und zu dunkel ist, um im Weg herumliegende Baugruben zu sehen – oder im Sommer, wenn man bei jedem Schritt ins Schwitzen gerät und wenn man im Taxi wenigstens gesehen wird?

Fahrt Ihr öfter Taxi, wenn es warm und hell ist?

  • Ich mag ja lieber Spaghetti Napoli. (50%, 237 Votes)
  • Da ändert sich bei mir nix. (27%, 127 Votes)
  • Nö, natürlich eher im Winter, wenn Laufen nervt. (18%, 87 Votes)
  • Sicher, da bin ich ja öfter unterwegs. (5%, 23 Votes)

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Über alles reden …

„Was krissn?“

„8,60 €.“

„Wir könn’n über alles reden, oder?“

Ach du meine Scheiße, nicht im Ernst, oder? Man sollte wissen, dass ich davor knapp – ok, wirklich nur ganz knapp – über eine Stunde am Ostbahnhof angestanden habe für die Fahrt.
Ich weiß, dass ich hier immer besonders uneinsichtig klinge, was den Fahrpreis angeht – aber das bin ich normalerweise ja auch nicht ohne Grund. Ausgerechnet während der Arbeitszeit hab ich eben das wenigste Geld zu verschenken. Denn da kostet es mich wegen des Verdienstausfalls quasi das Doppelte. Das stimmt zwar auch nur bedingt, schließlich kriegt mein Chef die Hälfte (wovon aber auch ein Großteil für laufende oder galoppierende Kosten rausgeht), es fühlt sich für mich aber zumindest so an.

Also hab ich etwas unbeholfen versucht, diplomatisch und direkt zugleich zu sein:

„Sicher, reden können wir über alles. Aber die 8,60 € hätte ich gerne vorher.“

Woraufhin mich die Antwort überrascht hat:

„Ja nee, dit is‘ ja klar. Aber wissense, mein Freund …“

Ich war wirklich lieb zu ihr, ganz ehrlich. Aber nach rund zwei Minuten war klar, dass sie (sturzbetrunken, gerade von einem Typen zum Taxi gebracht) sich Sorgen machte, ob ihr herzallerliebster Freund auch treu sei, schließlich wäre er heute mit ein paar Kumpels im Club und da wären sicher auch Mädels dabei.
Und ich Idiot hatte die Uhr tatsächlich schon ausgestellt. Folglich hab ich mich etwas kurz gefasst, was bei meiner Einstellung zum Thema glücklicherweise auch geht:

„Eifersucht ist Scheiße! Wenn Ihr euch vertraut, dann passt doch alles. Wenn nicht, dann ist das Problem nicht, dass einer von euch alleine weggeht. Wer hat Dich denn eben zum Taxi gebracht, kennt dein Freund den?“

Erstaunlicherweise habe ich – was bei diesem Thema leider zu selten ist! – Zustimmung erfahren:

„Nee, den kennt der nicht, das ist doch der Patrick, und der ist doch nur …“

„Ja?“

„Der ist doch nur heute, weil ich … meinste echt?“

„Hey, hey, hey! Ich misch mich sicher nicht in eure Beziehung ein!“

„Nein, ey, boah, aber mal echt ey! Nee, Du hast schon Recht! So mit Heimbringen is‘ ja jetze nich‘ so des Ding ey!“

Wow! Andernorts hört manch einer Groschen fallen, ich hab derweil Geräusche im Ohr gehabt, die entstehen müssten, wenn Dagobert durch seine Taler pflügt. Abgesehen von den 1,40 € Trinkgeld war das mit den Moneten in dieser Situation aber nicht die Rede wert. Und ob ich nun einen Abend, eine Beziehung oder gar nichts gerettet habe, weiß ich nicht.

Das kann mir auch egal sein, schließlich war ich in dem Fall nur der Taxifahrer. An meiner These halte ich jedoch fest:

Nichts, aber auch ums Verrecken gar nichts ist gut an Eifersucht. Nicht teilweise, nicht ein bisschen und schon gar nicht nur in diesem oder jenem Fall. Und – man verzeihe mir den arroganten Einschub – ich bin mir aus Erfahrung dabei absolut sicher. 🙂

Aber fühlt Euch frei, mich zu überzeugen.

Zu perfekt, um blogbar zu sein

Da verspreche ich große Anekdoten vom ersten Mai vom Taxi-Rücksitz aus und dann hab ich mal wieder Dusel im Quadrat.

Ich laufe ja selten so viel durch die Stadt wie am ersten Mai, da kommt am Ende dann doch mal eine gewisse Fußlahmheit auf. Und die Fußlahmheit kombiniert mit Kreuzberg ist ein bisschen unpraktisch, weil die Polizei zumindest grob dafür sorgt, dass keine Autos irgendwo zwischen Schlesischem und Kottbusser Tor unterwegs sind. Wobei sich vortrefflich drüber streiten ließe, ob das zum Schutz der Betrunkenen auf der Fahrbahn passiert oder zum Schutz der Autos vor den Zündeleien der Betrunkenen.

Aber ebenso wie es auch nüchterne Leute am ersten Mai gibt (siehe den Autor dieses Textes), gibt es auch Autofahrer, die sich nach Kreuzberg verirren. Insbesondere Taxifahrer, schließlich sind in sämtlichen 11 Restbezirken an dem Tag nicht so viele Leute unterwegs wie hier.
Und während die Kilometer und letztlich auch die Meter unter den Füßen immer länger wurden, hielt plötzlich 5 Meter vor mir ein Taxi und spülte vier junge Tschechen in die nach Bier, Grillfleisch und Gras riechende Nacht. Und nicht nur, dass es ein fahrbarer Untersatz war, weit gefehlt: Ausgerechnet einer meiner nettesten Nachtschichtkollegen aus dem Taxihaus
Einer von vielleicht dreien unter den schätzungsweise 5.000 Taxen, die in dieser Stunde auf den knapp 900 km² Berlin unterwegs waren. Da kommen wir in die Wahrscheinlichkeitsregionen von Lottogewinnen. Dabei war es mir eigentlich bereits so egal. 10 Minuten zuvor hatte ich schon gesagt: Einfach das nächste Taxi. Meinetwegen einer, den ich danach anzeigen muss …

Aber nee, diese „Kollegen“ erwische ich dann irgendwie doch nie.

Wohl besser so. Für die zumindest. 🙂

Schlimm nur, dass ich bei meinen Lieblingskollegen nie das eingeplante Trinkgeld loswerde …

PS: Gruß an alle Leser, die mich im Laufe des Tages aufgespürt haben! Ihr wisst, wer ihr seid. Und ein spezielles Sorry an Hannes: Für ein Bier hat die Kondition gestern Abend nicht mehr gereicht. Ich hole es nach! 🙂