„Was krissn?“
„8,60 €.“
„Wir könn’n über alles reden, oder?“
Ach du meine Scheiße, nicht im Ernst, oder? Man sollte wissen, dass ich davor knapp – ok, wirklich nur ganz knapp – über eine Stunde am Ostbahnhof angestanden habe für die Fahrt.
Ich weiß, dass ich hier immer besonders uneinsichtig klinge, was den Fahrpreis angeht – aber das bin ich normalerweise ja auch nicht ohne Grund. Ausgerechnet während der Arbeitszeit hab ich eben das wenigste Geld zu verschenken. Denn da kostet es mich wegen des Verdienstausfalls quasi das Doppelte. Das stimmt zwar auch nur bedingt, schließlich kriegt mein Chef die Hälfte (wovon aber auch ein Großteil für laufende oder galoppierende Kosten rausgeht), es fühlt sich für mich aber zumindest so an.
Also hab ich etwas unbeholfen versucht, diplomatisch und direkt zugleich zu sein:
„Sicher, reden können wir über alles. Aber die 8,60 € hätte ich gerne vorher.“
Woraufhin mich die Antwort überrascht hat:
„Ja nee, dit is‘ ja klar. Aber wissense, mein Freund …“
Ich war wirklich lieb zu ihr, ganz ehrlich. Aber nach rund zwei Minuten war klar, dass sie (sturzbetrunken, gerade von einem Typen zum Taxi gebracht) sich Sorgen machte, ob ihr herzallerliebster Freund auch treu sei, schließlich wäre er heute mit ein paar Kumpels im Club und da wären sicher auch Mädels dabei.
Und ich Idiot hatte die Uhr tatsächlich schon ausgestellt. Folglich hab ich mich etwas kurz gefasst, was bei meiner Einstellung zum Thema glücklicherweise auch geht:
„Eifersucht ist Scheiße! Wenn Ihr euch vertraut, dann passt doch alles. Wenn nicht, dann ist das Problem nicht, dass einer von euch alleine weggeht. Wer hat Dich denn eben zum Taxi gebracht, kennt dein Freund den?“
Erstaunlicherweise habe ich – was bei diesem Thema leider zu selten ist! – Zustimmung erfahren:
„Nee, den kennt der nicht, das ist doch der Patrick, und der ist doch nur …“
„Ja?“
„Der ist doch nur heute, weil ich … meinste echt?“
„Hey, hey, hey! Ich misch mich sicher nicht in eure Beziehung ein!“
„Nein, ey, boah, aber mal echt ey! Nee, Du hast schon Recht! So mit Heimbringen is‘ ja jetze nich‘ so des Ding ey!“
Wow! Andernorts hört manch einer Groschen fallen, ich hab derweil Geräusche im Ohr gehabt, die entstehen müssten, wenn Dagobert durch seine Taler pflügt. Abgesehen von den 1,40 € Trinkgeld war das mit den Moneten in dieser Situation aber nicht die Rede wert. Und ob ich nun einen Abend, eine Beziehung oder gar nichts gerettet habe, weiß ich nicht.
Das kann mir auch egal sein, schließlich war ich in dem Fall nur der Taxifahrer. An meiner These halte ich jedoch fest:
Nichts, aber auch ums Verrecken gar nichts ist gut an Eifersucht. Nicht teilweise, nicht ein bisschen und schon gar nicht nur in diesem oder jenem Fall. Und – man verzeihe mir den arroganten Einschub – ich bin mir aus Erfahrung dabei absolut sicher. 🙂
Aber fühlt Euch frei, mich zu überzeugen.
